Ein Mann braucht den Frieden mit seinem Vater.

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Männer, die in meine Persönlichkeitsseminare oder zu einem Coaching kommen, haben ganz normale Probleme, für die sie eine Lösung suchen:

  • Einer hat immer wieder Schwierigkeiten, sich gegenüber seinem Vorgesetzten angemessen durchzusetzen.
  • Ein anderer hat beruflich alles erreicht, was er sich vorgenommen hat, kann sich jedoch immer weniger motivieren.
  • Jemand kommt mit seinen Aufgaben nicht klar, weil er zu wenig delegiert.
  • Wieder ein anderer bekommt einen lukrativen Auslandsjob angeboten und kann sich seit Wochen nicht entscheiden.
  • Jemand ist ein souveräner Projektleiter – bis man ihn auffordert, einen kleinen Vortrag vor Pressevertretern zu halten.

Meist haben die Teilnehmer, die zu mir kommen, für ihr Problem bereits ein entsprechendes Seminar besucht (Kommunikation, Konflikt, Rhetorik, Zeitmanagement). Geholfen hat es wenig.

In meinen Seminaren sparen wir uns deshalb alle entsprechenden Methoden und Tipps und suchen die Ursache in persönlichen, unbewältigten Konflikten in der Biografie desjenigen. Dabei stoßen wir meist auf ein Problem mit der Konfliktfähigkeit, dem Selbstbewusstsein oder dem Vertrauen in die eigene Entscheidungsfähigkeit.

Gehen wir noch tiefer, stelle ich zuweilen die Frage nach der Beziehung zum Vater.

Und bin immer wieder überrascht über die Antworten. Viele berichten, dass sie schon seit Jahren überhaupt keinen Kontakt haben oder den Kontakt mit ihrem Vater meiden, weil es schnell zu vorhersagbaren Reaktionen und Streit kommt.

Aus meiner über dreißigjährigen Erfahrung in der Arbeit mit Menschen habe ich viel gesehen, wie eine solche „Vaterwunde“ im Leben eines Mannes sich beruflich und privat auswirken kann.

Häufige Folgen sind …

  • Ein Mann definiert sich vor allem über Macht, Kontrolle und die Unterdrückung anderer.
  • Ein Mann legt sich laufend mit Autoritäten an, sei es nun der eigene Chef, ein Streifenpolizist oder der Vermieter.
  • Ein Mann wird zum erfolgreichen Frauenhelden, wo das Erobern im Vordergrund steht.
  • Ein Mann hat eine langjährige Partnerin und scheut – mit wenig überzeugenden Argumenten – sie zu heiraten.
  • Ein Mann wird sehr erfolgreich und spürt trotz allem immer wieder eine quälende Leere in sich.

Was bedeutet es nun, ein Mann zu sein. Meine Definition ist ziemlich schlicht:

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Ein Mann zu sein bedeutet, gleichberechtigte Beziehungen führen zu können.

Wenn man in der Welt umherschaut, dann bekommt man eine Ahnung, wie schwierig das zu sein scheint.

  • Männer, die nicht zuhören können, wenn in einer TV-Talkshow ein Gesprächspartner einen entgegengesetzten Standpunkt vertritt. Sondern diesen gleich als falsch, abwegig, blödsinnig abwerten müssen – anstatt ihn einfach als ‚gegensätzlich‘ akzeptieren und stehen lassen zu können.
  • Männer, die gegen jede Anordnung, Vorschrift etc. rebellieren ‚müssen‘, um bloß das nicht zu machen, was ein anderer sagt oder verlangt. Egal, ob es sich da um ein Tempolimit, eine betriebliche Vereinbarung oder den Wunsch der Partnerin handelt.
  • Männer, die eine Frau umbringen, nur weil diese gerade keine Lust hat, den Wunsch des Mannes zu erfüllen.
  • Männer, die jede Grenze nicht als eine hilfreiche Information betrachten, sondern vor allem als Herausforderung, diese Grenze unverzüglich zu überschreiten – nach dem Motto „Das wollen wir doch mal sehen!“.
  • Männer, die aus fast jeder Situation einen Wettkampf machen, bei dem sie beweisen müssen, dass sie besser sind.
  • Männer, die sich bei Kritik sofort angegriffen fühlen und entweder schuldbewusst einknicken oder Rache schwören und ausüben.

Als „Vaterwunde“ bezeichne ich die ungeheuer schmerzliche Erfahrung für einen Jungen, dass der Vater einen nicht beachtet, nicht respektiert, dauernd kritisiert oder abwertet oder schlicht sich physisch oder emotional entzieht.

In meinen Seminaren ermutige ich Männer, wenn es angezeigt ist, den Kontakt zum eigenen Vater wieder aufzunehmen. Die Widerstände, die ich dabei erlebe, sind enorm. Diese heftige Abwehr verstehe ich als Zeichen, wie schmerzhaft der Verlust – und die mögliche Annäherung – empfunden wird. Doch ich bin überzeugt, dass jeder Mann seinen Frieden mit seinem Vater machen muss – um selbst ein Mann zu werden.

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Wie kann man mit dem Vater wieder Kontakt aufnehmen?

