Leben Sie einen Tag ohne Erwartungen.

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Glück / Methoden

Ein Experiment aus der Reihe "Achtsam leben"

Wie viel von Ihrem Stress, Ärger, Ihrer schlechten Laune und Ihren Enttäuschungen entspringen einer einzigen Sache?

Fast alles davon kommt von Ihren Erwartungen. Und wenn die Dinge sich nicht so entwickeln, wie Sie sie erwarten, reagieren Sie mit Enttäuschung oder Ärger.

In unseren Köpfen haben wir Erwartungen, was andere Menschen tun sollen, wie unser Leben aussehen soll, wie andere Autofahrer sich verhalten sollen, wie sich der Chef, die Mitarbeiter, die Kunden sich am besten verhalten sollen.

Aber das ist alles nicht wirklich. Es sind alles unsere Wünsche und Phantasien. Es ist nicht real.

Und wenn die Realität nicht unsere Erwartung trifft, wünschen wir uns, dass die Welt anders wäre.

Es gibt eine einfache Lösung.

Nehmen Sie Ihre Erwartungen und werfen Sie sie ins Meer.

Stellen Sie sich alle Erwartungen vor, die Sie für sich selbst haben, für Ihr Leben, Ihren Partner, Ihre Kinder, Ihre Mitarbeiter, Ihren Job, die Welt. Und dann trennen Sie sich von Ihren Erwartungen und werfen Sie sie ins Meer. Ein Fluß oder ein See tun es auch.

Was passiert damit? Sie schwimmen. Sie werden von den Wellen fortgeschwemmt. Sehen Sie zu, wie sie von den Wellen fortgewaschen werden. Lassen Sie sie los. Und jetzt leben Sie ohne Ihre Erwartungen.

 

Wie sieht ein Leben ohne Erwartungen aus?

Sie akzeptieren die Wirklichkeit wie sie ist. Sie akzeptieren die Menschen wie sie sind – und nicht wie sie Ihrer Vorstellung nach sein sollten. Sie sehen die Dinge, wie sie sind. Sie brauchen nicht länger enttäuscht, frustriert oder verärgert sein – oder wenn Sie es sind, akzeptieren Sie diese Erwartung an sich selbst und dann lassen Sie sie auch los.

Das bedeutet nicht, dass Sie nie handeln und mit allem einverstanden sind. Sie handeln jedoch in Übereinstimmung mit Ihren Werten und beeinflussen die Welt, aber Sie haben keine Erwartung, wie die Welt auf Ihre Handlungen reagieren wird.

Machen Sie ein Experiment. Leben Sie einen Tag ohne Erwartungen.

  • Wenn Sie etwas Gutes tun, erwarten Sie kein Lob oder keine Anerkennung.
  • Wenn Sie mit dem Auto fahren, erwarten Sie keine staufreien Straßen. Wenn Sie mit der Bahn oder dem Flugzeug reisen, erwarten Sie keine Pünktlichkeit.
  • Wenn Sie einkaufen, erwarten Sie nicht, an der Kasse schnell dran zu kommen. Wenn Sie essen gehen, erwarten Sie nicht, schnell bedient zu werden.
  • Wenn Sie nach Hause kommen, erwarten Sie nicht, dass Ihr Partner freundlich, ausgeruht oder zuvorkommend zu Ihnen ist.

Achten Sie auf Ihre Gedanken und Ihre Gefühle. Verurteilen Sie sich nicht, wenn Sie Erwartungen haben. Nehmen Sie sie einfach wahr – und kümmern Sie sich nicht weiter darum. Akzeptieren Sie einfach das, was ist.

Die ausbleibende Anerkennung. Der Stau auf der Autobahn. Die Verspätung Ihres Zuges oder Flugzeugs. Beobachten Sie Ihre Erwartung, atmen Sie tief durch und akzeptieren Sie das, was passiert.

Bemerken Sie Ihre Gefühle, wenn ein Mitarbeiter oder Ihr Chef sich nicht so verhält, wie Sie es gerne hätten. Achten Sie auf Ihre Gedanken, wenn Ihr Partner sich nicht so verhält, wie Sie glauben, dass es richtig oder normal ist. Beobachten Sie all das in sich, nehmen Sie einen tiefen Atemzug – und lassen Sie Ihre Erwartung los.

Machen Sie sich Folgendes bewusst:

Ihre Erwartungen sind nur Ihr Erwartungen. Es ist nicht die Wahrheit. Es ist Ihre Perspektive, Ihre Vorstellung, wie etwas zu sein hat. Nicht mehr.

