Bei Schlägen geht es nicht um Erziehung, sondern um Macht und Ohnmacht.

Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

Eikind angst xs fotolia 1445122 xs Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?n ernstes Thema, das ich auch unter dem Eindruck des Intensivseminars, das ich letzte Woche leitete, schreibe. Trotz etlicher Erfahrungen mit Menschen zu diesem Thema, bin ich doch immer wieder auf’s Neue betroffen, wenn ich miterlebe, wie körperliche Strafen, die jemand vor zwanzig, dreißig Jahren oder länger erlitten hat, sich auf das spätere Leben auswirken können.

 

Ich muss schon sehr genau hinhören und hinspüren, um mitzukriegen, dass jemand körperliche Gewalt in seiner Kindheit andeutet. Denn das Thema ist immer noch tabuisiert und vor allem auch schambesetzt. Doch wenn jemand beim Schildern seiner Biographie erwähnt, dass “es zu Hause streng zuging” oder der Vater “ziemlich autoritär war” oder “die Mutter keinen Widerspruch duldete”, werde ich meist hellhörig und frage nach, was der Betreffende damit meint.

Zur Sprache kommen dann zuweilen Schilderungen von heftigen Ohrfeigen und Prügeln mit Zaunlatten, Gürteln, Lederpeitschen, Baumzweigen, Kohleschaufeln, Teppichklopfern, Rohrstöcken oder bloßen Händen usw. Der Zeitpunkt ist oft unvorhersehbar. Wenn der “Elternteil schlecht drauf war”, wenn “man nicht schnell genug weg war” oder regelmäßig am Samstagabend als gefürchtetes Wochenendritual.

Ich frage auch immer nach, bis zu welchem Lebensalter geschlagen wurde und wie es aufhörte. Dabei erfahre ich, dass es meist in der Pubertät aufhört, bei manchen aber auch erst mit achtzehn, neunzehn Jahren, als sie sich entschlossen, auszuziehen. Manchmal hört der Elternteil von selbst auf, zuweilen auch nur durch die handfeste Drohung des Jugendlichen. Meist werden Jungen, speziell die ältesten, am meisten geschlagen, aber auch viele Mädchen.

Wie gehen Erwachsene mit der Erinnerung an Schläge in ihrer Kindheit um?

Eine häufige Form ist die Bagatellisierung.
Zumeist erkennbar an der Schlussfolgerung “Das hat mir aber nicht geschadet!”
Ich verstehe diesen Satz immer als den Versuch, den Konflikt zu lösen zwischen dem guten Bild, das man von den Eltern hat und den Szenen, wo man geschlagen wurde.

Häufig ist auch die Verdrängung.
Immer wieder berichten mir Menschen, dass sie an die ersten acht oder zehn Jahre ihrer Kindheit keinerlei Erinnerung haben. Kein Bild, kein Gefühl, nichts. Erst im Rahmen der gemeinsamen Arbeit kommt manchmal ein Stück schmerzlicher Erinnerung wieder zurück.

Welche Folgen haben Schläge in der Kindheit auf einen Erwachsenen?

Die Folgen sind mannigfach. Ich will hier nur einige der Konsequenzen und Entscheidungen nennen, die mir bei meiner Arbeit mit Menschen begegnet sind.

  • Angst und Vertrauensverlust in Beziehungen.
    Als Kind geschlagen zu werden, ist immer eine Situation, wo das Kind unbewusst Entscheidungen trifft. Wo es auf schmerzhafte Weise lernt, wie es in Beziehungen zugeht. Dass es um Macht geht. Dass man dem anderen, dem man vertraut hat, nicht trauen kann. Dass gleich wieder etwas passieren kann. Mögliche Folgen sind auch Gefühle des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit, des Verlassenseins, das man als Erwachsener immer wieder erlebt.
  • Beschränkte Konfliktlösungsmöglichkeiten.
    Wer geschlagen wird, fühlt sich hilflos und gedemütigt. Um damit in Zukunft umzugehen, gibt es nur wenige Strategien. Die eine ist, sich zu unterwerfen – und den vermeintlich Stärkeren heimlich zu verachten. Die andere ist, sich zu schwören, dass einem so etwas “später im Leben” nie wieder passieren wird. Und zwar indem man selbst stark wird.
  • Probleme in der Identitätsentwicklung.
    In Seminaren treffe ich hin und wieder auf ganz sanfte Männer, die  verständnis- und rücksichtsvoll sind, nie laut werden. Einerseits angenehme Personen, aber auch ein großes Stück aggressionsgehemmt. Oft fühlen diese Menschen selbst, dass ihnen eine größere Portion Männlichkeit fehlt.
    Wenn man dann in der Biographie forscht, was der Grund dafür sein könnte, graben wir zuweilen gemeinsam heftige Prügelerfahrungen aus. Frage ich, wie das “Nicht-Mann-Sein” und diese Erinnerungen zusammenhängen, hört man manchmal den einleuchtenden Satz: “Nur Männer schlagen!” Oder: “Ich wollte nie so werden wie mein Vater!”
  • Selbstwertprobleme.
    Wer geschlagen wird, erlebt, dass dem anderen seine Gefühle, Überzeugungen oder Regeln wichtiger sind als die eigene Person. Als Kind kann man noch schlecht unterscheiden zwischen sich und dem anderen. Kann zum Beispiel schwer erkennen, dass Eltern zuweilen überfordert sind (was kein Freispruch für Schlagen ist).
    Meist sucht das Kind dann nach einem Grund für die Züchtigung. Vor allem, wenn der schlagende Elternteil sich nicht entschuldigt und die Verantwortung für sein Ausrasten dem Kind zuschiebt, sucht man als Kind die Schuld bei sich selbst. Weil man zu frech war oder Widerworte gab. Weil man schlecht in der Schule ist. Weil man überhaupt auf der Welt ist.

