Wie verdrängte Erinnerungen und Kindheitstrauma heute noch Ihr Leben beeinflussen.

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Und was Sie heute tun können

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Die meisten Menschen sind ja skeptisch, wenn sie lesen, dass Therapeuten und Coaches meist in der Vergangenheit suchen, wenn es eigentlich um aktuelle Probleme geht.
Oft kommt dann eine Begründung nach dem Motto: „Wie soll denn etwas, was zwanzig oder dreißig Jahre her ist, noch heute einen Einfluss auf mich haben? Ich bin doch erwachsen, bin doch ein freier Mensch. Kann mich so oder so entscheiden.“

Tja, schöne Theorie.

„Das erste, was ich von Herrn M. hörte, war eine Entschuldigung. Er kam in meine Praxis zu einem Coaching-Vorgespräch: „Entschuldigen Sie bitte, ich weiß, ich bin fünf Minuten zu früh.“

Ich fand das seltsam, kommentierte es aber nicht, weil ich neugierig war, welche Geschichte sich wohl dahinter verbergen würde. Herr M. kam wegen der Folgen eines Burnouts. Er hatte jahrelang Überstunden abgeleistet, konnte schlecht Nein sagen und wurde deshalb weidlich ausgenutzt.

Privat half er immer wieder bei der Renovierung des Hauses der Schwiegereltern und war auch noch als Fußballtrainer für eine Jugendmannschaft aktiv. Das war ihm zwar zu viel, aber er wollte die Jungen nicht enttäuschen.

Der Zusammenbruch war schmerzhaft für ihn und beschämend – aber auch erleichternd. Denn sein Hausarzt „befahl“ ihm, sich endlich um sich selbst zu kümmern und mich aufzusuchen.

Im Gespräch fragte ich ihn nach einer Weile, warum er so Angst habe, andere zu enttäuschen. Denn das schien mir der gemeinsame Nenner seines ganzen anstrengenden Verhaltens zu sein. Zuerst kamen etwas lauwarme Erklärungen, dass er eben gern anderen helfe und Solidarität ein hoher Wert für ihn sei.

„Wen haben Sie denn schon mal sehr enttäuscht?, fragte ich ihn dann.

Er wurde sofort bleich, dann rot, und stammelte dann: „Meine Mutter. Meine Mutter habe ich sehr enttäuscht.“ Dann erzählte er, dass er mit sieben Jahren mal eine Fünf in Rechnen nach Hause brachte. Seine Mutter wurde sehr zornig, fing an zu weinen und stieß dann hervor: „Weil Du geboren wurdest, konnte ich nicht weiter studieren. Wenn Du nicht gekommen wärst, wäre ich heute Ärztin!“

Herr M. wusste bis dato nicht, dass dieser eine Satz sein ganzes Leben beeinflusst hatte. Denn daraus wurde für ihn der unbewusste Glaubenssatz: „Ich bin eine Belastung für andere – und muss mir meine Existenzberechtigung erst verdienen.“

Und das versuchte er, indem er nichts für sich forderte, sondern immer nur schaute, wie er anderen helfen konnte bzw. nie mehr jemanden enttäuschte.

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Was steht in Ihrem Lebensdrehbuch?

Die Transaktionsanalyse hat den Begriff des „Skripts“ geprägt. Das ist ein Drehbuch, ein Lebensplan oder ein unbewusstes Programm, nach dem ein Mensch lebt. Die in den frühen Jahren gemachten Beziehungserfahrungen in Form von Erlebnissen und Aussagen bestimmen dabei maßgeblich das Selbstwertgefühl des Kindes und seine Strategien.

Als Kind ist man völlig abhängig von den Eltern. Sie bestimmen in großem Maß die Möglichkeiten der Person, sich zu entfalten und Konflikte zu bewältigen. Und zwar durch direkte und indirekte Botschaften, durch Verbote und vor allem durch die mit ihnen gemachten Erfahrungen.

Als Siebenjähriger konnte Herr M. zu seiner Mutter nicht sagen: „Du spinnst doch wohl. Was kann ich dafür, dass Du schwanger geworden bist?“ Als Kind übernimmt man solche Botschaften und versucht, damit irgendwie fertig zu werden.

Und diese Strategien prägen sich ein, einfach weil sie sich bewährt haben.

Herr M. erlebte, wenn er keinen Ärger machte, pflegeleicht wurde, sich hilfsbereit und höflich zeigte, dass seine Mutter und andere Menschen darauf positiv reagierten. Zugleich lernte er früh, Anzeichen von Ärger, Eigensinn oder eigene Bedürfnisse zu unterdrücken.

Als Erwachsener sind uns diese frühen Überlebensstrategien in Fleisch und Blut übergegangen. Wir müssen nicht mehr daran denken oder uns erinnern. Unser Autopilot steuert unbewusst unser Verhalten in den alten Bahnen, wenn eine für uns kritische Situation auftaucht.

So wie Herr M. beim Betreten meiner Praxis nicht sicher war, ob er zu früh gekommen war, ich vielleicht schimpfen könnte – und automatisch kam seine Entschuldigung über seine Lippen.

Jeder von uns hat solche empfindlichen Punkte und entsprechende Verhaltensstrategien aus Kinderzeiten. Zu den prägendsten Ereignissen gehören zum Beispiel:

  • Frühe Trennungen
    durch längere Klinikaufenthalte, Fremdbetreuung, Kinderheim-Aufenthalte, Trennung der Eltern. Daraus resultieren oft starke Verlassenheitsängste, die in den erwachsenen Beziehungen wieder ausgelöst werden können.
  • Krankheiten eines Elternteils
    Egal ob Drogensucht, Alkoholismus, Depression, Krebs. Das Kind lernt früh, Gedanken und Gesichter zu lesen, um auf entsprechende Ausbrüche oder Verschlechterungen frühzeitig vorbereitet zu sein.
  • Missbrauch und Prügel
    Sexueller oder emotionaler Missbrauch hat immer schlimme Folgen, vor allem weil solche Traumata auch das Gehirn verändern. Bekommt ein Kind Schläge von einem Elternteil, lernt es Lektionen über Macht in Beziehungen und wie man am besten damit umgeht. Unterordnen und Angst aushalten oder dafür sorgen, dass andere einen fürchten.
  • Abwertungen, Beschämungen, ständige Kritik
    Ein geringes Selbstbewusstsein oder das ständige Gefühl, noch etwas beweisen zu müssen, ist hier oft die Folge.
  • Schwere Krankheit oder Behinderung eines Geschwister.
    Das gesunde Kind steht fast immer im Schatten, einfach weil die ganze Aufmerksamkeit der Eltern verständlicherweise dem Sorgenkind gilt. Oft entwickelt es auch Schuldgefühle, dass es gesund ist und sorgt im erwachsenen Leben unbewusst dafür, dass es ihm nicht zu gut geht, als müsste es etwas ausgleichen oder wiedergutmachen.
  • Tod eines Elternteils oder Verwandten
    Stirbt jemand und redet man nicht immer wieder mit dem Kind und erklärt ihm, dass das nichts mit ihm zu tun hat, suchen Kinder immer nach einem Grund. Und mit ihrem magischen Denken finden Sie den Grund letztlich bei sich.

Aber natürlich gibt es unzählige Ereignisse, die einen in Kindheit und Jugend beeinflussen – und auch nicht nur negativ. Dazu zählen der Platz in der Geschwisterreihe, Erfahrungen in der Schule,  das emotionale Klima in der Familie, die Beziehung und Kommunikation der Eltern untereinander usw.

 

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Warum ist es wichtig, Kindheitstrauma bewusst machen?

Weil wir dazu tendieren, unbewusste Kindheitserfahrungen im Erwachsenenleben zu reinszenieren. In anderen Kontexten, mit anderen Menschen. Manchmal fällt einem hinterher auf, dass man unangemessen, eben nicht erwachsen, auf etwas reagiert hat.

Macht man sich die Mühe, sein eigenes Interpretieren der äußeren Situation zu reflektieren, kommt man oft darauf, dass man sich ähnlich fühlte wie in einer früheren Situation. Fast wie in einem Dejà vue.

Das allein zu erkennen ist schon hilfreich. Denn es macht uns klar, dass die äußere Situation, die Bemerkung des anderen, das Verhalten des Partners nur Auslöser für unsere Reaktion war, nicht Ursache.

