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Aug 31 2008

Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

kind angst xs fotolia 1445122 xs Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

Bei Schlägen geht es nicht um Erziehung, sondern um Macht und Ohnmacht.

Ein ernstes Thema, das ich auch unter dem Eindruck des Intensivseminars, das ich letzte Woche leitete, schreibe. Trotz etlicher Erfahrungen mit Menschen zu diesem Thema, bin ich doch immer wieder auf’s Neue betroffen, wenn ich miterlebe, wie körperliche Strafen, die jemand vor zwanzig, dreißig Jahren oder länger erlitten hat, sich auf das spätere Leben auswirken können.

Ich muss schon sehr genau hinhören und hinspüren, um mitzukriegen, dass jemand körperliche Gewalt in seiner Kindheit andeutet. Denn das Thema ist immer noch tabuisiert und vor allem auch schambesetzt. Doch wenn jemand beim Schildern seiner Biographie erwähnt, dass “es zu Hause streng zuging” oder der Vater “ziemlich autoritär war” oder “die Mutter keinen Widerspruch duldete”, werde ich meist hellhörig und frage nach, was der Betreffende damit meint.

Zur Sprache kommen dann zuweilen Schilderungen von heftigen Ohrfeigen und Prügeln mit Zaunlatten, Gürteln, Lederpeitschen, Baumzweigen, Kohleschaufeln, Teppichklopfern, Rohrstöcken oder bloßen Händen usw. Der Zeitpunkt ist oft unvorhersehbar. Wenn der “Elternteil schlecht drauf war”, wenn “man nicht schnell genug weg war” oder regelmäßig am Samstagabend als gefürchtetes Wochenendritual.

Ich frage auch immer nach, bis zu welchem Lebensalter geschlagen wurde und wie es aufhörte. Dabei erfahre ich, dass es meist in der Pubertät aufhört, bei manchen aber auch erst mit achtzehn, neunzehn Jahren, als sie sich entschlossen, auszuziehen. Manchmal hört der Elternteil von selbst auf, zuweilen auch nur durch die handfeste Drohung des Jugendlichen. Meist werden Jungen, speziell die ältesten, am meisten geschlagen, aber auch viele Mädchen.

Wie gehen Erwachsene mit der Erinnerung an Schläge in ihrer Kindheit um?

Eine häufige Form ist die Bagatellisierung.
Zumeist erkennbar an der Schlussfolgerung “Das hat mir aber nicht geschadet!”
Ich verstehe diesen Satz immer als den Versuch, den Konflikt zu lösen zwischen dem guten Bild, das man von den Eltern hat und den Szenen, wo man geschlagen wurde.

Häufig ist auch die Verdrängung.
Immer wieder berichten mir Menschen, dass sie an die ersten acht oder zehn Jahre ihrer Kindheit keinerlei Erinnerung haben. Kein Bild, kein Gefühl, nichts. Erst im Rahmen der gemeinsamen Arbeit kommt manchmal ein Stück schmerzlicher Erinnerung wieder zurück.

Welche Folgen haben nun Schläge in der Kindheit auf einen Erwachsenen?

Die Folgen sind mannigfach. Ich will hier nur einige der Konsequenzen und Entscheidungen nennen, die mir bei meiner Arbeit mit Menschen begegnet sind.

  • Angst und Vertrauensverlust in Beziehungen.
    Als Kind geschlagen zu werden, ist immer eine Situation, wo das Kind unbewusst Entscheidungen trifft. Wo es auf schmerzhafte Weise lernt, wie es in Beziehungen zugeht. Dass es um Macht geht. Dass man dem anderen, dem man vertraut hat, nicht trauen kann. Dass gleich wieder etwas passieren kann. Mögliche Folgen sind auch Gefühle des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit, des Verlassenseins, das man als Erwachsener immer wieder erlebt.
  • Beschränkte Konfliktlösungsmöglichkeiten.
    Wer geschlagen wird, fühlt sich hilflos und gedemütigt. Um damit in Zukunft umzugehen, gibt es nur wenige Strategien. Die eine ist, sich zu unterwerfen – und den vermeintlich Stärkeren heimlich zu verachten. Die andere ist, sich zu schwören, dass einem so etwas “später im Leben” nie wieder passieren wird. Und zwar indem man selbst stark wird.
  • Probleme in der Identitätsentwicklung.
    In Seminaren treffe ich hin und wieder auf ganz sanfte Männer, die  verständnis- und rücksichtsvoll sind, nie laut werden. Einerseits angenehme Personen, aber auch ein großes Stück aggressionsgehemmt. Oft fühlen diese Menschen selbst, dass ihnen eine größere Portion Männlichkeit fehlt. Wenn man dann in der Biographie forscht, was der Grund dafür sein könnte, graben wir zuweilen gemeinsam heftige Prügelerfahrungen aus. Frage ich, wie das “Nicht-Mann-Sein” und diese Erinnerungen zusammenhängen, hört man manchmal den einleuchtenden Satz: “Nur Männer schlagen!” Oder: “Ich wollte nie so werden wie mein Vater!”
  • Selbstwertprobleme.
    Wer geschlagen wird, erlebt, dass dem anderen seine Gefühle, Überzeugungen oder Regeln wichtiger sind als die eigene Person. Als Kind kann man noch schlecht unterscheiden zwischen sich und dem anderen. Kann zum Beispiel schwer erkennen, dass Eltern zuweilen überfordert sind (was kein Freispruch für Schlagen ist). Meist sucht das Kind dann nach einem Grund für die Züchtigung. Vor allem, wenn der schlagende Elternteil sich nicht entschuldigt und die Verantwortung für sein Ausrasten dem Kind zuschiebt, sucht man als Kind die Schuld bei sich selbst. Weil man zu frech war oder Widerworte gab. Weil man schlecht in der Schule ist. Weil man überhaupt auf der Welt ist.

    frau verbirgt gesicht sall photocase45sqbpyjwjad Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

    Wer geschlagen wird, lernt frühe Lektionen über seinen Wert.

  • Abgrenzungsprobleme.
    Wer als Kind geschlagen wird, erlebt eine massive Grenzverletzung. Und hat in der Folge oft Probleme, sich als Erwachsener angemessen abzugrenzen. Also Nein zu sagen, es anderen nicht immer recht zu machen, auch mal andere zu enttäuschen etc. Auch eigene Grenzen zu spüren, zu respektieren und flexibel damit umzugehen, kann schwierig sein.
  • Probleme mit eigenen Kindern.
    Wer Gewalt als Mittel der Erziehung erlebt hat, spürt manchmal die Tendenz, sich auch so zu verhalten. Diese Gefahr ist umso größer, je weniger man sich mit dem eigenen Geschlagenwerden und den dabei erlebten Gefühlen auseinandergesetzt hat. Manche streichen ihren Wunsch nach eigenen Kindern auch ganz, aus Angst, sich in schwierigen Situationen nicht im Griff zu haben und ebenso zum Schläger zu werden.
  • Unkontrollierbare Aggressivität.
    Als geschlagenes Kind erlebt man enorme Wut und Zorn, doch müssen diese heftigen Affekte unterdrückt und verdrängt werden. Doch unterdrückte Gefühle verschwinden nicht. Oft bahnen sie sich einen Weg in zerstörerischen Aktionen gegen andere (Kriminalität) oder gegen sich selbst (Autoaggression, Suizid, Drogenmissbrauch).

Was kann man tun?

Darauf gibt es keine schnelle Antwort. Aber allgemein kann ich sagen, dass das Bewusstmachen des Erlebten – im Gegensatz zum Verdrängen oder Bagatellisieren – ein erster wichtiger Schritt ist. Schon allein damit kommt man ein Stück aus der “Kindheits-Trance” heraus, da man den eigenen erlebten Schmerz zum ersten Mal wichtiger nimmt als das Motiv der Eltern oder die heilige Fassade des “Was sollen denn die anderen Leute denken?”

schlagerei small photocase4wrvfvpz44fd1 Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

Wenn man früh Opfer von Schlägen ist, trifft man Entscheidungen für das ganze Leben.

In weiteren Schritten kann man sich mit den schmerzlichen Erlebnissen auseinandersetzen. In einzelnen Fällen ist es möglich, mit den realen Eltern ein klärendes Gespräch zu führen. Auch Eltern lernen manchmal dazu und können spät im Leben etwas bereuen oder falsch finden, das sie jahrzehntelang eisern verteidigten. Aber oft trifft man auch auf erneutes Unverständnis und eine Wand der Ignoranz (“Das bildest Du Dir doch alles ein!”)

Manchmal ist auch professionelle Hilfe nützlich,um in dem inneren Gespinst von Erinnerungen, Verdrängungsimpulsen und Verwirrung einen gangbaren Weg für sich zu finden. Letztlich aktiv zu werden im Sinne eines “Gut-für-Sich-Sorgens” ist auf jeden Fall besser als weiter im Leben in der Opferposition des geschlagenen Kindes zu verharren.

Podcasts von Roland Kopp-Wichmann Diesen Beitrag können Sie sich hier als Podcast anhören:

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Fotos: 
photocase.com:
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149 Kommentare bisher

149 Kommentare zum Beitrag “Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?”

  1. 149

    Hallo Anja,
    durch Bücherlesen schaffen Sie das nicht. Es braucht ein Auflösen der gelernten Beziehungserfahrungen, deren Folge u.a. Ihr verringertes Selbstwertgefühl ist.
    Eine längere Therapie hilft meistens, dann aber vor allem eine tiefenpsychologische Therapie oder eine Psychoanalyse, keine Verhaltenstherapie, weil die Beziehung die wesentliche Rolle bei diesen Therapien spielt.

    Eine fortlaufende Selbsterfahrungsgruppe kann auch sehr hilfreich sein. Alle Therapieformen, in den Sie v.a. emotional erfahren, dass es Menschen gibt, die anders sind als Ihre Eltern. Das wissen Sie zwar rational, aber bei der Veränderung geht es vor allem um Gefühle. Falls Sie mit mir arbeiten möchten, können Sie auch an einem Persönlichkeitsseminar teilnehmen.

    Danke für Ihren Kommentar.

    AntwortenAntworten
  2. 148
    Anja sagt:

    Hallo Herr Wichmann,

    ich weiß der Artikel ist schon älter, aber es trifft alles auf mich zu. Die ganzen Verhaltensweisen, da ich bis zu meinem 23 Lebensjahr geschlagen worden bin von meinem Vater. Und vor paar Tagen, nun bin ich 30, hätte ich auch fast wieder eine mir eingefangen. Habe große Probleme mit meinem Umfeld, weiß nicht wie ich mich verhalten soll, geschweige wie ich rüber komme. Wer ich bin und was ich will. Tue sehr viel für andere und weniger für mich und wenn ich mal nein sage und nicht zu den Eltern meines Freundes will, dann heißt es ich bin ein Egoist und denke nur an mich. Habe neuerdings oft Heulkrämpfe, einfach so, weil ich irgendwas schrecklich finde oder traurig. Kann man sowas alleine bekämpfen indem man sich Bücher über Trauma’s durch liest oder sollte man lieber zu einem Therapeut? Denke immer so schlimm ist es nämlich nicht und irgendwie bekomm ich das hin. Können Sie mir ein Buch empfehlen? Beim Psychologen war ich vor ein paar Jahren und ein Selbsterfahrungsseminar habe ich auch hinter mir. Hatte geholfen für eine Zeit und nun wird es wieder schlimmer. Wenn ich mehr Selbstwertgefühl hätte, wer weiss was ich schon alles mir zugetraut hätte. Versuche es jedem Recht zu machen und mir ist es aber nie recht genug was ich mache. Ein ewiger Kreislauf!
    Hoffe auf Ihren Rat!

    Mit freundlichen Grüßen

    Anja M

    AntwortenAntworten
  3. 147

    Sie haben eine von mir sehr häufig beobachtete Folge von Schlägen in der Kindheit vergessen: körperliche Distanzierung von anderen Menschen und ein krankhafter Ekel vor intimer Körperlichkeit.

    Kinder, die von ihren Vertauenspersonen geschlagen werden, ziehen sich oft auch körperlich von diesen zurück. Sie verzichten zugunsten des emotionalen Selbstschutzes (den, der mir weh tut, lasse ich mich nicht mehr berühren) auf liebevolle Berührungen und Geborgenheit spendende Nähe. Als Erwachsene fehlt geschlagenen Kindern dann nicht nur das Urvertrauen und das Selbstwertgefühl, das meiner Meinung nach allein aus der liebevollen körperlichen Beziehung zu den Eltern stammt, sondern sie sind auch unfähig, körperliche Nähe in ihren erwachsenen Beziehungen zu leben, neigen zu Überbetonung des Sexuellen bei Vernachlässung nicht-sexueller Zärtlichkeit und empfinden häufig Ekel gegenüber Körpergerüchen, Körperflüssigkeiten und Alterserscheinungen, können Körperkontakt also nur mit “sauberen” und “glatten” Oberflächenkörpern ausleben.

    Da die wenigsten Kinder getragen werden, sondern in körperlicher Einsamkeit in Kinderwagen und separaten Betten schreien müssen; da die wenigsten Kinder von ihren Eltern ausgiebig gestreichelt werden oder ihre Eltern nackt erleben und berühren können, sondern die allgemeine Angst vor Pädophilie und die allgemeine christliche Körperfeindlichkeit den Eltern den sinnlichen Austausch mit ihren Kindern verbieten; deshalb sehen wir schwache Formen der Symptome geschlagener Kinder bei fast allen Erwachsenen unseres Kulturkreises und empfinden sie als normal und wenig bemerkenswert. Wir leben in einer kranken Kultur, in der Schläge nur wenig extremer sind als die gewöhnliche Vernachlässigung.