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    Wer geschlagen wird, lernt frühe Lektionen über seinen Wert.

  • Abgrenzungsprobleme.
    Wer als Kind geschlagen wird, erlebt eine massive Grenzverletzung. Und hat in der Folge oft Probleme, sich als Erwachsener angemessen abzugrenzen. Also Nein zu sagen, es anderen nicht immer recht zu machen, auch mal andere zu enttäuschen etc. Auch eigene Grenzen zu spüren, zu respektieren und flexibel damit umzugehen, kann schwierig sein.
  • Probleme mit eigenen Kindern.
    Wer Gewalt als Mittel der Erziehung erlebt hat, spürt manchmal die Tendenz, sich auch so zu verhalten. Diese Gefahr ist umso größer, je weniger man sich mit dem eigenen Geschlagenwerden und den dabei erlebten Gefühlen auseinandergesetzt hat. Manche streichen ihren Wunsch nach eigenen Kindern auch ganz, aus Angst, sich in schwierigen Situationen nicht im Griff zu haben und ebenso zum Schläger zu werden.
  • Unkontrollierbare Aggressivität.
    Als geschlagenes Kind erlebt man enorme Wut und Zorn, doch müssen diese heftigen Affekte unterdrückt und verdrängt werden. Doch unterdrückte Gefühle verschwinden nicht. Oft bahnen sie sich einen Weg in zerstörerischen Aktionen gegen andere (Kriminalität) oder gegen sich selbst (Autoaggression, Suizid, Drogenmissbrauch).

Was kann man tun?

Darauf gibt es keine schnelle Antwort. Aber allgemein kann ich sagen, dass das Bewusstmachen des Erlebten – im Gegensatz zum Verdrängen oder Bagatellisieren – ein erster wichtiger Schritt ist. Schon allein damit kommt man ein Stück aus der “Kindheits-Trance” heraus, da man den eigenen erlebten Schmerz zum ersten Mal wichtiger nimmt als das Motiv der Eltern oder die heilige Fassade des “Was sollen denn die anderen Leute denken?”

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Wenn man früh Opfer von Schlägen ist, trifft man Entscheidungen für das ganze Leben.

In weiteren Schritten kann man sich mit den schmerzlichen Erlebnissen auseinandersetzen. In einzelnen Fällen ist es möglich, mit den realen Eltern ein klärendes Gespräch zu führen.

Auch Eltern lernen manchmal dazu und können spät im Leben etwas bereuen oder falsch finden, das sie jahrzehntelang eisern verteidigten. Aber oft trifft man auch auf erneutes Unverständnis und eine Wand der Ignoranz (“Das bildest Du Dir doch alles ein!”)

Manchmal ist auch professionelle Hilfe nützlich,um in dem inneren Gespinst von Erinnerungen, Verdrängungsimpulsen und Verwirrung einen gangbaren Weg für sich zu finden. Letztlich aktiv zu werden im Sinne eines “Gut-für-Sich-Sorgens” ist auf jeden Fall besser als weiter im Leben in der Opferposition des geschlagenen Kindes zu verharren.

Es gibt weiteren Blogartikel von mir zum Thema hier …

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 Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

328 Kommentare

  • Michaela schrieb:

    Ich, Michaela 37 Jahre, die den Kommentar von gerade schrieb, möchte allen hier, besonders natürlich den Kindern etwas sagen:

    Es ist hart. Und es gibt ein anderes Leben. Es gibt später eine Wahl, welche Erwachsenen ihr selbst sein wollt und ich will euch ermutigen. Meine Schläge von meinem Vater endeten mit der Pubertät, als ich mich gegen meine Eltern dem Jugendamt anvertraute, die mich aus der Familie heraus holten. Damals war ich verpöhnt, der Verräter, wurde ausgeschlossen. Damals war es hart auch ohne meine Eltern zu gehen. Und andere Wege zu entscheiden.