  1. Wenn Ihr Vater noch lebt und geistig und emotional zugänglich ist, schlage ich das direkte Gespräch vor.
    Das ist beileibe keine einfache Sache und bedarf vermutlich Ihrerseits einer genauen Vorbereitung. Je nachdem wie viel Erfahrung Sie bereits mit Konfliktgesprächen haben, fällt es Ihnen mehr oder weniger schwer, dies anzugehen.
    Wichtig dabei ist, dass Sie vorab in sich klären, was Sie Ihrem Vater sagen wollen und wie Sie mit abwehrenden Reaktionen Ihres Vaters umgehen können.
  2. Wenn Ihr Vater bereits verstorben ist oder gesundheitlich oder psychisch so beeinträchtigt ist, dass eine solche Aussprache nutzlos oder zu viel für ihn wäre, bleibt der Weg, ihm einen Brief zu schreiben.
    Hier schreiben Sie sich alles von der Seele nach dem Motto „Was ich Dir schon immer mal sagen wollte.“
    Das Schreiben kann ruhig über mehrere Tage oder Wochen gehen. Immer wenn Ihnen wieder was einfällt, was Sie ihm sagen wollen, schreiben Sie es nieder. Wichtig dabei ist auch, Ihre Gefühle beim Schreiben („Das fällt mir jetzt ganz schwer… jetzt habe ich Angst, dass Du wütend wirst …“) mit aufzuschreiben.
    Wenn der Brief dann fertig, entscheiden Sie, wie Sie damit verfahren wollen. Wenn Sie ihn Ihrem Vater nicht aushändigen wollen (oder können) sollten Sie den Brief trotzdem „expedieren“. Also nicht in der Schublade verwahren, sondern in einem für Sie stimmigen Ritual ‚in seine Richtung‘ senden.
    Viele Männer haben mir von der enormen Befreiung und Wirksamkeit dieser Methode berichtet. Das ist kein Wunder, denn es geht in erster Linie nicht darum, dass Ihr Vater hört und versteht, was Sie ihm sagen wollen. Es geht bei dieser Klärung mehr um Ihr inneres Bild, das Sie von Ihrem Vater haben. Und um Ihre aufgestauten Gefühle von Zorn, Enttäuschung, Sehnsucht und Liebe, die es auszudrücken gilt.

Die meisten Männer, mit denen ich an der Aussöhnung mit dem eigenen Vater gearbeitet habe, erleben enorme Widerstände, sich diesem Thema überhaupt zu nähern. Ich will hier die wichtigsten Widerstände nennen – und Wege dazu, darüberhinaus zu gehen.

  • „Das ist doch alles viel zu lange her. Mein Vater ist heute ein alter Mann (oder verstorben). Wie soll das heute noch einen Einfluss auf mein Leben haben?“
    Konflikte, die wir nicht lösen, verschwinden nicht durch die Zeit. Sie wirken in unserem Unbewussten fort und drängen nach außen – meist indem wir uns andere Mitspieler (quasi Stellvertreter) dafür suchen – und auch immer finden.
    Wie lebendig diese alten Erfahrungen in uns noch sind, wird spürbar, wenn ich zuweilen den Mann bitte, seinen Vater in der Phantasie auf einen Stuhl vor sich zu setzen. Allein die dann zumeist auftretenden Körperreaktionen und Gefühle zeigen, wie lebendig das „Vaterbild“ noch in dem betreffenden Mann wirkt.
  • „Mein Vater hat so schlimme Sachen gemacht (d.h. war ein Nazi, Alkoholiker, Spieler, notorischer Fremdgänger, hat uns verprügelt, im Stich gelassen etc.), das kann und werde ich ihm nie verzeihen.“
    Es ist wichtig, den erlittenen Schmerz und die damit verbundenen Gefühle wie Wut, Scham und Trauer zu empfinden und nicht zu verdrängen. Das ist schon der erste Schritt der Bewältigung. Gleichzeitig kann ich den Impuls der Rache, des Heimzahlen-Wollens oder der Verachtung gut nachvollziehen.
    Doch halte ich es für fatal, wenn man in den Rachegefühlen steckenbleibt. Denn die Rache bindet uns an den Täter und macht uns so zum Opfer. Doch selten haben Väter die Einsicht oder die Reife, ihre ‚Fehler‘ einzusehen oder sich gar dafür zu entschuldigen. Sie fühlen sich zumeist sofort angegriffen und man bekommt Verleugnungen zu hören („Das bildest du dir alles ein.“) oder Rationalisierungen („Das war damals eine schwere Zeit.“) oder verkappte Schuldgefühle („Ich hätte dich mal sehen wollen, wie du das anders bewältigt hättest.)
  • „Ich musste von klein auf ohne einen Vater auskommen. Das hat mich früh stark und unabhängig gemacht.“
    Viele Männer machen aus der Not des Vaterverlusts eine Tugend und werden tatsächlich stark und erfolgreich. Doch wie jede kompensatorische Leistung hat auch diese ihren Preis.
    Ich denke, es gibt Dinge, die nur ein Vater seinem Sohn weitergeben kann. Das ist vor allem die Anerkennung eines Mannes. Unterlässt ein Vater dies, wird ein Sohn oft ein ganzes Leben unter dem Druck leben, etwas beweisen zu müssen. Und diese Anerkennung möglicherweise in der Macht über andere, im Kampf mit Autoritäten, im schnellen Sportwagen, dem Aufhäufen von Geld oder in den Armen einer bewundernd aufschauenden Geliebten suchen.
    Doch ist diese Anerkennung nur Ersatz. Unbewusst suchen viele Männer nach etwas oder jemandem, das oder der ausdrückt, was sie nie vom eigenen Vater hörten: „Du bist mein Junge. Und ich bin sehr stolz auf dich!“

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Warum ist es wichtig, sich mit dem Vater auszusöhnen?

