Bei Schlägen geht es nicht um Erziehung, sondern um Macht und Ohnmacht.

Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

279 Flares Filament.io 279 Flares ×

Eikind angst xs fotolia 1445122 xs Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?n ernstes Thema, das ich auch unter dem Eindruck des Intensivseminars, das ich letzte Woche leitete, schreibe. Trotz etlicher Erfahrungen mit Menschen zu diesem Thema, bin ich doch immer wieder auf's Neue betroffen, wenn ich miterlebe, wie körperliche Strafen, die jemand vor zwanzig, dreißig Jahren oder länger erlitten hat, sich auf das spätere Leben auswirken können.

 

Ich muss schon sehr genau hinhören und hinspüren, um mitzukriegen, dass jemand körperliche Gewalt in seiner Kindheit andeutet. Denn das Thema ist immer noch tabuisiert und vor allem auch schambesetzt. Doch wenn jemand beim Schildern seiner Biographie erwähnt, dass "es zu Hause streng zuging" oder der Vater "ziemlich autoritär war" oder "die Mutter keinen Widerspruch duldete", werde ich meist hellhörig und frage nach, was der Betreffende damit meint.

Zur Sprache kommen dann zuweilen Schilderungen von heftigen Ohrfeigen und Prügeln mit Zaunlatten, Gürteln, Lederpeitschen, Baumzweigen, Kohleschaufeln, Teppichklopfern, Rohrstöcken oder bloßen Händen usw. Der Zeitpunkt ist oft unvorhersehbar. Wenn der "Elternteil schlecht drauf war", wenn "man nicht schnell genug weg war" oder regelmäßig am Samstagabend als gefürchtetes Wochenendritual.

Ich frage auch immer nach, bis zu welchem Lebensalter geschlagen wurde und wie es aufhörte. Dabei erfahre ich, dass es meist in der Pubertät aufhört, bei manchen aber auch erst mit achtzehn, neunzehn Jahren, als sie sich entschlossen, auszuziehen. Manchmal hört der Elternteil von selbst auf, zuweilen auch nur durch die handfeste Drohung des Jugendlichen. Meist werden Jungen, speziell die ältesten, am meisten geschlagen, aber auch viele Mädchen.

Wie gehen Erwachsene mit der Erinnerung an Schläge in ihrer Kindheit um?

Eine häufige Form ist die Bagatellisierung.
Zumeist erkennbar an der Schlussfolgerung "Das hat mir aber nicht geschadet!"
Ich verstehe diesen Satz immer als den Versuch, den Konflikt zu lösen zwischen dem guten Bild, das man von den Eltern hat und den Szenen, wo man geschlagen wurde.

Häufig ist auch die Verdrängung.
Immer wieder berichten mir Menschen, dass sie an die ersten acht oder zehn Jahre ihrer Kindheit keinerlei Erinnerung haben. Kein Bild, kein Gefühl, nichts. Erst im Rahmen der gemeinsamen Arbeit kommt manchmal ein Stück schmerzlicher Erinnerung wieder zurück.

Welche Folgen haben Schläge in der Kindheit auf einen Erwachsenen?

Die Folgen sind mannigfach. Ich will hier nur einige der Konsequenzen und Entscheidungen nennen, die mir bei meiner Arbeit mit Menschen begegnet sind.

