Worin unterscheiden sich ein Psychiater, ein Psychologe, ein Psychoanalytiker und ein Psychotherapeut?

Kommentare 13
Neurobiologie / Psychologie

Eine Quizfrage zu Beginn:

Worin unterscheiden sich:

  • ein Psychiater
  • ein Psychologe
  • ein Psychoanalytiker
  • ein Psychotherapeut?

Sie wissen das nicht so genau, außer dass wahrscheinlich alle drei Berufsgruppen einen „Tick“ haben?

Gratuliere! Das ist genau die gängige Meinung, die die meisten Menschen von diesen drei verschiedenen Berufsbildern hat. Eine Universitätsdozentin aus Hamburg erforscht seit Jahren das öffentliche Image der „Psycho-Berufe“. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die meisten Menschen wenig über diese verschiedenen Berufsbilder wissen.

Die wichtigsten Ergebnisse (und Vorurteile):

  • Alle sind irgendwie gleich und machen dasselbe.
    Alle „Psychos“ werden assoziiert mit Psychoanalyse, Hypnose oder Elektroschockbehandlung. So glaubt ein Drittel, dass Psychologen auch Psychopharmaka verschreiben dürfen (das dürfen aber nur Ärzte). Außerdem kennt die Mehrheit der deutschen Bevölkerung persönlich keinen Psychologen.
  • Die haben doch alle einen an der Waffel.
    Psychologen, Psychiatern und Psychotherapeuten wird mehrheitlich unterstellt, die hätten selbst einen „Tick“. Oder noch schlimmer: sie beuten Patienten/innen finanziell oder sexuell aus.
  • Alle sehen aus wie Sigmund Freud.
    In den Medien werden „Psychos“ meist als „Freud-Verschnitt“ also als Mann mittleren Alters mit Brille und Vollbart, spärlichen grauen oder weißen Haaren und seriöser Kleidung dargestellt.
    Der zweithäufigste Typus in den Medien ist der „Öko“. Männer werden hier mit langen Haaren und Birkenstocksandalen oder als Frau ebenfalls langhaarig und lila Frauenbewegungsklamotten gesehen. Außerdem gibt es noch den bebrillten „Intelektuellen-Typus“ sowie den „Neurotiker“ mit zerzausten Haaren und verwahrlostem Äußerem.
  • Geheilt wird durch Psychoanalyse und Sofortheilung.
    Vor allem in amerikanischen Filmen wird Psychotherapie meist vereinfacht dargestellt als Aufdeckung von Traumata, die dann in einem einzigen, karthartischen Moment geheilt werden (zum Beispiel in „Good Will Hunting„).
  • Kapieren nix und sind übergriffig.
    In den Medien werden vor allem zwei Probleme mit „Psychos“ gehäuft dargestellt. Therapeuten, die ihre Patienten missverstehen und auf ihrer Deutung bestehen („Doch das ist Ihr Problem. Wenn Sie das nicht einsehen, ist das Ihr Widerstand.“) Und Therapeuten, die ihre Patientinnen sexuell ausbeuten.
  • Psychoboom und Küchenpsychologie.
    Einerseits ist das Interesse der breiten Bevölkerung an psychologischen Themen sehr groß. Doch die Darstellung an psychologischen Erkenntnissen und Hilfestellungen gehen oft über simplifizierende Konzepte oder mechanistisches Werkzeugkasten-Denken nicht hinaus.

„Na gut, wen juckt’s?“ mögen Sie sich fragen.

Doch wie bei anderen Berufen auch, man denke an Spitzenmanager oder Politiker, hat das Image eines Berufsstandes oft bedeutsame Folgen. Im Falle der „Psychos“ verringert es beispielsweise die Bereitschaft von Menschen mit psychischen Problemen, sich frühzeitig therapeutische Hilfe zu holen. Dass beispielsweise ein Minister auch nur ein Mensch ist und mal zum Zahnarzt oder zum Internisten geht, kann man sich vorstellen. Aber zum Psychotherapeuten?

