Bei Schlägen geht es nicht um Erziehung, sondern um Macht und Ohnmacht.

Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

Eikind angst xs fotolia 1445122 xs Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?n ernstes Thema, das ich auch unter dem Eindruck des Intensivseminars, das ich letzte Woche leitete, schreibe. Trotz etlicher Erfahrungen mit Menschen zu diesem Thema, bin ich doch immer wieder auf's Neue betroffen, wenn ich miterlebe, wie körperliche Strafen, die jemand vor zwanzig, dreißig Jahren oder länger erlitten hat, sich auf das spätere Leben auswirken können.

 

Ich muss schon sehr genau hinhören und hinspüren, um mitzukriegen, dass jemand körperliche Gewalt in seiner Kindheit andeutet. Denn das Thema ist immer noch tabuisiert und vor allem auch schambesetzt. Doch wenn jemand beim Schildern seiner Biographie erwähnt, dass "es zu Hause streng zuging" oder der Vater "ziemlich autoritär war" oder "die Mutter keinen Widerspruch duldete", werde ich meist hellhörig und frage nach, was der Betreffende damit meint.

Zur Sprache kommen dann zuweilen Schilderungen von heftigen Ohrfeigen und Prügeln mit Zaunlatten, Gürteln, Lederpeitschen, Baumzweigen, Kohleschaufeln, Teppichklopfern, Rohrstöcken oder bloßen Händen usw. Der Zeitpunkt ist oft unvorhersehbar. Wenn der "Elternteil schlecht drauf war", wenn "man nicht schnell genug weg war" oder regelmäßig am Samstagabend als gefürchtetes Wochenendritual.

Ich frage auch immer nach, bis zu welchem Lebensalter geschlagen wurde und wie es aufhörte. Dabei erfahre ich, dass es meist in der Pubertät aufhört, bei manchen aber auch erst mit achtzehn, neunzehn Jahren, als sie sich entschlossen, auszuziehen. Manchmal hört der Elternteil von selbst auf, zuweilen auch nur durch die handfeste Drohung des Jugendlichen. Meist werden Jungen, speziell die ältesten, am meisten geschlagen, aber auch viele Mädchen.

Wie gehen Erwachsene mit der Erinnerung an Schläge in ihrer Kindheit um?

Eine häufige Form ist die Bagatellisierung.
Zumeist erkennbar an der Schlussfolgerung "Das hat mir aber nicht geschadet!"
Ich verstehe diesen Satz immer als den Versuch, den Konflikt zu lösen zwischen dem guten Bild, das man von den Eltern hat und den Szenen, wo man geschlagen wurde.

Häufig ist auch die Verdrängung.
Immer wieder berichten mir Menschen, dass sie an die ersten acht oder zehn Jahre ihrer Kindheit keinerlei Erinnerung haben. Kein Bild, kein Gefühl, nichts. Erst im Rahmen der gemeinsamen Arbeit kommt manchmal ein Stück schmerzlicher Erinnerung wieder zurück.

Welche Folgen haben Schläge in der Kindheit auf einen Erwachsenen?

Die Folgen sind mannigfach. Ich will hier nur einige der Konsequenzen und Entscheidungen nennen, die mir bei meiner Arbeit mit Menschen begegnet sind.

  • Angst und Vertrauensverlust in Beziehungen.
    Als Kind geschlagen zu werden, ist immer eine Situation, wo das Kind unbewusst Entscheidungen trifft. Wo es auf schmerzhafte Weise lernt, wie es in Beziehungen zugeht. Dass es um Macht geht. Dass man dem anderen, dem man vertraut hat, nicht trauen kann. Dass gleich wieder etwas passieren kann. Mögliche Folgen sind auch Gefühle des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit, des Verlassenseins, das man als Erwachsener immer wieder erlebt.
  • Beschränkte Konfliktlösungsmöglichkeiten.
    Wer geschlagen wird, fühlt sich hilflos und gedemütigt. Um damit in Zukunft umzugehen, gibt es nur wenige Strategien. Die eine ist, sich zu unterwerfen - und den vermeintlich Stärkeren heimlich zu verachten. Die andere ist, sich zu schwören, dass einem so etwas "später im Leben" nie wieder passieren wird. Und zwar indem man selbst stark wird.
  • Probleme in der Identitätsentwicklung.
    In Seminaren treffe ich hin und wieder auf ganz sanfte Männer, die  verständnis- und rücksichtsvoll sind, nie laut werden. Einerseits angenehme Personen, aber auch ein großes Stück aggressionsgehemmt. Oft fühlen diese Menschen selbst, dass ihnen eine größere Portion Männlichkeit fehlt.
    Wenn man dann in der Biographie forscht, was der Grund dafür sein könnte, graben wir zuweilen gemeinsam heftige Prügelerfahrungen aus. Frage ich, wie das "Nicht-Mann-Sein" und diese Erinnerungen zusammenhängen, hört man manchmal den einleuchtenden Satz: "Nur Männer schlagen!" Oder: "Ich wollte nie so werden wie mein Vater!"
  • Selbstwertprobleme.
    Wer geschlagen wird, erlebt, dass dem anderen seine Gefühle, Überzeugungen oder Regeln wichtiger sind als die eigene Person. Als Kind kann man noch schlecht unterscheiden zwischen sich und dem anderen. Kann zum Beispiel schwer erkennen, dass Eltern zuweilen überfordert sind (was kein Freispruch für Schlagen ist).
    Meist sucht das Kind dann nach einem Grund für die Züchtigung. Vor allem, wenn der schlagende Elternteil sich nicht entschuldigt und die Verantwortung für sein Ausrasten dem Kind zuschiebt, sucht man als Kind die Schuld bei sich selbst. Weil man zu frech war oder Widerworte gab. Weil man schlecht in der Schule ist. Weil man überhaupt auf der Welt ist.

    frau verbirgt gesicht sall photocase45sqbpyjwjad Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

    Wer geschlagen wird, lernt frühe Lektionen über seinen Wert.

  • Abgrenzungsprobleme.
    Wer als Kind geschlagen wird, erlebt eine massive Grenzverletzung. Und hat in der Folge oft Probleme, sich als Erwachsener angemessen abzugrenzen. Also Nein zu sagen, es anderen nicht immer recht zu machen, auch mal andere zu enttäuschen etc. Auch eigene Grenzen zu spüren, zu respektieren und flexibel damit umzugehen, kann schwierig sein.
  • Probleme mit eigenen Kindern.
    Wer Gewalt als Mittel der Erziehung erlebt hat, spürt manchmal die Tendenz, sich auch so zu verhalten. Diese Gefahr ist umso größer, je weniger man sich mit dem eigenen Geschlagenwerden und den dabei erlebten Gefühlen auseinandergesetzt hat. Manche streichen ihren Wunsch nach eigenen Kindern auch ganz, aus Angst, sich in schwierigen Situationen nicht im Griff zu haben und ebenso zum Schläger zu werden.
  • Unkontrollierbare Aggressivität.
    Als geschlagenes Kind erlebt man enorme Wut und Zorn, doch müssen diese heftigen Affekte unterdrückt und verdrängt werden. Doch unterdrückte Gefühle verschwinden nicht. Oft bahnen sie sich einen Weg in zerstörerischen Aktionen gegen andere (Kriminalität) oder gegen sich selbst (Autoaggression, Suizid, Drogenmissbrauch).

Was kann man tun?

Darauf gibt es keine schnelle Antwort. Aber allgemein kann ich sagen, dass das Bewusstmachen des Erlebten - im Gegensatz zum Verdrängen oder Bagatellisieren - ein erster wichtiger Schritt ist. Schon allein damit kommt man ein Stück aus der "Kindheits-Trance" heraus, da man den eigenen erlebten Schmerz zum ersten Mal wichtiger nimmt als das Motiv der Eltern oder die heilige Fassade des "Was sollen denn die anderen Leute denken?"

schlagerei small photocase4wrvfvpz44fd1 Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

Wenn man früh Opfer von Schlägen ist, trifft man Entscheidungen für das ganze Leben.

In weiteren Schritten kann man sich mit den schmerzlichen Erlebnissen auseinandersetzen. In einzelnen Fällen ist es möglich, mit den realen Eltern ein klärendes Gespräch zu führen.

Auch Eltern lernen manchmal dazu und können spät im Leben etwas bereuen oder falsch finden, das sie jahrzehntelang eisern verteidigten. Aber oft trifft man auch auf erneutes Unverständnis und eine Wand der Ignoranz ("Das bildest Du Dir doch alles ein!")