In den ‚zivilisierten Kulturen‘ gibt es fast keine Rituale mehr, die den Übergang vom Jungen zum Mann markieren.
‚Primitive‘ Naturvölker haben das noch. Dabei geht es meist darum, die Jungen im Alter bei Nacht zu Hause zu überfallen und in einen dunklen Wald zu bringen, sie dort tüchtig zu erschrecken und harte Mutproben von ihnen zu verlangen. Der Sinn ist – psychologisch gesehen – sie in den Kreis der Männer aufzunehmen. Dafür müssen sie der Nähe der Mutter entrissen und ihrer eigenen Kraft versichert werden – durch andere Männer.
In unserem Kulturkreis gibt es dafür nur noch die Bundeswehr. Aber der kann man ja leicht entgehen, indem man Gebrechen simuliert oder sich als Pazifist gibt. (Dies ist kein Plädoyer für die Bundeswehr, sondern ich beschreibe nur den Mangel an Männlichkeitsritualen). Wenn Jugendliche heute halsbrecherische Autofahrten oder andere gefährliche Abenteuer bestehen wollen, dann hat das meiner Meinung nach oft mit dem Wunsch zu tun, sich als Mann zu beweisen.)

Wenn man etwas stark ablehnt, wird man nicht frei, sondern bleibt an dieses ‚Etwas‘ gebunden.
(So wie der Priester, der Sex verteufelt und im Fernsehen nur nackte Weiber wahrnimmt.)
Wer seinen Vater ablehnt oder jahrelang hasst, bleibt innerlich an ihn gebunden. Wenn man aber wirklich erwachsen werden will – und nicht nur älter – dann ist es wichtig, sich innerlich abzulösen. Das gestaltet sich dann schwierig, wenn der Vater ‚zu gut‘ ist und für alles Verständnis hat. Dann muss man schon extreme Ausbruchsversuche machen, bis man merkt, dass die Verständnisgrenze des Vaters erreicht ist – und man erst mal frei ist.

Wie kann man seinen Frieden mit dem eigenen Vater schaffen?
Es würde den Umfang dieses Blog-Beitrags sprengen, hier zu sehr in die Tiefe zu gehen. Ich will trotzdem die Richtung andeuten, in die es gehen kann.

  1. Versuchen Sie, gaaanz langsam Verständnis und Mitgefühl für Ihren Vater zu entwickeln.
    Väter (genauso wie andere Menschen auch) tun immer das ‚Beste‘ im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Ein prügelnder/saufender etc. Vater kommt einem als Kind übermächtig oder herzlos vor. Von heute aus betrachtet, kann man zu der Einsicht gelangen, dass er in bestimmten Situationen einfach völlig hilflos war – und nicht die Reife hatte, dies zu bemerken und sich einzugestehen. Und deswegen prügelte, weitersoff, die Familie in den Ruin trieb etc.
    All das ist schlimm für Kinder. Doch auch Väter sind ganz normale Menschen, und nicht die verehrten Lichtgestalten und Alleskönner, die sie einst für uns als Kinder einmal waren oder sein sollten. Das sich einzugestehen und trotzdem in inneren Kontakt mit dem Vater zu bleiben, schafft jene notwendige Distanz, die es braucht, dass man selbst ein Mann wird (und nicht der Pubertierende bleibt, der die Frauen schützt, rächt oder verachtet.)
  2. Auch Ihr Vater war mal ein Junge – und wurde durch die Erfahrungen mit seinem Vater stark geprägt.
    Und in der Regel waren die Väter unserer Väter an Kindererziehung noch uninteressierter. Aber meist kann man nur das authentisch weitergeben, was man selbst erlebt und erfahren hat.
    Viele unserer Väter (ich bin Jahrgang 1948) sind durch den Krieg traumatisiert heimgekehrt – und wussten nicht. Für die Soldaten im Vietnamkrieg gab es umfangreiche Traumabehandlungen. Die Väter unserer Nachkriegszeit kamen nach Hause und mussten ein verwüstetes Land aufbauen – und waren oft selbst innerlich verwüstet.
  3. Ihr Vater verdient Ihren Respekt, egal wie er war und egal was er gemacht hat.
    Wenn ich diesen Gedanken in einem Seminar andeute, muss ich mir immer heftige Abwehr anhören.
    Aber es geht mir ja nicht darum, etwas zu verharmlosen, was ein Vater gemacht hat. Es geht mir immer um den Mann, der vor mir sitzt – und dem etwas Wichtiges fehlt: die Auseinandersetzung mit dem Vater. Also bloß kein voreiliges Verzeihen, damit wieder Frieden ist, sondern eine klare, ungeschminkte Auseinandersetzung unter Männern. Und dann- irgendwann – kommt hoffentlich Ihr Respekt für Ihren Vater. Respekt wofür?
    Ganz einfach: ohne ihn wären Sie nicht hier.
    Punkt.