    AntwortenAntworten
  4. 146
    Eve sagt:

    @Roland Kopp-Wichmann:
    Hallo,
    ich selbst wurde als Kind auch geschlagen. Zwar kann ich mich auch nicht sehr gut an meine Kindheit erinnern, aber manche Dinge fallen mir schon ein. Ich weiss, dass wir Spazieren gegangen sind, und ich mir einen “Ast aussuchen durfte”. Backpfeifen, oder auch Schläge mit dem Kochlöffel auf den nackten Hintern und auf die Hände.
    Eine Situation ist mir ganz besonders im Kopf geblieben: Meine Mom wollte unbedingt ihren Willen durchsetzen und ich argumentierte dagegen. Das konnte sie nicht akzeptieren, obwohl ich Recht hatte mit meiner Ansicht. Ich weiss nur noch, dass ich plötzlich auf dem Boden lag und ihr Fuß auf meinem Hals. Das war echt krass. Ich glaube, sie hat sich danach entschuldigt. Mir war es damals (glaube, ich war ungefähr 16 oder 17) mehr oder weniger egal und meinte, sie könne machen was sie will, aber ich bleibe dabei. Danach hörte es auf.

    Früher war ich ein Außenseiterkind und wurde auch von Klassenkameraden auf dem Schulhof verprügelt. Das hat sich dann irgendwann auch gelegt. Und ich habe inzwischen wirklich super Freunde und bin auch sehr dankbar dafür. Allerdings stimmt das alles: Ich kann mich nicht abgrenzen. Vergleiche mich mit anderen. Kann schwer mit Konflikten umgehen, bzw. tu mir schwer, meine Fehler zu akzeptieren. Ich fühle mich dann so schlecht und kann mir das manchmal nen ganzen Tag nicht verzeihen. Außerdem bin ich dafür bekannt, mir unheimlich viel Gedanken zu machen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das daher kommt, dass ich mich früher sehr stark damit auseinandergesetzt hab, was ich falsch gemacht habe, bzw. alles versucht habe zu verstehen, wenn es mal Ärger gab.

    Mein Problem ist heutzutage, dass ich keinen Mann für eine Beziehung finden kann. Und das macht mich so kaputt. Ich lerne Männer kennen, sie ziehen mich auch an; doch länger als 3 Monate hält das ganze nicht. Vor lauter Angst, dass es immer wieder so läuft, werde ich immer unsicherer und weiss überhaupt nicht mehr, was richtig und was falsch, was normal ist. Ich schäme mich auch, dass ich innerhalb kurzer Zeit den Fokus von einem Mann auf einen anderen setze. Vor allem wenn körperlicher Kontakt da war. Ich steiger mich sehr rein und kann nur an ihn denken. Kann es sein, dass dies in irgendeiner WEise auch mit Schlägen aus der Kindheit herkommt? Es scheint, dass ich Nähe sehr stark suche, aber sehr viel vom GEgenüber verlange. Was ich eben gar nicht verstehe ist, dass die Männer sagen: “Ich glaube, ich kann Deine Erwartungen nicht erfüllen” Ich aber mit keiner Silbe etwas von Erwartungen sage. Seltsam, oder? Sie spüren etwas, von dem ich keien Ahnung habe.
    Vielelicht hat ja jemand eine Idee.
    Ganz liebe Grüße

    AntwortenAntworten
  5. 145
    Silvana sagt:

    Was ich Persönlich zu den Thema sagen kann ist :ich selber habe gewalt mit erleben müssen das es nicht bei eine ohrfeige bleibt oder agressionen ist auch klar! Jeder Mensch sollte Gewalt vermeiden und schon garnicht an Kindern denn die können sowas nie vergessen und man verletzt die seehle damit.Heute habe ich auch kinder und bin eine sehr glückliche Mama die ihre Kinder mit viel Liebe,Versändniss und gebogenheit schenkt!!!

    AntwortenAntworten
  6. 144
    Kurti sagt:

    @Heidi: Das habe ich auch nicht so gesagt, wie du es jetzt darstellst. :(
    Ich meinte damit nur, dass es bei MIR die Hormone/OPs sind, aber natürlich sind es bei den nicht transsexuellen Menschen andere Dinge, um zu lernen, erwachsen zu werden. Ich bin außerdem noch Asperger-Autist (getestet) und lerne von daher eh ganz anders und deswegen möchte ich dich auch bitten, nichts in meine Worte hinein zu interpretieren. Sie sind genauso gemeint und sollen Wort für Wort verstanden werden. Es gibt in meinen Aussagen nichts zwischen den Zeilen zu lesen.

    Wie die nicht-autistischen und nicht-transsexuellen und die nicht-was-auch-immer Menschen lernen erwachsen zu werden, weiß ich nicht.

    Ich glaube aber, dass man sich sehr genau mit sich selbst und seiner Vergangenheit auseinandersetzen MUSS, sich mit seiner Vergangenheit aussöhnen MUSS, um ein liebevoller Erwachsener werden zu können.

    Ich glaube, wir meinen das selbe Erwachsen werden. Da hast du mich wohl falsch verstanden.

    Ich denke aber, dass man einen gewissen Ausgangspunkt braucht, um überhaupt mit dem Erwachsen werden anfangen zu können.

    Lg Kurti

    AntwortenAntworten
  7. 143
    Heidi sagt:

    @Kurti: Kurti, ich bin nicht davon überzeugt, dass die Hormone eine soo große Wirkung darauf haben, ab wir erwachssen werden. Ich meine damit, erwachsen werden nicht körperlich. Sondern in der Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, die Fähigkeit, abzuschätzen, welche Folgen mein Handeln hat für mich und miene Umwelt…. Im Idealfall laufen die körperlich Entwicklung und die seelische (oder wie auch immer man die nennen mag..) paralell- was halt oft nicht funkt. Bei Dir hat dieses Erwachsen werden vielleicht auch damit zu tun, dass Du Dich in Gedanken aktiv damit auseinander gesetzt hast. Das ist meiner Meinung nach der wichtige Punkt. Lernen, Lernen,Lernen. Bei mir ist es auf jeden Fall Ergebnis dessen, was ich dazu lerne.

    AntwortenAntworten
  8. 142
    Kurti sagt:

    Heidi: Hallo Jochen,leider ist es so, dass viele Erwachsenen diese Mittel nicht kennen, die ihnen helfen, Ihren Kindern “überlegen” zu sein. Überlegen finde ich daneben- es geht um Mittel, den Kindern Grenzen aufzuzeigen und Ihnen helfen , diese Grenzen einzuhalten.Was aber, wenn die erwachsenen Eltern nie gelernt haben, dass es Alternetiven zu den bekannten und meist in der Kindheit erlernten Verhaltensweisen gibt?Und ich will hier einfach mal behaupten, dass es meine Eltern gut gemeint haben, mit dem züchtigen. Sie haben doch auch keine wirkliche Meinungsfreiheit gehabt, über das was ihnen gelehrt wurde….Vielleicht ist es auch noch eine Sache des Zieles, das wir haben.Meine Eltern wollten Ruhe haben, um ihren vielen Aufgaben gerecht zu werden. Ihr Ziel war es nicht, aus uns Kindern selbstbewusste starke Persönlichkeiten zu machen, sondern folgsame Untergebene.Und ja- es gab sie auch- diejenigen, die ausgebrochen sind.Waren sie glücklich? Nach aussen hat es nicht den Eindruck gemacht, da sie ständig am Kämpfen und Anstossen waren. Und das will man seinen Kindern ja auch nicht zumuten….Ich vertrete folgende Meinung: Die meisten ELtern schlagen die Kinder nicht, um ihnen bewusst weh zu tun und ihnen das Leben zu vers…en.

    Hallo Heidi,

    ich glaube, dass es vielmehr daran liegt, ob wir als Erwachsene tatsächlich erwachsen sind oder ob wir in unserer geistigen und emotionalen Entwicklung noch in den Kinderschuhen stecken.

    Ich bin transsexuell, ich bin noch in meiner Pubertät und lerne gerade, wie es ist, erwachsen zu werden, gerade im Hinblick auf die Erziehung meines Sohnes. Viele Dinge, die ich getan habe, als ich noch vor meiner Transition (Geschlechtsangleichung) war und somit in meiner Entwicklung noch “Kind” war, würde ich Heute, als beinahe Erwachsener nicht mehr tun.

    Sicher braucht es dazu keine Transsexualität, um erwachsen zu werden. Viele Leute sind aber trotz ihres erwachsenen Alters noch kein Stück erwachsen. Sie erziehen ihre Kinder auf der Kindebene, doch Kinder brauchen Erwachsene.

    Lg Kurti

    AntwortenAntworten
  9. 141
    Heidi sagt:

    Hallo Jochen,

    leider ist es so, dass viele Erwachsenen diese Mittel nicht kennen, die ihnen helfen, Ihren Kindern “überlegen” zu sein. Überlegen finde ich daneben- es geht um Mittel, den Kindern Grenzen aufzuzeigen und Ihnen helfen , diese Grenzen einzuhalten.

    Was aber, wenn die erwachsenen Eltern nie gelernt haben, dass es Alternetiven zu den bekannten und meist in der Kindheit erlernten Verhaltensweisen gibt?

    Und ich will hier einfach mal behaupten, dass es meine Eltern gut gemeint haben, mit dem züchtigen. Sie haben doch auch keine wirkliche Meinungsfreiheit gehabt, über das was ihnen gelehrt wurde….
    Vielleicht ist es auch noch eine Sache des Zieles, das wir haben.
    Meine Eltern wollten Ruhe haben, um ihren vielen Aufgaben gerecht zu werden. Ihr Ziel war es nicht, aus uns Kindern selbstbewusste starke Persönlichkeiten zu machen, sondern folgsame Untergebene.
    Und ja- es gab sie auch- diejenigen, die ausgebrochen sind.
    Waren sie glücklich? Nach aussen hat es nicht den Eindruck gemacht, da sie ständig am Kämpfen und Anstossen waren. Und das will man seinen Kindern ja auch nicht zumuten….

    Ich vertrete folgende Meinung: Die meisten ELtern schlagen die Kinder nicht, um ihnen bewusst weh zu tun und ihnen das Leben zu vers…en. Es fehlt häufig einfach an der Ausbildung und der Unterstützung. Iich weiß auch nicht, ob es richtig ist, der Relligion und der Kirche die Schuld zuzuschieben.
    Wenn wir in unserem Leben gelernt haben, was wir persönlich für wichtig und richtig halten, dann sollte die Kirche nicht mehr bestimmen dürfen, was wir tun- oder ob wir unsere Kinder schlagen.
    Letzendlich tragen wir die Verantwortung ganz alleine.
    Ich rate nur jedem, der als Kind in irgendwelcher Form missbrauch wurde:
    Suche Hilfe, gib nicht auf, so lange bis Du das Trauma unter den Füssen hast.
    Egal wie alt Du bist, egal welches Ausmaß der Missbrauch hatte- es lohnt sich immer, mit sich selbst und seiner Vergangenheit Frieden zu schließen. Auch der Rest des Lebens ist zu lang, um alte Verletzungen mit sich rumzuschleppen.
    Und ja- unsere Kinder werden auch nicht ohne Trauma groß werden. Wir als Eltern werden es nicht gänzlich verhindern können.
    Wir können nicht perfekt sein.
    Und das ist in Ordnung so- solange wir uns auf den Weg machen und Hilfe und Unterstützung suchen, wenn wir alleine nicht mehr klar kommen.

    AntwortenAntworten
  10. 140
    Ramona sagt:

    Lange Zeit war mir gar nicht Bewusst, wo die Ursache für meine psychischen Probleme lagen.
    Irgend wann versagte meine Stimme, ich konnte nur noch leise sprechen. Die Logopädin, sagte mir Promt “Irgendwo in Ihrer Seele steckt ein tiefes Schwert. Ein guter Freund vermittelte mich an ein Psychologen. Im laufe der Zeit kam die Bittern Kindheitserfahrungen ans Licht. In der Familie war man der Meinung Mädchen müssen ab ein gewisses Alter Streng erzogen und regelmäßig “Gezüchtigt” werden. kam es vorher ab und zu vor, so wurde ich ab dem 14 Lebensjahr regelmäßig einmal die Woche gezüchtgt. Mädchen haben nur zu gehorchen, sonst nichts. Was Du möchtest spielt keine Rolle. Der Kontakt zu andern Kindern wurde Verboten, bei schlechten Noten wurde extra auf mein Hintern abgerechnet. Vater nahm immer einen Gürtel oder eine Weidenrute und band mich jedes mal auf einen Hocker fest. Mutter bevorzugte ein Teppichklopfer. Es war sehr Demütigend, immer nackt vor der Familie treten zu müssen um meine “verdiente Strafe” abzuholen. Noch heute Träume ich mitunter davon. Mit 18 bin ich fortgegangen, es hat Jahre gedauert, bis ich meine Vergangenheit hinter mir lassen konnte. Freunde mir zur Seite standen und ich zum Selbstbewussten Menschen wurde. Die nicht mehr das tat was andere von ihr verlangten.

    AntwortenAntworten
  11. 139
    Heike sagt:

    Hallo Roland Kopp-Wichmann,
    zunächst einmal Danke für Ihren Artikel, der in komprimierter Weise wiedergibt, mit welchen Problemen geschlagene Kinder und spätere Erwachsene zeitlebens zu kämpfen haben.

    Mittels Gesprächs- und Traumatherapie habe ich meine Kindheit und Jugend, die vornehmlich von elterlicher Gewalt und körperlichem Missbrauch geprägt war, größtenteils aufarbeiten können.
    Ich bin die mittlere von drei Töchtern und nicht nur wir Kinder hatten unter unserem despotischen und cholerischen Vater zu leiden, sondern auch unsere Mutter, die regelmäßig von ihm verprügelt wurde. Doch anstatt uns vor ihm zu beschützen und ihn zu verlassen, beging sie den Fehler, sich auf seine Seite zu stellen, um von ihm anerkannt und geachtet zu werden. Sie übersah dabei geflissentlich, dass er grundsätzlich alle weiblichen Wesen als niedere betrachtet und unsere Mutter erreichte mit ihrer ehelichen Solidarität leider das genaue Gegenteil. Zeitlebens kämpfte sie um seine Anerkennung; auch unter der Prämisse, dass sie uns Kinder damit verriet und ihm somit auslieferte.
    Meine Mutter wurde, als ich 17 Jahre alt war, wegen schwerer Depressionen in eine Klinik eingewiesen, galt als “gesprächstherapieresistent”, (sie weigerte sich einfach, über seine Gewalttätigkeiten und über seinen sexuellen Missbrauch an uns zu sprechen), “überlebte” jahrzehntelang mit Hilfe von Psychopharmaka und nahm sich schlussendlich 1998 das Leben.

