Männer – das schwache Geschlecht und sein Gehirn

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Neurobiologie / Partnerschaft

Ein Hirnforscher fordert bessere Vorbilder für Jungs.

titelbild von amazon.de

Die Überschrift ist der Titel des neuen Buchs von Gerald Hüther, das ich gerade lese. Schon als ich in der Buchhandlung den ersten Einleitungssatz las, war ich angetan:

Wie wird ein Mann ein Mann? Oder präziser: Wie wird aus dem, was ein Mann werden könnte, schließlich das, wofür sich der Betreffende irgendwann hält: ein Mann?

Sie merken, der Autor kann denken und spritzig formulieren. Ich erlebte ihn persönlich auf einem Vortrag in Heidelberg. Diesen Vortrag können Sie sich übrigens auch hier anschauen.

Heute morgen beim Frühstück las ich dann ein Interview mit ihm in der FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG (Nr. 44) unter dem Titel: „Supermans Irrweg“. Anschaulich, fundiert und nicht ideologisch getrieben erklärt er, was es mit dem Einfluss der Gene und der angeblich angeborenen männlichen Aggression auf sich hat.

Hier ein paar Zitate:

  • „Typische Verhaltensunterschiede zwischen Männern und Frauen sind nicht genetisch determiniert. Diese gängige Vorstellung müssen wir aufgeben.“ … „Der entscheidende Punkt ist nicht, wie sich erwachsene Hirne unterscheiden, sondern wie es dazu kommt.“
  • „Schon kleine Jungs, die auf die Welt kommen, orientieren sich stärker im Außen und benutzen deshalb mit besonderer Begeisterung die Hirnregion, die dabei aktiv wird.“ … „Das Gehirn ist ein Organ, mit dem wir uns in der Welt orientieren, aber es wird erst im Kontakt mit dieser Welt geformt. Sprich: Unser Hirn wird so, wie wir es benutzen, besonders wenn wir dabei begeistert sind.“
  • Man kann das kindliche Gehirn mit einem Orchester vergleichen. Eigentlich ist die Besetzung bei Männern und Frauen gleich. Aber wegen der vorgeburtlichenTestosteroneinwirkung rücken im Orchester der kleinen Jungen die Pauken und Trompeten stärker nach vorne, während die harmonischen Instrumente in den Hintergrund treten.“
  • „Ausgemacht ist nur, dass Jungs im Durchschnitt mehr Halt im Außen brauchen. Sie orientieren sich stärker im Raum und suchen nach etwas, das ihnen Bedeutsamkeit verschafft. Neugeborene Mädchen haben das weniger nötig. Die haben in sich selbst genug Halt.“ …
    „Männern fehlt ein zweites X-Chromosom. Das kann mit einem Auto ohne Ersatzrad vergleichen.“ … „Das macht das männliche Geschlecht anfälliger. “ … „Wenn ein Kind konstitutionell schwächer ist, muss es mehr tun, um Stabilität zu finden. Nicht umsonst haben Jungs diese Affinität zu allem, was gewaltig und stark aussieht.“ … „Das ist alles männlich. Aber nicht, weil die Gene das bestimmen würden. Sondern weil die Suche der kleinen Jungs nach Halt in kulturelle Bahnen gelenkt wird.“
  • Hierzu ein bezeichnendes Beispiel von einem rumänischen Jungen, Giuliano Stroe , der schon ein Sixpack hat aber noch nicht mal sechs Jahre alt ist und als stärkstes Kind der Welt gilt:
    httpv://www.youtube.com/watch?v=PndJi2Sia2w

Welche wichtige Eigenschaft Eltern ihren Kindern vorleben und mitgeben können, präsentiert Joachim de Posada in einem Vortrag. Anhand einer Studie spricht er über die Wichtigkeit, Frustrationstoleranz aufzubauen und es auszuhalten, dass man auf eine versprochene Belohnung eine Weile warten muss.

In dem Experiment wird Vierjährigen ein Marshmellow gegeben und gesagt, dass sie es eine Viertelstunde lang nicht essen sollen. Wenn sie das schaffen, würden sie ein zweites Marshmellow bekommen. Dann verlässt der Versuchsleiter den Raum.

Erstaunlich, was einige Kinder alles anstellen, um diese Aufgabe zu meistern. Noch erstaunlicher, was man feststellte, als man die Kinder nach 18 (!) Jahren wieder aufsuchte, um zu sehen, was aus ihnen geworden war.
Hier das Video.

