Kann man ohne Arme und Beine glücklich sein?

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Glück

Stellen Sie sich für einen Moment vor, Sie wären auf die Welt ohne Arme gekommen. Keine Arme, um sie um Ihre Eltern zu legen. Keine Arme, um einen Freund oder einen Partner zu umarmen. Keine Hände, um eine Tasse zu halten oder ein Auto zu fahren.  Keine Finger, um etwas  zu berühren oder zu schreiben.

Wie schwierig wäre wohl Ihr Leben ohne Arme und Hände?

Stellen Sie sich außerdem vor, Sie hätten außerdem keine Beine. Keine Möglichkeit, zu gehen, zu rennen, zu tanzen.  Was würden Sie tun? Glauben Sie, dass es Ihnen möglich wäre, in diesem Leben glücklich zu sein?

Auf die Idee zu diesem Artikel kam ich durch eine Studie.  Viele Menschen – und wir Deutschen besonders – neigen dazu, uns mit unseren Mitmenschen zu vergleichen. Je mehr wir uns aber Nachbarn, Kollegen und Freunde zum Maßstab nehmen, desto unglücklicher machen wir uns damit.

Untersucht wurde, wie sich der Lotteriegewinn eines Menschen auf das Leben der Nachbarn auswirkt. Das erstaunliche Ergebnis: In den Familien, wo der Gewinn u.a. für die Anschaffung eines neuen Autos verwendet wurde, kaufen sich auch die Nachbarn innerhalb von sechs Monaten einen neuen Wagen. Wohlgemerkt, ohne Lotteriegewinn.

Das Ergebnis  stützt die These, dass für Menschen vor allem der soziale Status im Vergleich zu anderen wichtig ist. Und dass wir oft nur schwer das schätzen können, was wir absolut haben.

  • Dies erklärt auch, warum reiche Menschen zwar zufriedener mit ihrem Leben sind als arme, aber steigender Wohlstand eine Gesellschaft nicht glücklicher macht. So ist das Durchschnittseinkommen in Deutschland seit den 50er Jahren massiv gestiegen. Die allgemeine Zufriedenheit jedoch nicht.
  • Wer eine Gehaltserhöhung von 300 Euro bekommen hat, freut sich meist. Aber nur so lange, bis er erfährt, dass sein Kollege in vergleichbarer Position eine Erhöhung über 500 Euro kassiert hat.

Zurück zur Eingangsfrage. Denn anders als beim Verdienst, den man ja anderen Menschen nicht ansieht, ist das Fehlen von Gliedmaßen sehr selten. Fast alle Menschen verfügen über Arme und Beine. Also: Kann man ohne Arme und Beine glücklich sein?

Die Antwort lautet: es geht.

Sie können das schwer glauben? Dann schauen Sie sich dieses Video an.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=Gc4HGQHgeFE&feature=player_embedded[/youtube]

Der Mann heißt Nick Vujicic und wurde 1982 ohne medizinische Warnzeichen ohne Arme und Beine geboren. Auf seiner Homepage können Sie mehr über sein erstaunliches Leben lesen. Er ist auch einer der Hauptdarsteller des 20minütigen Kurzfilms “The Butterfly Circus”, den Sie auf “The Doorpost Film Project” anschauen können.

Die Frage lautet: Was braucht es, um mit seinem Leben zufrieden zu sein?

Genug Geld? Eine Beziehung? Kinder? Einen spannenden Beruf? Nun, aus meiner Erfahrung als Therapeut und Coach weiß ich, dass viele Menschen das haben – und überhaupt nicht zufrieden sind. Und sich das Glück von etwas anderem erhoffen. Mehr Geld, eine andere Beziehung, einen anderen Beruf.

Was mich bei Nick Vujicic am meisten überzeugt hat, war, dass er in seinem Leben – trotz der offensichtlichen Einschränkungen – einen Sinn gefunden hat. Das erinnert mich an einen Satz von Buddha:

Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklichsein ist der Weg.

Das kann man auch so übersetzen:
Es gibt keine Zeit, kein Gestern oder Morgen, der jetzige Moment ist das einzig Reale, was existiert.
Warten Sie nicht mit dem Glücklichsein, bis Sie das Studium beendet oder die neue Stelle haben, ein neues Auto oder endlich das neue iPhone.
Bis Sie fünf Kilo abgenommen haben oder Kinder haben oder die Kinder ausgezogen sind.
Bis Sie endlich eigenes Geld verdienen oder endlich in Rente gehen.
Bis zum nächsten Wochenende oder Urlaub. Bis das Wetter sich ändert.
Bis Sie gestorben sind. Warten Sie nicht auf das nächste Leben.