Ebenso ist auch die Tendenz von Ärzten, ihren Patienten bei vorliegender Indikation Psychotherapie zu verordnen, noch deutlich steigerungsfähig. Viele Patienten mit klaren depressiven Symptomen oder auch unklaren psychosomatischen Beschwerden machen oft eine jahrelange Facharzt-Odyssee durch bis beispielsweise eine zugrundeliegende Depression diagnostiziert wird.

Ich hoffe, dass ich durch dieses Blog und einige Artikel darin, das verbreitete Psychologen-Image etwas anheben kann. Wenn Sie sich für obige psychologischen Fragen interessieren, empfehle ich Ihnen meine beiden Websites über Psychotherapie und Paartherapie.

Und wie steht’s mit Ihnen?
Welches Bild haben Sie von „Psychos“?
Welche Erfahrungen haben Sie mit meinem Berufsstand gemacht?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

13 Kommentare

  1. Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    durch Zufall bin ich auf diesen Beitrag von Ihnen gestoßen und wollte hier nur kurz „Danke“ sagen. Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Danke, dass Sie die Leute endlich aufklären, mir ist es bisher nämlich noch nicht gelungen. Vor allem dieses „S. Freud -Vorurteil“ muss endlich aus der Welt geschafft werden!

  2. Jürgen Porbeck sagt

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    es sind auch eher die Vorstellungen, die ich an einen Arbeitsplatz habe. 😉
    Hoffentlich liest das jetzt kein Personalentscheider. (Bammel)

    Schöne Grüße
    Jürgen Porbeck

  3. Hallo Herr Porbeck,
    na, Ihre Vorstellungen von der Psychoanalyse sind ja noch aus Freud’s Zeiten. Da hat sich viel geändert. Es ist ein anstrengender aber schöner Beruf, in dem es vor allem um die Untersuchung der gegenseitigen Beziehungsgestaltung geht. Da ist nix mit Bücher lesen oder Tonband.

    Psychoanalyse und überhaupt Psychotherapie ist auch nicht nur Zuhören, sonst könnte man ja auch zum Friseur gehen und kriegt doert auch noch die Haare schön.
    Danke für Ihren Kommentar.

  4. Jürgen Porbeck sagt

    Hallo,

    also ich habe mich entschieden. Ich werde Psychoanalytiker!

    Aufgrund von Übertragung und Gegenübertragung, bin ich gezwungen im Rücken des Patienten zu sitzen. Dort kann ich dann endlich die Bücher lesen, die ich schon immer lesen wollte. Um den Patienten das Gefühl zu geben, dass ich ihm zuhöre, lasse ich ein Tonband ablaufen: „hmmm, ja, erzählen sie mir bitte mehr“, usw.. Am Ende der Sitzung heisst es dann: „Das war heute wieder sehr aufschlussreich Herr/Frau …, die Zeit ist um, wann haben sie denn das nächste Mal wieder Zeit.“
    Viele Menschen haben heutzutage nämlich das Problem, dass ihnen keiner mehr zuhört, wie z. B. bei LehrerInnen ist das so, und die sind dann sehr zufrieden, wenn sie den Psychoanalytiker haben.

    😉
    Jürgen Porbeck

  5. Hallo Manfred,
    schön, dass Du die Zwiegespräche aus eigener Erfahrung so empfehlen kannst.

    Es ist immer wieder erstaunlich, wenn ein Paar sich darauf einlässt, was dabei herauskommen kann.

  6. Manfred sagt

    Hallo latita !

    Zum letzten Beitrag von Roland Kopp-Wichman möchte ich vor allem die „Zwiegespräche“ bestens empfehlen. Es entfaltet sich darin eine ganz andere Atmosphäre. Eingefahrene Rollen werden neu verteilt. Wenn man die Regeln beachtet, sind die Effekte für die Beziehung wirklich verblüffend. Überdies erlebt man die Zeit bewusster. Viele Begebenheiten, die man schnell vergessen hätte, kommen einen in den Sinn, mit neuen Facetten.
    Viel Glück dabei !