  • Angst und Vertrauensverlust in Beziehungen.
    Als Kind geschlagen zu werden, ist immer eine Situation, wo das Kind unbewusst Entscheidungen trifft. Wo es auf schmerzhafte Weise lernt, wie es in Beziehungen zugeht. Dass es um Macht geht. Dass man dem anderen, dem man vertraut hat, nicht trauen kann. Dass gleich wieder etwas passieren kann. Mögliche Folgen sind auch Gefühle des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit, des Verlassenseins, das man als Erwachsener immer wieder erlebt.
  • Beschränkte Konfliktlösungsmöglichkeiten.
    Wer geschlagen wird, fühlt sich hilflos und gedemütigt. Um damit in Zukunft umzugehen, gibt es nur wenige Strategien. Die eine ist, sich zu unterwerfen - und den vermeintlich Stärkeren heimlich zu verachten. Die andere ist, sich zu schwören, dass einem so etwas "später im Leben" nie wieder passieren wird. Und zwar indem man selbst stark wird.
  • Probleme in der Identitätsentwicklung.
    In Seminaren treffe ich hin und wieder auf ganz sanfte Männer, die  verständnis- und rücksichtsvoll sind, nie laut werden. Einerseits angenehme Personen, aber auch ein großes Stück aggressionsgehemmt. Oft fühlen diese Menschen selbst, dass ihnen eine größere Portion Männlichkeit fehlt.
    Wenn man dann in der Biographie forscht, was der Grund dafür sein könnte, graben wir zuweilen gemeinsam heftige Prügelerfahrungen aus. Frage ich, wie das "Nicht-Mann-Sein" und diese Erinnerungen zusammenhängen, hört man manchmal den einleuchtenden Satz: "Nur Männer schlagen!" Oder: "Ich wollte nie so werden wie mein Vater!"
  • Selbstwertprobleme.
    Wer geschlagen wird, erlebt, dass dem anderen seine Gefühle, Überzeugungen oder Regeln wichtiger sind als die eigene Person. Als Kind kann man noch schlecht unterscheiden zwischen sich und dem anderen. Kann zum Beispiel schwer erkennen, dass Eltern zuweilen überfordert sind (was kein Freispruch für Schlagen ist).
    Meist sucht das Kind dann nach einem Grund für die Züchtigung. Vor allem, wenn der schlagende Elternteil sich nicht entschuldigt und die Verantwortung für sein Ausrasten dem Kind zuschiebt, sucht man als Kind die Schuld bei sich selbst. Weil man zu frech war oder Widerworte gab. Weil man schlecht in der Schule ist. Weil man überhaupt auf der Welt ist.

    frau verbirgt gesicht sall photocase45sqbpyjwjad Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

    Wer geschlagen wird, lernt frühe Lektionen über seinen Wert.

  • Abgrenzungsprobleme.
    Wer als Kind geschlagen wird, erlebt eine massive Grenzverletzung. Und hat in der Folge oft Probleme, sich als Erwachsener angemessen abzugrenzen. Also Nein zu sagen, es anderen nicht immer recht zu machen, auch mal andere zu enttäuschen etc. Auch eigene Grenzen zu spüren, zu respektieren und flexibel damit umzugehen, kann schwierig sein.
  • Probleme mit eigenen Kindern.
    Wer Gewalt als Mittel der Erziehung erlebt hat, spürt manchmal die Tendenz, sich auch so zu verhalten. Diese Gefahr ist umso größer, je weniger man sich mit dem eigenen Geschlagenwerden und den dabei erlebten Gefühlen auseinandergesetzt hat. Manche streichen ihren Wunsch nach eigenen Kindern auch ganz, aus Angst, sich in schwierigen Situationen nicht im Griff zu haben und ebenso zum Schläger zu werden.
  • Unkontrollierbare Aggressivität.
    Als geschlagenes Kind erlebt man enorme Wut und Zorn, doch müssen diese heftigen Affekte unterdrückt und verdrängt werden. Doch unterdrückte Gefühle verschwinden nicht. Oft bahnen sie sich einen Weg in zerstörerischen Aktionen gegen andere (Kriminalität) oder gegen sich selbst (Autoaggression, Suizid, Drogenmissbrauch).

Was kann man tun?

Darauf gibt es keine schnelle Antwort. Aber allgemein kann ich sagen, dass das Bewusstmachen des Erlebten - im Gegensatz zum Verdrängen oder Bagatellisieren - ein erster wichtiger Schritt ist. Schon allein damit kommt man ein Stück aus der "Kindheits-Trance" heraus, da man den eigenen erlebten Schmerz zum ersten Mal wichtiger nimmt als das Motiv der Eltern oder die heilige Fassade des "Was sollen denn die anderen Leute denken?"

schlagerei small photocase4wrvfvpz44fd1 Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

Wenn man früh Opfer von Schlägen ist, trifft man Entscheidungen für das ganze Leben.

