Klimawandel – oder warum „Nach mir die Sintflut!“ demnächst nicht mehr zeitgemäß ist.

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Persönlichkeit / Psychologie

Eine der wesentlichen Fähigkeiten unseres Gehirn ist es, die Komplexität der Realität zu reduzieren. Andernfalls wären wir durch die vielen Möglichkeiten, die uns jeder Moment bietet, und die Notwendigkeit, uns zu entscheiden, vollkommen überfordert.

Die Reduktion der Komplexität geschieht dadurch, dass wir komplizierte Sachverhalte drastisch vereinfachen. Politiker beherrschen diese Kunst vortrefflich. Wie soll man auch bei 194 Staaten auf der Welt den Überblick behalten. Da hilft es manchem, wenn es eine “Achse des Bösen” gibt und drei, vier “Schurkenstaaten” definiert werden.

Der Klimawandel ist ja nicht neu. Schon vor zwanzig Jahren haben die Grünen, Erhard Eppler, der Club of Rome davor gewarnt. Doch warum fällt es uns so schwer, gewisse Ereignisse wahr- und ernstzunehmen und entsprechend zu handeln?

Das hat mit unseren psychischen Abwehrmechanismen zu tun. Einige wichtige sind:

  • ProjektionDie eigene Angst wird auf den anderen projiziert, nach dem Motto: “Warum regst du dich so auf?” “Jetzt keine hysterischen Überreaktionen.” (VW-Chef Winterkorn)
  • RationalisierungDie eigene Angst wird durch ein logisch klingendes Argument “wegrationalisiert”: “An irgendwas stirbt jeder mal.” Oder: “Der Wald stirbt auch schon seit zwanzig Jahren und ich gehe immer noch dort wandern.”
  • VerleugnungIndem man nicht hinguckt, glaubt man, die Realität ausblenden zu können: “Ich habe seit Jahren keinen Fernseher und keine Zeitung mehr.”
  • RegressionUm Angst- oder Schuldgefühle abzubauen, fällt man auf ein kindliches Verhalten zurück und jammert oder beschuldigt andere: “Sollen erstmal die Politiker in Berlin ihre dicken Autos abschaffen, vorher geht mich das nichts an.”

Hinzu kommt, dass wir Konsequenzen unseres Verhaltens, wenn es nicht unmittelbar eintritt, gerne verdrängen. Der schmerzende Zahn treibt uns zum Zahnarzt. Zur Darmkrebsvorsorge hingegen gehen, solange nichts weh tut, die wenigsten.

Auch der Klimawandel tut uns noch nicht unmittelbar weh genug.

  • Ein Anstieg des Meeresspiegels wird zu großflächigen Überflutungen in Küstenregionen führen – in Südasien.
  • Der Klimawandel wird zu Wasserknappheit führen – vor allem in Afrika.
  • Steigt die Umwelttemperatur um zwei bis drei Grad, werden ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten aussterben – das trifft vor allem Biologen und Naturfreaks.

Wenn der CO2-Ausstoß unmittelbar den Autofahrer treffen würde, so fiele die nötige Verhaltensänderung wohl schneller aus. Indem zum Beispiel zehn Prozent der Auspuffgase direkt ins Wageninnere geleitet würden.(Warum sind auf diesen Vorschlag noch nicht die Grünen gekommen?) Andererseits glaube ich wenig an Motivation durch Leidensdruck. Raten Sie mal, was der erste Griff des Rauchers ist, dem gerade sein Raucherbein amputiert wurde? Sehen Sie.

Bleibt also doch nur das Hoffen auf die menschliche Einsicht? Und die Erkenntnis, dass der Stoßseufzer, mit dem man früher unangenehme Informationen verdrängte, nicht mehr zeitgemäß ist? Denn “Nach mir die Sintflut!” ist vielleicht in der Zukunft “Vor mir die Sintflut!!!”

Dieser Beitrag soll Sie nicht depressiv machen oder zur Resignation einladen. Deshalb die Frage

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Danke.

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

0 Kommentare

  1. Hildegard Gebel sagt

    Leider finde ich Ihren hervorragenden Beitrag "Die Landkarte ist nicht die Landschaft" trotz verzweifelten Suchens nicht wieder. Ich hatte unter Podcasts gesucht und stieß durch Zufall auf Ihren Beitrag.
    Wo finde ich ihn? Gibt es auch die Möglichkeit, ihn ausdrucken zu können? Ich wüsste Interessenten, die keinen Internetanschluss haben und sich für das Thema sehr interessieren
    Mit freundlichem Grüßen und der Hoffnung, noch mehr von Ihnen hören zu können
    H.G.

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