Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

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Neurobiologie / Persönlichkeit

Ein ernstes Thema, das ich auch unter dem Eindruck des Intensivseminars, das ich letzte Woche leitete, schreibe. Trotz etlicher Erfahrungen mit Menschen zu diesem Thema, bin ich doch immer wieder auf’s Neue betroffen, wenn ich miterlebe, wie körperliche Strafen, die jemand vor zwanzig, dreißig Jahren oder länger erlitten hat, sich auf das spätere Leben auswirken können.

 

Ich muss schon sehr genau hinhören und hinspüren, um mitzukriegen, dass jemand körperliche Gewalt in seiner Kindheit andeutet. Denn das Thema ist immer noch tabuisiert und vor allem auch schambesetzt. Doch wenn jemand beim Schildern seiner Biographie erwähnt, dass „es zu Hause streng zuging“ oder der Vater „ziemlich autoritär war“ oder „die Mutter keinen Widerspruch duldete“, werde ich meist hellhörig und frage nach, was der Betreffende damit meint.

Zur Sprache kommen dann zuweilen Schilderungen von heftigen Ohrfeigen und Prügeln mit Zaunlatten, Gürteln, Lederpeitschen, Baumzweigen, Kohleschaufeln, Teppichklopfern, Rohrstöcken oder bloßen Händen usw. Der Zeitpunkt ist oft unvorhersehbar. Wenn der „Elternteil schlecht drauf war“, wenn „man nicht schnell genug weg war“ oder regelmäßig am Samstagabend als gefürchtetes Wochenendritual.

Ich frage auch immer nach, bis zu welchem Lebensalter geschlagen wurde und wie es aufhörte. Dabei erfahre ich, dass es meist in der Pubertät aufhört, bei manchen aber auch erst mit achtzehn, neunzehn Jahren, als sie sich entschlossen, auszuziehen. Manchmal hört der Elternteil von selbst auf, zuweilen auch nur durch die handfeste Drohung des Jugendlichen. Meist werden Jungen, speziell die ältesten, am meisten geschlagen, aber auch viele Mädchen.

Wie gehen Erwachsene mit der Erinnerung an Schläge in ihrer Kindheit um?

Eine häufige Form ist die Bagatellisierung.
Zumeist erkennbar an der Schlussfolgerung „Das hat mir aber nicht geschadet!“
Ich verstehe diesen Satz immer als den Versuch, den Konflikt zu lösen zwischen dem guten Bild, das man von den Eltern hat und den Szenen, wo man geschlagen wurde.

Häufig ist auch die Verdrängung.
Immer wieder berichten mir Menschen, dass sie an die ersten acht oder zehn Jahre ihrer Kindheit keinerlei Erinnerung haben. Kein Bild, kein Gefühl, nichts. Erst im Rahmen der gemeinsamen Arbeit kommt manchmal ein Stück schmerzlicher Erinnerung wieder zurück.

Welche Folgen haben Schläge in der Kindheit auf einen Erwachsenen?

Die Folgen sind mannigfach. Ich will hier nur einige der Konsequenzen und Entscheidungen nennen, die mir bei meiner Arbeit mit Menschen begegnet sind.