In weiteren Schritten kann man sich mit den schmerzlichen Erlebnissen auseinandersetzen. In einzelnen Fällen ist es möglich, mit den realen Eltern ein klärendes Gespräch zu führen.

Auch Eltern lernen manchmal dazu und können spät im Leben etwas bereuen oder falsch finden, das sie jahrzehntelang eisern verteidigten. Aber oft trifft man auch auf erneutes Unverständnis und eine Wand der Ignoranz ("Das bildest Du Dir doch alles ein!")

Manchmal ist auch professionelle Hilfe nützlich,um in dem inneren Gespinst von Erinnerungen, Verdrängungsimpulsen und Verwirrung einen gangbaren Weg für sich zu finden. Letztlich aktiv zu werden im Sinne eines "Gut-für-Sich-Sorgens" ist auf jeden Fall besser als weiter im Leben in der Opferposition des geschlagenen Kindes zu verharren.

Es gibt weiteren Blogartikel von mir zum Thema hier ...

podcastman Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein? Diesen Beitrag können Sie sich hier als Podcast anhören:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

article 32 Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein? Was sind Ihre Erfahrungen und Meinungen zu diesem Thema?

PS: Wenn Ihnen dieser Beitrag gefiel, dann sagen Sie es doch bitte weiter: auf Facebook, Twitter oder per Email.
… oder schreiben Sie einen Kommentar.
… oder abonnieren Sie neue Beiträge per Email oder RSS.

Foto: © - photocase.com:
jeecis, rotwild und ana.knipsolina

 Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?



515 Kommentare

  • TheStrange schrieb:

    Hallo Scientist.

    Ich habe eine ähnliche Situation. Sogar HB+ADHS, nur inzwischen seit zwei Jahren auch auf dem Papier. Bei mir uferte das “sich beweisen” so sehr aus, dass mein Körper das beendet hat und nicht einmal 5 Monate stationärer Klinikaufenthalt geholfen haben.

    Ich bin ebenfalls im Kampf mit meiner dunklen Seite. Ich übe verbale Gewalt gegen meine Partnerin aus, wenn ich verzweifelt bin. Habe allerlei Probleme und suche ebenfalls einen Weg der Mensch zu sein, der ich mal war. Ruhig, lieb, verständnisvoll und gewaltfrei(auch rumschreien ist Gewalt).

    Ich weiß auch keinen Ausweg. Eventuell kann man sich ja mal kurzschließen.

  • Scientist schrieb:

    Hallo Leute,

    ich denke ich habe auch so meine eigene Geschichte in Sachen Gewalt in der Kindheit. Allerdings eher auf psychischer Ebene, denn körperlicher und relativ stark mit dem Thema Schule, Leistung und Hochbegabung assoziert. Aber deswegen schreibe ich nicht. Aber deswegen schreibe ich nicht.

    Eines vorne Weg, ich habe keine Kinder und habe bis jetzt auch noch keinem Leid zugefügt.

    Ich habe aber dennoch ein Problem in dieser Angelegenheit. Aus irgendeinem Grund sympatisiere ich von Zeit zu Zeit mit autoritären Erziehungssystemen (körperliche Züchtigung inbegriffen), also genau dem, was mir selbst wiederfahren ist und was zu recht von so vielen abgelehnt wird.
    Was ist mit mir los? Und vor allem, wie werde ich das wieder los?

    Ich wollte schließlich auch mal Kinder haben aber ihnen nicht das Leben zur Hölle machen.

    Ich sollte vielleicht noch hinzufügen, dass ich möglicherweise unter ADHS leide und ein ziemlich hohes Aggressionspotential mit mir herum schleppe, was ich aber mittlerweile ganz gut im Griff hab.

    MfG

    Scientist

  • Kurti schrieb:

    Hallo Herr Kellner,

    Danke für Ihre Infos.

    Ich habe mich mal wieder selbst aus dem Schlamm befreit, der mich von Zeit zu Zeit umgibt.

    Was mir persönlich helfen würde, wäre ein Therapeut, dem ich ab und zu mal eine Email schreiben könnte, wenn ich mal wieder in einer Sackgasse feststecke und nicht weiter komme und mich der Schlamm zu ersticken droht und der mir dann hier und da einen Tipp gibt.

