Positives Denken – hilft das wirklich?

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Rezension des Buches von Konstanze Quirmbach „Ich bin da“

Emile Coué war ein französischer Apotheker, der früh davon ausging, dass das Unterbewusstsein einen großen Anteil an allen Gesundungsprozessen hat und jeder Mensch sich selbst positiv beeinflussen kann. Er gilt als Begründer der Autosuggestion und gab seinen Patienten positive Sätze („Affirmationen“), die sie jeden Tag mindestens zwanzig Mal morgens beim Aufwachen und abends beim Einschlafen sich sagen sollten.  Sein bekanntester Satz war:

„Es geht mir von Tag zu Tag in jeglicher Hinsicht immer besser und besser.“

Coué hatte mit seiner Methode großen Erfolg. Im Nachgang hat sich das „positive Denken“ weltweit verbreitet. Vor allem Josph Murphy propagierte die Methode, dass man durch konstante positive Beeinflussung seines bewussten Denkens mit Hilfe von Affirmationen oder Visualisierungen) in seinen Gedanken eine optimistische Grundhaltung erreichen könne.

Unter dem Titel „Ich bin da“. Sich SELBST BEWUSST wahrnehmen. Dem Leben POSITIV begegnen, legt die Gestalttherapeutin Konstanze Quirmbach ihr erstes Buch vor.

Gleich vorweg: es ist ein wunderschönes Buch geworden. Nicht nur vom Inhalt her, sondern auch von der Aufmachung. 255 Seiten hochwertiges, gestrichenes Papier mit angenehmer, aufgelockerter Typographie, vielen begleitenden Fotografien. Es macht Spaß, darin zu blättern und sich in die einzelnen Themen zu vertiefen.

Nach einer Einführung über die Arbeit mit bewusster Wahrnehmung geht es im 2. Teil los mit „Affirmationen machen stark“. Die folgenden Kapitel beinhalten unter einer Überschrift wie zum Beispiel „Ich bin da“ verschiedene Affirmationen wie beispielsweise: „Ich darf sein, wie ich bin.“ Zu jeder Affirmation gibt es einen einführenden Text, eine Meditation über Fragen oder eine Fotografie und psychologische Hinweise.

Gedanken,  Gefühle und Körperhaltung hängen eng zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Wer auf der Fahrt ins Büro im Autoradio seinen schmissigen Lieblingssong hört, bekommt vermutlich gute Laune und betritt beschwingt das Gebäude. Wer zehn Minuten absichtlich mit hängenden Schultern und schleppendem Schritt herumläuft, wird ebenso eine Änderung seiner Gemütslage feststellen. Genauso wie es unmöglich ist, mit aufgerichtetem Oberkörper und einem absichtlichen Lächeln depressive Gedanken zu entwickeln.


Das Buch gliedert sich in folgende Kapitel mit entsprechenden Affirmationen:

Ich stehe für mich ein.

  • „Ich bin gut genug.“
  • „Meine Gefühle machen mich menschlich.“
  • „Ich wage es, mich zu zeigen, wie ich bin.“

Ich gebe nach.

  • „Ich kann anderen ihre Wahrheit lassen.“
  • „Ich kann zulassen, was ist.“
  • „Es finden sich Lösungen für all meine Probleme.“

Ich bin in meiner Kraft.

  • „Ich vertraue auf meine innere Stärke.“
  • „Ich gebe zu jedem Zeitpunkt mein Bestes.“
  • „Herausforderungen des Lebens nehme ich als neue Chancen.“

Die restlichen Kapitel gehen um die Themen: „Ich sehe die Welt.“ „Ich ziehe mich zurück.“ „Ich sehe die Welt neu.“ und „Die Reise fortsetzen.“

Besonders gelungen finde ich die Einbeziehung des Körpers in diese Art der Bewusstwerdung. In einem Extrabeitrag zeigt Martha M. Fritsch, wie man mit ausgesuchten Yoga-Positionen und Affirmationen die eigenen Ressourcen erweitern kann. So wird der bekannte Sonnengruß mit entsprechenden Affirmationen begleitet.