Doch wie findet man die Ursache? Hier meine 4 Schritte zur Klärung:

1. Welches Verhalten finden Sie seltsam, unangemessen, überzogen oder im aktuellen Kontext wenig sinnvoll?

  • Anna hatte mit ihrem Kontrollzwang schon drei Beziehungen in den Sand gesetzt. Verspätete sich ein Partner mal um 5 Minuten war sie bereits in Panik. Das rationale Wissen, dass das immer mal passieren kann, half ihr nicht. „Ich fühle mich wie fremdgesteuert“, kommentierte sie ihr Verhalten.

2. Identifizieren Sie das dazugehörige Erlebnis als Kind.
Das geschieht weniger durch Nachdenken, sondern durch achtsames Anzapfen des Unbewussten. Schließen Sie die Augen, verbinden Sie sich mit den unangenehmen Gefühlen, die das Verhalten in Ihnen auslöst und achten Sie dann darauf, was Ihnen aus Ihrer Vergangenheit dazu einfällt.

  • Als ich das mit Anna machte, kam erst gar nichts. Dann tauchte das Fenster ihres Kinderzimmers auf. Dort war sie als Fünfjährige oft allein gestanden und hatte auf die Mutter, die im Schichtdienst arbeitete, gewartet. Mehrmals musste diese Überstunden machen, konnte nicht Bescheid sagen und Anna fürchtete, dass sie nie mehr zurückkehren würde.

 3. Finden Sie heraus, was das Kind damals geglaubt hat.
Wir müssen dauernd Ereignisse interpretieren. Mit unseren Wissen über die äußere Welt und die Gesetze der Wahrscheinlichkeit klappt das meistens sehr gut. Kindern mangelt es an beidem. Deshalb kommen sie auf Erklärungen, die für einen Erwachsenen oft absurd sind, für das Kind jedoch völlig logisch.

  • Die kleine Anna hatte aus dem endlosen Warten den Schluss gezogen, dass die Mutter sie nicht liebte. Da halfen auch die mütterlichen Erklärungen nicht weiter. Sie „lernte“, dass Beziehung und Abhängigkeit von anderen eine schmerzliche Sache ist und festigte ihre Überzeugung, dass niemand auf der Welt sie mag und sie ganz allein sei. Durch ihre Kontrollbemühungen führte sie das in ihren Liebesbeziehungen nach einer Weile auch herbei.

 4. Lösen Sie sich und Ihre Gefühle von der Vergangenheit.
Dieser Schritt ist der schwierigste und es gibt kein Patentrezept dafür.

Entscheidend ist, dass dieses Trennen von der Vergangenheit nur über die Gefühle passiert. Rational wissen Sie ja, dass Sie nicht mehr sieben Jahre alt sind. Emotional nicht.

Es gibt mehrere Möglichkeiten. Ich arbeite gern mit Sätzen, die positiv formuliert sind und das Gegenteil beinhalten, was der Klient gegenwärtig glauben kann. Der entsprechende Satz soll laut ausgesprochen werden und die inneren Reaktionen achtsam beobachten. Oft ist es gut, die betreffende person aus der Biografie, die mit der Angst zusammenhängt, sich innerlich vorzustellen und den Satz zu ihr zu sagen.

Also zum Beispiel:

  • bei Verlassenheitsangst: „Ich werde nicht sterben.“
  • beim Nicht-Nein-Sagen-Können: „Es müssen mich nicht alle mögen.“
  • bei Selbstsabotage: „Es darf mir besser gehen als Dir/Euch.“
  • bei Angst vor Autoritäten: „Du machst mir keine Angst mehr.“
  • bei Schuldgefühlen: „Ich muss nichts mehr wiedergutmachen.“

Solche Sätze können starke Gefühle auslösen. Nicht nur beim Lesen, sondern vor allem, wenn Sie sie aussprechen. Suchen sie sich also einen passenden Rahmen dafür.

PS: Solche schmerzlichen Erinnerungen und inneren Konflikte sind fast immer hochemotional. Deshalb verdrängen wir sie ja. Sie aufzuspüren schafft man nicht durch Nachdenken. Zudem geht es nicht nur darum, sich diese Ursachen bewusst zu machen, sondern auch zu bearbeiten und sich davon zu lösen.

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kommentar Wie haben Sie ein Kindheitsmuster überwunden?

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Foto: ©  privat


Sind Sie zum ersten Mal hier?

Da besonders viele Leser über diesen Artikel zum ersten Mal auf meinen Persönlichkeits-Blog kommen, hier ein paar weitere beliebte Texte zum Einstieg:


 

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach.
Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse.
Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

61 Kommentare

  1. Das Gedankengut hat jeder Psychotherapeut drauf, der die Biographie des Klienten miteinbezieht. Also vor allem Kollegen, die tiefenpsychologisch fundiert arbeiten.

  2. Corina sagt

    Sehr guter Artikel, fasst in kürze viele leidvolle hartnäckige verhaltensschienen zusammen und hab mich in vielem wiedererkannt..!

    auf der suche nach einem Therapeuten um genau solche Verhaltensschienen (die ich oft selber erkenne aber sie nicht ändern kann) noch klarer zu erkennen und sich davon zu lösen um das alte mal hintersich lassen zu können, bin ich auf diese seite (leider in deutschland;) ) gestossen und wollte mich nun erkundigen ob dieses gedankengut zur tranksaktionsanalyse gehört, weil ich nicht genau weiss, was für ein therapeut (schweiz) ich suchen muss…? liebe Grüsse

  3. Als heute trocken lebender Alkoholiker stellt man sich ja auch die Frage, ob die Kindheit oder andere Zeiten der Vergangenheit zum Alkoholismus geführt haben konnten.
    Bisher war ich aber noch nicht dazu bereit, mich einer Vergangenheitsbewältigung zu stellen

  4. Erik sagt

    Sehr interessanter Ansatz, der mich über meine eigene Kindheit nachdenken lässt. Der Artikel hat einen großen Mehrwert. Vielen Dank

  5. Hallo,
    versuche, Dir Hilfe zu organisieren. Sprich die Betreuer der Wohngruppe an, die sollen Dich an einen Psychologen oder eine Beratungsstelle vermitteln. Du brauchst Hilfe.

  6. M. sagt

    Hallo. Ich bin 14 jahre und wohne seit zwei jahren in einer wohngruppe. Ich habe grade viele punkte gelesen, die auch auf meine kindheit zutreffen, wie z.B dass meine Eltern sich mit 2 jahren getrennt haben. Ich dann bei meinem Papa mit meiner Schwester und meinem Schwerbehinderten Bruder aufgewachsen bin. Seit meinem 4 Lebensjahr wurde ich so gut wie jeden Tag geschlagen teilweise auch blutig. Später als ich 9 war ist meine Schwester zu meine Mama gezogen. Wenn mein Vater dann wieder Drogen genommen hat und agressiv wurde, habe ich immer meinen Bruder in schutz genommen. Ich habe mich um ihn gekümmert, zuhause geputzt und hatte permanente angst, dass die polizei kommt und die Hanf plantage meines Papas entdeckt. Ich musste auch oft zwangsweise mkt meinem eigenen Vater schlafen. Kurz bevor ich in die Wohngruppe kam, und mein Vater wieder konsumiert hatte, hat er mich morgens bedroht und dann ein messer nach mir geworfen. Dann hat er gesagt wenn dein leben so scheißeist dann bring dich um. Ich hatte angst und er hat gesagt ich soll das essen was er mir hingehalten hat. Es waren pilze die er selbst konsumiert hatte. Ich musste ihn essen. Ich merke jetzt das ich auch zu keinen Menschen nein sagem kann. Ich kann auch nicht weinen.

  7. Rascal Körner sagt

    Wenn die Eltern ihre Schuld nicht übernehmen für ihr Verhalten gegenüber ihren Kindern und ihnen auch nicht die Wahrheit sagen ,so übernehmen logischerweise immer die Kinder automatisch die Schuld für ihre Eltern.Weil sie denken ,irgendwas stimmt mit mir nicht ,sonst würden meine Eltern mich besser behandeln.Das hatte ich auch auf dem Schirm und viele andere die ich kenne dachten unbewusst auch so.
    Wir müssen uns unserer selbst bewusst werden und die Angst vor unseren Eltern verlieren.Ich meine damit Kritik üben zu dürfen ohne damit die Liebe der Eltern zu verlieren .Wir brauchen Mut zu uns selbst zu stehen ,ansonsten kommen wir immer vom Weg ab.