    Das würde mir völlig reichen, aber dafür muss ich keine ganze Trauma Therapie machen.

    Kurti

  • David Engmann schrieb:

    Ich bin als Kind auch sehr oft geschlagen worden und fühlte mich nutzlos,leider bekommt das mein Kind heute auch sehr oft zu spüren, man kann das nur mit professioneller Hilfe unter Kontrolle bekommen,macht diesen Schritt.
    David aus Hellersdorf

  • In den meisten Rückmeldungen, die man erhält, ist ja meist ein Körnchen Wahrheit dran.
    Und wenn Sie hören, dass Sie kein richtiger Mann seien, meinen die Frauen vermutlich, dass Sie zu rücksichtsvoll, zu verständig sind und zu viel für die Frauen tun, um es ihnen recht zu machen.
    Ihre Suche nach Anerkennung spielt dabei sicher eine entscheidende Rolle.
    Vielleicht sollten Sie mal in einer guten Therapie dieses Muster anschauen.

  • Schurke schrieb:

    Ich bin fast 40 Akademiker, war erfolgreich im job, bis ich die Arbeitswelt nicht mehr aushielt und mich selbständig machte. Hatte eine lange Beziehung wo meine Ex dann das Weite suchte und mir sagte du bist kein Mann obwohl ich alles für sie tat und mehr als es nötig wäre. Nun bin ich seit 12 Jahren verheiratet alles war gut, bis meine Frau anfing sich quer zu stellen und auf stur schaltete. Auch für sie habe ich alles getan, gekauft und nie Probleme nach Hause gebracht, weder zuviel gesoffen oder Drogen missbraucht. Wir sind Männer und merken wenn eine Frau sich anderen öffnet für mich war das Hölle, sie schreibt ständig und versteckt Handy und Passwort noch drauf…nun sagt schon die 2. Frau ich wäre kein richtiger Mann. Eigentlich muss ich mich auf die Firma konzentrieren der kurz vor scheitern steht aber seit 2 Jahren Schleppe ich das Problem mit mir, Depression an Tagesordnung und habe nach der Ursache gesucht und mich “liebevoller mensch der nicht nein sagen kann” in diesem Artikel wiedergefunden. Geschlagen wurde ich von Mutter Bruder Lehrer (Ausland) und Demütigung als Ausländer in Deutschland (auch wenn es paar Zwischenfälle waren) und weiß nicht was noch… Lange nach Anerkennung gekämpft. Leider kam die ersehnte Anerkennung weder im Job noch von der Familie, Freunde oder Frau. Jetzt holt mich das Schnee von gestern ein und ich heule grundlos wenn ich allein bin.

    Ich frage mich ob ich überhaupt eine Beziehung führen kann, wenn ich mit viel Geduld, Ausdauer und unendliche Hingabe, absolute Korrektheit und Fairness kein geeigneter Partner oder Mann bin dann weiß ich auch nicht weiter, jedenfalls will ich nicht nochmal hören ich wäre kein Mann nur weil ich zu meinen Mitmenschen nett bin und nicht nein sagen kann, ich habe das Gefühl damit jemanden zu verletzten und es erfüllt mich einfach zu helfen im Gegenzug will ich nichts. Natürlich sind auch Ausnutzer dabei aber die zeigen ihr gesich sehr schnell. Das scheint eben das Problem zu sein. Geliebt dafür nett zu sein und gehasst ebenfalls.

