Können Sie „Empathie“? Nach diesem Artikel wissen Sie es.

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Was ist Empathie?

Es ist die Fähigkeit, die Gefühle eines anderen Menschen zu verstehen und zu teilen. Die Fähigkeit, sich in die Lage anderer hineinzuversetzen und zu versuchen, deren Motive und Gefühle zu verstehen.

Fehlt Empathie in Gesprächen führt dies schnell zu verhärteten Fronten oder zum eskalierenden Konflikt. Das kann man in jeder Talkshow beobachten. Weil jeder nur seine Position für richtig hält und die des anderen als „falsch“ entwertet, entsteht kein Gespräch, kein Erkenntnisgewinn.

Ihre beruflichen wie auch privaten Beziehungen können sich vertiefen, wenn Sie sich immer wieder in den anderen hinein versetzen können. Dazu müssen Sie nicht derselben Meinung sein. Sondern nur bereit sein, die Welt mit den Augen des anderen zu sehen.

Sind Sie ein Empathie-Monster?

Mit diesen Aussagen finden Sie es heraus:

1. Auf die Körpersprache von Menschen achte ich selten.
2. Ich merke oft nicht, wenn es meinem Gegenüber schlecht geht.
3. Im Gespräch schaue ich Menschen selten an, weil mich das nervös macht, angeschaut zu werden.
4. Mich hat noch nie jemand angelogen.
5. Traurige Filme schaue ich mir prinzipiell nicht an.
6. Geht es Menschen schlecht, denke ich, sie sind bestimmt selbst schuld.
7. Freuen sich andere Menschen, werde ich neidisch.
8. Es fällt mir total leicht, mich emotional von anderen abzugrenzen.
9. Ich kann nicht gut zuhören aber gut reden.
10. Stimmungen anderer lassen mich kalt.
11. Ich versuche mein Gegenüber immer von meiner Sichtweise zu überzeugen.
12. Ich stelle mir immer sofort vor, wie ich mich selbst in der Situation verhalten würde.
13. Was andere Menschen von mir denken, ist mir ziemlich egal.
14. Menschen aus meinem Umfeld vertrauen sich mir selten an.
15. In Konflikten bin ich mit den unterschiedlichen Meinungen schnell überfordert.
16. Wenn ich anderen helfen kann, schaue ich erst, was dabei für mich rausspringt.

Mit diesem nicht ganz ernstgemeinten Test ahnen Sie schon, worauf es ankommt, wenn man anderen Menschen gegenüber Empathie und Mitgefühl zeigen will.


 

Vor zwei Wochen erzählte ich einem Freund von einem persönliches Problem. Hinterher fühlte ich mich deutlich besser und das hatte damit zu tun, dass der Freund mit Empathie und Mitgefühl auf meine Situation reagiert hatte.

Es gab mehrere Dinge, die er tat, die mir ein besseres Gefühl gaben:

  • Er stellte Fragen, um meine Situation besser zu verstehen.
  • Er urteilte nicht, sondern versuchte, die Dinge aus meiner Perspektive zu verstehen.
  • Zudem betrachtete er die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln.
  • Er machte einen Vorschlag, was funktionieren könnte, ließ den aber sofort wieder fallen, als ich darauf nicht einging.
  • Er benannte öfter meine Gefühle, wodurch sie mir deutlicher wurden.

Das alles ist nicht selbstverständlich.

Vielleicht kennen Sie ganz andere Reaktionen, wenn Sie jemand einen Kummer erzählen, beispielsweise wenn Ihre Katze gestorben ist. Viele Menschen meinen dann, mitfühlend zu reagieren und machen Folgendes:

  • Informationen erfragen: „Wie alt war sie denn und woran ist sie gestorben?
  • Belehren: „Damit muss man immer rechnen, wenn man sich ein Haustier zulegt.“
  • Unverständnis: „Versteh ich nicht, dass dir das so nahegeht. Mir würde das nichts ausmachen.“
  • Übertrumpfen: „Bei dir war es nur eine Katze. Ich habe vor einem Jahr meine beiden Hunde verloren.“
  • Erklärungen abgeben: „Tja, Leben und Tod gehören untrennbar zusammen.“
  • Von sich erzählen: „Ich hatte als Kind auch mal ein Haustier, das dann starb.“
  • Trösten: „Da wirst du bald drüber wegkommen …“
  • Relativieren: „Sei froh, dass es nur deine Katze war – und nicht eins deiner Kinder!“
  • Bemitleiden: „Oh Gott, du Armer – das tut mir schrecklich leid.“
  • Verbessern: „Sei nicht traurig, am besten, du holst dir gleich wieder eine neue Katze.“

Empathie ist wichtig, denn sie verbindet die Menschen miteinander, auch wenn sie ganz unterschiedliche Meinungen und Gefühle haben.

