Über Abwehrmechanismen – oder warum George Bush im Irak immer siegen wird.

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Psychologie

Der Begriff Abwehrmechanismus stammt aus der Psychoanalyse. Damit sind psychische Reaktionen gemeint, mit denen sich Menschen vor seelischen Konflikten schützen. Dies geschieht meist völlig unbewusst, d.h. der betreffende Mensch glaubt tatsächlich seine – oft logisch klingende – Begründung für sein Verhalten.

Abwehrmechanismen helfen, unbewusste Konflikte zu lösen und tragen so bei jedem von uns zur Selbststeuerung bei.

Hier die wichtigsten Abwehrmechanismen.

Identifikation

    • Man identifiziert sich mit einer bestimmten Person, einer religiösen Überzeugung oder einem x-beliebigen Objekt, um die eigene Person aufzuwerten bzw. sich zugehörig zu fühlen.
      – Weibliche Teenager schwärmen für die Band Tokio Hotel. – Deutschlands begeisterte sich letztes Jahr für Fussball und identifizierte sich plötzlich wieder für die deutsche Nation und ihre Fahne.
      – Wegen einer Mohammed-Karikatur in einer dänischen Zeitung gab es wochenlang islamistische Aufstände.
    • Durch Identifikation mit seinem Agressor kann zum Beispiel ein Opfer seine Angst vor dem Entführer verringern (Stockholm-Syndrom).

Introjektion

  • Man macht sich fremde und im Gegensatz zu seinen sonstigen Überzeugungen stehende Anschauungen, Motive und Verhaltensweisen zu eigen, um z. B. besser anzukommen bzw. Ablehnung zu vermeiden.
    – So fangen viele Jugendliche das Rauchen an, um zu einer bevorzugten Gruppe dazuzugehören.
    – In der Jugend schwört man sich, nie wie seine Mutter/sein Vater zu werden. Spätestens ab vierzig und mit eigenen Kindern entdeckt man plötzlich bei sich ähnliche Sprüche und Verhaltensweisen.

Kompensation

  • Eigene Minderwertigkeitsgefühle werden durch vermeintlich besondere Leistungen oder den Besitz besonderer Attribute auf einem anderen Gebiet kompensiert.
    – So sind zum Beispiel viele Komiker auffallend klein.
    – Auch die Hersteller PS-starker Automobile oder teurer Markenkleidung profitieren von dieser menschlichen Abwehrhaltung.

Projektion

  • Eigene Gefühle werden auf den anderen projiziert. Oder wie Freud es formulierte: “Projektion ist das Verfolgen eigener Wünsche in anderen.”
    – Ein Mann ist an einer Frau interessiert, die jedoch nichts von ihm wissen will. Daraufhin streut er das Gerücht, die Kollegin wäre mannstoll.
    – Sie verfolgen interessiert das Meeting. Plötzlich fragt Sie Ihr Nachbar, warum Sie so gelangweilt gucken.

Rationalisierung

  • Hier findet man einen guten Grund für sein Verhalten – anstatt des richtigen.
    – “Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen”, rationalisiert der Chaot.
    – „Nicht Waffen töten Menschen, sondern Menschen töten Menschen“ rationalisiert reflexhaft nach einem Massaker die US-Waffenlobby.

Reaktionsbildung

  • Man tut etwas vermeintlich Ehrenvolles und befriedigt gleichzeitig eigene verdrängte – meist sexuelle – Bedürfnisse.
    – Zum Beispiel startet man eine Kampagne “Gegen Pornographie im Internet” – und muss dazu natürlich jede Menge recherchieren …
    – Als früherer Weltbankpräsident wollte man gegen die Korruption kämpfen, um andererseits …

Regression

  • Um Minderwertigkeits-, Angst- oder Schuldgefühle abzubauen, fällt man auf ein kindliches oder jugendliches Verhalten zurück.
    – So schlagen erwachsene Menschen auf die PC-Tastatur ein, beißen in Lenkräder oder knallen den Telefonhörer auf.
    – Um als Mann ohne Gesichtsverlust regredieren zu dürfen, bietet sich Fußball an. Hier darf man andere Männer umarmen, küssen, laut schreien, sich bunt anmalen, verrückte T-Shirts tragen etc.
    – Um die Kränkung des Älterwerdens zu vermeiden, verliebt man sich in einen mindestens zwanzig Jahre jüngeren Partner, zwängt sich in enge Jeans und liest Benjamin Stuckradt-Barre.

Sublimierung

  • Der Wunsch nach dem Ausleben eigener Triebwünsche wird in kulturelle oder soziale Handlungen umgeleitet.
    – “Wer eine glückliche Jugend hatte (also genug Sex and Drugs and Rock’n roll) kann kein Schriftsteller werden.” (Thomas Bernhard)
    – Als Polizist darf man sich dauernd mit Verbrechen beschäftigen, ist aber auf der guten Seite.

Ungeschehen machen

  • Um eigene “unmoralische” Gedanken Handlungen wiedergutzumachen, greift man zu einer Symptomhandlung,
    die das Sündhafte abwehren bzw. sühnen sollen.
    – Waschzwang, Putzsucht, zwanghafte Ordnungsliebe gehören hierher.
    – Wenn man in Zeiten des Klimawandels noch mit dem Flugzeug reisen will, kann man durch eine Zahlung an ATMOSFAIR sein Gewissen erleichtern.Verleugnung
  • Man glaubt, indem man ein Ereignis oder ein Gefühl ignoriert, würde es verschwinden und auch von anderen nicht registriert werden.
    – US-Präsident Bush’s bevorzugter Abwehrmechanismus.
    – Nach einem schweren Schicksalsschlag (Krankheit, Entlassung) tut man so, als ob nichts passiert sei.

Verschiebung

  • Eigene Gefühle werden nicht dort geäußert, wo sie hingehören, sondern auf einen Schwächeren verschoben.
    – Statt dem Chef die Meinung zu sagen, kanzelt man die Ehefrau ab, diese schimpft mit dem Kind – und das Kind tritt die Katze.
    – Die “feinere” Variante ist, die Aggression gegen sich selbst zu richten in Form von Selbstanklagen, unangemessenen Schuldgefühlen etc.

Quizfrage: “Um welchen bekannten Abwehrmechanismus handelt es sich bei diesen drei Elvis-Fans?

Und was ist Ihr bevorzugter Abwehrmechanismus?

Oder kennen Sie einen bekannten Ausspruch eines Politikers, Vorstandsvorsitzenden etc., den Sie jetzt besser verstehen? Schreiben Sie hier Ihren Kommentar.

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

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