Die Komfortzone verlassen: Das sind die wichtigsten Schritte im Leben.

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Und wie schwer das für mich mit 25 Jahren war.

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Denken Sie einen Moment an die größten Probleme in Ihrem Leben.

Angst, etwas Neues anzufangen.  Mangelnde Ausdauer, etwas durchzuziehen. Das Aufschieben sich eine neue Stelle zu besorgen. Das Ausweichen wichtiger Konfliktgespräche.

Fast alle diese Probleme haben eines gemeinsam: Sie fürchten, damit Ihre Komfortzone zu verlassen, weil es unbequem ist.

Unbequemlichkeit ist kein wirklicher Schmerz, sondern das Gefühl, wenn Sie Ihre Komfortzone verlassen.

Mit Rauchen aufzuhören, weniger Schokolade zu essen, pünktlich zu sein, Nein sagen, seine Sachen aufzuräumen, nicht mehr im Stehen zu pinkeln oder regelmäßig für Bewegung zu sorgen ist unbequem.

Und die meisten Menschen mögen keine Unbequemlichkeit, verharren in ihrer Komfortzone – obwohl die Folgen meist noch unbequemer sind.

Warum eigentlich?

Wenn Sie sich oft scheuen, Ihre Komfortzone zu verlassen, bleibt komfort-zoneIhnen zwar die Komfortzone als sicheres Reservat, doch dies ist nur ein sehr kleiner Bereich des Lebens. Oftmals liegt der beste Teil des Lebens außerhalb und das Verharren hat Konsequenzen:

  • Wer sich nicht traut, jemanden kennenzulernen, bleibt vermutlich allein.
  • Wer sich nicht von seiner Mutter löst, bleibt ein unerwachsener Mann.
  • Wer nicht Nein sagt, wird immer mehr ausgenutzt.
  • Wer nicht gesund lebt, wird früher oder später schwer krank.
  • Wer zu lange TV schaut, wird dick und unbeweglich.
  • Wer nicht rechtzeitig zur Vorsorge geht, riskiert, dass eine Krankheit lange unentdeckt bleibt.
  • Wer mehr ausgibt als er verdient, gerät in die Schuldenfalle.

 

Hier kommt eine „einfache“ Lösung.

Versöhnen Sie sich mit Ihrer Unbequemlichkeit.

Diese Entdeckung machte ich schon als junger Mann. Ich hatte einen bequemen Job als Versicherungsvertreter. Zwei Stunden am Tag mit Leuten reden und bei etwa der Hälfte der Kunden den unterschriebenen Vertrag mitnehmen. Das waren die goldenen Zeiten in der Versicherungsbranche. Heute ist das völlig anders.

Ich verdiente gutes Geld aber nach zwei Jahren dieser „Arbeit“  langweilte ich mich. Immer derselbe Ablauf, immer dieselben langweiligen Teammeetings mit Tschakka-Gedöns. Ich war unterfordert und unglücklich.

Mir war klar, was ich lieber tun würde: Psychologie studieren. Aber ich hatte nur die Mittlere Reife. Um zu studieren müsste ich das Abitur nachholen. Das war eine meiner schwersten Entscheidungen im Leben.

  • Zweieinhalb Jahre wieder die Schulbank drücken.
  • Statt zwei Stunden am Tag ein bißchen reden, sechs Stunden Unterricht, nachmittags Hausaufgaben.
  • Noch einmal Caesars Gallischen Krieg übersetzen. Mich nochmal mit der verhassten Mathematik quälen, wegen der ich das Gymnasium verlassen hatte.
  • Aus meinem geliebten Heidelberg umziehen ins fränkische Nürnberg, weil es dort ein Kolleg gab.
  • Meine damalige Frau davon zu überzeugen, dass sie ihre geliebte Universität in Heidelberg verlassen müsste und dafür in Erlangen studieren könne.
  • Statt einem lockeren Leben mit genügend Geld von 420 Mark Bafög leben.

Damals kannte ich noch nicht den Begriff vom Verlassen der Komfortzone. Aber mir alleine die obigen Konsequenzen auszumalen, fühlte sich sehr, sehr unbequem an. Und das Ganze nicht nur sechs Wochen oder vier Monate – sondern zweieinhalb Jahre!

Wie gesagt, die schwerste Entscheidung meines Lebens. Und ich hab’s gemacht.

Die Unbequemlichkeit war auch nicht phantasiert. Es war wirklich hart. Und als ich dann nach 2 1/2 Jahren mein Abitur endlich hatte, hörte die Unbequemlichkeit nicht auf. Trotz Bayern-Bonus reichte mein Notenschnitt nicht für den Numerus Clausus in Psychologie. Ich musste mindestens ein Jahr warten!

Das verbrachte ich, weil ich kein Geld hatte und arbeiten musste, in Israel im Kibbuz. Mit 28 Jahren bekam ich dann den Zulassungsbescheid.

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Mikael Damkier, fotolia.com. Das Verlassen der Komfortzone ist immer ein Sprung ins Ungewisse.

Wenn Sie die Komfortzone verlassen, müssen Sie sich mit Unbequemlichkeit anfreunden?
Aber wie geht das?