Aber helfen positives Denken und Affirmationen wirklich?

Eine breite Phalanx von Psychologen und Psychiater warnen davor, dass die Methoden labile und depressive Patienten sogar schädigen können. Besonders bei unkritischen Menschen können sie auch zu einem Realitätsverlust führen. Psychologieprofessor Neuberger sieht in der Methode des Positiven Denkens eine zirkuläre Falle: „Wenn du keinen Erfolg hast, dann bist du eben selber schuld, weil du es offensichtlich nicht richtig probiert hast.“ Vor allem werde das Problem des Versagens individualisiert, Misserfolge personalisiert, das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem aber von Schuld freigesprochen.

Colin Goldner diagnostiziert „Denk- und Wahrnehmungsdefizite“ zunehmend bei Leuten, die den „trivialisierten Hypnosuggestionen“ und „pseudodialektischen Heilsversprechen“ tingelnder „Drittklassgurus“ auf den Leim gingen, und kritisiert den „psycho- und sozialdarwinistischen Machbarkeitswahn“ der Motivationstrainer.

Ein Dr. Scheich versucht sogar auf seinem Blog nachzuweisen, dass positives Denken krank mache.

Das ist natürlich Unsinn. Genau genommen, beeinflussen wir uns ja alle täglich mit Affirmationen, nur eben unbewusst. Wem etwas mißlingt, quittiert das – je nach innerer Einstellung – mit Gedanken wie „Das schaffe ich nie“ oder „Das wird schon klappen.“ Depressive Menschen machen den ganzen Tag Selbstsuggestionen, nur eben der negativen Art: „Typisch, dass das mir wieder passiert.“ „Alles ist sinnlos.“ „Warum muss ich immer Pech haben?“ Nur „passieren“ diese Gedankenmuster unwillkürlich. Doch weil der Betreffende keinen inneren Abstand dazu hat, empfindet er solche negativen Grübeleien meist als die Wahrheit und die einzig logische Schlussfolgerung aus einer Situation.

In der Neurobiologie ist bekannt, dass gewohnheitsmäßige Denkmuster mittel- und langfristig Auswirkungen auf unsere Gehirnaktivität haben. Auch sind Suggestion und Autosuggestion zum Beispiel in der Schmerztherapie therapeutisch nutzbar. Jeder Hypnotherapeut arbeitet mit positiven Suggestionen.

Aber Affirmationen wirken nicht immer positiv.

Ein Experiment von Joanne Wood mit Kollegen von der University of Waterloo zeigte, dass Teilnehmer mit gering ausgeprägtem Selbstbewusstsein alleine durch das Aufsagen allgemein positiver Sätze ihre Stimmung, ihren Optimismus und ihre Bereitschaft, an Aktivitäten teilzunehmen, messbar verschlechterten. Leute mit gutem Selbstbewusstsein profitierten wenig von der Autosuggestion. Auf ihrem Blog erläutert die Buch-Autorin die Ergebnisse dieser Studie.

Jeder, der mit Affirmationen arbeitet, wird immer wieder einmal an einen Punkt kommen, an dem er inneren Widerstand gegen einen Satz spürt. Das Gefühl zu dem Satz stimmt einfach nicht. Die eigene Wunschvorstellung verursacht mehr inneren Stress, als dass die gewollte Entwicklung voraus genommen werden könnte. Das bedeutet für uns aber nicht, dass wir uns nicht selbst durch positive Sätze unterstützen könnten. Es heißt nichts anderes, als dass uns eine Grenze offenbar wird, über die wir nicht achtlos hinweg gehen sollten. Der Versuch beweist für mich vor allem eines, nämlich dass Affirmationen eine Wirkung haben, nur eben nicht immer direkt die erwünschte – und das ist für sich gesehen auch wieder positiv, eröffnet es doch eine Chance hinzuzulernen. (…)

Der Versuch zeigt meiner Meinung daher deutlich, dass Affirmationen nicht gegen die eigenen inneren Überzeugungen oder gegen unbewusste Glaubenssätze gewählt werden dürfen. Jeder muss auf sich selbst achten, damit er sich nicht schadet und muss auf seine inneren Widerspruch gegen eine Formulierung achten. Es ist danach eine Frage der Umformulierung, die richtige Affirmation zu finden, die tatsächlich unterstützend wirkt. Fühlt sie sich unstimmig an, sollte genau hier der innere Dialog fortgesetzt werden.