Wer Erwartungen an andere hat, glaubt oft, ein Recht darauf zu haben.

  • Sie stellen einer Verkäuferin freundlich eine Frage und erwarten eine  freundliche Antwort.
  • Sie haben eine schwierige Arbeit fertiggestellt und erwarten ein anerkennendes Wort von Ihrem Vorgesetzten.
  • Sie sind extra eine halbe Stunde früher auf die verkehrsreiche Autobahn gefahren und erwarten eine staufreie Fahrt.
  • Sie fahren Ihren PC hoch und erwarten, dass er das problemlos tut.

Doch Ihre Erwartungen sind kein Rechtsanspruch. Ihre Erwartungen sind einfach nur Ihre Wünsche und Vorstellungen. Andere Menschen und die Wirklichkeit können sich danach richten, sie müssen es nicht.

Probieren Sie es aus für einen Tag. (Wenn Sie ängstlich sind, einen halben Tag). Lassen Sie Ihre Erwartungen an andere und an sich selbst los.

Erleben Sie, dass sich die Welt weiter dreht. Dass nichts Schlimmes passiert. Vielleicht etwas anderes, als Sie sich vorstellten oder wollten. Aber mehr passiert nicht.

Akzeptieren Sie, was geschieht – und machen Sie weiter.

Und was ist mit den Erwartungen anderer an Sie?

Die gute Nachricht: die Erwartungen anderer an Sie sind auch nur Wünsche. Sie müssen sie nicht erfüllen.

Die schlechte Nachricht: die meisten anderen wissen das nicht. Sie glauben, ihre Erwartungen sind objektiv, rechtens, völlig normal und gerechtfertigt.

Sie wissen jetzt mehr – also handeln Sie klug. Da wo Sie sich abhängig fühlen, zum Beispiel im Job, erfüllen Sie die Erwartungen der anderen, solange es mit Ihren Werten vereinbar ist.

Da wo Sie sich nicht abhängig fühlen, probieren Sie aus, die Erwartungen anderer nicht zu erfüllen, wenn Sie nicht möchten. Und beobachten Sie, was passiert. Sie lernen dann viel darüber, wie der andere die Beziehung zu Ihnen definiert.

Fazit:

Dieses Experiment ist nicht einfach. Vor allem, wenn Ihnen eine Tendenz zum Rechthaben zu eigen ist oder Sie gerne die Kontrolle haben, weil Sie sich sonst hilflos fühlen.

Beobachten  Sie Ihre Reaktionen – und bleiben Sie ruhig. Es ist ein Experiment, nur für einen Tag. Morgen können Sie wieder alles so machen, wie Sie es gewohnt sind.
Wenn Sie möchten, notieren Sie hier Ihre Erfahrungen.

kommentar Schreiben Sie mir, mit welcher Erwartung Sie experimentieren?

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Bilder © R. Kopp-Wichmann
Dieser Beitrag basiert auf einem Kapitel
aus diesem Buch von Leo Babauta, das ich ergänzt habe.

In der neuen Reihe „Achtsam leben“
werde ich in unregelmäßiger Folge Beiträge veröffentlichen

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

45 Kommentare

  1. Monika Pasternak sagt

    Eine sehr interessante u. hilfreiche Idee, Erwartungen mal aus einer anderen Warte kennenzulernen. Danke, ich werde das Experiment unbedingt ausprobieren, weil auch ich mich ganz oft ertappe, wie ich mich von meinen eigenen Erwartungen an mich u. andere gängeln lasse.

  2. NH sagt

    Ich denke, wenn alle ohne Erwartungshaltung leben, gehen die ohnehin schon spärlichen Marnieren komplett flöten.

    Sorry, kann dem ganzen Experiment nicht wirklich Gutes abgewinnen.

    Würde mich aber natürlich gerne vom Gegenteil überzeugen lassen.

  3. Erwarte nicht, dass ich ihn verrate ;) sagt

    Interessanter Beitrag!
    Ich habe es tatsächlich versucht. Es ist zwar holprig vorangeschritten, da solche Erwartungen natürlich in einem bestimmten Zeitraum manifestiert wurden.
    Beispielsweise hat man immer die Erwartung, von der Partnerin zum Beispiel liebevoll behandelt zu werden.
    Ist dies einmal nicht der Fall, zerdenkt man immer die Sache bis sie im Kopf zu etwas großem, negativen heranwächst.
    Dementsprechend ist ein Tag wohl eher etwas zu wenig, um sich die ganzen Erwartungen von seinem Hals zu schaffen!
    Wer jedoch WIRKLICH in sich geht, sich WIRKLICH darüber Gedanken macht und sich mit der Materie auseinandersetzt, wird seine Erwartungen innerhalb von Wochen komplett über Board geworfen haben. Es ist ein Prozess und wie jeder Prozess braucht er Zeit. Kein Mensch verändert sich von heute auf morgen.

