Warum Persönlichkeitsentwicklung nichts für Feiglinge ist.

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Persönlichkeit
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Bild: Hidako iStock.com

Zusammenfassung für die Generation Y und Z und andere Leser mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne
Persönlichkeitsentwicklung ist riskant, weil man nicht mehr so leicht die Schuld auf andere oder die Umstände schieben kann. Überlegen Sie also gut, ob Sie weiterlesen.
 
 
Früher hieß dieser Blog „Vorsicht: Persönlichkeitsentwicklung!“

Da wurde ich immer wieder gefragt, warum meine Website und der Blog diesen Titel tragen.
Zum einen hat das natürlich marketingtechnische Gründe. Immer wenn man Menschen vor etwas warnt, glauben Sie es erst mal nicht, werden erst recht neugierig und kommen näher.

Sage einem einem Menschen, dass sich eine Billion Sterne am Firmament befinden und er glaubt dir.
Sage ihm, die Parkbank ist frisch gestrichen und er muß sie anfassen, um dir zu glauben.
-Mario Puzzo 

Aus dem selben Grund haben ja auch die Warnhinweise auf Zigarettenpackungen keine – oder eher gegenteilige – Wirkung. Da kommt mir der Gedanke: Wenn jetzt auf den Dosen für Katzen- oder Hundefutter der Hinweis stünde: „Vorsicht: dieses Futter kann für Ihr Tier zu einem langen und schmerzhaften Tod führen.“ Was würde der verunsicherte Käufer tun?

Aber, ich schweife ab.

Persönlichkeitsentwicklung ist nichts für Feiglinge, weil sie früher oder später zur Veränderung der Persönlichkeit führt. Das hat natürlich erstmal Vorteile. Vor allem, weil es die Anzahl der Wahlmöglichkeiten in Situationen erhöht.

Denn jedes Verhalten, das wir Menschen in einer beliebigen Situation zeigen, ist ja für uns immer die beste Wahl.

  • Also wenn Sie Ihr Auto ins Halteverbot stellen, bei der Rückkehr einen Strafzettel vorfinden – und sich dann tierisch aufregen („Hat denn die Polizei nichts Wichtigeres zu tun als …?“)
  • Oder wenn Ihr Chef Sie fragt, ob Sie morgen Überstunden bis 22 Uhr machen können – und Sie einen wichtigen Elternabend Ihres schulschwachen Sohnes vortäuschen.
  • Oder wenn ein Islamist sich und andere Menschen in die Luft sprengt.
  • Oder wenn Politiker vor einer Wahl zehnmal versprechen, mit einer Partei nicht zu koalieren und es dann hinterher doch erwägen.
  • Oder wenn US-Präsident Trump …

Noch einmal: Jedes Verhalten, das ein Mensch zeigt, ist die beste Wahl aus seinen ihm in diesem Moment zur Verfügung stehenden Wahlmöglichkeiten.

Nicht, dass es nicht andere, „bessere“ Möglichkeiten gäbe – aber nach der individuellen Kosten-Nutzen-Rechnung dieses Menschen – eben nicht.

  • Der Autofahrer könnte sich sein Fehlverhalten eingestehen und darüber enttäuscht sein, dass er seine Wette („Werde ich erwischt oder nicht?“) verloren hat.
  • Der Mitarbeiter könnte seinem Chef einfach sagen, dass er zwar Zeit hätte aber lieber seinen Feierabend genießen möchte.
  • Der Islamist könnte sich damit auseinandersetzen, dass es im Leben selten gerecht zu geht und zweiundsiebzig Jungfrauen auch anstrengend werden können.
  • Der Politiker könnte einfach sagen, dass habe er/sie vor der Wahl nur gesagt, um seine/ihre Wahlchancen zu erhöhen.
  • Oder ein US-Präsident könnte sich bewusst machen, … (Nein, das kann er einfach nicht, tut mir leid.)

Persönlichkeitsentwicklung führt zu mehr Verhaltensalternativen, weil man beginnt, die wahren Ursachen und Motive seines Handelns zu ergründen, besser zu verstehen und sich damit auseinandersetzt.

Das ist zuweilen harte Arbeit, die einen auch emotional ziemlich fordern kann. Aber es lohnt sich!

