Eine erstaunliche Methode gegen Ängste, Sorgen und Grübeleien.

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Methoden

1. Teil meiner Rezension des Buches "The Tools".

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„Was hilft gegen meine Ängste?“

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz von Klienten in meiner Praxis in dreißig Jahren gehört habe. Meist kam diese Frage, wenn wir eine Weile gearbeitet hatten und deutlich wurde, dass es eine „alte“ Angst war.
Jemand war als Kind oder Jugendliche geschlagen oder missbraucht worden. Hatte einen dominanten Vater, dem sich die ganze Familie unterwarf. In der Herkunftsfamilie zählte nur Leistung, Fehler wurden gnadenlos als Versagen missbilligt.

Bei manchen Menschen führen solche Erlebnisse unter Stress zu enormen Ängsten als Erwachsene.

  • Sie haben panische Angst vor der anstehenden Klausur – obwohl sie bisher alle Prüfungen sehr gut bestanden haben.
  • Der Internist findet einen unklaren Befund. Bis es abgeklärt ist, kann der Patient drei Nächte kaum schlafen.
  • In der Firma gehen die Umsätze zurück und der Mitarbeiter ergeht sich in Katastrophenphantasien, wie es weitergehen soll, wenn er entlassen ist.

Fast immer findet man im Rahmen einer Psychotherapie den dazu passenden Hintergrund, woher diese übertriebene Angst stammt. Dieses Bewusstmachen bisher unbewusster Beziehungserfahrungen kann helfen,  aktuelle Ängste in der Gegenwart handhabbar zu machen.

Aber es dauert oft ziemlich lange. Und manchmal hilft es auch nicht.

Genau dieselbe Erfahrung beschreibt der US-Therapeut Barry Michels in dem gerade erschienen Buch „The Tools“. Von seinen Ausbildern und Supervisoren hörte Michels, wenn sich die Ängste des Patienten nicht veränderten,  dass man eben noch „tiefer“ den zugrunde liegenden Konflikt bearbeiten müsste. Daran zweifelte er zunehmend.

Und begegnete dann dem Psychiater Phil Stutz, der im Lauf seines Berufslebens einige erstaunliche Methoden – eben diese „Tools“ – entwickelt hatte, die einen ganz anderen Ansatz in der Behandlung von Klienten wiesen.

Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt.

Es enthält im Wesentlichen fünf Werkzeuge, um mit Ängsten, Sorgen, Unsicherheiten und Motivationsproblemen fertig zu werden. Dabei bedient es sich nicht der üblichen Methoden, sondern findet einen völlig neuen Ansatz. In den folgenden vier Wochen werde ich auch die anderen vier Tools hier vorstellen. Heute also das erste.

Hier ein Video der Autoren:

httpv://www.youtube.com/watch?v=4XsFPbXRkVA

Die „Schwarze Wolke“ der Ängste und Sorgen.

Die meisten Menschen sehnen sich nach innerem Frieden. Also dem Empfinden, dass alles gut ist und die Dinge ihren rechten Platz haben.Doch jeder macht sich manchmal Sorgen, entwickelt Ängste, grübelt immer wieder über die gleichen Dinge – ohne einen Ausweg zu finden.

Das Tragische dabei ist: natürlich wissen wir rational, dass die bevorstehende Prüfung nicht über Leben und Tod entscheidet.

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Unter der schwarzen Wolke sieht alles duster aus.

Dass unser Kind, nur weil es  nicht zum vereinbarten Zeitpunkt anruft, vermutlich nicht verunglückt im Straßengraben liegt. Dass der bohrende Kopfschmerz wahrscheinlich eine harmlose Ursache hat und nicht das Symptom eines Gehirntumors ist.

Aber wenn sich große Angst in uns breit macht, die grübelnden Gedanken sich im Kreis drehen oder die Sorgen um alles Mögliche nicht aufhören, dann verlieren wir diese realistische Perspektive.

Wir sind wie unter einer „schwarzen Wolke“.

Dann können wir nur noch all das ausmalen, was Schlimmes passiert ist oder noch geschehen wird. Wir sehen nur noch, was schief läuft: in unserem Leben, in der Familie, in der Firma, in der Welt.

Gefühlsmäßig geht es für den Betreffenden fürchterlich schlecht – aber nur der betreffende Mensch erlebt das so. Die Umgebung findet das Ganze maßlos übertrieben, verdreht die Augen und wendet sich irgendwann ab. Zumal der ängstliche Mensch kaum für irgendeine Art von Trost, Rat oder Hilfe erreichbar scheint.

Warum positives Denken gegen Ängste und Grübeln nicht hilft.

Fast jeder, der unter Ängsten, Sorgen und Grübeln leidet, hat mal „positives Denken“ ausprobiert. Meist in Form eines Buchgeschenks, von jemandem, dem das ständige negative Denken und Klagen auf die Nerven ging: „Das hier musst Du mal lesen!“

Doch die frustrierende Erkenntnis des ängstlichen Lesers ist meist: Anders als im Buch beschrieben oder vom begeisterten Seminarleiter verkündet, scheinen die negativen Gedanken geheimnisvollerweise bei einem selbst immer stärker zu sein als die positiven!