Noch einmal Gerald Hüther in dem Interview:

„Jungs brauchen weder Puppen noch Panzer, sondern stabile Bindungen und Aufgaben, an denen sie wachsen können. Und wir müssen sie vor ungünstigen Rahmenbedingungen schützen.“ … „Es muss jemand da sein, der uns zeigt, wie und wofür wir unser Gehirn benutzen.“ …

„Wir dürfen unsere Kinder, Jungen wie Mädchen, auf ihrer Suche nach einem Platz in der Gesellschaft nicht sich selbst oder gar den Medien überlassen.“

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Den Hinweis auf den stärksten Jungen
verdanke ich Michael Röhrig

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

6 Kommentare

  1. kunz sagt

    Mein Mann, der Vater unserer drei jugendlichen Jungs motiviert diese nicht und gibt ihnen auch keine Anerkennung.
    Ich finde das schlimm. Was kann ich tun?

    Freundliche Grüsse

    C. Kunz

  2. KRP sagt

    Sehr geehrter Herr Kopp-Wichmann,

    also diese Kritik an den Aussagen von Herrn Ücgür verstehe ich nicht. Ich komme selbst aus dem Change Management und kann vieles von dem bestätigen. Er untersscheidet auch sehr schön zum evolutioären Entwicklungen und künstlichem Change.

    „… haben sich für alle Menschen gute und vorteilhafte Strukturen entwickelt“ bedarf eigentlich keiner Erklärung wenn sich Änderungen nicht vorteilhaft auswirken setzen sie sich nicht durch, bei evolutionären Änderungen heißt dies dass sie sich gar nicht erst auf die gesamte Gesellschaft wirkt sondern schon frühzeitig scheitert.

    „Gilt das auch für die Hexen im Mittelalter.“ nein denn bei Hexenverfolgung handelt es sich um keine evolutionäre Änderungen, sondern um eine bewußt gesteuerte „TopDown“ Entscheidung der katholischen Kirche, eben um der natürlichen Entwicklung, die Entstehung von Subkulturen die lieber die Wirkung von Kräutern erforschen und dabei dem damaligen Status der Kirche und ihrer Doktrin weniger Bedeutung beimaß.

    „die Frauen heute in manchen islamistischen Ländern“ hier regt mich ja schon die Frage auf. Gerade in islamischen Ländern werden werden Frauen respektvoll behandelt. Man muss sich ja nur mal den Anteil der weiblichen Professorinnen in der Türkei anschauen da müssen wir Deutsche ja noch sehr nachholen. In den Zeiten denen der prozentuelle Frauenanteil bedingt durch Kriege, deutlich über dem Männeranteil lag, entwickelte sich ein System das es erlaubte dass mehrere Frauen zusammenmit einem Mann in einem Haushalt lebten. In anderen Kulturen erfolgte Witwenverbrennung, sie mussten in Armenhäuser ziehen, bildeten Wohngemeinschaften ohne Mann (was wiederum von der Kirche als unmoralisch angesehen wurde und zur Bezeichnung als Hexen führte, aber das Thema hatten wir ja schon oben) Negative Entwicklungen wie die Ehrenmorde sind vor allem eine Entwicklung bei Islamisten die heute im westlichen Ausland leben da sie bei ihren Kindern nur wahrnehmen dass sie nicht mehr ihren wertesystemen folgen, da muss mann aber den entsprechenden westlichen Ländern den Vorwurf machen dass hier eben kein Change Management erfolgt. Hier versteht man eher unter Integration dass man sich den Geflogenheiten anpassen muss (aufgezwungener Change) anstelle einen Prozess zu zeigen und etablieren die fremden Kulturen in die hiesigen Gesellschaften zu etablieren, und dabei vor allem Gemeinsamkeiten auf zu zeigen. Also da sehe ich wenn dann eher probleme in unserem Kulturkreis (ich sage mal nur Kampusch) aber die Rolle der Frauen hier hat sich besonders im letzen Jahrhundert sehr evolutionär geändert.

