Bei Schlägen geht es nicht um Erziehung, sondern um Macht und Ohnmacht.

Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein?

Ein ernstes Thema, das ich auch unter dem Eindruck des Intensivseminars, das ich letzte Woche leitete, schreibe. Trotz etlicher Erfahrungen mit Menschen zu diesem Thema, bin ich doch immer wieder auf's Neue betroffen, wenn ich miterlebe, wie körperliche Strafen, die jemand vor zwanzig, dreißig Jahren oder länger erlitten hat, sich auf das spätere Leben auswirken können.

 

Ich muss schon sehr genau hinhören und hinspüren, um mitzukriegen, dass jemand körperliche Gewalt in seiner Kindheit andeutet. Denn das Thema ist immer noch tabuisiert und vor allem auch schambesetzt. Doch wenn jemand beim Schildern seiner Biographie erwähnt, dass "es zu Hause streng zuging" oder der Vater "ziemlich autoritär war" oder "die Mutter keinen Widerspruch duldete", werde ich meist hellhörig und frage nach, was der Betreffende damit meint.

Zur Sprache kommen dann zuweilen Schilderungen von heftigen Ohrfeigen und Prügeln mit Zaunlatten, Gürteln, Lederpeitschen, Baumzweigen, Kohleschaufeln, Teppichklopfern, Rohrstöcken oder bloßen Händen usw. Der Zeitpunkt ist oft unvorhersehbar. Wenn der "Elternteil schlecht drauf war", wenn "man nicht schnell genug weg war" oder regelmäßig am Samstagabend als gefürchtetes Wochenendritual.

Ich frage auch immer nach, bis zu welchem Lebensalter geschlagen wurde und wie es aufhörte. Dabei erfahre ich, dass es meist in der Pubertät aufhört, bei manchen aber auch erst mit achtzehn, neunzehn Jahren, als sie sich entschlossen, auszuziehen. Manchmal hört der Elternteil von selbst auf, zuweilen auch nur durch die handfeste Drohung des Jugendlichen. Meist werden Jungen, speziell die ältesten, am meisten geschlagen, aber auch viele Mädchen.

Wie gehen Erwachsene mit der Erinnerung an Schläge in ihrer Kindheit um?

Eine häufige Form ist die Bagatellisierung.
Zumeist erkennbar an der Schlussfolgerung "Das hat mir aber nicht geschadet!"
Ich verstehe diesen Satz immer als den Versuch, den Konflikt zu lösen zwischen dem guten Bild, das man von den Eltern hat und den Szenen, wo man geschlagen wurde.

Häufig ist auch die Verdrängung.
Immer wieder berichten mir Menschen, dass sie an die ersten acht oder zehn Jahre ihrer Kindheit keinerlei Erinnerung haben. Kein Bild, kein Gefühl, nichts. Erst im Rahmen der gemeinsamen Arbeit kommt manchmal ein Stück schmerzlicher Erinnerung wieder zurück.

Welche Folgen haben Schläge in der Kindheit auf einen Erwachsenen?

Die Folgen sind mannigfach. Ich will hier nur einige der Konsequenzen und Entscheidungen nennen, die mir bei meiner Arbeit mit Menschen begegnet sind.