    Doch es lohnt sich! Einmal diesen Gedanken gefasst, ihn im inneren manifestiert als wäre er im Unterbewusstsein verankert, wird man eindeutig lockerer. Man nimmt die Welt aus einer ganz anderen Perspektive kennen und lernt, dass man wohl nicht immer den eigenen subjektiv „sturen“ Kopf durchsetzen muss damit alles funktioniert wie es sollte!

    Mir hat es sehr geholfen, vielen Dank.

  4. Liebe Frau Arndt,
    der Duden definiert Erwartung als „vorausschauende Vermutung, Annahme, Hoffnung“, d.h. man erwartet ein bestimmtes Ergebnis und ist im negativen Fall ent-täuscht, weil man einer Täuschung verfallen ist. Anders ist es beim Wunsch. Wünsche sind offen, haben kein bestimmtes Ergebnis. Es sei denn, ich mache aus meinem Wunsch eine Erwartung.
    Ohne Erwartungen zu leben ist vielleicht nicht immer möglich – aber stressfreier. Man lässt die Hoffnung fahren und akzeptiert, was kommt. Wie beim Wetter.

    „Ich tue das, weil ich einen Job finden muss, um genug Geld um Leben zu haben“ ist ein Glaubenssystem. Sie würden auch überleben ohne zu arbeiten, jedenfalls in Deutschland. Natürlich mit Einschränkungen. Wenn Sie etwas anderes wollen, ist das Ihre Motivation. Aber Sie müssen nicht. Es gibt ganz weniges im Leben, was man muss.

    Erwartungen entstehen ja immer aus unserem Drang, die Dinge kontrollieren zu wollen. Man kann Dinge beeinflussen aber ganz wenig kontrollieren.

    PS: Viel Erfolg für Ihre Bewerbungen!

  5. Gesa Arndt sagt

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    ich habe eine Frage zu Ihrem Blogtext „Erwartungen loslassen“. Das Grundprinzip verstehe ich. Gehe ich zu einem Silvesterfest und erwarte die Party des Jahrhunderts, bin ich enttäuscht, wenn sich das nicht bewahrheitet. Aber wo ziehe ich die Grenze? Gibt es überhaupt die Möglichkeit ganz erwartungsfrei zu leben? Sind Erwartungen nicht die Motivation des Handelns? Ich bin z. B. erwerbslos und bewerbe mich. Ich tue das, weil ich einen Job finden muss, um genug Geld um Leben zu haben. Wenn ich an meine Bewerbung nicht die Erwartung knüpfte, so einen Job zu finden, dann wäre ich nicht mehr motiviert, mich überhaupt zu bewerben. Laufe ich da gerade vor eine mentale Wand? Können Sie mir um Thema Bewerbung sagen wie da eine erwartungsfreie Haltung aussähe?
    Vielen Dank für die Mühe

  6. Ylander sagt

    Die Kehrseite ist auch wichtig: Nichts um die Erwartungen anderer an uns geben.

  7. Jabri sagt

    Hallo,

    ich bin neu nach Deutschland gekommen.. Die Sprache kann ich kaum..
    zuletzt hörte ich den Satz von meiner Kollegin im Krankenhaus: “ nichts zu erwarten “. Daher schrieb ich es heute auf Google.. zufällig kamen Ihre Wörter vor! haben mich gezogen.. Sie haben das tief und genau beschrieben! Danke für die Erfahrung und die schöne Formulierung!