Ich weiß, dass dies ein schwieriges Thema ist. Doch wenn ich mir so ansehe, was Männer in der großen Welt der Politik so machen und mitbekomme, was Männer in den vielen kleinen Welten so machen, so wundere ich mich schon manchmal. Und wünsche uns Männern dann oft mehr echtes Selbstbewusstsein oder natürliche Autorität anstatt Status-Gegockele und krakehlendes Machtgeprotze. Denn spätestens in der Krise so ab vierzig erwischt es jeden Mann. Spürt er, dass etliches nicht stimmt, weil er falschen Zielen nachgeeifert ist oder dass ein ausgefüllter Terminkalender nicht auch ein ausgefülltes Leben bedeutet.

In der Mitte des Lebens kommt es darauf an, welchen Weg wir gehen. Hin zu einem ‚alten Narren‘ der glaubt, es sei noch mal alles möglich und sich ein Motorrad kauft, um neue Horizonte zu erforschen. Oder hin zu einem ‚weisen Mann‘, der loslassen kann, weil er Mitgefühl, Geduld und das Geltenlassen von Unterschieden gelernt hat.

Dies mit dem eigenen Vater zu wagen, halte ich für einen guten Beginn.

Hören Sie dazu den Podcast.

kommentar Wie geht es Ihnen mit Ihrem Vater?
Wie haben Sie sich von ihm abgelöst?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

24 Kommentare

  1. Hallo Herr Kopp-Wichmann,
    ich stimme darin überein, hatte selbst das Glück mich mit meinem Vater auszusöhnen.
    Aber was wenn sich der Vater auf die biologische Zeugung reduziert, seinen Sohn verleugnet. In seiner Persönlichkeit als 11 jähriger Ödipus stehen geblieben ist.
    Wie kann die Perspektive für seinen Sohn aus sehen?

  2. Joe sagt

    1945 ist mein Vater gefallen, als ich knapp 3 war. 70 Jahre habe ich mich bemüht, so zu sein, wie Mutter ihn mir als Lichtgestalt zum Vorbild, Lebensinhalt geschildert hat. Letztlich war ich fremdbestimmt, weil ich danach gehandelt habe, ob ich dem Vaterdenkmal entspreche. Das hast du gut dem acht, sie dein Vater, war das feedback von der Mutter, das mich jedoch nur noch bestärkte, es noch mehr wie er zu machen. „Du bist mein Sohn, ich bin stolz auf dich!“ blieb vom Vater aus. Immer wieder war meine Sehnsucht, von ihm umarmt, ich liebevoll an seinem Hals umklammernd, seine Vaterstärke und Geborgenheit, Schutz und Hilfe zu erfühlen, zu erspüren. Der Friedensbrief: ( er sitzt mir gegenüber) „Vater, wir sind beide alt geworden, jetzt werde ich für dich da sein und dir in deiner Gebrechlichkeit ein fürsorgender Freund sein. Die Wende von: er ist die Bestimmung (Fremdbestimmung) für mich in: jetzt sorge ich für dich,gab, gibt mir ein Gefühl neu gewonnener Freiheit (Selbstbestimmung). In meinem Brief aus dem Gespräch von Mann zu Mann habe ich alles formuliert, was ich ihm und er mir zu sagen hatte. Nun steht noch ein würdiges Ritual des Abschieds (Beerdigung) aus, bei dem der Brief verbrennt und in Luft aufgeht.

  3. Jens Hettstedt sagt

    So wie der andere handelt, so ist es richtig und der andere gibt immer sein Bestes. Die Frage, die sich mir generell stellt, wie gehe ich damit um? Welche Gedanken habe ich in meinem Kopf, als Vater oder als Sohn? Welche Gefühle sind da in mir? Wie kann ich dies wandeln oder nicht in diese Energie rein gehen? Ich will Frieden und Liebe in mir. Nur mich kann ich verändern. Dann verändert sich auch die Beziehung zu anderen. Meine Gedanken sind wirkende Kräfte. Da muss ich anfangen und Bewusstsein entwickeln. Los geht`s. Ich bin auf dem Weg 🙂

  4. Jens Hettstedt sagt

    Ich finde den Beitrag sehr gut und er enthält die wichtigsten Aspekte. Für mich sind vor allem die Auswirkungen auf die eigenen Kinder wichtig. Wenn die Herausforderungen mit dem Vater geklärt sind, dann gibt es auch eine harmonischere Beziehung zu den Kindern, vor allem zu den Söhnen.

  5. Don sagt

    Ich habe alles mögliche getan! Mit ihm versöhnt, ihn Verständnis gegeben, also das volle Programm! 30 Jahre habe ich versucht… nichts hat geholfen bis ich ihn verlassen habe, als er mich das letzte Mal geschrien hat. Und dann kann noch seine Erklärung, dass er doch nicht war und ich aber doch! Ich habe echt einen Wut auf ihn und nun habe ich alles raus gesagt. So lange er nicht mit sich selbst bemühen kann, lässt sich eben nicht ändern. Da müssen die Wege auseinander gehen. Seitdem fühle ich mich freier!

  6. Ihr Sohn lehnet den Vater ab und der Vater lehnt den Sohn ab.
    Da können Sie erst einmal nichts tun als sich herauszuhalten. Sie haben ja genügend Begegnungsmöglichkeiten geschaffen. Beziehung kann man nicht erzwingen.
    Ich würde Ihrem Sohn den Freiraum lassen zu wählen, ob und wann er seinen Vater sehen will.