Wenn Sie Empathie für andere haben, helfen Sie ihnen, sich selbst besser zu fühlen. Sie helfen anderen, ihre Probleme zu lindern. Sie stärken auch Ihre Beziehung zu diesem Menschen, denn Empathie ist wie ein Kanal, der Gedanken und Emotionen fließen lässt.


Wie können Sie Empathie zeigen?

Hier sind sieben Empfehlungen:

1. Versetzen Sie sich in die Lage der Person.
Es ist leicht, Kommentare abzugeben und zu beurteilen. Wir können sagen: „Das ist doch keine große Sache“ oder „Ich verstehe nicht, warum du so empfindest“ oder „Ich finde, dass Du überreagierst“.

Derlei Reaktionen zeugen aber mehr von Ihrer Hilflosigkeit, die Sie aber nicht zugeben wollen. Da ist es immer noch besser zu sagen: „Ich weiß gar nicht, was ich darauf sagen kann.“

Versetzen Sie sich besser in die Lage der Person und versuchen Sie den anderen in seiner Welt zu verstehen. Vielleicht hat er große Schmerzen und Schwierigkeiten. Vielleicht drücken ihn schwere Probleme aus anderen Bereichen seines Lebens. Vielleicht gibt es kleine Probleme, die ihn dazu veranlasst haben, sich so zu verhalten.

Sie können keine Schlussfolgerung ziehen, wenn Sie nicht viele Einzelheiten des Problems dieses Menschen kennen. Stellen Sie sich vor, Sie wären dieser Mensch. Stellen Sie sich vor, dass Sie dieses Problem gerade jetzt erleben und versuchen Sie, die Dinge aus seiner Perspektive zu verstehen. Dies wird es Ihnen leichter machen, sich mit den Emotionen und Perspektiven des anderen zu verbinden.

 

2. Zeigen Sie Mitgefühl und Besorgnis.
Wenn Ihnen jemand ein persönliches Problem mitteilt, stehen die Chancen gut, dass er/sie sich nicht wohl fühlt und Ihre emotionale Unterstützung braucht.

Zeigen Sie Mitgefühl und Besorgnis.
Fragen Sie: „Wie fühlen Sie sich?“ um Interesse zu zeigen.
Kann ich irgendetwas für Sie tun?“ ist ein guter Weg, um Unterstützung anzubieten.
Wenn Sie eng befreundet sind und anbieten, am Telefon zu sprechen oder sich zu treffen, kann das einen großen Unterschied für den anderen machen. Wenn er/sie Ihr Partner ist, umarmen Sie ihn/sie und seien Sie für ihn/sie da.

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3. Erkennen Sie die Gefühle der Person an.
Eines der größten Probleme, die mir in der Kommunikation zwischen anderen immer wieder auffällt, ist, dass viele Menschen die Gefühle des anderen nicht anerkennen.

Anerkennen bedeutet, die Wichtigkeit von etwas zu erkennen. So sagt zum Beispiel jemand: „Ich fühle mich so frustriert von X.“ Dieses Gefühl anzuerkennen bedeutet, zu sagen: „Warum bist du frustriert?“ oder „Es tut mir leid, das zu hören. Was ist passiert?“

Anstatt zu sagen: „Darüber brauchst du doch nicht frustriert sein.“ „Du nimmst das zu persönlich.“ „Hör auf, dir selbst leid zu tun.“ „Das ist doch Jammern auf hohem Niveau.“

Mit solchen Kommentaren ist man niemals hilfreich. Aber vor allem fühlt sich der andere mit seinen Gefühlen abgewertet. Sehen Sie Emotionen als den verbindenden Punkt in einem Gespräch. Wie Sie auf eine Emotion des anderen reagieren, ist entscheidend dafür, ob die Person weiterhin sich mitteilt oder zumacht.

Wenn jemand ein Gefühl ausdrückt, wie „Ich bin traurig“, „Ich bin wütend“ oder „Ich bin frustriert“, dann hilft es ihm, wenn Sie diese Emotion anerkennen. Zum Beispiel indem Sie sagen: „Es tut mir leid, dass du dich fühlst“, „Das muss wirklich frustrierend sein“ oder „Was ist passiert?“

 

4. Stellen Sie Fragen.
Fragen steuern ein Gespräch. Wenn jemand den Mut hat, etwas Persönliches mit Ihnen zu teilen, zeigen ihm Ihre Fragen, dass Sie interessiert sind und er wird wahrscheinlich mehr mitteilen.

Denken Sie darüber nach, was der Mensch Ihnen mitteilt und stellen Sie sinnvolle Fragen.
Wenn Ihre Freundin Ihnen anvertraut, dass sie gerade mit ihrem langjährigen Freund Schluss gemacht hat, können Sie fragen: „Was ist passiert?“, „Wie geht es dir?“ „Warum hast du dich getrennt?“ Solche Fragen können Ihrer Freundin helfen, sich zu öffnen. Damit zeigen Sie ihr auch, dass Sie mehr hören wollen.

