Das Marie Kondo Buch: Meine Erfahrungen aus 7 Jahren Aufräumen.

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Photo credit: Web Summit on Visualhunt.com / CC BY

Seit die zierliche Japanerin Marie Kondo 2011 ihr erstes Buch „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“ veröffentlicht hat, kennen Menschen in aller Welt ihre „KonMari“-Methode.

Da ich manchmal ein Näschen für Trends habe, schrieb ich schon damals einen Blogartikel über diese neue Form des Aufräumens. Hier können Sie ihn lesen …

Mehr als sieben Millionen Exemplare ihrer inzwischen drei Bücher wurden in 38 Sprachen übersetzt. Seit Anfang des Jahres, marketingmäßig ideal zum Zeitpunkt der Neujahrsvorsätze, hat die umtriebige Japanerin ihre eigene Marie-Kondo-Show bei Netflix. Und die Serie ist ein Riesenerfolg. Die Leute lieben Aufräumen mit Marie Kondo.

Hier die Marie Kondo Methode in Kurzform:

  • Alle Gegenstände in Haus oder Wohnung werden nach Kategorien bearbeitet und nicht nach Zimmern.
    Also alle Hosen, alle Hemden, die gesamte Unterwäsche usw.
  • Man beginnt mit Kleidung, denn dort gibt es am meisten auszusortieren.
  • Dann kommen Bücher, Papiere, die Komono (Küche, Bad, Garage, Diverses)
  • Und am Ende Gegenstände, die stark mit Gefühlen und Erinnerungen behaftet sind. Das ist naturgemäß am schwersten.
  • Alle Sachen sollen auf einem großen Haufen liegen, bevor man sie aussortiert. Nur so bekommen Sie einen – manchmal erschreckten – Eindruck, wie viel Zeug Sie tatsächlich besitzen.
    Es muss nicht immer gleich das gesamte Haus im Kondo-Stil gesäubert werden. Anfänglich reicht auch nur der Kleiderschrank.
  • Und jetzt kommt der Clou: Aussortiert wird nicht nicht nach Nützlichkeit, Brauchbarkeit oder ursprünglichem Anschaffungswert – sondern nur nach „sparkling joy“.
    Dazu soll man jeden Gegenstand in die Hand nehmen und spüren, ob er Freude auslöst.

Das geht so:

Ich schätze das Buch und die Methode wirklich und halte beides nach wie vor für sehr hilfreich. Vor allem für Menschen, die zum ersten Mal richtig aufräumen wollen und gleich eine erprobte Methode suchen.

Aber es gibt ein paar Dinge, wo ich anderer Meinung bin:

1. Alles in deinem Haus sollte Freude machen, und wenn nicht, dann weg damit?

Ein guter Tipp, zweifellos.

Aber kann man ihn wirklich auf alles anwenden? Was ist mit nervigen Partnern, nörgeligen Kindern, eingebildeten Katzen? Was ist mit der Steuererklärung? Dem Mieterhöhungsbescheid? Dem unfreundlichen WG-Bewohner?

Kein „sparkling joy“ beim Betrachten oder in der Hand halten, also weg damit? Schön wär’s. Schon bei dieser Aufzählung wird deutlich, dass die Methode ihre Grenzen hat. Und dass sie sich auf Dinge, also Gegenstände bezieht.

Eigentlich schade.

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Photo credit: Rex Roof on VisualHunt / CC BY                  Der Besitzer dieses Kellers hat leider kein Netflix.

2. Gelesene oder ungelesene Bücher soll man entsorgen.

Nach der Marie Kondo Methode lesen Menschen fast nie die Bücher wieder, die sie gekauft haben und deshalb sollten wir den Großteil unserer Bestände entsorgen.

Das ist nicht meine Erfahrung. Ich habe mir zum Beispiel vor Jahren zwei Regalmeter Maigret-Romane von Georges Simenon auf eBay ersteigert. Und in denen lese ich immer wieder mal einen Fall. Sogar zwei- und dreimal. Einfach weil Simenon einen unvergleichlichen Stil hat, der mich immer wieder fasziniert und gut unterhält, auch wenn ich das Ende der Geschichte schon kenne.

Zudem greife ich bei Recherchen für einen Blogartikel oft in meine Regale und hole ein Buch hervor, das dazu passt. Viele davon sind längst vergriffen oder aus der Mode – und gerade das erhöht ihren Informationswert. Ich schwelge in vertrauten Passagen oder lese sogar das ganze Buch noch einmal.

