Drei Voraussetzungen für Treue in der Partnerschaft.

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Partnerschaft

Du willst Monogamie? Heirate einen Schwan!“

bekommt die Hauptdarstellerin in dem Film „Sodbrennen“ als Trost zu hören.

Doch seitdem Wissenschaftler selbst die lebenslange Treue der Schwäne und Kaiserpinguine als Mythos entlarvt haben, wird klar: Monogamie ist nicht natürlich in uns Menschen angelegt.

Aber die Diskussion über das Vorhandensein oder Fehlen des sogenannten „Treue-Gen“ Vasopressin führt in eine falsche Richtung. Der polnische Aphoristiker Jerzy Lec hat die Grenzen der biologischen Argumentation  für menschliche Verhaltensweisen mit zwei Fragen geistreich beantwortet:

  • „Ist es ein Fortschritt, wenn ein Kannibale Messer und Gabel benutzt?“
  • „Wie kann man einen Menschen für eine unmenschliche Tat verurteilen?“

Aber zurück zur Treue. Nachdem ich in meinem letzten Beitrag die drei wichtigsten Gründe, warum Menschen fremdgehen oder Affären haben, beschrieben habe, geht es diesmal darum, warum Menschen treu sind.

1. Treusein ist kein Gefühl, sondern eine Entscheidung.

Diese Entscheidung hat damit zu tun, dass der andere für uns einzigartig ist und nicht austauschbar. Und ich hoffentlich für ihn auch.

Diese Treue ist dann eine freiwillige Verpflichtung, ein Commitment. Keine moralische Zwangsjacke oder ein kirchliches Treuegebot, dem ich mich unterwerfe. Sondern eine freiwillige Entscheidung, obwohl ich ahne, dass das Zusammensein mit dem einen oder anderen Menschen irgendwo auf der Welt vermutlich auch nett wäre.

Es ist die Entscheidung, in die Tiefe zu gehen – statt in die Breite.

So wie ja auch die Liebe in einer längeren Partnerschaft immer wieder eine Entscheidung braucht. Vor allem dann, wenn es in der Beziehung kriselt oder man am anderen etwas auszusetzen hat.

Zu dieser Entscheidung gehört die schmerzliche Einsicht, dass der andere uns nicht dauernd glücklich oder zufrieden machen kann. Wir können uns das wünschen und hoffentlich passiert es auch immer wieder. Aber wir haben keinen Anspruch darauf.

Menschen, die untreu sind, verweigern diese Entscheidung oder scheuen die Tragweite. Sie warten noch auf etwas Besseres.

Dagegen ist nichts einzuwenden, doch der Preis ist zumeist eine innere Unruhe und Anspannung. Man ist noch auf der Suche. Wer sich für einen Menschen und die Treue zu ihm entschieden hat, kann dies wie ein Zuhause-Sein erleben.

So wie es ja an einem bestimmten Punkt im Leben wichtig ist, sich örtlich niederzulassen anstatt alle paar Jahre umzusiedeln oder dauern davon zu träumen, woanders zu leben oder ganz auszuwandern.

2. Treusein braucht ein starkes Ich.

In der Verliebtheit idealisieren wir den Partner, sind wir blind für seine Eigenheiten und Schwächen. Dadurch fühlen wir uns in unseren guten Seiten wahrgenommen, bestätigt und aufgewertet.

Auch am anderen sehen wir nur das Beste, fühlen uns von ihm angezogen, bereichert und belebt. Diese gegenseitige Idealisierung bewirkt die Verzauberung und das Rauschhafte, das uns dazu bringt, nächtelang mit dem anderen zu reden, alles von ihm wissen zu wollen.

Mit der Zeit tauchen die ersten Konflikte auf, Unverträglichkeiten werden sichtbar. Viele Paare schaffen es nicht, nach dieser Idealisierungsphase miteinander eine stabile Alltagsbeziehung zu gestalten. Denn dazu braucht es ein starkes Ich.

Denn Menschen mit einem starken Ich können sich gut binden.

Weder brauchen Sie den anderen dauernd zur Bestätigung noch sind sie für Ihr inneres Wohlgefühl dauernd vom „richtigen“ Verhalten des Partners abhängig. Müssen diesen deshalb nicht ständig kritisieren oder nacherziehen, sondern können sich angemessen abgrenzen oder notwendige Verhandlungen oder Auseinandersetzungen führen.

3. Treusein braucht die Versöhnung mit Grenzen.

Menschen, die fremdgehen und vor allem jene mit längeren heimlichen Beziehungen, wollen das Leben aufspalten. Das Sichere und Bewährte behalten und gleichzeitig das Aufregende und Neue erleben. So verständlich der Wunsch ist, er scheitert, solange man ihn nicht nur heimlich lebt, an der Wirklichkeit.

So kommen in meine Paartherapiepraxis immer wieder Menschen, die sich nach einer bestimmten Zeit, die oft auf Monate vorhersehbar ist, von ihrem Partner oder dem Geliebten trennen „müssen.“

Sie wollen, dass das Gute, das Aufregende, das Besondere niemals aufhört. Und übersehen dabei, dass das Kostbare des Anfangs nur möglich wird durch die Begrenzung, das Ende.

Ich schreibe dies hier in einem Strandcafé im Nordosten Mallorcas. Genieße die Sonne, das glitzernde Meer, die laue Luft. Und stelle mir immer mal vor, ganz hier zu leben und zu arbeiten. Doch weiß ich auch, dass ich das Meer und das Wetter hier vor allem deshalb so schön finde, weil es für mich in Deutschland nicht alltäglich ist. Die Bedienung, die mir den Kaffee bringt,  schaut nicht so oft aufs Meer hinaus wie ich. Für sie es nichts Besonderes mehr.

Bezogen auf die Partnerschaft heißt das, dass uns der andere niemals alles bieten oder sein kann, was man sich vielleicht wünscht. Also die eierlegende Wollmilchsau der Beziehung: gut  aussehend aber treu, humorvoll für sich und unsere Schwächen, verlässlich aber nicht langweilig, leidenschaftlich aber nicht eifersüchtig, gut verdienend aber nicht kleinlich usw.

Die gute Nachricht: wir müssen auch nicht alles für den anderen sein. Dürfen Schwächen haben und Macken. Doch dazu braucht es eine wichtige Eigenschaft: sich mit den Grenzen des Lebens zu versöhnen.

Sich vorzustellen, dass auch George Clooney vielleicht nicht immer charmant lächelt oder gern den Müll rausbringt. Oder Angelina Jolie manchmal brutal schlechte Laune hat.

Konkret auf den Partner oder die Partnerin bezogen, heißt das: Schauen Sie mehr auf das, was da ist – anstatt vor allem auf das zu schielen, was fehlt oder ein anderer haben könnte.

Die von mir beschriebenen Voraussetzungen für Treue sind nicht einfach herzustellen, sondern  erfordern meist eine längere innere Auseinandersetzung mit sich selbst.

  • Den zuweilen schmerzlichen Abschied von Illusionen über sich selbst.
  • Die Arbeit an den gemachten Beziehungserfahrungen in Kindheit und Jugend, die das heutige Leben unnötig belasten und begrenzen.
  • Und das  liebevolle Annehmen all jener Anteile in uns, die sich einer Veränderung  beharrlich widersetzen.

kommentar Wie schaffen sie es, treu zu sein?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.