  • Angst und Vertrauensverlust in Beziehungen.
    Als Kind geschlagen zu werden, ist immer eine Situation, wo das Kind unbewusst Entscheidungen trifft. Wo es auf schmerzhafte Weise lernt, wie es in Beziehungen zugeht. Dass es um Macht geht. Dass man dem anderen, dem man vertraut hat, nicht trauen kann. Dass gleich wieder etwas passieren kann. Mögliche Folgen sind auch Gefühle des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit, des Verlassenseins, das man als Erwachsener immer wieder erlebt.
  • Beschränkte Konfliktlösungsmöglichkeiten.
    Wer geschlagen wird, fühlt sich hilflos und gedemütigt. Um damit in Zukunft umzugehen, gibt es nur wenige Strategien. Die eine ist, sich zu unterwerfen – und den vermeintlich Stärkeren heimlich zu verachten. Die andere ist, sich zu schwören, dass einem so etwas „später im Leben“ nie wieder passieren wird. Und zwar indem man selbst stark wird.
  • Probleme in der Identitätsentwicklung.
    In Seminaren treffe ich hin und wieder auf ganz sanfte Männer, die  verständnis- und rücksichtsvoll sind, nie laut werden. Einerseits angenehme Personen, aber auch ein großes Stück aggressionsgehemmt. Oft fühlen diese Menschen selbst, dass ihnen eine größere Portion Männlichkeit fehlt.
    Wenn man dann in der Biographie forscht, was der Grund dafür sein könnte, graben wir zuweilen gemeinsam heftige Prügelerfahrungen aus. Frage ich, wie das „Nicht-Mann-Sein“ und diese Erinnerungen zusammenhängen, hört man manchmal den einleuchtenden Satz: „Nur Männer schlagen!“ Oder: „Ich wollte nie so werden wie mein Vater!“
  • Selbstwertprobleme.
    Wer geschlagen wird, erlebt, dass dem anderen seine Gefühle, Überzeugungen oder Regeln wichtiger sind als die eigene Person. Als Kind kann man noch schlecht unterscheiden zwischen sich und dem anderen. Kann zum Beispiel schwer erkennen, dass Eltern zuweilen überfordert sind (was kein Freispruch für Schlagen ist).
    Meist sucht das Kind dann nach einem Grund für die Züchtigung. Vor allem, wenn der schlagende Elternteil sich nicht entschuldigt und die Verantwortung für sein Ausrasten dem Kind zuschiebt, sucht man als Kind die Schuld bei sich selbst. Weil man zu frech war oder Widerworte gab. Weil man schlecht in der Schule ist. Weil man überhaupt auf der Welt ist.

    Wer geschlagen wird, lernt frühe Lektionen über seinen Wert.

  • Abgrenzungsprobleme.
    Wer als Kind geschlagen wird, erlebt eine massive Grenzverletzung. Und hat in der Folge oft Probleme, sich als Erwachsener angemessen abzugrenzen. Also Nein zu sagen, es anderen nicht immer recht zu machen, auch mal andere zu enttäuschen etc. Auch eigene Grenzen zu spüren, zu respektieren und flexibel damit umzugehen, kann schwierig sein.
  • Probleme mit eigenen Kindern.
    Wer Gewalt als Mittel der Erziehung erlebt hat, spürt manchmal die Tendenz, sich auch so zu verhalten. Diese Gefahr ist umso größer, je weniger man sich mit dem eigenen Geschlagenwerden und den dabei erlebten Gefühlen auseinandergesetzt hat. Manche streichen ihren Wunsch nach eigenen Kindern auch ganz, aus Angst, sich in schwierigen Situationen nicht im Griff zu haben und ebenso zum Schläger zu werden.
  • Unkontrollierbare Aggressivität.
    Als geschlagenes Kind erlebt man enorme Wut und Zorn, doch müssen diese heftigen Affekte unterdrückt und verdrängt werden. Doch unterdrückte Gefühle verschwinden nicht. Oft bahnen sie sich einen Weg in zerstörerischen Aktionen gegen andere (Kriminalität) oder gegen sich selbst (Autoaggression, Suizid, Drogenmissbrauch).

Was kann man tun?

Darauf gibt es keine schnelle Antwort. Aber allgemein kann ich sagen, dass das Bewusstmachen des Erlebten – im Gegensatz zum Verdrängen oder Bagatellisieren – ein erster wichtiger Schritt ist. Schon allein damit kommt man ein Stück aus der „Kindheits-Trance“ heraus, da man den eigenen erlebten Schmerz zum ersten Mal wichtiger nimmt als das Motiv der Eltern oder die heilige Fassade des „Was sollen denn die anderen Leute denken?“

Wenn man früh Opfer von Schlägen ist, trifft man Entscheidungen für das ganze Leben.

In weiteren Schritten kann man sich mit den schmerzlichen Erlebnissen auseinandersetzen. In einzelnen Fällen ist es möglich, mit den realen Eltern ein klärendes Gespräch zu führen.

Auch Eltern lernen manchmal dazu und können spät im Leben etwas bereuen oder falsch finden, das sie jahrzehntelang eisern verteidigten. Aber oft trifft man auch auf erneutes Unverständnis und eine Wand der Ignoranz („Das bildest Du Dir doch alles ein!“)

Manchmal ist auch professionelle Hilfe nützlich,um in dem inneren Gespinst von Erinnerungen, Verdrängungsimpulsen und Verwirrung einen gangbaren Weg für sich zu finden. Letztlich aktiv zu werden im Sinne eines „Gut-für-Sich-Sorgens“ ist auf jeden Fall besser als weiter im Leben in der Opferposition des geschlagenen Kindes zu verharren.