Zweitens, hebe ich einige Bücher für meine Enkel auf.

Und drittens, selbst die Bücher, die ich nicht mehr lese, sind ein Abbild meiner Geschichte. So habe ich eine Erstausgabe von Watzlawick, Beavin und Jackson von 1967 (!) und eine hektographierte erste Ausgabe des NLP-Klassikers von Bandler und Grinder „The structure of Magic“  von 1975. Wenn ich diese oder ähnliche Bücher in die Hand nehme, schaue ich auf mein Leben zurück und spüre den verschiedenen Einflüssen nach, die es geformt haben.

Und das soll ich wegwerfen? No, Marie!

Marie Kondo behauptet auch, dass, wenn wir ein Buch kaufen und es nicht sofort lesen, wir es nie lesen werden. Das stimmt für mich nicht! Ich habe einen (aufgeräumten) Stapel auf meinem Nachttisch, und es kommen immer wieder Momente, wo ich ein bestimmtes Buch aus diesem Stapel zu meiner nächsten Lektüre mache.

Es gibt Stimmungen und Jahreszeiten des Lebens, und ein Buch muss vielleicht jahrelang geduldig warten, aber meistens komme ich irgendwann doch dazu, es zu lesen.

 

3. Schuhschachteln mit alten Fotos sind schlecht laut dem Marie Kondo Buch.

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Ich bin froh, dass meine Eltern von der Marie Kondo Methode noch nichts wussten. Nur so konnten in etlichen Schachteln und ein paar Alben viele Erinnerungen überleben.

Die Marie Kondo Methode empfiehlt, nur eine Handvoll Fotos zu behalten und den Rest digital aufzubewahren.

Da bin ich anderer Meinung. Früher als unsere Kinder noch klein waren, holte ich manchmal einige der Schuhschachteln mit den alten Fotos hervor. Und gerade weil alles unsortiert und unerwartet war, erlebten wir gemeinsam die schönsten Überraschungen:

  • „Wer ist die fremde Frau in deinem Arm?“
    „Das ist Mama mit einer neuen Frisur.“
  • „In was für einem komischen Bett liege ich da?“
    „Da warst du ein paar Tage im Krankenhaus.“
  • „Was habe ich da auf dem Kopf?“
    „Das ist die Mütze, die Oma für dich gestrickt hat und die wir gleich wieder weggeworfen haben.“

Aus vielen Fotos von früher habe ich Alben gemacht. Aber da ist alles festgeklebt und man weiß oft schon, was auf der nächsten Seite kommt. Doch das Leben ist vielfältig – und voller Überraschungen. Was beweist das mehr als eine olle  Schachtel mit alten Familienfotos, Briefen und Erinnerungsstücken?

Bewahren Sie sie auf jeden Fall ordentlich auf, aber entsorgen Sie nicht jedes letzte Foto, wie Kondo empfiehlt.

 

4. Heben Sie nicht zu viel auf, denn es wird Ihren Geist verwirren.

Im Wesentlichen empfiehlt die Marie Kondo Methode, dass Sie nichts behalten, von dem Sie hoffen, dass es eines Tages mal nützlich sein könnte. Da liegt sie nicht ganz falsch.

Nichts ist bekanntlich so dauerhaft wie ein Provisorium. Also jene Glühlampe an einem Kabel, die Sie beim Einzug vor zehn Jahren mal provisorisch an der Decke befestigten, um notdürftig Licht zu haben. Mittlerweile haben Sie dreimal die Wände gestrichen aber die provisorische Lampe hängt immer noch da.

Und so ist es auch mit unseren Träumen und Erinnerungen, die unsere emotionalen Bedürfnisse stillen. Deswegen heben Sie diese scheusslich gelbe Blumenvase auf, in der noch nie eine Blume steckte – aber Ihre Erinnerungen und Gefühle stecken ganz fest darin.

Manchmal müssen wir ja auch nützliche Dinge ersetzen, von denen Sie sich getrennt haben, weil Sie diese Dinge ein Jahr später brauchten. Sie zu ersetzen ist dann vielleicht kostspielig und frustrierend.  So kaufte ich einen zweiten Diaprojektor, weil ich nie gedacht hätte, dass ich meine alten Dias – obwohl digitalisiert – noch einmal anschauen würde. (Allein dieses vertraute klackende Geräusch!)