    Meine Erfahrung damit: als ich Kind war.. Habe ich immer gehört von meiner Oma: “wer mit allen zufrieden ist, lebt !“ 🙂

    Mein Opa (ihr Ehemann) ist ein Professor in King-Abdulaziz Universität in Riyad, war sowohl mit Quran als auch mit Sunnah (das Wissen vom Prophet Muhammad PBUH) lebenslang beschäftigt, von ihm profitierte ich am meisten. Er meinte, dass der richtige Islam, nach dem heuzutage die Menschheit sich nicht richtet, sowohl die tiefe Probleme der Persönlichkeit gelöst als auch das Gut der Menschen heraugebracht hat.
    ________________________
    Beispielweise:
    eine Lösung für die Feindschaft unter die Leute findet man in diesem Abschnitt:
    “ Wer könnte noch Besseres sagen als der, der zum Glauben an Gott, den Einen, aufruft, gute Werke verrichtet und verkündet: „Ich gehöre zu denen, die sich Gott ergeben (33)“ und: “ Die gute Tat ist der schlechten nicht gleichzustellen. Erwidere die schlechte, die dir geschieht, mit einer guten! So wird derjenige, mit dem eine Feindschaft bestand, zu einem engen Freund (34) “
    Quran, Der Nahme der Suhra: Fussilat 33, 34
    ————————————–

    Das Wissen des letzten Propheten (Muhammad PBUH) der Welt wird irgendwann nochmal durch die ernsten transparenten gerechten Leute herausgebracht, um unseren richtigen Zweck im Leben zu erläutern. Bis dahin verliert die Menschheit bedauerlich jeden Tag viel zu viel!

    Ich freute mich über die zufällige Chance Herr Kopp-Wichmann, über Ihres Thema zu kommentiern.

    Liebe Grüße

    ———————————–
    http://www.quran.com/41

  8. Christine R. sagt

    Hallo, ich bin mitten in diesem Experiment, aber habe zu dieser Ansicht selbst gefunden. Also ich versuche sie nicht erst, seit ich auf Ihre Homepage gestoßen bin. Ich muss sagen, ich fühle mich unwohl. Ich fühle mich fremd in meinem Körper, wie eine Maschine. Ich hab das Gefühl, den Bezug zu mir zu verlieren und auf ein Knöpfchen gedrückt zu haben, das mich kalt und unmenschlich wirken lässt. Ich habe Angst, dass dieses Gefühl für meine Psyche ungesund ist, da es nicht meinem eigentlichen Handeln entspricht, sondern ich mich verstelle.

  9. SH sagt

    Der letzte Kommentar ist lange her …
    die Empfehlung „Leben Sie einen Tag ohne Erwartungen“ finde ich (persönlich) völlig unsinnig, sorry!
    Erwartungen entspringen der Persönlichkeit (denke ich) und sind von außen kaum beeinflussbar (und auch nicht abschaltbar).
    Aber warum sollte man annehmen und „erwarten“, dass sich (persönliche) Erwartungen erfüllen?
    Das würde doch bedeuten, alle Menschen waeren gleich (geschaltet) bzw. waeren ähnlich meinen eigenen (Wert)Vorstellungen. Das ist doch völliger Quatsch!
    Es geht mir hier nicht um grundsätzliche Dinge, die setze ich voraus!!!!
    Ich meine das tägliche „Miteinander“. Es gibt verschiedene Sichten auf verschiedene Dinge- ich muss nicht alles gut heißen (meine Erwartungen werden nicht erfuellt), aber ich muss es akzeptieren, weil ich es nicht ändern kann oder/ und ich keinen Einfluss habe.
    Das muss ich akzeptieren! Das Leben ist vielfältig! Und gerade das finde ich gut! Das macht das Leben interessant- zumindestens für mich!

  10. Mandy sagt

    Interessanter Gedanke Herrr Kopp-Wichmann ! Darüber hab ich noch nicht nachgedacht… dass der Neid uns dazu bewegen kann zuviel von unseren Mitmenschen zu erwarten. Also wer nicht neidisch ist und in sich ruht dürfte mit Erwartungen weniger Probleme haben 🙂
    Müsste man nur noch wissen wie das geht 😉

    Liebe Grüße
    Mandy

  11. Nicht immer. aber wenn man neidisch ist auf das, was andere tun, und das möglicherweise auch noch am anderen kritisiert, können das Erwartungen an sich selbst sein.

  12. Mandy sagt

    Hallo

    Kann es sein, dass unsere Erwartungen an andere…genau die Erwartungen sind, die man im Gründe an sich selbst hat?!?! Die man sich aber nicht oder nur selten erfüllt. Will man evtl. Unterbewusst andere dazu bewegen eigene Defizite auszugleichen?? Ein Beispiel wäre da die Selbstliebe ! 🙂 was denkt Ihr

    Liebe Grüße

  13. Nadine sagt

    Lieber Herr Kopp-Wichmann! Ich mache mir viele Gedanken zu Ihrem Artikel…
    Hmmm, sollen wir wirklich ohne jede Erwartung leben? Ist zb die Erwartung bzw der Anspruch (für mich dasselbe) von seinen Mitmenschen respektvoll behandelt zu werden nicht sogar absolut wichtig? Hätte ich diese Erwartung nicht, so würde ich alles mit mir machen lassen – und das macht mich bestimmt nicht freier und glücklicher…
    Oder versteh ich da etwas grundlegend falsch?