  8. Petra sagt

    Danke für das rasche Feedback und die Erläuterung, die ich absolut nachvollziehen kann. Leider sind die „positiven“ Sätze oft sehr verkopft und treffen dadurch auch nicht ins Schwarze.
    Ich habe eben für mich mal versucht einen alten Glaubenssatz an meine Eltern zu richten – ohne negative Formulierung – LACH … fast nicht möglich.
    Vielleicht sollte man tatsächlich von Fall zu Fall entscheiden.

  9. Natürlich kenne ich diese Theorie und habe das früher auch geglaubt und so gearbeitet.
    Die Praxis mit meinen Klienten hat mich aber gelehrt, dass die „negativen“ Sätze stärker entlastend wirken als die so „positiven“.

    Es macht eben einen Unterschied, ob man zu sich selber sagt: „Ich bin frei zu tun, wie ich meine Zeit einteile“ oder sich sagt:
    „Ich muss jetzt nicht aufräumen.“

  10. Petra sagt

    Lieber Roland Kopp-Wichmann,

    ein toller Artikel „Warum verdrängte Erinnerungen heute noch Ihr Leben beeinflussen“ … den ich mit Spannung gelesen habe !!! Bis zum Absatz 4.
    Beim Absatz 4 hat mein „Bauch“ heftig gegrummelt … und deshalb schreibe ich Ihnen. Ihre Affirmations-Beispiele sind allesamt mit negativen Aussagen besetzt, die unser Unterbewusstsein (UB) nicht versteht und somit leider ins Gegenteil verkehrt.

    Als versierter Coach müsste Ihnen das geläufig sein. Es gibt wirklich viele Menschen, die mit ihren alten Mustern täglich kämpfen. Diese Menschen durch Ihr Coaching zu unterstützen, das ehrt Sie … aber bitte mit den richtigen Mitteln. Das ist Basis-Wissen jedes VHS-Kurses über Autogenes Training.

    War das ein Versehen? Ihr Artikel ist bis auf den letzten Abschnitt super geschrieben, eingängig, gut nachvollziehbar und dann noch ein Lösungs-Angebot zum Schluss … beinahe perfekt.
    Es würde mich wirklich interessieren, wie Sie das sehen?!

  11. Alex sagt

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    ich wollte nur Danke für Ihre Menschlichkeit und Mühe sagen!

    Ihre Berufung beherbergt eine große Bürde, die Konfrontation mit Menschlichem Leid (man schaue sich nur die traurigen Erlebnise die in den Kommentaren stehen an).

    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft und viele positive Erlebnise in Ihrer Arbeit.

    Der Leserschaft und allen die Schmerz erleiden: Es gibt diese Lichtblicke, es gibt das gute – schauen Sie sich nur die Arbeit von Herr Kopp-Wichmann an und es gibt noch mehr Lichtblicke auf dieser Welt zu entdecken bis die eigene Welt wieder im Lichte erstrahlt – das hoffe und wünsche ich uns allen 🙂

  12. Adoptiert werden ist eine große seelische Belastung – so richtig und gut sie gemeint war.
    Es ist wichtig für das adoptierte Kind sich mit seinen Wurzeln, also den wirklichen Eltern, auseinanderzusetzen. Entweder Kontakt mit ihnen aufzunehmen oder sonstwie möglichst viele Informationen zu bekommen.
    Das zweite Wichtige ist, sich von ihnen abzulosen, was bedeutet, sich mit ihnen zu versöhnen.

  13. jule78 sagt

    Ein ganz toller Artikel, der das beschreibt, was gerade in mir vorgeht….ich habe einen tollen Mann kennengelernt, es kommt mir vor wie gestern, aber jetzt sind wir schon seit fast ein Jahr zusammen…ich bin sehr glücklich mit ihm und trotzdem kommen seit Anfang des Jahres plötzlich ganz tiefe Verlustängste hoch und eine unendliche Traurigkeit allein zu sein bis hin zur regelrechten Panikmomenten.
    Als Kind bin ich adoptiert worden und merke dass mich das doch alles mehr belastet als ich denke…wenn es ganz schlimm ist, kann ich nur noch weinen und fühl mich unendlich traurig, allein , ängstlich …es ist als ob ich in meine innere Hölle hinabsteige und selbst wenn mein Freund dabei ist fühl ich mich soooo alleine und kann es ihm garnicht erklären…am gleichen oder nächsten Tag ist dann alles wieder ok und ich weiß garnicht mehr wovor ich mich so gefürchtet hab. KAnn das jemand nachvollziehen??

  14. Traumatische Erlebnisse im Elternhaus kann man selten mit den realen Eltern aufarbeiten.
    Entweder sie leugnen sie, bagatellisieren oder rechtfertigen sie.
    „Wart mal ab, bis du Kinder hast.“ „Das war damals eine schwere Zeit…“

    Denn meist haben die Eltern Schuldgefühle und müssen das ganz früh abwehren.

    Die gute Nachricht: man braucht dazu nicht die realen Eltern, sondern kann das in einem entsprechenden Rahmen genauso effektiv „symbolisch“ tun.
    Das ist auch deshalb wichtig, weil manchmal die realen Eltern gar nicht mehr leben oder geistig nicht mehr erreichbar sind – und man dennoch noch etwas mit ihnen klären möchte.

  15. Elfriede sagt

    Hallo ich grüße alle mal nett
    Ich würde auch gerne über mich schreiben,oder erzählen,doch ich kann es nicht.
    Ich habe Mißbrauch hinter mir,(Vater)
    Heute bin ich 55 Jahre alt(Eltern nun verstorben).Geschwister-Verwandschaft kein Interrese an mir,war vorher auch nicht.
    Ich habe an einem runden geb.von meinem Vater im Alk-Rauch alles herausgeschrien,aber keiner Glaubte mir-bis heute nicht.
    Ich weiß nicht wer ich bin–viele Therapien schon hinter mir.
    Ich habe und gebe nicht auf,dennoch bin ich sehrrrrrrrrrrrr ALLEINE MIT ALLEM:

    Glg sendet Elfi

  16. Christian sagt

    Ich werde in Kürze 50 Jahre alt, bin glücklich seit 25 Jahren verheiratet, wir haben vier tolle Kinder und wörtlich ein gutes Leben. Vor acht Wochen hat mir dann meine große Schwester eröffnet, dass sie vor 38 Jahren (mit 14 Jahren) vom gemeinsamen Stiefvater ins Ehebett geholt wurde (angeblich ist nichts passiert), von unserer Mutter kam dazu nur die Frage, ob etwas geschehen sei- sonst nichts. Verständlicherweise enttäuscht und missverstanden suchte sie nach jemandem, der sich ihr mehr zuwandte und fand ihn im angeheirateten Onkel der jüngeren Schwester unsrer Mutter. Dieser „liebe“ Onkel (damals schon Mitte dreißig, verheiratet und selbst Vater) „tröstete“ sie dann über lange Zeit, bis sie mit 16 Jahren ihre erste Schwangerschaft im Kinderzimmer alleine beendete und die Tochter am nächsten Tag vor einer Türe aussetzte.
    Trotz dieser schrecklichen Vorkommnisse schaffte sie es ein durchaus normales und glückliches Leben mit Abitur, Lehre, Heirat und 2 Kindern aufzubauen. Aber ansonsten geschah nichts, absolut nichts… Bis sie sich vor 12 Jahren ihrem Ehemann anvertraute, ihren beiden Kindern (damals 12 und 14 Jahre alt) und unserer „kleinen“ Schwester nebst Ehemann, sowie unsere Eltern damit konfrontierte. Aber auch diesmal geschah nichts wirklich produktives oder förderliches, nur dass es wohl weiter rumorte. Meine Geburtstagseinladung gab letztlich den Ausschlag, es mir zu erzählen, denn sie wollte nicht mehr in der Nähe ihrer Peiniger sein. Nach 3 Tagen totaler Verwirrung, Wut und emotionalen Zusammenbrüchen habe ich dann unserem Onkel einen ausführlichen Brief geschrieben, unseren Eltern ebenfalls aber deutlich kürzer, sowie alle anderen Familienmitglieder informiert. Aber was geschah? Wieder nichts. Keiner antwortete ob dieser doch knackigen Anschuldigungen oder unternahm irgendetwas. Wiederum war ich es, der sich damit nicht zufrieden geben konnte und hakte umgreifend nach. Mittlerweile kommt niemand mehr zu unserem Fest, die Familie ist praktisch auseinander gebrochen, die Ehe meiner großen Schwester geht jetzt auseinander und wir überlegen wie wir das alles unseren kleinen Kindern (10+12 Jahre) beibringen sollen…
    Ich selbst bin jetzt seit kurzem in Behandlung, aber trage heftig mit dieser Erfahrung vor allem, weil mir dazu jedwede Vorstellung fehlt, wohin das alles führt.
    Ich wäre glücklich eine Art Leitfaden zu erfahren, oder anderer Leute Erfahrungen lesen zu können.

