Aussehen, Geld, Intelligenz, Humor? Was zählt bei der Partnerwahl?

Kommentare 6
Neurobiologie / Psychologie
Partnerschaft, Liebe, Beziehung, kopp-wichmann, persönlichkeits-blog

Oder ist es gar der Eisprung?

Partnerschaft, Liebe, Beziehung, kopp-wichmann, persönlichkeits-blog

Alle paar Monate liest man die Umfrage einer Frauenzeitschrift zu diesem Thema. Meist stehen da neben dem Aussehen, Verlässlichkeit, Familiensinn, Treue und der berühmte Humor auf den vorderen Plätzen. Die Reihenfolge wechselt je nach Umfrage.

Wie schön, die „inneren Werte“ zählen also bei der Liebe am meisten. Das hört sich einfach gut an. Aber stimmt es auch? Die Wissenschaft ist sich darüber eher uneins. Es gibt hier vor allem zwei Hypothesen:

  1. Die Hypothese „Gleich und Gleich gesellt sich gern“
    Sie postuliert, dass wir bei der Liebe einen Partner suchen, der uns in wesentlichen Bereichen ähnlich ist. Also zum Beispiel beim sozialen Status, der Intelligenz, Vorstellungen über Familie und Kinder usw.Dass dies zumindest auf das Äußere zutrifft, haben der Wahrnehmungsforscher David Perrett, an der schottischen St. Andrews University untersucht. Dazu veränderte er Gesichter von Testpersonen so, dass sich weibliche Gesichter in männliche verwandelten und umgekehrt. Diese Bilder wurden dann den Versuchspersonen wieder vorgelegt. Das erstaunliche Ergebnis: Viele reagierten auf ihr gegengeschlechtliches Abbild sehr positiv, obwohl ihnen nicht bewusst war, dass sich dahinter ihr eigenes Gesicht verbarg.
  2. Evolutionspsychologen behaupten dagegen, dass die Partnerwahl weitgehend genetisch determiniert ist und dass alle Männer und alle Frauen ähnliche Vorlieben in der Liebe haben. Belege für die zweite Hypothese liefert eine Studie über Speed-Dating.

„Demnach behaupten Versuchspersonen zwar, sie hätten gerne einen Partner, der denselben sozialen Status habe und ähnlich attraktiv sei wie die Befragten selbst. Aber wenn es tatsächlich an die Partnerwahl gehe, folgten sie doch dem alten Muster, das ihnen die Evolution eingepflanzt habe: Männer seien demnach auf junge, fruchtbare Frauen aus; diese wiederum bevorzugten einflussreiche, tatkräftige Männer. Und in jedem Falle sei ein attraktives Äußeres der wichtigste Reiz, künde es doch von guten Genen und verspreche gesunden Nachwuchs.“

Doch was genau ist denn weibliche Attraktivität?

Nun für uns Männer ist dies – rein evolutionsbiologisch betrachtet – vor allem die Fruchtbarkeit einer Frau. Denn wenn wir den ganzen romantischen Unsinn mal beiseite lassen, wollen wir vor allem unser Erbgut weitergeben. Dazu hat uns die Natur mit unbewussten Fähigkeiten für das Leben ausgestattet, die einen schon fast an übersinnliche Kräfte glauben lassen:

  • Männer können die fruchtbaren Tage einer Frau „spüren“.
    Warum sie das können? Nun, rund um den Eisprung wird eine Frau als attraktiver wahrgenommen, (übrigens von Männern und Frauen). Und wie hat man das nun festgestellt, dass Männer diese Gabe haben?
    Ganz einfach: in ihrer Untersuchung stellten Geoffrey Miller von der University of New Mexico und seine Kollegen fest, dass Striptease-Tänzerinnen während ihrer fruchtbaren Tage weit mehr Trinkgeld als in anderen Zyklusphasen verdienen. Die Forscher hatten dazu 18 Striptease-Profis über zwei Monate täglich Bericht erstatten lassen und statistisch ausgewertet. (Und wurden dafür auch mit einem alternativen Nobel-Preis ausgezeichnet)
    Das bedeutet natürlich auch, dass Frauen irgendwie signalisieren können, wann sie ihre fruchtbaren Tage haben. Aber wie machen sie das?
  • Männer können die Fruchtbarkeit einer Frauen „sehen“.
    Wissenschaftliche Tests zeigen, dass Männer ein bestimmtes Verhältnis von Taillenumfang und Hüftumfang (nämlich das Verhältnis von 0,7) besonders attraktiv finden.
    Kleiner Trost: Es kommt dabei weniger auf die schlanke Silhouette an als darauf, dass eben der Körperbau möglichst diesem Index entspricht. Die wissenschaftliche Erklärung dafür: Kurvenreiche Frauen mit üppiger Oberweite und einem guten Taillen-Hüfte-Index besitzen eine sehr viel höhere Menge des weiblichen Geschlechtshormons Östradiol (ein für die Fruchtbarkeit verantwortliches Östrogen). Diese Frauen haben eine zwei- bis dreimal so hohe Chance, schwanger zu werden, als Frauen mit einer niedrigeren Menge des Hormons. Östradiol beeinflusst aber gleichzeitig die
    Ausbildung von Brust, Taille und Hüfte. Kleiner Test für Männer: Welches Bild finden Sie am attraktivsten? (Auflösung folgt unten)