Denn es ist auch die Chance, aus kindlichen Prägungen und pubertären Verhaltensstrategien auszusteigen, einfach weil man überhaupt erkannt hat, dass man drinsteckte. Denn wir alle (ich auch) sind von solchen „Programmierungen“ oder Einflüssen aus unserer Biografie stark geprägt.

Solange man nicht weiß, dass das eigene Verhalten ein Problem darstellt, kann man nichts tun. Aber für unsere eigenen Fehler und Merkwürdigkeiten sind wir blind.

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Bild: Bicho_raro iStock.com

 

Der Fisch ist bekanntlich der letzte, der das Wasser entdeckt.

Weil er keinen Abstand zum Wasser hat. Das, was uns täglich umgibt, nehmen wir nicht wahr. Die Taucherin weiß, dass sie im Wasser schwimmt, weil sie – wie wir alle – die meiste Lebenszeit außerhalb des Wassers verbringt.

Dafür nehmen wir die Schwerkraft, die 24 Stunden am Tag auf uns einwirkt, nicht wirklich wahr. Erst wenn wir eine Weile auf dem Mond verbringen würden, wo die Schwerkraft deutlich geringer ist, würden wir nach der Landung auf der Erde bemerken, wie sehr die Schwerkraft täglich uns herunterzieht.

Will man dem Fisch begreiflich machen, dass er schon ein Leben lang im Wasser lebt, muss man ihm zeigen, dass es noch eine andere Welt gibt. Man befördert ihn beispielsweise auf den Strand und wenn er dort japsend zuckt, kann man ihn aufklären: „Das vorhin ist Wasser. Das hier ist Strand!“

Für diesen Erkenntnissprung darf man jedoch keinen Dank erwarten. Der Fisch wird uns grollen und uns vermutlich die nächste Zeit weit aus dem Weg gehen.

So wie der Fisch das Wasser nicht allein entdecken kann, können wir uns selbst auch nicht entdecken. Weil wir keinen Abstand zu unserem Selbstbild haben. Und uns meistens mit unserem Selbstbild identifiziert haben:

Wir glauben: So bin ich eben. Für andere Möglichkeiten sind wir blind. Wie der Fisch für das Wasser.

Für den Erkenntnissprung „Ich glaube mich zu kennen“ zu „Wie bin ich eigentlich?“ brauchen wir Informationen von außen. 

Wir brauchen Feedback aus der äußeren Welt, damit unsere beschränkte Sicht erweitert werden kann. Dass wir etwas Neues über uns lernen können. So wie der Fisch auf dem Strand.

Doch jetzt kommt wieder meine Warnung vom Anfang des Artikels: „Vorsicht: Persönlichkeitsentwicklung!“

Ähnlich wie der japsende Fisch sind nämlich die meisten von uns Feedback von außen gegenüber selten aufgeschlossen. Da schließe ich mich ein.


 

Warum Feiglinge kein Feedback mögen.

Wie alles im Leben hat also Persönlichkeitsentwicklung – und die damit einhergehenden möglichen positiven Veränderungen – ihren Preis.

Denn oft ist Feedback auch unbequem. Vor allem, wenn es kritisch ist und keine Bestätigung enthält nach dem Motto „Gut gemacht!“ Was zu einem guten Feedbackgeben gehört, lesen Sie hier.

Es gibt zwei Arten von Feedback:

  • Feedback von Menschen, die uns kennen.
    Dazu zählen Partner, Kinder, Chefs, Kollegen, Mitarbeiter, Kunden …
  • Feedback aus Situationen.
    Dazu zählen Ereignisse und Konsequenzen unserer Handlungen.

Doch in beiden Fällen sind wir dem Feedback gegenüber nicht immer aufgeschlossen, nehmen es gar ernst oder bedenken vielleicht sogar, unser Verhalten anzupassen oder gar zu ändern.

Vor allem wenn das Feedback ungefragt kommt, erleben wir es schnell als Einmischung oder Übergriff. Und verfallen in automatische Rechtfertigungen oder mehr oder weniger intelligente Ausreden:

  • „Woher soll ich denn jetzt noch die Zeit für Sport nehmen?“,
    fragt der viel beschäftige Manager seinen Hausarzt, der besorgt über den Blutdruck des Patienten ist.
  • „Die Beschreibung kapiert doch kein Mensch!“,
    schimpft der eilige Mann am Fahrkartenautomat.
  • „Ich kann doch nicht den ganzen Tag mit dir über meine Gefühle reden“,
    antwortet er auf die Klage seiner Partnerin, dass sie sich einsam neben ihm fühlt.
  • „Ich brauche Mitarbeiter, die unbequem sind und keine Ja-Sager“,
    sagt die Chef, der auf Kritik an seinem Führungsstil oft beleidigt reagiert.