Es gibt weiteren Blogartikel von mir zum Thema hier …

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

628 Kommentare

  1. grzegorowski sagt

    Ich wahr jahre geschlagen von mein Vater richtig brutal das kann keiner so was erlebt wie ich jetzt bin 41 und sehr krank.ganze gelenke scherze.astma.luft atake.mit Maschine mus ich schlafen kopschmerzen und zu weiter.

  2. Helene Wittmann sagt

    Hallo, ich bin schon 78 Jahre und leide immer noch unter den Schlägen meines Vaters.Der in seiner jähhzornigen Art, mir alles nachwarf, was ihm in die Finger kam.Einmal war es das große Küchenmesser, welches an meinem Kopf vorbeiflog.Ich bin die Äteste von zwei Geschwistern, welche als ich von zuhause auszog auch geschlagen wurden.Es gab nie ein Gerspräch mit meienem Vater, sondern er ging auf mich los und jagde mich wie ein Tier. Ich konnte meine ganzes Leben kein Vertrrauen in eine Partnerschaft finden und bin nach einer gescheiterten Ehe und als alleinerziehen-de Mutter alleine geblieben und fühle mich sehr einsam.
    Meinem Vater habe ich verziehen,weil ich weis daß er selbst eine schlechte Kindheit hatte. Außerdem verhetzte meine Mutter meinen Vater gegen mich, sodaß er mich auch deshalb schlug. Gott habe ihn seelig.Ich wünsche ihm daß er seinen-Frieden findet.

  3. Petra Niebusch sagt

    Ich habe 3 Töchter , alle wurden von meinem Ex Mann mißhandelt . Als ich mich dann endlich scheiden ließ , um meine Töchter zu schützen war ich unendlich glücklich . Als Dank bin ich heute alleine . Meine Töchter gehen auch weiterhin zum Vater und das ist unheimlich verletzend

  4. Thomas sagt

    Ich kann mich daran erinnern wie mein Vater als mein Bruder und ich uns gestritten haben ausgerastet ist. Wir sind dann weggelaufen denn wir wussten was kommt. Er hat uns eingeholt unsere Köpfe gepackt und uns wie zwei Kokosnüsse zusammengehauen. Ich weiss das ich richtig benommen war und Sterne gesehen hab. Mein Bruder meint sowas wäre öfter vorgekommen ich hab keine Erinnerungen an die Zeit. Was ich sehe sind die Konsequenzen für mein heutiges Leben. Wie die Angst vor Gewalt mich immernoch beherscht. Auch verdränge und bagatelisiete ich die Situation. Ich glaube icj habe noch heute Angst vor meinem Vater. Der Witz ist mein Vater nennt mich Schwuchtel und hält mich für ein Weichei obwohl er es ist der sich an Schwächeren vergangen hat. Ich merke wie die Angst mein Leben beherscht noch heute.

  5. Loxie sagt

    Auch ich möchte mich für den Blog bedanken. Es ist so unglaublich hilfreich zu lesen, dass Andere das Gleiche erlebt haben.

    Wir sind fünf Kinder – mittlerweile denke ich, dass unsere Eltern deshalb einfach überfordert waren – und wurden sehr oft von meinem Vater geschlagen. Die Kleinen nicht so sehr aber ich als Älteste mehrmals pro Woche. Er war wahnsinnig ungeduldig und jähzornig.

    Diese unglaubliche Angst, wenn ein viel größerer, unglaublich wütender Mensch auf dich zugeht und du weißt, dass du gleich eine Ohrfeige bekommst, dass du mit dem Kopf an den Türrahmen knallst, habe ich nie vergessen. Damals konnte ich sehr schnell laufen. Wenn ich konnte, bin ich aus dem Haus gerannt, so schnell ich konnte, oft hat er mich verfolgt so lange er konnte, oder ich saß eingesperrt im Bad mit noch größerer Angst, was dann passieren würde, wenn ich wieder herauskäme.