Manchmal ist auch professionelle Hilfe nützlich,um in dem inneren Gespinst von Erinnerungen, Verdrängungsimpulsen und Verwirrung einen gangbaren Weg für sich zu finden. Letztlich aktiv zu werden im Sinne eines "Gut-für-Sich-Sorgens" ist auf jeden Fall besser als weiter im Leben in der Opferposition des geschlagenen Kindes zu verharren.

Es gibt weiteren Blogartikel von mir zum Thema hier ...

podcastman Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein? Diesen Beitrag können Sie sich hier als Podcast anhören:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

article 32 Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein? Was sind Ihre Erfahrungen und Meinungen zu diesem Thema?

PS: Wenn Ihnen dieser Beitrag gefiel, dann sagen Sie es doch bitte weiter: auf Facebook, Twitter oder per Email.
… oder schreiben Sie einen Kommentar.
… oder abonnieren Sie neue Beiträge per Email oder RSS.

Foto: © - photocase.com:
jeecis, rotwild und ana.knipsolina

 Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?
 Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

Hier schreibt: Roland Kopp-Wichmann

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.



537 Kommentare

  • Hallo Ida,
    ja, Warnsignale gibt es. Wenn Sie eine psychische Störung entwickeln (Depression, Zwang, Sucht etc.) oder starke aggressive in Gedanken oder Impulsen gegen sich oder andere wahrnehmen, wäre es Zeit, professionelle Hilfe aufzusuchen.
    Ansonsten ist es wichtig, dass Sie sich von Ihren Eltern lösen, äußerlich haben Sie das ja getan aber es kommt auf die innere ablösung an. Nichts mehr von ihnen erwarten oder erhoffen und sich auch nicht dauernd damit beschäftigen, indem Sie mit anderen darüber reden.
    Verarbeiten, akzeptieren und Loslassen, darum geht es. Es ist durchaus möglich, dass man das alleine schafft. Nur unterstützt das wieder die meist ohnehin vorhandene Überzeugung, dass man wie als Kind alles alleine machen muss.

  • Ida schrieb:

    Seit einigen Jahren beschäftige ich mich sehr intensiv mit den körperlichen und emotionalen Misshandlungen durch meinen Vater. Meine Erinnerungen an derartige Vorfälle beginnen etwa in meinem vierten Lebensjahr. Geschlagen wurde ich das letzte Mal mit 14, während die emotionalen Verletzungen solange stattfanden, bis ich bei meinen Eltern auszog. Danach hat mein Vater aber nach wie vor versucht Einfluss auf mein Leben, meine Gedanken zu nehmen.
    Ich habe aufgrund einer Entschuldigung (er ist inzwischen in Therapie) seinerseits etwa zwei Jahre versucht, ihm seine Wandlung zu glauben und eine Beziehung aufzubauen. Es hat nicht geklappt. Seine Art mir gegenüber hat sich in entscheidenden Situationen nicht verändert und die besagte Entschuldigung kann ich nicht ernst nehmen, da er sich an diese Geschehnisse nicht erinnern kann und somit sehe ich es inzwischen so, dass ich den Kontakt zwar höflich halte, aber definitiv auf Abstand. Zudem habe ich begonnen ihn beim Vornamen zu nennen, anstatt Papa (fand ich längst überfällig.

    Als Kind wurde es mir verwehrt und nun mit 30 ist er zwar immer noch vehement dagegen, kann mich aber nicht mehr dazu bringen) . Ganz umgehen lässt er sich nicht, da meine Eltern immer noch zusammen sind. Meine Mutter hat auch Fehler gemacht, aber sie bereut von Herzen und ist bereit diese Dinge mit mir zu klären. Sie ist kein gewalttätiger Mensch, nur leider recht schwach und geringem Selbstwertgefühl und so blieb meinem Bruder und mir der Schutz durch sie verwehrt. Unbegreiflich ist mir allerdings, dass sie diesen Mann nach all diesen schrecklichen Jahren für uns noch positive Gefühle entgegenbringen kann, ihn lieben kann, eine sexuelle Beziehung führen kann.

    Vor allem seitdem ich selbst Mutter geworden bin, begreife ich das überhaupt nicht mehr. Ich spüre generell noch viel Wut in mir und spreche oft über die Erlebnisse, die mich beschäftigen und das auch sehr offen. Ich habe das Gefühl, dass mir das hilft und ich auch ohne Therapie ein schönes Leben habe und haben werde. Eben weil ich nicht versuche zu verdrängen, zu verharmlosen oder gar zu vergessen. Dennoch bekomme ich öfter von Leuten, die sich meine Geschichte anhören, gesagt, dass wäre ohne Therapie nicht zu bewältigen. Ja, ich weiß, dass eine aufgeschwatzte Therapie von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Ich denke, eine Therapie würde mir wohl helfen das Ganze schneller zu verarbeiten und womöglich generell effektiver, aber ich möchte es gerne alleine bzw. durch Gespräche mit meinem Mann, meiner Mutter, Freunden schaffen.

    Da ich nicht den Eindruck habe, dass meine Kindheit so negative Auswirkungen auf mein jetziges Leben hat, dass es mich eher belastet als herausfordert, kann das funktionieren, meine ich. Meine Frage ist, bei welchen Anzeichen sollte ich diesen Standpunkt nochmals überdenken? Gibt es so etwas wie Warnsignale oder ist das sowieso wieder so individuell, dass man da so eben keine Aussage zu machen kann?

  • Klar ist, dass Wut und Verzweiflung niemandem hilft, im Gegenteil.
    In der Situation helfen Fachleute, die es ja in unserem Land gibt.
    Erste Anlaufstelle kann der Hausarzt sein, der dann eine Therapie einleitet.
    - Nach meinen nun 60 Jahren Erfahrungen zu diesem Thema aus allen nur denkbaren Blickwinkeln, vor allem auch als Betroffener, kann ich feststellen: Schlagen tun die Eltern, die etwas zu verbergen haben. An erster Stelle schlagen sie sich selbst. (ist für niemanden Rechtfertigung oder gar Trost – es ist ein aberwitziger Wahnsinn) Mein Töchterchen leistete sich im Alter von 3 Jahren den folgenden Versprecher: “Der Vater von der Anna {Theologiestudent, Mutter = Pädagogikstudentin} hat sich ganz dolle auf seinen Schwanz geschlagen!”
    Als ich ruhig nachfragte, erzählte sie mir, dass ihre Kindergartenfreundin Anna wieder mal von dem Vater (von der Mutter sonst auch) irre geschlagen worden war. Alle hörten ständig davon, niemand unternahm etwas.
    Anna war ein sehr zartes, stilles Mädchen, ging hier in den Uni-Kindergarten, sie sprach nicht mehr. Wenn ich die Eltern sah, einige Male, wirkten sie sehr ruhig und nett.
    Meine jüngeren Erfahrungen zu diesem Gewalthema ist, dass die Folgeschäden etwas “abgefedert” werden, wenn der/die Geschädigte die Wahrheit herausfinden:
    Warum waren die so? Warum haben die das gemacht.
    Alles denkbar Gute!

  • Hallo,
    in der Rache feststecken zu bleiben, heißt, das Trauma immer zu wiederholen. Es geht aber darum, es hinter sich zu lassen. Das schafft man meist nur mit einer guten Psychotherapie.
    Gegenfrage: Was für ein Mensch können Sie noch werden mit den Prügeln?

  • wolf juelicher schrieb:

    Mann der Artikel ist mir sehr unter die Haut gegangen.
    Ich konnte die Schläge gleich wieder spüren. Mich hat körperliche permanente Gewalt von Kleinkindbeinen an sowohl zum drogensüchtigen emotionsgestörten Krüppel als zu einem mit zunehmendem Alter immer bösartigem und gemeinem Menschen gemacht.Ich hasse die Bastarde de mir das angetan haben. Meine Drecksmutter meinen Naziopa mein Scheissdreckskanakenstiefvater.Letzteren am meisten.
    In meinen Phantasien töte ich sie alle auf die Ultrabrutale
    Abstechen aufhängen die Kehlen durchschneiden aufbrechen und ausweiden. Vor dem Umbringen endlose Folter. Es gibt nur die Angst vor Knast die mich hindert.Moralisch haben die ihr Leben verwirkt und jede Form der tätigen Bestrafung verdient durch mich.Die haben mein Leben zerschlagen bevor es losging.Jetzt bin ich dran. Ich will sie jammern und um ihr Leben bettel hören. Die Vorstellung erregt mich sogar sexuell.Tot allen schlagenden Elternnazischweinen.
    Und immer die Frage was wäre ich für einer geworden ohne die Prügel..