 

Warum benutzen Feiglinge so oft Ausreden?

Was ist eigentlich eine Ausrede?

Laut Wikipedia ist eine Ausrede das Vorbringen eines nicht zutreffenden Grundes für einen vermeintlich oder tatsächlich tadelnswerten Umstand. Das von der sich äußernden Person vorgebrachte ungültige Argument soll als Entschuldigung dienen.

Der von der sich äußernden Person zu verantwortende, als verwerflich geltende Sachverhalt, also der wirkliche Grund, soll verschwiegen werden, weil er sanktioniert würde oder von ihr als unangenehm empfunden wird. Grund für die Verwendung einer Ausrede kann ein tatsächlicher oder ein vermeintlicher Gesichtsverlust oder Schamgefühl bei Bekanntwerden des wahren Grundes, Rücksichtnahme auf die Gefühle des anderen oder die Aussicht auf Strafe sein.

Kürzer gesagt: Gute Definition: Bei einer Ausrede nennen wir einen guten Grund statt des richtigen. Klick um zu Tweeten

Bei anderen erkennen wir Ausreden ja oft schneller, bei uns selbst nicht so rasch. Weil wir ja etwas zu verbergen haben und glauben, dass unsere Ausrede glaubhaft genug ist.

Richtig übel wird es, wenn wir selber unsere Ausreden glauben und gar nicht mehr merken, dass es mal eine Ausrede war.

Nicht immer sind unsere Ausreden so originell, wie die, die man auf diversen Internetseiten zum Zuspätkommen liest:

  • Ich musste mich noch mit den Zeugen Jehovas unterhalten.
  • Mein Tee war zu heiß und musste noch abkühlen.
  • Ich hatte starken Gegenwind beim Radfahren.
  • Ich war am Wochenende in England, und als ich heute auf dem Weg zur Arbeit links gefahren bin, hab ich einen Unfall gebaut.
  • Ich habe heute einen neuen Weg ausprobiert. Die vielen Schilder haben mich so verwirrt, dass ich den Weg hierher nicht mehr finden konnte.
  • Mein Wecker hat geklingelt, als ich noch geschlafen habe.
  • Ich wollte heute besonders früh in der Arbeit sein, aber dann wurde ich wegen überhöhter Geschwindigkeit gestoppt.

Der Nachteil von Ausreden ist, dass wir damit unverzüglich im Opfermodus landen.

Wir geben die ganze Macht über uns an  etwas außerhalb von uns ab. An andere Menschen oder an die jeweiligen widrigen Umstände.

Das entlastet zwar für den Moment – aber die Realität, die wir ja mit unserer Ausrede leugnen, existiert weiterhin. Und weil die Realität immer gewinnt, müssen wir früher oder später den Preis dafür zahlen.


 

Das Ende der Ausreden.

So lautet der Titel des Buches von Brigitte Roser. Im Klappentext kann man dazu lesen:

„Ein glückliches und sinnvolles Leben, davon träumen wir alle. Doch statt zu handeln, sagen wir: „Das geht jetzt nicht, weil …“, und treten auf der Stelle. „So bin ich eben“ – dieser Satz spricht zwar für Selbsterkenntnis, nicht aber für den Willen zur Veränderung. Dabei ist es möglich, die Dinge anzupacken, mutiger zu werden, sich weiterzuentwickeln – wenn wir endlich aufhören, uns herauszureden.

Wir wollen nicht, dass das Leben uns zustößt, wir wollen es aktiv selbst bestimmen. Doch dabei blockieren wir uns mit Denkverboten, Routinen und vermeintlichen Selbstverständlichkeiten. „Ich weiß, so bin ich eben“ – dieser Satz spricht für Selbsterkenntnis, nicht aber für den Willen zur Veränderung. Und Ausreden werden zu Verbündeten, wenn es darum geht, zu erklären, warum es gerade jetzt nicht möglich ist, ein Problem anzupacken.