    Mendozas Bericht kommt mir auch sehr bekannt vor. Die schlimmste Zeit war, als ich als Erste aus dem gemeinsamen Kinderzimmer in ein eigenes Zimmer ziehen sollte. Nachts wachte ich mit Alpträumen auf, suchte Zuflucht im Bett meiner Eltern und wurde von meinem Vater dafür mit Schlägen gezwungen allein in mein Zimmer zurückzugehen. Das ist eine Episode bei der ich meiner sonst sehr liebevollen Mutter ihre viel zu große Toleranz und Passivität niemals verzeihen kann. Auch ich habe übrigens jahrelang bettgenässt.

    Einmal hat sich mein Vater eingebildet, dass es die Aufgabe von guten Eltern sei, einen Rohrstock sichtbar neben der Tür hängen zu haben, damit die Kinder immer gewarnt sind. Ich sehe jetzt noch den ungläubigen Blick meiner Freundin, die zu uns zu Besuch kam und den Stock da hängen sah. Ich habe mich so unglaublich geschämt. Scham dafür, so schwach zu sein, dass man sich von einer anderen Person schlagen lässt. Und Hass, Wut und Selbstverachtung. Ich war ziemlich oft wütend. Und ich habe mich selber mitschuldig gemacht. Manchmal musste ich ganz alleine auf meine vier jüngeren Geschwister aufpassen und habe völlig überfordert und ohne es besser zu wissen, auch zugeschlagen wenn sie nicht folgten.

    Mein Vater war auf einem katholischen Klosterinternat, wo er selber über Jahre hinweg misshandelt wurde. Wenn er davon erzählt, fühle ich kein Mitleid, sondern Verachtung und Ekel. Welches Recht hat er denn, sich zu beklagen, der uns doch selber so brutal behandelt hat? Das Ganze hat für mich vielleicht zehn Jahre gedauert, von sechs Jahren bis sechzehn, da bin ich ausgezogen. Mein Abitur habe ich in 500 km Entfernung zu meinen Eltern gemacht. Ich war frei aber ich fühlte mich schuldig, die Kleinen so alleine zu lassen.

    Ich habe immer alles alleine geschafft, aber ich glaube ich muss mich demnächst trotzdem nach einer Therapie umsehen. Mein Bruder hat eine Psychose und war jahrelang bei verschiedenen Psychologen und Schamanen um seine Traumata aufzuarbeiten. Ich fand das alles übertrieben und wollte damals nichts davon hören aber seit drei oder vier Jahren holt mich alles immer öfter ein. Manchmal bin ich depressiv, dann habe ich Versagensängste und alles kommt mir so mühsam vor. Ich möchte meiner Mutter gerne mehr helfen – sie hat so viel zu tun, weil sie vollzeit arbeitet und mein Vater bettlägerig ist aber ich kann immer noch schlecht mit seiner Anwesenheit umgehen. Es ist wirklich eine Mischung aus Liebe, Mitleid, Verachtung, Ekel, Hass und Wut, je nach meiner Tagesverfassung und seinem Verhalten. Für mich ist es diese innere Zerrissenheit, die mich ganz krank macht.

    Kinder sind wie Hunde, sie brauchen einfach Liebe und kommen immer wieder zu der Hand gekrochen, die sie schlägt. Und genau diese Schwäche kann ich mir nicht verzeihen.

  6. Jen sagt

    Der Bericht trifft fast ins Schwarze. Denn nicht nur Eltern, sondern auch Ältere Geschwister schlagen ihre Geschwister. In meinem Fall weil die Eltern es vorgelebt haben, weil ein Klaps auf den Po früher als normal gilt.

  7. Onkel Schecke sagt

    Ich habe mich in diesen Zeilen sofort wiedergefunden. leider gab es bei mir und meiner Mutter bis heute kein Happy End. Sie wehrt sich und fühlt sich noch gut. Jetzt hat sie sogar mit meinem Sohn, der keine Schläge bekommen hatte, einen fingierten Polizeieinsatz ins Leben gerufen um mich ins schlechte Licht rückte.

  8. Anna sagt

    Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Ich habe ebenfalls mit dem Thema der Verdrängung zu kämpfen. Der Ablauf der Kindheit entspricht Ihrem Blog. Die Mutter gewalttätig der Vater nie da. Prügel und Erniedrigungen mit allem was zur Hand war. Ich habe Geschwister und heute mit unterschiedlichen Gefühlen zu kämpfen. Von Schuldgefühlen die Anderen nicht beschützt zu haben über Zweifel am eigenen Wert. Bindungsangst, Verlustangst. Vieles wie das Thema Konfliktbewältigung konnte ich später lernen. Der Kontakt besteht seit 20 Jahren nicht mehr. Liebe empfinde ich seit Teenagerzeiten nicht mehr für sie nur eine sehr sehr tiefe Verachtung.