Ich glaube, zufrieden zu sein, mit dem was ist, ist kein Zustand, der von außen kommt. Es ist eine Entscheidung. Und kein Moment ist besser als  – jetzt.

Wie kommt man zu dieser Entscheidung?

Auch das kann man von Nick Vujicic lernen. Man kann sich vorstellen, welche Selbstwertprobleme er als Kind und Jugendlicher mit seiner Behinderung hatte. Er kämpfte mit Einsamkeit und Depressionen und fand schließlich seinen Weg über die Religion.

Entscheidend scheint mir dabei zu sein, dass er etwas suchte und fand, was meiner Ansicht für jeden Menschen zutrifft: er fand einen Sinn in seinem Leben. Oder wie es Friedrich Nietzsche ausdrückte:

„Wer ein WARUM zum Leben hat, erträgt fast jedes WIE.“

Dieser Sinn muss nichts Großes sein. Kein großes Werk, keine guten Taten für die Menschheit, keine bahnbrechende Erfindung. Der Sinn ist ja nicht für die anderen. Für einen selbst muss etwas Sinn haben und Sinn machen.

Vor ein paar Jahren fragte ich die Inhaberin eines Tante-Emma-Ladens, warum sie sich jeden Tag in ihrem Alter noch so abmühte. Sie war 83 Jahre alt. Ob es wegen des Geldes sei? Sie lachte nur und antwortete: „Es ist das, was ich am besten kann. Und es macht mir Freude, meine Kunden zu bedienen.“

Nichts Großes. Es kann ein Handwerk sein oder irgendein Beruf. Es kann eine Familie sein oder eine künstlerische Tätigkeit. Es können mehrere Dinge sein. Das Entscheidende ist: es muss etwas sein, was Sie besonders gut können, was Sie gern tun – und was Sie für sinnvoll erachten.

Mein eigener Berufsweg spiegelt das auch wider. Ich war und bin zu vielem geeignet und habe deshalb etliche Berufe ausprobiert. Es brachte mir Geld, ein bisschen Anerkennung – aber ich konnte keinen Sinn für mich darin erkennen. Bis ich heraus fand, was mich wirklich interessierte:  die Grundfragen des Lebens. Deshalb auch die spirituelle Suche und das Studium der Psychologie. Und wie Sie in diesem Beitrag lesen können, fesseln mich diese Fragen immer noch.

Wie sieht das bei Ihnen aus? Was ist Ihr WARUM im Leben?

Wenn Sie es noch nicht gefunden haben, helfen Ihnen vielleicht diese Fragen. Vielleicht wollen Sie ja Ihre Antworten hier als Kommentar notieren.

kommentar Was können Sie besonders gut?
Was würden Sie am liebsten tun, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre?

Was wäre in Ihrer letzten Stunde Ihre Antwort auf die Frage, warum Sie dieses Leben geführt haben?

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Foto: © www.lifewithoutlimbs.org
Die Anregung zu diesem Beitrag verdanke ich Hannes Treichel

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

18 Kommentare

  1. David sagt

    Ich bin zwar mit allen Gliedmaßen auf die Welt gekommen, aber wie Nic mit Mitte zwanzig auch den Umweg über die Religion des Christentums gegangen. Habe dann aber die psychologischen Denkstrukturen von Glaubenssystemen zu dekonstruieren begonnen und bin mittlerweile glücklicher als ich es mit Religion je hätte sein können, auch konnte ich mich mit dem meist konservativen Weltbild vieler Anhänger der Religion nicht anfreunden. Der Buddhismus ist in gewissen Aspekten noch am ehesten als Empfehlung akzeptabel. Leider bewahrt diese Religion ihre Anhänger in Asien nicht davor, Minderheiten in ihren Staaten zu verfolgen, zu töten und zu diskriminieren. Nur weil sich manche Wege in meinem Leben als falsch erwiesen haben, habe ich noch kein Mandat, andere wegen der Befolgung ihrer Wege zu verfolgen oder beseeitigen zu wollen. Auch die IS-Kämpfer sollten zuerst versuchen ihr eigenes Leben in den Griff zu bekommen, bevor sie die Religion, die Rechtgläubigen oder sonstwen retten wollen. Vermutlich braucht Nic seinen Glauben für ein vollkommenes Leben, ob ich diesen in seiner Situation auch bräuchte, wage ich weder zu bezweifeln oder zu behaupten!