  • Angst und Vertrauensverlust in Beziehungen.
    Als Kind geschlagen zu werden, ist immer eine Situation, wo das Kind unbewusst Entscheidungen trifft. Wo es auf schmerzhafte Weise lernt, wie es in Beziehungen zugeht. Dass es um Macht geht. Dass man dem anderen, dem man vertraut hat, nicht trauen kann. Dass gleich wieder etwas passieren kann. Mögliche Folgen sind auch Gefühle des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit, des Verlassenseins, das man als Erwachsener immer wieder erlebt.
  • Beschränkte Konfliktlösungsmöglichkeiten.
    Wer geschlagen wird, fühlt sich hilflos und gedemütigt. Um damit in Zukunft umzugehen, gibt es nur wenige Strategien. Die eine ist, sich zu unterwerfen - und den vermeintlich Stärkeren heimlich zu verachten. Die andere ist, sich zu schwören, dass einem so etwas "später im Leben" nie wieder passieren wird. Und zwar indem man selbst stark wird.
  • Probleme in der Identitätsentwicklung.
    In Seminaren treffe ich hin und wieder auf ganz sanfte Männer, die  verständnis- und rücksichtsvoll sind, nie laut werden. Einerseits angenehme Personen, aber auch ein großes Stück aggressionsgehemmt. Oft fühlen diese Menschen selbst, dass ihnen eine größere Portion Männlichkeit fehlt.
    Wenn man dann in der Biographie forscht, was der Grund dafür sein könnte, graben wir zuweilen gemeinsam heftige Prügelerfahrungen aus. Frage ich, wie das "Nicht-Mann-Sein" und diese Erinnerungen zusammenhängen, hört man manchmal den einleuchtenden Satz: "Nur Männer schlagen!" Oder: "Ich wollte nie so werden wie mein Vater!"
  • Selbstwertprobleme.
    Wer geschlagen wird, erlebt, dass dem anderen seine Gefühle, Überzeugungen oder Regeln wichtiger sind als die eigene Person. Als Kind kann man noch schlecht unterscheiden zwischen sich und dem anderen. Kann zum Beispiel schwer erkennen, dass Eltern zuweilen überfordert sind (was kein Freispruch für Schlagen ist).
    Meist sucht das Kind dann nach einem Grund für die Züchtigung. Vor allem, wenn der schlagende Elternteil sich nicht entschuldigt und die Verantwortung für sein Ausrasten dem Kind zuschiebt, sucht man als Kind die Schuld bei sich selbst. Weil man zu frech war oder Widerworte gab. Weil man schlecht in der Schule ist. Weil man überhaupt auf der Welt ist.

    Wer geschlagen wird, lernt frühe Lektionen über seinen Wert.

  • Abgrenzungsprobleme.
    Wer als Kind geschlagen wird, erlebt eine massive Grenzverletzung. Und hat in der Folge oft Probleme, sich als Erwachsener angemessen abzugrenzen. Also Nein zu sagen, es anderen nicht immer recht zu machen, auch mal andere zu enttäuschen etc. Auch eigene Grenzen zu spüren, zu respektieren und flexibel damit umzugehen, kann schwierig sein.
  • Probleme mit eigenen Kindern.
    Wer Gewalt als Mittel der Erziehung erlebt hat, spürt manchmal die Tendenz, sich auch so zu verhalten. Diese Gefahr ist umso größer, je weniger man sich mit dem eigenen Geschlagenwerden und den dabei erlebten Gefühlen auseinandergesetzt hat. Manche streichen ihren Wunsch nach eigenen Kindern auch ganz, aus Angst, sich in schwierigen Situationen nicht im Griff zu haben und ebenso zum Schläger zu werden.
  • Unkontrollierbare Aggressivität.
    Als geschlagenes Kind erlebt man enorme Wut und Zorn, doch müssen diese heftigen Affekte unterdrückt und verdrängt werden. Doch unterdrückte Gefühle verschwinden nicht. Oft bahnen sie sich einen Weg in zerstörerischen Aktionen gegen andere (Kriminalität) oder gegen sich selbst (Autoaggression, Suizid, Drogenmissbrauch).

Was kann man tun?

Darauf gibt es keine schnelle Antwort. Aber allgemein kann ich sagen, dass das Bewusstmachen des Erlebten - im Gegensatz zum Verdrängen oder Bagatellisieren - ein erster wichtiger Schritt ist. Schon allein damit kommt man ein Stück aus der "Kindheits-Trance" heraus, da man den eigenen erlebten Schmerz zum ersten Mal wichtiger nimmt als das Motiv der Eltern oder die heilige Fassade des "Was sollen denn die anderen Leute denken?"

Wenn man früh Opfer von Schlägen ist, trifft man Entscheidungen für das ganze Leben.

In weiteren Schritten kann man sich mit den schmerzlichen Erlebnissen auseinandersetzen. In einzelnen Fällen ist es möglich, mit den realen Eltern ein klärendes Gespräch zu führen.

Auch Eltern lernen manchmal dazu und können spät im Leben etwas bereuen oder falsch finden, das sie jahrzehntelang eisern verteidigten. Aber oft trifft man auch auf erneutes Unverständnis und eine Wand der Ignoranz ("Das bildest Du Dir doch alles ein!")

Manchmal ist auch professionelle Hilfe nützlich,um in dem inneren Gespinst von Erinnerungen, Verdrängungsimpulsen und Verwirrung einen gangbaren Weg für sich zu finden. Letztlich aktiv zu werden im Sinne eines "Gut-für-Sich-Sorgens" ist auf jeden Fall besser als weiter im Leben in der Opferposition des geschlagenen Kindes zu verharren.