    Heute arbeite ich therapeutisch mit auch geschlagenen Kindern und mache das Beste, was ich kann mit meinem Einfühlungsvermögen. Diesen Beruf zu finden, der aus meinen Fähigkeiten oder meiner Person das Beste rausholt, dass fand meine Therapeutin mit mir heraus.

    Denn es gibt einen anderen Horizont, an den wir glauben können. Und es macht Sinn, anders zu leben und Frieden zu erarbeiten.

    Heute sehe ich nach Jahren von Kontaktabbruch meine Eltern ab und zu. Heute sind sie “nur noch Eltern”, die auch scheiterten und auch manchmal brilliant sind.

    Eltern, denen eine Therapie geholfen hätte, ihre eigenen Wunden zu versorgen. Ich liebe sie heute anders und habe eigene Meinungen.

    Und akzeptiere das Gesetz und die Ethik.

    Jeder von uns kann anders handeln als gewalttätig. Heute. Denn dann macht unsere persönliche Stärke Sinn in einem gemeinsamen Ziel.

  • Michaela schrieb:

    Mir gefällt Ihre Zusammenfassung zu dem Thema sehr gut, da ich selbst Gewalterfahrungen in der Kindheit erlebte, die zu einem unsteten Lebensstil führten in Partnerschaften und Beruf.

    Die Zusammenhänge zu erkennen war schwierig, da ich aufgrund von Alpträumen eine Therapie begann und überhaupt nicht dachte, dass das Gewalterleben solch massive Einflüsse auf mein Leben nach sich zog.

    Nach 3 Jahrentiefenpsychologisch fundierter Therapie, die auch gestaltterapeutisch beeinflusst war, gelang mir sowohl zwischenmenschlich zu heiraten, als auch einen langfristigen Job einzugehen. Die Alpträume sind weg, kommen meist nur noch einzeln mal in sehr schwierigen Lebenssituationen auf.

    Es war sehr hart, die Therapie. Doch heute weiß ich auch, was Glücklichsein und Vertrauen ist und wie ich selbst die Dinge mit in die Hand nehme und beide gleichstark sein können. Ich weiß auch, dass ein wertschätzender Partner sehr stärkt in der Zeit der Therapie, wo diese Ängste, Ohnmachtsgefühle, Schuldgefühle aufkommen. Aggression lebe ich kontrolliert aus, dass kann sogar Spaß machen, oder im Joggen Ventile finden.

    Auch Konfliktlösungsseminare halfen mir, alternative Wege zu erlernen und meine Fähigkeiten zu erweitern.

    Ich glaube, dass Wunden heilen und wir manchmal andere brauchen auf diesem Weg.

  • ja, unbedingt professionelle Hilfe, z.B., Psychologischer Dienst der Stadt, Hilfsorganisatonen, Fachberatung der Krankenkasse, aufstehen, losgehen, einen Ansprechpartner suchen, der die Angelegenheit einen Schritt weiter bringt; denn

    einen Schritt zu tun ist eintausendmal mehr wert, als hundertmal über eine Sache zu reden, sich aufzuregen und zu verzweifeln. Ich meine: etwas tun, umgehend einen therapeutischen Kontakt herstellen, Hilfe aufsuchen, – von alleine geht nichts -

    irgendwie hatte ich da einen Link verwechselt deshalg hier meine gleiche Antwort noch mal –

    Niemals hätte gedacht, dass es heute, 2012 noch solche Geschichten gibt. Ich dachte, das gab es nur bis in die 1960er.

    Sicher muss das Thema Gewalt gegen Kinder noch viel mehr in die Öffentlichkeit. Gestern lief in Einsfestival eine Doku, wo ein junger Mann seine Geschichte erzählte, der als Kind drei Monate lang entführt, mißbraucht wurde, total traumatisiert zurück in der Familie… Seine ältere Schwester sagte dazu heute: “ganz schlimm war sicherlich, dass wir alle nachher so weitergelebt haben, als sei nichts geschehen.” Und wenn die ganze Gesellschaft so reagiert, wer soll sich dann schuldig fühlen, wie soll dann Verantwortungsbewusstsein wachsen… Es ist eher so: wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Auch die Mutter des traumatisierten Jungen aus der Doku machte einfach ihren Sohn selbst dafür verantwortlich, dass er ständig Konflikte mit Vorgesetzten und Beziehungen hatte, die Stelle drei mal im Jahr wechselte usw. (ich habe mich gewundert, dass der Mann nicht längst Frührentner war)
    Auch die Medien waren nur da, solange sie Schlagzeilen machen konnten mit dem Skandal. Dann waren alle schnell wieder weg.