  14. netti sagt

    Wenn ich Erwartungen habe die nichr erfüllt werden bin ich evtl enttäuscht. Man setzt die Messlatte an andere so hoch wie man selbst bereit ist Erwartungen zu erfüllen. Doch die größte Erwartung die man haben kann ist die, dass der andere keine Erwartungen (an mich z.b.) hat. Da sollte man auch mal darüber nachdenken. Wenn ich Erwartung erfülle, erfülle ich Wünsche und das macht Freude für beide. So sollte man es sehen.

  15. Heileke sagt

    nun habe ich diese gedankendiät gemacht, einen tag ohne erwartungen, und es war ein wundervolles erlebnis. danke für diesen tollen hinweis!

  16. Heileke sagt

    nun bin ich 60ig jahre alt und erwarte immer noch von meiner mutter das sie mich mal fragt wie es mir geht! es tut mir weh, wenn ich sie anrufe und sie nur von sich erzählt. das sie von sich erzählt ist soweit ok, doch sie fragt mich nie wie es mir geht. überhaupt erwarte ich von den menschen das sie mich fragen, wie es mir geht usw…und manche machen es und manche nicht. und da wo es mir besonderst wichtig ist kommt kein feat beck. ja, und nun frage ich mich gerade wie werde ich meine erwartungen los, ich denke sie sind menschlich und ein teil von uns! oder gehe ich bei erwartungen in die opferrolle?

    alles liebe, heileke

  17. In dem Artikel ging es aber nicht darum, anderen beizubringen, dass sie Erwartungen haben, sondern darum, seine eigenen Erwartungen zu beobachten und gegebenenfalls zurückzunehmen.

  18. Neuhier sagt

    ja, es ist sehr spannend zu sehen, wie die menschen reagieren, wenn man ihre wünsche nicht erfüllt (geht eben leider nicht immer). so viele menschen kommen mir vor wie trotzige zornige kleine kinder, die anfangen zu brüllen, wenn man nicht nach ihrer pfeife tanzt. wenn man ihnen dann klarmacht, dass sie eben hin und wieder selber etwas dafür tun müssen, um ihre wünsche zu erfüllen, dann ziehen sie beleidigt ab. oder wenn man selber mal einen wunsch äussert, wie schnell sich manche dann aus dem staub machen.

    es gibt wirklich sehr viele menschen, die nur nehmen wollen.

  19. Elke sagt

    Hallo Frau Boldra,

    ich denke, es gibt da einen Mittelweg, der zumindest bei mir zu einem relativ entspannten Miteinander mit den Teenagern führte.
    Allerdings musste ich mir auch hart erarbeiten um festzustellen, dass ich mit meinem Verhalten, Erwartungen etc. selbst ein Bein stellte.
    Heute setze ich nicht darauf, dass irgendwer von meinen Jungs freiwillig und begeistert sieht, was im Haushalt zu tun ist. Teenager haben doch so viele andere Dinge im Kopf, die für sie wichtig sind. Wir sind so weit, dass wir die Dinge, die zu tun sind, einfach am Tisch besprechen. Ich erzähle dann einfach, was ich heute oder morgen machen möchte und frage meine Jungs, was bei Ihnen auf dem Programm steht. Dann spreche ich meine Jungs jeweils direkt an: „X, wenn Du heute bei XYZ vorbei gehst, würdest Du bitte auf dem Rückweg dieses oder jenes mitbringe.“ Oder, ich möchte heute Wäsche waschen, da ich auch noch X erledigen muss, könntest Du die Wäsche bitte aufhängen?“

    Ich erwarte aber auch nicht, dass meine Jungs immer begeistert meine Wünsche erfüllen. Je nach Situation, akzeptiere ich auch, wenn es mal nicht geht, weil einer zum Beispiel für wichtige Arbeiten lernen muss.