 

5. Was Sie längst vergessen haben, hat keinen Wert mehr für Sie, sagt Kondo.

Zufällig habe ich eine kleine Kommode mit Schubladen in meinem Schrank. Ich habe eine Schublade für Liebesbriefe (die Kondo auch zu entsorgen empfiehlt), eine Schublade für Tagebücher (eine Schatzkiste, wieder für einen regnerischen Nachmittag und eines Tages für meine Kinder) und eine Schublade für das schönste Kunstwerk, das mein Sohn in seinem dritten Lebensjahr geschaffen hat. Ich habe auch eine Schublade mit alten Zeitungsausschnitten und Zeichnungen aus meiner jahrelangen Beschäftigung mit Malen und Zeichnen und eine Schublade, die allem gewidmet ist, was ich auf einer Reise schön oder eindrucksvoll fand.

Habe ich jeden letzten Brief und Foto und jedes Kunstwerk und jedes Andenken in diesen Schubladen vergessen? Ja!

Diese Schubladen sind ein Zettelkatalog mit Schätzen, die wiederentdeckt und liebevoll gestreichelt werden müssen. Ich bin so froh, dass ich sie vergessen habe; eines Tages werden sie mich sowohl mit ihrer Neuheit als auch mit ihrem nostalgischen Reiz erfreuen – ein scheinbares Paradoxon, das jedoch köstlich befriedigend ist.

6. Es gibt auch einen Jojo-Effekt beim Ausmisten.

Die Marie Kondo Methode verspricht: Wenn du diese Methode der Organisation verwendest, wirst du nie wieder in deine alten unorganisierten Gewohnheiten zurückfallen.

Obwohl ich mir diesen Effekt erhoffte, muss ich dem widersprechen. Vor allem, wenn man in seinen vier Wänden nicht alleine lebt, sondern mit einem Partner oder mit Kindern, ist es ein frommer Wunsch zu glauben, dass Ihr Haus oder Ihre Wohnung von nun an ordentlich bleibt.

Es widerspricht auch dem 2. Satz der Thermodynamik, nach dem eben alles von allein schlechter wird. Es sei denn, man räumt laufend auf. Aber die meisten Menschen, mich eingeschlossen, haben noch andere Ziele im Leben, als dauernd aufzuräumen.

Ein Beispiel: Aus dem Urlaub bringe ich immer wieder Andenken mit. Nicht nur einen Kühlschrankmagneten, auch verschiedene Eintrittskarten von Seilbahnen, Museen und Ausstellungen. Außerdem jede Menge kulinarischer Erinnerungen wie Gewürze, Tapenaden, Liköre, Saucen etc. Und die stelle ich in den Küchenschrank. Einiges davon benutze ich, bei anderem warte ich auf ein Gericht, zu dem diese Zutat passt.

Deswegen muss ich jedes Jahr mal ausmisten, spätestens wenn das Regal knüppelvoll ist und ich nicht weiß, wohin mit den Andenken aus dem letzten Urlaub.

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Das soll man nach Kategorien aufräumen?

7. Das Marie Kondo Buch ist vielleicht für Familien mit Kindern in vielem nicht geeignet.

Sie ist aus der Sicht einer alleinstehenden Frau in den frühen 30er Jahren geschrieben, die in einer kleinen Wohnung in Japan lebt. Ihre Methode funktioniert wahrscheinlich am besten für Menschen mit kleinen Räumen, die alleine leben und die Methode mit niemandem diskutieren müssen. Sie funktioniert vielleicht nicht so gut für eine Familie mit drei Kindern und zwei großen Hunden in einem Haus mit Garage, Keller und Dachboden.

Auch das Ausmisten und Wegwerfen nach Kategorien ist möglicherweise nicht so effektiv, wenn Sie eine Familie haben.

Es kann dann besser klappen, mit den Sachen eines einzelnen Familienmitglieds einmal anzufangen, als mit der Kleidung aller anderen. Es sei denn, es gibt eine kleine Menge an Dingen in dieser Kategorie, so dass die Summe der Bücher aller zum Beispiel leichter zu organisieren ist, dann kann es funktionieren.