Wie aber könnte unser Leben sein, wenn wir aufhören, uns herauszureden? Wie spannend wäre es, Chancen zu nutzen, Konsequenzen zu ziehen, mehr Freiheit zu wagen?“

Ganz klar, das wird nicht einfach.

Es beginnt damit, dass wir eine Ausrede als solche überhaupt erst erkennen. Denn mit der Ausrede machen wir uns ja etwas vor. Wollen etwas nicht wahrhaben an uns. Wollen wir die Fassade unserer Persönlichkeit verschönern anstatt uns mit den Flecken und Löchern darin zu befassen.

Aber der Lohn ist auch groß, wenn wir mit den Ausreden aufhören. Das Leben wird lebendiger, unberechenbarer, gefährlicher – also bunter.

Aber wollen Sie das wirklich?


 

Deshalb hier sechs Warnungen, warum Persönlichkeitsentwicklung nichts für Feiglinge ist:


Vorsicht: Sie werden mehr Selbstverantwortung übernehmen müssen.

Das kostet Sie die Möglichkeit, für etwas was schief lief, ganz schnell anderen (oder den Umständen) die Schuld zuzuschieben. („Ich sage nicht, dass es Ihr Fehler war. Ich sage nur, ich mache sie dafür verantwortlich“)

Mit anderen Worten, eine Karriere als Politiker wird unter Umständen schwierig.
Auf der anderen Seite lernen Sie, sich einerseits besser gegen Schuldzuweisungen anderer abgrenzen zu können. Und Sie weniger Angst haben, ihren eigenen Anteil zu entdecken, wenn etwas schief gegangen ist.

Und Sie bekommen auch mehr Vertrauen in ihre eigene Kreativität und Handlungsfähigkeit, weil Sie Ihre Ängste besser kennen und angemessen damit umgehen können.

 

Vorsicht: Sie werden toleranter gegenüber anderen werden.
Persönlichkeitsentwicklung beinhaltet auch immer eine Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie. Wer sich daran erinnern kann, wie er als Kind oder als Jugendlicher war, hat die Chance, auch seinen eigenen (oder fremden) Kindern gegenüber nachsichtiger zu sein.

Wer sich besser in all seinen Facetten kennenlernt, muss aggressive, neidische oder arrogante Anteile weniger auf andere Personen projizieren, weil er eben dies auch bei sich selbst kennt – und die Angst dahinter besser annehmen kann.

 

Vorsicht: Sie werden realisieren, dass Ihr Leben begrenzt und zerbrechlich ist.
Um erfolgreich zu sein, bedarf es oft eines gehörigen Maßes an Selbstentfremdung. Einfach um über viele Jahre Anstrengung, Stress und Frustrationen wegstecken zu können – und dabei noch gut zu funktionieren.

Die gleichzeitig vorhandene Sehnsucht nach Lebendigkeit, Lust und einem unabhängigen Leben muss dann oft abgespalten und verdrängt werden – auf irgendwann später.

Doch spätestens in einer heftigen Krise, ausgelöst durch geplatzte Karriereträume, eine Scheidung oder eine Krankheit spürt man, dass sich das Leben nicht um unsere Zehn-Jahres-Pläne schert. Wir realisieren, dass das Leben nur „jetzt und hier“ wirklich real ist.

Wir realisieren, dass sich das Leben nicht aufschieben oder nachholen lässt.

 

Vorsicht: Sie werden entdecken, dass Ihr Partner auch recht hat.
In jeder längeren intensiven Liebesbeziehung kann man sich nicht verstecken.

Der andere sieht uns Tag für Tag, wie wir wirklich sind. Nicht nur in Unterhosen oder ungeschminkt. Er kriegt auch mit, wie wir in Konflikten reagieren, womit wir am meisten Zeit verbringen und was wir vor anderen Menschen zu verstecken suchen.

Meist in Streits erfahren wir von unserem Partner, was er/sie über uns und unser Verhalten denkt. Das ist zumeist nicht die Wahrheit, denn unser Partner sieht uns auch durch die Brille seiner Erwartungen und Bedürfnisse. Aber: aus meiner Erfahrung als langjähriger Ehemann und Paartherapeut weiß ich: Es ist leider immer was dran.

Um nun zu unterscheiden, wieviel von dem stimmt, was der andere uns spiegelt, ist es wichtig, sich selbst genügend zu kennen.