    So kontrovers es mir selbst scheint ich empfinde auch
    Schamgefühl dafür dass ich misshandelt wurde und auch Sorge dass jemand sagt, Du wirst es schon verdient haben.

    Ihr Blog macht mir Mut und Stärkt mich in der Einsicht, dass es nicht richtig war was mir passiert ist und es nicht meine Schuld war.

  9. Sandra Rodomski sagt

    Ich würde als Kind auch viel geschlagen auch grundlos aber ich muss dazusagen daß mein Vater Alkoholkrank war und wusste nicht mit seiner Kraft wohin ich haben immer Schläge ins Gesicht bekommen ich habe sehr darunter gelitten

  10. Elena sagt

    Die Folgen meiner Erziehung spüre ich heute nur zu gut. Ohrfeigen, Teppichklopfereinsatz bei den kleinsten „Vergehen“ und psychische Gewalt (aus dir wird nie was, du hast einen dicken Hintern) waren an der Tagesordnung. Nach außen alles supi, aber im Haus dem narzisstischen Vater und der schwachen Mutter ausgeliefert. Mit 18 Jahren bin ich ausgezogen. Das war eine große Erleichterung. Mit 45 ereilte mich die erste Depression und im Rahmen einer Therapie kam ich wieder auf die Beine.
    Mein Vater versucht heute noch, Unfrieden zwischen seinen Kindern zu säen. Ich gehe ihm aus dem Weg und habe die Kontakte minimiert. Meine Schwester und mein großer Bruder machen es auch so.

  11. Mendoza sagt

    Einfach nur krass, was hier geschildert wird. Da wirkt bei mir dagegen das, was ich erlebt habe gar nicht mehr so schlimm.

    Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich mich bisher nicht an die Öffentlichkeit gewagt habe.

    Wir wurden als Kinder immer verhauen, wenn wir nachts nicht schlafen konnten. Dann flog die Tür auf und es gab so richtig Haue.

    Als Folge davon war ich bis zum 10. Lebensjahr Bettnässer.

    Hier begann der Psychische Terror. Sowohl meine Geschwister als auch meine Mutter machten keinen Hehl draus, dass ich nachts einnässte. So hatte ich draußen keine Freunde. Mittlerweile glaube ich, dass da sogar ein System hinter war, da ich damals als Kind noch anderen davon erzählte, dass es daheim Haue gab.

    Tja, lange Rede, kurzer Sinn – aus uns sind alle nur Versager geworden. Die meisten sind hochverschuldet und haben keinen Job.

    Diesbezüglich halte ich mich immerhin mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser und habe auch keine Schulden. Durchsetzen kann ich mir solala, aber sobald ich gerade nen guten Lauf habe, überfällt mich Angst davor glücklich zu sein, da ich befürchte, vom Leben wieder saftig aufs Maul zu bekommen.

    Ohja, und noch ein Tipp:
    Stellt eure Eltern bloß nicht wegen der Eskapaden zurede. Ich habe es bei meinem Elternteil getan. Zuerst wurde es verhement abgestritten, dann, als ich konkrete Situationen benennen konnte, hat sich mein Elternteil als Opfer dargestellt und gesagt: Ihr wart hyperaktiv, ihr wart nicht wie normale Kinder, ihr wahrt asozial und böse und ich musste so handeln, weil ihr eben nicht normal wart.

    Autsch. Klingt doch supi, oder?
    Das hilft dem ohnehin schon kaputten Ego doch enorm weiter.

    Mittlerweile bin ich in Therapie – allerdings nicht tiefenpsychologisch fundiert.
    Mein Therapeut sagt, ich solle lediglich versuchen einen Schlußstrich zu ziehen.

    Also versuche ich immer wenn die Mordswut hochkocht, diese Energie in positive Bahnen zu lenken.

    Nur nachts schaffe ich es noch nicht. Immer holen mich die negativen Gedanken ein und manchmal schrecke ich noch hoch, wenn sich mitten in der Nacht eine Tür laut öffnet. Es hat fast schon etwas tragisch komisches an sich.