    Was vielleicht auch ganz hilfreich ist, ist die Erkenntnis, dass ich auch nicht auf „Knopfdruck funktioniere“. Wenn ich mit irgendwelchen Dingen beschäftigt bin und jemand etwas von mir will, so ist das doch in gewisser Weise erst einmal eine „Störung“, die ich irgendwie in mein Programm integrieren kann oder auch nicht. Wenn mein Mann im Haushalt „werkelt“, interessiert mich das auch erst einmal weiter nicht. Ich springe auch nicht freiwillig hin und frage, ob ich die Bohrmaschine oder den Hammer halten soll. Im Berufsleben kommen meine Kollegen auch nicht freiwillig und helfen mir, es sei denn ich bitte um Hilfe. Vorwürfe wie: „Nie hilfst Du mit!“ Sind da eher kontraproduktiv und führen meist dazu, dass der andere sich verteidigt, was zu unnötigen Spannungen führen kann, die sich im Laufe der Zeit potenzieren.
    Schwierig war es auch, sogenannte Nörgelkreisläufe zu durchbrechen. „Mutter nörgelt, Sohn zieht sich zurück, Mutter nörgelt noch mehr, Sohn mault zurück usw!“

    Es war am Anfang kein einfacher Weg, da ich auch eher eine hinderliche Erziehung genossen hatte. Die Mühe lohnt sich aber. Ich bin jedoch der Meinung, dass man wie immer im Leben viel an sich und seinen eigenen Einstellungen arbeiten muss.

    Zum Abschluss noch ein Zitat von Epiktet welches mir gefällt: „Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben.“

  20. Erwartungen sind stille Wünsche. Klare Vereinbarungen sind etwas anderes und funktionieren auch mit Kindern. Meistens.

  21. Renate Boldra sagt

    Kann das auch im Zusammenleben mit Kindern und Jugendlichen funktionieren? Von meinen Teenagern zuhause muss ich doch bestimmte Dinge erwarten, z.B Mithilfe im Haushalt, sonst passiert da freiwillig doch allerseltenst einmal was. Gibt es da eine Idee?

  22. Sibel Can sagt

    Ich habe mit ganz viel Interesse Ihren Beitrag gelesen. ich bin auf Ihren Artikel gestoßen während ich auf der Suche nach einer Lösung eines erwartungsfreien Lebens war.Aus dem Artikel konnte ich viele hilfreiche Tipps entnehmen. Vielen Dank

  23. Peter Krohn sagt

    Das Thema ist zentral nicht nur in der Psychologie. So unterscheidet die Soziologie zwischen antizipatorischer und normativer Erwartung.Die erstere ist womöglich (auch) notwendig, um sich überhaupt zurechtzufinden. Die normative Erwartung, die also auf Werte abhebt, dürfte die problematische sein. So bringen die eigenen Werte mit Allgemeingültigkeitsanspruch naturgemäß deren kulturimmanente Herkunft und damit eine Crux zum Vorschein.Die Werbeindustrie setzt nicht vergebens auf Muster, Vorbilder und verkitschte Ideale.

    Es lässt sich als belebendes Element wie ein interessantes Abenteuer leben: Das Aufspüren von und die Auseinandersersetzung mit Erwartung bieten gute Ansätze zum Erreichen von Gelassenheit. Eine Voraussetzung dürfte dabei Ehrlichkeit gegenüber sich selbst sein.

  24. Ute sagt

    Manchmal ist es einfach schön, auf eine Seite zu stoßen, dessen Inhalt einen bestätigt 🙂
    Ich lebe bereits seit Jahren nach dieser Maxime (und habe in dieser Zeit schon ein, zwei,drei.. Andere auch davon überzeugt :-)) und bin mir sicher, dass es mit der Hauptgrund ist, dass ich äußerst wenige Momente von Unzufriedenheit habe. Dennoch: Nicht alle Erwartungen lassen sich vollständig ablegen. Aber dann muss man darüber reden und spätestens zu diesem Zeitpunkt ist klar, ob sie weiter bestehen können oder nicht. Und noch ein kleiner Hinweis: Auch wenn man mit dieser Lebensweise mit sich im Reinen ist – die Umwelt reagiert nicht immer begeistert darauf. Unverständnis, Neid – man sollte auf solche Reaktionen gefasst sein. Selbst von Menschen, die einem vermeintlich nahestehen.
    Viele Grüße

  25. Annette sagt

    Klare Erkenntnis für mich: Erwartung zieht => Enttäuschung nach sich => nächster Schritt =>
    ent-Täusche (ich erkenne meine Erwartungen) => führt hin=> zum bewussten Wahrnehmen und damit zur => mir selbst…. Im Grunde einfach… hätten wir nicht eine Erziehung erhalten…!!! Wünsche jedem einen spannenden Tag

  26. Elke sagt

    Dieses Experiment ist einfach genial. Am Anfang kostete es mich Mühe und Konzentration.Ich sagte mir fast gebetsmühlenartig immer wieder vor: „Ich mache/sage das mal und schaue was passiert!“

    Seit nun fast einem Jahr Übung ist es schon Routine.

