Unternehmen brauchen „sanfte Rebellen“. Haben Sie das Zeug dazu?

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EFFEKTIVER FÜHREN / Karriere

Wie entsteht Wandel in Unternehmen? Durch Unternehmensberater, die über Monate sich alle Prozesse anschauen und dann radikale Lösungen vorschlagen? Oder durch charismatische Führer, die das Steuerrad herumreißen und alles wird anders?

In Einzelfällen mag das so passieren. Aber häufiger passiert der Wandel weniger spektakulär. Verantwortlich dafür sind ganz bestimmte Menschen in einem Unternehmen, die sanften Rebellen.

Sie machen ihren Job und versuchen, in ihrem Bereich Dinge zu verändern. Drei Beispiele:

  1. Ein umweltbewusster Manager überzeugte den Kantinenbetreiber mit dem Argument der Kostenersparnis auf Styroporpackungen zu verzichten. Worauf dieser auch in anderen Bereichen mehr auf Umweltschutz achtete.
  2. Ein Abteilungsleiter erhöhte sukzessive den Anteil an Frauen für die Teamleiterstelle – ganz ohne ausdrückliche Frauenquote. Worauf andere Abteilungsleiter neidisch wurden auf die fähigen Mitarbeiterinnen.
  3. Eine Abteilungsleiterin definierte Teamarbeit neu, indem sie  Präsentationen beim Vorstand nicht selbst machte, sondern an ihre Mitarbeiter delegierte. Daraufhin wollten immer mehr gute Leute zu ihr versetzt werden.

Es sind also keine heldenhaften Taten, die für Aufsehen und spontanen Applaus sorgen. Es sind eher kleine aber wirksame Handlungen, die bestehende Regeln herausfordern.

Kennen Sie die inoffizielle Regeln in Ihrer Firma?

Die offiziellen Regeln sind meistens das sogenannte Leitbild. Das steht auf der zweiten Seite der Firmenbroschüre, auf der Website oder in Edelstahl geprägt in der Eingangshalle. Meist beginnt es mit:

Wir führen eine faire und offene Kommunikation.
Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht der Kunde.
Unsere Produkte sind ein wichtiger Beitrag zum …

Blablabla. Nichtssagend und austauschbar.

Viel interessanter sind die inoffiziellen Regeln in Ihrem Unternehmen. Die stehen natürlich nirgends aber fast alle verhalten sich danach. Die kriegt man aber leicht heraus – durch ein Gedankenexperiment:

Stellen Sie sich vor, Sie bekommen zu Hause einen Anruf von Ihrem besten Freund oder Ihrer besten Freundin. Der/diejenige sagt Ihnen ganz aufgeregt: Stell dir vor, ich habe einen neuen Job. Und zwar in Deiner Firma! Nächste Woche fange ich schon an. Damit ich bei Euch die ersten Wochen einen möglichst guten Start habe, sag mir doch mal bitte – worauf muss ich am meisten achten? Und was sind Fettnäpfchen, die ich unbedingt vermeiden?
Und was Ihnen jetzt spontan alles einfällt – das sind die inoffiziellen Regeln in Ihrer Abteilung oder Ihrer Firma.

Die Kultur in vielen Firmen wird oft von starrer Konformität, striktem hierarchischem Denken, bedingungsloser Loyalität und Angst vor Veränderungen bestimmt.

Viele Organisationen neigen beispielsweise dazu, bei Stellenbesetzungen Menschen mit ähnlicher Einstellung vorzuziehen. Nach jeder Bundestags- oder Landtagswahl werden die Staatssekretäre oder Abteilungsleiter nach dem Parteibuch ausgewechselt. Und kritikempfindliche Chefs scharen um sich herum nur kopfnickende Jasager.

Wie soll sich da was ändern?

Die Quintessenz der einschlägigen Forschung zum Thema der „tempered radicals“lautet:

„Wenn man etwas verändern will, braucht man Leute, die in der Kultur verwurzelt sind und zugleich weit genug außerhalb stehen, um etwas verändern zu können.“

(Zitat aus brandeins)

Denn allzu konformes Denken verhindert notwendige Anpassungen oder schmerzhafte Veränderungen. Jedes Unternehmen braucht deshalb sanfte Rebellen, die Prozesse in ihrem Bereich quasi von außen betrachten können und sich trauen, etwas Neues zu probieren.

Haben Sie das Zeug zum sanften Rebellen?

Gemäßigte Radikale sind Individualisten, meist nicht nur im Beruf. Sie haben ihre eigenen Ansichten und scheuen sich nicht, diese zu zeigen oder sich danach zu verhalten. Hier eine kurze Checkliste, ob Sie dazu gehören?

  • Gehen Sie gern Risiken ein, wenn Sie es für wichtig halten?
  • Machen Sie sich oft Gedanken, wie man etwas verbessern könnte?
  • Sind Sie konfliktfreudig?
  • Sind Sie bereit, für Ihre Überzeugungen Nachteile in Kauf zu nehmen?
  • Haben Sie persönliche Werte, die Sie leidenschaftlich vertreten?
  • Verändern Sie gern Dinge auch wenn das Ganze gut läuft?