  12. Bingen sagt

    Aufschlussreich und hilfreich für mich ist der Blog.

  13. Ja, Kinder wollen immer mit den Eltern kooperieren. Manchmal sogar noch als Erwachsene, vor allem, wenn sie mit den Eltern noch identifiziert sind anstatt sich angemessen abgelöst zu haben.

  14. Sandra sagt

    Hallo!
    Sehr interessanter Beitrag,der mein Denken über Menschen die zuschlagen können sehr bestätigt.
    Kann es auch sein das diese Menschen ihre Eltern verteidigen wenn man versucht mit Ihnen gemeinsam herauszufinden warum sie so aggressiv reagieren. Sobald ich nach der Kindheit oder dem Elternhaus Frage ist die Reaktion sehr heftig und gleichzeitig schützend gegenüber den „so lieben Eltern von denen man ja nie geschlagen wurde“!
    Ist man dann noch nicht an dem Punkt zu erkennen das man nicht richtig handelt und verteidigt deshalb immer noch sein Elternhaus? Welches ja nach aussen eine Vorzeigefamilie ist, aber wenn ich so hinter die Kulissen schaue wahrscheinlich eher gar nicht. Liebe Grüße,Sandra

  15. Heidi sagt

    Hallo Ihr Lieben! Kann mir vielleicht jemand mit einem Rat helfen? Meine Eltern haben mich immer wie Dreck behandelt, körperlich und seelisch. Hinzu kommt, dass sie mich bestehlen, wo es nur geht. Bei jedem Kontakt wird alles geleugnet und sich hervorgetan, was man alles für mich gemacht hätte. Lügen über Lügen, dreist bis zum GehtNichtMehr. Ziehe ich mich zurück wird gestalked und erpresst. Ich will den Kontakt abbrechen und untertauchen. Man hat mich allerdings gewarnt, dass das nicht so leicht möglich ist, besonders bei Eltern. Man würde immer wieder gefunden. Ist dem so? Wie kann ich vorgehen? Herzlichen Dank und viele Grüße!

  16. Mandy sagt

    Wie Cornelia kann ich Ihren Beitrag auch bestätigen. Ich (35J.) wurde von meiner autoritären Mutter jahrelang als Kind geschlagen. Meine Mutter war mit mir über fordert. Sie hat mich mit 17 J. geboren, mein leibl. Vater war Alkoholiker…soll jetzt keine Entschuldigung sein. Ich leidete an Verhaltensauffälligkeiten wie Bettnässen, Leistungsabfall in der Schule, Sprachstörungen, geringes Selbstwertgefühl… ,Heute als Erwachsener kann ich sagen, die Kindheit begleitet einen das ganze Leben lang. Hatte in der Vergangenheit Depressionen und holte mir Hilfe, amb. Tagespflege in der Psychiatrie. Lernte mit Konflikten bzw. Erniedrigungen umzugehen. Bin jetzt stark und habe mein Leben wieder in den Griff bekommen. Es gibt trotzdem Situationen im Leben wo man sich autoritären Menschen (Beruf, Familie) unterwirft. Ist es Angst, seine Meinung zu sagen oder nicht aktzepiert zu werden? Oder nur einem Streit aus dem Weg zu gehen? Es fällt mir immer noch schwer meine eigene Meinung zu vertreten. Das sind alles die Spätfolgen einer gescheiterten Kindheit. Aber man kann an sich arbeiten und positiv in die Zukunft schauen. Auch ist es wichtig durch professionelle Hilfe die Kindheit aufzuarbeiten. Zu meiner Mutter habe ich ein gestörtes Verhältnis. Habe ihr verziehen, aber vergessen kann ich das nicht.

  17. Ihre Aussagen kann ich (65, w) nur bestätigen! Meine Mutter hat nicht nur geschlagen, sondern teilweise aus Wut regelrecht geprügelt. Das fand zwischen 5 und 12 Jahren statt. Ich hatte nie mehr Vertrauen zu meiner Mutter (90). Liebe habe ich für sie keine empfinden können; Sie tut mir heute nur noch leid.