Dagegen sind unpersönliche Bemerkungen wie „Ich hoffe, dass du bald darüber hinwegkommst“  „Er war es nicht wert“ oder „Du brauchst jetzt Ruhe und musst an dich denken.“ nicht nur wenig hilfreich, sondern verhindern auch, dass der andere sich weiter öffnet.

 

5. Laufen Sie dem Gespräch nicht voraus.
Ein Fehler, den Leute machen, wenn jemand ein Problem teilt, ist, dass sie einfach zum Endpunkt des Gesprächs springen.

Beispiel: Jemand sagt Ihnen, dass er gerade gekündigt wurde. Sie antworten: „Ich verstehe. Ich hoffe, du kannst bald einen Job finden.“ Was ist daran falsch?

Nun, Sie negieren damit die Gefühle des anderen. Wahrscheinlich ist er verärgert, verletzt und deprimiert. Zum anderen erinnert es den anderen zu früh daran, dass es vielleicht heute gar nicht so einfach ist, wieder schnell einen guten Job zu bekommen.

Besser ist es, sich in die Gefühlslage des anderen einzustimmen und danach passende Fragen zu stellen:

  • „Oh, das tut mir leid, das zu hören. Was ist passiert?“
  • „Wie fühlst du dich jetzt?“
  • „Was hast du jetzt vor?“
  • „Welche Art von Job suchst du?

Fügen Sie je nach Austausch weitere Fragen dazwischen ein.

Und bleiben Sie mit dem anderen Mensch in einem guten Rhythmus – wie bei einem Spaziergang. Da passt man sich ja auch an den Schritt des anderen an, rennt nicht voraus oder bleibt einfach stehen.

 

6. Urteilen Sie nicht.
Urteilen verhindern Austausch und Offenheit. Dies gilt auch für die Vorverurteilung, d.h. die Bildung eines Urteils über ein Thema (oder eine Person), bevor Sie über ausreichende Informationen verfügen.

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7. Zeigen Sie emotionale Unterstützung.
Last but not least, geben Sie emotionale Unterstützung. Das heißt, geben Sie dem anderen Ihr Vertrauen und Ihre Bestätigung. Ermutigen Sie ihn. Lassen Sie ihn wissen, dass Sie, egal was passiert, hinter ihm stehen.

Manchmal ist das, wonach die Menschen in Ihrem Umfeld suchen, keine Antworten. Es sind auch keine Lösungen. Manchmal sind sie vor allem  auf der Suche nach Empathie und Unterstützung.


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Können Sie Empathie?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

6 Kommentare

  1. Empathie, Mitgefühl im Umgang mit mir und anderen ist das Wichtigste, keine Frage. Und mittels der gfk auch erlernbar. Nicht immer einfach. Doch es klappt immer öfter, wenn ich wirklich will, wenn mir der andere wirklich wichtig ist. Und ich bekomme so viel zurück, was auch mir gut tut. Nähe.
    Danke fürs Erinnern und Dranbleiben.

  2. Matthias F. Heufer sagt

    Danke – Aufgeben: nein! Auch wenn ich das in den letzten Jahren schon mal vorgehabt habe. Jetzt wo ich meine Diagnose habe und weiß, dass ich mir Zeit geben muss, lässt es sich leichter ertragen.
    Dabei habe ich gerade noch einen Anstoß bekommen, den ich bisher nicht „auf dem Schirm hatte“: der Tipp kam von einem Sexualtherapeuten. Nach seiner Erfahrung sollte ich mal meinen Sexualhormonstatus machen lassen. Ein interessanter Ansatz – vielleicht ergibt sich daraus ein – zusätzlicher – Impuls.

  3. Es ist mal wieder großartig, wie Du große Sachverhalte auf den Punkt bringst. Danke für den tollen Artikel. Bislang habe ich Leute gerne auf das Buch „Familienkonferenz“ hingewiesen, wenn es um das unempathische Ablocken von Gefühlen ging. Ab heute habe ich auch den Link zu diesem Artikel.
    Danke!

  4. Vielleicht klappt es ja mit den beschriebenen Tipps. Und nicht aufgeben! Ich bin 69 und muss auch noch manchmal Empathie üben. 😉

  5. Matthias F. Heufer sagt

    Danke! Der Text spricht mir aus der Seele – ich weiß selbst, dass ich das nicht immer kann aber ich versuche es immer. Leider trifft das für meine Umgebung nicht immer zu und ich kenne diese schrecklichen Antworten, die mir signalisieren, dass das eigentlich alles nicht interessiert.
    Ich weiß aber auch, dass ich „selbst dafür verantwortlich bin, wie ich damit umgehe“ und oft dieser Verantwortung nicht gerecht werde. Und dann mit mir zusätzlich unzufrieden und im Clinch mit mir bin.
    Es endlich zu lernen (mit 67!) etwas lockerer, entspannter und fröhlicher an das Leben heran zu gehen, das wäre mein Traum! Dann würde es nicht nur mir besser gehen sondern auch allem Menschen, die mich (eventuell) gern haben!

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