Es gibt weiteren Blogartikel von mir zum Thema hier ...

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Hier schreibt: Roland Kopp-Wichmann

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.



560 Kommentare

  • Blondgirl schrieb:

    Hallo,
    ich freue mich, endlich Leute zu finden, die ähnliches wie ich erlebt haben. Ich habe eure Kommentare gelesen und finde mich teilweise zu 100% darin wieder. Ich bin nun 31 Jahre alt und würde von meinem Vater geschlagen und getreten. Wie lange? Jahrelang – das letzte Mal war vor ca. 2 Jahren. Ich kann mich nicht mehr dran erinnern, wie es damals angefangen hat und überhaupt dazu kam. In meiner Kindheit / Jugend ist er wegen jedem Bißchen ausgerastet. Ich saß in der Badewanne, hatte die Tür abgeschlossen, er kam und wollte auch ins Bad zum Pinkeln. Ich habe gerufen: “Ich bin gleich fertig; bin gerade in der Wanne!” Er hat mit der Faust vor die Türe geschlagen und gesagt: “Wenn du nicht sofort die Tür aufmachst, fängst du eine!” Für was? Weil ich gerade im Bad war zu einem Zeitpunkt, wo er auch hinein wollte? Es waren permanent solche Banalitäten oder in meinen Augen auch einfach nichts. Nichts, was einem den Grund gibt, so auszurasten. Manchmal war monatelang alles ok und ich begann tatsächlich ihn nett zu finden (selbst heute falle ich noch oft darauf rein), um dann bald wieder festzustellen: Er hat sich nicht geändert! Er hat mich geschlagen,
    getreten und verbal aufs Übelste beschimpft und beleidigt und mir gedroht (“Fräulein, du fliegst bald zuhause raus! Warte es nur ab, bis ich dich rauswerfe!”) – eigentlich mein ganzes Leben lang (ich glaube es fing in der Grundschulzeit an, als ich 5-6 Jahre alt war). Meine Mutter rief immer nur: “Lauf weg!!”, und versuchte dazwischen zu gehen. Ich kann bis heute nicht verstehen, warum sie sich nicht getrennt hat. Ich habe es nie meinen Freunden erzählt, weil es mir -wie vielen hier- peinlich ist. Auch mein Freund, wir sind seit acht Jahren zusammen, ahnt nichts. Ich schäme mich so! Wenn z.B. Weihnachten ist, und mich meine Mutter fragt, was ich ihm schenke, sage ich: “Nichts.” Sie fragt mich dann völlig ahnungslos: “Ich frage mich immer, was du gegen ihn hast…?!” Da denke ich echt, ich bin im falschen Film. Sie weiß doch ganz genau, was ich gegen dieses Arschloch habe!! Sie war doch -wenn auch nicht immer, aber oft genug- dabei.

    An alle: Hat nur ein Elternteil geschlagen? Wenn nicht, was sagte der andere Part dazu? Und werdet ihr heute schnell zornig? Ist bei mir so, ich rege mich irre schnell über Dinge / andere Menschen auf und werde innerlich aggressiv. Frage mich, ob das vielleicht damit zusammen hängt. Habt ihr euren Vater angezeigt? Wenn nicht, was Hintertürchen euch daran?

    Ich freue mich über eure Antworten.

  • Hallo Jenny,
    meine Empfehlung lesen Sie hier öfter als Antwort auf entsprechende Fragen: machen Sie eine gute Therapie (tiefenpsychologisch fundiert.)
    In diesem Rahmen haben Sie einen Raum für Ihren Schmerz und Ihre Verletzungen und müssen das nicht über Ihre Kinder abreagieren.

  • Jenny schrieb:

    hallo!
    Mir hat ihr Beitrag gut gefallen und war sehr informativ.
    Ich selbst wurde als Kind oft geschlagen -meist nur weil meine Eltern einen schlechten Tag hatten- und selbst jetzt noch wird mir oft von meinem Vater gedroht mich mit einem Badeballschläger (der sind bei uns im wohnzimmer befinden) zusammenzuschlagen.

    Ich selber habe Angst, falls ich mal Kinder bekomme, sie auch zu schlagen und ihnen ihre ganze Kindheit versaue wie meine Eltern mir.