Bei jedem positiven Gedanken, den man sich einzureden versucht, meldet  sich der innere Kritiker: „Den Unsinn glaubst du doch selbst nicht.“ Oder: „Und das soll bei dir funktionieren?“ Nach einer Weile fühlt man sich noch schlechter als zuvor, weil man – wie es sich zeigt – offenbar ein hoffnungsloser Fall ist.

Der Sinn „unsinniger“ Gedanken.

Warum ist es so schwer, mit dem „unnötigen“ Grübeln und Sorgenmachen aufzuhören? In einem ruhigen Moment erinnern wir uns daran, dass als wir uns das letzte Mal über etwas wahnsinnige Sorgen machten, das befürchtete Ereignis nicht eintrat. Warum können wir daraus nicht lernen?

Hier kommt die Antwort:

Sich Sorgen machen, gibt uns in einer
unsicheren Situation die
Illusion von Kontrolle.

Ein Beispiel: Samstagmittag finden Sie eine Benachrichtigung über ein Einschreiben im Briefkasten. Sie haben keine Ahnung, um was für einen Brief es sich handeln könnte. Die Post hat schon zu. Sie müssen bis Montag warten, um zu erfahren, um was es sich handelt.

Manche Menschen können jetzt diese Unsicherheit gut aushalten, indem sie sich sagen: „Mal schauen, was das ist. Kann ja nichts Schlimmes sein. Am Montag werde ich sehen, um was es sich handelt.“

Menschen, die zum Grübeln neigen, verarbeiten diese unsichere Situation anders. Bei ihnen geht jetzt das Katastrophenkarussel los: Der Vermieter hat die Wohnung gekündigt. Das ist eine Vollstreckungsbescheid wegen des noch nicht gezahlten Strafzettels. Oder eine Abmahnung aus der Firma. Vielleicht der Brief eines Rechtsanwalts wegen der Kündigung des Zeitschriften-Abos …

Also eine ungewisse Situation, über die man keine Kontrolle hat. Menschen, die zum Grübeln neigen, machen sich jetzt einen Haufen Sorgen, um wenigstens etwas tun zu können. Sie haben das Gefühl, dass sie dadurch wenigstens auf alle Eventualitäten vorbereitet sind und so der Ungewissheit nicht mehr ganz so hilflos ausgeliefert sind.

Meistens löst sich die ungewisse Situation dann ganz harmlos auf. Zum Beispiel war das Einschreiben ein Brief der Online-Bank, um Ihre Personalien bei der Post zu bestätigen – und daran hatten Sie natürlich nicht mehr gedacht.

Menschen, die sich viele Ängste und Sorgen machen, haben meist in der Kindheit unsichere Situationen erlebt, die sie qualvoll ertragen mussten. Häufige Streits der Eltern und die Angst, dass die sich trennen. Die Mutter war schwer krank und die ständige Ungewissheit, ob sie wieder gesund wird oder stirbt. Der Vater, der wenn er betrunken nach Hause kommt, gewalttätig wurde.

Kinder, die in solchen Situationen nicht durch einen Erwachsenen getröstet werden, müssen sich selbst helfen. Sie stehen dann stundenlang am Fenster und glauben, dadurch beeinflussen zu können, dass die Mutter, die im Streit die Wohnung verlassen hat, wieder zurück kommt.

Das Kind kann diese Angst nicht allein verarbeiten und auch ganz schlecht aushalten. Es kann auch nicht nichts tun. Aber es kann sich Sorgen machen. Und das beruhigt etwas die Ängste.

So stoppen Sie Ihre ängstlichen und negative Gedanken.

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Das dankbare Herz hilft gegen die grauen Gedanken.

Über die äußere Welt und eintretende Ereignisse haben Sie kaum Kontrolle. Was Sie wirklich unter Kontrolle bringen können, ist Ihr Geist, sind Ihre Gedanken.

Das erscheint Ihnen natürlich, wenn Sie über etwas ängstlich oder besorgt sind, unmöglich.

Deshalb empfehle ich Ihnen hier ein äußerst wirksames Werkzeug aus dem Buch „The Tools“.

Es heißt „Das dankbare Herz“ und es geht so:

1. Beginnen Sie damit, im Stillen bestimmte Dinge in Ihrem Leben aufzuzählen, für die Sie dankbar sind.
Es können Dinge sein, die für Sie ganz selbstverständlich sind. Dass Sie ein Dach über dem Kopf haben, sich die nächste Mahlzeit kaufen können, dass draußen die Sonne scheint oder es regnet, dass Sie einen PC und Internetanschluss haben …
Sie können auch Dinge nehmen, von denen Sie verschont geblieben sind: Krieg, Tornados, bestimmte Krankheiten, früher Tod …
Wichtig ist, dass Sie die Dankbarkeit mit der Zeit wirklich fühlen können – nicht nur denken. Finden Sie immer wieder neue Dinge, für die Sie dankbar sind.
2. Nach einer halben Minute, in der Sie Dinge aufgezählt haben, für die Sie dankbar sind, hören Sie damit auf.
Konzentrieren Sie sich jetzt auf das Gefühl der Dankbarkeit in Ihrem Körper. Mit der Zeit werden Sie spüren, dass es aus Ihrem Herzen kommt.
3. Wenn Sie die Dankbarkeit aus Ihrem Herzen spüren, stellen Sie sich vor, dass Ihre Dankbarkeit zu einer höheren Kraft gehört, die für Sie und den ganzen Planeten sorgt. Verbinden Sie sich mit dieser Quelle.

