Was für ein Typ Vater war Ihr Vater? Und was für einer sind Sie?

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Partnerschaft / Persönlichkeit

Sohn und Vater. Das scheint mitunter eine schwierige Beziehung zu sein. Mit vielen abgewehrten Gefühlen. War doch über Jahrhunderte die Sozialisation eines Jungen durch die Devise „Sei stark!“ geprägt.

Das hat auch eine biologische Ursache, wie der Neurobiologe Gerald Hüther hier in einem Rundfunkinterview erklärt.

In der Generation meines Vaters waren Körperkontakt, emotionale Nähe  oder das Zeigen von Gefühlen verpönt. So erzählt auch Markus Söder in einem Interview: „Hätte mein Vater mich jemals gefragt: „Junge, wie geht es dir?“, dann hätte ich Sorge gehabt, dass etwas nicht stimmt.“

Ja, so waren oder sollten sie sein, die Männer und Jungen vergangener Tage: »Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl« Dieses Männerbild Hitlers hatten die Väter des letzten Jahrhunderts verinnerlicht. Geeignet, um frohgemut in den Krieg zu ziehen, da war für Kinderkram kein Platz.

Auch mein Vater war so geprägt.
Nie wäre es ihm in den Sinn gekommen, einen Kinderwagen zu schieben oder seinen einzigen Sohnemann ins Bett zu bringen. In einer FOCUS-Serie erzählen prominente Männern meiner Generation von ihrem Vater:

Da sind viele Väter heute anders. Das Vaterbild hat sich grundlegend gewandelt. Laut der Studie „Männer in Bewegung“des Bundesfamilienministeriums gehen die meisten Väter anders mit ihrem Nachwuchs um: Sie kuscheln, bringen ihn ins Bett oder schnallen ihn sich beim Spaziergang vor den Bauch.

Wer sich heute weigert, im Geburtsvorbereitungskurs mitzuhecheln, ist als moderner Mann schnell untendurch.

Heute sollen viele Männer nicht nur der Ernährer sein, sondern sich auch aktiv am Aufwachsen ihrer Kinder beteiligen. Diese Doppelrolle erwarten heutzutage nicht nur viele Frauen, die Kinder und der gesellschaftliche Zeitgeist (Stichwort: Elterngeld).

Auch viele Männer selbst haben sich das zum Ziel gesetzt. Und fühlen sich manchmal dadurch auch überfordert. Die Vereinbarkeit von Karriere und Familienleben ist somit auch ein Problem für moderne Männer geworden. Für Frauen war sie das ja schon länger.

Welche Vater-Typen gibt es? 

Licht ins Dunkel der verschiedenen Väter-Stile bringt eine Untersuchung von zwei Soziologen, die zeigt, wie sich die Rolle des Vaters im Lauf der Jahre gewandelt hat und wie sich das auf die Familie auswirkt.

Aus ihren Interviews mit über 1500 Interviews konnten sie sechs verschiedene Vater-Typen herausfiltern (hier eine Zusammenfassung der Studie).

1. Der Fassaden-Vater (25%)

„Dieser Typus hat nur eine sehr diffuse Vorstellung davon, wie er als Vater sein will. Er ist in Erziehungsfragen oft überfordert und hat keine hinreichenden Lösungen, um Alltagsprobleme zu bewältigen. Hinter der Fassade des fürsorglichen, überlegenen und gewissenhaften Vaters zeigt er sich eher hilflos.“ 

2. Der Vater am Rand (10%)

„Dieser Vater fühlt sich in seinem Engagement von der Mutter erheblich in Frage gestellt. Er ist davon überzeugt, dass seine Partnerin seinen erzieherischen Kompetenzen misstraut, und seiner Wahrnehmung nach möchte die Mutter ihn aus der Beziehung zum Kind sogar tendenziell ausschließen.

In seiner Art, sich mit dem Kind zu beschäftigen, fühlt er sich von seiner Partnerin kritisiert. Er geht ohnehin davon aus, dass die Beziehung zum Kind für seine Partnerin wichtiger ist als die Paarbeziehung.“

3. Der Vater als Ebenbürtiger(29%)

„Diese Väter nehmen sich als partnerschaftlich, dem Kind zugewandt, geduldig und als von der Partnerin hoch akzeptiert wahr. Traditionelle Rollenklischees lehnen die ebenbürtigen Väter ab, und sie fühlen sich in ihrer Rolle sicher.