  2. David sagt

    Ich bin zwar mit allen Gliedmaßen auf die Welt gekommen, aber wie Nic mit Mitte zwanzig auch den Umweg über die Religion des Christentums gegangen. Habe dann aber die psychologischen Denkstrukturen von Glaubenssystemen zu dekonstruieren begonnen und bin mittlerweile glücklicher als ich es mit Religion je hätte sein können, auch konnte ich mich mit dem meist konservativen Weltbild vieler Anhänger der Religion nicht anfreunden. Der Buddhismus ist in gewissen Aspekten noch am ehesten als Empfehlung akzeptabel. Leider bewahrt diese Religion ihre Anhänger in Asien nicht davor, Minderheiten in ihren Staaten zu verfolgen, zu töten und zu diskriminieren. Nur weil sich manche Wege in meinem Leben als falsch erwiesen haben, habe ich noch kein Mandat, andere wegen der Befolgung ihrer Wege zu verfolgen oder beseeitigen zu wollen. Auch die IS-Kämpfer sollten zuerst versuchen ihr eigenes Leben in den Griff zu bekommen, bevor sie die Religion, die Rechtgläubigen oder sonstwen retten wollen. Vermutlich braucht Nic seinen Glauben für ein vollkommenes Leben, ob ich ihn in seiner Situation auch bräuchte, wage

  3. Norbert sagt

    Kann man ohne Arme und Beine glücklich sein? Interessante Frage, aber ist sie nicht falsch gestellt?

    Nick Vujicic ist, wie auch meine Vorrednerin hier, von Geburt an behindert.

    Natürlich ist es nicht so daß die Behinderung dann keine Probleme macht, aber es ist doch eine besondere Situation, schließlich ist nur ein geringer Prozentsatz der Behinderungen angeboren. Man hat in diesem Fall zwar den Moment wo man sich bewußt wird „anders“ zu sein, aber man muß nicht mit der Situation fertig werden an einem Tag nichtbehindert und am nächsten behindert zu sein.

    Von daher müßte die Frage vielleicht eher lauten: Kann man glücklich sein wenn man Arme und Beine verliert?

    Es ist sicher möglich ein glückliches Leben zu führen wenn man „nur“ (bitte nicht falsch verstehen) zum Rollstuhlfahrer wird oder auf die Arme verzichten muß. Bin da selber ein Beispiel.

    Aber alle vier Gliedmaßen verlieren? Da wird es sicher nicht einfach Beispiele zu finden.

  4. Hallo,

    den Artikel finde ich sehr interessant.

    Ich selbst habe keine Arme und kann Ihnen deshalb aus eigener Erfahrung sagen:

    Ja man kann auch ohne Arme super glücklich sein

    ; -)))

    Ganz liebe Grüße
    Silvia Kaufer

  5. Fraglich ist nur, ob und wie es Menschen möglich ist, sich von diesem materialistischen Weg abzuwenden. Was soll also ein unglücklicher Mensch tun? Fakt ist, dass jeder Mensch glücklich sein kann. Fakt ist auch, das es ihm möglich ist glücklich sein zu lernen. Aber wer zeigt ihm wie das geht? Wie soll das funktionieren? Uns Menschen dabei zu helfen habe ich mir zur Aufgabe gemacht. Wer Interesse hat, kann ja mal auf meiner Website nach weiteren Informationen suchen.

    http://www.wieder-gluecklich-sein.de

    Ein wirklich sehr anregender Artikel!

  6. Frank sagt

    Guten Tag,
    danke für den schönen Artikel mit wert- und sinnvollen Gedankenanstößen.

    Wieder wird die Frage gestellt: welchen Sinn sehe ich in meinem Leben? Ich glaube, vielen geht es wie mir: wenn ich das wüßte ! Wenn ich das wissen könnte! Wenn das Wissen darum mir etwas nützen würde! …

    Ebenso wie wohl viele andere habe ich schon viel probiert, um das zu ergründen: Meditation, Selbsthilfe-Bücher (z.B. „Ich kann auch anders“, Seminare (z.B. Persönlichkeits-Intensiv-Seminar), verschiedene Ausbildungen, verschiedene Jobs….

    Und ebenso wie wahrscheinlich viele andere habe ich -trotz vieler wertvoller Hinweise- keine endgültige, keine befriedigende Antwort auf die Frage gefunden.

    Das schreibe ich einzig und allein mir selbst zu, denn offenbar bin ich nicht in der Lage, den Nutzen aus solchen Maßnahmen so leicht zu realisieren wie andere (siehe Erfolgsmeldungen). Resistenz scheint ein Teil meiner Persönlichkeit zu sein.

