Worin unterscheiden sich ein Psychiater, ein Psychologe, ein Psychoanalytiker und ein Psychotherapeut?

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Neurobiologie / Psychologie

Eine Quizfrage zu Beginn:

Worin unterscheiden sich:

  • ein Psychiater
  • ein Psychologe
  • ein Psychoanalytiker
  • ein Psychotherapeut?

Sie wissen das nicht so genau, außer dass wahrscheinlich alle drei Berufsgruppen einen „Tick“ haben?

Gratuliere! Das ist genau die gängige Meinung, die die meisten Menschen von diesen drei verschiedenen Berufsbildern hat. Eine Universitätsdozentin aus Hamburg erforscht seit Jahren das öffentliche Image der „Psycho-Berufe“. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die meisten Menschen wenig über diese verschiedenen Berufsbilder wissen.

Die wichtigsten Ergebnisse (und Vorurteile):

  • Alle sind irgendwie gleich und machen dasselbe.
    Alle „Psychos“ werden assoziiert mit Psychoanalyse, Hypnose oder Elektroschockbehandlung. So glaubt ein Drittel, dass Psychologen auch Psychopharmaka verschreiben dürfen (das dürfen aber nur Ärzte). Außerdem kennt die Mehrheit der deutschen Bevölkerung persönlich keinen Psychologen.
  • Die haben doch alle einen an der Waffel.
    Psychologen, Psychiatern und Psychotherapeuten wird mehrheitlich unterstellt, die hätten selbst einen „Tick“. Oder noch schlimmer: sie beuten Patienten/innen finanziell oder sexuell aus.
  • Alle sehen aus wie Sigmund Freud.
    In den Medien werden „Psychos“ meist als „Freud-Verschnitt“ also als Mann mittleren Alters mit Brille und Vollbart, spärlichen grauen oder weißen Haaren und seriöser Kleidung dargestellt.
    Der zweithäufigste Typus in den Medien ist der „Öko“. Männer werden hier mit langen Haaren und Birkenstocksandalen oder als Frau ebenfalls langhaarig und lila Frauenbewegungsklamotten gesehen. Außerdem gibt es noch den bebrillten „Intelektuellen-Typus“ sowie den „Neurotiker“ mit zerzausten Haaren und verwahrlostem Äußerem.
  • Geheilt wird durch Psychoanalyse und Sofortheilung.
    Vor allem in amerikanischen Filmen wird Psychotherapie meist vereinfacht dargestellt als Aufdeckung von Traumata, die dann in einem einzigen, karthartischen Moment geheilt werden (zum Beispiel in „Good Will Hunting„).
  • Kapieren nix und sind übergriffig.
    In den Medien werden vor allem zwei Probleme mit „Psychos“ gehäuft dargestellt. Therapeuten, die ihre Patienten missverstehen und auf ihrer Deutung bestehen („Doch das ist Ihr Problem. Wenn Sie das nicht einsehen, ist das Ihr Widerstand.“) Und Therapeuten, die ihre Patientinnen sexuell ausbeuten.
  • Psychoboom und Küchenpsychologie.
    Einerseits ist das Interesse der breiten Bevölkerung an psychologischen Themen sehr groß. Doch die Darstellung an psychologischen Erkenntnissen und Hilfestellungen gehen oft über simplifizierende Konzepte oder mechanistisches Werkzeugkasten-Denken nicht hinaus.

„Na gut, wen juckt’s?“ mögen Sie sich fragen.

Doch wie bei anderen Berufen auch, man denke an Spitzenmanager oder Politiker, hat das Image eines Berufsstandes oft bedeutsame Folgen. Im Falle der „Psychos“ verringert es beispielsweise die Bereitschaft von Menschen mit psychischen Problemen, sich frühzeitig therapeutische Hilfe zu holen. Dass beispielsweise ein Minister auch nur ein Mensch ist und mal zum Zahnarzt oder zum Internisten geht, kann man sich vorstellen. Aber zum Psychotherapeuten?

Ebenso ist auch die Tendenz von Ärzten, ihren Patienten bei vorliegender Indikation Psychotherapie zu verordnen, noch deutlich steigerungsfähig. Viele Patienten mit klaren depressiven Symptomen oder auch unklaren psychosomatischen Beschwerden machen oft eine jahrelange Facharzt-Odyssee durch bis beispielsweise eine zugrundeliegende Depression diagnostiziert wird.

Ich hoffe, dass ich durch dieses Blog und einige Artikel darin, das verbreitete Psychologen-Image etwas anheben kann. Wenn Sie sich für obige psychologischen Fragen interessieren, empfehle ich Ihnen meine beiden Websites über Psychotherapie und Paartherapie.

Und wie steht’s mit Ihnen?
Welches Bild haben Sie von „Psychos“?
Welche Erfahrungen haben Sie mit meinem Berufsstand gemacht?

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Danke für Ihr Interesse.

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.