Hier unterscheiden sich Affirmationen von meiner Arbeit.

In meinen Persönlichkeitsseminaren, im Coaching wie auch in der Psychotherapie arbeite ich auch oft mit positiven Sätzen. Allerdings mit einer anderen Absicht. Der positive Satz soll nicht eine Wunschvorstellung verstärken, sondern den zugrunde liegenden inneren Konflikt erlebbar machen.

Ein Beispiel: Im Buch steht die Affirmation „Ich akzeptiere mich in meiner vollkommenen Unvollkommenheit.“

Dieser Satz passt für alle Perfektionisten. Konstanze Quirmbach schreibt richtig: „Diese Affirmation ist ein Wortspiel. Sie greift einen unlösbaren Konflikt auf: den Wunsch Idealen zu entsprechen — also ‚vollkommen‘ zu sein – und die Gewissheit, diesen Wunsch nicht verwirklichen zu können.“ (S. 72)

Aus einer tiefenpsychologischen Perspektive würde man jetzt annehmen, dass dahinter die Beziehungserfahrung in Kindheit und Jugend steht, oftmals nicht gut genug gewesen zu sein. Diesen Schritt geht das positive Denken nicht, was ich nicht als Kritik meine, sondern als Unterscheidung. Die Autorin schreibt: „Der Satz wirkt versöhnlich, annehmend, ermutigend.“

Dem stimme ich zu – wenn der Perfektionist diesen Satz für sich annehmen könnte. Die Autorin rät hier: „Es ist danach eine Frage der Umformulierung, die richtige Affirmation zu finden, die tatsächlich unterstützend wirkt.“ Sich hier dem inneren Konflikt zuzuwenden und ihn zu bearbeiten, wäre eher mein Ansatz.

Fazit: Das Buch ist wertvoll für alle, die dem positiven Denken nahe stehen oder sich dafür interessieren. Es bietet eine Fülle von menschlichen Themen, bei denen man beim Lesen oder Ausprobieren der Affirmation entdecken kann, welche Gefühle und Einstellungen man dazu hat. Es ist erfahrungsorientiert, das heißt, die Sätze und die begleitenden Fragen oder Meditationen können einen anregen, tiefer zu gehen. Es ist ganzheitlich, weil es Gedanken, Gefühle und den Körper gleichermaßen berücksichtigt und einbezieht. Es ist akzeptierend, das heißt, es vermittelt nicht den „einzig richtigen“ Weg, sondern lädt ein zu einer Reise in die eigene Innenwelt. Und es ist hilfreich, das heißt, wenn man mal in einem seelischen Tief steckt, kann allein das Lesen in diesem wunderschön gestalteten Buch einem gut tun und Hoffnung vermitteln.

Hier möchte ich die Affirmationen noch nennen, die mir persönlich am besten gefallen:

  • „Am Ende wird alles gut.“
  • „Ich habe alle Zeit, die ich brauche.“
  • „Mein Ziel findet mich.“
  • „Es ist in Ordnung nicht zu wissen, wie es weiter geht.“
  • „Ich vertraue mich dem Fluss des Lebens an.“

Wie meistens im Leben muss man es ausprobieren und schauen, ob es für einen selbst taugt.

Auf der Website der Autorin finden Sie neben dem Buch auch eine E-Book-Ausgabe sowie Affirmationskarten, Videos und vieles mehr, um Ihre eigenen Erfahrungen mit Affirmationen zu machen oder zu vertiefen.