  • Michael schrieb:

    Hallo Jessi, sollte dieses wirklich stimmen dann solltest du es melden und zwar so schnellst wie möglich denn deine Seele erhält irgend wann einen richtigen knacks so wie bei mir ich trage diesen Schmerz heute noch mit mir rum! wem solltest du es sagen suche dir den bestmöglichsten freund/in und gehe mit ihm/ihr dann den richtigen weg!!!

  • jessi0000011177 schrieb:

    Meine eltern schlagen mich und mein bruder wen ich etwas nicht sofort mache aber was hat mein bruder damit zu tuhn der tut so als wer er mein vater und meine mutter hat ihn nie geschlagen immer mich und er darf mich schlagen aber ich will keinem etwas davon sagen ixh habs nur meiner aller besten freundin gesagt und ich werde echt sauer wen die mich schlagen will ich mir immer weh tun :( und ich will das niemanden sagen ich habe angst weil ich krieg dan aerger wen meine eltern davon erfahren

  • Hallo,
    der beste Weg ist tatsächlich, erst einmal zu einem Lehrer deines Vertrauens – oder zu einem Psychologen an der Schule – zu gehen und zu erzählen, was zu Hause los ist. Du bist sicher nicht die erste und einzige mit dem Problem an der Schule und dort hat man Erfahrung und weiß über die nächsten Schritte. Deine Mitschüler müssen nichts davon erfahren.
    Ein Psychiater ist nicht die richtige Adresse.
    Dein Vater wird darüber sicher nicht seinen Job verlieren aber Du brauchst dringend Hilfe.

  • ich schrieb:

    Hallo. Mein Name ist Marie und ich bin 14 Jahre alt. Ich werde seit ich 4 bin oft von meinen Eltern geschlagen und mir fällen schon jetzt diese ganzen Folgen auf. Ich liebe meine Eltern und ich will sie nicht verletzen.
    Mir ist aufgefallen dass ich einfach jemanden zum reden brauche. Ich will meinen Freunden aber nichts davon erzählen weil sie mich dann nicht mehr wie einen normalen Menschen behandeln. Wie kann ich Hilfe holen ohne dass meinen Eltern etwas passiert? Gibt es Psychiater die ohne Einverständnis der Eltern mit mir reden können? Soll ich es meinen Lehrern sagen? Kann ich Hilfe holen ohne dass mein Vater seinen Job verliert?

  • A.H. schrieb:

    Ich habe sowohl Ihren Post zum Thema Burn-Out als auch diesen hier gelesen und ich finde mich in beidem voll und ganz wieder. Beides hat in meinem Fall denke ich miteinander zu tun, wie Sie schon sagen, Kinder die geschlagen wurden, haben Probleme “nein” zu sagen. Ich komme aus einer Familie in der man einfach funktionieren musste, da wurde nicht gejammert. Mein kleiner Bruder war das kranke Kind, das ständig zum Arzt musste, ich musste immer gesund sein und durfte nie Bauchschmerzen haben (“die simuliert”). Mein Vater ist sehr autoritär erzogen worden und hat das 1:1 an uns weitergegeben. Ich liebe ihn trotzdem und deswegen könnte ich ihm heute niemals einen Vorwurf machen, obwohl es mir immer noch wehtut. Er würde nur sagen, dass doch aus mir deswegen etwas geworden ist (ich bin Ärztin). Ich liebe meinen Job, habe aber Probleme mich abzugrenzen, bin extrem perfektionistisch und erwarte das auch von anderen, eigentlich habe ich viele Eigenschaften meines Vaters, die ich an ihm so gehasst habe. Wenn ich ehrlich bin, dann steuere ich gerade auf ein Burn-out zu, weil ich das passende Persönlichkeitsprofil dafür habe, meine Kindheit hat es quasi geformt. Das zu erkennen hat mich sehr viel Kraft gekostet. Ihre Artikel waren für mich wie ein Spiegel. Danke.

  • gertraud.lurz schrieb:

    Eigentlich würde ich erstmal gern wissen, ob Sie meine Geschichte interessiert, deswegen nur ein paar “Schlagwörter”: Mit 18 Monaten in Papas Traktor gelaufen und überfahren worden, mit “relativ” geringem körperlichem Trauma ( Gesichtschädel mit Narben und Unterarmfraktur)in der Kinderklinik in München von einer jungen Nonne mehrmals geschlagen worden: da beginnt meine Erinnerung, die zwar, ob der Gewalt panisch ist, aber auch überraschend lebensbejahend ….Mit 4 Jahren während einer Folge-Op aufgewacht, auch daran hab ich genaue Erinnerungen………..
    Bin jetzt 54 Jahre alt, wenn ich endlich ausschlafen könnte, wäre “alles gut”.
    Bin genervt von konventionellen Psychotherapeuten, von denen ich am Ende immer mehr wusste, als sie von mir!
    Mir ist relativ klar, daß ich eigentich nur jemanden suche, der mir sagt, wie schlimm das alles gewesen sein muß. Bin ziemlich zurückhaltend im Erzählen meiner Geschichte, aus der Angst heraus, das die Menschen denken, das so etwas nicht ohne “Dachschaden” zu überstehen ist

  • Franziska schrieb:

    Schläge, an den Haaren durch die Wohnung geschleift und getreten werden, Gürtel, Teppichklopfer der auf einem kaputt geht, Mutter wie Vater, ja bekannt. Und dann die mitangesehene oder mitangehörte Gewalt, die ältere Schwester welche in einem geschlossenen Zimmer auf Mutter’s Geheiss vom Vater verdroschen wird, sie schreit und weint, man hört Schläge gegen die Wand ohne zu wissen was ihn ausgelöst hat, als ca 4-jähriges Kind stehe ich vor dieser Türe weinend und schreiend gegen die Türe hämmernd und tretend weil ich rein will um der Schwester zu helfen, bis ich schliesslich von der Mutter verdroschen werde… Eine Mutter die immer wieder aus unbekannten Gründen plötzlich ausrastet…
    Ja das hat Folgen, sich immer und für alles verantwortlich auch schuldig fühlen (auch wenn man weiss, dass man nichts schlimmes gemacht hat!!!), immer nach Lächeln in Gesichtern suchen, sich immer sehr unsicher, nicht angenommen, nicht genug geliebt fühlen… Gegen aussen die schützende Fassade: mir tut man nie mehr was, ich komme mit allem zurecht, die mögen mich nicht die können mich mal….
    Wo fange ich bei der Arbeit an mir an und wie?

  • Bear schrieb:

    Ich möchte allen Betroffenen Mut machen, die Folgen von Prügelerfahrungen ernst zu nehmen. Aus eigener Erfahrung kenne ich die Scham und die Versuchung, das Erlittene klein zu reden (“Andere haben doch viel Schlimmeres erlebt”).Ich selbst kann mich “nur” an zwei Prügelerfahrungen erinnern. Einmal war mein Vater vollkommen ausser sich wegen einer nichtigen Angelegenheit und verprügelte mich mit einem Stock. Das Schlimmste daran waren nicht die Schläge, sondern, daß hinterher niemand darüber gesprochen hat. Keine Entschuldigung, kein Kommentar von der Mutter. Alle taten so, als sei es das Normalste von der Welt. In Zeiten der schwarzen Pädagogik galt der Grundsatz,daß man sich bei Kindern niemals entschuldigen dürfe (Keine Schwäche zeigen…). Allein dieses Verhalten reicht schon für eine ernsthafte Traumatisierung. In Verbindung mit Misshandlungen um so mehr. Damals habe ich das Erlebte ca. 15 Jahre lang komplett ausgeblendet und vergessen. Mit der Geburt meiner Tochter kam es wieder an die Oberfläche. Weitere 15 Jahre brauchte ich um das Erlebte verstehen zu können und habe heute erhebliche Probleme mit den Folgen: Meine Grenzen wurden damals auf das Schärfste verletzt. Dadurch, daß niemand darauf reagierte und es auch nicht die Andeutung einer Entschuldigung gab, entstand bei mir der Eindruck, daß nur ich selbst derjenige sein kann, der falsch ist. Fortan weckte jede Situation, in der ich die Erwartungen anderer nicht erfüllte sofort tiefe Schuld- und Schamgefühle in mir und es gelang mir nicht, mich abzugrenzen, für meine Interessen einzutreten und Nein zu sagen. Ich lerne das erst heute mühsam wieder. Aber das ist leider noch nicht alles. Auch ich selbst habe das Gefühl für meine Grenzen verloren. Ich habe sie regelmässig überschritten um für andere In Ordnung zu sein. Ich habe meine eigene Identität dabei verloren und kein Gefühl mehr gehabt, was ich wirklich will und was mir gut tut. Das macht das Leben äußerst anstrengend.
    Ich weiß, daß es vielen Menschen ähnlich geht. Viele teilen ja auch die traumatisierenden Erfahrungen der schwarzen Pädagogik. Ich möchte alle Betroffenen ermutigen, ihre Verletzungen ernst zu nehmen. Es gibt einen Weg aus dem Trauma und es gibt eine Möglichkeit, seine Indentität wiederzufinden. Der erste und m.E. unumgängliche Schritt ist dabei, anzuerkennen, daß man selbst das Opfer war. Und das hat nichts damit zu tun, sich selbst zum Opfer zu machen.
    Mir persönlich hat geholfen, Kontakt aufzunehmen mit dem Teil in mir, der damals verletzt zurückgeblieben ist. Das hat mein Mitgefühl mit mir selbst (das ist etwas anderes wie Selbstmitleid) enorm gefördert. Es ist unbedingt ratsam, so etwas nur in therapeutischer Begleitung zu machen. Ich finde körperbetonte Therapien wie z.B. Somatic-Experiencing hilfreich, weil das Trauma im Körper gespeichert ist (Durch Reflexe, Verspannungen etc.)Empfehlen möchte ich für Interessierte hier auch noch zwei Bücher, die mir sehr geholfen haben:
    1. John Bradshaw: Wenn Scham krank macht
    2. Peter Lewine: Sprache ohne Worte