    Der Klimawandel ist ja leider eine Folge von Veränderungen um das alltägliche Leben zu verbessern. Diese haben sich ja in einer Zeit durchgesetzt in der die Konsequenz noch nicht bekannt waren. Dieser Entwicklung entgegenzuwirken ist eben schwer (man bekommt das Rohe Ei nicht mehr aus dem gebackenen Kuchenteig) und bedarf eben nicht der Gesellschaft sondern muss gesteuert werden, Klimagipfel etc. doch auch hier hat sich evolutionär der Wille zum „green change“ in der Gesellschaft durchgesetzt.

    Aber auch ich habe eine Kritik an Herrn Ücgür, denn ohne darüber (hier die Gender-Entwicklung) zu sprechen und darüber zu diskutieren kann sich nie etwas ändern. Man sollte natürlich nichts aufzwingen denn evolutionäre Änderungen setzen sich natürlich durch (d.h. sie werden vorgelebt, von anderen akzeptiert und übernommen), aber ohne bewußte Diskusion entsteht sie erst gar nicht und verbreitet sich daher auch nicht. Dass man auch bewußt Change herbeiführen kann und sollte steht für mich außer Frage, es gibt hierzu auch genug Studien über Change Management an sich und wie dieses erfolgreich umgesetzt werden kann (u.a. Making Change Work von der IBM)

    Gruß KRP

  3. Hallo,
    na, da vertreten Sie aber eine sehr optimistische Sicht der Welt: „ … haben sich für alle Menschen gute und vorteilhafte Strukturen entwickelt, die gefühlsmäßig und intuitiv richtig angewandt werden. Gilt das auch für die HExen im Mittelalter, die Frauen heute in manchen islamistischen Ländern, die Menschen in Afrika …?

    „In gesunden Umgebungen passen sich diese langsam an Veränderungen an – evolutionär.“ Da bin ich mal gespannt, wie sich die Menschen in Afrika an die Folgen des Klimawandels anpassen werden. Versucht man diesen natürlichen Entwicklungen ins Werk zu pfuschen, … Ich denke, es gibt keine natürliche Wirkung, da wo Menschen leben, einfach weil Menschen anders als Tiere neben der Arterhaltung noch andere Motive und Antriebe haben. Das mag man bedauern, aber ein „Zurück zur Natur!“-Aufruf – so verstehe ich Ihren Kommentar, gibt es leider – oder gottseidank – nicht.

  4. Ogdan Ücgür sagt

    Meines Erachtens ist es völlig Überflüssig, sich darüber überhaupt Gedanken zu machen. Sowohl Natur als auch Gesellschaft haben sich in Jahrhunderten entwickelt. Schritt für Schritt (bis zum großen Kulturbruch 1933 und 1968) haben sich für alle Menschen gute und vorteilhafte Strukturen entwickelt, die gefühlsmäßig und intuitiv richtig angewandt werden.

    In gesunden Umgebungen passen sich diese langsam an Veränderungen an – evolutionär.

    Versucht man diesen natürlichen Entwicklungen ins Werk zu pfuschen, kommen nur Desaster und Fehlentwicklungen heraus. Mehr Intuition, weniger Reflexion und schon gar keine bewusste Einflussnahme – ansonsten landen wir bei der fiesen Gender-Ideologie, die uns die Lebensgrundlagen raubt.

  5. Heinzi sagt

    Die zunehmende Gleichmacherei, die Simplifizierung in der Öffentlichkeit und der Druck feministischer Machtaktivitäten in Zirkeln und die Angst vor dem Anderen, dem Fremden und Eltern, die ihre Rolle falsch, verlogen, hinterhältig manipulativ ohne Liebe nicht nur vorgelebt haben, sondern die Kinder auch als eine Sache des Besitzes für ihre eigenen Interessen und Macht- und Ohnmachtsgefühle mißbraucht haben. Diese sind es, die das Zusammenspiel von Mann und Frau mit den gesellschaftlich-wirtschaftlich entstandenen machtorientierten Rahmenbedingungen zu einem Konglomerat von unpassenden Lebensstrukturen mißgestaltet haben. Wir sind heute wieder näher am Faschismus als jemals zuvor und dies entspringt vor allem dem Leistungs- und Gleichmachergeist, der Frauen zu Männern und Männern zu Frauen, Kinder zu Erwachsenen und Erwachsene zu Kindern macht. Infantiles Verhalten wird im Gendergedanken zur respektierten Lebenshaltung, jungenhafte Aggression von überschwenglichen Erzieherinnen unterdrückt, während Mädchen ebend darin befördert werden. Daraus spricht vor allem die Angst der Frauen vor dem Mann und ihr Selbstbild diese Angst in den betreuten Mädchen zu eliminieren um sie in sich Selbst zu bekämpfen.