  17. Bei vielen Menschen mit einer Depression reicht eine medikamentöse Behandlung nicht aus, weil damit die dahinter liegenden psychischen Themen nicht bearbeitet und gelöst werden können.
    Und Ihre Freundin muss sich dringend von ihrer Mutter lösen. Das geht aber nicht über den Verstand, sondern meist nur mit einer guten tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie. Adressen finden Sie hier: http://www.psychotherapiesuche.de
    Möglicherweise wird Ihre Freundin dies vehement ablehnen, dann müssen Sie sich entscheiden, ob Sie weiter diese unendliche Geduld aufbringen wollen, und wie lange.

  18. Björn sagt

    Ich bin 39 und lebe mit meiner Freundin seid einem Jahr zusammen. Letzten Oktober kam sie aufgrund eines Vorfalls in eine psychatische Klinik. Starke Depressionen wurde diagnostiziert. Kein Problem für mich. Ich hab sie jeden Tag besucht. Ich hab den Haushalt geschmissen und mich um die Kinder gekümmert. Nach 8 Wochen kam sie in die Tagesklinik. Sie ist jetzt auf Tabletten eingestellt.
    Nun kommt das schlimme. Ich hab sie immer probiert zu motivieren und ihr alles ermöglicht sich zu fangen. Jetzt ist es so das sie von mir keine Ratschläge mehr annimmt und es ihr egal ist was ich sage. Sie hat eigentlich im Leben noch soviel vor aber sie kommt nicht in die Gänge. Sie sitzt lieber den halben Tag auf dem Sofa und schreibt in Facebook oder Whattsapp anstatt ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen. Ich hab die Frau kennen und lieben gelernt. Wir hatten eine super schöne Zeit miteinander,aber zur Zeit ist es eine Katastrophe.
    Ihre Mutter will nichts von ihr Wissen und auch ihre Kinder sind der Oma egal. Meine Freundin sucht immer wieder den Kontakt zu ihrer Mutter…vergebens.sie kämpft seid ihrer Kindheit um die Anerkennung ihrer Mutter. über ihre Depressionen wollte die Mutter meiner Freundin nichts wissen und meinte es sei ein Aufmerksamkeitsdefizit meiner Freundin. Das macht meine Freundin fertig. Jetzt ist es so das sie zu mir eiskalt ist und ihr alles egal ist. Sobald eine kleine Hürde zu überwinden ist,steckt sie den Kopf in den Sand und zieht sich ins Bett zurück. Ich komm nicht mehr an sie ran. Wir waren schon in einem Hochseilgarten um ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Ohne Erfolg. Sie kann meines Erachtens soviel erreichen,sie will aber nicht. Ich liebe sie und ihre Kids von ganzem Herzen, bin aber mit meinem Latein am Ende.

  19. Sie sollten umgehend von zu Hause ausziehen und sich von Ihren Eltern lösen. Äußerlich aber vor allem innerlich.
    Ich kann mir vorstellen, dass Ihnen das nicht leicht fällt. Holen Sie sich für diesen notwendigen Schritt therapeutische Hilfe. Das zahlt die Krankenkasse. Adressen finden Sie hier: http://www.psychotheraiesuche.de

  20. Melanie sagt

    Ich bin 20 Jahre alt. Und habe schon früh mein eigenes Verhalten und meine Ängste analysiert. Mir war schon in der Pubertät bewusst, dass ich mich von Menschen nicht trennen kann, selbst wenn es nur Freunde sind. Mir war auch bewusst warum. Mein Vater war ein sehr liebevoller Vater im Gegensatz zu meiner Mutter bildete er schon früh eine Stütze, dennoch ließ mich oft allein, weil er aufgrund von Geschäftsreisen, Monate fort war. Als Kind weinte ich ununterbrochen. Noch heute weine ich, selbst bei dem Gedanken an ihn. Er ist 70 Jahre alt und nun vollkommen fort, sodass ich ihn nur einmal im Jahr sehe. Mein Vater hat mich zutiefst geliebt und mir bis heute viel Aufmerksamkeit geschenkt.

    Meine Mutter hat mich im Gegensatz immer weggestoßen. Ich war immer eine Last. Ich wurde angeschrien, vor allen verprügelt und gedemütigt. Bis heute höre ich jeden Tag „Du bist so komisch, dass macht kein Mensch außer du. Aus dir wird nichts, wenn du dies und jenes heute schon nicht kannst. Die und die sind ja auch total zielstrebig nicht so wie du.“… Diese Worte haben mein Leben geprägt. Es fehlt mir an Selbstbewusstsein und ich entschuldige mich auch für alles mögliche.

    Ich lebe noch mit meiner Mutter zusammen aber es macht mich krank. Ich ignoriere ihre negativen Kommentare, doch wenn ich bereits gestresst bin und das höre flippe ich aus. Erst heute habe ich sie mit allem möglichen beworfen und war außer mir, worauf sie meinte „Du bist verrückt.“ Und bei diesem Satz habe ich nur noch rot gesehen, selbst wenn dann wäre es ihre Schuld aber meine Mutter kennt keine Schuldgefühle. Sie hält mich für krank und psychisch instabil, und selbst wenn ich ihr ihre Fehler erkläre, akzeptiert sie diese nicht. Bitte helfen Sie mir, ich weiß nicht mehr wie ich sie aushalten soll. Ich war heute schon kurz davor mir selbst etwas anzutun.

  21. Jasmin sagt

    Der Artikel ist gut. Erklärt einiges.
    Zu mir: Meine alleinerziehende Mutter war jahrelange Alkoholikerin, die mich fast jeden/ mehrmals am Tag schlug. Sie beleidigte mich und ein Satz geht mir nicht mehr aus dem Kopf: Es wäre einfacher und schöner, wenn du nie geboren worden wärst. Als sie diesen Satz sagte, war sie nicht sternhagelvoll. Ja ein Satz. Ein einfacher Satz der durchaus einen so prägen kann. Meine Kindheit war nicht grade einfach. Mein Leben jetzt ist es für mich auch nicht.
    Wenn Sie mehr wissen wollen Roalnd Kopp-Wichmann, schreiben Sie mir. Wenn Sie Fragen haben beantworte ich sie gern. Vielleicht versteh ich meine Probleme dann besser.

  22. Anonym sagt

    man kann jedoch auch im laufe des lebens durch mitmenschen traumatisiert werden. bspws: „gestörte vorgesetzte“ – permanente unterdrückung – herabsetzung der eigenen leistungen etc. (mobbing). davor ist man ja nie sicher. vor allem heutzutage, wo der existenzkampf immer härter wird.
    wenn man dann gekündigt auf der strasse sitzt (weil man eben einen vor sich sitzen hatte, der über mein weiteres leben mit kündigung entscheidet), dann ist man völlig machtlos. wenn dieser existenzkamp dann auf dem amt weitergeht (ich sage nur h4 und sanktionen), sieht man sich wieder vor der willkür, bzw. in der situation, dass auf einem herumgetrampelt wird.
    da helfen nur ausreichende rechtskenntnisse, um nicht resttraumatisiert auf der strasse zu landen.
    das leben ist kein schöner ort mehr.

  23. Igball Selimi sagt

    Lieber Herr Kopp-Wichmann,
    können Sie mir zu diesem Thema Fachliteratur empfehlen?
    Danke und liebe Grüße.

  24. Sandra Wiedemann sagt

    Guten Tag Herr Kopp-Wichmann,

    ich antworte mit einem ungefähren Zitat von Mark Twain, beim genauen Text bin ich mir nicht sicher:
    Eine Angewohnheit kann man nicht aus dem Fenster werfen. Man muss sie die Treppe Stufe für Stufe hinuntersteigen lassen.

    Nach meiner Erfahrung hängt die Anzahl der Treppenstufen von der Dauer der Gewohnheit und der Tiefe der (un)bewussten Gedankenautobahnen ab. Je älter und unbewusster das Muster, umso größer die Wahrscheinlichkeit der Verflechtung mit anderen evtl. ebenso unbewussten und überholten Gedankenbahnen, das kann dann schon mal länger dauern.