    Allen Betroffenen gilt mein tiefstes Mitgefühl. Ich würde mich freuen, wenn ich dem ein oder anderen hier einen hilfreichen Impuls geben konnte.

  • […] nun alle lesen könnt, sondern die Einsicht, daß es so war und ich jetzt etwas tun muß. Denn die Spätfolgen sind immer noch vorhanden, auch wenn es mir die ganzen Jahre nie bewusst war und ich diese […]

  • Michael schrieb:

    auch ich bin in meiner Kindheit geschlagen worden, von beiden und ich leide heute noch darunter, bin 50 Jahre jung

    Abgrenzungsprobleme.
    Wer als Kind geschlagen wird, erlebt eine massive Grenzverletzung. Und hat in der Folge oft Probleme, sich als Erwachsener angemessen abzugrenzen. Also Nein zu sagen, es anderen nicht immer recht zu machen, auch mal andere zu enttäuschen etc. Auch eigene Grenzen zu spüren, zu respektieren und flexibel damit umzugehen, kann schwierig sein.

    dem kann ich nur zustimmen, konnte bis heute kein NEIN sagen und daher von vielen Menschen ausgenutzt worden und auch sehr viele falsche Entscheidungen getroffen die dieses betreffen

    Und diese Schläge habe ich noch mit 12 Jahren bekommen von meine Mutter, die auch eine dominante Frau ist.

    Auch Freundes Entzug habe ich dadurch auch erhalten also hatte dadurch keine Freude in der Kindheit, heute sehr ähnlich …

    Leide wie schon gesagt heute noch darunter …

  • Zentrum Menschenwürde u. Kinderrechte schrieb:

    Durch das Umgangs Zwangs Recht Schlagender
    Vaeter gibt es fuer Muetter keine Chance mehr
    Kinder vor Gewalt zu schuetzen. Vereiteln Muetter Gewalt des Vaters und bitten um Hilfe
    bei Garanten werden Kinder in Heime gesteckt
    Die Mutter macht den Gewaltvater nur schlecht.
    Umgang mit dem Gewaltvater ist Kindeswohl
    stellen psychologische Sachverständige fest.
    Diese verbieten ueberbehuetende Mutterliebe
    weil Umgang mit beiden Eltern Kindeswohl ist und deswegen die petzenden Muetter ueber Jahre keinerlei Umgangskontakt zur Mutter haben darf. Das Kind wird im Heim durch
    Erziehungsfaehige Garanten an Gewalt und Missbrauch gewoehnt. Damit der Gewaltvater sein alleiniges originaeres Umgangsrecht unangefochten ausleben kann.
    Anders herum. ZEIGT EINE MUTTER DEN VATER AUS ANGST VOR KINDESRAUB NICHT
    AN BEKOMMT SIE 4 JAHRE HAFT FUER GEWALTVERSCHWEIGUNG. SELBST KINDERMORDENDE VAETER KOMMEN NICHT IN HAFT SONDERN IN DIE PSYCHIATRIE.SIE HATTEN JA NUR EINMALIGE AUSRUTSCHER.
    DIE GEWALTVERZICHTFORDERUNG MUTIGER MUETTER WIRD VON GEWALTVATERN ALS
    FRAUENGEWALT GEGEN MAENNER BEURTEILT. DIE DIAKONIE BIELEFELD PRAKTIZIERT HEUTE GELUNGENEN STRAFTAETER KIND UMGANG WAEHREND MUETTER OHNE KIND KONTAKT IN HAFT SITZEN SOLLEN DAMIT SIE KAPIEREN DAS VATERGEWALT GEGEN KINDER SEIN RECHT WAR, IST UND BLEIBT. SIEHE KINDSCHAFTSRECHT DER JEWEILS ANDERE PART HAT ALLES ZU UNTERLASSEN WAS DEN UMGANG MIT DEM VATER ERSCHWERT. EGALWAS WAR, EGAL WAS KOMMT, STEHT DIE ALLEINIGE ERZIEHUNGSKOMPETENTE SORGE DEN GEWALTVAETERN ZU. MAMAS DIE WAGEN GEWALT DER VAETER AN KINDERN ZU VERHINDERN SEHEN DAS KIND NICHT WIEDER. WAS AUS DIESEN UNSCHULDIG DER BESCHUETZENDEN MUTTERLIEBE BERAUBTEN ZUM GEWALTUMGANG MIT SCHLAGENDEN VAETERN GEDEMUETIGTEN KINDER SPAETER WIRD MAG FUER Forscher spannend sein. FUER MICH BLEIBT ES SYSTEMISCHE KINDESMISSHANDLUNG DURCH NETZWERKE FAMFG DIE OFFENSICHTLICH GESCHLAGENE OPFER SCHAFFEN UM IN BROT UND LOHN
    MIT LEGITIMIERTER GEWALT DER VAETER GEGEN MUTTER UND KIND ZU KOMMEN.
    ICH HALTE ES FUER DRINGEND UEBERFAELLIG SOGENANNTE PSYCHOLOGISCH SACHVERSTAENDIGE ZUVTHERAPIEREN EHE MAN DIESE LEUTE AUF KINDER UND MUETTER LOSLAESST.
    AUS MEINER LEBENSBERATENDEN TAETIGKEIT SIND MIR ETLICHE PSYCHOLOGINNEN BEKANNT DIE SELBST ALS KIND MISSBRAUCHT UND VOM VATER GESCHLAGEN WURDEN. DIESE LEUTE BEKOMMEN OFTMALS EIGENE BEZIEHUNGEN SCHLICHT NICHT HIN, THERAPIEREN ABER KINDER OFTMALS HIN ZUR TOLERANZ
    WEIL DER GEWALTTAETIGE VATER JA SELBST GEWALTOPFER WAR. ICH FORDERE ERWACHSENEN VERANTWORTUNGSUEBERNAHME FUER GEWALTLOSIGKEIT AB
    WEIL ERLEBTE GEWALT DES KINDES DURCH VAETER NIE WIEDER ENTSCHULDIGT WERDEN DARF UM DIE GEWALTSPIRALE ZU DURCHBRECHEN. KINDER MIT MUTTERVERBOT ZU STRAFEN WEIL DIESE WAGTEN VATERGEWALT ZU VEREITELN
    IST UND BLEIBT BIPOLAR GESTOERTE WAHNERKRANKUNG DER THERAPEUTEN.

  • Emilina schrieb:

    Es fällt mir sehr schwer über meine Kindheit zu schreiben, aber ich denke das es richtig ist “Es” mal auszusprechen. Die meisten meiner Freunde, Bekannten, Verwandten oder Mitarbeiter von uns wissen nichts von meiner Kindheit. Ich empfinde Sie als Schmach, Schwäche, Makel und habe Angst davor das es gegen mich verwendet wird! Ich denke es geht vielen anderen Menschen auch so!