  • MissKitty schrieb:

    Es geht hier um meinen Freund, der mittlerweile 34 Jahre alt ist. Er wurde als Kind im Alter von 4 bis 14 Jahre sexuell missbraucht von einem Bekannten seiner Familie. In der Pubertät wurde er dann bis er 17 war regelmässig von seinem Vater geschlagen. Aus seinen Erzählungen entnehme ich, dass es da sehr brutal zur Sache ging. Rohrstöcke und Gürtel waren da wohl die liebsten Hilfsmittel des Vaters.

    Mein Freund ist wie gesagt 34 Jahre alt und leider Gottes Alkoholiker. Was ihn immer wieder in Situationen geraten lässt, bei denen er teilweise schwerst verletzt wird. Mit 27 wurde ihm in einem Park ein Auge ausgeschossen. Da war er auch stark alkoholisiert. Ich habe schon des öfteren festgestellt, dass er regelrecht auf der Suche nach Schlägen ist wenn er betrunken ist. Ich sprach ihn auch schon offen darauf an und er bejahte meine Frage ob er auf der Suche nach Schlägen sei.

    Ich selbst habe eine harmonische Kindheit erlebt, liess mich mit 25 auf den falschen Mann ein und erlebte selber 4 Jahre schwerste Gewalt und brutale sexuelle Übergriffe. Ich kann einfach nicht verstehen, warum mein Freund sich so sehr nach Schlägen sehnt. Es zerbricht mir mein Herz und ich fühle mich so sehr hilflos. Erst vor einem Monat wurde er im Park mit sogenannten Freunden mit einer Bierflasche attackiert. Eine 7 cm grosse sehr tiefe Platzwunde musste im Krankenhaus mit 10 Klammern getackert werden.

    Als ich ihn drauf ansprach, sagte er nur, das sei nicht so schlimm und er sei es ja selber schuld. Immer wieder erfahre ich von seinen Bekannten, dass er auf der Strasse zusammen geschlagen und getreten wird. Das man ihn sogar schon mit dem Kopf auf den Bordstein geschlagen hat. Ich kann einfach nicht verstehen warum er das alles so hinnimmt. Oft sagt er zu mir, dass er sterben will und das er nur darauf wartet, tot geschlagen zu werden.

    Es zerreisst mich, denn mein Freund ist so ein verdammt liebevoller Mensch. Sehr scheu aber auch lustig, wenn er sicher fühlt .. was soll ich nur tun?? Ich habe ihn schon oft angefleht, dass er sich Hilfe suchen soll. Das er sich in eine Langzeittherapie begeben soll, nicht nur wegen seinem übermässigen Alkoholkonsum sondern auch wegen der ganzen grauenhaften Erlebnissen die er in seinem jungen Leben schon erleben musste…

  • Miriam schrieb:

    Als Kind wurde ich massiv geschlagen, einmal wöchentlich landete mein Bruder oder ich im Krankenhaus – ich kann es einfach nicht vergessen!!!!

    Deshalb habe ich mich mit 14 bereits entschieden, keine Kinder – heute, 30 Jahre später, kann ich sagen, gute Entscheidung.

    Doch auch meine Beziehungen halten nicht, ich bin zu selbstbewußt, zu agressiv, von allem etwas zu viel…… doch glücklicherweise nicht gewalttätig.

    Ich kann nicht mit Kindern umgehen und da ich schon wieder, mittlerweile seit 3 Jahren, Single bin, fühle ich mich ständig wie das 5te Rad am Wagen.

    Kein schönes Leben…….

    Ich habe vor über einem Jahr mit einer Therapie begonnen, denn ein Burnout und Depressionen kamen dazu.

    Der Schläger in meiner Familie ist vor über einem Jahr gestorben, doch ich kann es nicht vergessen.

  • [...] immer noch 51 Prozent der Eltern ihre Kinder schlagen. Sicher ein lohnenswerter Artikel zu den Folgen von Schlägen, obwohl ich davon ausgehe, dass keinem der Leser meines Blogs das Schlagen jemals in den Sinn [...]

  • Hallo Mona,
    ich halte das beschriebene Verhalten bei einer Dreijährigen überhaupt nicht für normal. So eine frühe Sexualisierung muss das Kind irgendwo lernen. Da der Kindergarten wohl ausscheidet, bleibt nur jemand in der Familie. Für einen sexuellen Mißbrauch reichen die Hinweise meines Erachtens nicht. Ich tippe eher auf zufälliges oder absichtlich herbeigeführtes Mitschauen von Pornos.