  7. Manuela Meister sagt

    Guten Tag,
    ich bin kein Mann sondern Mutter von zwei Kindern.
    Sohn 8, Tochter 6.
    Ich selber bin ohne Vater aufgewachsen.
    Auch für Töchter nicht einfach.
    Nun habe ich aber ein Problem mit dem Vater meiner Kinder.
    Er lebt nun bereits in der dritten Beziehung.
    Die Beziehung zu mir war seine zweite.
    Aus der Beziehung davor gibt es bereits eine Tochter (12).
    Diese wird von ihm vergöttert.
    Er sieht sie nur 1x im Monat, da sie 400km entfernt wohnt.
    Ich trage ihm hingegen unsere Kinder auf dem Silbertablett hinterher.
    Sein Interesse hält sich in Grenzen. Obwohl wir nur 2 Straßen auseinander wohnen sieht er die Kinder nur jedes 2. Wochenende. Mehr möchte er nicht und die Kinder inzwischen auch nicht.
    Die Kleine läuft irgendwie so ein bißchen bei ihm mit.
    Unser Sohn ist für ihn ein rotes Tuch.
    Er ist ganz anders als sein Vater. Lebhaft, offen für Neues.
    Mein Ex hat sehr autistische Züge. Ich denke auch, dass er Narziss ist.
    Habe mich mit dem Thema beschäftigt und leider zu viele Übereinstimmungen gefunden.

    Das größte Problem ist aber dass unser Sohn sehr unter ihm leidet.
    Er weigert sich inzwischen an den Wochenende zu seinem Vater zu gehen.
    Ich frage mich nun wie ich ihm helfen kann.
    Sein Vater lehnt alles Jungenhafte an unserem Sohn ab.
    Nicht das Optische aber vom Wesen her.
    Alles was typisch Junge ist wird unterdrückt.
    Inzwischen merke ich, dass das nun zur Folge hat, dass mein Sohn erst recht über die Stränge schlägt. Je mehr sein Vater unterdrückt, desto mehr wehrt er sich.
    Ich frage mich wie ihn meinen Sohn unterstützen kann bevor er ernsthaften Schaden nimmt und dann irgendwann die Pubertät die Hölle wird.
    Für Tipps wäre ich sehr dankbar.

  8. Franz Altmann sagt

    Hallo

    Sehr ergreifender Artikel der auch meine Geschichte auf den Punkt bringt. Ich habe vieles versucht um ein gutes Verhältnis zu meinem Vater wieder herzustellen doch leider bis heute erfolglos. Meine Lebensgeschichte ist ein perfektes Abbild ihrer Schilderungen über das Verhalten von Männern mit der Vaterwunde. Über ein Beratungsgespräch würde ich mich sehr freuen.

  9. Hallo Frau Jansen,
    ich denke, um mit Ihrem Sohn ins Reine zu kommen, müssen Sie ihn loslassen. Dazu gehört vor allem, dass Sie ihn akzeptieren, was nicht heißt, dass Sie alles gut finden müssen. Vielleicht gibt es auch etwas zu verzeihen, aber damit bin immer vorsichtig.
    Aber er ist erwachsen. Wenn Sie Kontakt haben möchten, zu ihm, können Sie ihm diesen Wunsch schreiben. Wenn jedoch gerichtliche Streitigkeiten hinter Ihnen liegen, wird er vermutlich darauf nicht antworten.
    Dann können Sie diesen Verlust nur betrauern – um dann nach einiger Zeit dadurch wieder frei zu werden.

    Danke für Ihren Kommentar.

  10. suzanne Jansen sagt

    Wie verhalte ich mich als Mutter um mit unserem Sohn in Reine zu kommen. Schon 3 Jahre reden wir nicht .Er will keinen Kontakt mehr. Ist Manager, selbstständig, verh. 2 Kinder.
    Ich möchte schon gerne wieder Kontakt. Wir waren sogar vor Gericht. Aber ich möchte verzeihen.

  11. Roland Kopp-Wichmann sagt

    Hallo Friederike,
    ich empfehle auch, einen Brief an den Vater zu schreiben. Da der Vater noch lebt, empfehle ich sogar, den Brief an ihn abzusenden.

    Wenn das zu keiner Klärung führt, empfehle ich, eine Familienaufstellung zu machen.

    Danke für Ihren Kommentar.

  12. Friederike sagt

    Sehr geehrter Herr Kopp-Wichmann,

    mit Interesse habe ich Ihre Videos auf youtube verfolgt.

    Vor allem bei dem Thema „Ein Mann braucht den Frieden mit seinem Vater“ habe ich eine persönliche Geschichte wiedererkannt.
    Worauf Sie nicht eingegangen sind und was mich sehr interessieren würde ist: Was kann man tun, wenn der Sohn den Frieden mit seinem Vater will, jedoch der Vater keinerlei Interesse an dem Sohn zeigt? Würden Sie hier auch die Brief-Methode empfehlen?

    Ich würde mich sehr freuen, eine Antwort von Ihnen zu bekommen.

