Macht Geld glücklich? Oder nur andere Sorgen?

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Glück

geld-baden_small_fotolia_917250_xs.jpg Im letzten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung drehen sich 95 Prozent um das Thema ‘Armut’. Man weiß alles über die Armen, aber fast nichts über die Reichen. Obwohl viele Menschen davon träumen, reich zu werden, weiß man kaum etwas darüber, wie es ist, reich zu sein. Der Soziologe Thomas Druyen beforscht als ‘Reichtumsforscher’ seit Jahren, wie es Menschen geht, die finanziell ausgesorgt haben. In einem Interview in brandeins
berichtet er davon.

Schwierigkeiten entstehen bereits bei der Definition, wo Reichtum anfängt. Beim Millionär oder erst beim Milliardär? Der Forscher hat den Ansatz gewählt, dass als reich gilt, wer von seinen Zinsen luxuriös leben kann ohne sein Kapital anzugreifen (dazu braucht man etwa drei Millionen Euro.) In Deutschland gibt es etwa einhundert Milliardäre; weltweit ca. neunhundert. Sind die nun glücklicher? Oder welche Vorteile bietet soviel Geld?

Nun in erster Linie bedeutet Reichtum, über mehr Lebensoptionen zu verfügen als der Normalsterbliche. Die Gewissheit, nicht arbeiten zu müssen, wenn man nicht will.

Doch viel Geld hat auch Nachteile.
1. So müssen sich Superreiche öfter die Frage stellen, was sie eigentlich mit ihrem Leben anfangen wollen. Unsereiner mit der Notwendigkeit des Broterwerbs konfrontiert, hat in der Regel nicht hundert verschiedene Optionen. Das hilft einem bei der Entscheidung. Stehen einem jedoch theoretisch alle Möglichkeiten offen, dann muss der Mensch schon eine besondere Kompetenz entwickeln, mit dieser Freiheit sinnvoll umzugehen. Wenn Reichen diese Kompetenz fehlt, haben sie ein Problem. Mit anderen Worten: Die einen unterliegen dem Zwang des Broterwerbs, die andren der immerwährenden Frage nach dem Lebenssinn.”

2. Angst spielt bei den Reichen eine große Rolle. Angst vor Anfeindungen, vor körperlicher Bedrohung oder Entführung. Ein Journalist hörte einmal unfreiwillig ein Gespräch zwischen zwei Reichen über die Qualität von Leibwächtern:

  • “Die Frage ist doch, ob mir selbst zweitausend Dollar am Tage garantieren, dass der Typ die Kugel für mich abfängt.”

Da sind doch die Wahlmöglichkeiten von uns Normalverdienern meist weniger existenziell.
Auch Sinnkrisen kommen bei Reichen häufiger vor, besonders bei Erben großer Vermögen.Denn die fragen sich häufig: Habe ich das überhaupt verdient?
Auch als Unternehmer Erfolg zu haben, ist mit einem großen ererbten Vermögen nicht leicht. Hat man Erfolg, heißt es gleich: Das ist ja leicht mit dem vielen Geld im Rücken. Klappt es nicht, ist die Schadenfreude groß.

Und was sind jetzt wirklich die Vorteile des Reichtums?
Der Aussage, Geld mache das Leben leichter, konnten 82 Prozent der Reichen zustimmen. Allerdings fanden 14 Prozent, es mache das Leben komplizierter. Dass Geld das Leben glücklicher mache, glaubten nur zwei Prozent.

Fazit: Zwar kann die Hoffnung auf Geld Glücksgefühle auslösen, aber vor allem Armut macht unglücklich. Sobald ein Mensch seine Grundbedürfnisse gut decken kann, spielt Materielles bei der persönlichen Zufriedenheit eine untergeordnete Rolle.

Immer wenn der Jackpot prall gefüllt ist, melden die Lotto-Annahmestellen Rekorde. Die Sehnsucht, reich zu sein, lockt also viele Menschen (trotz einer Wahrscheinlichkeit auf den Millionengewinn von 1 zu 14 Millionen), Ihr Glück zu versuchen.

Doch wehe, das Glück tritt ein. Die Statistiken bei Lottogewinnern zeigen das deutlich. Siebzig Prozent aller Gewinner von Millionenbeträgen stehen wenige Jahre später finanziell schlechter da als vor dem großen Los.

Was tun?
Überlegen Sie doch mal, was Sie tun würden, wenn Sie finanziell unabhängig wären? Welche Lebensoptionen tauchen dann vor Ihnen auf?

  • Campingplatzbesitzer in Südfrankreich?
  • Eine Motorradwerkstatt einrichten?
  • Gedichte oder Bücher schreiben?
  • Einen Öko-Bauernhof bewirtschaften?
  • Einfach nur weniger arbeiten?

Das Schöne bei diesem Gedankenexperiment ist: Sie kommen in Kontakt mit den Wünschen und Bedürfnissen, die vermutlich bisher in Ihrem Leben zu kurz kommen. Dabei kommt es weniger auf die konkrete Idee an, sondern was Ihr Wunsch für Sie symbolisiert. Mehr freie Zeit, mehr Unabhängigkeit, mehr sichtbare Ergebnisse in Ihrem täglichen Tun?

Die gute Nachricht: Um das in Ihrem Leben mehr zu realisieren, was Ihr Wunsch symbolisiert, brauchen Sie wahrscheinlich keine Millionen. Und die Qual der Wahl des richtigen Leibwächters haben Sie dann auch nicht.

Das neue Buch von Thomas Druyen gibt es hier

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

3 Kommentare

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  2. Zur Überschrift: Warum glücklich oder andere Sorgen? Glücklich sein ist gleichbedeutend mit andere Sorgen haben. Oder anders ausgedrückt: Glück bedeutet, einen anderen Blickwinkel zu den Sorgen gefinden zu haben.

  3. geld macht ganz sicher nicht glücklich. aber es beruhigt und kann ab einer bestimmten summe einem mehr freiheiten geben.

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