Auf alle Fälle hilft ein Ziel, das Ihnen wichtig ist.

Dabei ist Leidensdruck nicht so geeignet. Denn viele Menschen leiden lieber als etwas zu ändern. Denn das Leiden wird einem mit der Zeit vertraut, es gehört dann zur Komfortzone.

Am wichtigsten ist es, die unangenehmen Gefühle nicht zu vermeiden, sondern zu beobachten. Dabei hilft Ihnen die Achtsamkeit.

Sowie Sie aus Ihrer persönlichen Komfortzone geraten und sich unangenehme Gefühle melden, setzen Sie sich hin und nehmen Sie diese Gefühle wahr.

Sie werden feststellen:

  • So schlimm ist es gar nicht.
  • Die Welt dreht sich weiter.
  • Sie bleiben am Leben.
  • Das „Leiden“ ist zu ertragen.

Das Schlimmste ist vor allem die Vorstellung vorher und die ersten Minuten. Die muss man überstehen. Dann gewöhnt man sich an die unangenehmen Gefühle, sie werden schwächer – und manchmal tauchen auch andere, angenehmere Gefühle auf.

Dass schon Kinder mit dem Verlassen der Komfortzone kämpfen, zeigt das berühmte Marshmallow-Experiment von Walter Mischel:

Die Komfortzone verlassen müssen Sie leider bei vielen Dingen, die Sie verändern wollen.

Egal ob Sie mit etwas anfangen wollen oder mit etwas aufhören wollen. Endlich die Steuererklärung anfangen als noch weiter hinausschieben. Den fälligen Besuch beim Zahnarzt. Das lästige Referat. Der wöchentliche Hausputz.

Sich mit Unangenehmen zu arrangieren oder sogar zu befreunden, ist die wichtigste Voraussetzung, um etliches in Ihrem Leben zu ändern.

Dazu passt das Buch „Die Durchschnittsfalle“, in dem  Markus Hengstschläger erklärt , warum der Durchschnitt eine evolutionäre Sackgasse ist und warum es zukünftig zur Norm werden muss, von der Norm abzuweichen.

 

Wie Sie die Komfortzone leichter verlassen.

Wenn Sie lernen, mit unangenehmen Gefühlen anders umzugehen, gibt es fast keine Grenzen für Sie im Leben. Keine Fähigkeit ist wichtiger.

Hier einige Tipps aus meiner Erfahrung:

  1. Fangen Sie klein an. Probieren Sie 30 Sekunden. Angenommen Sie wollen anfangen zu joggen. Oder zu essen ohne dabei zu lesen oder fernzusehen. Beginnen Sie mit 30 Sekunden und lernen Sie das unangenehme Gefühl genauer kennen.
  2. Tauchen Sie in das unangenehme Gefühl ein. Angenommen, Sie sind traurig, mutlos, wütend oder frustriert. Anstatt diese Gefühle zu vermeiden oder sich abzulenken, tauchen Sie ein. Akzeptieren Sie, dass das Gefühl da ist.
    Zum Beispiel bei Aufschieberitis. Beginnen Sie mit der Aufgabe, die Sie bisher immer wieder vor sich hergeschoben haben. Bleiben Sie dran, 30 Sekunden und erfahren Sie das Unangenehme daran. Was genau ist so unangenehm? Ist es ein großer Schmerz? Sind Sie noch okay?
  3. Gewöhnen Sie sich an Unangenehmes. Stellen Sie sich täglich dieser Herausforderung. Suchen Sie unangenehme Dinge auf – und bringen Sie sie hinter sich. Sprechen Sie Fremde an. Sagen Sie Nein. Bewegen Sie sich mehr. Verzichten Sie auf Ungesundes. Seien Sie ehrlich.
  4. Beobachten Sie, wovor Sie weglaufen. Was haben Sie bisher vermieden, weil es anstrengend oder unbequem ist? Welche Probleme haben Sie, weil Sie Ihre Komfortzone dazu nicht verlassen wollen? Wie lauten Ihre Lieblings-Ausreden? Beobachten Sie das ganz achtsam und schauen Sie, ob Sie diesen Prozess nicht stoppen können. Schritt für Schritt.
  5. Wir wachsen nur am Widerstand. In der Hängematte kriegen Sie keine Muskeln. Erst wenn Sie im Fitnessstudio ein höheres Gewicht auflegen, merkt Ihr Bizeps, dass er mehr Muskelfasern aufbauen muss.
    Das Unangenehme ist nicht Ihr Feind. Es weist Ihnen den Weg.
    Das Verlassen der Komfortzone zeigt Ihnen, dass Sie am Leben sind – und wachsen.

PS: Im oben gezeigten Marshmallow-Experimente suchte man die damals Vierjährigen nach 15 Jahren wieder auf. Es zeigte sich etwas ganz Erstaunliches.

Je länger die Kinder im ursprünglichen Experiment gewartet hatten, desto kompetenter waren sie als Heranwachsende  in schulischen und sozialen Bereichen. Sie konnten außerdem besser mit Frustration und Stress umgehen und Versuchungen widerstehen.

kommentar Wann haben Sie  mal die Komfortzone verlassen?

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Foto: © Mikael Damkier,  Fotolia.com


 

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.