Aber wenn Sie einen Haushalt mit fünf Personen haben, wäre es fast unmöglich, ein Leben lang die Kleidung aller einzelnen Familienmitglieder auf einen Schlag zu sortieren – es sei denn, Sie stellen Hilfskräfte ein oder holen Freiwillige an Bord. Es gibt einfach nicht genug Stunden am Tag, wenn man ein großes Haus mit einer großen Familie hat.

Auch haben Kinder die Angewohnheit, zu wachsen und immer neue Spielzeuge oder Aktivitäten in und aus ihrem Leben anzuschleppen. Je nachdem, in welchem Stadium des Wachstums sie sich befinden. Und sie wollen sich mit Sicherheit erst mal nicht davon trennen!

Außerdem hängt es vom Familieneinkommen ab, ob Sie es sich leisten können, die zu klein gewordenen Skiklamotten Ihrer Tochter wegzuschmeißen oder ob Sie sie aufheben, bis Ihre jüngste Tochter sie verwenden kann. Auch bei Kleidung kann es passieren, dass sie früher entwachsen oder in Zukunft tatsächlich in sie hineinwachsen. Sie können aber die unbenutzte Kleidung in Zukunft wieder abgeben. Aber bei Kleidung muss man diese fast nach dem Alter organisieren.

Und wer schon mal versucht hat, einem Fünfjährigen seine Ritterburg wegzunehmen, weil er schon „ewig“ nicht damit gespielt hat, wird sich wundern, wie sehr Kinder an Dingen hängen.

Was nicht heißt, dass es eine gute Idee ist, die Kinder in den Prozess der Marie Kondo Methode  einbeziehen, um zu entscheiden, was bei ihnen Freude auslöst, was sie behalten oder wegwerfen wollen.

 

 

8. Im Marie Kondo-Buch steht: Ich soll den Gegenständen danken.

Soll also meinen Socken, die Löcher bekommen haben, danken, dass sie mich einige Zeit gewärmt und beschützt haben, bevor ich sie wegwerfe?
Ja, ich verstehe die Idee dahinter. Nichts für selbstverständlich nehmen. Mir bewusst machen, dass ich mit allem verbunden bin. Okay, verstehe ich. Aber ich komme mir trotzdem bescheuert dabei vor.

Das ist reiner Animismus. Und diese Vorstellung der Beseeltheit von Objekten ist ja im japanischen Volksglauben häufig zu finden: Gebrauchs- und Alltagsgegenstände und vor allem weggeworfene Dinge können zum Leben erwachen und dann als Tsukumogami mehr oder weniger harmlose Verwirrung anrichten.

Aber bei uns doch nicht, oder?

 

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Inhalt einer kleinen Damenhandtasche.

9. Das Marie Kondo Buch rät: Täglich die Handtasche oder den Geldbeuten leeren.

Von Frauen ist bekannt, dass sie, vor allem wenn Sie große Handtaschen und große Portemonnaies besitzen, sich da mit der Zeit allerhand ansammelt. Da finde ich das mit dem täglichen Leerräumen gut und notwendig!  😉

Aber die wenigsten Frauen, die ich gesprochen habe, fanden das eine gute Idee. Denn sie wollen oft geschwind das Haus verlassen ohne langwierig Dinge in ihre Handtasche zu legen zu müssen, die sie gestern erst ausgeräumt haben. Ich denke, es wäre viel zu viel Mühe ohne einen wirklichen Nutzen. Und Mütter mit Baby und einer Wickeltasche werden das definitiv auch nicht tun.

Für Männer, die wie Horst Schlämmer eine Herrenhandtasche bei sich tragen, empfehle ich es jedoch. Ich dagegen habe nur meine Brieftasche, mein Smartphone und einen Schlüsselbund bei mir, wenn ich aus dem Haus gehe.

 

10. Allein „funkelnde Freude“ zählt im Buch von Marie Kondo.

Marie Kondo empfiehlt, jeden einzelnen Gegenstand, den man besitzt, zu berühren und nur die Dinge zu behalten, die Freude machen.

Ich bin ein großer Fan von radikalem Aufräumen. Habe sogar mal 1.000 meiner Bücher weggegeben.
Ich finde es sehr gut, dieses Kriterium für die meisten Dinge zu verwenden, weil es Sie von Schuldgefühlen befreit, Dinge aufzubewahren, die noch nützlich werden könnten oder sehr teuer waren.