    Deswegen gebe ich mir die Antwort: Sinn macht es, die Suche nach einem Sinn -und damit sich selbst- nicht aufzugeben und auch dem Leben, so wie es für mich ist (fern allen Machbarkeitswahns, jeder könne das für ihn sinnvolle Leben haben, wenn er nur wolle), einem Sinn zu geben, indem ich es für mich RICHTIG führe: achtsam, rücksichtsvoll, maßvoll, offen ….
    Wenn das WARUM unsichtbar bleibt, steht es immer noch in meiner Macht, das WIE zu bestimmen.

    Alles Gute !
    Frank

  7. Hallo Herr Paula,
    ja, dieser Nick Vujicic lebt wirklich Ihren Blog-Titel: „Walk your Talk“. (Und das noch ohne Füße.) 😉

  8. Lieber Herr Kopp-Wichmann,

    vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel!
    Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit diesen Fragen – Sie bringen es sehr schön auf den Punk, und das Beispiel von Nick Vujicic ist nicht nur sehr berührend, sondern steckt voller tiefer Weisheiten.
    Ich lass es jetzt erstmal wirken…

    Herzliche Grüße aus Wien
    Michael Paula

  9. Unsere Konsumgesellschaft wird doch darauf trainiert,das man mit dem was man hat, nicht zufrieden zu sein hat.

    Eigentlich braucht man nicht viel.

  10. manfred rickert sagt

    Hallo,

    der Beitrag ist wunderbar, ich bin sehr dankbar darüber.

    Zu der Frage „Was können Sie gut?“ möchte ich eine Alternative anbieten, sie lautet: „Was fällt dir leicht?“

    Die Frage zielt auf das Gleiche ab, ist aber, meine ich, etwas diskreter weil viele sich scheuen tief darüber nachzudenken und zum Ausdruck zu bringen, was sie gut tun.

    Darüber nachzudenken, was einem leicht fällt (und hier darf man dann ausnahmsweise sich mal mit Anderen vergleichen) kann überraschende, sehr positive Erkenntnisse bringen.

    Was einem leicht fällt, macht man immer auch gut und die Wahrscheinlichkeit, dass man es auch gerne macht, ist sehr groß.

    Die häufig gestellte Frage „Was machts du gerne“ ist hingegen falsch (wenn man Fähigkeiten ergründen will) weil es einen Zusammenhang zwischen „gerne“ und „gut“ nicht gibt. (Beispiel: ich spiele gerne Tennis, aber im Vergleich zu Millionen Anderen („leider“) nicht gut..)

  11. Hallo lieber Herr Kopp-Wichmann,

    bei mir ist es ganz genauso! Ich habe auch Psychologie studiert, weil mich die Grundfragen des Lebens interessiert haben:

    Wo komm ich her?
    Wo geh ´ich hin?
    Was ist der Sinn es Lebens?
    Was ist richtiges Handeln?
    Was ist der Mensch?
    Was bin ich?

    Antworten fand ich im Studium erwartungsgemäß eher nicht. Daher führte mich meine weiterer Weg auf eine intensive spirituelle Suche….. und wie man weiß: Wer suchet, der findet!

    Ein Satz, der die Essenz dessen, was es im Grunde zu finden gibt, für mich auf den Punkt bringt, stammt von dem großen indischen Weisen Nisargadatha:

    „Die Liebe sagt: Ich bin alles, die Weisheit sagt: Ich bin nichts. Zwischen diesen fließt mein Leben.“

    Mehr und mehr in diesem Bewusstsein zu schwingen – ganz gleich, was ich dabei tue – gibt meinem Leben den tiefsten Sinn.
    Einfach So-Sein. Darin muss ich nicht besonders schlau sein, nicht besonders toll, schön oder herausragend.
    Ich muss überhaupt nicht „irgendwie“ sein. In diesem Sein Jetzt, in diesem einfachen „Ich bin“, liegt die größte Freiheit.
    Erstaunlicherweise schwingt daraus eine Zufriedenheit und innere Sicherheit, die sich mühelos auf andere überträgt – ohne, dass „etwas besonderes“ getan werden müsste.

    Deshalb ist „einfach sein“ das Subversivste, was es gibt. Das – und vielleicht nur das – transformiert den ganzen Menschen und letztlich die Welt.