    Könnten sie mir irgendwas empfehlen zu tun? Irgendwas? Damit ich einen Anhaltspunkt habe..

    Lg,
    Jenny

  • Heidi schrieb:

    ich bin auf Euch gestoßen, weil ich nach dem selben Problem gegoogelt habe. Ich suchte nach einem speziellen Hilfeangebot (etwas wie der weiße Ring) für solche Menschen, wie wir es sind. Meine Eltern haben mich misshandelt bis ich Geld verdiente. Ab da war ich dann die “beste Freundin” meiner Mutter. Ich Idiot bin auch drauf reingefallen, endlich eine Mutter im klassischen Sinne zu haben. Nach tausenden von Euro, die meine Eltern mir regelrecht gestohlen oder von mir ergaunert haben und Warnungen vieler enger Freunde, bin ich aus der Situation ausgestiegen. Ich warf meiner Mutter ihr brutales Verhalten in meiner Kindheit (die Details erspare ich Euch, da es ähnlich wie bei Euch war) vor. Das Schlimmste ist für mich dabei, dass sie mich als Irre hinstellt und alles leugnet, bzw mir die Schuld dafür gibt. Ich war immer ein ganz ängstliches, stilles Kind, dass sich nie eine Frechheit gewagt hätte. Ich habe keine Sekunde daran geglaubt, dass ich tatsächlich selbst Schuld an ihrem hässlichen Umgang mit mir war. Eine Lehrerin hat mal eine Frage nach übermäßiger Strenge an meine Mutter gewagt, ein Onkel hat meiner Mutter mal die Leviten gelesen … alles hat nichts genutzt. Ich bin davon überzeugt, dass ihre Prügeleien und verbalen Erniedrigungen sie irgendwie sexuell erregt haben oder ihr ein Gefühl von Macht gegeben haben. Vor Außenstehenden stellt sie sich immer als Opfer dar. Sie sei so fleißig, obwohl sie nie arbeiten war und immer schmarotzt hat, sie -die Shoppingqueen- sei bescheiden, sie sei schwer krank weil sie vor 1 Jahr eine Gallen-OP hatte, sie habe ihre Schwiegereltern bis zuletzt gepflegt – auch eine freche Lüge- also rundum ist meine Mutter ein erbärmlicher, ein ekelhafter Mensch.
    Dieser Dorn von Mutter in meinem Fleisch hat mich zu einem Menschen ohne jedes Selbstbewusstsein gemacht. ABER ich habe dagegen angekämpft und so könnt Ihr Euch auch helfen, liebe Leidensgenossen!
    Macht etwas gegen diese verkorkste Kindheit. Nehmt Euer Leben in die Hand und versucht das Beste für Euch. Lasst es Euch gut gehen, eben weil Ihr es verdient habt.
    Ich begann als legasthenischer Grundschüler, wurde auf die Hauptschule verfrachtet und habe eben diesen Willen entwickelt für mich selbst etwas aus mir zu machen. Ich wechselte nach der 10. Klasse aufs Gymnasium. Nach 6 Jahren Hauptschule war das Abitur sehr schwer für mich und aufgrund meiner Unreife habe ich mich für die falsche Ausbildung als Speditionskauffrau entschieden aber mit 28 bin ich dann ausgezogen und konnte mir endlich mein Studium finanzieren. Heute bin ich im Management eines großen Unternehmens. Ich habe aus meinem Leben gerade aus Trotz etwas gemacht. Ich achte sehr auf mein Äußeres, auch eine Form mir selbst Wertschätzung zu geben.
    Sicher hilft diese Einstellung auch Euch. Liebt Euch, erreicht etwas durch ein Hobby oder ein Ehrenamt wie Tierschutz, schätzt Euch wert, Ihr habt es mehr als verdient – gerade Ihr!

    Für die, die sich fragen, warum ich erst mit 28 Jahren ausgezogen bin zur Erläuterung: meine Eltern haben mich belogen, ich würde eine Wohnung nie zahlen können, da sie mein Kostgeld weiter kassieren wollten.