Dieser Vater schreibt sich selbst ein hohes Engagement und emotionale Kompetenz zu. Die Qualität der familialen Beziehungen und die der Partnerschaft bewertet er als ausgesprochen gut.“ 

4. Der patriarchalische Vater (18%)

„Er sieht seine Aufgabe insbesondere darin, für den Unterhalt der Familie zu sorgen, er verbindet damit überhaupt ein traditionelles Rollenverständnis. Für Alltagsfragen der Betreuung und Erziehung der Kinder ist in allererster Linie die Mutter zuständig, insbesondere auch für die emotionale Zuwendung.

Die Väter sind – auch in ihrer Selbstbeschreibung – emotional distanziert, gestalten die Beziehung zum Kind eher über gemeinsame sportliche Aktivitäten oder technische Interessen.“

5. Der überforderte Vater. (13%)

„Der unsichere, gereizte Vater ist in seiner väterlichen Rolle stark verunsichert. Er reagiert in aller Regel ungeduldig und stark gereizt auf Bedürfnisse des Kindes und fällt daher durch das problematischste Vater-Kind-Verhältnis der gesamten Untersuchung auf.

Zwar stehen diese Väter den Anforderungen, die mit dem Bild einer neu definierten Vaterschaft verbunden sind, im Grunde aufgeschlossen gegenüber, sie befinden sich jedoch oftmals mit traditionellen Orientierungen dieser Väter im Widerstreit.“

6. Der Vater als Partner (6%)

„Diese Väter hatten keinen entschiedenen Kinderwunsch. Die Vaterschaft verändert jedoch ihre Identität grundlegend, der partnerschaftliche Vater richtet sein Leben insgesamt stark danach aus, der Fürsorge der Kinder gerecht zu werden.

Der Unterschied zum ebenbürtigen Vater macht sich unter anderem am gleichzeitigen Beharren an männlich geprägten Rollenvorstellungen in der Erziehung fest.“

Mit diesem Raster der verschiedenen Väter-Typen fällt es nun leichter, einige journalistische Beiträge der letzten Monate einzusortieren.

 


Haben es prominente Söhne schwerer?

Sich von den Eltern abzulösen, ist ja kein leichter Prozess, wie ich in mehreren Beiträgen in diesem Blog und einem Buch bereits ausführlich dargelegt habe. Doch wie ist es, wenn man der Sohn eines prominenten Mannes ist?

Dazu zwei Beispiele.

 „Wenn ein Sohn die Firma nicht will, hat der Vater versagt.“ Diese Lebensweisheit verdanken wir Wolfgang Grupp, 69. Sie kennen den Herrn sicher aus dem Werbespot für Trigema, wo immer vor der Tagesschau ein Affe T-Shirts empfiehlt.

Und der Chef mit scharfgezogenem Scheitel und hochgeschlossenem Kragen sichtlich stolz durch die Reihen seiner Näherinnen schreitet und verkündet, dass seine Firma ausschließlich in Deutschland fertige und deshalb deutsche Arbeitsplätze sichern helfe.

Auf die Frage im FOCUS-Interview „Sind Sie stolz auf Ihren Sohn?“ antwortet der Senior: „Ich habe bis jetzt nichts Negatives erlebt.“

Mehr über diesen Vater aus dem vorigen Jahrhundert hier…

Im Frühjahr 2011 veröffentlichte Walter Kohl sein Buch „Leben oder gelebt werden“ und beschreibt darin, wie er die bekannten Familienurlaube am Wolfgangsee erlebte aber auch wie furchtbar der RAF-Terror sein schulisches Leben beeinflusste.

httpv://www.youtube.com/watch?v=ipRb5alWOY8

Man kann nicht nicht erziehen.

Die obigen Vater-Typen zeigen unterschiedliche Einstellungen und Verhaltensweisen von Vätern. Wichtig daran sind mir drei Dinge:

1. Der Vater hat immer einen Einfluss.

Auch ein Vater, der sich nach der Geburt davonmachte oder in der Kindheit eines Jungen zwar körperlich anwesend aber emotional nicht verfügbar war, beeinflusst die Entwicklung eines Jungen.