    Zu meiner Person: Ich bin heute 30 Jahre alt, habe 2 Töchter, ein kleines eigenes Unternehmen, bin selbst Einzelkind (zum Glück?!), habe eine psychisch kranke Mutter und einen sog. “Vater”.

    Meine Kindheit: Ich bin von meinen “Vater” geschlagen, eingesperrt, bedroht, nie geliebt (ich hab dich lieb, mal in den Arm nehmen, einen Kuss gab es NIE), verachtet, gedemütigt, ignoriert worden. Den einzigen Kontakt den es gab war angebrüllt, gedemütig (“Aus dir wird später mal ne Putzfrau oder nen “Assi”)und geschlagen zu werden. Mein Vater hatte mir verboten mit anderen Kindern zu spielen (“Du darfst nicht raus, es darf keiner zu uns kommen!”), ich war verschüchtert da er mich wegen Kleinigkeiten schlug (bsp. Ich mache meine Hausaufgaben und er fragte, ob ich schon mit den Hund draußen war, aber dass war ich noch nicht da ich zu viele Aufgaben zu machen hatte. Dafür wurde ich, am Esstisch (Schreibtisch was ist das?) sitzend, mit den Zudrehstock von einer Jalousi so massiv auf den Rücken geschlagen das ich blutete. Den Hund hat er geliebt, geknuddelt, verwöhnt, 1000de DM/EUR (für Friseur, neue Halsbänder, OPs im Tieralter von 16 Jahren) ausgegeben und ich musste die abgetragenen Sachen meiner Cousine auftragen, musste mir meine Schulabschlussfahrt komplett allein verdienen (Ferienjobs) usw. Dies ist nur ein kurzer Einblick, ich könnte noch viel mehr schreiben. Meine Mutter hat dagegen nichts unternommen. Heute weis ich, das sie vor meinen Vater Angst hatte und dachte das ich bei einer Scheidung beim Vater hätte bleiben müssen wg. ihrer Krankheit.
    Ich bin mit 12 Jahren vom Jugendamt in Obhut (Kinderheim) genommen worden und durfte nach knapp 13 Monaten zu meiner Oma mütterlicherseits ziehen. Dort gab es zwar keine Schläge aber ich und meine Leistungen waren ihr nie gut genug (“Mädchen da hast du aber nicht aufgepasst, 2 Fehler beim nächsten Mal erwarte ich das es 0 sind, du bleibst in den Ferien zu hause und wir üben!” Nichts war mit mal faulenzen oder bis abends im Schwimmbad bleiben, ich musste mit 15 Jahren um 17 Uhr zu hause sein! Wenn ich dagegen verstoßen hatte, drohte sie mir immer wieder das sie mich zurück ins Heim schickt. Ich habe zwar einen sehr guten Realschulabschluss und hätte auf das Gymnasium gehen können, tat ich aber nicht da ich unbedingt eigenes Geld verdienen und selbstständig sein wollte. Das tat ich dann auch und bin mit 16 zu den Eltern meines Ex-Partners gezogen, habe meine Ausbildung mit einem Fachabitur beendet. Hatte mit 21 meine 1. und mit 23 meine 2. Tochter zur Welt gebracht und neben der Erziehungszeit via Fernstudium meinen Betriebswirt gemacht. Meine Beziehung zu meinen Ex war, seit der Geburt meiner 2. Tochter, eher ein freundschaftliches, einander abhängiges Zusammenleben, aber von Liebe und Vertrautheit keine Spur.
    Ich hatte mit 20 Jahren wieder Kontakt zu meinen Vater aufgebaut, da ich gehofft hatte, das er seine Einstellung zu mir geändert hätte (“Siehst du Papa aus mir wird was, keine Klofrau). Das Ende von Lied war das er mich nur ausgenutzt und mich wie sein Eigentum behandelt hat! Als ich mich von meinen Ex getrennt habe, hat er sich auf die Seite von ihm gestellt nicht auf meine. Ich habe heute weder Kontakt zu ihm noch zu meiner Oma. Beide haben meine Kindheit nicht positiv geprägt.
    Als Mutter werde ich in Konfliktsituationen sehr schnell laut aber schlagen würde ich meine Kinder nie. Manchesmal habe ich Angst zu streng mit Ihnen zu sein, das sie auf die schiefe Bahn abgleiten, das ich als Mutter versage, das ich sie zu sehr verwöhne oder schlimmer noch das sie mich verlassen. Gegenüber anderen strahle ich Stärke aus aber innerlich plagen mich immer wieder Ängste. Ich habe Angst vor einer neuen Beziehung, Nähe zu einen anderen Menschen zuzulassen, mich zu öffnen. Sprich ich brodele im eigenen Saft und schaffe es nicht andere Personen näher an mich ran zu lassen. Habe wenig Freunde & Familie, einige Bekannte und habe schon 15 mal probiert mich ggü. eines Pyschotherapeuten zu öffnen um es aufzuarbeiten aber ich kann es nicht! Jetzt (wo ich das hier schreibe) merke ich das es mir gut tut darüber zu schreiben, eventuell finde ich ja so einen Weg meine Vergangenheit aufzuarbeiten.

  • Sabine schrieb:

    Liebe Julia,
    Dir und Deinen Geschwistern kann ich nur die Bücher von Alice Miller empfehlen, insbesondere “Dein gerettetes Leben”.
    Viele Grüße
    Sabine

  • Indem man auf Gewalt als Mittel der Kommunikation verzichtet. Das ist nicht leicht, aber machbar.
    Sie richten derzeit noch die Gewalt gegen sich, indem Sie sich zu oft unberechtigt die Schuld geben.

  • Julia schrieb:

    Es macht mich traurig und wütend das alles zu lesen. Meine eigene Erfahrung scheint mir aber im ersten Moment nicht so drastisch wie das, was ich hier lese, ich beschreibe sie trotzdem. Ich bin 31, habe eine 6 Jahre ältere Schwester und einen 3 Jahre jüngeren Bruder. Unsere Mutter war nicht durchgehend gewalttätig und die meiste Zeit liebevoll und lustig und normal. Aber wenn sie überfordert war, hat es Ohrfeigen gegeben (“Komm her und hol dir deine Schelle ab”) oder es wurden die Ohren lang gezogen. Meine Schwester wurde, wenn ich mich recht erinnere, als Kind auch einmal heftiger mit einem Gegenstand geschlagen. Ich habe sie bislang nicht gefragt und war damals irgendwas zwischen 4 und 6, habe nur schemenhafte Erinnerungen daran und nie darüber nachgedacht, erst jetzt. Für mich und meinen Bruder gab es diese kleinen Strafen, Ohrfeigen usw. Und sie strahlte immer eine Dominanz aus, war unberechenbar, rastete auch mal so aus ohne zu schlagen. Was es mit meiner Schwester machte, ist, dass sie ihren Kindern gegenüber auch ungeduldig und gewaltbereit war. Der Ältere der beiden wurde von Anfang an (sie war erst 21, als sie ihn bekam), sehr oft gehauen, wenn er nicht spurte.

    Was es mit meinem kleineren Bruder machte, ist, dass er sich eigentlich nie gegen irgendwen durchsetzen konnte und es ihm schwer fällt Freundinnen zu finden, meist sind sie dann selbst psychisch nicht ganz ok, und er hat immer eine gewisse Aggression gegen die Welt.

    Was es mit mir machte… Ich habe allgemein viele Schuldgefühle und schimpfe mich oft. Auch jetzt, weil ich denke, ich tue ihr Unrecht. Habe immer Angst etwas falsch zu machen, mache daher vieles lieber gar nicht. Was meine Mutter angeht, ich glaube, ihr sind die Fehler nicht bewusst oder dass sie der Grund dafür sein könnte, dass meine Schwester jähzornig ist. Denn sie betont häufig, dass der Vater meiner Schwester (genau genommen Halbschwester), der schon kurz nach der Geburt weg war, gewalttätig war. So als wenn das in den Genen läge. Oder dass der Sohn meiner Schwester so aufmüpfig wie meine Schwester als Kind sei. Als wäre das die Rechtfertigung für Schläge. Sie hat mir aber manchmal erzählt, dass ihre eigene Mutter sehr streng war. Mutter schlägt Tochter schlägt Tochter schlägt Sohn. Der Zusammenhang ist so simpel. Gewalt erzeugt Gewalt, gegen andere oder gegen sich selbst.
    Wie kann man das durchbrechen?