    Unter dem brutalen Einfluss und des gewaltigen Drucks unseres Vaters galten wir nach außen hin als eine glückliche Familie; mussten so “tun”, als sei alles in bester Ordnung. Die gesamte Palette der “heilen Familie” wurde bedient: Eltern waren Schützenvereinsmitglieder, Haushalt und Garten picobello, jährliche Urlaube in Italien, Österreich, usw. Unser Vater zeigte sich unserem sozialen Umfeld als charmant, humorig und freundlich und niemand hätte auch nur ansatzweise vermutet, was sich tatsächlich hinter unseren “blütenreinen Gardinen” abspielte. Er war sogar Elternvertreter an meiner Schule, ausschließlich im Innenbereich der Familie offenbarte er sein wahres Gesicht. Wir fürchteten ihn, solange ich denken kann und darüber hinaus ist er ein Nazi, wie er im Buche steht.
    Sämtliche Kontakte zu ihm, die ich seit dem Tod unserer Mutter gänzlich abgebrochen habe, beschränkten sich seit meinem 18. Lebensjahr lediglich auf die Besuche, die mich mit meiner Mutter verbanden. Der Grund dafür war, dass meine Tochter sehr an ihrer Großmutter hing und dieses emotionale Band wollte und konnte ich ihr nicht nehmen.
    Ich bin die einzige von drei Töchtern, die selbst Mutter geworden ist. Wir drei sind durch jahrelange Therapien gewandert und erst mit Hilfe einer Trauma-Therapie, die ich vor gut 10 Jahren hinter mich gebracht habe und die meine Verdrängungen und die damit einhergehenden Dissoziationen ans Tageslicht brachte, machte mir in Gänze bewusst, was da überhaupt mit mir passiert ist und an welchen Punkten ich heute noch zu arbeiten habe.
    Mittels der Therapien habe ich meine fürchterliche Kindheit und Jugend größtenteils aufarbeiten können.
    Mittlerweile bin ich 51 Jahre alt und Mutter einer erwachsenen Tochter, die ich nie geschlagen habe, da mir schon früh bewusst war, dass körperliche Gewalt niemals eine Lösung für Konflikte sein kann.

    Derzeit arbeite ich an einem Buch, das die Erlebnisse meiner Kindheit und des Erwachsenwerdens widerspiegelt. Es schildert meine Erfahrungen aus der Sicht des Kindes, mit all dem Unverständnis und Staunen, der Wut, Trauer und Hilflosigkeit, das ein kleiner Mensch unter solchen Umständen eben so hat … mit dem Ziel, missbrauchten und geschlagenen Menschen aufzuzeigen, dass es immer Wege gibt, sich aus dieser Spirale der Gewalt zu befreien, um ein erfülltes Leben führen zu können.

    Was mich immer noch nachhaltig beschäftigt, ist mein relativ niedriges Selbstwertgefühl. Bestätigung habe ich mir in der Vergangenheit nicht über das Elternhaus, sondern über berufliche Leistungen von außen geholt. Ich kann nicht behaupten, dass ich nicht selbstbewusst sei und um dort hin zu gelangen, bedurfte es harte Arbeit; auch an mir selbst.
    Im Job fühle ich mich sicher. Nicht weiter verwunderlich, denn darin bin ich trainiert und durch meinen Ehrgeiz habe ich viel erreicht. Doch im emotionalen Bereich kann ich mein Selbstwertgefühl mit einer Mauer vergleichen, der der haltende Mörtel fehlt und sowie ein kleiner Windstoß kommt, fallen Steine heraus. Es kostet unglaublich viel Kraft und Anstrengung, die Steine jedes Mal wieder aufzuheben und die Lücken damit zu füllen.
    Diese Lücken, dieses mühsam aufgebaute und instabile Gerüst gäbe es nicht, wenn ich eine gewaltfreie Kindheit erlebt hätte.
    Jede Form von Gewalt ist verabscheuungswürdig und jeder, der hier einen Kommentar zur Befürwortung von Gewalt oder “Züchtigung” schreibt, sollte sich darüber bewusst sein, was für eine Tragweite kindlich erlebte Gewalt im Erwachsenenleben hat.
    Wer nur einmal das Entsetzen erlebt, was Schläge im Gesicht eines kleinen Kindes auslösen, sollte sich immer hinterfragen, was er da tut. Und erst recht, wenn er selbst erfahrene “Ohrfeigen” und “Züchtigungen” bagatellisiert.

    Mit netten Grüßen
    Heike

    AntwortenAntworten
  12. 138
    Heidi sagt:

    Hallo Timon,

    zuerst einmal: Hut ab, dass Du Dir vorgenommen hast, Deine Kinder mal nicht zu schlagen.
    Was Du sonst tun kannst hat Kurti schon geschrieben- wenn du selbst nicht weiter kommst, dann such Dir einen therapeuten.
    Was mir sehr viel hilft ist das Lesen und ich höre viele Audios, die mich immer wieder daran erinnern, mir selbst treu zu sein und an der Veränderung dran zu bleiben. Versuche auch mal, herauszufinden, was Du willst und Deinen Blick und Deine Gedanke mit dem zu beschäftigen, was Du willst, wie Du Dir die Zukunft vorstellst- das wird Dir helfen, nichjt mehr so viel an die Vergangenheit zu denken. Frag mich nicht wer das sagte, abe für mich einsichtig: Das, worüber Du nachdenkst, wirst Du bekommen. Du wirst merken, je mehr Du deinen inneren Dialog in die Richtung lenkst, in die du gehen willst, desto weniger wird Dir die Vergangenheit weh tun. Das ist etwas was ich selbst so erlebe- ich war ein Meister darin, das Elend und das Leid, das ich erlebt habe in meinen Gedanken wieder zu käuen, wie eine Kuh das Gras. Ich habe mir die schlimmsten Sachen ausgedacht und vieles davon damit auch in meinem Leben wahr gemacht.
    Du hast das Leben noch vor dir- mach mehr daraus- du hast es verdient.

    AntwortenAntworten
  13. 137
    Kurti sagt:

    Hallo Timon,

    beim Lesen deines Beitrages fiel mir ein Satz sofort auf:
    “es waren zwar nur Ohrfeigen”

    Ohrfeigen sind Schläge, die ins Gesicht gehen. Diese Art von Schlägen ist die Schlimmste, die man einem Menschen antun kann, denn sie zeugt von Respektlosigkeit und ist DIE Machtdemonstration überhaupt.

    Den Rat, ebenfalls Schläge anzudrohen, halte ich für falsch. Wer wäre man denn dann? Nicht besser als der Täter!

    Ich rate auch dringend davon ab, das Gespräch mit deinem Vater zu suchen. Du kannst tun, was du willst, er wird immer einen Grund finden, dich zu schlagen, weil er weder Respekt vor dir hat, noch liebt er dich.

    Dadurch, dass du darüber nachdenkst, bist du schon nicht wie er. Aber aus meiner Erfahrung heraus wird das für eine dauerhafte Veränderung nicht reichen.

    Du wirst nicht darum herum kommen, zu fühlen, was er dir angetan hat und auch, was deine Mutter dir angetan hat, indem sie dir nicht geholfen hat, indem sie dich nicht beschützt hat. Erst, wenn du in der Lage sein wirst, den Schmerz im Innern zu fühlen, wirst du in der Lage sein, es anders zu machen. Um dahin zu kommen, wirst du dir einen Therapeuten suchen müssen. Du musst lernen über das zu reden, was dir angetan worden ist. Nur so wirst du an deine Gefühle herankommen.

    Ich finde es auch nicht richtig, dass du dir eine eigene Familie verwähren willst. Wenn du das tust, dann hat dein Vater gewonnen. Dann hat er erreicht, was er wollte… nämlich, dass du nichts Besseres wirst, als er. Willst du ihm diesen Triumph wirklich gönnen?

    Willst du dich wirklich um die Erfahrung bringen, eigene Kinder in die Welt zu setzen, die nicht nur deine Nase und deine Augen haben, sondern die auch dein Wesen in sich tragen? Ich glaube nicht, dass du das wirklich nicht willst, sonst würdest du dich in “deinem Alter” nicht schon damit beschäftigen. Respekt von mir, dass du es so früh erkennst!

    Was dein Vater tut und getan hat, ist seit einigen Jahren in Deutschland “Gott seid Dank endlich” strafbar.

    Du musst da raus, das ist das wichtigste Ziel. Erst mit Abstand wirst du erkennen können, was er mit dir gemacht hat.

    Wende dich an das Jugendamt. Sag denen, was dein Vater mit dir gemacht hat und immer noch macht. Selbst bei uns und ich wohne auf´m Dorf, gibt es Wohngruppen für Jugendliche und junge Erwachsene. Du musst dich selbst um dein Leben kümmern, deine Eltern können es nicht.

    Und… wenn du dann irgendwann deine eigene Familie haben wirst… versuche nicht, alles wieder gut zu machen, das ist nicht möglich. Selbst wenn dir mal die Hand ausrutscht, bist du noch lange nicht wie dein Vater. Es kommt dann darauf an, wie du damit umgehst, ob mit Liebe oder mit Verachtung, wie dein Vater.

    Alles Gute für dich, Kurti

    AntwortenAntworten
  14. 136

    Hallo Timon,
    wenn Sie noch längere Zeit zu Hause wohnen werden, ist es notwendig, dass Sie das mit dem Schlagen mit Ihren Eltern klären. Reden Sie zuerst mit Ihrem Vater allein, am besten auf einem Spaziergang. Fragen Sie ihn, was ihn zum Schlagen bringt, was ihn an ihrem Verhalten so wütend macht.

    Fragen Sie ihn dann, wo er das gelernt hat, Auseinandersetzungen mit Schlägen zu regeln. Die meisten schlagenden Eltern sind als Kind selbst geschlagen worden. Wenn dem so ist, fragen Sie ihn, wie das für ihn als Kind war. Egal was er antwortet (viele geschlagene Erwachsene verharmlosen es), machen Sie ihm deutlich klar, dass damit jetzt Schluss ist. Dass Sie zurückschlagen werden, dass Sie ihn bei der Polizei anzeigen werden, machen Sie ihm klar, dass Sie es ernst meinen.

    Versuchen Sie, mit ihm eine Vereinbarung zu treffen, wenn es wieder eine Auseinandersetzung gibt, dass er fünf Atemzüge nehmen soll oder aus dem Zimmer raus gehen soll, egal.

    Vielleicht gibt es noch Tipps von Lesern hier im Blog, die Erfahrungen mit solchen Situationen haben.

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  15. 135
    SimonTimonTimo sagt:

    Hallo Roland Kopp-Wichmann,

    ich wohne leider noch zu Hause. Ich hab schon oft mit dem Gedanken gespielt von zu Hause auszuziehen, da ich aber erst in diesem Jahr Abitur gemacht habe und jetzt mit einer Ausbidlung angefangen habe, bin ich immernoch finanziell von meinen Eltern abhängig, da ich mir keine Wohnung leisten kann, bzw. sich keine WG ergeben hat.
    Also werde ich vorraussichtlich noch eine Zeit lang bei meinen Eltern wohnen bleiben.

    Der Teil mit dem zurückschlagen, ist das eine Feststellung oder Vermutung gewesen?
    Ich hab mir nämlich schon oft vorgestellt, was ich machen würde, wenn sie mich nochmal schlagen würden (mein Vater droht mir vermehrt mit Schlägen und hat diese auch früher ausgeführt, bei meiner Mutter ist es seltener, dennoch gibt es Vorfälle).
    Eine Art “Gegenschlag” kam mir dabei oft in den Sinn.

    Gibt es sonst Tips, denen ich im Bezug auf meine nahe Zukunf (Wohnhaft zu Hause) nachgehen könnte.

    Sich mit dem Thema auseinander setzen. Zählt da nur zu, dass ich jetzt hier in diesem Forum schreibe, oder kann man da noch mehr, intensieveres verfolgen?

    Danke

    AntwortenAntworten
  16. 134

    Hallo Timon,
    es stimmt, dass ich nicht auf jeden Kommentar hier antworte. Zum einen aus Zeitgründen, zum anderen, weil sich aus diesem einen Artikel mittlerweile fast ein Forum von Betroffenen gebildet, die untereinander kommunizieren und sich helfen, wie ich es auch nicht besser könnte.

    Da Sie mich nun direkt angesprochen habe, will ich auch Stellung nehmen. Sie schreiben nicht, ob Sie noch zur Schule gehen oder studieren oder inwieweit Sie noch finanziell von Ihren Eltern abhängig sind.

    Jetzt wo Sie längst volljährig sind, rate ich Ihnen, sich ganz stark abzugrenzen. Das Beste wäre, wenn Sie ausziehen und eine räumliche und vor allem auch eine emotionale Distanz zu Ihren Eltern herstellen. Der andere Weg ist, ganz klar zu sagen, dass wenn man Ihnen noch einmal Schläge androht oder sogar gibt, Sie zurückschlagen werden. Das mag jetzt wenig therapeutisch klingen, ich glaube auch nicht, dass das nötig sein wird, es geht mehr darum, dass Sie unmißverständlich Ihren Grenzen aufzeigen. Das scheinen Sie nämlich viel zu wenig zu tun, sonst würden Ihre Eltern nicht so weit gehen.