Was halten Sie vom positiven Denken? Welche Affirmation wäre für Sie gut?

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Foto: © dioxin – photocase.com, istock.com

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach.
Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse.
Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

21 Kommentare

  1. Besten Dank für diesen hilfreichen Artikel, welcher noch einmal mehr die Wirkung vom positiven Denken untermauert. Ich persönlich trainiere bereits seit längerem meine persönliche Grundeinstellung und muss aus eigener Erfahrung sagen: Die Wirkung ist bedeutender als man glaubt.

  2. Nun, ich möchte Birgit Permantiers Ansicht bestätigen, dass ein genauerer Umgang mit den Geisteskräften genauere Ergebnisse zeitigt und dass dieser sorgfältige Umgang schon deshalb wichtig ist, weil wir von klein auf nicht auf die Kräfte IN uns sondern auf Äußerlichkeiten an der Oberfläche ausgerichtet sind. Wir sollten nicht nur „Affirmationen“ sondern unsere entscheidenden Lebenskräfte besser verstehen lernen; da gibt es für jeden Schätze zu heben. Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

  3. „Lat. „affirmare“ heißt ja „bestärken“. Da ist man sicher gut beraten, wenn man vor, während und nach dem Bestärken genau darauf achtet, WAS man da WIE verstärkt.
    Der Ton macht die Musik, nicht die Note.
    Leider werden wir alle von klein auf mit einer Papier-Vollzugs-Pädagogik malträtiert, durch die wir daran gewöhnt werden, dass immer die anderen schuld sind – weil sie nicht richtig mitgemacht haben. Wenn man „abgesicherte“ Pädagogik macht, so wird einem suggeriert, ist man jeder Verantwortung enthoben. Und so braucht man seine Verantwortungstalente gar nicht erst entwickeln und gebrauchen. Ein grässlicher Irrtum.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

  4. Hallo zusammen,

    zum Thema Affirmationen finden Sie auf meiner Website http://wassindaffirmationen.de viele hilfreiche Beispiel-Affirmationen zu allen Themen, eine Schrtitt-für-Schritt-Anleitung für das Erstellen von Affirmationen sowie verschiedenen und teilweise sehr wirksame Anwendungsmethoden!

    Liebe Grüße

    Micha

  5. Wenn ich in Autosuggestion nur eine etwas schrullige Mentaltechnik sehe, dann ist es doch wohl verständlich, dass Leute „mit starkem Selbstbewusstsein“ nicht besonders von Autosuggestion profitieren (wollen). Aber auch das wirkt infolge einer – unbewussten – Autosuggestion.

    Es geht also um viel mehr bei AUTOSUGGESTION als man uns üblicherweise weiszumachen sucht. ÉMILE COUÉ (1857-1926) wusste das nicht nur, er konnte auch! Durch seine enormen praktischen Erfolge wurde die AUTOSUGGESTION in wenigen Jahren eine weltberühmte Selbsthilfe-Methode. Wenn wir wissen wollen, was AUTOSUGGESTION ist und wie sie wirkt, müssen wir uns Beispiele von jemand ansehen, der es kann, und nicht von Leuten, die es nicht können und die AUTOSUGGESTION künstlich auf ihr Niveau herunterdefinieren.

    „Autosuggestion ist nämlich ein Werkzeug, das wir schon bei der Geburt besitzen, und diesem Werkzeug oder, besser gesagt dieser Kraft wohnt eine unerhörte und unberechenbare Macht inne, die – je nach ihrer Anwendung – sehr gute oder sehr schlechte Wirkungen hervorbringt.“ Das ist einer der ersten Sätze in Coués Buch; er zeigt uns, dass es gar nicht um die Frage geht, OB wir uns damit befassen sondern einzig um die Frage, WIE.
    Vorsicht, Denken wirkt immer!
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

  6. Auch ich gehöre zu den Skeptikern der positive Psychologie und arbeite trotzdem auch mit positiven Affirmationen. Sie entstehen im Dialog mit meinen Klienten, er muss spüren können, dass die Affirmation passt und dann ankere ich mit Körperreaktionen, Symbolen, Ritualen, Visualisierungen, die mein Klient jeden Tag spüren, fühlen, betrachten oder berühren kann. Das hilft ihm, das damit Verknüpfte immer wieder zu aktivieren.