Debra Meyerson, (hier ein Artikel von ihr) die ein Buch darüber geschrieben hat, sagte über diesen Ansatz: „Sanftes Rebellentum ist keine Revolution. Aber es die Essenz der Veränderung. Es ist die wahre Natur von Führung.“

kommentar Sehen Sie sich auch als sanfter Rebell?
Was haben Sie mal verändert?

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Foto: © Grizzlybaerin- Fotolia.com.
Zu dem Beitrag wurde ich angeregt durch einen
Artikel in brandeins.

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

8 Kommentare

  1. Olaf sagt

    Trotzdem sollte man den Bogen nicht überspannen Sebastian! Wobei konstruktive Kritik in einer Firma noch nie geschadet hat eher umgekehrt!

  2. Sebastian sagt

    Man darf sich nicht alles gefallen lassen Sabine, ich finde Sie zeigen damit Charakterstärke, weiter so!

  3. Hallo Bernd,
    gute Ergänzung mit dem KAIZEN-Ansatz. Oft kann der einfache Arbeiter gute Verbesserungen vorschlagen, weil er näher dran ist.

  4. Ich denke das sanfte Rebellen durchaus eine Bereicherung eines Unternehmens sein können.Wenn man sich eingehend damit beschäftigt zeigt es, finde ich zumindest, dass es ein Faktor von vielen in der KAIZEN „Lehre“ ist. Kaizen (http://de.wikipedia.org/wiki/Kaizen) kommt aus dem japanischen und steht für die kontinuierliche Verbesserung wobei, und da trifft es den Punkt, Führungskräfte UND Mitarbeiter einbezogen werden. Geht ein Unternehmen „richtig“ damit um, so kann ein enfacher Schichtarbeiter verbesserungen vorschlagen die auch „oben“ gehört werden.Ich denke wenn diese „Infrastruktur“ gut umgesetzt wird, braucht es keine sanften Rebellen.

  5. Frank sagt

    Ein Artikel zum Augenöffnen!

    In der Tat dürften wohl die meisten Arbeitnehmer Verbesserungspotentiale in Ihrer Firma schnell ausfindig machen. Meines Erachtens sagen sich jedoch viele Mitarbeiter: „Ach ich kann hier eh nichts ändern, also sage ich nichts und schwimme einfach weiter im Strom“. Und tatsächlich entspricht die Aussage: „Und kritikempfindliche Chefs scharen um sich herum nur kopfnickende Jasager“ absolut der Wahrheit.

    Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass wir gerade hierzulande dieser Art Chef am ehesten begegnen. Das ist ja auch sehr menschlich. Wer wird schon gerne kritisiert und schon gar nicht öffentlich. Und aus diesem Grund sind „laute Rebellen“ vielleicht für ein, zwei Heldentaten im Unternehmen gut, jedoch mittelfristig werden sie scheitern, da diese Rebellen dem Chef zu unbequem sind. Daher sind die sanften Rebellen stets diejenigen die sich am erfolgreichsten im Unternehmen behaupten können. Allerdings erfordert das auch viel Energie.

  6. Genau solche Menschen brauchen wir. Danke für den schönen Artikel.
    Viele sind sich gar nicht bewußt, dass unser Gehirn darauf spezialisiert ist, diese Regeln zu lernen und immer wieder zu wiederholen. Da ist gut, sich selber zu reflektieren, um diese implizit gelernten Regeln ändern zu können, falls diese uns nicht gefallen. So lernt übrigens unser Gehirn auch die Grammatik der Muttersprache. Wir wenden alle Regeln davon an, ohne auch nur eine benennen zu können. Faszinierend, nicht?
    Ihr Link mit den Richtungen, werter Roland, deutet genau auf diese Mechanismen…
    http://www.welt.de/gesundheit/article13595517/Wie-der-Uhrzeigersinn-unser-Verhalten-bestimmt.html Aber das wissen Sie sicher?

  7. Hallo Sabine,
    eine Herausforderung ist vor allem Ihre Entscheidung, in Großbuchstaben zu schreiben. Taste verklemmt oder Rebellion gegen normales Schreiben?
    Aber schreiben Sie doch mal, gegen was Sie immer wieder in Ihrer Bäckerei rebellieren.
    Danke für Ihren Kommentar.

  8. SABINE WIEGANDT sagt

    ALSO ICH GLAUBE ICH GEHÖRE AUCH ZU DEN SANFTEN REBELLEN.ICH ARBEITE IN EINER BÄCKEREI ALS FILIALLEITUNG.VOR DREI JAHREN HABEN WIR EINE NEUE FILIALE ERÖFFNET.MITTLERWEILE IST DAS DIE UMSATZSTÄRKSTE UND VOM ZUWACHS HER DIE STÄRKSTE FILIALE (VON 24)IM UNTERNEHMEN.ICH BIN ZWAR NICHT GERADE DER LIEBLING VOM CHEF,DADURCH DAS ICH IMMER WIEDER REBELLIERE UND MEINEN EIGENEN kOPF HABE.ABER IRGENDWIE MACHT ES MICH AUCH STOLZ WENN ER ZU MIR SAGT:ICH BIN EINE HERAUSFORDERUNG FÜR JEDE BEZIRKS-UND VERKAUFSLEITUNG. GRUSS SABINE WIEGANDT

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