    Ich kenne nur einen Weg: kleine Hemmschwelle um mit dem Üben zu beginnen, mit sich und den eigenen Bedürfnissen in Kontakt kommen, dran bleiben und sei es mit winzigen Schritten und sich dabei fleißig selbst belohnen – irgendwann ist die schrittweise Veränderung dann ein Selbstläufer und die Belohnung selber : )

    Manchmal kann es dauern den richtigen Satz oder die richtige Frage zu finden. Aber jede geschlossene Tür gibt einen Hinweis auf die Richtung in der die offene Tür zu suchen ist.
    Ich lerne mich besser kennen.
    Mir hilft: Nur weil ich eine Lösung noch nicht sehe, bedeutet dies nicht, das es keine gibt. Oder im Umkehrschluss: Es gibt immer eine Lösung. Auch Oscar Wilde war dieser Meinung:
    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht zu Ende.

    Rollenspiele funktionieren bei mir bei der Suche nach den Bedürfnissen sehr gut:
    ich stelle mir mich als Kind vor und sage meiner Mutter (ein Kissen oder Stuhl dient als Platzhalter) die Sätze die ich damals nicht sagen konnte – was brauche und wünsche ich mir von ihr.
    Dann wechsele ich an den Platz meiner Mutter und versuche mich als Erwachsene in sie hinein zu versetzen. Mir sind bisher automatisch Sätze eingefallen, die ich dann zu mir als kleines Kind (ein Kissen oder Stuhl dient als Platzhalter) gesagt habe, die sie damals nicht sagen konnte. Bei mir hat dies ein tiefes Verständnis, Dankbarkeit und Verzeihen ausgelöst. Inzwischen mache ich ein Rollenspiel in Gedanken mit der kleinen und der großen Sandra: was die Kleine braucht erzählt sie der Großen und die reagiert dann entsprechend. Nach und nach wächst das Vertrauen der Kleinen in die Große und bei der Großen das Verständnis für die Kleine, sodass immer weniger Gespräche aufgrund „kindischen“ Verhaltens nötig sind.

    Abhängig von der Tiefe der Verletzung empfehle ich, sich Unterstützung für diese Methode zu holen.

    Liebe Grüße
    Sandra

  25. Der Bericht ist hammer und genau das was ich gesucht habe.
    Ich beschäftige mich auch seit ein paar Tagen mit ein paar Ereignissen die mich sehr belasten und die ich gerne loswerden würde. Versuche gerade Gefühle zu sammeln die ich empfand. Mir ist aufgefallen, dass ich ein ausgeprägtes Ungerechtigkeitsgefühl habe, oft vieles sehr persönlich nehme, das Gefühl habe dass ich nicht ich selbst sein darf weil mich so keiner Mag.
    Im Teenie alter habe ich im Kreis meiner 3 besten Freundinnen einer eine Lüge unterstellt. Es ging natürlich um einen Typen. Sie hatte behauptet sie wäre mit diesem besagten Jungen zusammen, was ich belegen konnte da ich wusste wer wirklich mit ihn zusammen war. Um diese Lüge zu vertuschen hatte Sie mich aufs Übelste beleidigt, mich terrorisiert und fertig gemacht. Die anderen 2 Freundinnen schlugen sich auf Ihre Seite und ich stand von heute auf Morgen alleine da.
    Ich empfinde bis heute Groll gegen diese Person, das ist jetzt schon 18 Jahre her, habe immer noch das Bedürfnis sie sollte sich dafür entschuldigen was Sie mir angetan hat.
    Ihr Lügengerüst viel ca. ein Jahr danach in sich zusammen, die andern beiden Freundinnen haben sich entschuldigt. Bis heute pfelge ich guten Kontakt, eine von beiden zähle ich immernoch zu meinen besten Freundinnen. Die Lügnerin stand dann, genauso wie ich, auf einmal alleine da. Ihr ist es also ähnlich wiederfahren wie mir. Noch nicht mal das gab mir die Genugtung um diese Sache endlich zu den Akten zu legen.
    Könnten die oben genannten Gefühle mit diesem Ereigniss in zusammenhang stehen oder sollte ich noch weiter zurück gehen und weiter suchen?
    Wie kann ich diese Sache endlich loswerden? Hoffe das mir das helfen könnte ein gegenwertiges ähnliches Problem zu lösen

  26. Hallo Hannah,
    gut, dass Sie anfangen, sich mit Ihrer Geschichte auseinanderzusetzen.
    Dass Sie sich schuldig fühlen ist normal von Opfern wie Ihnen, ist aber nicht angemessen. Bei Traumatisierungen ist es fast immer so, dass man das in irgendeiner Form weitergibt, an andere oder sich selbst.
    Die Suchttherapie ist erstmal ein Schritt. Sie werden selbst spüren nach einer Weile, ob das reicht.
    Alles Gute für Sie.

  27. Hannah sagt

    Ich bin 23 Jahre alt, und habe mich letztes Jahr in psychiatrische Behandlung begeben, weil ich extrem unter einer Trennung, innerer Leere, Ängstlichkeit und Niedergeschlagenheit gelitten habe. Ich habe mich nach der Trennung Drogen und Alkohol zugewandt, und habe relativ schnell gemerkt, dass ich in eine Sucht schlittere. Ich erhoffte mir durch die Psychiaterin professionelle Hilfe von außen zu bekommen.

    Erst als meine Psychiaterin wiederholt nachhakte, wie es mir Zuhause in der Kindheit erging, habe ich zugegeben, dass der Erziehungsstil meines Vaters „autoritär“ gewesen sei. Als sie nochmals nachfragte, was ich genau damit meine, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben zugegeben, dass ich von ihm im Alter von 8-15 oft heftig verbal beleidigt und körperlich misshandelt worden bin: Schubsen, anbrüllen bis ich zusammenkauerte, am Hals gepackt und die Wand hochgezogen, durchs Zimmer geschleudert, als Tochter verleugnet worden.

    Das Gespräch mit meiner Psychiaterin ist jetzt eine Woche her, und ich fühle mich, als sei ein Damm gebrochen. Ich fange seitdem oft an zu weinen, wenn ich an viele Erlebnisse aus dieser Zeit denke. Ich frage mich, wie es sein kann, dass ich mich jetzt erst mit diesen Erinnerungen befasse und ich mich nicht vorher so tief davon betroffen fühlte? Ich bin die älteste Tochter und habe bisher meinen Eltern gegenüber immer große Schuldgefühle gehabt, dass ich nicht genug anrufe/mich bei ihnen melde oder im Studium gut genug bin. Auch empfinde ich große Scham und Schuldgefühle, weil ich in meiner Kindheit damals diese Gewalt an meine jüngere Schwester weitergegeben habe.

    Nun stehe ich kurz davor eine Suchttherapie zu beginnen. Ich frage mich, ob das ausreicht und welche weiteren Psychotherapien geeignet wären, um meine Vergangenheit zu bewältigen.

    Vielen Dank für Ihren Blogpost. Ich würde mich über jeden Ratschlag freuen.

  28. Franziska sagt

    Ich finde diesen und andere Beiträge sehr gut. Bin bei einigen Teilen in Tränen ausgebrochen….. „So ganz ohne Grund…..“
    Bin mir mit bals 46 „endlich“ bewusst geworden, dass ich etliche unbegründete Schuldgefühle, sicher auch Verlassungsängste rumschleppe. Lieber spät als nie, nicht wahr? Hoffe, dass ich lerne diese abzulegen.

    Meine Eltern wollten mich scheinbar abtreiben lassen, dann bei der Geburt hat meine Mutter fürchterlich gelitten, sie war auch fürchterlich enttäuscht als sie mich das erste Mal so (so hässlich im Hinblick zu meiner grossen Schwester), dann hatte nur geweint und sie zum Wahnsinn getrieben etc etc. Wir waren eine Belastung, wenn wir schlafen gingen musste sie weiter arbeiten, habe stundenlang vor dem Küchenfenster oder vor im Korridor vor der verschlossenen Tür weinend auf sie gewartet, wenn sie uns schimpfte mussten wir ins Zimmer „wenn du dich so verhältst, liebe ich dich nicht mehr und mag dich nicht mehr sehen“ etc

    Also, hoffe ich komme aus dem Dschungel raus….. Danke auf jedem Fall für Ihre Beiträge!!!!