  • Männer lieben vor allem „Kindchen-Frauen“
    Der von dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz geprägte Begriff des „Kindchenschemas“ bezeichnet wichtige Merkmale beim Kleinkind und auch bei Jungtieren. Das sind vor allem großer Kopf, große,  gewölbte Stirn, große runde Augen, kleine, kurze Nase, runde Wangen, kleines Kinn. Das hat die Natur so eingerichtet, damit Eltern durch diese Merkmale die Schwäche und Hilfsbedürftigkeit des Kleinen erkennen und dadurch zu Schutz- und Pflegeverhalten animiert werden.

    Kate Moss entspricht voll dem Kindchenschema als Frau.

    Die Wissenschaftler haben übrigens eine tolle Website dazu gemacht: http://www.beautycheck.de/
    Dort können Sie etliche erstaunliche Untersuchungen zur Attraktivität nachlesen – für beide Geschlechter. Und sogar selbst in Online-Experimenten herausfinden, was Sie beim anderen Geschlecht attraktiv finden.

    Erwachsene Frauen wie beispielsweise das Supermodel  Kate Moss  – oder für Männer meines Jahrgangs eher Brigitte Bardot – entsprechen  diesem Kindchenschema. Um zu zeigen, dass die meisten Männer auf ein solches Aussehen anspringen,  veränderten Wissenschaftler an der Universität Regensburg Frauenporträts am Computer:  von eher männlich bis zu superweiblich. Dabei zeigte sich, dass ein symmetrisches Gesicht mit großen Augen, kleiner Nase und vollen Lippen in der Gunst der männlichen Testpersonen am besten abschnitt.
    Die Erklärung dafür? Erscheinen Frauen mit solchen Merkmalen einem Mann besonders schutzbedürftig und kitzeln seine Versorgerqualitäten? Wohl eher nicht. Vielmehr hängen diese weiblichen Gesichtszüge mit der Ausschüttung des weiblichen Sexualhormons Östrogen in der Pubertät zusammen. Hohe Östrogenspiegel sprechen für Gesundheit und Fruchtbarkeit, was bei der Partnerwahl entscheidende Kriterien sind.

Und was finden Frauen attraktiv?

Da sind die Untersuchungsergebnisse längst nicht so zahlreich – und auch nicht so einheitlich.

  • Frauen lieben „harte“ und „weiche“ Männer.
    Zwar gelten ein breiter Kiefer und ein markantes Kinn als sehr männlich und sexy. Weisen derlei Gesichtsmerkmale doch auf einen hohen Testosteronspiegel hin. Und während des Eisprungs finden Frauen auch solche Männer deutlich attraktiver. Denn der hohe Testosteronspiegel verspricht die besten Chancen auf gesunden Nachwuchs – das entscheidende Kriterium während der fruchtbaren Tage.
    Zum Trost: in den übrigen Tagen stehen Frauen eher auf Männer mit weicheren Gesichtszügen. Evolutionsbiologen erklären das mit dem niedrigeren Testosteronspiegel, der Männer zu zuverlässigeren Partnern und guten Vätern machen soll.
  • Manche Frauen suchen sich einen Partner, der dem Vater ähnelt.
    Eine Studie an der Wayne-State- Universität in Detroit ergab: Frauen, die als Mädchen ein inniges Verhältnis zu ihrem Vater hatten, suchen sich später auch Partner, die ihrem Vater ähnelten. Um mögliche genetische Faktoren auszuschließen, wurden nur Adoptivtöchter ausgewählt. Dann legten sie Versuchspersonen Fotos der Frauen sowie ihrer Ehemänner und Adoptiveltern vor. Das Ergebnis: eine überdurchschnittlich häufige Ähnlichkeit zwischen Vätern und Ehemännern.
  • Frauen prüfen bei der Partnerwahl das Erbgut des Mannes.
    Die Frage ist: wie? Ganz einfach: mit ihrer Nase. Forscher fanden heraus, dass Frauen Männer bevorzugen, die sie gut riechen können, d.h., deren Geruch sich von ihrem eigenen möglicht unterscheidet. Claus Wedekind von der Universität Bern entdeckte, dass sich Ehepartner, die in langjährigen glücklichen Ehen leben, in ihrer Duftnote mehr unterscheiden als Partner von Ehen, die früh geschieden wurden.
    Evolutionsbiologisch erklärt: Bestandteile im Körpergeruch entsprechen jenem Genabschnitt, der für das Erkennen von „eigen“ und „fremd“ im Körper zuständig ist. Je mehr sich die genetische Ausstattung beider Partner unterscheidet, umso höher ist die Chance auf gesunden Nachwuchs. Allerdings beeinflusst die Pille das Geruchsempfinden.

partnerschaft, liebe, mann, frau, kopp-wichmann, persönlichkeitsblog

Und was spielt noch bei der Partnerwahl eine Rolle?