    Ich bin jedenfalls sehr glücklich, dass ich direkt von Anfang an, dass gefunden habe, was mich am meisten interessiert hat.
    Psychologie, Philosophie und vor allem eine gelebte, lebendige Spiritualität stehen auch heute noch in meinen Lebensmittelpunkt

    Grüße sendet Birgit

  12. Liebe Frau Ast,
    herzlichen Dank für Ihre klugen und weiterführenden Anmerkungen. Es stimmt, dass einen nicht alles, was man gut kann, auch mit Freude und Befriedigung erfüllt. Ich meinte es aber auch so, dass das, was einem Freude bereitet, wenn man daraus eine berufliche Aufgabe entwickeln will, man auch gut beherrschen sollte.

  13. Ich beziehe einen großen Teil meiner Zufriedenheit daraus, Menschen dabei zu helfen, herauszufinden, was sie WIRKLICH wollen. Viele glauben anfangs, dass das so funktoniert wie Ostereiersuchen: die liegen überall herum und ich brauche sie nur aufzusammeln. Schön wär’s. Vielen sind ihre Werte, nach denen sie leben (wollen) überhaupt nicht bewusst. Sie wissen gar nicht, dass Zufriedenheit und Sinnhaftigkeit zusammen gehören und was SINN für sie ganz persönlich macht und meint. Da geht „rausfinden, was ich wirklich will“ häufig einher mit „wie will ich eigentlich wirklich leben?“. Ist das geklärt, finden sich die – sinnvollen – Ziele plötzlich leicht und am Wegesrand sozusagen.

    Zur Frage: Was können Sie gut? eine Anmerkung.
    Nicht immer ist das, was wir können, auch das, was uns Spaß macht. Musste ich Klaviespielen lernen, obwohl ich Null Bock dazu hatte, dann bin ich vielleicht gut darin – erfüllen tut es mich nicht. Musste ich Chef im Betrieb meines Vaters werden, kann ich das jetzt ‚Chef sein‘, zufrieden stellen und im Frieden damit bin ich nicht.

    Sind die Werte und Ziele dann erkannt, benannt, dann müssen ALLE bei mir nochmal das HALTUNGSsieb durchlaufen. Was nützt es, herausgefunden zu haben, dass ich mich selbständig machen will mit XY, wenn die darunterliegende (häufig unbewusste) Dauerhaltung lautet: Das schaffe ich nie Komma, weil… und dann rattern nachts alle Sätze durchs Gehirn, die allen Selbständigkeitsbekundungsstürmen unter Garantie irgendwann den Garaus machen.

    Den Satz “Ich habe mich ent­schie­den, dank­bar zu sein für das, was ich tun kann und nicht wütend zu sein über das, was ich nicht tun kann.”, ist meint ja auch eine entschiedene Haltung. Ändert man(n) die, stellt sich das Zufriedensein manchmal ganz leicht und wie von selbst ein.
    Herzliche Grüße
    Maria Ast

  14. Liebe Frau Asser,
    danke für Ihr schönes Feedback – an mich und an Sie selbst.
    Der Selbstwert hängt im Grunde stark von der eigenen Entscheidung ab, und eben nicht vor allem von der Meinung anderer. Das vergessen wir manchmal und suchen dann Bestätigung bei anderen und wollen uns vergewissern, ob wir noch liebenswert sind. Dagegen ist nichts zu sagen. Aber das Entscheidende als Erwachsene ist, dass wir uns selbst anerkennen in unseren Stärken und Schwächen. Dass man dann trotzdem gut drauf sein kann, vermittelt Vuji­cic eindrucksvoll.

    Danke für Ihren Kommentar.

  15. Susanne Asser sagt

    Es ist der bewegendste Beitrag, den ich von Ihnen bislang gelesen habe und wie Sie wissen, bin ich ein großer Fan von Ihnen 🙂
    Diesmal fasse ich mich ganz kurz – so sehr ich immer wieder mal an meine Grenzen stoße und an meinem eigenen Selbstwert herum doktore, so sehr ist mir glasklar, dass der Sinn meines Lebens darin besteht, anderen (ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene) das größte Maß an Selbstvertrauen und Selbstwert zu vermitteln. Nicht umsonst bin ich eine gute Mutter, eine „coole“ Lehrerin und eine erfolgreiche Kommunikationstrainerin. Das macht mich aus!
    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag!
    Susanne

  16. Hallo,
    danke für Ihren Beitrag mit einigen biographischen Ergänzungen und vor allem den drei weiteren Videos. Die Quintessenz aus dem Schicksal dieses Menschen ist sein Satz: “Ich habe mich entschieden, dankbar zu sein für das, was ich tun kann und nicht wütend zu sein über das, was ich nicht tun kann.”

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