FOMO – Haben Sie auch oft Angst, nicht dazuzugehören?

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FOMO, Nomophobie, Cyberchonder, – Social Media schafft vollkommen neue ‚Krankheitsbilder‘, deren Symptome viele von uns aufweisen, ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind. Das Urban Dictionary für Jugendsprache definiert das Akronym FOMO (fear of missing out, dt. Angst, etwas zu verpassen) als Zustand mentaler und emotionaler Erschöpfung aufgrund der Angst, etwas zu verpassen.

Gruppenzugehörigkeit ist ein zutiefst menschliches Grundbedürfnis und aus diesem Grund ist auch die Angst, kognitiv Möglichkeiten wahrzunehmen, sie aber dennoch zu verpassen, tief in der Natur des Menschen begründet.

Vielleicht kennen auch Sie das unbestimmte Gefühl von Unzufriedenheit, ohne den genauen Ursprung zu kennen. Auch wenn das Phänomen schon vor dem Auftreten sozialer Netzwerke bekannt war, der Medienkonsum wirft ganz neu Fragen nach dem Selbstwert und der Einbettung in soziale Netze auf und führt so zu einem tiefen Weltschmerz, der von der Technologie herrührt.

Ein Phänomen unserer Zeit.

Nein, FOMO ist keine anerkannte Krankheit. Und dennoch raubt es Energie, Kraft und unter Umständen sogar Schlaf. Denn wenn auch Sie Ihrer Angst Raum geben, hetzen Sie mit einem Mal von A nach B und B nach C, lassen die Uhr nie aus den Augen und vergessen dabei eine simple Grundregel: Auch Ihr Tag hat nur 24 Stunden! Und alles können Sie sowieso nicht machen.

Die Symptome, die sich hinter dem Phänomen verbergen, gehen allerdings noch um einiges tiefer. Wenn die FreundInnen ihre Bilder vom gemeinsamen Abendessen auf Facebook teilen, Sie aber nicht eingeladen waren oder nicht dabei sein konnten, fühlen Sie sich leer und traurig. Und außerdem hatten Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie wirklich absagen mussten!

Kennen Sie das Gefühl, alle Meilensteine Ihres Lebens öffentlich teilen zu müssen – vom Heiratsantrag bis zum Burgeressen mit Freunden? Auch das ist ein Symptom von FOMO. Wichtig ist nur das, was möglichst viele andere sehen können.

Wir selbst erwischen uns aber auch häufig dabei, wie wir gedankenlos durch den Newsfeed scrollen und sogar ein regelrechtes Suchtverhalten an den Tag legen. Wenn Sie selbst während Sie das Lenkrad in der Hand halten, an jeder Ampel kurz sehen müssen, ob es etwas Neues gibt, Sie ja nichts verpassen möchten, wird es Zeit, positive Gegenimpulse zu setzen!

FOMO als Motivationstrainer

FOMO ist nicht nur negativ, sondern kann – für Ihre Zwecke instrumentalisiert – zu einem Kickstarter für Motivation in Ihrem Leben werden. Zum einen motiviert es, endlich einmal das eigene Konsumverhalten kritisch unter die Lupe zu nehmen und Verhaltensmustern, die sich unbemerkt eingeschlichen haben, den Riegel vorzuschieben.

Fragen Sie sich, was die wirklich relevanten Informationen für Ihr Leben sind.

Es sind im Zweifelsfall nicht die, die Neid und Unzufriedenheit in Ihnen schüren und die Sie Ihr ‚profanes‘ Leben mit dem Ihrer Globetrotter-Freunde vergleichen lassen. Entscheiden Sie sich bewusst dafür, welche Updates Sie wirklich in Ihrem Newsfeed möchten und auch, wie oft Sie sich selbst sinnlose Scroll-Zeiten genehmigen.

Zum anderen kann FOMO die kleine Stimme in Ihrem Inneren sein, die besagt, dass es an der Zeit ist, auszubrechen aus einer Welt, die einfach zu klein geworden ist. Sie müssen sich nicht von der Angst bestimmen lassen, dass Sie zu wenig Aufregendes erleben, aber Sie können Ihre Angst lenken, um Dinge auszuprobieren, die Sie schon immer einmal machen wollten.