  7. Hallo Latita,

    danke für Ihren Kommentar und Ihre Offenheit.

    In diesem Blog schreibe ich j öfter darüber, dass jeder die Welt mit Hilfe seiner „inneren Landkarten“ wahrnimmt und interpretiert. Doch die Landkarte ist nicht die Landschaft. Probleme enstehen immer dann, wenn man glaubt, die eigene Interpretation des Gehörten wäre nicht die eigene Interpretation des Gehörten, sondern das, was der Andere tatsächlich gesagt hat.

    Diesen großen Unterschied aufrechtzuerhalten, also sich immer wieder bewusst zu machen, dass jeder sein Erleben „konstruiert“, ist sehr nützlich – aber nicht einfach. In Streitigkeiten oder anderen Stresssituationen ist das besonders schwer, weil man da meist Recht haben will mit seiner Interpretation. In Beziehungen muss man sich aber öffnen für die Welt des anderen. Deswegen frage ich streitende Paare manchmal: „Wollen Sie Recht behalten oder verheiratet bleiben?“

    Bewährte Gesprächstipps sind:

    * Sagen Sie, was Sie wollen, nicht was Sie nicht wollen.
    Beispiel: Statt “Ich will abends nicht immer den Abwasch allein machen.”
    Besser: “Ich hätte gern, wenn wir abends den Abwasch gemeinsam machen.”

    * Übersetzen Sie Klagen in Fragen oder Wünsche.
    Beispiel: “Immer musst Du Brokkoli kochen. Ich hasse ihn, auch wenn er gesund ist.”
    Besser: “Ich hätte gern mehr Abwechslung beim Gemüse, z.B. Erbsen oder Karotten. Wäre das in Ordnung für Dich.”

    * Äußern Sie Ihre Gefühle anstatt Ihren Partner anzugreifen.
    Beispiel: “Du fährst wie ein Verrückter. Du bringst uns noch um mit deinem Fahrstil!”
    Besser: “Mir wird etwas schlecht. Könntest du etwas langsamer fahren. Ich kriege ziemlich Angst.”

    Außerdem: Es hilft sehr, in hitzige Gespräche Ruhe Gespräch reinzubringen. Dann kann man meist besser zuhören und versuchen zu verstehen, was der andere eigentlich gemeint hat. Die besten Gesprächsmethoden dafür sind „Ich-Botschaften“ und „Aktives Zuhören“. Beide wirken deeskalierend, weil sie deutlich machen, dass Verständigung – zumal zwischen Mann und Frau – viel Dolmetscherarbeitarbeit bedeutet. (Wenn Sie wollen, schicke ich Ihnen eine Anleitung dazu. Kurze Mail genügt.)

    Eine ebenso gute Methode sind Zwiegespräche. Die Anleitung dazu finden Sie am Ende dieses Blogbeitrags: http://tinyurl.com/6r8bhr

    Viel Erfolg!

  8. latita sagt

    Hallo Roland,

    wir sind uns beide dieser Tatsache bewusst und versuchen beide angestrengt, immer neue Diskussionsregeln usw. aufzustellen, um das mal in den Griff zu kriegen. Die 50 Jahre sind nämlich eigentlich ein fest anvisiertes Ziel.

    Es ist ja nicht so, dass hier verbal die Fetzen fliegen und wir uns übelst beleidigen oder so. Mir reicht schon das Rumgezicke, dass man sich gleich angegriffen fühlt, weil man den falschen Ton nimmt. Die Töne sind unser Problem.

    Jedenfalls haben wir schon mal über eine Paartherapie gesprochen. Wenn wir das so nicht hinkriegen, müssen wir uns dort Rat holen.
    Aber vielleicht haben Sie ja auch eine Idee, wie man einfach Ruhe bewahrt und falsche Töne ignoriert?