Kenne ich mich zu wenig, werde ich automatisch, das was der andere mir sagt und was mit meinem Selbstbild nicht übereinstimmt, heftig abwehren müssen. Kenne ich das, was der andere mir sagt, ist es zwar immer noch unangenehm, aber ich muss es nicht mehr so stark – beim anderen – bekämpfen.

Bild: Hartwig HKD, flickr.com

Vorsicht: Sie werden misstrauischer gegenüber Religionen und anderen Heilslehren.
Wer sich ernsthaft mit sich selbst auseinandersetzt, entdeckt, dass die eigene Psyche nicht ein abgeschlossenes, festes Ding ist, sondern bestenfalls eine Sammlung von unterschiedlichsten Antrieben, Motiven, Werten, Bedürfnissen, Gefühlen, Meinungen etc. Die sich zudem noch ständig ändern können.

Das widerspricht natürlich völlig dem Wunschbild einer festen Persönlichkeit, das die meisten von uns haben. Vor allem mit den sogenannten bösen oder schlechten Teilen oder Trieben in sich versöhnen wir uns erst mal schwer.

Deshalb braucht es bei den meisten Menschen jemanden oder etwas, auf den oder das man diese schlechten und bösen Teile projizieren kann. Das ist ungeheuer praktisch, seelisch entlastend und – wenn man zur „richtigen“ Gruppe gehört – auch sehr verbindend. Nicht umsonst gibt es schon in der Bibel den Sündenbock. Und die Suche nach ihm ist auch unter Nicht-Christen sehr verbreitet.

Fast alle Religionen bedienen sich dieses Mechanismus. Auch alle politische Parteien – in jedem Land – tun dies. Aber auch weniger wichtige Gruppen wie der ADAC oder der Verein gegen betrügerisches Einschenken.

Wer sich selbst besser kennt, weiß um die Bedeutung von Über-Ich-Anteilen, und kann sehen, wie sehr moralische Wertungen von der entsprechenden Rolle, der jeweiligen Kultur und der jeweiligen Absicht abhängen.

 

Vorsicht: Sie werden vielleicht ihren Frieden mit ihren Eltern machen.
Manche Menschen brauchen ja zur Bewältigung des Lebens (oder der eigenen Ängste davor) unbedingt ein verlässliches Feindbild. Bei meinen Eltern – und in der Nachkriegszeit – war das noch „der Russe!“.

Mittlerweile wurde der abgelöst durch „die Chinesen“, „die AfD“ oder den „islamistischen Terror“.

Aber für viele Menschen sind das in erster Linie auch die eigenen Eltern. Der Vater, der immer zu viel trank und dann prügelte oder der Vater, der seinen gnadenlosen Ehrgeiz auch auf seine Kinder übertrug. Oder die überfürsorgliche-kontrollierende Mutter, die dem erwachsenen Sohn noch vorhält, dass er nie mit Geld umgehen konnte.

Seinen Frieden machen heißt nicht, die Eltern zu idealisieren („Ich hatte eine glückliche Kindheit.“) oder erlittene Situationen zu rationalisieren („Meine Eltern wussten es nicht besser.“).

Vielmehr geht es darum, die Eltern so realistisch wie möglich zu sehen.

Das ist einem als Kind aufgrund der Abhängigkeit schwer möglich. Und als Erwachsener verwandeln sich die meisten Menschen schon nach einer Stunde des Zusammenseins mit ihren Eltern wieder in das gehorsame Kind oder den rebellierenden Vierzehnjährigen von damals. (Bei manchen reicht für diese Wandlung auch schon ein zweiminütiges Telefonat.)

Sie sehen, es steht einiges auf dem Spiel, wenn Sie sich dafür interessieren, Ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Was Menschen berichten, die sich auf dieses Abenteuer im Rahmen eines meiner Seminare darauf eingelassen haben, können Sie hier lesen …

 

Welche Erfahrung haben Sie mit dem Thema gemacht?
Was hat Ihnen geholfen?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

28 Kommentare

  1. Dorothea sagt

    Ich finde das Trump Basching unangemessen und unprofessionell. Es gehört für mich nicht in so einen Artikel. Warum machen das so viele Menschen in Deutschland? Andere Nationen haben es nicht nötig ständig moralisch überlegen zu sein.