  29. hallo herr kopp wichmann,

    ihre artikel gefällt mir sehr gut. daher werde ich jetzt sofort einen link auf meinem blog zu diesem artikel setzen herzlichen gruss 🙂

  30. Hallo,
    Traumatisierungen kann man überwinden, indem man sich von dem „Täter“ innerlich löst. Das geht aber nicht über Kontaktabbruch, Hass oder Verachtung, sondern nur durch ein Akzeptieren.
    Das ist natürlich nicht leicht, weil erst einmal alles in einem aufbegehrt. Aber es geht ja gar nicht um den anderen, sondern immer um sich selbst. Das geht auch, wenn die „Täterin“ als reale Person nicht mehr greifbar ist, weil sie zu alt, dement oder schon verstorben ist. Weil wir die Eltern verinnerlichen, geht die Ablösung auch innerlich vor sich.

    Danke für Ihren Kommentar.

  31. Rike Kanter sagt

    Ihr Beitrag hat mcih sehr berührt.
    Ich selbst bin bei meinen Großeltern aufegwachsen weil meine Mutter arbeiten war und später eine Firma leitete. Es gab auch eine Phase von meinem 6.-8. Lebensjahr, wo sie gar nicht zuhause war. Als Kind war das alles nicht so dramatisch für mich, glaubte ich zumindest. Meine Mutter war auch nie wirklich meine Mutter, sondern meine Großeltern. Aber jetzt mit 30, nach einem Jahr Psychotherapie bei einer Tiefenpsychologin sehe ich vieles anders.

    Meine Mutter hat mich schwer traumatisiert und das zieht sich durch mein ganzes Leben. Gewalttätige Beziehungen weil ich ständig das Gefühl habe, ich verdiene es schlecht behandelt zu werden, dass ich nichts wert bin, weil nicht mal meine eigene Mutter mich wollte.
    Ich würde gerne, im Anschluss an meine Therapie eine weitere tiefenpsychologische Gesprächstherapie machen, um mich davon lösen zu können. Meine daraus resultierende Erkrankung, eine posttraumatische Belastungsstörung ist so weit behandelt, dass sie nicht mehr im Vordergrund steht.
    Ist es möglich, dass Kindheitstrauma abgebaut werden können und ich mit mir selbst und meinem inneren sehr verletzten Kind ins Reine komme, um endlich ein schönes Leben führen zu können?

    Danke für diesen wunderbaren Artikel

  32. Ich kenne die Diskussion um das Vermeiden negativer Formulierungen, weil das Gehirn dazu erst die „negative“ Erfahrung repräsentieren muss – und man das vermeiden sollte. Aber die Sätze, mit denen ich hier arbeite, sind keine positiven Affirmationen, sondern Experimente, mit denen man Glaubenssätze untersuchen kann. Dabei ist meiner Erfahrung nach wichtig, den Klienten dort auch sprachlich abzuholen, wo er ist.

    „Ich lebe mein eigenes Leben. Ich stehe zu mir selbst, meinen Grenzen, Gefühlen und Bedürfnissen“ so spricht niemand. Statt dessen sagt oder denkt jemand, dass er nicht nein sagen kann. Aber letztlich muss jeder selbst ausprobieren, was bei ihm wirkt.

    Danke für Ihren Kommentar.

  33. Toller Artikel!
    Vergangenheitsbewältigung ist in meiner Welt einer der 2 Hauptsäulen zu einem glücklichen, selbstbestimmten Leben.
    1. Säule: Vergangenheitsbewältigung
    2. Säule: Erschaffen eins selbstbestimmten, authentischen Lebens im Hier und Jetzt.

    Auf dem Weg zu einem selbstbestimmten, glücklichen Leben geht es immer darum an den eigenen Ängsten (und Blockaden) zu arbeiten und der Motivation das Unbekannte/Neue zu tun um Veränderungen einzuleiten.

    Ich war jetzt zu faul die ganzen Kommentare zu lese… vielleicht hat es ja folgendes schon jemand geschrieben.

    Ich würde die positiv formulierten Sätze am Ende des Artikels rein intuitiv (fühlt sich besser an!) auch wirklich POSITIV formulieren und VERGLEICHE (besser als) wie ganz am Schluss lieber bleiben lassen.
    z.B. für nicht-nein-sagen-können: Ich lebe mein eigenes Leben. Ich stehe zu mir selbst, meinen Grenzen, Gefühlen und Bedürfnissen.

    Grüße Jens von http://www.bewusstmacher.de

  34. Jasmin Strauch sagt

    Glückliche Kindheit – was ist das?

    Bei mir treffen gleich mehrere der von Ihnen genannten prägenden Faktoren zusammen:
    – Krankheit eines Elternteils (Mutter: Depressionen)
    -Prügel in geringem Maße
    -emotionaler Missbrauch a la „du musst wirklich ganz besonders brav sein, damit die Mami nicht krank wird!“
    -leichte Behinderung der jüngeren Schwester
    -frühe Trennung durch Klinikaufenthalte der Mutter
    -ständige Kritik „Ich weiß auch nicht, was ich falsch gemacht habe, dass ich so ein Kind bekomme“

    Das hat mein bisheriges Leben, ich bin 30, sehr geprägt. Ich war verstrickt und konnte mich nicht von meiner Mutter lösen, obwohl ich es wirklich sehr dringend wollte.

    Das Resultat ist, dass ich drei Kinder mit einem Mann habe, den ich nicht mehr liebe und auch sehr Vieles bereue, v.a. in Bezug auf meine Kinder.

    Bei mir wurde eine bipolare Störung diagnostiziert. „Kein Wunder bei der Erziehung unserer Mutter“, war der trockene Kommentar meiner kleinen Schwester. (Ich hatte immer allen Ärger auf mich gezogen, sie kam dadurch besser weg)
    Es sei nun mal dahin gestellt, ob eine bipolare Störung anerzogen werden kann. Bekanntermaßen sehen die Wissenschaftler ja eine gewisse Disposition in den Erbanlagen.

    Dennoch habe ich erfahren, dass man eine bipolare Störung durchaus in Schach halten kann, wenn man für günstige Lebensumstände sorgt.

    Bei mir kam die Wende durch eine neue Partnerschaft, die von sehr viel Liebe und Verständnis geprägt ist. Ich konnte erstmals in meinem Leben innehalten, meine Wunden lecken und auch schon etwas heilen lassen.

    Das fühlt sich gut an und ich habe das Gefühl auf einem guten Weg zu sein.

    Ich möchte einfach nicht den Glauben daran verlieren, dass man selbst die widrigsten Umstände überwinden kann und auch ein glückliches, erfülltes Leben vor mir liegt.

  35. Hallo Maria,
    nein, Sie sind sicher kein hoffnungsloser Fall. Es reicht nur nicht, Konflikte aus der Kindheit zu durchdenken oder zu reflektieren. Man muss es emotional verarbeiten.
    Wenn Sie mir schreiben wollen (gerne auch an meine eMail-Adresse), um was für eine Situation es sich damals handelte und was das zu erwartende Übel war, kann ich Ihnen vielleicht einen Satz schreiben, mit dem Sie die Sache emotional weiter verarbeiten können, um sich davon zu lösen.

  36. Maria sagt

    Ihr Podcast zum Thema hat mich sehr berührt.
    Ich bin Ihren Vorschlägen gefolgt und sah mich in einer Situation als Kind, in der ich mich machtlos fühlte und ausgeliefert und unfähig, etwas gegen das zu erwartende Übel zu machen. Das Gefühl aus der Kindheit nicht dem zu entsprechen, was erwartet wird, und die damit verbundene Unsicherheit verfolgen mich immer noch.

    Obwohl ich alles nachvollziehen kann, sehr differenziert denke und mich jahrelang mit der Problematik, auch in Form von Therapien, beschäftigt habe und heuer 50 wurde. Doch das Gefühl zieht immer noch nicht mit. Verständnis seitens der Familie kann ich mir nicht erwarten. Ich weiß, es gibt ein erfülltes Leben. Doch ich kann es mir (noch?) nicht ermöglichen. In diesem Zwiespalt lebe ich.
    Bin ich ein hoffnungsloser Fall?