    Vor ein paar Tagen gab es einen erneuten Streit mit meiner Mutter. Sie thematisierte meine Vorwürfe der Misshandlung selbst und leugnetet sie wieder. Sie halte meine Vorwürfe nicht mehr aus. Meine Therapeutin und ich seien irre und sie möchte unter diesen Umständen keinen Kontakt mehr.
    *** Halleluja! ***
    Ich hoffe, das bleibt auch so, ich möchte nie wieder etwas von ihr sehen oder hören. Sie hat mir immer nur geschadet.
    Und ich hoffe, von Stalking verschont zu bleiben. Wird vielleicht noch kommen……

    Meine größte Herausforderung im Erwachsenenalter war loszulassen: die Hoffnung loszulassen, dass meine Eltern doch noch ihre Schuld einsehen, dass meine Eltern doch etwas für mich empfinden.
    Vor einer Woche ist mir das, glaube ich, gelungen. Ich habe akzeptiert, dass fremde Menschen oder gar Tiere mich halt mehr lieben als meine leiblichen Eltern. Ja und? Was sagt schon DNA aus? Liebe ist Liebe, fragt mal Hunde, die sind mit ihren Herrchen auch nicht verwandt und können ihre Liebe besonders gut ausdrücken. ;-)

    für die ersehnte Trennung von meiner Mutter, die auch noch ganz alleine von ihr aus kam möchte ich an der Stelle offiziell sagen

    *** Danke Lieber Gott! ***

    Habt Ihr vielleicht auch ein paar Anregungen/Vorschläge für mich? Die Therapie konnte meinen Schmerz nicht heilen. Es war nur hilfreich zu erkennen, was eigentlich damals genau abgelaufen ist, was für ein Dämon meine Mutter ist und dass ein Kontaktabbruch das einzig Richtige ist.
    Immerhin!…..

    Fühlt Euch virtuell ganz dolle und feste in den Arm genommen!

  • Anja schrieb:

    Ganz klar kann ich sagen, dass die Schläge welche ich in der Kindheit erfahren habe mich bis heute gezeichnet haben. Und ich bin inzwischen 47 Jahre. Mein Vater und meine Mutter waren nach Aussen die netten Eltern. was sich hinter den Hausmauern abgespielt hat bekam Niemand mit. Im Gegenteil. Meine Eltern wurden von Andere als nett und warmherzig bezeichnet. Das sagten sie mri auch. “Schau, wir werden gemocht aber mit dir will doch Niemand was zu tun haben. Und du wunderst dich dass du keine Freunde hast. Sei mal fröhlicher und netter dann mag man dich auch.” perfieder geht’s kaum. An mir wurde ständig herumgengängelt, gemassregelt, Verbote erteilt etc. Wagte ich es mich dem zu wiedersetzen schlug mein Vater zu. Selbst im Alter von 34 Jahren hat er mich noch massiv geschlagen. Das passierte weil ich bis Dato noch immer nicht auf eigenen Füssen stand. Ich hatte keine Arbeit, war voller Ängste und Selbstzweifel und lebte von und bei meinen Eltern. Alles eine Folge des massiven körperlichen und seelischen Missbrauchs. Als Kind und Jugendliche kränkelte ich ständig, gefunden werden konnte nie etwas. Allerdings brachten sie auch Dinge wie als ich im Urlaub schwer fieberte mich zu prügeln ihnen den Urlaub nicht zu verderben und zwangen mich mit ihnen zu wandern. Wie sich nach dem Urlaub herausstellte hatte ich eine schwere Lungenentzündung und mein Vater verbot mir zum Arzt zu gehen. Ich würde nur herumspinnen und ihnen den Urlaub verderben. Dann gabs prügel und ich musste mich anziehen und so geschwächt wie ich vom hohen Fieber war mit ihnen am Strand im März bei Eiseskälte spazieren gehen. Das ich nicht gestorben bin war quasi ein Wunder. Genau war es mit meinem Blinddarm. In der Schule traute ich mich über Stunden nicht zu sagen, dass ich wahnsinnige Schmerzen hatte. Nach 4 Stunden Unterricht schlich ich teilweise festgekrallt vor Schmerzen an den Hauswänden entlang nach Hause. Zu Hause sagte meine Mutter “lass das blos papa nicht mitbekommen. Du weist der will das du zur Schule gehst.” Er bekam es aber mit, denn die Schmerzen ei einem akuten Blinddarm sind so unglaublich heftig. ich habe vor Schmerzen alles zusammengeschrien und er schlug gnadenlos zu. Ich habe versucht mich selbst zu erwürgen, damit ich sterbe… wohlbemerkt ich war 8 Jahre. Er sah das und prügelte derart heftig auf mich ein, dass ich ihn bat mich tot zu prügeln. er verbot meiner Mutter einen Arzt zu holen und bezeichnete mein Verhalten als reines Makieren damit ich nicht in die Schule müsse. Sowas aber wolle er mir austreiben. Nach ca. aber Stunden Schmerz und rügelqualen brach ich zusammen. Meine Mutter holte aus Angst und unter Androhung er werde sich von ihr trennen einen Arzt der mich mit wehenden Fahnen ins Krankenhaus schickte. Im Krankanhaus wurde ich notoperiert und entkam knapp dem Tod. Eine Entschuldigung hat es nie gegeben. Im Gegenteil. Früher kümmerten sich auch Aupßenstehende nicht um familiäre pßrobleme. Sie schauten tatenlos zu. Vielleicht hat es auch keiner bemerkt.
    Mein Vater ist seit vielen Jahren tot und meine Mutter leugnet alles. Sie lacht weiterhin hämisch ich sei krank und müsse endlich begreifen dass ich mich ändern muss. Sie äußert sie habe Freunde nur ich nicht und das beweise, dass so wie ich bin Niemand etwas mit mir zu tun haben möchte. Das ich stets allein war weil ich mich mit dem Leben herumplage und voller Selbstzweifel und Ängste bin lächelt sie nur weg und äußert erneut ich sei gestört und nicht ganz dicht im Kopf. Ich bin sehr einsam, habe keine Freunde, meine Beziehungen gingen alle in die Brüche, 4 lange Klinikaufenthalte und unzählige Therapeuten haben nichts gebracht.
    Ich wünsche mir weiterhin nicht zu leben, da ich keinerlei Sinn in meinem Leben sehe. Und in dieser Welt in der nur die Schönen und Erfolgreichen zählen schon erst recht nicht.
    Schläge und Missachtung, also seelische Gewalt zeichnen einen Menschen für das gesamte Leben. Ich wäre für harte Strafen derartiger Eltern. Weshalb kein Freiheitsentzug Diese Menschen haben mir meine Freiheiten für mein gesamtes Leben entzogen. Ich habe keinen Partner, kein Kind was ich mir so sehr gewünscht hätte, nach dem Tod meines Vaters erst mein Studium beenden können. Das ich es nach 17 Jahren beendete erzeugte nur Gespött bei Anderen. Die Leistung mit einem derartigen Trauma so etwas überhaupt zu schaffen davon weis Niemand. Anerkennung bekommen stets die deren Leben wie am Schnürchen läuft. Menschen wie ich ernten Hohn und Spott.
    Wir sind eine Tätergesellschaft. Für die Opfer ist kein platz. Vor Jahren wurde ich Stalingopßfer eines mir völlig Unbekannten. Da ich keine Täter benennen konnte machte mir die Kripßo das Leben zur Hölle. Man beschuldigte mich selbst die Taten vorzutäuschen weil ich nach deren Auffasung aufgrund meiner Einsamkeit Aufmerksamkeit erzeugen wollte. Ich musste zu psychologen weil die Kripo es mir befahl. Dort war man der selben Ansicht. Und selbst als der Täter durch einen dummen Zufall auf frischer Tat ertappt wurde hörte man nicht auf mich zu beschuldigen. Ich könnte ohne Ende so weitremachen. Wie soll man mit all den Erfahrungen Freude am Leben haben. Es gibt derart gestörte Menschen die Andere so schwer schädigen aber nie dafür belangt werden. Im Gegenteil

  • Jasmin schrieb:

    Hallo, ich habe mir einige der kommentare durchgelesen und kann nur sagen das es mir immer wieder wehtut so etwas zu lesen oder zu hören.
    Ich bin fast 21 jahre alt und habe zwei Kinder die ich über alles liebe und denen ich nie ein haar krümmen könnte. Umso schlimmer zu wissen das es sehr vielen kindern und jugendlichen anders geht und sie psychische und physischen misshandlungen ausgesetzt sind.
    Ich bin selber seit ich zweieinhalb jahre alt war von meinem vater verprügelt worden mit Gürteln auf den nackten po, mit teppichklopfern kabeln usw. Und damit war ich leider nicht allein. Meine große schwester kam in eine pflegefamilie als ich selbst noch ein baby war aber ich bin sehr froh darüber denn sie hatte bei meinen eltern genau das gleiche durchzumachen. Wir durften nicht in den Kindergarten damit nichts rauskommt. Ich habe noch drei jüngere geschwister bei denen man deutlich merkt was sie in der kindheit durchlebt haben. Meine schwester(20) ist in therapie und hat eine emotionale belastungsstörung, war seit ihrem 12 lebensjahr immer mal wieder in der psychtrie und hat mehrere selbstmordversuche hinter sich. Mein einer bruder(17) ist noch *normal* und mein jüngster bruder(15) ist auf gut deutsch eiskalt. Er zeigt keinerlei emotionen, baut nur scheiße und ist aggressiv. Wir hatten dreimal das jugendamt in Form von familienhelfern je ein paar monate in der familie und es ist eine schande das wir noch so lange zuhause waren grade weil wir ständig blaue flecken hatten. Erst als ich fast 15 war kamen wir alle aus der familie in eine noteinrichtung und von da ins kinderheim. Meine Brüder sind beide noch in betreuung. Einer im heim und einer in einer pflegestelle. Ständig wurden wir für kleinigkeiten verprügelt und fast täglich wurden wir runtergemacht. Man hätte uns abtreiben sollen, hätte man uns mal auf ne heiße Herdplatte gespritzt u.ä. ich hasse meine Eltern dafür und würde ihnen gerne das gleiche antun was sie uns angetan haben. Ich hatte nie viele freunde und war viel isoliert als ich noch bei denen lebte. Erst aus der familie rauszukommen hat mir und meinen Geschwistern endlich ein besseres leben beschert. Ich wünschte nur es wäre früher so gekommen. Ich hoffe ich kann irgendwann damit abschließen und muss nicht mehr ständig daran denken denn es macht mich immer mehr kaputt.

  • Ina schrieb:

    Ich bin 15 Jahre alt. Vor der Pubertät wurde ich immer geschlagen wenn meine Eltern schlechte Laune hatten oder ich etwas falsch gemacht habe (oder eher was für ihre Augen falsch war). Dazu benutzten sie oft Gürtel, Stühle oder einfach die Fäuste.Aber auch in der Ecke stehen oder ignorieren (psychische Gewalt). Ja, meine Wut hat sich auch aufgestaut. Und wenn ich sie mal angeschrien habe oder gar zurückgeschlagen habe, wurden sie noch wütender und verprügelten mich so heftig das ich nur dabei dachte:”Bitte töte mich, lass es endlich vorbei sein”. Denn ich hatte nie eine eigene Meinung, und musste Respekt zeigen. Sie sehen das als ‘Erziehungsmaßnahme’, dass weiß ich weil sie das auch gesagt haben. Doch das einzige was ich gelernt habe war Hass. Und ich hasse meine Eltern immer noch dafür. Doch sobald sie einen auf nett machen schmelze ich dahin.Dabei will ich sie hassen.
    Ich habe mir als kleines Kind immer eine schöne Familie gewünscht…ich war immer so neidisch auf die anderen die mit ihren Eltern gemeinsam spaß hatten und alles…
    Man sieht es mir auch nicht an das ich ‘gebrochen’ bin. Ich passe mich stets dem meist fröhlichen Umfeld an. Aber ist okay, dann müssen sie ja sich schließlich nicht um mich sorgen. Ich weiß es klingt blöd…aber es ist nun mal so…ich bin ein wenig ‘überglücklich’ und gehöre zu den Leuten wo man sich so was NIEMALS vorstellen könnte. Leider verspürte ich auch einfach mal das Gefühl jemanden zusammen zu schlagen…ich hab als kleines Kind öfters meine kleine Schwester (die mir vorgezogen wurde) verprügelt. Einfach ohne Grund. Obwohl ich ein sehr netter Mensch bin… Und hab eigentlich öfters Lust etwas zu zerstören, einfach ohne Grund. Ja das ganze klingt wie aus einem typischen traurigen Hollywood Film. Aber leider muss man auch einsehen das so was real ist. Ich bin wütend das die eigentlich zwei wichtigsten Menschen aus meinem Leben, meine Persönlichkeit zerstört haben. Danke, Mama. Danke, Papa. Ich will keine Kinder, dann werd ich nicht so wie ihr. Irgendwie versuche ich trotzdem zu verstehen warum genau sie das getan haben. Übrigens, wenn ich heutzutage das Thema bei ihnen anspreche wird mir auch gesagt das ich mir nur alles einbilde. Ja klar! Ich erinnere mich an jedes schreckliche Detail (Gebrüll, geweine, bin auch von zuhause weggelaufen (einfach ohne Schuhe oder Jacke rausgestürmt,so nach dem Motto: Hauptsache weg von hier, obwohl es Winter war. (Das lustige ist, ich war so zerstört das ich die Kälte schon nicht mehr gespürt habe), erinnere mich noch an viele Szenen der Gewalt,…). Mir tun alle Leute leid die ohne Liebe aufgewachsen sind, sondern nur mit ner kalten Faust ins Gesicht.Und der Artikel ist so wahr.