    Dass sich das wiederholt, wenn Sie selbst mal eine Familie haben, liegt in Ihrer Hand. Das ist nicht zwangsläufig so. Der beste Schutz ist das, was Sie ja schon tun: sich aktiv damit auseinanderzusetzen und das Ganze nicht beschönigen.

    Aber Sie müssen dafür sorgen, dass die Schläge und die Drohungen damit aufhören.

    Danke für Ihren Kommentar.

    AntwortenAntworten
  17. 133
    SimonTimonTimo sagt:

    Hallo nochmal,

    ich seh grad, dass Roland Kopp-Wichmann wahrscheinlich aus Zeitmangel nicht auf jeden Comment eingeht.
    Deshlab möchte ich dazu einladen sich doch bitte zu meiner Frage zu äußern :) .

    Danke

    AntwortenAntworten
  18. 132
    SimonTimonTimo sagt:

    Hallo Roland Kopp-Wichmann,

    ich wurde in meiner Kindheit oft geschlagen; es waren zwar nur Ohrfeigen, dennoch recht heftige und sehr viele.
    Ab dem Beginn der Pubertät hat sich das dann ein wenig gelegt, trotzdem werden mir bis jetzt (ich bin 20) immer noch schläge angedroht.
    Meine Eltern haben sich nie dafür entschuldigt.

    Ich setze mich schon seit längerem sehr intensiv mit diesem Thema auseinander, weil ich auf keinen Fall haben möchte, dass ich später meine evtl. Kinder oder sogar meine Frau schlage. Deshlab hab ich schon oft mit dem Gedanken gespielt, mich einer Ehe zu entziehen, wozu ich glaub aber zu schwach bin; also muss ich mich gegen meine Ängste stellen.

    Ich denke mal, dass ich durch meine Kindheit gewisse Verhaltensstrategien aufgebaut habe, die in eine Richtung laufen, die ich als “ich gebe mich als normal aus”, bezeichnen würde.
    Diese Strategie geht sehr gut auf.

    Nun meine Frage: Ich setze mich mit dem Thema auseinander, habe dennoch weiterhin Angst um meine zuküntfige Familie, will denen was besseres bieten, als mir geboten wurde.
    Was kann ich also noch dagegen tun, damit eben nicht das aus mir wird was aus meinen Eltern geworden ist?

    Danke schonmal im Vorraus

    AntwortenAntworten
  19. 131
    tim sagt:

    @ charly.

    ich kann bestätigen 3von7 symptome treffen auf mich zu ich bin 19 (1symptom ist “geheilt”)

    wurde auch opfer von gewalt in der kindheit.
    vater schlug mit holzlatten auf mich ein, ging ein paar jahre.
    bis meine mutter es gemerkt hat und sich scheiden lies (sie war zu der zeit sehr krank und mein leiblicher vater hat das wohl ausgenutzt)

    AntwortenAntworten
  20. 130
    Kurti sagt:

    Hallo Susanne,

    was du vorhast, ist genauso schlimm, wie das, was dir passiert ist.

    Ich weiß, dass ist das Problem. Wer Schlimmstes erfahren hat, möchte alles wieder gut machen, aber genau das ist eine Illusion. Diese schlimmen Erfahrungen drängen uns oft in das gegenteilige Extrem.

    Du bist ein Mensch mit schlimmsten Erfahrungen. Deinem Sohn eine Welt zu schaffen, in der Milch und Honig fließen, schadet dir und schadet deinem Sohn, denn die reale Welt ist so nicht.

    Es ist gut, dass du ihm sagst, dass du ihn liebst, aber das muss nicht jeden Tag sein. Vor allem solltest du es ihm nicht nur sagen, sondern vorleben und das ist schwieriger, als es dir im Moment bewusst zu sein scheint.

    Für uns, die wir Schlimmstes erlebt haben, besteht die Zukunft nur darin, den Mittelweg zu finden. Wir müssen lernen, dass unsere Vergangenheit nicht zur Zukunft unserer Kinder wird. Dies geschieht oft unbewusst, in dem wir versuchen, alles wieder gut zu machen.

    Du bist ein Mensch, keine Roboter. Es wird dir nicht gelingen, immer toll zu deinem Kind zu sein und es soll so auch nicht sein, denn sonst erziehst du dein Kind zu einem Menschen, der sich für nichts anstrengen muss. Er hat ja Mama, die ihm ein Leben zu Füßen legt, welches ohne Steine ist, weil Mama die für ihn wegräumt. – Wie soll so ein Kind später zu einem glücklichen und selbstbestimmten Erwachsenen werden?

    Versuche den Mittelweg zu finden und opfere dich nicht für dein Kind auf. Das hast weder du noch er verdient.

    Lg Kurti

    AntwortenAntworten
  21. 129
    Susanne sagt:

    Hallo!

    Ich finde allein die Frage ob man ein Kind schlagen sollte schrecklich! Was ist denn schlagen? Man fügt einem zerbrechlichen Geschöpf mutwillig Schmerzen zu! Was soll denn das??? Ein Kind hat Urvertrauen in seine Eltern. Was die Elern vorleben ist für die Kinder das absolute Nonplusultra. Zuminderst in den ersten Jahren. Kinder bauen alles auf die Beziehung zu den Eltern auf. Eine Ohrfeige, Schläge prägen ein Leben lang. Wer das verleugnet der lügt!

    Ich wurde als Kind geschlagen und JA, es hat mir geschadet. Die ersten drei Jahre habe ich bei meiner Oma gelebt, weil meine Mutter mich sehr jung bekommen hat und ihre Ausbildung beenden musste. Dort war es sehr liebevoll und ich habe dort keinerlei Gewalt erfahren. Dann hat meine Mutter geheiratet und mich geholt. Da hat es dann langsam angefangen. Anschreien, und die ersten Schläge. Dann die Scheidung und der Umzug. Eine ganze Weile ging es mir gut mit meiner Mutter alleine, nicht zuletzt durch meine Oma die mitgezogen war. Dann eine neue Ehe, ein neues Baby als ich sieben war. Von da an war meine Kindheit zuende. Ich war Dienstbotin, nerviges Beiwerk und passte offenbar nicht in die neue kleine Familie hinein. Ich wurde nur ignoriert und musste um jede Beachtung kämpfen. Ich hatte nie Widerworte, war nie ungezogen und habe mich meinen Eltern immer gebeugt um Anerkennung zu erhalten und dazuzugehören. Das war meine Mama! Ich hatte mir sooo sehr eine Schwester gewünscht und war nie eifersüchtig! Alles umsonst! Habe ich etwas nicht zu 100%iger Zufriedenheit erledigt gab es Schläge und Schelte. War ich zu langsam – Schläge! War was weg – ich war Schuld! War was kaputt – ich war schuld! Ich habe also versucht es besser zu machen um nicht wieder in diese Situationen zu geraten. Meine Schwester wurde als Baby sehr krank und war lange im Krankenhaus. Ich musste als achtjährige quasi für mich selber sorgen. Ich musste den Haushalt machen, Kohlen schleppen, meine Körperpflege ganz allein übernehmen… und bekam weder Lob noch Anerkennung. Meine Schwester war das wichtigste und wurde immer vorgezogen. Von ihren Großeltern (väterlicher Seite), meinen Eltern…

    Je älter ich wurde umso schlimmer wurde die Situation. Grundloses Schlagen, Schikanierungen, keine Freizeit mehr, nur noch schuften, Schikanierungen seitens meiner Schwester und der Gleichen mehr. In den Ferien nur Arbeiten, nach der Schule nur arbeiten, niemals Ferienlager, oder nur ein Wochenende mit Freunden spielen oder gar übernachten!

    Nach dem Realschulabschluss habe ich trotz Bestnoten die Schule verlassen um schnell Geld zu verdienen. Mit 18 bin ich ausgezogen….

    Was hat das mit mir gemacht?

    Ich habe Schwierigkeiten meine eigene Meinung zu bilden, kann mich nicht durchsetzen. Habe Angst vor Kritik und Konfrontation. Fühle mich häßlich und ungeliebt. Neige dazu, vor Ärger davonzulaufen anstatt mich den Problemen zu stellen. Ich habe mich in der Vergangenheit in Beziehungen gestürzt und diese selbst wieder zerstört weil ich mich nicht binden kann und keinem traue. Ich habe mich be- und ausnutzen lassen weil ich nie gelernt habe mich zu wehren. Ich bin wütend auf mich selbst weil ich mir alles mit dem Arsch einreisse was ich mit den Händen aufgebaut habe. Ich habe Probleme im Job gehabt weil ich nie nein sagen konnte und mit meiner Arbeit nicht hinterhergekommen bin.

    Um mich selbst zu schützen habe ich mich in meiner Kindheit Jahrelang in Traumwelten versetzt, was mir auch heute manchmal noch passiert. Ich entferne mich dann von der Realität und falle in ein tiefes Loch wenn ich wieder “aufwache”. Ich neige zu Depressionen und bezweifle, dass ich selbst richtig lieben kann. Ich denke, dass ich meinen Mann liebe aber ich spüre, dass ich das gar nicht wirklich kann. Ich liebe meinen Sohn, aber es ist als wäre alles gedämpft, wie durch eine dicke Watteschicht. Da ist kein Herzklopfen, keine Aufregung und Spannung… nie wirklich gewesen. Aber der Schmerz, der kommt von Innen, da ist keine Watteschicht. Der ist pur.

    Meine Eltern haben mich zu einer Willenlosen Ja-Sagerin erzogen die nie Widerworte gibt und schön immer das tut was man ihr sagt. Danke Mama! Das hat mich für das Leben stark gemacht! Es ist nicht leicht mit 18 anzufangen ein normaler Mensch zu werden. Dafür habe ich in der Kindheit zuviel versäumt.

    Und meine Gesundheit? Tja, durch die Schufterei als Kind habe ich heute mit 28 Jahren eine kaputte Schulter und eine kaputte Wirbelsäule. Prima!

    Ich schwöre bei allem was mir heilig ist, dass ich meinen Sohn (1Jahr alt) nie schlagen werde. Ich weiss was das mit einem macht und was es in einem anrichtet. Eine Ohrfeige zerstört mehr als 1000 Küsse erschaffen können. Eher fällen mir beide Hände ab! Ich sage ihm täglich dass ich ihn liebe und mache ihm jeden Tag zu einen schönen Tag.

    AntwortenAntworten
  22. 128
    Heidi sagt:

    Hallo Helena,
    hier ist der aktuele newsletter. Kannst ja mal reinschauen. Wünsche auch ein erholsames WE.

    Grüße von Heidi

    http://www.adam-eason.com/enewsletter/index_09-07-30.php

    AntwortenAntworten
  23. 127
    Helena sagt:

    Hallo Heidi,

    ja, ich verstehe gut Englisch, daher kannst du mir die Adresse geben. Ich bin ja gespannt :-) !!!

    Die Erleichterung, die du mit dieser Methode erlebst, ist gut in deinem Text zu spüren, es freut mich :-) !

    Sonst hat mir in deinem letzten Posting das Bild mit den Wunden, mit denen sich ewig nichts tut und dann auf einmal los geht, sehr gut gefallen. Ja, es bedarf einfach immer Geduld mit uns und unseren alten Klamotten, die Geduld, die man oft einfach nicht hat, weil der Schmerz einfach größer und dringender ist.

    Schönes Wochenende an alle
    Helena

    AntwortenAntworten
  24. 126
    Heidi sagt:

    Falls mir jemand auf Twitter folgen will könnt Ihr mich auf mehrwerttexte finden.

    AntwortenAntworten
  25. 125
    Heidi sagt:

    Hallo Helena,
    wenn ich mich mit Menschen vergleiche, denen es schlechter geht wie mir und ich daraus Hoffnung schöpfe und Dankbarkeit dafür, dass es mir doch noch vergleichsweise gut geht, dann ist das durchaus eine Hilfe.
    Zu den alten Klamotten: ich denke Du hast recht, dass es immer wieder neue Schichten sind, an denen gearbeitet werden muss. Wenn Du den Vergleich mit der Wunde bringst, dann sehe ich das schon auch so. Aus meiner Pflegepraxis kenne ich da genügend Beispiele. auch, dass es scheinbar oft lange nicht vorwärts geht und auf einmal sieht man einen rießen Fortschritt.
    Wie gut verstehst Du englisch? Ich habe einen -finde ich- tollen Hypnotherapeuten gefunden, dessen Arbeit mich sehr anspricht und mir echt gut tut. Eine Übung habe diese Woche gemacht in einem anderen Zusammenhang, ist abe auch für die Klamotten aus der Vergangen heit anzuwenden: In der Vorstellung sich vorstellen8 ja, ja…) wie die alten Klamotten, z.B. etwas was die Eltern gesagt haben, oder ein Lehrer oder die Kirche….mit einer Schnur oder sonst was an mich angekettet sind. Diese werden nun mit dem Werkzeug, das mir nahe liegt( vielleicht ene Schere, eine Axt oder die Zähne… oder ….was eben kommt, um Dir zu helfen, abgekappt und sie fliegen davon. Ich habe sie mit den Wellen davonschwimmen lassen, immer weiter weg, bis ich sie nicht mehr gesehen habe. Und das tut echt gut. Wenn wieder was neues hoch kommt, schneide es ab und schicke es in die Weite des Universums. Was ich so toll finde an der Selbsthypnose ist, dass ich die Werkzeuge benutzen kann, die mir entsprechen und die mir mein Unterbewusstsein empfielt. Du musst keinen festen Regeln folgen sondern kannst die Suggestionen ganz auf Deine Bedürfnisse abstimmen. Das braucht einige Übung, aber da kommst Du schnell rein.
    Ohne Regeln meine ich nicht, dass das ganze nicht eine Struktur hat, der man folgt und die hilft, in Trance zu kommen. Es ist auch vorteilhaft oder wichtig, bestimmte Sprachmuster und Worte zu verwenden, damit der Erfolg auch eintreten kann. Wenn Du einigermaßen Englisch kannst, kann ich Dir mal die Internetadresse geben. Da gibt es auch Probelektionen.