  18. Chiara sagt

    Ich bin frische 19 Jahre alt…& wurde heute von meinem „Vater“ geschlagen …nicht zum ersten Mal, auch nicht zum zweiten..
    Ich weiß nicht mehr weiter…oft hatte ich mir überlegt ihn anzuzeigen …jedoch fühl ich mich einfach so alleine und hilflos ..
    Was soll ich tun ..?

  19. Danke für den tollen Artikel. Es ist wirklich ein ernstes Thema und in meiner Schwangerschaft habe ich ein Buch gelesen in dem es hieß wenn zwei Erwachsene unterschiedlicher Meinung sind, dann würden sich diese im Normalfall auch nicht schlagen. Warum schlägt man dann sein Kind?

    Auch verstehe ich Eltern nicht die als Kind geschlagen wurden und das genau so weiterführen.

    Liebe Grüße

    Steffi

  20. Lieber nicht sagt

    Hi habe irgendwie diese seite gefunden und möchte was loswerden was mich sehr bedrückt und ich auch nicht vestehe.

    Bin 43 ,es begann so haben sie mir erzählt als baby wegen zuviel schreien wurde ich einfach aufs bett geschmissen ,tür zu bis es aufhörte.Irgendwann weiss nicht genau wann ging es los mit der lockeren hand.Es steigerte sich aufs keller einsperren und licht aus.Es war ihm wohl nicht genug ,denn er benutzte dann ein gürtel zuerst die glatte seite und dann die schnalle. Wie ihr euch vorstellen könnt war nichts mit sport mitmachen denn wer möchte schon sein rücken und beine zur schau stellen und erklären wie es passiert ist.Der nächste schritt für ihn ein stock.Ich begann ins bett zu nässen Sein genialer plan damit es aufhört , eine heisse herd platte zur abschreckung.Wie oft hab ich auf dem boden gelegen hab geweint und geschrien vor schmerzen und niemand ist gekommen um mir zu helfen. Es war als ob es selbstvertändlich ist ,so über mich herzufallen .In der schule ging es bergab alle mitschüler erzählten wie toll ihre eltern waren , Ende vom lied ich habe alle gehasst hab auf sie eingeprügelt bis ich von der schule geflogen bin,es hat bis heute gehalten.

    Ich möchte nur normall leben , kein hass verspüren , mich für andere menschen freuen.Aber es geht nicht.
    Macht es gut

  21. Güngör sagt

    Hallo Lieber Marko,

    Das mit den Bücher Empfehlungen ist so eine Sache, weil es nämlich meine persönliche Subjektive Meinung darstellen würde. Das was ich dir empfehlen könnte, wäre vielleicht für dich nicht ausreichend, da letztendlich jeder von uns seine eigenen Landkarten, sprich seine ganz eigene persönliche Wahrnehmung der Welt hat.

    Und deine Wahrnehmung wiederum beeinflusst deine Realität. Vielleicht hört sich das schon allein viel zu abgehoben für dich an, ich weiß es nicht, dafür kenne ich dich und dein Innerstes nicht.

    Aber gut hier meine persönlichen Empfehlungen, auch auf die Gefahr, das manche Bücher nicht dein Interesse wecken könnte.

    Die Bücher von Jiddu Krishnamurti kann ich dir sehr empfehlen. Titel: Einbruch in die Freiheit, Das Wesentliche ist einfach, Vollkommene Freiheit.
    Wichtig ist das du diese Bücher wirklich langsam lesen solltest, und das Gelesene, dir darüber Gedanken machen. Am besten mit Papier und Stift. Schreib einfach was in dem Moment oder die nächsten Tage durch den Kopf geht.

    Krishnamurti ist ein Indischer Philosoph und Spiritueller Lehrer, einer der einflussreichsten Persönlichkeiten überhaupt.

    Die Bücher von Tony Robbins: Grenzenlose Energie,+ Entdecken sie ihre wahren inneren Kräfte.

    Hier wirst du die Möglichkeit bekommen, sehr viel über Glaubenssätze und Identitäten zu lernen, wie sie entstehen, was sie anrichten, und wie man lernt sich von innen neu zu Programmieren. Tony Robbins ist ein NLP Meister, genießt allerdings bei so manchen anderen NLP leuten einen, sagen wir mal nicht gerade einen großen Ruf, ich weiß nicht wirklich woher das kommt. Neid, zu Amerikanisch geschrieben usw.