  7. Hallo Frau Bergmann,
    das ist nicht die Buchübersetzung, das ist nur ein Ausschnitt, eine Mitarb.In hat das gemacht. Die Datei tausche ich gleich noch mal aus, wo das noch etwas besser ist.
    Gut kann ich mir vorstellen, dass St.John an dem Thema dranbleibt, wenn man einmal erfahren hat, dass das nun funktioniert wie eine Servolenkung. M.E. braucht man dadurch auch viel weniger EFT. Und die Aff o rmationen haben auch einen berechtigten Platz im großen Feld der Traumabehandlung… – funktionieren hervorragend bei tief sitzenden Selbstzweifeln…
    Schönes Wochenende. Karl Hinkel, Köln

  8. @Karl Hinkel:
    Hallo Herr Hinkel,
    vielen Dank für den Hinweis auf Noah St. John. Ich kenne ihn bereis duch sein Buch „Erfolg ist erlaubt“. Im August erscheint sein neues Buch Erfolg ist kein Zufall. Ist das die Übersetzung des von Ihnen erwähnten Buches zu den Afformationen?
    Herzliche Grüße
    Ulrike Bergmann

  9. „Wie schön ich doch meine Dateien wiederfinde…“

    Hier ist das Script vom Autor der Afformationen, St.John ist Mathematiker, sein Buch gibt es noch nicht übersetzt, – die meisten Leser allein schon dieses kurzen Artikels werden richtig bemerken: Das kenn ich doch alles irgendwie.
    Ja, irgendwie, richtig. Der Unterschied ist aber der gezielte Einsatz, die präzise und durchgängige Anwendung. Und dann die Ergebnisse zu spüren und zu genießen.
    Hier der Link: http://bit.ly/baCQc3
    K.H./13.07.2010

  10. Oh, ja das stimmt, die angegebene Seite ist nur verständlich, wenn man diese EFT-Kurse kennt. Aber es gibt ein 2-Seiten pdf, wo das besser erklärt ist. Sobald ich das wiederfinde – muss sowieso aufräumen – hänge ich das hier an. Für mich war das sofort plausibel, weil ich aufgrund meiner Biographie mit der ganzen Positiv-thinking-Bewegung gar nichts anfangen konnte – schon Og Mandinos „Greatest Salesmen“ habe ich wie ein Märchen gelesen.
    Aber das mit den Afformationen hat funktioniert. Afformationen stellen eher eine verwunderte Frage, so als stünde man plötzlich und unerwartet vor einer besonderen (natürlich positiven) Situation. Diese Verwunderung kennt das Gehirn, kennt das Unterbewusstsein gut, darum wird eine Afformation nicht im tiefen Inneren abgelehnt wie z.B. „Die welt ist heil und gut, alles ist in Ordnung.“
    Afformationen suggerieren nicht nur, sie bestätigen und generalisieren positive Ermunterung und helfen, Affinität zu erwünschten Strukturen zu entwickeln…
    Wenn ich also das erwähnte pdf-file jetzt finden würde, wäre eine passende Afformation: „Warum bin ich nur immer so gut organisiert“ oder „Wie gut vorbereitet ich doch bin.“ Dann trägt diese Afformation das Positive der aktuellen Situation darüber hinaus. Plötzlich finde ich mich dann wie von selbst dabei wieder, dass ich wöchentlich die Arbeitsumgebung aufräume und die Festplatte.
    Gute Lehrer tun dies für gewöhnlich auch, nur nicht so gezielt. (kannte ich wenige… aber Prof. Nicolai tat dies mit mir stets, – nonverbal – indem er im Vorbeigehen meine Zeichenwerkzeuge geraderückte – das war für mich immens motivierend – oder er zeigte auf meine sorgsamen Aufzeichnungen und verband dies mit einem Millimeternicken.
    Mütter können das oft intuitiv, indem sie wie beiläufig sagen „Wie gut du deine Hausaufgaben kannst…“
    Wenn man das selbst anwendet, ist m.E. die echte Verbindung zu seinem Selbst das Entscheidende. Selbstachtung, Selbstwert, Selbstbewusstsein… sind der Humus für alle Affirmationen, Afformationen, für alle Saat. mfG. Karl Hinkel