    Für das Kind ist es mit Sicherheit nicht gut. Da die Mutter uneinsichtig ist, hilft vielleicht ein Gespräch mit dem Vater. Es ist leider ein Trend, siehe dieser STERN-Artikel.

    Danke für Ihre Frage.

  • Mona schrieb:

    Hallo,
    es geht um die Tochter einer Freundin, sie ist 3 Jahre alt. Sie geht nicht in den Kindergarten, ihre Mutter kümmert sich, Vater geht arbeiten.
    Ich komme öfter zu Besuch oder auf einen Kaffe vorbei und mir bereitet das Verhalten der Kleinen jedes Mal Kopfschmerzen. Sie zeigt ihre Geschlechtsteile, auch draussen, benutzt Wörter wie Fotze, Schwanz usw. teilweise bekam ich manchmal mit, wie sie sich heimlich einen Kulli in die Vagina einführte.

    Meine Freundin habe ich darauf auch schon angesprochen, sie sagte wenn ich mal Kinder habe, werde ich sehen, dass das ein ganz normales Verhalten ist. Kann gut sein, aber für meinen Geschmack sind es Sachen, die für solche kleinen Kinder nicht üblich sind. Die Kleine macht nicht unbedingt so einen Eindruck, aber kann das alles auf sexuellen Missbrauch hin deuten?

  • Patrick schrieb:

    Vielen Dank erstmal für diese Seite. Sie hat mir gestern ein Stück weit die Augen geöffnet und mir bewusst gemacht, dass eigentlich alle meine gegenwärtigen Probleme auf meine Kindheit zurück gehen.
    Auch ich wurde als Kind mit Stöcken, Kochkellen und Teppichklopfer – meist auf den nackten Hintern – verprügelt. Meistens von meiner Mutter, manchmal auch vom Vater, wenn sie dies von ihm verlangte.

    Als ich mich mit 16 zum ersten mal wehrte, und sie bei einer erneuten Attacke wegschubste, so dass sie zu Boden fiel und sich den Kopf stiess, hetzte sie die ganze Familie gegen mich auf, und behaptete ich sei nun schon so verkommen, dass ich auf die eigene Mutter losginge. Selbst ich hatte ihr das geglaubt.

    Heute bin ich 32 Jahre alt, habe selbst 2 Kinder und eine sehr liebevolle Frau.
    Leider streiten wir uns sehr häufig, wenn es um die Erziehung der Kinder geht. Ich finde oft, dass sie unsere Kinder zu sehr verwöhnt und dass sie “strenger” sein sollte (auch wenn ich eigentlich auch selbst nicht dahinter stehe).
    Bis jetzt konnte ich mich Gott sei Dank soweit beherrschen, dass ich meine Kinder noch nie geschlagen habe, auch wenn ich immer mal wieder unter Wutausbrüchen leide.

    Nun habe ich mich fest entschlossen diesen ganzen Schmerz, welchen ich Jahrelang mit Kiffen zu unterdrücken versuchte, aus meiner Seele zu entfernen. Da weder ein Psychiater, noch eine Rückführung, noch Meditation mir helfen konnte, sehe ich als letzte Möglichkeit die Konfrontation mit meiner Mutter.

    Da sie heute als soziale Beraterin arbeitet, denke ich, dass sie dafür offen sein sollte. Trotzdem fürchte ich mich vor ihrer Reaktion und dass es “ausarten” könnte, da sie mich bis heute für die meisten unserer familiären Probleme verantwortlich macht.

    Wie soll ich vorgehen, damit es “sachlich” bleibt?

  • Hallo Valerie,
    Dein Kommentar hat mich – wie etliche andere – hier sehr berührt. Ich glaube, Du bist die jüngste Leserin, die hier sich mitgeteilt hat.

    Ich will Dir vor allem eins schreiben. Kinder brauchen immer eine Erklärung, wenn etwas Schlimmes geschieht. Wenn jemand schwerkrank wird oder stirbt, wenn Eltern sich trennen oder wie in Deinem Fall, wenn ein Kind geschlagen wird.

    Wenn Eltern sich nicht entschuldigen und die Verantwortung für ihr Tun übernehmen, suchen Kinder immer nach einer schlüssigen Erklärung . und die finden sie immer bei sich selbst. Sie kommen darauf, dass sie nur nicht brav gesnug sind, oder nicht genug in der Schule, oder weil sie ein Mädchen sind. Manchmal denkt ein Kind auch, dass es geschlagen wird, weil es überhaupt auf der Welt ist.

    All das stimmt nicht. Das Kind ist niemals schuld, niemals. Es ist auch nicht Deine Schuld. Vielleicht sind Deine Eltern überfordert oder sie laden einfach ihren Frust über alles Mögliche bei Dir ab.