    Irgendwann stellte sich das Gefühl ein, dass ich aus meinem Inneren heraus handle und dass ich Gelassener wurde und mich irgendwie autentischer fühlte.

    Erwische ich mich trotzdem einmal, dass sich die eine oder andere Erwartung einstellt, registriere ich das, und sage mir, dass ich Wünsche haben darf, aber keinen Rechtsanspruch auf deren Erfüllung.

    Ich möchte ja auch nicht alle Erwartungen meiner Mitmenschen entsprechen, sondern ich möchte entscheiden, ob ich diese erfüllen möchte oder nicht. Wenn man alle Erwartungen erfüllen will, fühlt man sich irgendwann „fremdgesteuert“ und hat für eigenes wenig Raum und Energie.

    Darüberhinaus habe ich festgestellt, dass ich viele Aufgaben einfach angehe und auch dann zu kreativen Lösungen fähig bin, worüber ich mir früher wegen meiner Erwartungen stundenlang den Kopf zerbrach.

  27. Ohrwurm sagt

    Sehr intressantes Thema aber es stimmt schon danke;)

  28. Das sind interessante Gedanken hier. Ich denke, das wäre ein guter Ansatz, wenn man die Erwartungen so leicht über Bord werfen könnte. Das Leben so nehmen, wie es ist. Die Wirklichkeit akzeptieren… Das klingt alles gut und schön. Bislang ist es mir noch nicht gelungen, die Erwartungen komplett abzustreifen.

  29. Hallo Peter,
    in einer Beziehung manchmal sich auf ein Experiment einzulassen, ist eine tolle Sache. Und die Sache mit den Erwartungen ist ja ein ganz zentrales Element in Beziehungen.

    Danke für Ihren Kommentar.

  30. ich bin am Montag auf Ihren Blog durch Facebook aufmerksam geworden und hatte im ersten Moment gedacht, dass ich mir nicht vorstellen könnte, dass es für mich etwas bringen würde, so einen Tag auszuprobieren.

    Dann gab es eine Situation im Laufe des Tages, die mich auf die Idee brachte, es zusammen mit meinem Mann auszuprobieren. Er war offen dafür und es war erstaunlich, wie gut es funktionierte und welche neuen Erfahrungen und Erkenntnisse ich dabei sammeln konnte.

    Ich will sie natürlich nicht unnötig zutexten, Sie haben sicherlich genug zu tun, aber ich wollte Ihnen wirklich noch ein herzliches Danke für Ihr schönes Blog sagen, Sie haben mir damit eine echte Freude bereitet!

    MFG

  31. Hallo Melanie,
    dass Sie den Wunsch haben, dass Ihre Tochter fleissiger, aufmerksamer, klüger etc. sein möge, ist in Ordnung. Nur wenn Sie daraus eine Erwartung machen, setzt das Ihre Tochter vermutlich unter Druck, was aber vermutlich nicht zum gewünschten Ergebnis führt. Keine Erwartung zu haben und dann schauen, wo es möglicherweise klemmt, ist für Sie beide wahrscheinlich entspannter und zielführender.

    Danke für Ihren Kommentar.

  32. Melani sagt

    Das ist mal eine gute Idee. Ich werde das jetzt mal an meiner Tochter ausprobieren. Wenn wir Hausaufgaben zusammen machen artet es sich immer in Streiterei aus. Ich bin dann nur noch genervt. Nach diesem Artikel bin ich mal in mich gegangen und muss zugeben, dass ich gewisse Erwartungen von meiner Tochter habe und die kann oder will sie nicht erfüllen. Ich hoffe es gelingt mir.

  33. Merci vielmals. Ich beschäftige mich schon lange mit ‚Erwartungen‘ und ‚Recht haben wollen‘ & danke für die Anregungen.

  34. Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    durch Zufall bin ich am Freitag auf Ihren Blog durch Facebook aufmerksam geworden und hatte im ersten Moment gedacht, dass ich mir nicht vorstellen könnte, dass es für mich etwas bringen würde, so einen Tag auszuprobieren.

    Dann gab es eine Situation im Laufe des Tages, die mich auf die Idee brachte, es zusammen mit meinem Mann auszuprobieren. Er war offen dafür und es war erstaunlich, wie gut es funktionierte und welche neuen Erfahrungen und Erkenntnisse ich dabei sammeln konnte.