  • Holger Senft schrieb:

    Lieber Sven,
    ich habe Deinen Kommentar vom 13.1.2015 gelesen und war sehr berührt. Schön, dass Du aus der Gewaltspirale aussteigst. Ich bin Fernsehjournalist und möchte über die Worte des Papstes zur Gewalt gegen Kinder einen Film machen. Hättest Du Lust daran teilzunehmen?
    Gruß Holger

  • Nico schrieb:

    Hallo Sven, ich bin 19Jahre jung und versuche meinen Charakter zu verstehen und bin währenddessen auf deine Nachricht gestoßen.

    Du hast meinen Respekt, dass du dich von deinem alten Leben abwickeln konntest und eine Partnerin mit einer Tochter hast … so kannst du alles, was an dir Falsch vollzogen wurde, richtig machen.
    Und es stimmt, es brauch keine Schläge, denn wortgewandtes Reden ist die hilfreichste Methode, denn schlagen ist nur für die Leute, die sich selbst nicht zu helfen wissen .. oder in meinen Augen auch einfach zu dumm, das eigene Kind zu verstehen.

  • Sven schrieb:

    Hallo. ich bin jetzt 36 wurde von meinem Brutkasten(Mutter) und dann später von Ihr und Ihrem neuen Eheman geschlagen. Als Kleinkind nur mit der Hand. Später dann mit Kochlöffeln, einer 9 schwänzigen Katze(Peitsche), einem Holzhammer zum Bierfass Anschlagen, Handfeger und anderen diversen Gegenständen verprügelt. Und ich war noch ein Kind das es nicht besser wusste. Es wurden Gegenstände benutzt um mich zu schlagen weil meine Mutter sich nicht mehr die Hände kaputt schlagen wollte an mir und meinem jüngeren Bruder. Mein Stiefvater verprügelte meine Mutter auch sehr oft. Einmal wollte ich Ihr helfen, weil er Sie in meinen Augen umbringen wollte. Das ergebniss war ich hab dem eine geknallt, dafür musste ich hoch springen der man ist fast 2 Meter gross. Der hat mich dann geschnappt durch das Haus geschleift und mich auf die Arbeitsplatte in der Küche geschmissen und mir ein Fleischermesser an den Hals gehalten und wollte mich umbringen. Mein Brutkasten stand daneben und hat noch nicht mal was gesagt. Heute will sie davon nix mehr wissen ist ja alles nicht passiert und ich bin ein spinner. Weil ich durch die miesen Lebensumstände zum Alkoholiker und Drogensüchtigen geworden war. Ich hab kein Selbstwertgefühl. Meine Mutter sagte mir ich kann froh sein das ich lebe. Die paar vor mir hat sie ja auch weggemacht. Und eigentlich sollte ich ja ein Mädchen werden und Manuela heissen. Welcher Herzlose Mensch sagt sowas zu seinem Kind.Ein Kind das gerade in der prägendsten Phase seines Lebens ist. Jetzt bin ich Niemand, kann noch nicht mal in den Spiegel sehen. Das einzige was mich noch Leben lässt ist meine super tolle Partnerin und meine kleine Tochter.. Komisch ist nur das meine Mutter immer sagte ich bin so weil meine Mutter mich geschlagen hat, ich kann meine Tochter sehr gut lieben. Hab die kleine noch nie schlagen müssen.Das werd ich auch nie tun. Ich hab gemerkt wenn ich mit meinem Kind vernünftig rede dann klappt das auch ohne prügel. Das war alles nur die spitze des Eisbergs aber es tut gut darüber zu schreiben.

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