    All das ist nicht in Ordnung. Aber es ist wichtig für Dich zu verstehen, dass es nichts mit Dir zu tun hat – auch wenn Du es aushalten musst.

    Ich finde, Du hast sehr viel Kraft und Klarheit, wie Du die Situation siehst.
    Alles Gute für Dich.

  • Puh, wenn ich lese, was ihr alles durchmachen müsst bzw. musstet, dann wird mir das Herz ganz, ganz schwer, und mir kommen die Tränen. Kein Witz.

    Ich würde euch am liebsten alle nacheinander mal in den Arm nehmen.

    Mir fällt auch nichts ein, das euch trösten könnte, denn Trostworte sind ja nur zum Drüberschmieren über den Schmerz. Sie dienen viel mehr dem, der tröstet, als dem, der getröstet wird. Man hält es einfach nicht aus, zu lesen, dass ein anderer Mensch so leiden muss.

    Und wenn man so viel Scheiß erlebt wie ihr, dann klingt es einfach nur zynisch, wenn jemand einem sagt, was man machen sollte oder könnte.

    Aber zwei Sachen möchte ich euch trotzdem sagen:
    1) Versucht irgendwie, euch selbst lieb zu haben. Ich weiß nicht, ob man das einfach so einschalten kann, aber versucht es. Oder sucht euch Hilfe – seid nicht zu stolz oder zu cool dazu.
    2) Meist wird Gewalt von Generation zu Generation weitergegeben. Auch eure Eltern sind sicher schon verprügelt worden. Gewalt erzeugt Gewalt. Sie lieben sich selbst nicht, und deswegen sind sie einfach nicht in der Lage, euch Liebe zu geben. Das soll ihr Verhalten nicht entschuldigen, sondern euch nur mehr Überblick geben. Und es soll euch klar machen, dass ihr die nächsten in der Kette sein könntet, die gewalttätig werden, wenn ihr das nicht bearbeitet.

    Oh Mann, ich muss immer wieder tief durchatmen, wenn ich lese, wie viel Schmerz ihr aushalten müsst, und ich würde so gern irgendwas schreiben, das euch hilft. Aber ich glaube, dass euer Schmerz zu groß ist für dürre Worte in einem Blog.

  • Simone schrieb:

    Ich bin betroffen hier zu lesen von Kindern / Jugendlichen, die zuhause Gewalt erfahren. Bitte holt euch Hilfe! HIER ist ein Link für Deutschland:

    http://www.kinderschutz-zentren.org/hilfe-fuer-kinder

    Die Hilfe und auch die Anrufe auf die Beratungsstelle sind kostenlos und werden vertraulich behandelt.

  • Ich hatte eine Freundin, die ist (in meinem Beisein) von ihren Eltern geschlagen worden.

    Wenn sie etwas nicht aufessen wollte (z. B. Fleisch mit Knorpel) oder bei anderen Nichtigkeiten. Sie hatte einen riesigen Hass auf ihre Eltern. Irgendwann, Jahre später, sagte sie: “Ich würde meine Kinder auch schlagen. Mir hat es doch nicht geschadet.” Das hat mich sehr schockiert.

    Allen, die diese grausamen Erfahrungen machen oder machen mussten, wünsche ich die Kraft, sich Hilfe zu holen. Ihr seid nicht alleine.

  • Liebe Valérie,

    Dein Kommentar hat mich sehr berührt. Leider habe ich keine Antworten auf Deine Fragen. Ich möchte Dir einfach nur sagen, dass Deine Stimme hier gehört wird.

    Ich weiss, das ändert nichts an Deiner Situation, aber es ist wichtig, dass Du weisst, dass Du nicht alleine bist. Es gibt Hilfe, es gibt Möglichkeiten.

    Wir kennen uns nicht, aber ich wünsche Dir von Herzen nur das Beste.

    Ivan

  • @Azra:

    Das ist fürchterlich, was Du erlebst und was Du erlabet hast.

    Ich meine, das sollte sofort aufhören und ich meine Du solltest Dir sofort Hilfe nehmen. Auch wenn Du nicht zur Polizei gehen willst, sprich mit jemanden, wie Herr Hinke schreibt.

    Eine sehr gute Freundin ist in einem ähnlichen Umfeld aufgewachsen. Wenn Du möchtest, kann ich sie fragen, ob sie einmal mit Dir telefonieren mag. Sie kennt das sehr genau, was Du da erlebst. Und sie weiss, dass jeder Tag in diesem Umfeld Dir schadet. Auch bei mir kannst Du auf meinen Namen, Bild klicken und dort findest Du eine Telefonnummer oder email Adresse.