Es hilft einem, leichter zu entscheiden, was Sie behalten, und nicht, was Sie loswerden wollen. Das Nachspüren, ob der Gegenstand Sie „glücklich“ macht, ist ein verlässlicher Gradmesser – jenseits des Verstandes.

Allerdings spielen praktische Überlegungen auch eine Rolle, wenn es zum Entrümpeln kommt, und da hilft mir dieses einzige Kriterium überhaupt nicht. Ich hielt meine Klobürste in der Hand und es meldete sich kein „sparkling joy“. Das wäre auch bei keiner anderen Toilettenbürste der Fall gewesen. Trotzdem behalte ich sie, denn die Aussicht, ohne diesen nützlichen Gegenstand meine Toilette zu reinigen, weckt noch weniger Glücksgefühle.

Ähnlich geht es mir mit Sachen wie:

  • Dem Schuhkarton von Rechnungen und Belegen, die ich für das Finanzamt sammle.
  • Alle Reinigungsmittel in der Küche.
  • Winterreifen in der Garage.
  • Christbaumständer nebst Kugeln.

Also, manchmal siegt doch die Vernunft über den ersten Impuls von „Alles raus damit!“, weil ich weiß, dass die Sachen zwar kein Glück versprechen, sondern nur ganz schnöde nützlich sind. Und ich sie sonst später nochmal anschaffen müsste.

 

11. Was macht man mit den Sachen, die man weggibt?

Die vielen Müllsäcke in der Sendung legen nahe, dass viele Menschen glauben, dass es am besten wäre, all das Zeug in den Kleider-Container oder auf dem Müllplatz zu entsorgen. Doch es gibt bessere Alternativen:

  • An Freunde, Familien oder Flüchtlinge verschenken.
  • An soziale Organisationen spenden.
  • Verkaufen auf Online-Plattformen für Kleidung, Bücher etc.
  • Eine Tauschparty machen.

Eine Sache, die Marie Kondo übersieht: Wir haben ja schon ein Müllproblem weltweit. Wenn jetzt ganz viele Familien ihre Wohnungen entrümpeln und vieles davon wegschmeißen, dann gibt das ja noch mehr Müll!

Zum Glück haben nicht alle Menschen Netflix oder gucken gerade diese Serie und behalten ihren ganzen Kram.

 


 

Mein Fazit über das Buch von Marie Kondo:

Die Marie Kondo Methode hat einige fundierte Ratschläge für unsere – zuweilen – ungesunde Beziehung zu Dingen, unsere Sammelwut und unsere Angst, etwas loszulassen. Sie kann für Ihren Lebensstil funktionieren, aber ich würde es nicht als absolut sicher betrachten.

Wenn Sie Single sind oder ein Paar mit einem kleinen Haustier in einer kleinen Wohnung, kann es klappen. Aber wenn Sie eine große Familie in einer größeren Wohnung sind, müssen Sie herausfinden, was davon für Sie funktioniert.

Was ich am hilfreichsten fand, ist, seine Sachen durchzugehen, um herauszufinden, was Freude macht, und nach Kategorien zu sortieren. Das ist ja insgesamt ein gutes Prinzip fürs ganze Leben.

Doch Ausmisten, damit Platz für Neues ist, kann nicht die Lösung sein. Das wäre weder nachhaltig noch gut für Ihren  Geldbeutel.
Ausmisten ist am wirksamsten, wenn es auch dazu führt, dass wir bewusster – also weniger kaufen.

Denn wir haben so viele Dinge, weil wir dauernd etwas kaufen, nicht weil wir zu wenig wegwerfen.

Kaufen, tragen, weg damit – die Deutschen kaufen zum Beispiel immer mehr Kleidung und nutzen sie immer kürzer. Durch Ketten wie Primark oder TK Maxx tauschen deutsche Konsumenten ihre Kleidungsstücke ständig aus. Laut Greenpeace wird die Hälfte aller Kleidungsstücke ein Jahr getragen, jedes fünfte nie. Am Ende jeder Kollektion entstehen hohe Altkleiderberge. Der Gedanke an Nachhaltigkeit setzt beim Modekonsum hierzulande aus. Eine Million Tonnen Textilien landen 2018 bei den Zweitverwertern. Experten prognostizieren: Der Trend zu „Fast Fashion“ wird noch zunehmen. (Quelle: https://goo.gl/jbqVpm)

Jedes Jahr kommt ein neues Smartphone oder mehrere auf den Markt. Mit minimalen Verbesserungen, weil es kaum noch technologische Neuerungen gibt. Und die werden gekauft.