    So viel von mir heute….
    Liebe Grüße von Heidi

    AntwortenAntworten
  26. 124
    Heidi sagt:

    Hallo Humanity,
    wer kann schon die Bibel so exakt glauben? Gibt es nicht so viele Meinungen darüber was richtig ist oder genau oder exakt, wie es Menschen gibt, die die Bibel lesen? O.k. da liege ich falsch- ein großer Teil derer, die die Bibel lesen, lesen sie verutlich so, wie ich sie gelesen habe: beeinflusst von der christlichen Strömung(Kirche/Gemeinde) der ich angehört habe. Vieles, was in der Bibel steht hat einen kulturellen Einfluss, den wir heute überhaupt nicht verstehen oder nachvollziehen können. Und dann kommen noch die Übersetzungen dazu, die Fehler beim Abschreiben u.s.w. Wer will da noch behaupten, zu wissen, was nun wirklich wahr ist?
    Zur Frage was das Gute ist: Warum schaffen es so wenige derer, die sich Christen nennen, das Gute zu Leben? Ich habe den eindruck, dass es manche ganz geschickt finden, dass die Vergebung so einfach zu haben ist- auch wennn keine Werke zu sehen sind. Sonntags in die Kirche gehen, zum Beichten, zur Kommunion und alles ist in Butter. Wozu sich die Mühe machen, Gutes zu tun?
    Und dann die andere Seite- diejenigen, die krampfhaft versuchen, gut zu leben und dadurch gesetzlich und streng werden und keine Freiheit genießen können.
    Im Buddhismus kenne ich mich nicht aus- habe aber noch nie von Gewalt gehört, die von den Buddhisten ausgegangen ist. Dagegen abe sehr viel von den Christen- oder eben solchen, die sich so nennen.
    Was nützen die Zitate über die Liebe, wenn sie dann so ausgelegt werden, wie z.B. dass wer seinen Sohn liebt ihn schlagen soll?
    Ich kenne viele nicht gläubige Menschen, die das was die Bibel über die Liebe schreibt besser verwirklichen als viel Christen, genauso auch die Sache mit der Vergebung.
    Es ist auch nicht so einfach, dem Bösen einen Anfang und ein Ende zuzuschreiben. Wo fängt Habgier an? Und wo hört sie auf? Und wer erlaubt sich, das zu bewerten?

    Grüße von Heidi

    AntwortenAntworten
  27. 123
    humanity sagt:

    Hallo Helna,

    schön, dass du auch weiterhin mitdiksutierst :) Um die Frage zum “Bösen” beantworten zu können, muss man halt leider relativ neutral und klar in die Bibel schauen und diese auch irgendwie beurteilen, oder sie beim Wort nehmen.(oder auch nicht)

    Wenn z.B. in der Bibel steht, Jesus habe Blinde geheilt, Tote auferweckt zum Leben oder seine Jünger haben Menschen von unheilbaren Krankheiten manchmal sogar nur im vorbei gehen geheilt , dann muss man sich die Frage stellen, war das wirklich so?
    In einer Stelle steht, dass alleine der Schatten von Paulus Menschen heilte.

    Wenn es mit solchen Dingen zugegangen ist und es so etwas wirklich gegeben hat und man kann die Bibel so exakt glauben, dann kann man sich ebenso die Frage stellen, gibt es das “Böse”, wie es dort zitiert ist? Gibt es ein Leben nach dem Tod und wenn ja, hat das Leben, das man hier lebt einen Einfluss auf das nächste? Gibt es diese harten Konsequenzen, die in der Bibel beschrieben werden?

    Wenn es diesen Kampf gibt zwischen Gut und Böse und es so abgelaufen ist, wie in der Bibel steht, dann ist möglicherweise, die Konsequenz der Taten, oder der Entscheidungen die man trifft, größer als man normalerweise annimmt.
    Wie nehmen an, es hätte die Welt früher nicht gegeben. Es gab Engel, es gab Gott, es gab den Sohn Gottes, den Heiligen Geist und diese taten, was auch immer si taten. Irgend eine Ordnung würde es auch in so einem Dasein geben. Wenn es aber nun solche Mächte gab, dann scheint, als würde, die Störung eines solchen Systems imense Nachwirkungen haben. So starke, dass seit Beginn des Scchiefgehens der Menschen, bereits fesststand, dass Gott selbst sterben musste.
    Das ist doch auch schon ziemlich extrem und unnatürlich, oder?

    Um nun auf deine Frage zurück zu kommen. Natürlich klingt das mit dem “Bösen”, “Sünde” etc. ziemlich schlimm, die Frage ist nur, ob es denn auch so ist. Wenn diese unnatürlichen Taten von Jesus und seinen Jüngern so waren, muss ich dir ehrlich sagen, ich würde erschüttern vor Angst, Respekt und Demut vor solch einem Gott. Ich hätte auch allen Grund dazu. Ich würd sicherlich nicht nur “blod schauen”, wenn ich sehen würde, dass neben mir ein Toter aufersteht.

    Auf der anderen Seite, zeigt aber Gott diese liebliche Seite, die ebenso unnatürlich ist in solchen Ausmaßen für uns Menschen, dass wir da positiv gerührt sind und auch betroffen, von der Art und Weise, wie er Menschen lieben lernt. (Ich kenne keine Zitate über die Liebe, die so tiefsinnig und voller Weisheit über die Liebe geschrieben werden, wie diese aus der Bibel) Vorallem aber praktisch lehrt Jesus einen Weg zu lieben und leben durch Liebe, der eigentlich auch schon nahezu göttlich ist, denn die Menschen machen ja irgendwie doch was anderes.

    Wenn die Bibel so richtig ist und die Wahrheit ist, dann ist die Situation um einen Menschen doch wichtiger, ernster und zugleich auch vorangiger, als man so im normalen Leben noch wahr nimmt.

    Aber Böses tun, steckt irgendwo, immer eine Absicht dahinter. Ich nehme an, du hintergehst den Staat mit Steuern und arbeitest neben her in Pfusch. (nur ein Beispiel). Würdest du sowas unabsichtlich machen? Lügen, stehlen, betrügen, schlagen, Gewalt ausüben, etc. kommt das unbewusst?
    Schau dir mal einen Menschen an, wenn er vor Wut kocht. Schau dir mal bewusst ihn an und beobachte, ob der Mensch da noch bei Sinnen ist. Wir sagen da oft “als wäre er nicht er selbst”. Ähnliches passiert, bei Habgier. Wenn Menschen beinahe erblinden und nur mehr das “haben” und “haben muss” sehen. So, dass es ihnen den rationellen Verstand ausschaltet. Auch Lügner, beim lügen. Leute, die ungeduldig, ungerecht, egoistisch etc. sind.
    Bei vielen dieser Eigenschaften, wenn diese zum Vorschein kommen und man beobachtet das, merkt man, wie sinnlos das ist. Wie unnötig und schadend und immer so beherrschend auf eine Person wirkt, dass man sich da schon auch fragt, warum das so ist.

    Ich denke “Böses” tun, ist nicht einfach Zufall, ich glaube auch an Unwissenheit, keine Frage ;) Dennoch scheint es da tiefsinnigere und teifgründigere Sachen zu geben, die sicherlich mit der Bibel und dem, wie sie das erklärt zusammen hängt.

    (sorry, war etwas lang und habe dennoch nur einen Aspekt angesprochen.)

    mfg humanity

    AntwortenAntworten
  28. 122
    Helena sagt:

    Hallo Humanity,

    vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag. Du stellst die Frage, ob eine Diskussion über Religion hier in diesem Forum am richtigen Platz ist. Nach meiner Erfahrung hat das Beschäftigen mit “religiösen” und “spirituellen” Themen für mich bewirkt, dass mir wieder eine Art “Nabelschnurr” zum Leben gewachsen ist, dass ich mich wieder mit der Schöpfung verbunden fühlen konnte und die “kosmische Geborgenheit” wieder entdeckte, die mir durch die schmerzhaften Erlebnissen und Traumata verloren gegangen war. Daher begrüße ich persönlich die Diskussion hier, ideal für den Sommerloch ;-) !

    Zu dem was du schreibst, habe ich noch ein paar Gedanken. Ich weiss nicht, ob es nur eine Frage der Begriffe ist, aber ich stutze jedesmal, wenn ich auf das Wort “Böse” komme. Wie definierst du “das Böse” und wie kommt für dich das Böse in die Welt?
    Ich weiss nicht, ob ich da richtig liege, aber wie der Begriff von “böse” oft genutzt wird, suggeriert er, dass eine Absicht zu schaden dahinter steckt und die leuchtet mir nicht ein. Das Gleiche ist auch mit dem Begriff der Sünde.

    Deswegen fühle ich mich viel wohler mit dem buddhistischen Begriff der Unwissenheit (statt Böse oder Sünde). Ein Mensch, der unwissend ist, überblickt nicht immer die Konsequenzen seiner Taten und schafft somit Leid für sich und andere. Das Mittel dazu wäre dann nicht Strafe sondern Aufklärung und Hilfe bei der Bewußtwerdung der Konsequenzen für sich und andere. Dabei kann die Frage der Schuld, die ich im (falschverstanden?) Christentum als extrem erdrückend empfinde, gar nicht mehr entstehen. Was nicht heißt, dass man nicht die Verantwortung hat, für das, was man angerichtet hat (wissend oder unwissend).

    Ein weiterer Aspekt, der mir dabei auch besser gefällt, ist die versöhnliche und befriedende Sprache des Buddhismus. Es muss nichts ausgerottet oder bekämpft und besiegt werden. Niemand mußte für mich sterben, die Buddhas werden recht alt ;-) ! Ich werde nicht gleich sündig geboren, wenn ich auch die Disposition zum Leiden durch meine Geburt schon mitbringe.

    Was mir auch im Buddhismus gut gefällt ist das der Mensch eben nicht das Zentrum der Schöpfung ist, sondern nur eine Erscheinung unter anderen und alle Lebewesen sind in ihrer Lebensberechtigung gleichwertig. Ich frage mich oft, wieviel von der Umweltzerstörung, die wir jetzt erleben, auf das Konto vom Christentum geht, das eben den Menschen beigebracht hat, sich was Besonderes zu fühlen und oft mit dem Leben von anderen Lebewesen und mit der Schöpfung recht salopp umzugehen… aber gut, die Unwissenheit ;-) !!!

    Aber vielleicht ist es nur Geschmackssache ;-) . Ich fühle mich trotzdem lieber unwissend (da kann ich mindestens was dagegen tun!) als sündig und böse (was mich handlungsunfähig zurück läßt, weil ich Jesus Christis Tod mit verursacht habe! Davon kann ich mich kaum erholen!!!)

    Gleichzeitig, wenn ich lese, dass Jesus gesagt haben soll “liebet einander so wie ich euch geliebt habe”, dann kommen mir auch die Tränen und ich weiss spätestens da, dass die Buddhas und Jesus Brüder waren.

    Alles Gute
    Helena

    AntwortenAntworten
  29. 121
    Kurti sagt:

    Hallo Heidi,

    ich war ja schon in stationärer Therapie und damals hab ich oft gedacht, dass es viele Leute viel schlechter getroffen hatten als ich. Ich hab mich dann oft mies gefühlt, weil ich so einen Aufstand um meine “harmlosen” Probleme gemacht habe. – Ich habe dort dann gelernt, dass es egal ist, was jemand erlebt hat, dass es in dieser Beziehung kein mehr oder weniger schwer, kein besser oder schlechter gibt. Wenn ich empfinde, dass ich die Hölle auf Erden erlebt habe, dann ist das für mich auch so. Genauso kann ein anderer ebenfalls die Hölle erlebt haben, wenngleich dieser Mensch in meinen Augen vielleicht “weniger” erlebt hat.

    Es ist nur wichtig, was man selbst empfindet, nur das ist die Wahrheit, die eigene Wahrheit versteht sich.

    Kein anderer Mensch hat das Recht, die Erlebnisse und die Folgen daraus eines anderen Menschen zu beurteilen.

    Heute fühle ich mich nicht mehr mies, wenn ich traurige Erlebnisse von anderen höre oder lese. Egal, wie diese Menschen mit ihrem Leid umgehen, ich vergleiche es nicht mehr mit meinem Leid.

    Hm, ok, was mache ich grad so… derzeit wühle ich gedanklich in meiner Vergangenheit, wenn es meine Zeit zulässt, um mir über gewisse Zusammenhänge im Klaren zu werden. Auch wenn ich keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern habe, so greifen ihre Fangarme doch immer noch nach mir. Wenn mir etwas misslingt z.B. dann habe ich sofort die dazugehörenden Reaktionen meiner Eltern im Kopf, mein Vater, wie er mit mir scheltet und mich vielleicht übers Knie legt oder auch meine Mutter, wie sie sich für mich schämt und lauthals über mich lacht.
    Oft denke ich, dass das nie aufhört… sie könnten tot sein und ich würde sie wahrscheinlich immer noch hören. :(
    Da ich viel mit mir selbst kommuniziere, stelle ich mir nach solchen Momenten der Verschmelzung mit der Vergangenheit vor, dass meine Eltern hier bei mir wären und ich rede dann mit ihnen, motze sie an und analysiere so, was ihr Einfluss mit mir macht.

    Zu psychologiesieren ist eines meiner “Hobbies”, das macht mir Spaß, ich bin damit glücklich, wenn ich Zeit für mich habe und mir Gedanken um alles machen kann. Den Rest des Tages verbringe ich damit im Garten zu arbeiten (neu anzulegen, habe grad einen Spielteich und Sandkasten für unseren Sohn gebaut, Wiese gemäht, Blumen und Büsche gepflanzt usw.), mit unserem Sohn etwas zu spielen, anderweitig zu spielen und irgendwie zumindest einen Teil des Haushaltes in den Griff zu bekommen. Oh, was hätte ich gern eine Haushaltshilfe!!! Ich hasse Hausarbeiten! Nach Staubsaugen und Co. bin ich meistens so kaputt, dass ich stundenlang danach nur noch heulen könnte.