    Lieb Azra, das was Du schreibst ist wirklich schlimm. Und niemand sollte auch nur einen Tag erleben, was Du nun schon jahrelang erlebst!

  • @Valerie
    Du hast wirklich mein Mitgefühl. Es ist vollkommen falsch und in kleinster Weise in Ordnung rechtfertigbar, was Deine Eltern tun.

    Mir gefällt es gut, dass Du bemerkst, dass es falsch ist. Es wäre viel, viel schlimmer, wenn Du auf irgendeine Art und Weise denken oder fühlen würdest, dass es richtig ist, oder ein bisschen in Ordnung.

    Es ist falsch!

    Es ist sogar so falsch, dass Deine Eltern vom Staat dafür bestraft werden würden, wenn der es herausfinden würde.

    Und ich meine, ich weiß wie schwierig das ist darüber nachzudenken, also, vielleicht nimmst Du Dir Hilfe. Also, ich weiss, wie schwierig das ist, denn mir ginge ähnlich. Ich hab mir keine Hilfe genommen. Heute denke ich, dass das ein Fehler war.

    Und vielleicht hilft es Dir ja: Du bist schon 12! Du wirst größer und mit jedem Tag wirst Du Dir weniger davon gefallen lassen.

    Lass Dich nicht unterkriegen.

  • “ist nicht sclimm und einfach ignorieren-Maske”

    Ist aber schlimm, sehr schlimm sogar. Denn durch solches Erleben geht man zwangsläufig später (wie andere auch, die Anderes erlebt haben) prädisponiert durchs Leben. Und das wirkt sich auf nahezu alle Situationen aus.
    Es ist dann wie eine Brille, die durch die erlebte Gewalt, Demütigung und Mißbrauch dann Mißtrauen, Angst und Unsicherheit filtert. Alles wird entsprechend interpretiert und die im Gedächtnis gespeicherte Verwirrung und Verletzung bestätigt und steigert sich auf diese Weise laufend. “Nested Loops”, also eingenistete Schleifen nennt das die Psychologie. Diese aufzulösen ist nicht so einfach. Viel Mut, über die Dinge zu reden, Freunde die echt sind, wahrhaftig und beschützend, gehören dazu und Orte, an denen man wirklich gewollt und sicher ist. Wie kann man begabte junge Menschen, die ihr Leben noch vor sich haben, so behandeln? Ganz viel Kraft wünsche ich Dir und dass Du Dich rasch von diesem aberwitzigen Irrsinn erholen mögest.

    Das eigentliche Problem haben die Schläger. Und die Position, von der man auf Kinder herabschaut, ist ganz unten. K.H.

  • valerie schrieb:

    Hallo ich bin 12.
    Ich finde es toll das sie so einen Text geschrieben haben.
    Er hat mich sehr berührt! Denn ich werde immer noch von meinen Eltern etwas geschlagen aber nicht mehr so viel wie früher. Eigentlich wollte ich einen Vortrag über gewalt halten und habe infos gesucht dann bin ich über das hier gestolpert und ich bin froh darüber. Denn ich habe gemerkt das es vielen nicht anders erging oder ergeht.

    Ich fnde es grausam so etwas mitzuerleben. Da ich die älteste bin, kriege ich für alle die schläge ab, das ich nicht gerecht finde. Ich meine, selbst bei kleinen Fehlern solte man nicht eine gescheuert bekommen! Manchmal denke ich nach und überlege warum ausgerechnet ich leben muss und das durch machen muss! Ich hasse alles am leben und das habe ich nur meinen Personen im umkreis zu verdanken.

    Ich werde gemobbt, weil ich ausländerin bin: Wo sie sagen, das war nur spaß, ist auch ein Herz, das Leben will, das einmal ernst genomen werden will und nicht ausgelacht aber als ich alle Ihre beiträge las, ging es mir um 1 prozent besser, da ich nun weiss dass ich nicht alleine bin und das freut mich etwas.

    Denn ich komme mir vor wie eine Person, die jeden morgen ihre freundliche “ist nicht sclimm und einfach ignorieren-Maske” anziehen muss und sie abends ablegt. Ich hasse das so sehr! Daher habe ich nie wertschätzung oder bemitleiden gelernt oder änliche gefühle. Ich weiß nicht, wie man jemand tröstet und das als Mädchen!
    Ich fühle mich total erbärmlich. Danke für ihren text!
    mit vielen grüßen
    valerie

  • Steven, dann lerne, lerne was Du nur kannst.

    es ist Dir ganz sicher kein großer Trost,
    aber mir ging es ähnlich, der einzige Ort
    die Schule…
    - aber dort schlugen sie auch zu, Fräulein J. und Herr S. – oft ist das grauenvoll – leider
    war und ist das nichts Besonderes, besonders ist, wenn Du und ich auf uns aufpassen und uns selbst und andere achtsam und liebevoll behandeln.
    Steven, pass gut auf Dich auf und such Dir einen guten Freund. mfG. Karl

  • Steven alter 12 schrieb:

    Ich wurde als Kind auch mit dem Gürtel oder stock geschlagen und musste zuschauen wie mein Vater meine Mutter würgt der winzigste Ort Anden ich mich wohlfühlen ist in der Schule

  • Ich gratuliere Ihnen. Das schaffen nicht viele.