    Ich habe wieder gemerkt, wie gut es ist, offen zu bleiben und Neues auszuprobieren. Ich werde es nun weiter testen und bin gespannt, was sich dadurch noch so alles tun wird.

  35. Kris sagt

    Wirklich interessantes Experiment. Ich selbst lebe meine Tag ähnlich. Allerdings lässt sich ein Tag völlig ohne Erwartungen, im eines Unternehmers nie zu 100% umsetzen. 😉 Trotzdem ein toller Artikel.

    Beste Grüße,

    Kris

  36. Hallo Dennis,
    stimmt genau. Es hat ganz viel mit Selbstverantwortung zu tun. Selbstverantwortung für das eigene Handeln aber auch Selbstverantwortung für das eigene Denken und Fühlen. Kein Wunder, dass das noch nicht so verbreitet ist, denn die Verantwortung auf andere oder die Umstände abzuschieben, ist natürlich bequemer.

    Danke für Deinen Kommentar.

  37. Hallo an alle,
    ein sehr guter Artikel, den ich hier gefunden habe.
    Ich habe allesdings dieses Experiment bereits hinter mir und habe es mehrmals „neugestartet“, weil ich meinte, es laufe nicht so, wie ich will, doch nun habe ich es raus. Ich persönlich würde das Ganze unter dem Begriff „100%ige Verantwortung für sein eigenes Leben“ zusammenfassen. Heißt: man ERWARTET nix und TUT SELBER ALLES.

    Danke für diesen Beitrag
    Dennis

  38. Hallo liebe Frau Stefan,
    ich mag auch kein Esoterikgedöns. Für mich ist das oft der Versuch, etwas zu kontrollieren oder zu verstehen, was sich unserer Kontrolle entzieht.

    Zu meinem Lebenslauf. Ich bin eben auch ein Spätentwickler, wusste also lange nicht, was ich wirklich wollte, obwohl ich für vieles geeignet war. Für einen befriedigenden Beruf ist es aber enorm wichtig, herauszufinden, was man am liebsten tut und darin immer besser werden. Ich bin überzeugt, dass es so eine Aufgabe für jeden Menschen gibt – also auch für Sie. 😉

    Danke für Ihren Kommentar.

  39. Melanie Stefan sagt

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    na, das war heute für mich ein netter Zufall, als ich zufällig per Facebook auf Ihr Blog gestoßen bin. Jetzt hab ich vorhin ein bisschen mehr hineingelesen und bin sehr begeistert.

    Endlich jemand, der nicht immer dieses Esoterikgequatsche schreibt, sondern wirklich lebensrelevante Tips gibt, die auch etwas bewirken und zum Nachdenken anregen.

    Ich freu mich gerade ungemein, besonders als ich Ihren Lebenslauf las und gesehen habe, dass er auch nicht gerade verlief. Das gibt mir wieder ein bisschen Mut und Hoffnung, dass ich auch nicht völlig fehl am Platze in dieser Welt bin :).

    Ich will sie natürlich nicht unnötig zutexten, Sie haben sicherlich genug zu tun, aber ich wollte Ihnen wirklich noch ein herzliches Danke für Ihr schönes Blog sagen, Sie haben mir damit eine echte Freude bereitet!

    Viele Grüße

  40. Hallo Herr Hinkel,
    gute Ergänzung, dass hinter den Erwartungen alte Programme, also Einstellungen und Glaubenssätze, stehen. Wer zum Beispiel ungeduldig ist, hat oft ein Thema mit „Grenzen“ (der Zeit) oder Status. Wer sich dauernd über andere beschwert und viele Erwartungen hegt, hat oft ein Thema mit „Besonders-sein“ und „Gerechtigkeit“.

    Danke für Ihren Kommentar und gute Verrichtung Ihrer Hausaufgaben.

  41. Karl Hinkel sagt

    tolles Experiment. Leider habe ich schon so viele Hausaufgaben dieser Tage, bin also absolut ausgebucht. Aber ich kann aus den Übungen Ihres Buches „Ich kann auch anders“ nur bestätigen, dass alle Übungen funktionieren. Schönes Wochenende

    Hinter dem ständigen Generieren von Erwartungen liegen meistens alte Programme, die man nicht so einfach ändert. Aber einzelne Übungen können vergegenwärtigen, dass es sich lohnt, etwas dran zu tun.

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