  37. Ben sagt

    Hallo Herr Koop-Wichmann,

    erstmal vielen Dank für Ihren Blog, ich habe schon sehr viel über die Psyche gelernt. Auch ich kann sagen, dass einen die Kindheit sehr prägt. Ich bin 31 meine Eltern trennten sich als ich 4 war, mein Vater hat sich nie um mich und meine ältere Schwester gekümmert. Er ist 2001 verstorben ich habe ihn nie richtig kennengelernt. Viel schlimmer ist aber das Meine Mutter bi-polar gewesen ist, ich hatte nie eine stabile Kindheit, da es immer alles von dem Gesundheitszustand meine Mutter abhängig war, es verging fast kein Jahr in dem sie nicht im Krankenhaus war. Es folgten Kinderheimaufenthalte, Aufenthalte bei der Oma etc. Ansonsten konnte wir immer mit Ansehen wie die Krankheit meine Mutter immer mehr kaputt machte. Meine Schwester (ist 7 Jahre älter) ging mit 16 zum Jugendamt in eine Einrichtung. Ich lebte bis zu meinem 15. Lebensjahr mit meiner Mutter zusammen, ins Heim wollte ich eigentlich nie. Als sie mich dann in ihrer Manie rausgeschmissen hatte war es mir zuviel und ich ging ins Heim. Es folgten bei mir in den Jahren darauf erstmal ein normales Leben, Kontaktabbruch zu meiner Mutter, da sie mich emotional immer noch fertig machte bis ich Panikattacken hatte und selbst glaubte ich werde verrückt, begann dann mit einer langjährige Therapie die mir sehr half. Meine Mutter nahm sich 2005 das Leben, für mich war es irgendwie eine emotionale befreiung. ich dachte eigentlich bis zu meinem 29. Lebensjahr ich habe alles verarbeitet. Es kam alles anders, an meinem 30. Geburstag verstarb der Vater meiner langjährigen Freundin auf tragische Art und Weise. Ihre Mutter wurde daraufhin das ganze letzte jahr stark depressiv und teilweise auch manisch durch die medis. Das hat mich wieder alles an früher erinnert. Ich habe alles für meine freundin getan es war eine schreckliche Zeit, noch dazu kam das unsere Beziehung sowieso schon durch ihre eltern und andere dinge belastet war. aber erzählen sie das mal ihrer partnerin die trauert und selbst total traumatisiert ist. Ich hatte innerlich schon die trennung ausgesprochen, da ich nicht mehr konnte wollte dies aber nicht. noch dazu hatte ich sehr viel stress im job letztes Jahr und meiner schwester ging es sehr schlecht, da ihre 17jährige Beziehung gerade den Bach runter ging. Mitte Dez hatte ich dann einen zusammenbruch es kam mir vor als ob meine emotionen von meinen gefühlen gespalten wurden, mein innerstes wollte sich von meiner freundin trennen, ich wollte dies aber nicht. Es folgte eine Depression nochmaliger Zusammenbruch, bin derzeit bei einer Therapeutin. Und habe imme rnoch große Probleme mit meinen Gefühlen meiner Freundin gegenüber. Die mutter von meiner freundin verstarb vor 3 monaten in der psychatrie an einer trombose. Wieder ein Beerdigung bei der man in der ersten Reihe sitzt und das mit 31. Ich weiß nur wenn ich den ganzen Mist in meiner Kindheit nicht gehabt hätte, hätte ich meiner Freundin viel besser helfen können, so stand ich nur wie ein traumatisierter da und bin heute nicht mal mehr in der Lage selbst Entscheidungen zu treffen und zweifele noch an meinen Gefühlen zu Ihr. Das Leben kann hart sein.

  38. Hallo Jasmin,
    freut mich sehr, dass Ihnen mein Blog so gut gefällt.

    Zu Ihrer Frage: ich empfehle Ihnen auf jeden Fall eine Therapie bei jemand, der eine Zulassung für „tiefenpsychologische Psychotherapie“ hat. Eine Analyse ist zu aufwendig (ca. 3 Sitzungen pro Woche). Eine VT greift oft nicht tief genug. Ob männlicher oder weiblicher Therapeut, ist eher Gefühlssache, Hauptsache, Sie fassen schnell Vertrauen und er kommt Ihnen kompetent vor.
    Therapeuten finden Sie hier: http://www.therapie.de
    Viel Erfolg!

  39. Jasmin sagt

    Sehr geehrter Herr Kopp-Wichmann,
    ich finde Ihren Blog phantastisch!
    Es macht wirklich Spass und ist interessant Ihre Artikel zu lesen.
    Ich bin 36 Jahre alt und schätze mich als relativ reflektiert ein, jedoch komme ich aus Verhaltensmustern, die durch Verlustangst(mein Vater hat sich als ich 3 war von meiner Mutter getrennt und mir wurde von meiner Oma u.A. gesagt, es wäre gewesen, weil ich nicht gewünscht war)und das ständige Gefühl nicht ausreichend zu sein geprägt sind nicht alleine heraus.
    Ich habe erst vor 2 Tagen erfahren, dass mein Partner mehrfach fremd gegangen ist (und es auch nicht bereut obwohl er mit mir Kinder und mit mir alt werden möchte) und habe mich, da ich schon früh erfahren habe, dass er mich belügt und daraus über die Jahre eine so große Unsicherheit entstand, dass ich wie schon beschrieben fremdgesteuert war, von ihm getrennt.
    Ich möchte dieses mich sehr belastende Verhalten gerne abschütteln und eine Therapie beginnen.
    Ich glaube schon zu wissen, was mich so geprägt hat, denn ich fühle mich immernoch verletzt, wenn ich an bestimmte Situationen denke. Würden Sie mir eher eine VT oder eine Analyse empfehlen? Ich bin zur Zeit natürlich sehr angegriffen und bräuchte vielleicht eher den Muttertyp, aber ich möchte lieber nicht bepuschelt werden, sondern schnell vorankommen, auch wenn das schmerzvoll werdeb könnte. Vielleicht wäre bei dem aktuellen Partner-thema dann doch ein männlicher Therapeut sinnvoll, oder?
    Danke

  40. Michael Homeyer sagt

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    schön dass Sie ein so zentrales Thema in Bezug auf unsere manchmal unerklärlichen Verhaltensbeweggründe aufgegriffen haben.

    Zum vierten Lösunsgschritt möchte ich etwas ergänzen. Meine Erfahrung ist, dass er nicht schwierig ist. Es ist eher eine Frage des Zeitpunktes und des Gegenübers, der hilft, die Hürde zu nehmen, die Reinszinierung zu erkennen und einer innere Bereitschaft zur offenen wahrnehmenden Kommunikation – also dem Gegenteil von innerer Abwehr und Hang zur Projektion. Zweitens ist eine gewisse Ausdifferenzierung der Persönlichkeit erforderlich, um sich dem manchmal damit verbundenen Schmerz stellen zu können, wenn einem die Reinszinierung und die damit verbundenen Umwege, das Leid und die Blindheiten bewusst werden.

    Da war also ein Junge der sich immer wieder zwischen die Eltern stellte und versuchte die Beziehung zusammenzuhalten. Und daneben musste das Kind noch die Schläge und Entwürdigungen der Eltern, die das Kind oft auch herzten, aushalten.
    Und 30 Jahre später in der Paarbeziehung hält „der Junge“ seine Paarbeziehung zusammen und hält Schweigen und Stagnation in der Paarbeziehung erneut aus – wie damals in der Elternbeziehung. Und der erwachsene Mann erschrickt, als er merkt, das das „Aushalten“ und „Zusammenhalten“ ein übertragenes in diesem Kontext unangemessenes Muster war. Und es dauerte eine Weile bis der Groschen fiel. Dass man nicht zwischen Eltern stehen muss, um das Muster zu leben. Sondern das es auch in der Paarbeziehung funktioniert.

    Fragen lösten hier: Wann halte ich? Wann lasse ich das Tun?
    Muss ich aushalten? Kann ich loslassen?

    Dass hier neue „Loipen“ durch die Hirnareale hindurch „gespurt“ werden müssen ist offensichtlich. Verhaltensänderungen dauern. Meine Erfahrung ist, dass der einsichtige Schreck über die Reinszinierung katalytisch wirkt. Also warten, bis die Lösungsenergie hoch ist 😉
    Grüße Sie herzlich.

  41. Sascha sagt

    Spontan fallen mir da zwei ein:
    – Wer nix tut, tut nix falsch
    – Du bist nur liebenswert, wenn’s gerade nützlich ist.

    Mit ersterem kämpfe ich jeden Tag, bislang ohne nennenswerte Erfolge. =(

    Zweiteres konnte ich jedoch erfolgreich mit Fluchen korrigieren. 😀

    Jedes Mal, wenn ich auf unbegründete Ablehnung stoße bin ich zuerst traurig, überlege ob ich dran schuld bin. Oft ist es nicht so und mit einem gedachten „F**k you“ lässt mich der Gedanke eine Weile in Ruhe.