  • ludmilla schrieb:

    Ich komme gebürtlich aus Kasachstan. Bin mit 12 Jahren nach Deutschland gekommen. Mein Bruder der war 1 Jahr und 2 Monate älter wie ich. Wir sind in der Kindheit misshandelt worden. Mein Bruder mehr wie ich weil ich kleiner war wie er und mich unter dem Bett verstecken konnte. Es sind für mich heute sehr schmerzhafte Erinnerungen es tut in der Seele so dermassen weh. Mein Bruder hat sich mit 9 Jahren versucht das Leben zu nehmen. Er ist zur Schule gegangen und ist zu spät zum Unterricht gekommen. Wurde deshalb von der Lehrerin nach Hause geschickt. Daraufhin wollte er sich noch auf dem Grundstück von der Schule das Leben nehmen. Jemand hat es gesehen und es ist nicht dazu gekommen. Ich war damals erst 8 Jahre alt hab das noch garnicht so richtig verstanden. Daraufhin war er, ich weiß nicht mehr wie lange in einer geschlossennen wurde mit Kortison behandelt. Es hat sich aber nichts geändert wir wurden trotzdem weiter von meinem Vater verprügelt. Ab 9 Jahren hatte ich den ganzen Haushalt auf meinen Schultern weil meine Mutter voll berufstätig war. Putzen, Kochen Wäsche waschen (wir hatten keine Waschmaschine alles wurde mit der Hand gewaschen)und ich habe auch auf meine Schwester aufgepasst die 6 jahre Jünger war wie ich. Wenn ich auf den Gedanken kam mit den Nachbarskindern zu spielen. Bin ich nach Hause gerufen worden und es gab dresche weil ich nicht die Arbeit gemacht habe wofür ich zuständig war. Die Schulzeit war so tralala meine Eltern haben sich dafür nie interessiert. War halt so durchschnittlich. Ja wie schon geschrieben mit 12 Jahren gings dann nach Deutschland. Das misshandeln wurde weniger. Aber es gab noch Situation wo der Gürtel dran glauben sollte. Mit 15 Jahren sollte ich zum Gesundheitsamt mich untersuchen lassen weil ich vorhatte in einem Krankenhaus Schülerpraktikum zu machen.
    Habe mich obenrum ausgezogen und mein Rücken war voller Striemen. Die liebe Frau hat es gesehen aber nichts dazu gesagt. Es war mir so peinlich damals. Habe es meiner Mutter erzählt. Meine Eltern haben es dann mit der Angst bekommen das es dem Jugendamt gemeldet wird. Also der Gürtel war weg! Stattdessen kann dann die Faust von meinem Vater. Er hat mich immer ins Gesicht geschlagen. Ich war mitten in der Pupertät. Wenn ich mit meiner Mutter habe versucht zu diskutieren wurde es natürlich laut da kamm dann immer mein Vater und hat mich verprügelt. So dermassen das ich jedesmal Sternchen gesehen habe! das Letze mal als er wieder zuschlagen wollte da war ich 16, mein Bruder hat sich zwischen uns gestellt, der war mitlerweile 30 cm grösser wie mein Vater und hat ihm gedroht ;wenn du noch einmal zuschlägst dann werde ich es auch machen! So ab da an kamen keine Prügel aber ich hatte immer Angst vor meinem Vater. Mein Bruder hat sich 3 Tage vor seinem 20 Geburtstag das Leben genommen. Seine Freundin hat ihn mit seinem besten Kumpel betrogen. Ich habe mit 19 Jahren eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau nach 2 Jahren abgebrochen. Und habe mit 21 Jahren eine Tochter bekommen. Mit ihrem Vater das ging nur 2 Jahre gut. Wir haben uns getrennt. Mit 26 Jahren habe ich es noch mal versucht im beruflichen Leben was aus mir zu machen und zwar als Sozialassistentin es lief alles gut. Noten waren auch nicht schlecht. Bis eine Erzieherin (ich habe Praktikum im Kindergarten gemacht)im beisein der Kinder angefangen hat mich anzuschreien das ich nichts könnte und so weiter und so fort. Ich hatte einen Nervenzusammenbruch deshalb und habe die Ausbildung abgebrochen.
    So seitdem hatte ich eine Ausbildung zur Fittnesstrainerin gemacht die ich nicht zu Ende gemacht habe. War schon längst Harz V empfängerin und habe bei meinen Eltern gelebt.

    2009 habe ich meinen Mann kennengelernt. Wir haben 2011 eine Tochter bekommen. 2013 geheiratet. 2013 sind wir zusammengezogen. Ich habe so eine Maßnahme vom Jobcenter bekommen zur Alltagsbegleitung in der Altenpflege habe es erfolgreich absolviert. Jetzt hat sich mein Leben einiger massen normalesiert. Ich habe meine Töchter nie geschlagen. Weil ich sehr schmerzhaft weiß welche Folgen es hat wenn Kinder von ihren Eltern misshandelt werden.

    Meine Schwester kennt es gottseidank nicht sie wurde verschonnt geblieben. Er ist Ihr gegenüber nie gewalttätig geworden.

    Es ist für mich manchmal so schwer wenn diese Bilder wieder hochkommen. Am liebsten würde ich es einfach vergessen, aber es geht nicht. Mein Vater er hat sich sehr verändert nach dem Tod von meinem Bruder. Ich kann ihm nicht ins Gesicht gucken wenn ich mich mit Ihm unterhalte.

    ludmilla

  • alfred schrieb:

    wurde schon vor der volksschule geschlagen,an den ohren gerissen,auf dem weiten schulweg,jeden tag von den aelteren nachbars bauernsöhnen stundenlang gehaenselt,geschlagen,zu boden gerungen,und den ganzen schulweg 6km,(bin auf 1000m sehöhe am land im gurktalaufgewachsen) mit schnee eingerieben im gesicht.schneebaelle ins gesicht geworfen,von einem um 6 jahre aelteren lehrlig.auch von den lehrern und dem direktor in der volks und hauptschule,geschlagen.dann in derlehre als tischler gings weiter.der erste lehrmeister,schlug mich mit kinnhaken blutig,bis meine mutter einenen neuen lehrplatz fand.schickaniert wurde ich inden drei lehrjahren trotzdem oft.es war auch nicht besser.depessionen hatte ich schon in meinem aufwachsen.als ich dann nach siebzehn jahren ehe aus meinem von mir gebauten haus auszog und die haushaelfte meinem rivalen verkaufte,kamen die depressionen bis ins unertraegliche.wurde dann vom psychiater behandelt.nach kurzer zeit wieder in den naechsten betrieb geschickt.ich konnte bei keiner firma laenger als drei jahre überdauern.obwohl ich ein guter handwerker war.die unternehmer hatten sich immer abgesprochen,warum ist der bei dir weggegangen?bin nun 61 und in invaliditaetspension.es kamen dann noch einige körperliche schaeden dazu.aber vergessen werde ich mein aufwachsen nie.immer begleitet einem das innere weinen.

  • TheStrange schrieb:

    Hallo Scientist.

    Ich habe eine ähnliche Situation. Sogar HB+ADHS, nur inzwischen seit zwei Jahren auch auf dem Papier. Bei mir uferte das “sich beweisen” so sehr aus, dass mein Körper das beendet hat und nicht einmal 5 Monate stationärer Klinikaufenthalt geholfen haben.

    Ich bin ebenfalls im Kampf mit meiner dunklen Seite. Ich übe verbale Gewalt gegen meine Partnerin aus, wenn ich verzweifelt bin. Habe allerlei Probleme und suche ebenfalls einen Weg der Mensch zu sein, der ich mal war. Ruhig, lieb, verständnisvoll und gewaltfrei(auch rumschreien ist Gewalt).

    Ich weiß auch keinen Ausweg. Eventuell kann man sich ja mal kurzschließen.

  • Scientist schrieb:

    Hallo Leute,

    ich denke ich habe auch so meine eigene Geschichte in Sachen Gewalt in der Kindheit. Allerdings eher auf psychischer Ebene, denn körperlicher und relativ stark mit dem Thema Schule, Leistung und Hochbegabung assoziert. Aber deswegen schreibe ich nicht. Aber deswegen schreibe ich nicht.

    Eines vorne Weg, ich habe keine Kinder und habe bis jetzt auch noch keinem Leid zugefügt.

    Ich habe aber dennoch ein Problem in dieser Angelegenheit. Aus irgendeinem Grund sympatisiere ich von Zeit zu Zeit mit autoritären Erziehungssystemen (körperliche Züchtigung inbegriffen), also genau dem, was mir selbst wiederfahren ist und was zu recht von so vielen abgelehnt wird.
    Was ist mit mir los? Und vor allem, wie werde ich das wieder los?