  • Lieber Kurti,

    einen geeigneten Therapeuten zu finden, der vor allem auch noch eine entsprechende Spezialausbildung hat und bei dem auch die Chemie stimmt, ist in der Tat manchmal sehr schwer. Mir ist klar, dass wir hier in vielen Gebieten einen enormen Notstand haben. Manche Klienten müssen richtig weit fahren und manche finden tatsächlich niemanden. Das ist schlimm und ich wünschte ich hätte hier eine Lösung. Oft braucht man auch viele Anläufe und mehrere Klinikaufenthalte, um kleines bisschen besser zurecht zu kommen. Falls Sie in einem Gebiet mit schlechter therapeutischer Versorgungslage leben, können Sie allerdings auch im Rahmen des Kostenerstattungsverfahrens nach §13 SGB geltend machen. Es gibt nämlich sehr erfahrene Traumtherapeutinnen, die z.B. über das Heilpraktikergesetz arbeiten. Seit Einführung des Psychotherapeutengesetzes können gesetzliche Krankenkassen eine Therapie bei Heilpraktikern für Psychotherapie unter bestimmten Voraussetzungen als außervertragliche Behandlung übernehmen. Grundlage hierfür ist das Sozialgesetzbuch (SGB V § 13 Abs. 3).

    Im SGB V § 13 Abs. 3 heißt es:
    „Konnte die Krankenkasse eine unaufschiebbare Leistung nicht rechtzeitig erbringen oder hat sie eine Leistung zu Unrecht abgelehnt und sind dadurch Versicherten für die selbst beschaffte Leistung Kosten entstanden, sind diese von der Krankenkasse in der entstandenen Höhe zu erstatten, soweit die Leistung notwendig war.“

    Diese spezifischen Therapeuten lassen sich zum einen über http://initiativetraumanetzwerk.com/ finden. Zum anderen kann man direkt mal bei Michaela Huber anfragen, die eine Vernetzungsliste im Traumabereich hat.

    Von Herzen alles Gute, viel Mut und viel Kraft.

    André Kellner

  • Kurti schrieb:

    Sehr geehrter Herr Kellner,

    und was ist, wenn es in der Umgebung keine geeigneten Therapeuten gibt?

    Das ist nämlich bei mir der Fall und ich habe schon etliche, verschiedene Therapien gemacht, inklusive Stationär, aber nichts hilft auf Dauer, gar nichts.

    Dann habe ich jahrelang selbst an mir gearbeitet, war ja eben keiner da, an den ich mich hätte wenden können, aber auch das ist mehr oder weniger vertane Zeit.

    Ich bin hochbegabter, hochsensibler, transsexueller Asperger Autist, von den eigenen Eltern nicht geliebt (konnten die nicht, sind Narzissten mit autistischen Zügen und zwar beide!!)und seelisch, wie körperlich missbraucht, in der Schule nur gemobbt (und das schon, bevor es das Wort Mobbing gab), von Nachbarskindern bedroht und verfolgt und schlussendlich von den Partnern ausgenutzt und missbraucht.

    Vor einiger Zeit habe ich festgestellt, dass ich vor 17 Jahren einen perversen Narzissten geheiratet habe, der mich ebenso missbraucht, wie es meine Eltern getan haben (die haben damit aufgehört, nachdem ich für 3 Jahre den Kontakt abgebrochen hatte).

    Ach ja, eine Schwester habe ich auch noch, die will aber von mir nichts wissen.

    Ich kann nicht mehr, schon lange nicht mehr, aber ich habe ein Kind und deswegen mache ich immer weiter.

    Kurti

  • Liebe Ursula und an alle anderen, die in ähnlichen Situationen leben,

    Du kannst nicht wirklich viel machen, denn die Hilfe benötigt Dein Partner. Wenn er dies nicht will oder vielleicht noch nicht kann, dann bist Du machtlos und ich vermute, dass Du dies bereits weißt und erlebst. Aus meiner Arbeit mit früh traumatisierten und Bindungstraumatisierten Menschen weiß ich, dass es schon äußerst schwer ist etwas zu ändern, wenn die Betroffenen selbst etwas ändern wollen und sich bei mir oder Kollegen Hilfe holen. Wenn jemand aber noch nicht so weit ist, dann sind selbst wir Profis machtlos. Als Partnerin kannst Du leider keine Hilfe sein! Das klingt hart, ist aber die Wahrheit – so lange Dein Partner es selbst nicht will. Hier ist es wichtig, dass Du gut auf Dich aufpasst und für Dich sorgst und dies Deinem Partner auch so sagst. Mehr kannst Du leider nicht tun. Ich wünschte es wäre anders.