  2. Viola Stoess sagt

    Ein toller Artikel und sehr viele lesenswerte Blog-Beiträge auf Ihrer Website. Vielen Dank für so viel Inspiration!

  3. Susanne Walla-Punz sagt

    Vielen Dank für die Themen, die immer wieder … unter die Haut gehen … und liebe Grüße aus Wien

  4. Martin Permantier sagt

    Toller Artikel. Die verschiedenen Kompetenzstufen unserer Persönlichkeit, erleben wir oft am augenscheinlichsten in Konflikten in der Partnerschaft.

  5. Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    Sie fragen: Was hat Ihnen geholfen?

    Mir hat geholfen und hilft weiterhin, konsequent an der Frage zu arbeiten: Wer bin ich?

    Herzliche Grüße

  6. Walter Friedl-Grünecker sagt

    Erhellend dabei ist, den Grund für „seine Feigheit“ zu erfahren.

  7. Stefan Weiler sagt

    Dankeschön, ich konnte mich in allen Punkten wiedererkennen.

  8. Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    ich bin heute das erste Mal auf Ihrer Seite.
    Ihre Herangehensweise an das Thema Persönlichkeitsentwicklung finde ich sehr spannend und hebt sich ab von vielen anderen Autoren ab. Super aufbereitet mit den „Warnungen“. Der Artikel macht Spaß und regt wirklich an.
    Ich freue mich weitere Beiträge auf Ihrer Seite kennen zu lernen.
    herzliche Grüße
    Sabine Geier

  9. „Persönlichkeitsentwicklung führt zu mehr Verhaltensalternativen, weil man beginnt, die wahren Ursachen und Motive seines Handelns zu ergründen, besser zu verstehen und sich damit auseinandersetzt. “
    Ohh yeah, das kann ich genau so unterschreiben 🙂
    Ich finde den Artikel sehr gelungen, vor allem der Fokus auf echte (tiefe) Persönlichkeitsentwicklung und nicht nur die Idee „höher, besser, schneller, weiter“ die oft als Persönlichkeitsentwicklung ausgegeben wird.

    Wenn ich noch eine Anregung für Ihre Leser geben darf, mir hat es sehr geholfen mich mit inspirierenden Menschen (und inspirierenden Biographien) zu umgeben. Daher hab ich einen eigenen Podcast genau zu diesen Thema gestartet (Persönlichkeitsentwicklung durch Lebensgeschichten): http://marianzefferer.at/persoenlichkeitsentwicklung-durch-lebensgeschichten
    Die Idee ist, dass Geschichten uns stärker prägen als Fakten. Und die Geschichten von Menschen mit hoher Persönlichkeitsentwicklung uns effektiv selbst beeinflussen.
    Ich wünsche viel hörvergnügen 😉
    lg aus Österreich
    Marian

  10. Vielen Dank für diesen spannenden Artikel. Ein paar Ansätze haben mich ein wenig an die NLP-Seminare erinnert, die ich besucht habe.
    Auf jeden Fall gefällt mir Ihre leicht provokative Schreibweise sehr gut und ich werde nun wohl öfter mal vorbeischauen 🙂

    Alles Gute weiterhin

  11. Lifetime sagt

    Hey Roland,

    ich kann dir bei Punkt 2 „Vorsicht: Sie werden toleranter gegenüber anderen werden.“ 100 prozentig zustimmen. Ich habe es bei mir selber gemerkt. Ich habe meiner deutlich jüngeren Schwester immer versucht zu sagen was sie darf und was nicht, aber auch was gut ist und was eben nicht.

    Nun habe ich schon einiges an Erfahrungen zum Thema Persönlichkeitsentwicklung gemacht, und habe im laufe der Zeit gemerkt, dass ich in ihrem alter genau die gleichen Dinge getan habe. Ich habe realisiert dass ich eben auch nur ein Mensch bin und habe mich, wie Du bereits erwähnt hast, in einigen Situationen meiner kleinen Schwester selbst wieder gefunden.

    Toller Beitrag

    Gruß

    Lifetime 😉

  12. Tim sagt

    Hey Roland,

    ich finde du hast hier echt noch mal eine sehr gute Grundlage geschaffen, um sich mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung auseinanderzusetzen. Du hast einfach total recht mit dem Punkt, dass PE immer auch Veränderung bedeutet. Wenn man diese aber willkommen heißt und sich sogar drauf freut, dann wird man automatisch wachsen!