    Nicht sehr reif, funktioniert aber. 🙂

  42. Liebe Frau Albrecht,
    interessanter Glaubenssatz. Ich würde mal mit dem Satz arbeiten: „Ich darf anstrengend sein. Und Du auch.“

  43. Hallo Herr Kopp-Wichmann,
    dass die Kindheit das Erwachsenenleben prägt, ist für mich so evident, dass ich kaum fassen kann, dass das nicht längst eine Binsenweisheit ist.
    Aber auch wenn ich das schon lange weiß, habe ich noch einen Glaubenssatz, der mich trotz aller spirituellen und psychologischen Arbeit, die ich schon hinter mir habe, immer wieder beeinträchtigt: Ich darf nicht anstrengend sein.
    Ganz schön anstrengend.
    Aber am Donnerstag habe ich wieder dran gearbeitet (mit CQM), und jetzt ist er erstmal wieder weg.

    Herzliche Grüße
    Michaela Albrecht

  44. Diana sagt

    einfach unglaublich interessant, was uns aus frühster Kindheit heute noch beeinflussen kann. Dass finde ich wirklich überwältigend.

  45. Hallo Ino,
    das eigene Kind von anderen Menschen (Großeltern, Pflegeeltern etc.) aufziehen zu lassen, halte ich nur in einer absoluten Notlage für eine bedenkenswerte Lösung. Einfach weil das Kind sich ab einem bestimmten Alter überlegt, warum es von seinen Eltern „wegegeben“ wurde. Meist interpretiert es den Umstand so, dass es glaubt, unerwünscht, zu schwierig oder falsch zu sein.

  46. Ino sagt

    @Sabine, ich fürchte doch. Zumindest, dass ältere die größere Lebenserfahrung habe und eher in der Lage sind, den jüngeren Werte zu vermitteln. Wenn ich mit meinen eigenen Sorgen beschäftigt bin und selber noch nicht weiß, was ich möchte und wohin ich gehöre, dann ist es für mich womöglich sehr schwer, meine Kindern eine ruhige Umgebung zu bieten, die ihnen die Gelegenheit gibt, ihren Weg zu finden. Wenn ich junge Eltern mit ihren Kindern beobachte, sehe ich häufig Ungeduld und Reaktionen, die in der eigenen Gestimmtheit der Eltern begründet sind, für die Kinder aber ist die Reaktion der Eltern nicht nachvollziehbar. Und häufig geben sich die Kinder dann die Schuld. Doch wenn überhaupt jemand in solch einer Situation Schuld hat, dann die Eltern (wobei ich das Konzept der Schuld für nicht hilfreich sehe, es löst keine Probleme, schafft nur weiter Schwierigkeiten)

    Ich meinte auch nicht „abgeben“ :). Und sicher nicht pauschal: natürlich hängt es immer von den Menschen ab, den jungen Eltern, ihren Eltern, ihrem Verhältnis zueinander.

    Und ich meinte auch nicht unbedingt die eigenen Eltern: wenn man zu diesen kein Vertrauen hat, ist es klar, dass man ihnen das eigene Kind nicht anvertrauen möchte.
    Aber möglicherweise erlebt man dann doch eine Überraschung, selbst ältere Menschen sind zur Änderung fähig 🙂
    Auch jüngere Menschen können ihre Mittelpunkt schon gefunden haben, für die meisten dauert es jedoch ein paar Jahrzehnte, bis sie diese Art innere Ruhe und Gelassenheit finden.

    Aber bitte entschuldige, wenn ich mich misverständlich ausdrücke.

  47. Sabrina sagt

    @ino: Das kann doch wirklich nicht dein Ernst sein, dass man das eigene Kind an die Großeltern geben soll zur Erziehung?
    Naja, vielleicht bin ich da auch negativ geprägt, aber meinen Eltern würde ich am liebsten nicht mal mein Kind vorstellen. Denn die haben absolut keine gute Erziehung hingelegt. Aber auch der grundsätzliche Gedanke ist für mich nicht akzeptabel, man muss doch selbst die Erfahrung machen, wie man Kinder erziehen soll/kann.

  48. Hallo Hans,
    die wenigsten Menschen können sich an etwas, was vor dem vierten Lebensjahr passiert ist, erinnern. Wenn, dann sind es meist erzählte Quellen.
    Hilfreich ist vielleicht herauszufinden, welche Szenen in einem film Sie so anrühren. Verluste, Unglück, Trennungen – das könnte Sie auf die Spur bringen.

  49. Hans sagt

    Ein Thema, über das ich schon lange sinniere. Seit vielen Jahren gerate ich immer wieder in z.T. extrem melancholische Stimmungen. Ich empfinde ein völlig übertriebenes Mitgefühl und weine häufig schon beim Ansehen eines Films. Ich empfinde eine so tiefe und schmerzhafte Trauer, wie es sicher nicht normal ist.
    Natürlich denke ich, muss das in irgend einer Weise mit einem Kindheitserlebnis zusammen hängen. Aber ich finde nichts. Da ich mich ungefähr bis zu meinem 4. Geburtstag erinnern kann, muss es wohl früher etwas gegeben haben, was mich beeindruckt, belastet hat.

  50. Ja, das stimmt. Glaubenssätze habe eine hilfreiche und eine weniger hilfreiche Seite. Die positive Seite ist, dass man eine Strategie gefunden hat, die funktioniert. Der Preis ist, dass man wenig Wahlmöglichkeiten an der Stelle hat.

  51. Danke. Ich bin immer noch am Finden von Glaubenssätzen, die mich bis jetzt prägen. Jedes Muster hat freilich zwei Seiten – eine hilfreiche und eine weniger hilfreiche.

    Das hatte ich – wahrscheinlich aus einem Ihrer früheren Podcasts – noch im Kopf, als ich jetzt über die schulische Prägung mit Mathematikangst schrieb. Ist m.E. dasselbe Muster, und überträgt sich von Lehrern und Eltern auf die Kinder. Und so weiter. Bis mal einer die Kette durchbricht.

  52. Ino sagt

    Der Beitrag ist gut, kann ich aus persönlicher Erfahrung bestätigen. Es gibt zwei größere Dinge, die mich aus meiner Kindheit prägen: ich gebe nicht gern etwas persönliches von mir preis (der Name ist nicht echt, aber ich mag ihn), und ich kann mir nichts gönnen. Ich weiß, warum das so ist, aber ich hab es bisher nicht geschafft, das für mich zu ändern.

    @Sabine: als nicht-Fachmann, überlass die Erziehung der Kinden den Älteren/Ältesten. Jenen die Lebenserfahrungen sammeln konnten und ihren eigenen Mittelpunkt bereits gefunden habben. Die wenigsten von uns haben dies mit grad eben erst 20-30, die meisten sind dann noch damit beschäfitg, das Leben auszuprobieren. Und sich selbst zu finden.

    Meine ältere Schwester hat sehr jung ihr erstes Kind bekommen, da war sie noch im Studium. Die Kleine ist daher die ersten 5 Jahre von unseren Eltern aufgezogen worden. Die haben meiner Nichte genau die gleichen Werte vermittelt wie uns, ihren Kindern, aber auf völlig andere weise. Als ich damals mitbekam, wie meine Mutter meine Nichte erzog, konnte ich das erste Mal sagen, dass ich meine Mutter liebte (und ich meinte das damals auch so). Ich lieb(t)e sie dafür, wie wunderbar geduldig und liebevoll sie mit der Kleine umging. Daran konnte ich mich bei ihr in meiner Kindheit nicht erinnern.

  53. Andrea Nielbock sagt

    Das erklärt Vieles. Danke Roland.

  54. Silvia Wolf sagt

    Sehr gute Erklärung dessen, was in einem Menschen passiert, dessen Verhalten von seinen Erfahrungen als Kind geprägt wird. Wunderbarer Blogartikel, RKW.
    Das sollten sich mal einige wirklich bewusst machen und den Artikel wirklich lesen. Super auf den Punkt gebracht!

  55. Hallo Sabrina,
    Als Eltern muss und kann man nicht perfekt sein. Eine 80%-Mutter („good-enough-mother“ nach D. Winnicott) rreicht schon aus. Aber auch das ist nicht einfach. Die Kenntnis der eigenen Themen ist deshalb so wichtig, damit man die nicht einfach weitergibt.

  56. Sabrina sagt

    Ich finde diesen Beitrag wirklich gut.
    Es hilft einem in die richtige Richtung zu denken.
    Bei mir wecken solle Gedanken aber auch die Sorge, wie man selbst in der Zukunft sein Kind vor solchen großen Einschränkungen/Belastungen schützen kann. Denn keiner von uns ist so perfekt, dass wir nicht auch mal etwas Unüberlegtes sagen.

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