    Mein “Ehe”-Partner geht arbeiten und macht ansonsten so gut wie nichts mehr. Ich kann ihm ruhig sagen, dass ich nicht mehr kann, das interessiert ihn nicht. Ich muss immer erst am Boden liegen und ihn anbetteln, dann saugt er mal oder wäscht ab. Trotzdem bleibt der Rest an mir hängen.

    Oje, ich jammer schon wieder. :(

    Wird Zeit, dass ich gleich wieder in den Garten gehe… ;)

    Lg Kurti

    AntwortenAntworten
  30. 120
    humanity sagt:

    Hallo Helena,

    ob Sie auf dem richtigen Weg sind, oder nicht, hängt ganz davon ab, wohin Sie gehen wollen :) Ich kanns Ihnen nicht sagen.

    Was Sie aber zur Auferstehung und Kreuzigung sagten, stimmt meiner Ansicht nach fast.
    Die Symbolik der Kreuzigung bezieht sich nicht nur rein auf das, dass jemand hat büsen müssen, für das was wir so an Sünden getan haben, sondern da geht es um den Sieg über das Böse.
    Wenn man als Mensch nicht in der Lage ist / war, über das Böse zu siegen, weil das Schlechte in einem einfach domminiert hat, dann hat das daran gelegen, weil es noch nie jemand geschafft hat. Jesus selbst war als Mensch unter uns und zum Schluss als er gekreuzigt wurde, wurde er selbst zur Sünde. Im alten Testament, steht, dass jemand der am Holze genagelt ist, verflucht ist. In diesem Moment selbst, war Gott als Mensch, Sünde.
    So ähnlich als würde sich Gut und Böse in einer Person dort treffen. Deswegen steht auch dort geschrieben, dass Gott Vater im Himmel sich von seinem Sohn abgewandt hatte in diesem Moment, weil er sich in seiner Heiligkeit / Reinheit nicht mit seinem Sohn identifizieren konnte.
    Das Gute wurde dort Böse. Das Leben selbst starb. Die Reinheit wurde befleckt. Ähnliches Schauspiel, wie damals als die Menschen schlecht wurden.

    Und jetzt kommt das was du sagtest. Wichtiger als die Kreuzigung selbst, war die Auferstehung von den Toten. Doch weil Jesus, das Gute, eben viel mächtiger war, konnte sich Jesus selbst von den Toten befreien und besiegte in diesem Moment das Böse. Er war wieder am Leben und der Tod / das Böse wurde besiegt.
    Für die Christen, ist Jesus eben der erste, der das geschafft hat. Die Symbolistik hängt zusammen mit dem Glauben daran, dass er auferstanden ist. Jeder der seine “Schattenseite” besiegen will, muss halt daran glauben, dass es schon jemand vor einem geschafft hat, eben Jesus. Ähnliche Prozedur nur auf spirituelle Ebene, prädigten die Apostel anschließend und gilt eigentlich als Grundsatz für die christliche Lehre.
    Man muss sein altes Ich “kreuzigen” das geschieht im Moment der Reue und Sühne und durch den Glauben an die Auferstehung wird eine “neuer Mensch” in einem wieder geboren. Das halt spirituell gesehen. Dieses neue Ich, dieser neue Mensch hat dann die Kraft das Böse zu besiegen, weil dieser eben einer anderen Natur abstammt (eine Art neue Geburt im Geiste, mit Hilfe des heiligen Geistes) Das wird relativ breit und lang erklärt im neuen Evanghelium. Das ist auch das, was Jesus Nikodimus sagte, dass er um in das Himmelreich zu gelangen “neu geboren werden muss”. Er verstand nicht, aber es ging dabei um eine spirituelle Neugeburt. Ein Neuanfang.

    Es stehen quasi, die Natur des Menschen mit all seinen Seiten auch negative, dem spirituellen neuen Menschen gegenüber, der eben durch den Glauben geborden wird und quasi göttlicher Natur ist und durch Jesus eben, der es geschafft hat, auch fähig ist das Böse in einem zu besiegen und das Gute gedeihen zu lassen.

    Ich denke, im Christentum ist es im Vergleich zum Buddhismus, eben so aufgelegt, dass es ein Kampf gibt zwischen Gut und Böse, sogar im Menschen selbst, dabei steht nicht umbedingt der Mensch im Vordergrund, sondern diese zwei Kräfte, die in einem wirken. Der Mensch wird im Christentum zwar als Hauptpunkt dargestellt, aber in seiner jetzigen Situation, braucht dieser eben Hilfe, um das zu erreichen, wofür er geschaffen worden ist, weil der Mensch eben “Mist gebaut” hat. Und diese Hilfe findet der Mensch nicht in sich selbst, nicht wenn es darum geht gewisse fleischliche Triebe, Naturgesetze, etc. zu überwinden um das “Richtige” zu tun.
    Beim Buddhismus ist das denke ich stärker auf den Menschen konzentriert.

    :) Ich hoffe, man konnte mir einigermaßen folgen und ich hoffe, dass der Autor des Blogs, mir für diese religiösen Diskussionen nicht böse ist.

    mfg
    humanity

    AntwortenAntworten
  31. 119
    Helena sagt:

    Hallo Heidi,

    ich finde es sehr schön, dass du etwas gefunden hast, womit du gut “arbeiten” kannst. Es würde mich sehr freuen, wenn du mir/uns hier ein bisschen mehr davon erzählen würdest, was das genau ist und wie es funktioniert. Machst du es nach einer Anleitung, nach einem Buch? Ich bin jederzeit bereit etwas Neues zu lernen, wenn es mir bessere Dienste erweist ;-) !

    Zum Thema Leid vergleichen glaube ich, dass es vielleicht kurzfristig helfen kann, um bestimmte Einsichten zu erlangen: ich habe z.B. das Buch einer Frau ohne Armen gelesen, die viel mehr in ihrem Leben angestellt hat als ich mit Armen und ihr Beispiel hat mich ermutigt, einfach mich mehr zu trauen in meinem Leben. Daher fand ich es eine aufbauende Erfahrung.

    Da das Leid eine absolut subjektive Erfahrung ist, können wir letztendlich nicht vergleichen und wenn wir es versuchen, ist es vielleicht wichtig, herauszufinden, mit welcher Absicht man das macht. Was wollte dir diese Frau wirklich sagen mit ihrem Satz:
    - dass du dich nicht so anstellen solltest, weil du es schliesslich überlebt hast???
    - sie wollte einfach nur Aufmerksamkeit für ihr eigenes unverarbeitetes Leid bekommen und hat somit versucht das Gespräch auf sich zu lenken, damit sie vielleicht von sich was erzählen kann um sich zu “erleichtern”???
    - sie wollte dich vielleicht ein bisschen aufmuntern, in dem sie dir sagte, dass es noch hätte schlimmer kommen können und dass du irgendwie noch Glück gehabt hast???
    - …. ???
    Letztendlich kann nur sie wissen, was sie genau sagen wollte. Vielleicht fragst du sie mal ;-) ? Ich persönlich mache die tollsten Entdeckungen, wenn ich den Menschen frage, aus welcher Absicht sie mir etwas sagen. Meistens mache ich die Erfahrung, dass es dabei nichts mit mir zu tun hat sondern dass es aus ihrer Geschichte kommt und dass ich nur einen Auslöser dafür geliefert hatte.
    Mit dieser “Technik” habe ich auch letztendlich an der Sache mit den Schlägen und sonstigen schmerzhaften Erfahrungen in meiner Kindheit “gearbeitet”: welche Absicht haben diese Leute verfolgt, die mir dieses oder jenes Schmerzhaftes zugefügt haben? Wollten sie mir wirklich schaden? Bis jetzt konnte ich diese Frage immer nur mit Nein beantworten. Sie haben immer etwas Positives (entweder für sich oder für mich) gewollt, auch wenn sie zu den falschen Umsetzungsmitteln gegriffen haben (leider für sie und mich!!!). Und schade, dass sie mich als Wesen dabei übersehen haben!!!!

    Und noch etwas zu den alten schmerzhaften Klamotten, die immer wieder auftauchen. Ich glaube nicht, dass wir den alten Schmerz aus Nachlässigkeit oder was auch immer hochkommen lassen. Ich glaube, dass der alte Schmerz solange hochkommen wird, bis wir ihn gewürdigt haben und somit loslassen können. d.h. solange etwas weh tut, habe ich noch nicht alles erkannt, was damit zusammenhängt. Es ist wie eine Wunde, die nicht heilt und bei der jede Reinigung zusätzlich schmerzhaft ist. Aber was wäre die Alternative???
    Eine Therapeutin sagte mir mal: Helena, wie du es auch anstellst, wirst du leiden. Wenn du dich nicht an die Themen ran machst, wirst du zur ewigen Wiederholungstäterin und kommst nicht aus dem Leiden heraus. Wenn du dich an die Theman heran machst, wird es nochmals richtig weh tun und dann immer wieder, aber das Leiden wird dir leichter fallen (toll ;-(!!) bzw. neben dem Leiden wirst du auch noch mehr Glück erfahren. Ich habe ihr geglaubt und habe mich auf den Weg gemacht. Und ich muss sagen, sie hat recht behalten :-) !

    Gruß
    Helena

    AntwortenAntworten
  32. 118
    Heidi sagt:

    Hallo an Alle,

    über die vergangenen Tage ist mir immer wieder ein Gedanke durch den Kopf gegangen, den ich hier mal weiterdenken werde.
    Mir hat jemand ins Gesicht gesagt: du hast es auch nicht so schwer gehabt wie ich…….
    Und ich habe mich gefragt, ob es darum geht. Ist es für die Heilung wichtig, wie schwer jemand verletzt wurde?
    Und mir fällt etwas ein, was ich vor längerer Zeit mal glesen habe:
    Ein Autofahrer fährt an der Ampel auf den vor im stehenden Wagen auf, weil er nicht aufgepasst hat, dass die Ampel auf Rot umgeschaltet hat. Beide Fahrer haben die gleichen Verletzungen davongetragen. Der, der schuldig war,ist schneller gesund geworden. Warum? Weil er die Verantwortung übernommen hat(musste) und sich nicht als Opfer gefühlt hat.
    Bei meiner Arbeit als Krankenschwester habe ich auch immer wieder festgestellt, dass die Schwere der Verletzungen nicht unbedingt Masstab für den Erfolg eines Heilungsprozesses sind.
    Die Frau, die mir das so ins Gesicht gesagt hat, nutzt diese Aussage als Entschuldigung dafür, sich nicht mehr auseinander setzten zu müssen und aktiv zu werden. Sich in der Vergangenheit fest zu beißen ist nie die Lösung für eine veränderte Zukunft.

    Es hat mir echt geholfen, mich nicht mehr zu vergleichen, sondern meine Beine unter die Arme zu nehmen und ein Ziel anzustreben, das ich mir selbst gesteckt habe: Mein Wohlergehen nicht mehr Anderen , deren Meinung und deren Handeln zu unterwerfen. Ich lasse mich nicht mehr zum Spielball der Emotionen meines Mannes oder meiner Kinder, meiner Patienten oder Mitmenschen machen. Und das gibt mir Freiheit. Ja, es ist Arbeit- aber ist es das nicht auch, wenn ich mich immer und immer wieder von der Verganenheit aus dem Konzept Gegenwart bringen lasse?

    Ist es nicht besser, seine Energie in die Gegenwart zu investieren und die Vergangeheit da zu lassen, wo sie ist? Wir können sie nicht mehr ändern. Die Schläge sind vorbei- warum lassen wir den Schmerz, der damit verbunden ist, immer wieder neu zu? Sind wir alle es nicht wert, einer glücklichen Zukunft entgegen zu schauen?

    AntwortenAntworten
  33. 117
    Heidi sagt:

    Hallo Helena,

    dnke für Deine Antwort. Ich finde, das mir gerade zur Zeit die Selbsthypnose viel hilft und erschließt. Eine Sache auf die ich gut anspreche und mit der ich viele Emotionen aufarbeite. Ich kann gerade sagen, dass es mir lange nicht so gut ging wie zur Zeit.

    Schreibe gleich noch einen Post für alle.
    Grüße von Heidi

    AntwortenAntworten
  34. 116
    Heidi sagt:

    Hallo Kurti,
    danke, dass du geschrieben hast….das mit der Frage, wie es Dir geht war eigentlich so gemint zu hören, was gerade so mit Dir abgeht und ob Du och dran bist.
    Ich wünsche Dir so sehr, dass Du wirklich einen festen Boden unter den Füßen findest,der Dich trägt.

    Grüße von Heidi

    AntwortenAntworten
  35. 115
    Helena sagt:

    Hallo Humanity,

    ich weiss nicht, ob ich mit “die Psychologin” gemeint bin, aber ich möchte etwas zu Ihrem Beitrag schreiben.

    Ich finde es schön, dass Sie im Christentum eine große Unterstützung gefunden haben. Bei mir war es nicht so. Ich konnte lange nicht vo viel mit den Hauptkonzepten vom Christentum anfangen und ich fand auch alles oft sehr verwirrend.

    Schon die Eucharistie: als Kind war ich zwar absolut selten in der (katholischen) Kirche, aber bei jeder Eucharistie wurde mir schlecht: ich habe als Kind wirklich geglaubt, dass man dabei das Blut Christi trinkt und sein Fleisch isst. Für mein kindliches Empfinden war das das absolute Horror, so groß dass ich nicht mal darüber reden konnte und dieses Bild und das Empfinden lange in mir getragen habe, dass diese Leute in der Kirche einfach Kannibalen sind und zu sonst noch was fähig sind. Jetzt schmunzele ich darüber, wenn ich jetzt das schreibe, aber für mich als Kind war es ganz schlimm.