Psychologisch betrachtet geht es da vielleicht auch um das Vermeiden von Vergänglichkeit. Denn wir selbst sind ja nicht austauschbar, sondern werden älter, faltiger, unbeweglicher. Und das ist kränkend. Sich dauernd mit neuen, makellosen Dingen zu umgeben, hilft uns, diese Kränkung abzumildern.

„Kaufen ist für viele das Botox für die Seele“. 
Wir fühlen uns dann nicht so alt, nicht so vergänglich.

Okay, dass Ausmisten und Wegwerfen Freude bringen kann, hat uns Marie Kondo nun gezeigt.
„Sparkling joy“ als Belohnung hatten übrigens auch die Macher dieses Abfalleimers im Sinn, als sie überlegten, wie sie Passanten das ordnungsgemäße Entsorgen von Abfall schmackhaft machen könnten.

 

kommentarWie sind Ihre Erfahrungen mit dem Buch von Marie Kondo?
Mit oder ohne Marie Kondo?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

16 Kommentare

  1. Andrea sagt

    Marie Kondo und ihre Methode ist für mich Motivation, allerdings miste ich nicht nach ihrem Prinzip aus. Zumindest nicht, was die einzelnen „Sparten“ betrifft – da ist bei mir die Zimmer für Zimmer-Methode effektiver. Meine Fotos behalte ich. Anfangs habe ich mich dagegen gesträubt, Bücher wegzugeben, inzwischen ist gerade das eine einzige Befreiung für mich! Wir haben hier aber auch an die 1000 Bücher, die kein Mensch mehr liest!

    Übrigens hat Marie Kondo sehr wohl Kinder, zwei noch recht kleine Mädchen. Die waren sogar mal in der Serie zu sehen.

  2. Entrümpeln oder Aufräumen mit Marie Kondo schau ich gerne auf dem Internet an. Ich denke, dass ihre Methode, um Ordnung mit System zu schaffen, ist sehr effektiv. Mein Leben wird besser, nachdem ich ihr Programm gesehen habe.

  3. Luca  sagt

    Vielen Dank für diesen ausführlichen und interessanten Artikel. Die Methode von Marie Kondo ist sehr nützlich.

  4. „Wer mag denn noch in ein Eigenheim einkehren, in dem alles immer wieder neu sofort weggeräumt, zurechtgerückt oder einsortiert werden muss?“

    Ich. Weil es schön aussieht und ungeheuer praktisch ist, Zeit spart …

  5. Sehr herzlichen Dank für diesen ausführlichen und amüsanten Artikel. 🙂 Musste doch hin und wieder sehr schmunzeln „Der Besitzer dieses Kellers hat leider kein Netflix.“
    Mir erscheint die radikale Auräum-Methodik von Kondo doch sehr hart. Doch es ist eben ihr Thema alles rauszuschmeißen, zu sortieren, zu ordnen … Bekannterweise sind Japaner allgemein sehr ordnungsbewusst. Aber die Vernunft sagt hier ganz klar, dass man es mit diesem Ordnungs-Wahn auch übertreiben kann. Wer mag denn noch in ein Eigenheim einkehren, in dem alles immer wieder neu sofort weggeräumt, zurechtgerückt oder einsortiert werden muss – wenn nicht weggeschmissen?
    Es gibt ein paar clevere Tricks die sie zeigt, um z. B. Stauraum besser zu nutzen. Aber der Rest ist doch wirklich übertrieben 🙂

  6. Sandra sagt

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    Ihren Beitrag habe ich mit Interesse gelesen und war am Ende etwas stutzig über den Titel „Die Marie Kondo Methode: Meine Erfahrungen aus 7 Jahren Aufräumen.“

    Ich persönlich lebe seit 1998 mit der heute überall bekannten KonMari-Methode. Einfach weil ich so bin und so „ticke“. Damit meine ich jedoch nicht, dass mich Unordnung bei anderen Menschen nervös macht oder ich einen Ordnungsfimmel habe. Es war für mich jedoch stets normal nach Kategorien zu sortieren, nur das zu besitzen was ich wirklich mag und so insgesamt keine Berge an Sammlungen oder sonstigen Dingen zu anzuhäufen. Aufräumen in dem Sinne kenne ich nicht und staune immer wieder, wenn andere Menschen damit unglaublich viel Zeit verbringen bzw. verbringen müssen.