  • Warum man sich in Gefahr leichter verliebt.
    Auch die Situation entscheidet mit, ob wir uns verlieben. In gefährlichen Situationen, etwa bei einem Unfall, einer Prüfung oder einem anderen aufregenden Erlebnis steigt das körperliche Erregungsniveau.
    Trifft man in derlei Situationen auf einen attraktiven möglichen Partner, übertragt sich die körperliche Erregung leicht auf diesen – und man glaubt, man ist verliebt.Wissenschaftler sprechen nüchtern von „Erregungstransfer“. Diesen Zusammenhang bewiesen die US-Psychologen Art Aron und Donald Dutton in ihrem berühmten „Brücken-Experiment“: Dabei wurden männliche Testpersonen von einer schönen Frau um die Beantwortung eines Fragebogens gebeten, außerdem verriet sie ihre Telefonnummer. Das Experiment wurde an zwei verschiedenen Orten durchgeführt. Das Ergebnis: aus der ersten Gruppe riefen nur 12 Prozent der Männer die gegebene Telefonnummer an. Bei der zweiten Gruppe waren es 50 Prozent. Ach ja, die Männer der ersten Gruppe erlebten das Experiment auf einer Betonbrücke. Die Männer der zweiten Gruppe trafen dieselbe (!) Frau auf einer schwankenden Hängebrücke. Die Psychologen folgerten: Die durch die Angst auf der zweiten Brücke erzeugte ängstliche Erregung – flauer Magen, zittrige Knie – wurde auf die Frau projiziert. Sie wirkte unter diesen Umständen anziehender. Auf Männer reagierten die heterosexuellen Testpersonen übrigens neutral. Dieser Zusammenhang wurde übrigens auch chemisch nachgewiesen. Männer, denen etwas Adrenalin gespritzt worden war, fanden Frauen attraktiver als Männer, denen kein Stresshormon verabreicht worden war.
  • Warum Sie sich während des Eisprungs leichter verlieben.
    Ob es zwischen zwei Menschen funkt, hängt auch vom weiblichen Zyklus ab. Dass Frauen während ihrer fruchtbaren Tage Frauen öfter berührt werden, stellten Psychologen fest, die in einer Disco die entsprechenden Körperkontakte zählten. Nicht zuletzt zeigen die Frauen in dieser Phase auch mehr Haut.
    Ein britisch- tschechisches Forscherteam belegte, dass weibliche Gesichtszüge während der fruchtbaren Tage attraktiver erscheinen. Die Wissenschaftler hatten Frauen kurz vor dem Eisprung und während einer unfruchtbaren Phase fotografiert und dann die Aufnahmen Männern und Frauen zur Beurteilung vorgelegt. Die meisten Befragten fanden die Gesichter attraktiver, die kurz vor dem Eisprung aufgenommen wurden.
  • Von wegen innere Werte.
    Ein Professor analysierte Bekanntschaftsanzeigen. Das Ergebnis ist nicht überraschend: Frauen legen Wert auf das Einkommen des Partners. Männer mit guten Chancen betonen Atribute wie Status, Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und Kinderwunsch. Sie selbst aber wünschen sich vor allem schöne, junge Partnerinnen. Die können sie auch bekommen – wenn sie Geld und Status bieten. Dann schauen Frauen auch über den sonst von ihnen bevorzugten Altersunterschied von 3,7 Jahren hinweg.
    Das kann man wieder evolutionsbiologisch erklären: Frauen tauschen Schönheit gegen Status, denn erfolgreiche Männer bieten Frauen und Kind die besten Chancen. Hier ein Interview mit dem Professor.

Noch drei Links zu diesem spannenden Thema:
Eine Präsentation, wie sich Anziehung und Beziehung im Lauf der Jahre ändern, finden Sie hier …
Eine Facharbeit zum Thema „Weibliche Attraktivität“ finden sie hier …
Und eine Zusammenfassung vieler Studien zur weiblichen Attraktivität finden Sie hier …
Testauflösung: die meisten Männer finden das mittlere Bild am attraktivsten. Es entspricht genau dem 0,7 Index.

Meine Meinung dazu: natürlich sagt die Attraktivität eines Partners zu Beginn wenig aus über die Qualität der Beziehung. Aber wer bisher glaubte, dass seine Wahl eben allein von seinem persönlichen Geschmack abhinge, wird durch die zitierten Untersuchungen aus der Psychologie eines Besseres belehrt. Unsere Evolutionsgeschichte beeinflusst uns in Sachen Liebe offensichtlich mehr als uns oft bewusst ist.

Und was sind Ihre Erfahrungen mit dem Thema Liebe?

Worauf haben Sie geachtet bei der Partnerwahl?

Wie – und in was – haben Sie sich verliebt?

PS: Wenn Ihnen dieser Beitrag gefiel …… dann empfehlen Sie ihn doch einem Freund weiter. Einfach hier unten auf “Weitersagen” klicken.
… oder schreiben Sie einen Kommentar.
… oder abonnieren Sie neue Beiträge per Email.


Danke für Ihr Interesse.

Foto: © Tomasz Trojanowski – Fotolia.com

 

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.