    Es gab sie und gibt sie. Die Vordenker, die gewarnt haben. Prophetengleich zitieren sie die Erkenntnisse ihrer Arbeiten und trotzdem bahnt sich in der Gesellschaft immer wieder der Weg ins Destruktive. Denn genau das ist die Krankheit, die auch die Beziehungen von Mann und Frau bestimmen: Destruktive Tendenzen, Selbsthass und Todessehnsüchte und Hass auf den Anderen, wegen seiner eben anderen Seite. Der anderen Seite, die gerade heute die beengte Sicht auf Mann und Frau ausmachen.
    Die Frau ist das emotionale Wesen, der Mann der Machtmensch – beschränkt und eingeschränkt in der Erziehung ist diese Sicht, herausgeschnitten aus dem Mannsein wird die feminine Seite, verdrängt das als männlich geltende bei der Frau. Von Kindheitsbeinen an die Weichheit der Seele dem Mann verboten, wird sie erstickt und unterdrückt.

    Nicht mehr nur die Beziehung Mann und Frau, nicht mehr nur die Entfremdung vom Mannsein und Frausein ist entscheidend. Es wird heute der dritte Mensch gezüchtet, regelrecht produziert. Dies wird möglich und befördert durch eine Gesellschaft der Machtstrukturen. Der Machtmensch. Der ist nicht mehr Mann nicht mehr Frau, sondern nur noch das, was er in der Lage ist zu kontrollieren und zu besitzen. Diese Form des Seins ist nicht nur dem Mann vorbehalten, heute weniger denn je. So wäre eine Frau mit dem was klassisch weiblich ist besser bedient als mit der heutigen Identifikationsfigur von Macht, die das Familienleben beherrscht, den Beruf beherrscht, die Freizeit beherrscht, den Mann und die Kinder beherrscht sowie die Jugend ihres Körpers beherrschen muss, weil dem Machtmenschen der eigene Verfall das schlimmste ist.

    Und weil deshalb innere Selbststrukturen nicht gebildet sind, fehlt dem Menschen von Heute eine innere Haltung, eine Selbstdefinition.
    Das klassische Bild von Mann und Frau, das in der Splittung des charakterlich männlichen und charakterlich weiblichen bestand und in Abgrenzung vom eigenen fremd gebliebenen resultierte führte zum klassischen Kampf der Geschlechter.
    Da nun heute die innere Selbstdefinition eines Menschen immer weiter in den Hintergrund rückt, also das immer mehr fehlt, was Menschen Selbstwert von Geburt an vermittelt, weil diese Dinge immer mehr fehlen ist der neue Mensch ein anderer. Machtmensch, unterwürfig und doch herrisch. Der typische Deutsche mit seiner Radfahrermentalität. Nach oben buckelnd nach unten tretend. Dieser Charakter durchzieht unsere Gesellschaft und das Resultat wird ein stetig steigendes Streben des Individuums nach Macht und das derer, die es nicht erreichenk, wird verstärkte Ohnmacht sein. Aus diesem Mißverhältniss wird die Destruktivität weiter zunehmen und die Gewalt gegen andere und die Gewalt gegen uns Selbst weiter zunehmen.
    Die Spaltung der Gesellschaft schreitet voran, Bestrebungen sie zusammenzuhalten werden nicht von Erfolg gekrönt sein, auch wenn immer mehr Macht eingesetzt werden wird diesen Zusammenhalt zu ermöglichen, wird die Destruktivität mit der Zunahme der Macht wieder steigen. Denn der Verfall ist kein greifbarer Verfall wie ein fehlerhaft konstruierte Institution, sondern der Verfall des Selbst, das eben auch dem Verfall der menschlichen Komponente entspricht, die eine gesunde Gesellschaft zusammenhält.

    Resultate dieser Betrachtung?

    ‚Wir sollten uns wieder darauf konzentrieren Menschen zu sein. Nicht Leistungsroboter. Nicht Mann nicht Frau. Sondern Menschen. Die so individuell sein können, so einzigartig das Mann und Frau keine Trennungslinie unterteilt sondern ein schwammiges ineinandergreifen ein und derselben Seite menschlicher Liebe und Schöpfungskraft sind.

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