    Allen anderen kann ich immer nur wieder Mut machen, sich einen Traumatherapeuten oder eine Traumatherapeutin zu suchen, die sich mit Frühtraumatisierungen und Bindungstraumatisierungen auskennt. Wir können zwar die Verletzungen nicht löschen, aber gemeinsam dafür sorgen, dass es besser heilt. Das ist oft schwierig und anstrengend und dauert meist auch eine Zeit, aber es lohnt sich.

    Viel Kraft und Mut.

    Herzliche Grüße.
    André Kellner

  • Ursula schrieb:

    Wer kann mir helfen, was kann ich tun?
    Ich bin seit vielen Monaten mit einem Mann zusammen, der wohl in der Kindheit von seinen Eltern misshandelt wurde. Er selbst kann sich an wenig erinnern, es kommen nur einzelne Erinnerungen zutage. Ich liebe diesen Mann sehr, jedoch geht langsam aber sicher alles kaputt – er kontrolliert mich, er ist eifersüchtig, er glaubt mir nicht. Es kann für mich so nicht mehr weitergehen. Ich habe ihm empfohlen, sich professionelle Hilfe zu holen, jedoch sieht er das wenig ein.

  • Ich liebte als Kind
    & liebe heute als Erwachsene meine Mutter, ist für mich als Ihr Kind ganz natürlich.

    Dennoch würde Sie mich lieber töten,
    deshalb meide ich meine Mutter & Familie,
    als sich bei mir zu entschuldigen.

    An meiner Geburt wollte sich mich schon nicht.

    Dafür kann ich nichts.

    Ich meide bis heute die Menschen,
    da ich überzeugte Pazifistin bin.

    Unsere Menschheit hat Gefallen
    an der Gewalt gegen andere Menschen gefunden.

    Krank – echt kranke Irre -

  • Morpheus schrieb:

    Ich empfinde seit meiner Kindheit nur sehr extreme Gefühle, mit bereits Sieben Jahren war für mich einen entscheidenden Frage im Leben sehr wichtig, entweder ER stirbt oder ich!
    Ich trage diesen Konflikt seither in mir und hoffe, dass ich mit meinen “vermeidungsstrategien” ausreichend Zeit gewinne, um nicht so zu werden, bzw so werden wie ich bin… Ich habe Angst vor dieser Wut in mir. Angst davor Menschen die ich liebe,durch zuviel Nähe zuverletzen…oder treffender verletzt zu werden. Was die Aggressionen angeht bin ich durch Sport-augenscheinlich-,ausgeglichener, entspannter etc….Dennoch bringen mich “kleine”Sachen wieder rechtschnell in ein emotionales Ungleichgewicht. Von meinem Umfeld werde ich trotzdem meist als freundlich und angenehm empfunden. Es ist schwer für mich Bindungen aufzubauen und ich habe mir in der Vergangenheit immer wieder Situationen gesucht, um das von mir erlebte zu verarbeiten. Was natürlich immer wieder dazu geführt hat, dass ich verletzt oder enttäuscht worden bin… Nicht nur privat sondern auch beruflich.
    Es fällt mir auch schwer meine eigene Leistung anzu erkennen. Aber man ” schlägt” sich halt so durch….

  • Alina schrieb:

    Hallo,

    also.. ich kann mich an meine ersten 8 Jahre nur ganz schlecht erinnern. Ich bin mit 5 Jahren nach Deutschland gekommen. Meine jungen Eltern waren mit 2 Kindern scheinbar überfordert. In Russland bzw. Osteuropa ist verbale und körperliche Gewalt an Kinder leider fast Alltag. Auch mein Bruder und ich durften es hören und vor allem spüren. Mit einem Ledergürtel oder dem Stiel einer Plastikfliegenklatsche wurden wir täglich (!) mehrmals geschlagen. Wenn es schnell gehen musste, wurde die Hand mit voller Wucht auf unseren Hinterkopf geschlagen.
    Warum das alles? Aus der heutigen Sicht würde ich sagen: Wir durften einfach nicht Kinder sein. :(
    Unseren Eltern hat einfach alles an uns gestört. Für jeden kleinen Pups haben wir Schläge bekommen. Manchmal haben sie auch einfach nur ihre schlechte Laune an uns ausgelassen.
    Wir durften nie unsere Meinung sagen und wurden schon gar nicht danach gefragt. Durch die Schläge haben wir beide aus Frust viel gegessen und ordentlich in der Pubertät zugenommen. Das führte zu mehr verbalen Erniedrigungen. “Hör auf so viel zu fressen, fettes Schwein, du bist so hässlich..etc”
    Das Wort Liebe ist für uns beide fremd gewesen. Wir wurden nie getröstet, nie umarmt, nie gelobt oder nie ein “Ich hab dich lieb” bekommen. Wir waren schon sehr früh für unser Alter selbstständig geworden. Waren nach der Schule lange alleine bis gegen 20 Uhr irgendwann beide Elternteile von der Arbeit kamen. Natürlich wieder k.o. von der Arbeit und wir wollten von ihnen etwas liebe da sie ja den ganzen tag nicht da waren.. war natürlich auch nicht drin…

    Irgendwann mit 15/16 Jahren hat die körperliche Gewalt aufgehört und dann war nur noch die verbale Gewalt präsent wie z.b “du bist so dumm. Selber Schuld, dass du auf der Hauptschule bist.” bla bla…
    Egal was war.. immer dieses “Tja geschieht dir recht. Selber schuld!” ich konnte es irgendwann nicht mehr hören..

    Habe meine Eltern mit 18 mal gefragt, warum sie das getan haben und die meinten nur “weil ihr so schlimme Kinder wart. Euch hat’s ja nicht geschadet. Ihr hattet es verdient”. Danach wurde das Thema nie wieder aufgegriffen und meine Eltern tuen so, als ob das NIE passiert ist. Sie sind generell sehr Gefühlskalt.
    Ich werde das alles niemals vergessen. Auch heute mit 27 denke ich noch oft daran. Vor allem begegnet mir das Thema im Studium sehr oft und um so schmerzhafter ist es für mich zu erfahren wie schlimm meine Eltern zu mir waren. Als ich ausgezogen bin habe ich mich erst so richtig anderen öffnen können und meine ganzen Abschlüsse erfolgreich gemacht.

    Ps. zu meinem Bruder habe ich seit dem 14 Lebensjahr auch ein sehr “gestörtes/kaltes” Verhältnis :’( er interessiert sich nicht für mich und redet nicht mit mir… nur ein Hallo wenn überhaupt…
    trotz vieler Bemühungen meinerseits… ich weiß auch nicht wie er die Kindheit empfunden hat und ob er heute darunter leidet…

  • Ebru schrieb:

    Ja, ich wurde auch geschlagen:( so arg sogar, dass mich das mit 24 immer noch verfolgt… Keinerlei Liebe zu spüren bekommen.. Ich hasse ihn ich hasse ihn überalles. Warum darf ein mensch einem so was antun?! Wieso darf er mein Leben so beeinflussen, dass mir das Leben keinen Spaß mehr macht…!?

  • Kurti schrieb:

    Hallo Sandra,

    als Autist ist das nicht so einfach mit Freunde finden, aber ich arbeite daran.

    Mit Wünschen habe ich aber gute Erfahrungen, man muss nur wissen, wie man sich was wünschen muss, dann klappts auch. ;-)

    Aber ich kann hier nicht weg und nur lernen, damit umzugehen, damit es beim “nächsten” wirklich mal anders wird.

    Ich habe auch viel gelernt, muss ich gestehen und wenn ich mal nicht alles so schwarz sehe, kann ich auch glauben, dass nur die Besten die schwersten Aufgaben bekommen. ;-)

    Und Merle,

    such dir ganz schnell Hilfe, Jugendamt oder Hausarzt oder so was. Es gibt Wohngruppen für unter 18jährige!

    Kurti

Hinterlasse eine Antwort

Meine Leser und ich freuen uns über einen Kommentar von Ihnen.
Ihre E-Mail-Adresse wird niemals weitergegeben. Erforderliche Felder sind mit einem * markiert.

Newsletter abonnieren