    In gespannter Erwartung auf weitere Videos,
    Friederike

  13. Hallo,
    die Verantwortung für das eigene Leben kann man nicht abwälzen. Doch um etwas in seinem Leben zu ändern, hilft es schon, zu verstehen, warum man sich in einer bestimmten Situation so und nicht anders verhält.
    Angenommen, jemand meidet Konflikte und erkennt, dass dies für sein berufliches Fortkommen oder seine private Beziehung nicht förderlich ist. Das Lesen von Konfliktmanagement-Büchern hilft einem vielleicht soweit, dass man weiß, wie man es angehen müsste. Wenn man aber jetzt sieht, dass es einem unheimlich schwer fällt, dem anderen zu sagen, was einen stört, ärgert etc. steht man vor einer großen Barriere. Man weiß theoretisch, dass man es machen müsste, weiß auch, dass der andere vermutlich das aushalten würde – und kriegt es doch nicht fertig.
    Jetzt muss man verstehen, woher diese Angst kommt. Und da spielt die Vergangenheit mit ihren prägenden Beziehungserfahrungen eine entscheidende Rolle. Wenn man zum Beispiel einen Vater, der einen, wenn man eine andere Meinung vertrat, immer niederbrüllte oder verspottete, ist ein konfliktvermeidendes Verhalten oft die einzige Rettung.
    Aber eben damals, heute nicht mehr. Doch diese frühen Erfahrungen haben eine unheimliche Macht, u.a. weil sie neurologisch gebahnt sind. Das Unbewusste erinnert sich und deswegen meidet man dann heute ein Konfliktgespräch, obwohl man rational weiß, es würde nichts Schlimmes passieren.
    Diesen Zusammenhang zu erkennen und vor allem emotional durchzuarbeiten, ist meist nicht einfach und ein hartes Stück emotionaler Arbeit. Es ist kein Abwälzen von Verantwortung oder Schuld („Wenn mein Vater damals anders gewesen wäre…etc.“) sondern ein Verstehen von Einflüssen und auf diesem Hintergrund erst das Übernehmen der Verantwortung.
    Danke für Ihren Kommentar und Ihren ersten Blog-Besuch. Blogs – nicht nur meins – sind eine feine Sache. Es ist wie das Lesen von Büchern oder Zeitungen, nur mit dem Vorteil, dass man gleich mit dem Autor oder anderen Lesern direkt in Dialog treten kann. Viel Spaß weiterhin damit!

  14. Querlenker sagt

    Hallo, ich bin ganz neu (und das erste Mal in einem Blog, wenn ich mich recht erinnere) hier und habe von daher vielleicht noch einiges Grundlegende nicht „gespidert“. Mir stellt sich folgende Frage:
    Machen wir es uns nicht ein bisschen leicht mit der „ich hatte eine schwere Kindheit“-Schiene?
    Letztlich ist doch jeder selbst für sein Wollen und für sein Tun verantwortlich.
    Sehr viel ist über die Zusammenhänge der Lebensführung mit den Kindheitserfahrungen
    erforscht und geschrieben worden. Ist das nicht schlicht die Abwälzung der Verantwortung?
    Oder liegt die Wahrheit vielleicht in der Mitte?

  15. Hallo,
    um Frieden mit seinem Vater zu machen, braucht man nicht den realen Vater. Denn den Vater von damals hat man immer schon verinnerlicht.

    Der reale Vater mag sich mit den Jahren verändert haben, in einem selbst ist aber der Vater aus Kindertagen. Auch wenn der reale Vater schon gestorben sein sollte, kann man sich mit ihm aussöhnen, weil es eben um die Auseinandersetzung mit dem „inneren Vater“ geht.

    Die realen Eltern sind für solche Klärungen meist überfordert. Sie wollten das Beste. Und wenn man nachfragt, reagieren sie oft mit Rechtfertigungen, weil sie schnell Schuldgefühle entwickeln und diese abwehren.

    Der beste Ort, um solche „Friedensverhandlungen“ zu führen ist ein Persönlichkeitsseminar und/oder eine Psychotherapie.

    Danke für Ihren Kommentar.

  16. CtVeilside sagt

    … „oder in den Armen einer bewundernd aufschauenden Geliebten“. Bei diesem Satz hab ich angefangen zu weinen!

    Drei Jahre hatte ich ein solche Beziehung! Danke für dieses Video, in allem was du sagst, stecken die Abgründe meiner Persönlichkeit! Ich hab auch ständig Streit mit meinem Chef, jetzt weiß ich wieso!

    Mein Vater lebt noch, ich bin am überlegen, ob ich ihm einfach dieses Video zeige! Über ein recomment würd ich mich sehr freuen! Danke

  17. Katharina sagt

    Hallo, eine „Vaterwunde“ hat mein Partner auch. Ich werde ihn jetzt bitten, so wie Sie hier schreiben, zu verfahren. Vielleicht nähert er sich so der Lösung seiner Probleme.
    Einen schönen Tag wünscht Ihnen Katharina

  18. A.B. sagt

    Sehr geehrter Herr Kopp-Wichmann,

    gestern stieß ich im Blog von Maren Kahl* auf eine Besprechung von Alice Millers Buch „Die Revolte des Körpers“. Im Kommentarteil haben Sie auf Ihren Artikel „Ein Mann braucht den Frieden mit seinem Vater“ verlinkt. Über Ihre Motive kann ich nur spekulieren. Jedenfalls bin ich nach der Lektüre Ihrer Ausführungen zum Bücherregal gegangen und fand in Alice Millers Werk folgende Passage:

    „Die Moral des Vierten Gebotes**, gepaart mit den Erwartungen des ehemaligen Kindes, führt dazu, dass die große Mehrheit der Berater den Hilfesuchenden wieder die Regeln der Erziehung anbietet, mit denen diese bereits aufgewachsen sind. Viele Berater hängen mit unzähligen Fäden ihrer alten Erwartungen an ihren eigenen Eltern, nennen dies Liebe und versuchen diese Art von Liebe auch den anderen als Lösung anzubieten. Sie predigen die Vergebung als einen Weg zur Heilung und scheinen nicht zu wissen, dass dieser Weg eine Falle ist, in der sie sich selbst befinden. Noch nie hat nämlich die Vergebung eine Heilung bewirkt.“***

    Mit freundlichen Grüßen
    A.B.