    Nun, warum hat mich ihr Titel irritiert?
    Weil ich glaube, dass Menschen wie Marie Kondo oder ich diese Form des Minimalismus leben und nicht in Konsum denken. Wenn Sie z.B. immer viele Andenken aus dem Urlaub mitbringen und, wie Sie schreiben, ab einem bestimmten Punkt erneut ausmisten müssen, dann hat es im Kopf noch nicht „klick“ gemacht. Denn genau dort beginnt der eigentliche Prozess des Aufräumens. Oder wie Kondo sagen würde „das Aufräumfest“. Und wenn es dann so weit ist, müssen Sie genau diesen Prozess tatsächlich nie wieder erneut durchlaufen. Rückfall ausgeschlossen. Versprochen!

  7. Mario Rossetti sagt

    Wenn ich mir so das große verdammt ģroße Universum als Ordnungsmuster als Vorbild nehme, dann muss ich leider immer wieder feststellen das ich zu Hause auch Bereiche habe die auf den ersten Blick einfach sehr unordentlich aussehen.
    Aber wenn ich damit immer wieder doch arbeite, dann sehe ich in diesem Chaos doch eine gewisse Ordnung.
    Ich habe z.b die feste Angewohnheit das ich Bücher nicht nur lese sondern sie regelrecht vollkritzle, Eselsohren ihnen verpasse u.s.w.
    Da kann es auch vorkommen das ich nur wegen einem Gedanken dieses Buch wieder aus der hintersten Ecke hervorhole um diesen Gedanken wieder zu finden.
    Einen anderen Bereich waren z.b. meine hunderte große Plattensammlung die ich aus einem Augenblicksmoment meinem Bruder überlassen habe.
    Nach Jahren er dann auch keine Verwendung mehr hatte, habe ich sie liebend gerne wieder genommen.
    Heute bin ich froh darüber das ich manche Dinge noch habe.
    Denn daran hängen Geschichten und eine Technik die z.b. meine Kinder gar nicht mehr erlebt haben.
    Wenn die dann hören was diese Dinosaurier – Technik in der Vergangenheit alles schon für die Menschen geleistet haben sieht man auch ihre überraschten Gesichter.

    LG
    Mario

    P.s.
    Zum Schluss kann man sagen das es zumindest 2 Dinge in der Welt gibt die alt und gleichzeitig wertvoll sind:
    ,,ein alter Wein und eine alte Geige“
    Ok. Bei mir sind es Vinyl-platten, das geschriebene Wort und ein bisschen mehr noch.
    CHAOS UND ORDUNG gehören manchmal doch zusammen.
    Das Universum lässt uns hier ein Ordnungsprinzip als Muster erkennen.

  8. Sehr geehrter Herr Kopp- Wichmann,

    Ihr Artikel spricht mir aus der Seele! Seit ich 2012 meinen Burnout durch Ausmisten kuriert habe, bin ich selbständig als Ordnungscoach im Raum Rhein- Main. Ich begleite nun Menschen durch den Prozess, der so viel im Leben bewirken kann. Ich packe mit an, stelle Fragen, sehe Möglichkeiten und biete Ideen an. Das Buch von Marie Kondo habe ich natürlich auch gelesen nur kam zu den gleichen Einschätzungen wie Sie. Einiges funktioniert- viel funktioniert gerade in einem Familienhaushalt nicht. Der Weg entsteht bei meinen „Einsätzen“ immer beim Gehen und es ist absolut individuell und sehr unterschiedlich, wo wir anfangen, freie Räume zu schaffen. Auch die vielen Ansprüche gehören unter die Lupe genommen und ggf. aussortiert. Die machen nicht selten unfrei, unglücklich und lähmen. Auch wenn sie in Bestsellern stehen.

    Herzliche Grüße, Simone Jahn aus Reinheim

  9. Ingrid sagt

    Guten Tag,
    also ich würde prinzipiell nichts als absolut sicher sehen. Dennoch ist die Konmari Methode für mich ein Anlass gewesen zu überdenken, was ich in Zukunft für mein Leben noch brauchen werde und zu hinterfragen, macht es mir Freude?