  • Petra schrieb:

    Ich bin jetzt 50 und habe bis jetzt noch keine Möglichkeit gefunden damit fertig zu werden. Ich sehe jetzt nur daß sich dieses Fühlen – Schmerz – Hilflosigkeit durch das ganze Leben ziehen und du nie wieder in der Lage bist, eine Beziehung zu führen. Du bist immer allein. Und ich bin sehr dankbar daß ich es trotzdem ohne Schläge und Prügel geschafft habe meine Tochter zu einer sehr netten jungen Frau zu erziehen,

  • Auch ich bin ein Opfer der Eltern Gewalt.Ich bin heute 52 habe vier Kinder und habe Gottseidank nie die Hand gehoben ,ich hasse meine Mutter heute noch über ihren Tod hinaus ..Gruß Veronika

  • Frida schrieb:

    Ich bin mittlerweile w17. Bin mit 15 angehauen, nach meinem outing, weil ich es nicht mehr aushielt. In meiner Beziehung mit meiner freundin habe ich sie einmal geschlagen. Ich habe zum ersten mal gemerkt das ich überhaupt nicht besser bin als mein Vater! Mich begleitet es sehr, aber seit dem ist mir das nie mehr passiert, und ich konnte es mir bis heute nicht verzeihen. Mich trifft das auch oft im Leben wieder so das ich die einfachsten dinge nicht mehr schaffe unedlichen hass auf mich selber spüre. Weder meine Mutter noch mein Vater konnten mir je das gefühl von liebe oder geborgenheit geben. Ich habe bis heute schreckliche angst.
    Aber ich will weiterleben und mich niemehr davon beeinträchtigen lassen.

  • Hallo Freya,
    auch Du brauchst – wie fast alle, die hier schreiben – dringend Hilfe. Deine Mutter scheint psychisch gestört zu sein, deswegen verhält sie sich wohl so.
    Am besten, Du sprichst mit einem Lehrer aus Deiner Schule. Die sollten am besten wissen, was man in Deiner Situation machen kannst. Eventuell ist auch der Hausarzt eine erste Anlaufstelle, wenn Du zu dem Vertrauen hast.

    Hab Mut und tu den ersten Schritt, Dich jemandem außerhalb der Familie anzuvertrauen.

    PS: Deine Mutter darf das nicht tun. Schläge gegenüber Kindern sind gesetzlich verboten. Aber da sie wohl krank ist, kann sie das nicht einsehen. Das ist keine Entschuldigung, nur eine Erklärung.

  • freya schrieb:

    Hallo,ich bin freya und bin 14jahre alt.
    Ich werde immer von meiner mutter, meinem bruder und manchmal von meinem vater geschlagen. Meine mutter schlägt mich besonders oft und es tut so weh. Sie beleidigt mich als hure, schlampe alles was ihr in den sinn kommt. Sie macht mich psychisch total fertig und ich halte das alles nicht mehr aus. Gerade wurde ich von meinem bruder geschlagen und sie hat nichts gesagt.. Sie droht mir das sie in die schule kommt und allen erzählen will wie ich “wirklich drauf bin”.

    Letzte woche hab ich ihr mein größtes geheimnis offenbart.. Ich bin seit 7jahren zwangskrank.. Also nicht so stark das ist ab und zu da. Auf jeden fall hab ich ihr das gesagt und sie hat es meiner tante sofort erzählt und meiner schwester. ich kann ihr nicht vertrauen und ich will das sie aus meinem leben verschwindet. Gestern abend hat sie mir einen tisch ans bein geworfen.. Ich habe so angst und kann mit niemandem darüber reden denn wenn ich meine tante um rat frage sagt sie dass sie schwer krank ist und das sie meine mutter ist und sie dürfe das..

    Ich habe wirklich angst das ich abrutsche oder irgendwann selber gewalttätig werde. Ich will etwas aus meinem leben machen und gar nicht wie meine eltern werden.. Ich will das alles aufhört,dieser schmerz alles.

  • habe gerade gemerkt, dass man nicht auf das Bild, sondern auf den Namen klicken muss.

    und dann habe ich noch einen Clip gefunden: http://www.youtube.com/watch?v=phYKrllis-U

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