  9. Hallo lieber Roland,
    ich hab ein recht positives Bild von ‚den‘ ‚Psychos‘.
    Ich bin Sprachwissenschaftlerin und wir benutzen viele Tests und Befragungsmethoden aus der Psychologie, um ein Modell von der Grammatik, die ja wie die Psyche nicht direkt zugänglich ist, zu zimmern. Die Ergebnisse der medizinischen Psychologie (N.Birbaumer & Co) über die Repräsentation von Sprachfähigkeit und über Verstehensprozesse im Gehirn sind für die Sprachwissenschaft immens wichtig. Dann gibt es die Psycholinguistik, ebenfalls sehr interessant – ohne den Input von Psychologen und Neurobiologen undenkbar.

    Privat hatte ich ein paar negative Erfahrungen mit Psychotherapeuten (aber sie auch mit mir ;-).

    Schwarze Schafe gibt es überall. Schlechte Sprachwissenschaftler zB fallen nur niemandem auf, weil sie ja keinen Kundenkontakt haben, sie langweilen einfach folgenlos vor sich hin.

    Inzwischen bin ich therapeutisch in besten Händen und darüber sehr glücklich.
    Dein Seminar über Zeit- und Stressmanagement war ein echtes Highlight und Dein Blog ist auch immer interessant, thematisch vielfältig, so dass ich inzwischen das Abo gekündigt hab, weil ich eh hier dauernd vorbeischau. Klar hebst Du das Psychologen-Image damit. Bin gespannt auf Dein Buch.
    Bis bald!
    Monika

  10. Hallo Latita,
    danke für Ihren Kommentar. Freut mich sehr, dass Sie mein Blog gern lesen.

    Das ist natürlich auch ein gutes Rezept für eine langdauernde Beziehung: man redet einfach nicht mehr miteinander.

    Erinnert mich an den Satz des Coumbo-Darstellers Peter Falk über seine Ehe: „Wir sind nur deshalb so lange zusammen, weil wir uns immer zu unterschiedlichen Zeiten scheiden lassen wollten.“

    Im Ernst: eine längere Beziehung ist wirklich nicht einfach zu führen. Denn dem Partner kann man – fast noch mehr als in einer Therapie – nach einer Weile nichts vormachen. Und jeder bringt aus seiner Herkunftsfamilie ungelöste Konflikte und entsprechende Strategien, damit umzugehen, mit. Diese prallen in der Beziehung dann aufeinander.

    Das alleine aufzudröseln ist sehr schwer. Da kann eine gute Paartherapie oft viel bewusst machen. Wenn es nicht zu spät ist. Beziehungen sterben leise.

  11. Armin sagt

    Geschätzter Herr Kopp-Wichmann, ein Vorurteil gegen „Psychos“ finde ich bestätigt: Diese können nicht zählen!
    Sind es nicht vier Berufsgruppen – oder habe ich da etwas missverstanden?
    😉

  12. latita sagt

    Oh, die Seite mit der Paartherapie muss ich mir mal anschauen. Mein Freund und ich haben das Problem, dass wir keine richtige Diskussions- und Streitkultur haben. Wir haben schon gewitzelt, dass wir die 50Jahre nur vollmachen, wenn wir nicht miteinander reden… das ist ein bisschen traurig.

    Zu den Psychologen, Sie sprachen an, dass das Bild von auf ihrer Meinung bestehenden Therapeuten vermittelt wird. Das habe ich selbst schon erleben müssen und mich deshalb auch keinem mehr anvertraut, auch wenn das damals wahrscheinlich besser gewesen wäre.

    Und ich muss hier mal loswerden, dass mir Ihr Blog sehr gut gefällt. Es gibt zwar nicht immer Beiträge, zu denen man kommentieren kann bzw. als Feedreader ist man schon sehr … na ja.. man nimmt eher, als das man gibt. Auf jeden Fall lese ich hier gerne mit 🙂

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