    Sicher ist es nicht einfach eine Verhaltensänderung zu erreichen, das ist es in anderen Lebensbereichen auch nicht. Allerdings wenn mir mein Partner über lange Zeit keine Freude bereitet würde ich auch darüber nachdenken woran das liegt und versuchen etwas an dem Zustand zu ändern. Mir persönlich gibt es ein gutes Gefühl wenn nicht alles überall rumliegt , und ich versuche wenn möglich gleich alles wegzuräumen – bis auf die Steuererklärung. Die kommt ja in die“noch zu erledigen“ Schachtel. Die T-Shirts lege ich noch nach meiner Methode zusammen- Ist bei meiner Schranklösung vorteilhafter, die Möglichkeit Spannleintücher zusammenzulegen finde ich allerdings sehr praktisch. So nehme ich aus der Konmari-Methode das was für mich passt, den Rest lasse ich so wie es ist.

  10. Hallo Bianca,
    ich habe nicht alle Folgen der Serie gesehen und auch nicht alle Bücher gelesen. Deshalb danke für Ihre Richtigstellungen.

  11. Bianca sagt

    Lieber Herr Kopp-Wichmann,
    aus meiner Erfahrung als dreifache und alleinerziehende Mutter kann ich sagen, dass die Methode definitiv auch für Familien geeignet ist.

    Noch nie sah mein Haus so aufgeräumt und sortiert aus. Es ist ein echter Genuss. Ich muss täglich viel weniger Aufräumen. Ich habe die Dinge der Kinder mit ihnen gemeinsam aufgeräumt und es hat sehr gut funktioniert: die Hälfte der Klamotten flog aus dem Kleiderschrank und meine 10 jährige Tochter, die eher verkramt ist, hat nun ein Zimmer, das fast klösterlich anmutet. Wir sind sehr zufrieden und erleichtert.

    Auf fast alle Ihre Einwände hat Marie Kondo eine Antwort: Zum Beispiel gibt es auch Dinge, die keine Freude bringen, aber sehr nützlich sind. Diese soll man natürlich behalten, aber ihnen mit Wertschätzung begegnen.

    Auch darf man viele Bücher und sonstiges behalten. Dazu sagt sie, dass man daraus wunderbar die eigenen Interessen und Fähigkeiten erkennen kann (hier stehen auch etliche Musikinstrumente, Jonglageutensilien und Malzeug etc.)…Ich verstehe die Methode, so wie auch Ihre Beitrage als wunderbare Inspirationen, aus der ich ziehen kann, was mir persönlich hilft.

    Herzliche Grüße von einer treuen (jahrelangen) Hörerin,
    Bianka

  12. Schmidt, Wibke sagt

    Dass die Methode nicht auf alles anwendbar ist, dem stimme ich zu. Ich halte die Methode jedoch für sehr gut, um Zufriedenheit entstehen zu lassen. Als Familie mit 2 Kindern, Haus und Geschäft entrümpeln wir 1 x im Jahr Büro, Kleiderschränke, Zimmer, Garage, Gartenhaus und Keller. Dezember Büro, Januar Kleiderschrank, Februar, Schlafräume, März, Gartenhaus, April Garage, Mai Bäder, Juni Keller, Juli Küche, August Wohnzimmer, September Kind 1, Oktober Garten winterfest (dh Pflanzen), November Kind 2. Wir reden von 8 Stunden pro Monat. Das schafft jeder.

    Wir sortieren nach Räumen, bei der Badsortierung wird jährlich auch die Toilettenbürste in Frage gestellt. Wir haben uns getrennt von ca 4000 Büchern und leben glücklich digital mit ca 300 Büchern.

    Einmal jährlich veranstalten wir mit 25 anderen Familien einen großen Basar, bei dem eine Festhalle voller Sachen verkauft werden. Der Erlös geht an eine wohltätige Einrichtung. Hat man die Menge der „besten Dinge“ gesehen, überlegt man monatelang zweimal, ob man eine Sache wirklich benötigt. Das Aussortieren hilft den Kindern zu wachsen und sich zu entwickeln.

  13. Martina Bloch sagt

    Ein ganz wunderbarer Beitrag, vielen Dank. Jetzt bin ich doch erleichtert, dass es ok ist, wenn ich Sachen einfach so aufhebe. Wie Bücher

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