    * http://marenslangeweile.blogspot.com/search?q=alice+miller
    ** „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, gibt. (Ex 20,12)“, zitiert nach Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_Gebote)
    *** Alice Miller, „Die Revolte des Körpers“, Suhrkamp-Taschenbuch 3743, Frankfurt am Main 2005, Seite 17.

  19. Hallo I.

    Danke für Ihren persönlichen Kommentar.
    Sie haben Recht, „es führt kein Weg daran vorbei“, sich mit den eigenen Eltern auszusöhnen. Die Wunde bleibt und ist auch unabhängig von den realen Eltern. Das heißt, auch wenn der Vater mal gestorben ist, ist damit der Konflikt ja nicht begraben – obwohl manchen Menschen sich das erhoffen.

    Verachtung ist keine Lösung. Nicht weil es die Distanz zwischen Ihrem Vater und Ihnen vergrößert sondern weil Verachtung eine Reaktion der Schwäche ist. Verachtung, Ironie, Zynismus ist die Waffe der Wehrlosen. Wenn man sich physisch oder verbal nicht mehr verteidigen oder weglaufen kann, kann man still werden und den anderen verachten. Man greift zur moralisch höheren Position.

    Das mag menschlich verständlich sein, aber es löst nichts. Die Verachtung bindet Sie an den anderen und vor allem: durch die Verachtung machen Sie sich klein und den anderen übergroß.

    Aber Sie sind nicht klein, Sie sind heute erwachsen und ringen eben manchmal – wie wir alle – mit diesen Kinder-Gefühlen. Zumeist lassen sich solche Verletzungen mit dem realen Vater nicht lösen. Gerade wenn Ihr Vater selbst traumatisiert zu sein scheint, ist da eine gegenseitige Verständigung oft nicht möglich.

    Der richtige Platz dafür ist eine längere Psychotherapie, dort kann man solche tiefen Verletzungen heilen. Ein guter Beginn ist auch eines meiner Persönlichkeitsseminare zu Ihren Themen ((Entscheidungsfindung, Zeitmanagemant, Konfliktverhalten…).

    In meinem Artikel habe ich mich an Männer gewandt, da ich in meiner Arbeit sehe, dass Männer – mehr als Frauen – die Bedeutung der Vaterbeziehung eher bagatellisieren (so lange her, längst tot etc.) und dafür aber dauernd Autoritätsprobleme mit Chefs, unerklärliche psychosomatische Beschwerden etc. haben, die oft mit diesem Thema zusammenhängen. Zum anderen ist natürlich die Beziehung zwischen Sohn und Vater und zwischen Tochter und Vater nochmal ganz anders.

    Es freut mich aber, dass Sie trotzdem einiges aus dem Beitrag für sich herausziehen konnten.

    Alles Gute für Sie auf Ihrem Weg.

  20. I.S. sagt

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    auch ich finde Ihren Artikel sehr interessant und habe mich in vielen Punkten wiedergefunden. Seit ich denken kann, ist das Verhältnis zu meinem Vater sehr konfliktbelastet, und gerade in letzter Zeit merke ich, daß viele meiner Schwierigkeiten rund um das Thema Selbstvertrauen (Entscheidungsfindung, Zeitmanagemant, Konfliktverhalten,…) möglicherweise darauf zurückgehen. Als Kind hatte ich ob unseres gestörten Verhältnisses häufig Schuldgefühle, mittlerweile ist mir klar geworden, daß dies Folge andauernder Grenzverletzungen seinerseits war und noch immer ist.
    So reagiere ich auf jede Ausfälligkeit von ihm aggressiv und kann trotz meines Wissens um seine eigene schwierige Kindheit als Kriegsflüchtling und mit gewalttätigem Vater nur Verachtung für ihn empfinden. Meine Verletzungen sitzen so tief, daß alle bisherigen Friedensbemühungen vergeblich waren. Ich fürchte allerdings, daß zur wirklichen Lösung meiner oben genannten Probleme hieran wohl kein Weg vorbeiführen wird.

    Außer einer Einschätzung dazu würde mich vor allem interessieren, weshalb Sie sich in Ihrem Artikel ausschließlich auf Männer beziehen. Ich selbst bin ich eine Frau (die mit lauter männlichen Kollegen in der noch immer als Männerdomäne geltenden IT-Branche als Entwicklerin arbeitet) und finde mich wie gesagt trotzdem in vielen Punkten wieder.

  21. Hallo M.K.
    danke für Ihren Kommentar und Ihre Offenheit.

    Respekt erweisen hat nichts zu tun mit „Gehorsam“, „grenzenlosem Verständnis“ oder gar „Unterwerfung“. Respekt ist kein Schmusekurs aber auch kein großmütiges Verzeihen.

    Unter Respekt verstehe ich, den Vater ernst zu nehmen, so wie er ist. Es kann also in Ihrem Fall auch heißen, Ihren Vater mit seinen Widersprüchen zu konfrontieren – und seine vermutlich aggressiven Reaktionen eine Weile auszuhalten bzw. wieder zu konfrontieren. Aber nicht bis in alle Ewigkeit.