    Mit dem Christus auf dem Kreuz, der für mich gestorben war, kam ich auch nicht klar. Ich war mir als Kind keinen Grund bewußt, warum man diesen Mann wegen mir hätte töten sollen. Ich war ein braves Mädchen, fleissig in der Schule und daheim und konnte nicht erkennen, worum es ging.

    Und mit Gott hatte ich überhaupt meine Probleme: Gott sollte uns als Ebenbild seines Antlitzes geschaffen haben????!!! Wenn wir dann sehen, was aus uns als Menschen geworden sind, dann haben wir einen feinen Gott!!!! Ich dachte immer als Kind, dass Gott sich einfach schämen sollte, uns so geschaffen zu haben… und natürlich bezog ich mich auf Menschen, die ihre Kinder verprügeln und auf Strukturen, die Kinder verhungern lassen. Da ich dieses Gottesbild hatte, war das Beten auch gestorben. Zu so einem Wesen konnte ich auch nicht reden. Logisch, oder ;-) ?

    Klar, ich hätte jemand gebraucht, der mir die Symbole erklärt. Ich bin zwar im Katechismus gewesen, konnte auch damit nichts anfangen. Daher war es auch klar, dass ich irgendwann mal mit dem Christentum nichts mehr zu tun haben wollte und lange “heimatlos und konfessionslos” im Leben herumgestolpert bin.

    Daher auch das große Aufatmen als ich auf die buddhistische Lehre traf… endlich mal was, das ich verstehen konnte, dass ich mit meiner Art zu denken erfassen konnte, dass mir auf Anhieb etwas sagte und dass mir vor allem die Mittel gab, das umzusetzen, was sie lehrt.

    Inzwischen, paradoxalerweise, ist es so, dass ich über die buddhistische Lehre besser verstehe, worum es im Christentum geht. Alle meine asiatischen buddhistischen LehrerInnen lagen sehr viel daran, dass wir, die westlichen SchülerInnen, uns mit dem Christentum beschäftigen und wenn möglich versöhnen, da es zu unserem Erbe gehört. Deswegen haben sie viele Bücher darüber geschrieben, um uns das Christentum anhand vom Buddhismus zu erklären. Vielen Dank an alle: Thich Nhat Hanh, Dalai Lama und alle andere :-) !!!! Ich habe mich lange dagegen gestreubt, aber es ist doch noch gelungen, mich anzunähern.

    Ich bin jetzt soweit in meinem Verständnis vom Christentum gekommen, dass ich für mich erkannt habe, dass das nützlichere Symbol im Christentum nicht das Kreuz sondern die Auferstehung gewesen wäre. Was meinen Sie, Humanity, bin ich auf dem richtigen Weg ;-) ?

    Viele Grüße und viel Mut und Zuversicht an uns allen!
    Helena

    AntwortenAntworten
  36. 114
    Helena sagt:

    Hallo Heidi,

    vielen Dank für deine Antwort und das Beispiel mit dem Kühlschrank, das ich selber auch jahrelang praktiziert habe.

    Das was du über die vielen Gefühle in einer einzigen Situation ist wirklich eine echte Herausforderung, ich glaube für alle Menschen. Mir hat das Wissen (und das Vertrauen daran) geholfen, mir eben einem Gefühl aus der Situation zu widmen (statt alle angehen zu wollen) und das zu “bearbeiten”, in dem Vertrauen, dass ich dann längerfristig, alle Gefühle so besser kennenlernen und annehmen kann. Bei mir hat es funktioniert. Aber es gibt immer noch Gefühle, die mir große Mühe machen… Ich hatte gestern abend wieder den Fall, dass ich einfach mehrere Stunde gebraucht habe, um zu erkennen, dass ich in einer bestimmten Sache einfach nur verwirrt bin. Als ich dann das Etikett “Verwirrung” auf meinen Zustand kleben konnte, was mein Zustand dann nicht mehr so schwierig, dann konnte ich weiter darüber nachdenken, was mich gerade so verwirrt. Und ich konnte spüren, wie bereits eine große Erleichterung im Körper entstanden war. Ich finde das bereits fantastisch und bin sehr dankbar!

    Das mit dem Perpetuum mobile empfinde ich auch wie du und ich finde es trotzdem schön, auf diesem schmerzhaften Weg WeggefährtInnen zu finden :-) !

    Alles Gute und bis bald
    Helena

    AntwortenAntworten
  37. 113
    humanity sagt:

    Ich würde gerne noch etwas zu dem religiösen Aspekt sagen, der hier einige Male gefallen ist. Weiter oben habe ich ja bereits meine Geschichte erzählt.

    Ich kenne mich mit Buddhismus nicht aus, aber was einige Damen weiter oben geschrieben haben (z.B. die Psychologin), kann auf das Christentum auch genau so gut zutreffen. Auch das Christentum beschäftigt sich damit, dem Menschen seine jetzige Situation darzulegen, einem Menschen zu verhelfen aus einer Mißlage / Notsituation rauszugelangen und das nicht, in dem diese Situation komplett verleugdnet wird, oder als vollkommen inakzeptabel dargestellt wird.

    Was ich damit sagen will ist, dass das Christentum, oder die Lehren Christi, doch viel humaner sind, als viele sie hier darlegen. Das, was mir und auch anderen hier widerfahren ist, folgt aus dem sturen Folgen der biblischen “Gesetze” ohne zu denken. Die Apostel, sowie Jesus selbst regen die Menschen zum Nachdenken an, nicht zum “blinden Folgen”.

    Ich persönlich sehe die christlichen Werte, als eine gute Hilfe im Leben und sicherlich auch sehr anstrebenswert nach solchen zu leben. Ich glaube auch, dass man sich vor viel Leid bewahren kann, wenn man nach denen lebt. Man soll halt immer mit Hirn durchs Leben gehen, aber nur weil etwas alt ist, oder viele Leute es mißverstehen, bedeutet es nicht, dass es falsch ist, oder ganz und gar abzulehnen ist.

    Viele von uns lesen doch massenweise Bücher, um aus jedem Buch womöglich 2-3 Ideen sich zu behalten, da könnte man sich aus der Bibel hingegen ziemlich viel raus holen.

    Mir hat es persönlich sehr viel geholfen, um meine Schwierigkeiten zu bewältigen, einfach nur der Gedanke, das Richtige zu tun. Wenn einem die Eltern beibringen, schlagen ist gut, ist biblisch,… dann haben die die Bibel nicht verstanden. 1200 Seiten lesen und am Schluss für Gewalt zu sein, funktioniert nur, wenn man bereits voreingenommen gelesen hat. (so erzogen; eigentlich nicht gelesen um zu verstehen, sondern nur um sich selbst zu bestätigen; das gesamte Umfeld denkt so; es ist in Trend; etc.)

    Dass das Christentum so aus der Mode gerät, finde ich persönlich sehr schade, da ich glaube, es könnte viele Veränderungen geben auch in unserer Gesellschaft (menschlich, wirtschaftlich, psychologisch, familiär etc.). Trotzdem fände ich keine Kirche, oder Religionsgemeinschaft, der ich derzeit angehören könnte/möchte, die irgendwie auch nur ähnlich liberal, aber doch auch verantwortungsvoll und geregelt handelt.
    Ich denke, es ist oft einfach fehlende Intelligenz, die dazu führt, dass Leute anstatt zu denken, lieber andere für sich denken lassen und denen blind folgen.

    Um zum Thema zurück zu kommen: Auch so habe ich das gesehen in Familien, die körperliche Gewalt als Erziehungsmaßnahme sehen. Anstatt, dass man sich mal Gedanken gemacht hat, was man sonst hätte tun sollen, haben diese lieber aufgegeben und das getan, was deren Eltern auch getan haben, da dies doch auch einen einigermaßen “von außen gesehen, respektablen” Erfolg nach sich gebracht hat. Will das Kind nicht, dann wird es eben zu seinem Glück gezwungen. (wie Vorredner schon schrieben,… “bin nun Student”, hat das Schlagen wohl was gebracht…)

    Wünsche aber jedem, der noch zu kämpfen hat noch viel Kraft und Erfolg. Einfach nicht aufgeben, das Gute siegt wohl irgendwie am Schluss doch immer :)

    AntwortenAntworten
  38. 112
    Kurti sagt:

    Hallo Andreas,

    klingt mehr nach Autismus und Transsexualität. Such mal nach solchen Foren im Internet und schau, ob du dazu gehörst. Nach meiner Erfahrung hab ich festgestellt, dass die meisten Transsexuellen keine Autisten sind, aber dass viele Autisten transsexuell sind.

    Wenn du dir Hilfe in Form von Psychiater oder Psychotherapeut suchst, dann achte darauf, jemanden zu finden, der sich mit Transsexualität auskennt. Mit so einem kannst du eher herausfinden, ob du Trans bist oder nicht.

    Lg Kurti

    AntwortenAntworten
  39. 111

    Hallo Andreas,
    meine Empfehlung: holen Sie sich Hilfe. Das schaffen Sie nicht allein. Die von Ihnen beschriebenen Verhaltensweisen sind schwerwiegend. Es ist nicht etwas, wofür Sie sich schämen müssen, sondern was behandelt werden muss.

    Danke für Ihren Kommentar.

    AntwortenAntworten
  40. 110
    andreas3574537 sagt:

    Ich wurde auch geschlagen – ich kann mich noch erinnern, dass ich mit 5 Jahren auf jeden Fall wirklich geschlagen worden bin Vielleicht auch mit mir.
    Und was ist aus mir geworden?
    Der Vorteil zwar: Ja, ich studiere jetzt zwar (hätte schlechter sein können)

    Nun die Katastrofe:
    Ich bin ein Einzelgänger; bin teilweise verhaltensauffällig so dass man an mir weniger Interesse hat. Ich mache keine Selbstbefriedigung (unnormal soweit ich weiß); Ich habe die Neigung, Damenkleidung gut zu finden; Ich habe Hemmnisse, eine Freundin zu finden (denke ab und zu mal, ich verdiene so eine Frau doch nicht); Habe ständig durch die Nase gepustet (vor allem wenn ich allein war, um nicht aufzufallen);
    Transvestismus übe ich mit wenig Jahren über 20 seit meinem k a ob 6. oder 7. Lebensjahr zwar nicht aus. Aus meiner Erfahrung ist es eine Todsünde, sich damit zu beschäftigen und habe es keinem erzählt; Ich muss alleine mit meinen Problemen klarkommen und habe seit meinem 13. Lebensjahr keine echte Freunde mehr, mit denen ich was privat gemacht habe; Alle meine Freunde die ich jemals hatte, konnte ich zählen. Ich habe viel zu oft Probleme gehabt, dass ich oft gemobbt wurde, bis ich studier würde ich sagen. Ich habe es nicht gelernt, Mit Menschen zu sein, ohne mit meinem Verhalten etwas komisch zu kommen. Ich tue mir auch schwer, Leute zu verstehen. Ich weiß oft nicht, was sie über mich denken, wenn sie drüber nicht explizit reden.

    AntwortenAntworten
  41. 109
    Kurti sagt:

    Hallo Heidi,

    Ich weiß nicht, wie es mir geht.

    Da ich seit 30 Jahren Depressionen habe (an denen auch mehrere stationäre und ambulante Therapien nichts auf Dauer ändern konnten) und ich seit 20 Jahren unter täglichen Dauerschmerzen leide, zu denen sich Angstzustände, Psychosomatische Beschwerden aller Art, Allergien, Adipositas Typ III, Autismus, HSP und Transsexualität (Frau zu Mann) reihen, erscheint mir eine so einfache Frage, wie du sie mir gestellt hast (ich will dich nicht angreifen, du konntest das ja nicht wissen), so kompliziert, dass ich sie dir nicht einfach so beantworten kann.

    Die meiste Zeit hasse ich mein Leben, verachte ich meine Mitmenschen und liebe mich selbst nicht.

    Wenn ich früher in den Spiegel schaute, habe ich mich selbst nicht ein Mal erkannt. Heute, nach 4 Jahren Testosteron und einer korregierenden OP, kann ich mein Spiegelbild als das Meine immerhin erkennen. Und manchmal, in flüchtigen Momenten, finde ich sogar, dass ich gar nicht mal so schlecht aussehe.

    Noch vor 10 Jahren habe ich geglaubt, dass ich keine Berechtigung zum Leben hätte. Ich habe mir das immer so vorgestellt, dass es eine lange Menschenschlange vor einem Tisch gäbe und dahinter sitzt Gott. Und er stellt Lebensberechtigungsscheine aus. Die gibt es umsonst. Nur immer, wenn ich an der Reihe bin, gibt es keine Scheine mehr und ich muss mich hinten wieder anstellen und wenn ich dann wieder vorn stehe, sind sie wieder alle. Und so geht das immer so weiter…

    Gut, heute weiß ich, dass es diesen Tisch nicht gibt und (vermutlich) auch keine Lebensberechtigungsscheine. :/

    Der Tod von MJ hat mich sehr getroffen. Es wird lange dauern, das zu verarbeiten.

    Es sind Sommerferien, ich habe nicht viel Zeit für mich.

    Nun gut, ich dachte, du hast eine ehrliche Antwort verdient.

    Lg Kurti

    AntwortenAntworten
  42. 108
    Heidi sagt:

    Hallo Kurti,

    wie geht es Dir denn so??
    Nur mals um zu fragen….

