„Ich kann mich nicht entscheiden“ Hier die 7 wichtigsten Gründe dafür.

Glück / Psychologie

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Ich kann mich nicht entscheiden!

Diesen Stoßseufzer äußern viele. Egal, ob man beim Italiener vor einer umfangreichen Speisekarte sitzt. Oder im Geschäft nicht weiß, welches Hemd man nun nehmen soll. Oder auch nur im Supermarkt auf die fünf Warteschlangen vor der Kasse zusteuert. Das Leben besteht jeden Moment aus Entscheidungen.

Die gute Nachricht: Entscheidungen sind die Folge von Wahlmöglichkeiten. Die schlechte: Wir müssen uns entscheiden.

Viele Menschen entscheiden in obigen und anderen Situationen schnell und scheinbar mühelos. Sie scheinen zu wissen, was sie wollen und entscheiden rasch. Andere Menschen brauchen länger, wägen Vor- und Nachteile ab , finden für jedes weitere Pro auch gleich ein Kontra. Entscheiden sich dann vielleicht unter Druck – und ärgern sich dann, doch wieder an der falschen Kassenschlange sich angestellt zu haben.

Ich kann mich nicht entscheiden! Warum fällt das manchmal schwer?

Aus meiner Sicht spielen diese Hintergründe eine wichtige Rolle:

Entscheidungen sind immer ein Schritt ins Ungewisse.
Wir mögen noch so viele Fakten oder Argumente gesammelt haben, die uns eine Alternative attraktiver als die andere vorkommen lässt – wie unsere Entscheidung sich entwickeln wird, weiß man nicht. Nicht umsonst heißt es: „No risk, no fun!“. Der Mut zum Risiko erhöht die Zahl der Alternativen. Je sicherheitsorientierter jemand ist, umso weniger wird er verschiedene Möglichkeiten in Betracht ziehen können. Oft bleibt dann nur die „sichere“ Lösung, die sich aber über die Zeit als ganz schön unsicher – und kostspieliger als berechnet – herausstellen kann.

Entscheidungen sind immer mit einem Verlust verbunden.
Die Natur von Entscheidungen beinhaltet, dass wir mit unserem „Ja“ für eine Möglichkeit wir uns gleichzeitig gegen viele andere Möglichkeiten entscheiden. In der Theorie ist uns das alles klar. Doch die Praxis kann schmerzlicher sein.

Entscheidungen erinnern uns an die Vergänglichkeit.
In der Jugend mit der Unsterblichkeits-Phantasie „Alles ist möglich“ ausgestattet, spielt da der Zeithorizont meist keine so große Rolle. In welche Stadt man zieht, für welches Studium man sich einschreibt – alles scheint korrigierbar und reversibel. Es kommt noch nicht so darauf an, alles lässt sich noch einmal ändern. Doch je mehr einem mit fortgeschrittenem Alter die eigene Sterblichkeit und damit der begrenzte Zeithorizont bewusster wird, umso sorgfältiger wird man die wesentlichen Entscheidungen abwägen.

Entscheidungen spiegeln wider, ob uns unser Leben gehört.
Je mehr einem Mensch bewusst ist, dass sein Leben ihm gehört, dass er allein die Verantwortung dafür trägt, umso leichter kann das Entscheiden sein sein. Wer dagegen fühlt, dass sein Leben nicht für ihn selbst da ist, sondern mehr eine Verpflichtung spürt, es damit anderen Menschen recht machen zu müssen, wird bisweilen länger ambivalent hin- und herschwanken zwischen den eigenen Wünschen und dem Druck, andere dabei nicht zu vernachlässigen.

Wie sehr Ihnen Ihr Leben gehört, können Sie mit einer kleinen Übung aus meinen Seminaren prüfen: Schließen Sie die Augen und konzentrieren Sie sich eine Minute auf Ihre Körperempfindungen, Ihre Gefühle und Gedanken. Dann sagen Sie vor sich hin den Satz: „Mein Leben gehört mir“ und beobachten Sie Ihre Reaktionen.

Entscheidungen zeigen, dass wir immer selbstverantwortlich sind.
Je mehr jemand diese Einstellung hat, umso leichter wird er sich meist entscheiden können. Wenn jemand Selbstverantwortung mit Schuld verwechselt, kann derjenige versuchen, Entscheidungen zu vermeiden, um nicht zu hören – oder selbst zu denken: „Das ist meine Schuld, ich habe es ja so entschieden.“

Entscheidungen zeigen uns, wie wir mit Wahlmöglichkeiten umgehen.
Das Sprichwort von der „Qual der Wahl“ wurde auch durch psychologische Experimente bestätigt. Versuchspersonen, denen man zehn Tafeln Schokolade zur Auswahl gab, waren hinterher mit ihrer Wahl für eine Sorte unzufriedener als jene Gruppe, denen man nur vier Tafeln zur Wahl stellte.
Auch wie man Wahlmöglichkeiten überhaupt betrachtet, spielt eine Rolle. Der eine sieht bei einer Entscheidung die Chancen und Möglichkeiten, der andere mehr die Probleme und Risiken.

Wer sich schlecht entscheiden kann, ist oft auf der Suche nach dem Besten
Doch hinter dem Bestreben, immer das Beste haben zu wollen, und der damit verbundenen Unfähigkeit, sich zu entscheiden, kann sich die Angst verbergen, Fehler zu machen.
Man fürchtet, von anderen komisch angeschaut zu werden oder Kritik zu ernten.
Manchmal können auch getroffene Fehlentscheidungen in der Vergangenheit der Grund für die eigene Entscheidungsschwäche sein. Man vertraut dann nicht mehr dem eigenen Urteilsvermögen. Zum Glück sind unsere neuronalen Netzwerke, in denen Erfahrungen gespeichert werden, sehr veränderungsfähig. Wenn man sich ein paar Mal gut entschieden hat, verblassen die negativen Erfahrungen und werden durch die positiven ersetzt.

Entscheidungen zwingen uns, uns festzulegen.Ich kann mich nicht entscheiden, entscheidung, kopp-wichmann, persoenlichkeits-blog,
Bei parlamentarischen Abstimmungen gibt es die Möglichkeit der Stimmenthaltung. Auch im praktischen Leben glauben viele, dass es diese Möglichkeit des „Nicht-Entscheidens“ gäbe. Doch das ist eine Illusion.
Von Paul Watzlawick stammt der Satz „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Jeder Satz, jede Geste, jedes Verhalten ist Kommunikation. Da es nicht möglich ist, sich nicht zu verhalten, wird schnell klar, dass man sich auch nicht nicht entscheiden kann.
Das beliebte verzögernde „Ich kann mich noch nicht entscheiden“ ist in Wahrheit eine Entscheidung für den Status quo. Wer im Restaurant sich bei der Vielzahl der Gerichte nicht entscheiden will, wählt damit – nicht ganz bewusst – das Hungrigbleiben. Bis er zumeist seine Bedenken dahingibt und doch etwas bestellt.
So ist es auch in manchen Partnerschaften, wo einer oder beide das Heiraten mit rationalisierenden Begründungen hinauszuzögern versuchen. Denn ein Antrag und die folgende Heirat bedeuten trotz Scheidungsmöglichkeit immer eine weitreichende Entscheidung: Das ausschließliche JA für einen Menschen – bei schätzungsweise drei Milliarden Alternativen.
Insofern kann man das Nichtheiraten verstehen als spätbubertären Protest gegen Normen oder als versuchte Stimmenthaltung mit der heimlichen Bedeutung „Ich warte noch auf was Besseres!“

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Fotos: photo credit: vernhart und pixelio.de


 

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

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