    Respekt kann auch heißen, wenn keine Verständigung über bestimmte Themen möglich ist, diese Themen auszuklammern oder eine Weile den Kontakt zu vermeiden. Und zwar mit der Erklärung, dass man das bedauere, aber derzeit keine andere Möglichkeit sehe. Das gibt Ihrem Vater die Möglichkeit, nachzudenken. (Manchmal hilft das.)

    All das ist nicht einfach, denn mit manchen Menschen (und manchen Vätern) bekommt man den Respekt nicht geschenkt. Man muss ihn sich erst verdienen. Denn es geht ja dabei nicht nur darum, den anderen zu respektieren, sondern auch sich selbst zu respektieren.

    Wie gesagt, jemanden zu respektieren, der sich nicht respektvoll verhält, ist schwierig. Aber was ist die Alternative? Letztlich nur stumme Kontaktvermeidung, heuchlerische Freundlichkeit – oder die verschiedenen Formen der Verachtung. Und die eigenen Eltern zu verachten, ist aus meiner Sicht anmaßend – und für einen selbst auch seelisch schädlich.

    Danke, dass Sie diesen Punkt aufgriffen. Ich hoffe, meine Antwort trägt zur Klärung bei.

  22. M.K. sagt

    Sehr geehrter Herr Kopp-Wichmann,

    ich danke Ihnen für die klar strukturierte Darstellung und das Mitteilen Ihrer Gedanken zum Thema.
    Am Ende des Textes legen Sie fest, daß wir in jedem Fall unsere Väter respektieren sollten, sie hätten uns schließlich gezeugt.

    Mir wird nicht ganz klar, was Sie dabei unter Respekt verstehen.

    In meinen konkreten Fall streite ich häufig mit meinem Vater. Mein Vater stellt dabei Regeln bzgl. des Umgangs auf, z.B. sich gegenseitig ausreden zu lassen, nicht agressiv zu vorsichtige Wortwahl zu gebrauchen, keine aggressiven Gesten zu gebrauchen, die Stimme nicht zu erheben, etc. Diese Verhaltensansprüche setzt er auch sehr energisch durch, wenn es um den Umgang von dritten Familienmitgliedern untereinander betrifft, beispielsweise im Konflikt von mir mit meiner Mutter.

    Ich halte diese Regeln für richtig und würde es begrüßen, wenn sie in der Familie durch ein zentrales Organ, eine allgemein akzeptierte Respektsperson, umgesetzt würden.

    Leider habe ich Schwierigkeiten in diesem Fall, meinen Vater als die Respektsperson zu sehen, da er selbst die Regeln häufig bricht. Er unterbricht in Gesprächen, wird schnell aufbrausend, reagiert in der Regel überhaupt nicht gelassen. Zusätzlich verbittet er sich jegliche Kritik an seinem Verhalten: „ich muss mir von Dir nicht sagen lassen, ich sei unhöflich“.

    Im Ergebnis wirft er mir vor, ich würde als Sohn meinen älteren Vater nicht respektieren. Es sei ein abnormes Verhalten, dass ich an den Tag legen würde und das er im krassen Widerspruch zur gesellschaftlichen Norm in anderen Familien sieht.

    Meine Frage an Sie: Wie kann ich einen Menschen RESPEKTIEREN, der Regeln aufstellt, sie jedoch freizügig bricht und sich -jegliche- Kritik an seinem Verhalten als Respektlosigkeit vor der Vaterfigur bzw. des Alters verbittet? Bedingt Respekt vor dem Vater nicht zumindest gegenseitigen Respekt, bzw. Respekt des Vaters gegenüber dem Sohn ?

    Ich kann meinen Vater achten und als Menschen lieben, seine positiven Seiten schätzen. Leider kann ich ihn in Diskussionen, als Führungspersönlichkeit, Mediator oder einfach als Regelsetzenden so nicht respektieren.

    Für mich erscheint Ihre Darstellung hier als Plädoyer für ein grenzenloses Verständnis für mich als Sohn und die bedingungslose Unterwerfung gegenüber dem Vater.

    Bin ich zu Gehorsam verpflichtet, weil ich quasi eine Grundschuld für meine Zeugung durch meinen Vater mit mir trage ?

    Ich würde mich freuen, wenn Sie dazu Stellung nehmen würden.

    Gruß,

    M.K.

  23. T. Schübel sagt

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,
    ausgelöst durch eine eigene Lebenskrise und eine berufliche und existentielle Sackgasse inspiriert, habe ich mich zunehmend über alles was mit Coaching zu tun hat informiert und nach einiger Zeit für mich persönlich festgestellt: Das hätte ich als Beruf (mittels eines Psychologiestudiums) von Anfang anstreben sollen. Einfach faszinierend und in meinen Augen ungemein spannend. Ich kann mir jedenfalls, gerade in heutigen Zeiten und in unserer Leistungsgesellschaft, kaum eine sinnvollere Tätigkeit vorstellen.

    Finde Ihre Homepage und Ihren Blog in in jeder Hinsicht sehr gelungen und sehr informativ und würde mich daher darüber freuen, wenn Sie mich in den Verteiler für ihren Newsletter aufnehmen würden.

    Mit freundlichen Grüßen
    T. Schübel

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