    Heidi

    AntwortenAntworten
  43. 107
    Heidi sagt:

    Hallo Lisa,
    Du schreibst in Deinem Posr folgendes:
    “Es ist ein Unterschied, ob man danach im Erwachsenenalter im Leben erfolgreich ist oder nicht, denn wenn man erfolgreich ist, kann man Eltern besser verzeihen und verstehen. Wenn man wirklich schwach (körperlich schwach, psychisch instabil) ist und im späteren Leben keinen Erfolg hat, was man sich aber sosehr wünscht. Dann kommen die schmerzhaften Erinnerungen hoch und diese erschweren das Leben enorm, bei allem, was man macht, ist eine grosse Unsicherheit da. Bei “normalen” Menschen gestaltet sich das Leben auch so oder haben “normale” Menschen weniger Unsicherheit erleben müssen”

    Auch ich wurde als Erwachsene nicht mehr geschlagen und obwohl mich viele Menschen als “Erfolgreich”bezeichnen würden, habe ich mich selbst immer als Versager gesehen. Was ist Erfolg? Erfolg fliegt niemanden zu- auch nicht den sogenannten normalen Menschen(gibt es so was?) Ich musste viele Jahre daran arbeiten, das, was ich im Leben erreicht habe ,als Efolg für mich zu werten. Lob oder Anerkennung zuzulassen und mich einfach für ein Kompliment zu bedanken. Ein Beispiel: Mein Hobby ist es mein eigenens Brot zu backen im Holzbackofen. Ganz zögernd habe ich angefangen, Menschen, die ich gerne mochte mal ein Brot zu schenken, habe aber noch viel länger dazu gebraucht, dieses Lob als Erfog in meinem Leben zu sehen, etwas was ich gut kann und damit auch eine Freude bereiten kannn und Anerkennung dafür bekomme. Der Erfolg ist für mich, das Lob anzunehmen und mich darin zu bestätigen, etwas gut zu können. Noch bin ich am Lernen.
    Und wie Roland schon sagte: Trau Dich eine Terapie zu machen- und sieh es als Erfolg., dass Du diesen Schritt wagst.-

    …ich hoffe alles wendet zum positiven……es wird sich nichts wenden, wenn Du es nicht wendest. Auch eine Therapie hat nur Erfolg, wenn du aktiv mitarbeitest. Und das kann manchmal recht anstrengend sein. Es ist auf jeden Fall weniger anstrengend als in der Depression stecken zu bleiben. Pcke es an- du bist es wert.
    Übrigends habe ich das Thema Schlagen bei meinen Eltern erst angesprochen, als ich selber kein Problem mehr damit hatte. Sie finden immer noch, dass es uns nichts geschadet hat- ist mir aber heute keine auseinandersetzung mehr wert…..

    Alles Gute!!
    Heidi

    AntwortenAntworten
  44. 106
    Heidi sagt:

    Hallo Helena,
    danke für deine Antwort von vor der Sintflut……..wollte schon lange wieder mal posten, habe es aber immer wieder vor mir hergeschoben. Immerhin habe ich gestern ein Gefühl zugelassen und analysierrt und damit einige Spuren aufgedekt. Ich merke immer wieder, dass die Geefühle, die mir mein Körper anzeigt, in verschiedene richtungen weist. Dieser Kloss im Hals- was sagt er mir. Zuerst merke ich z.B. dass ich mich verletzt fühle und mich wehren will, aber nicht darf und zum Kühlschrank rennen will. Wenn ich das aushalte und hinterfrage, dann komme ich zu einem Statement: Ich habe Bockmist gebaut und werde von jemenden darauf aufmerksam gemacht oder kritisieert und ich bin stinkig, dass dieser jemand keine Rücksicht auf meine Schwäche nimmt und ausserdem auch noch unverschämt war. Nun kann ich diese Vielen Dinge auseinander halten. Ich stehe dazu, dasss ich Bockmist gebaut habe und gebe mein Bestes, es wieder in Ordnung zu bringen. Aber ich lasse mich deshalb nicht respektlos behandeln. Langsam kommen die Gefühle zurück- und ich merke , dass ich Hemmungen habe, auch GLück oder Freude zuzulassen- aber tu es trotzdem. Welch eine Freiheit.
    Gerade beschäftige ich mich mit dem THema Selbsthypnose und erlebe es slas eine Quelle der Anregungen und Befreiung.
    Wollte mir die Broschüre runteladen über die Gewaltfreie Kommunikation, es geht aber nicht. Were mich dort mal in den Foren umsehen.
    Danke für Deine Erklärungen- schon allein das Schreiben und Nachdenken hilft mir ungemein. Manchmal habe ich den Eindruck, dass damals mit der Therapie ein Perpetuum mobile in Gang gesetzt wurde und ich halte es am Laufen auch im Austausch mit anderen. Danke.
    Liebe Grüße von Heidi

    AntwortenAntworten
  45. 105
    Lisa sagt:

    Es macht mich alles noch verwirrt weil die Wunde tiefer ist als ich dachte. Vielen Dank für Ihr Zusprechen, Ihren Rat nehme ich zu Herzen und ich hoffe alles wendet zum positiven!
    mfG
    Lisa

    AntwortenAntworten
  46. 104

    Hallo Lisa,
    Sie brauchen Hilfe, Sie können nicht alleine damit fertig werden. Und mit Ihren Eltern können Sie das auch nicht klären, denn da läuft es meistens so ab wie Sie es schildern.

    Dass Sie unter Depressionen und Ängsten leiden, ist vermultich eine Folge der erlebten Schläge und Demütigungen und vor allem dem Leugnen bis heute.

    Suchen Sie sich eine gute Therapeutin (männlich oder weiblich), zum Beispiel hier. Die Kosten übernimmt voll Ihre Krankenkasse, wenn Sie gesetzlich versichert sind. Sie müssen sich nicht damit abfinden, aber Sie müssen es nicht einfach nur ertragen.

    Danke für Ihren Kommentar.

    AntwortenAntworten
  47. 103
    Lisa sagt:

    Hallo,

    das Thema ist wie für mich persönlich geschrieben, nämlich schon als Mädchen wurde ich geschlagen, bis ich in die Pubertät. Mit Ohrfeigen bestraft, bis aus meinem Mund Blut kommt vor der ganzen Familie und alle haben zugeschaut. Später erfolgte keine Entschuldigung , weil die Eltern daselbe von ihren Eltern erlebt haben; es war erschrecklich, demütigend für mich bis heute.

    Ein Freund von mir wurde in der Kindheit auch sehr oft von seinen Eltern geschlagen. Ich werde als Erwachsene nicht mehr geschlagen sondern ” nur mit Worten” gedemütigt und Hassliebe, Verachtung in verschiedener Weise von den ach so liebevollen Eltern geschenkt bekommen, mit Unterstützung von Verwandten, indem meine Mutter immer bei ihnen herumjammert und die Folge ist, dass alle Messer auf mich los gehen, inklusiv meinem jüngeren Bruder, der nie von ihnen geschlagen wurde. Und ich darf ihm sogar nicht widersprechen, weil er besser, wertvoller als ich bin, hat man mir andauernd in Anwesenheit der ganzen Familie und Bekannten erzählt, und gleichzeitig habe ich alle Kritik vor “Publikum” bekommen, dass ich mich an mir dies und das verbessern soll.

    Heute kann ich mich langsam von ihnen entfernen mit entsprechenden Folgen wie Depressionen, Verlustangst, Platzangst, Nein sagen mit grossem schlechten Gewissen, Misstrauen an alle… Das Problem ist, dass nach mehr vielen Versuchen, mit meinen Eltern darüber zu sprechen diese Gespräche nur mit Schuldzuweisungen enden, dass ich schuld an allem bin, dass ich sie nicht liebe, dass ich eine Versagerin bin, oder aber des kommt nur Schweigen und Ignoranz, Ablenkung auf das Thema Wetter heute noch.

    Im Gegensatz zu mir wurde der Freund von mir “nur” in der Kindheit geschlagen, in der Pubertät und Erwachsenenalter wird er aber unterstützt und von Eltern geachtet, sodass er nicht sehr verbittert klingt, wenn er über seine Familie erzählt wie ich meine schildere.

    Es ist ein Unterschied, ob man danach im Erwachsenenalter im Leben erfolgreich ist oder nicht, denn wenn man erfolgreich ist, kann man Eltern besser verzeihen und verstehen. Wenn man wirklich schwach (körperlich schwach, psychisch instabil) ist und im späteren Leben keinen Erfolg hat, was man sich aber sosehr wünscht. Dann kommen die schmerzhaften Erinnerungen hoch und diese erschweren das Leben enorm, bei allem, was man macht, ist eine grosse Unsicherheit da. Bei “normalen” Menschen gestaltet sich das Leben auch so oder haben “normale” Menschen weniger Unsicherheit erleben müssen? In meinem Fall habe ich unbewusst wirklich Angst davor, Kinder zu bekommen (mit über 30).

    AntwortenAntworten
  48. 102
    Helena sagt:

    Hallo Heidi,

    sorry, dass ich mich nicht früher gemeldet habe. Ich hatte einige private und berufliche Turbulenzen, die meine ganze Zeit in Anspruch genommen haben. Aber da bin ich wieder mit einer Antwort an deine Nachricht vom 10.6. :-) )!

    Das mit den Süchten habe ich so erlebt, dass die Suchtverhalten mich davor geschützt haben, zu spüren. Leider gehen die Süchte nicht selektiv vor; wenn ich die unangenehmen Gefühle (Haß, Ekel, Angst, Scham, Ärger, Wut…) nicht mehr fühlen darf/kann, kann/darf ich auch das Angenehme (Freude, Liebe) auch nicht mehr fühlen. Nicht wirklich ein guter Deal ;-) !
    Für mich ist es im Moment so, dass das Fühlen Priorität hat. Wenn ich von „fühlen“ spreche, meine ich wirklich auch nur das Fühlen im Körper und nicht schon das Ausagieren. Wenn ich ärgerlich bin und schon dabei bin, jemanden zu beschimpfen, bin ich eben nicht im Fühlen sondern im Ausagieren des Gefühls, im Beschimpfen eben. Was ich mit „Fühlen“ meine, ist ein ganz stiller Vorgang, der nach innen geht und ich beantworte mir dann, diese Fragen:

    - was fühle ich genau (es brennt, es pocht, es fühlt sich sehr eng an, es kribbelt, die Kehle ist zu, ich kriege keine Luft mehr…)
    - wo sitzen genau die Empfindungen im Körper (Kopf, Bauch, linker Fuß…)
    - was habe ich gerade für Gedanken (ich denke, die Person xy ist so und so, die Situation ist so und so… ich bin so und so…. es sollte nicht so sein, sondern…). Es ist auch wichtig zwischen Gedanken und Gefühlen zu unterscheiden, weil Gedanken ganz schön viel Öl ins Feuer der Gefühle werfen können!

    Natürlich kann man das zuerst nicht mit sehr intensiven Gefühlen machen, aber man hat auch schon genügend schwächere Gefühle mit denen man üben kann.
    Zum Fühlenlernen/-üben kenne ich 2 gute Bücher:
    - Wieder fühlen lernen von Safi Nidiaye
    - Focusing von Eugene Gendlin

    Hilfslosigkeit sehe ich auch als Gefühl, wenn sie aber streng genommen eine Mischung aus Gefühl und Gedanken ist (ich muss schon irgendwo eine Vorstellung haben, von dem was ich machen könnte/dass ich etwas machen könnte und dass ich im Moment nicht machen kann, um mich hilflos zu fühlen). Aber es ist nur Definitionssache und nicht wirklich ergiebig.

    Um festzustellen, was sich hinter meinen Gefühlen verbirgt, nutze ich im Moment die „Technik“ der Gewaltfreien Kommunikation von Marshall Rosenberg. Vielleicht kennst du die bereits? Es geht so, dass Gefühle dahingehend hinterfragt werden, welche Bedürfnisse sie anzeigen sollen, die noch zu befriedigen sind. Ich finde diese Sache sehr praktisch und sehr konkret. Man hat die ganze Theorie schon in 5 Minuten verstanden und man kann dann sein Leben lang üben, wenn man es möchte :-) ! Wenn du mehr wissen möchtest, kannst du auf folgende Homepage Infos finden http://www.gewaltfrei.de oder mich fragen.

    Sonst kann ich nicht berichten, dass ich gemütsärmer geworden wäre, seitdem ich mich mit meinen Gefühlen ein bisschen besser auskenne. Im Gegenteil, das Spiel der Energien, das dann zu Tage tritt, ist viel interessanter als das Auf- und Abgehen der ungefühlten und unverstandenen Gefühle. Es wird, aber im guten, viel spannender ;-) !

    Viele Grüße
    Helena

    AntwortenAntworten
  49. 101
    Jochen sagt:

    Ich hatte es noch nie nötig, meinen Sohn zu schlagen. WENN dies geschehen sollte, hätte ich meinem Rollenverständnis als Vater (als Erzieher) auch völlig versagt. Ich als sein Vater, ich als Erwachsener verfüge über die “überlegenen Mittel”, meinem Kind wenn nötig Grenzen aufzuzeigen. Dazu bedarf es aber keiner Gewalt, sondern ich muss im Regelfall sein Verständnis für meine Prioritäten / Anforderungen (auch an ihn) wecken. Ein Kind darf mich doch nicht so weit in die Enge treiben können, dass ich mir nicht mehr anders zu helfen weiß als ihm Gewalt an zu tun?! Ich bin ein wenig erschrocken darüber, hier zu lesen das es einige Menschen gibt für die das durchaus verständlich oder (“Züchtigung”) im Rahmen einer “Erziehung” normal ist. Welche Normalität müssen sie erfahren habe, frage ich mich? Wenn es ernst wird zwischen mir und meinem Sohn, dann gehe ich auch in die Hocke oder auf die Knie wenn möglich, und hebe ihn nicht zu mir hoch (denn damit demonstriert man doch nur körperliche Überlegenheit). Meine Stimme, das was ich ausstrahlen kann (mein “Auftritt”) genügen vollkommen, um jedermann klar zu machen, wo die Grenze ist. Als Erwachsener sollte man es einfach nicht nötig haben, einem Kind Gewalt anzutun. Und völlig daneben ist es wohl, dafür auch noch Gott oder die Bibel ins Feld zu führen. “GOTT WILL ES!” – das hatten wir doch in Geschichtsbücher verbannt, oder? Kein wunder, laufen in hochaufgeklärten, hochgebildeten Ländern den Christen bzw. den Kirchen die Mitglieder davon, wenn das das Weltbild deren Mitglieder ist….. .

    AntwortenAntworten

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