    Ich wollte schließlich auch mal Kinder haben aber ihnen nicht das Leben zur Hölle machen.

    Ich sollte vielleicht noch hinzufügen, dass ich möglicherweise unter ADHS leide und ein ziemlich hohes Aggressionspotential mit mir herum schleppe, was ich aber mittlerweile ganz gut im Griff hab.

    MfG

    Scientist

  • Kurti schrieb:

    Hallo Herr Kellner,

    Danke für Ihre Infos.

    Ich habe mich mal wieder selbst aus dem Schlamm befreit, der mich von Zeit zu Zeit umgibt.

    Was mir persönlich helfen würde, wäre ein Therapeut, dem ich ab und zu mal eine Email schreiben könnte, wenn ich mal wieder in einer Sackgasse feststecke und nicht weiter komme und mich der Schlamm zu ersticken droht und der mir dann hier und da einen Tipp gibt.

    Das würde mir völlig reichen, aber dafür muss ich keine ganze Trauma Therapie machen.

    Kurti

  • David Engmann schrieb:

    Ich bin als Kind auch sehr oft geschlagen worden und fühlte mich nutzlos,leider bekommt das mein Kind heute auch sehr oft zu spüren, man kann das nur mit professioneller Hilfe unter Kontrolle bekommen,macht diesen Schritt.
    David aus Hellersdorf

  • In den meisten Rückmeldungen, die man erhält, ist ja meist ein Körnchen Wahrheit dran.
    Und wenn Sie hören, dass Sie kein richtiger Mann seien, meinen die Frauen vermutlich, dass Sie zu rücksichtsvoll, zu verständig sind und zu viel für die Frauen tun, um es ihnen recht zu machen.
    Ihre Suche nach Anerkennung spielt dabei sicher eine entscheidende Rolle.
    Vielleicht sollten Sie mal in einer guten Therapie dieses Muster anschauen.

  • Schurke schrieb:

    Ich bin fast 40 Akademiker, war erfolgreich im job, bis ich die Arbeitswelt nicht mehr aushielt und mich selbständig machte. Hatte eine lange Beziehung wo meine Ex dann das Weite suchte und mir sagte du bist kein Mann obwohl ich alles für sie tat und mehr als es nötig wäre. Nun bin ich seit 12 Jahren verheiratet alles war gut, bis meine Frau anfing sich quer zu stellen und auf stur schaltete. Auch für sie habe ich alles getan, gekauft und nie Probleme nach Hause gebracht, weder zuviel gesoffen oder Drogen missbraucht. Wir sind Männer und merken wenn eine Frau sich anderen öffnet für mich war das Hölle, sie schreibt ständig und versteckt Handy und Passwort noch drauf…nun sagt schon die 2. Frau ich wäre kein richtiger Mann. Eigentlich muss ich mich auf die Firma konzentrieren der kurz vor scheitern steht aber seit 2 Jahren Schleppe ich das Problem mit mir, Depression an Tagesordnung und habe nach der Ursache gesucht und mich “liebevoller mensch der nicht nein sagen kann” in diesem Artikel wiedergefunden. Geschlagen wurde ich von Mutter Bruder Lehrer (Ausland) und Demütigung als Ausländer in Deutschland (auch wenn es paar Zwischenfälle waren) und weiß nicht was noch… Lange nach Anerkennung gekämpft. Leider kam die ersehnte Anerkennung weder im Job noch von der Familie, Freunde oder Frau. Jetzt holt mich das Schnee von gestern ein und ich heule grundlos wenn ich allein bin.

    Ich frage mich ob ich überhaupt eine Beziehung führen kann, wenn ich mit viel Geduld, Ausdauer und unendliche Hingabe, absolute Korrektheit und Fairness kein geeigneter Partner oder Mann bin dann weiß ich auch nicht weiter, jedenfalls will ich nicht nochmal hören ich wäre kein Mann nur weil ich zu meinen Mitmenschen nett bin und nicht nein sagen kann, ich habe das Gefühl damit jemanden zu verletzten und es erfüllt mich einfach zu helfen im Gegenzug will ich nichts. Natürlich sind auch Ausnutzer dabei aber die zeigen ihr gesich sehr schnell. Das scheint eben das Problem zu sein. Geliebt dafür nett zu sein und gehasst ebenfalls.

  • Lieber Kurti,

    einen geeigneten Therapeuten zu finden, der vor allem auch noch eine entsprechende Spezialausbildung hat und bei dem auch die Chemie stimmt, ist in der Tat manchmal sehr schwer. Mir ist klar, dass wir hier in vielen Gebieten einen enormen Notstand haben. Manche Klienten müssen richtig weit fahren und manche finden tatsächlich niemanden. Das ist schlimm und ich wünschte ich hätte hier eine Lösung. Oft braucht man auch viele Anläufe und mehrere Klinikaufenthalte, um kleines bisschen besser zurecht zu kommen. Falls Sie in einem Gebiet mit schlechter therapeutischer Versorgungslage leben, können Sie allerdings auch im Rahmen des Kostenerstattungsverfahrens nach §13 SGB geltend machen. Es gibt nämlich sehr erfahrene Traumtherapeutinnen, die z.B. über das Heilpraktikergesetz arbeiten. Seit Einführung des Psychotherapeutengesetzes können gesetzliche Krankenkassen eine Therapie bei Heilpraktikern für Psychotherapie unter bestimmten Voraussetzungen als außervertragliche Behandlung übernehmen. Grundlage hierfür ist das Sozialgesetzbuch (SGB V § 13 Abs. 3).

    Im SGB V § 13 Abs. 3 heißt es:
    „Konnte die Krankenkasse eine unaufschiebbare Leistung nicht rechtzeitig erbringen oder hat sie eine Leistung zu Unrecht abgelehnt und sind dadurch Versicherten für die selbst beschaffte Leistung Kosten entstanden, sind diese von der Krankenkasse in der entstandenen Höhe zu erstatten, soweit die Leistung notwendig war.“

    Diese spezifischen Therapeuten lassen sich zum einen über http://initiativetraumanetzwerk.com/ finden. Zum anderen kann man direkt mal bei Michaela Huber anfragen, die eine Vernetzungsliste im Traumabereich hat.

    Von Herzen alles Gute, viel Mut und viel Kraft.

    André Kellner

  • Kurti schrieb:

    Sehr geehrter Herr Kellner,

    und was ist, wenn es in der Umgebung keine geeigneten Therapeuten gibt?

    Das ist nämlich bei mir der Fall und ich habe schon etliche, verschiedene Therapien gemacht, inklusive Stationär, aber nichts hilft auf Dauer, gar nichts.

    Dann habe ich jahrelang selbst an mir gearbeitet, war ja eben keiner da, an den ich mich hätte wenden können, aber auch das ist mehr oder weniger vertane Zeit.

    Ich bin hochbegabter, hochsensibler, transsexueller Asperger Autist, von den eigenen Eltern nicht geliebt (konnten die nicht, sind Narzissten mit autistischen Zügen und zwar beide!!)und seelisch, wie körperlich missbraucht, in der Schule nur gemobbt (und das schon, bevor es das Wort Mobbing gab), von Nachbarskindern bedroht und verfolgt und schlussendlich von den Partnern ausgenutzt und missbraucht.

    Vor einiger Zeit habe ich festgestellt, dass ich vor 17 Jahren einen perversen Narzissten geheiratet habe, der mich ebenso missbraucht, wie es meine Eltern getan haben (die haben damit aufgehört, nachdem ich für 3 Jahre den Kontakt abgebrochen hatte).

    Ach ja, eine Schwester habe ich auch noch, die will aber von mir nichts wissen.

    Ich kann nicht mehr, schon lange nicht mehr, aber ich habe ein Kind und deswegen mache ich immer weiter.

    Kurti

  • Liebe Ursula und an alle anderen, die in ähnlichen Situationen leben,

    Du kannst nicht wirklich viel machen, denn die Hilfe benötigt Dein Partner. Wenn er dies nicht will oder vielleicht noch nicht kann, dann bist Du machtlos und ich vermute, dass Du dies bereits weißt und erlebst. Aus meiner Arbeit mit früh traumatisierten und Bindungstraumatisierten Menschen weiß ich, dass es schon äußerst schwer ist etwas zu ändern, wenn die Betroffenen selbst etwas ändern wollen und sich bei mir oder Kollegen Hilfe holen. Wenn jemand aber noch nicht so weit ist, dann sind selbst wir Profis machtlos. Als Partnerin kannst Du leider keine Hilfe sein! Das klingt hart, ist aber die Wahrheit – so lange Dein Partner es selbst nicht will. Hier ist es wichtig, dass Du gut auf Dich aufpasst und für Dich sorgst und dies Deinem Partner auch so sagst. Mehr kannst Du leider nicht tun. Ich wünschte es wäre anders.