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Setzen Sie sich also Ziele, die Sie von Ihrem Facebook-Feed in Ihr Leben live und in Farbe überführen wollen und stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Was möchte ich wirklich tun?
  • Wo kann ich etwas Neues lernen, das mir etwas für mein Leben bringt?
  • Wo stecke ich fest, bin gelangweilt und frustriert und darf meine Perspektive ändern?

Und dann: Setzen Sie Ihre Wünsche und Träume in die Tat um. Und machen Sie zu Übungszwecken kein einziges Foto, sondern nehmen Sie mit allen Sinnen wahr und genießen Sie Ihr einzigartiges Erlebnis, das so sicher noch keiner Ihrer Freunde hatte.

Ein Ja ist immer auch ein Nein zu einer anderen guten Sache. Klick um zu Tweeten

Eigentlich liegt es auf der Hand: Wenn Sie zu einer Veranstaltung oder einem Treffen ja sagen, bedeutet das, dass Sie nicht zeitgleich an einem anderen Ort mit anderen Menschen bei einem anderen Event sein können. Und das selbst dann, wenn diese andere Sache auch richtig interessant wäre und Sie vielleicht etwas verpassen könnten.

Bewusste Entscheidungen statt Last-Minute-Unverbindlichkeit machen sich bezahlt und sorgen dafür, dass Ihre Nervosität einer Zufriedenheit über getroffene Entscheidungen weichen muss. Machen Sie also einen Termin aus und seien Sie vollkommen dort – ohne beständigen Blick auf die Uhr oder das Smartphone. Oder bleiben Sie einfach mal zu Hause!

Wer trotzdem Angst hat, seine Zeit falsch zu verbringen, dem sei zur Beruhigung gesagt: Studien zeigen, dass es oft nicht so schlimm ist, etwas zu verpassen, wie man im ersten Moment annehmen würde, denn so viel Weltbewegendes passiert meistens nicht. Dagegen gibt es beinahe nichts Schlimmeres, als auf einer vermeintlich coolen Party gelangweilt das Gähnen zu unterdrücken.

Schalten Sie also öfter mal das Handy auf stumm und nehmen Sie sich Zeit, vollkommen in der Gegenwart zu leben, ob bei einem Abendessen unter Freunden, das nicht auf Instagram landet, oder ganz allein mit einem Serienabend auf der Couch.

fomo, fear of missing out, kopp-wichmann, persoenlichkeits-blog,Dies ist ein Gastartikel von Keyvan Haghighat Mehr, Geschäftsführer der Social Media Agentur  www.mediabynature.de mit Sitz in Hamburg.

Längst ist das Thema „FOMO“ für Ihn kein neuer Begriff mehr, da er in seiner täglichen Arbeit sehr oft mit dem – auf den ersten Blick so unscheinbaren- „Krankheitsphänomen“ in Berührung kommt.

 

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Bilder: © www.unsplash.com

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

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  1. Ich kenne zwar nicht das Gefühl, alle Meilensteine meines Lebens öffentlich teilen zu müssen, aber ich kenne schon auch das Gefühl, wie es ist, wenn man auf einmal außen vor ist. Wenn man eine Zeit lang im Ausland war und wieder zurückkommt, ist die Zeit auch daheim nicht stehen geblieben und der ein oder andere „Freund“ kristallisiert sich dann eben doch mehr als Lebensabschnittsgefährte heraus. Das tut weh, aber möglicherweise ist es dann auch hier Zeit für Veränderung, wenn man von diesen „Freunden“ nicht mehr eingeladen wird und sich traurig die Bilder von einer Feier ansehen muss, bei der man nicht dabei gewesen ist. Soziale Anerkennung steht ziemlich weit oben auf der Maslow’schen Bedürfnispyramide, der Mensch ist halt wohl einfach auch ein Herdentier.

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