    LG

    Tim

  13. Hallo Roland,

    sehr starker Artikel. Selten wird Persönlichkeitsentwicklung aus einer anderen Perspektive beleuchtet.
    Veränderungen sind anfangs natürlich sehr schwer, aber bemerkt man mit der Zeit, dass sie einem gut tun, kommt man von ihnen nicht mehr los.

    Gruß Till

  14. Philipp sagt

    Hallo Roland,

    ich vergleiche die Persönlichkeitsentwicklung gerne mit der geistigen Fitness. Die körperliche Fitness ist auch anstrengend, aber so führt langfristig zu einem gesünderen Körper. Und so ist es auch mit der Persönlichkeitsentwicklung.

    MFG Philipp

  15. Wow, toller Beitrag! Das Wort „Verhaltensalternativen“ ist ein Blickwinkel, aus dem ich Persönlichkeitsentwicklung noch nicht betrachtet habe.
    Ich beschäfte mich persönlich außerordentlich intensiv mit dem Thema und finde, dass dieser Artikel die möglichen „Folgen“ sehr gut darstellt!

    Beste Grüße
    Deniz

  16. Fabian sagt

    Klasse Beitrag weiter so 🙂
    Grüße Fabian

  17. Renate Schweyer sagt

    Guten Tag Herr Kopp-Wichmann,

    danke für diesen wertvollen Hinweis auf das Beste.
    Für mich hat das Beste viele Gesichter.

    Menschen die mir Mut machen, in scheinbar prekären Situationen zu mir stehen,
    mir unbekannte Mittel und Wege zeigen, wie ich mein Leben gestalten kann, und
    Menschen mit denen ich mein Glück teilen darf.

    Menschen wie Sie!

    Danke

  18. Liebe Frau Schweyer,
    freut mich sehr, dass Ihnen der Blog und anderes von mir gut gefällt. Ob allerdings das Beste immer zum Schluß kommt, bezweifle ich. (Bis jetzt ist alles gut gegangen, dachte der Mann, der aus dem 17. Stockwerk fiel).

    Danke für Ihren Kommentar.

  19. Renate Schweyer sagt

    Sehr geehrter Herr Kopp-Wichmann,

    leider bin erst vor kurzem auf Ihre Arbeiten aufmerksam geworden.
    Besonders Ihr Humor hat es mir angetan. Danke!

    Ja, genau! Das Leben, die Liebe und Persönlichkeitsveränderung sind nichts für Feiglinge. Hier ist der eigene Mut gefragt.

    Ich habe den Verdacht, dass ich auf der richtigen Spur bin. Immer öfter sehen mich Menschen an, als ob sie fragen wollten, woher ich den Mut nehme, das zu tun, was ich als angemessen erachte. Leider fragt mich keiner 😉

    Vielleicht sind diese Mensche einfach unsicher wie sie mein Verhalten beurteilen sollen.
    Die einen würden es vielleicht in die Schublade Arroganz und Überheblichkeit stecken,
    die anderen unter Selbstachtung und Selbstbewusstsein einordnen.

    Sollte mich doch mal jemand fragen wie man so wird, ist meine Antwort: Üben, üben üben!!
    das Leben nicht todernst nehmen, vor allem nicht mich selbst.

    Auf dem Weg der Besserung ist nichts perfekt, doch gut, mein Leben wird bunter, es lohnt sich! Der längere Atem, dranbleiben an dem was Freude macht und das Beste kommt sowieso immer zum Schluss. Nun gut, so eilig hab ich es nicht mit dem Ende. Inzwischen geniesse ich das was kommt.

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiterhin Freude an Ihrer Arbeit und Ihrem Leben.

    Herzliche Grüße
    Renate Schweyer

  20. Danke für Ihren Einspruch!

    Ich rede nicht von „Hindernisse plattwalzen“, sondern von „Hindernis überwinden“ und dabei wachsen, weil man es mit der mentalen Einstellung, die man vorher hatte gar nicht lösen kann. Das „Einstellung verändern“ ist dann die Persönlichkeitsentwicklung.