Auweia, werden jetzt ein paar Leser aufstöhnen. Jetzt ist der Kopp-Wichmann auch bei den Esoterikern gelandet! Höhere Kraft, Quelle, hömma …

Keine Sorge, mir ging es genauso, als ich das Buch „The Tools“ las. Zwei gestandene Psychoanalytiker, einer davon arbeitete als Gefängnispsychiater, schwafeln jetzt von höheren Kräften. Eine neue Eso-Methode aus Amerika. Der Nachfolger von „The Secret“.

Was gegen schnelle Vorurteile hilft, ist ja immer die eigene Erfahrung.

Sie können noch so viele SPIEGEL-Artikel über den Unsinn von Homöopathie gelesen haben. In der Nacht, wo Ihre Frau dem seit Stunden wegen Ohrenschmerzen schreienden Zweijährigen fünf Kügelchen Chamomilla gibt und sich Ihr Kind in zehn Minuten beruhigt, ändert das vermutlich Ihre Einstellung gegen Hahnemann und Söhne.

Und ich habe das Tool ausprobiert.

Obwohl ich nicht sehr zum Grübeln neige, gab es eine Sache, über die ich mir immer wieder „unnötig“ Sorgen machte, ohne wirklich handeln zu können. Am Anfang spürte ich kaum etwas. Aber man muss es öfter anwenden. Am besten immer dann, wenn die negativen Gedanken auftauchen. Und siehe da …

Barry Michels und Phil Stutz empfehlen das Tool „Das dankbare Herz“ auch bei einigen anderen unangenehmen Verhaltensweisen:

  • Es hilft bei reuevollen Gedanken über Vergangenes.
    Hätte ich doch vor einem Jahr meine ganzen Aktien verkauft. Warum habe ich nicht gleich Psychologie studiert und erst etliche Berufe ausprobiert? Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ich damals …?
    Sogenannte „Fehler“ in der Vergangenheit haben nur so lange einen Einfluss auf Ihre Gegenwart, solange Sie darüber nachgrübeln. Wenn Sie fühlen, was Sie alles haben und wofür Sie dankbar sind, sehen Sie plötzlich auch die Zukunft, die voller Möglichkeiten ist.
  • Sie befreit Sie von Selbsthass.
    Jeder kennt den inneren Kritiker, der zu allem und jedem, was wir tun, seinen scharfen Senf abgibt. Gegen diese innere Stimme können Sie nie gewinnen, wenn Sie sich auf eine Debatte einlassen.
    Sie brauchen etwas, das stärker ist als der „innere Kritiker“. Und das ist dieses Tool. Probieren Sie es aus.
  • Es verringert Ihr Urteilen über andere.
    Meist werten wir andere ab, wenn wir glauben, uns Ihrem störenden Einfluss nicht entziehen zu können. Dieses Urteilen merken andere meistens mit der Zeit, behandeln uns vielleicht tatsächlich unfreundlicher und fertig ist die selbsterfüllende Prophezeiung.

Mein Fazit:

Wenn Sie nicht religiös sind, fällt es Ihnen vielleicht schwer, für Dinge dankbar zu sein, von denen Sie glauben, dass Sie sich das alles erarbeitet haben. Oder gar an eine Quelle im Universum zu glauben, die für alles sorgt.

Aber denken Sie doch mal einen Moment an Ihren Körper. Während der letzten paar Minuten entnimmt er der Luft Sauerstoff, verdaut komplexe Nahrungsmittel, ermöglicht Ihnen, das hier zu lesen und zu überdenken.

All das funktioniert erstaunlich gut, ohne dass Sie etwas dazu tun. Sie wissen vermutlich noch nicht mal, wie Ihr Körper das genau macht.

Oder denken Sie an die Erde. Obwohl wir Menschen sie nicht allzu sorgsam behandeln, versorgt sie uns täglich mit Nahrung, mit Luft zum Atmen, mit Rohstoffen, aus denen u.a. Ihr Smartphone oder Laptop gemacht wurden, auf dem Sie das hier gerade lesen.

Sie wissen das alles.

Fangen Sie an, es zu spüren. Mit Ihrem dankbaren Herzen.

kommentar Welche Erfahrungen machten Sie mit der Übung gegen Ihre Ängste?

 

Ich habe alle Methoden aus dem Buch „The Tools“ auf diesem Blog vorgestellt.
Hier die Links dazu: 2. Tool, 3. Tool, 4. Tool, 5. Tool.

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Da besonders viele Leser über diesen Artikel zum ersten Mal auf meinen Persönlichkeits-Blog kommen, hier ein paar weitere beliebte Texte zum Einstieg:

 


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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.