    Allen anderen kann ich immer nur wieder Mut machen, sich einen Traumatherapeuten oder eine Traumatherapeutin zu suchen, die sich mit Frühtraumatisierungen und Bindungstraumatisierungen auskennt. Wir können zwar die Verletzungen nicht löschen, aber gemeinsam dafür sorgen, dass es besser heilt. Das ist oft schwierig und anstrengend und dauert meist auch eine Zeit, aber es lohnt sich.

    Viel Kraft und Mut.

    Herzliche Grüße.
    André Kellner

  • Ursula schrieb:

    Wer kann mir helfen, was kann ich tun?
    Ich bin seit vielen Monaten mit einem Mann zusammen, der wohl in der Kindheit von seinen Eltern misshandelt wurde. Er selbst kann sich an wenig erinnern, es kommen nur einzelne Erinnerungen zutage. Ich liebe diesen Mann sehr, jedoch geht langsam aber sicher alles kaputt – er kontrolliert mich, er ist eifersüchtig, er glaubt mir nicht. Es kann für mich so nicht mehr weitergehen. Ich habe ihm empfohlen, sich professionelle Hilfe zu holen, jedoch sieht er das wenig ein.

  • Ich liebte als Kind
    & liebe heute als Erwachsene meine Mutter, ist für mich als Ihr Kind ganz natürlich.

    Dennoch würde Sie mich lieber töten,
    deshalb meide ich meine Mutter & Familie,
    als sich bei mir zu entschuldigen.

    An meiner Geburt wollte sich mich schon nicht.

    Dafür kann ich nichts.

    Ich meide bis heute die Menschen,
    da ich überzeugte Pazifistin bin.

    Unsere Menschheit hat Gefallen
    an der Gewalt gegen andere Menschen gefunden.

    Krank – echt kranke Irre -

  • Morpheus schrieb:

    Ich empfinde seit meiner Kindheit nur sehr extreme Gefühle, mit bereits Sieben Jahren war für mich einen entscheidenden Frage im Leben sehr wichtig, entweder ER stirbt oder ich!
    Ich trage diesen Konflikt seither in mir und hoffe, dass ich mit meinen “vermeidungsstrategien” ausreichend Zeit gewinne, um nicht so zu werden, bzw so werden wie ich bin… Ich habe Angst vor dieser Wut in mir. Angst davor Menschen die ich liebe,durch zuviel Nähe zuverletzen…oder treffender verletzt zu werden. Was die Aggressionen angeht bin ich durch Sport-augenscheinlich-,ausgeglichener, entspannter etc….Dennoch bringen mich “kleine”Sachen wieder rechtschnell in ein emotionales Ungleichgewicht. Von meinem Umfeld werde ich trotzdem meist als freundlich und angenehm empfunden. Es ist schwer für mich Bindungen aufzubauen und ich habe mir in der Vergangenheit immer wieder Situationen gesucht, um das von mir erlebte zu verarbeiten. Was natürlich immer wieder dazu geführt hat, dass ich verletzt oder enttäuscht worden bin… Nicht nur privat sondern auch beruflich.
    Es fällt mir auch schwer meine eigene Leistung anzu erkennen. Aber man ” schlägt” sich halt so durch….

  • Alina schrieb:

    Hallo,

    also.. ich kann mich an meine ersten 8 Jahre nur ganz schlecht erinnern. Ich bin mit 5 Jahren nach Deutschland gekommen. Meine jungen Eltern waren mit 2 Kindern scheinbar überfordert. In Russland bzw. Osteuropa ist verbale und körperliche Gewalt an Kinder leider fast Alltag. Auch mein Bruder und ich durften es hören und vor allem spüren. Mit einem Ledergürtel oder dem Stiel einer Plastikfliegenklatsche wurden wir täglich (!) mehrmals geschlagen. Wenn es schnell gehen musste, wurde die Hand mit voller Wucht auf unseren Hinterkopf geschlagen.
    Warum das alles? Aus der heutigen Sicht würde ich sagen: Wir durften einfach nicht Kinder sein. :(
    Unseren Eltern hat einfach alles an uns gestört. Für jeden kleinen Pups haben wir Schläge bekommen. Manchmal haben sie auch einfach nur ihre schlechte Laune an uns ausgelassen.
    Wir durften nie unsere Meinung sagen und wurden schon gar nicht danach gefragt. Durch die Schläge haben wir beide aus Frust viel gegessen und ordentlich in der Pubertät zugenommen. Das führte zu mehr verbalen Erniedrigungen. “Hör auf so viel zu fressen, fettes Schwein, du bist so hässlich..etc”
    Das Wort Liebe ist für uns beide fremd gewesen. Wir wurden nie getröstet, nie umarmt, nie gelobt oder nie ein “Ich hab dich lieb” bekommen. Wir waren schon sehr früh für unser Alter selbstständig geworden. Waren nach der Schule lange alleine bis gegen 20 Uhr irgendwann beide Elternteile von der Arbeit kamen. Natürlich wieder k.o. von der Arbeit und wir wollten von ihnen etwas liebe da sie ja den ganzen tag nicht da waren.. war natürlich auch nicht drin…

    Irgendwann mit 15/16 Jahren hat die körperliche Gewalt aufgehört und dann war nur noch die verbale Gewalt präsent wie z.b “du bist so dumm. Selber Schuld, dass du auf der Hauptschule bist.” bla bla…
    Egal was war.. immer dieses “Tja geschieht dir recht. Selber schuld!” ich konnte es irgendwann nicht mehr hören..

    Habe meine Eltern mit 18 mal gefragt, warum sie das getan haben und die meinten nur “weil ihr so schlimme Kinder wart. Euch hat’s ja nicht geschadet. Ihr hattet es verdient”. Danach wurde das Thema nie wieder aufgegriffen und meine Eltern tuen so, als ob das NIE passiert ist. Sie sind generell sehr Gefühlskalt.
    Ich werde das alles niemals vergessen. Auch heute mit 27 denke ich noch oft daran. Vor allem begegnet mir das Thema im Studium sehr oft und um so schmerzhafter ist es für mich zu erfahren wie schlimm meine Eltern zu mir waren. Als ich ausgezogen bin habe ich mich erst so richtig anderen öffnen können und meine ganzen Abschlüsse erfolgreich gemacht.

    Ps. zu meinem Bruder habe ich seit dem 14 Lebensjahr auch ein sehr “gestörtes/kaltes” Verhältnis :’( er interessiert sich nicht für mich und redet nicht mit mir… nur ein Hallo wenn überhaupt…
    trotz vieler Bemühungen meinerseits… ich weiß auch nicht wie er die Kindheit empfunden hat und ob er heute darunter leidet…

  • Ebru schrieb:

    Ja, ich wurde auch geschlagen:( so arg sogar, dass mich das mit 24 immer noch verfolgt… Keinerlei Liebe zu spüren bekommen.. Ich hasse ihn ich hasse ihn überalles. Warum darf ein mensch einem so was antun?! Wieso darf er mein Leben so beeinflussen, dass mir das Leben keinen Spaß mehr macht…!?

  • Kurti schrieb:

    Hallo Sandra,

    als Autist ist das nicht so einfach mit Freunde finden, aber ich arbeite daran.

    Mit Wünschen habe ich aber gute Erfahrungen, man muss nur wissen, wie man sich was wünschen muss, dann klappts auch. ;-)

    Aber ich kann hier nicht weg und nur lernen, damit umzugehen, damit es beim “nächsten” wirklich mal anders wird.

    Ich habe auch viel gelernt, muss ich gestehen und wenn ich mal nicht alles so schwarz sehe, kann ich auch glauben, dass nur die Besten die schwersten Aufgaben bekommen. ;-)

    Und Merle,

    such dir ganz schnell Hilfe, Jugendamt oder Hausarzt oder so was. Es gibt Wohngruppen für unter 18jährige!

    Kurti

Hinterlasse eine Antwort

Meine Leser und ich freuen uns über einen Kommentar von Ihnen.
Ihre E-Mail-Adresse wird niemals weitergegeben. Erforderliche Felder sind mit einem * markiert.

Newsletter abonnieren