    Wenn ich sage, dass das Ziel einen am Ende nicht glücklich macht, dann heisst das für mich nicht, dass ich das Ziel dann nicht verfolge. Wenn ich so denken würde, dann würde ich erstens das Ziel nicht erreichen und zweitens auch meine Persönlichkeit nicht entwickeln. Das macht keinen Sinn. Wenn ich aber das Ziel erreiche oder ihm näherkomme, dann ist merke ich dass meine Persönlichkeit an den Hindernissen gewachsen ist. Und das persönliche Wachstum macht zufrieden und nicht das Ziel. Ich sehe allerdings nicht, wie ich meine Persönlichkeit entwickeln kann, wenn ich kein Ziel habe, wo ich sie daran trainieren kann. Ich kann mir nicht vorstellen einfach so Persönlichkeitsentwicklung zu machen um der Persönlichkeitsentwicklungs Willen.

    Mit „es geht nicht um das hinterfragen der Ziele“ meine ich, dass man das Ziel mit dem Herzen wählen soll. Etwas, das man sich wirklich wünscht und dabei soll man nicht schon im vornherein sagen, dass das unrealistisch sei oder dass die Nachbarn schlecht über mich denken, wenn ich dieses Ziel habe oder so. Wenn ich hier schon zurückkrebse zur Mittelmässigkeit, wo bleibt dann die Energie/Motivation die durch ein grossartiges Ziel freigesetzt wird?

    Noch eine Bemerkung zur Suche nach Anerkennung, Sicherheit, Kontakt und Geliebtwerden. Da bin ich der Meinung, dass man das niemals erhält durch das Erreichen von irgendwelchen Zielen. Man findet das niemals im Äusseren. Man findet es im Inneren. Dazu ist Spiritualität und eben Persönlichkeitsentwicklung.

    Ich wollte übrigens nicht Ihren Artikel kritisieren. Ganz im Gegenteil! Ich finde ihn sehr gelungen!

  21. Hallo Logan,

    Einspruch!
    Ein Ziel zu haben und dabei Hindernisse zu überwinden, ist noch keine Persönlichkeitsentwicklung. Das tut ein Bankräuber auch. Und George Bush hatte auch Ziele und Hindernisse – und hält unbeirrt an seinen Zielen fest.
    Aber unterscheiden zu können, wann man auftauchende Hindernisse überwinden muss und wann Hindernisse ein Zeichen sein können, dass etwas mit dem Ziel nicht stimmt – da fängt die Persönlichkeitsentwicklung an.

    In Ihrem ersten Artikel schreiben Sie ja auch über Ihr Ziel, möglichst viele Frauen kennenzulernen und die Erfahrung bzw. Befürchtung, auch nach Erreichen dieses Ziels nicht zufriedener geworden zu sein.

    Sie schreiben, dass es nicht darum gehe, das Ziel zu hinterfragen. Doch! Genau darum geht es bei der Persönlichkeitsentwicklung. Denn dann wird man meist auf erstaunliche – aber nicht immer angenehme – Dinge in sich stoßen. Denn die wahren Motive, die hinter den ach so großen Zielen stecken, sind zutiefst menschlich. Zum Beispiel die Suche nach Anerkennung, Sicherheit, Kontakt und Geliebtwerden.

    Doch sich mit der eigenen Persönlichkeit zu beschäftigen, ist in vielen Kreisen unpopulär und verpönt („Psychogeschwafel“). Große Ziele und Strategien machen da schon mehr her. Leider sind aber auch die großen Führer „nur“ normale Menschen. Die eben oft auch vor lauter Zielen vergessen, warum sie eigentlich das wollen. Und dann passiert es eben. Von den Folgen kann man dann in der Zeitung lesen, siehe Bush, Beck oder Zumwinkel.

    Danke für Ihren Kommentar, Logan.

  22. Ich bin der Meinung, dass man ein Ziel braucht, das man sich von ganzem Herzen wünscht. Auf dem Weg zu diesem Ziel muss man Hindernisse überwinden. Und genau dies ist Persönlichkeitsentwicklung. Es ist wachsen. Es ist mehr „man selbst“ sein. Es ist mehr das sein und tun, das man wirklich will.

    Hier sind zwei Artikel, die ich kürzlich dazu geschrieben habe:
    http://www.frauenverstehen.ch/2008/02/meine-ziele-mit-frauen/
    http://www.frauenverstehen.ch/2008/03/der-weg-ist-das-ziel/

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