Denn  durch seinen nicht eingenommen Platz lässt der Vater automatisch mehr Raum für die Mutter. Da Jungen in den frühen Jahren in Kindergarten, Grundschule und weiteren Schulen ohnehin hauptsächlich von weiblichen Autoritätsfiguren umgeben sind, kommt es bei manchen Jungen zu einer fatalen Entwicklung im Männerbild.

Da sie zuviel von Frauen umgeben sind und zu wenig männliche Vorbilder haben, entwickeln sie eine Umwegs-Identifikation. Björn Süfke erklärt es so:

„Wenn die Jungen drei oder vier Jahre alt sind, dann verstehen sie Geschlechtskonstanz, also, dass sie Jungen sind und dass sie Männer werden müssen. Deshalb suchen sie Informationen darüber, wie Männer sind – aber sie haben im Grunde gar keine reale Vorgabe: Wie sind eigentlich Männer? Ganz normale Männer aus Fleisch und Blut?

Dafür erleben die Jungen täglich, wie Frauen sind. Und die Frauen in ihrem Umfeld präsentieren viel von dem, was eigentlich ganz normal menschlich ist. Sie sind fürsorglich, traurig, sie sind hilflos, mal ärgerlich, mal liebevoll.

Und die Jungen schlussfolgern nun unbewusst, dass all diese Gefühle typisch weiblich sind, also nicht männlich. Um ein Mann zu werden, verdrängen sie diese Gefühle, spalten sie regelrecht ab.

Und von der Gesellschaft werden sie darin noch bestärkt. Gerade unter Jugendlichen wird ja alles, was irgendwie den Touch von Weiblichkeit hat, abgewertet, es gilt als „schwul“, als schwach, als unmännlich.“ 

 2. Es ist wichtig, seine eigene Vaterrolle zu finden.

Die Rolle des „ebenbürtigen Vaters“ (Typ 3) hat sich aus meiner Sicht als Reaktion auf das traditionelle, patriarchalische Vaterbild entwickelt, unter dem viele Männer als Kind gelitten haben.

Jetzt versucht man, ein besserer Vater zu sein.

Das ist einerseits gut, weil es den eigenen Kindern und den Männern selbst gut tut, mehr Beziehung zu erleben. Aber es kann auch zu einer Übertreibung führen, in der man sich gar nicht mehr traut, ein Machtwort zu sprechen, um bloß nicht so autoritär wie der eigene Vater zu werden.

Zu diesem Finden der eigenen Vaterrolle gehört aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt dazu: die Versöhnung mit dem eigenen Vater. Das ist ja auch der Untertitel des Buches von Walter Kohl.

Dies kann ein langer, schmerzhafter Weg sein. Den man auch meistens alleine gehen muss, weil der reale Vater entweder nicht mehr lebt oder sich emotional weiterhin verweigert. „Die öffentliche Zurschaustellung und Vermarktung meines Privatlebens durch Dritte empfinde ich als unangemessen,“ war die Reaktion des Altbundeskanzlers auf das Buch seines Sohnes.

Wie dieser Versöhnungsweg aussehen kann, habe ich hier beschrieben. Sie können auch ein Video dazu ansehen.

3. Der Quelle zum Mannsein liegt in der Beziehung zum Vater.

„Wenn  ein Mann in der Therapie weint, ist es fast immer wegen seines Vaters“, fanden die Autoren Dan Kindlon und Michael Thompson heraus, als sie das männliche Gefühlsleben untersuchten. (Zitat aus FOKUS)

„Sehr wenig rühre Männer zu Tränen. Ein Mann könne über seine gescheiterte Ehe, schwierige Kinder, Enttäuschungen im Beruf, ruinöse Geschäftsentscheidungen und körperliches Leiden mit trockenen Augen sprechen.“
(Und wenn der Lieblingsverein absteigt, will ich noch ergänzen.)

Als erwachsener Mensch, egal ob Mann oder Frau, braucht man ja das Beste von beiden Eltern. Die weibliche und die männliche Seite. Wenn man als Mann eine Seite überbetont oder abspaltet, hat das gravierende Folgen für den Kontakt zu den eigenen Kindern, die Beziehung zum Partner und auf das eigene Leben.

kommentar Wie war ihr Vater?
Und was für ein Vater sind sie?

 

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.