    Egal, der Inhalt seiner Bücher sind Gold Wert. Auch hier Gilt, laß dir zeit beim Lesen seiner Bücher, aber ganz wichtig, du solltest das was du ließt in dein Leben auch anwenden. Du musst nicht alles auf einmal umsetzen, mach einfach das was du kannst.

    Von Dan Millman: Der Pfad des Friedvollen Kriegers, kann ich dir auch sehr empfehlen. Das Buch ist ein Super Buch für menschen die wirklich bestrebt sind auf der Suche nach sich selbst.

    Von Stephen Covey: Die 7 Wege zur Effektivität, kann ich dir auch nur Wärmstens empfehlen, eines der besten Bücher über persönliche Meisterung.

    Das sollte erstmal reichen. Was ich dir Erfahrungsgemäß aber sagen kann ist folgendes. So Unterschiedlich die Bücher vom Thema auch sein mögen und von der Zielgruppe, habe ich etwas verstanden, was mich einfach Begeistert hat.

    Alle diese Bücher verbinden viele unterschiedliche Gemeinsamkeiten, du wirst sehr viele Schnittpunkte entdecken können, und Themen oder Bereiche, und Themen die du noch nicht viel Verstanden haben wirst, werden bei dir einfach nur einrasten.

    Ganz wichtig laß dir Zeit, das Gelesene in dir wirken zu lassen, und was noch wichtiger ist. Schreib alles was du fühlst, deinen Schmerz, deine Gedanken, deine Gefühle alles ohne wenn und aber auf. Die Bücher kannst du wenn du möchtet mittlerweile sehr günstig bei Amazon kaufen, oder wenn eine Bücherei (Stadtbioblethek) in deiner nähe sein sollte, müssten sie ebenfalls da sein

    Lerne alles niederzuschreiben. Allein mit diesem Prozeß fängt schon dein innerlicher Transformators Prozess an zu arbeiten, aber erwarte nicht das von heut auf morgen alles perfekt laufen wird, es wird seine Zeit brauchen, du musst nur auf deinem Weg bleiben.

    Neben den Bücher lesen, kann ich dir nur dazu raten, such dir menschen denen du zu 110% vertrauen kannst, und öffne dich diesen Menschen, laß all deinen Schmerz, deine Wut, deine Gedanken raus. Du brauchst keine 1000 Freunde, nur einer reicht dem du wirklich Blind vertrauen kannst.

    Mein persönlicher Tip: Lieber Marko, Akzeptiere dich so wie du bist, mit all deinen Schmerzen, deiner Wut, deinen Gedanken usw. Laß dir von niemanden einreden, das du eventuell schwach oder ein nichts bist.

    Auch wenn ich dich nicht kenne, weiß ich du hast sehr viel Kraft in dir, sehr viel Stärke, die nur darauf wartet ans Tageslicht zu kommen. Diese Kraft kommt aber nur dann, wenn du das was du bisher erlebt hast, zu 100% Akzeptierest, und anfängst alles loszulassen.

    Du musst lernen deinen Becher zu leeren, das heißt all den Müll der in dir ist, schmeiß sie weg, bis dein Gefäß, deine Seele, dein herz, dein geist,wieder seine ursprüngliche Größe bekommt. Und dann fängst du an, dich bewusst dich von innen neu zu Programmieren.

    Eine Lotos Blume, die Wunderschön ist, wächst hauptsächlich im Verdreckten und stehendem Gewässer, sie entsteht aus dem Schlamm. Der ganze Schlamm kann nicht verhindern, das am ende daraus etwas wunderschönes kommen kann.

    Ich wünsche dir auf deinem Weg, alles, alles liebe und alles gute, glaube an dich, glaube an dein herz, deine Gefühle. Erlaube niemanden Macht über dich auszuüben indem weiter nach den Konditionierungen deiner Vergangenheit lebst.

    Alles gute lieber Marko.

  22. Marko sagt

    Hallo Güngör (Kommentar unter mir),
    welche Bücher können Sie denn empfehlen?

    Ich bin 24 Jahre alt und sowohl der Artikel als auch Ihre Erfahrungen kann ich durch eigene Erlebnisse nachempfinden.
    Ich habe Probleme mit mir, besonders in meiner Identitätsentwicklung. Die Gewalterfahrungen in der Kindheit ist eine meiner persönlichen „Baustellen“, aber es ist so schwer für mich das Thema zu klären.
    Grüße

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