    Dann ist das aber auch eine ganz persönliche Angelegenheit. Man darf keinesfalls einem Partner auf die Nerven gehen, indem man seine Sprache korrigiert, wie „Benutze keinen Konjunktiv!“, „Sage nicht wird, werde, soll; denn alles ist bereits!“

  11. Hallo Herr Hinkel,
    eine interessante Ergänzung, die Sie da schreiben. Mit den Formulierungen auf dem Link kann ich wenig anfangen. Aber ich stimme Ihnen zu, dass es eine Präzisionstechnik braucht, um mit Affirmationen zu arbeiten. Ich nutze dabei immer meine Erfahrung bzw. Intuition, um einen entsprechenden Satz für einen Klienten zu finden.

    Und es stimmt, dass eine Wort oder eine Betonung oft einen großen Unterschied macht. Manchmal lasse ich auch den Klienten einen Satz finden, den er kaum glauben kann oder entsprechende Widerstände dazu hat. Entscheidend ist immer die Erfahrung des Klienten, achtsam beobachtet.

    Danke für Ihren Kommentar.

  12. Nachdem ich mich mit Fritz Hendrichs „Simplexity“ beschäftigt hatte – dort werden die Themen Motivieren, Delegieren, Synergie, Teamführung, Entlohnung, Coaching… in Formeln definiert (z.B. Motivation ist Fähigkeiten geteilt durch Herausforderung) usw.

    machte ich mir Gedanken darüber, warum Affirmationen bei mir nie so richtig funktioniert hatten. Da stieß ich im Zusammenhang mit EFT auf die folgenden Gedanken zu sog. A f f o r m a t i o n e n.

    Im Zusammenhang mit der o.g. Formel für Motivation wendete ich dann diese Afformationen eine Zeit lang konsequent an. Und das hat funktioniert. Zum Schluss noch der Link, wo das kurz beschrieben ist.

    In der Physik arbeite ich über Quantenmechanik. Ganz klar hat alles eine physikalische Repräsentanz. Und wenn man es schafft, Gedanken zu kontrollieren und die benutzte Sprache, schafft man Resonanzräume.

    Diese über Zeiträume erhalten, schaffen kohärente Felder. Sie wirken stark strukturierend. Sie resonieren mit übergeordneten Systemen und wirken wie Elektromagnete.

    In der Technik haben wir uns mit Präzision angefreundet, sie ist sebstverständlich. Affirmation und Afformation ist aber auch eine echte Präzisionstechnologie. Es kommt auf ein Wort, eine Silbe, jeden Buchstaben an.

    Dieser kleine Schritt von Affirmation zu Afformation (ist ja auch nur ein Buchstabe) hat mir persönlich viel gebracht. Wenn man das dann ausprobiert, stellt man fest, dass es auch viel leichter ist, mit den Afformationen.

    Hier noch der Link: http://bit.ly/cwVZaF

    mfG. Karl Hinkel/12.07.2010

  13. Gundula Bäter sagt

    Hallo Herr Wichmann,

    ich erhalte Ihren Newsletter regelmäßig und finde die Beiträge immer anregend.
    Zum Thema „positives Denken und Affirmationen“ haben Sie als Beispiel die Affirmation „Am Ende wird alles gut“ genannt.

    Mein Lieblingsspruch geht noch ein wenig weiter:

    „Am Ende wird alles gut. Und wenn nicht, dann war es nicht das Ende. “

    Ach es gibt so viele hilfreiche positive Affirmationen….

    lieben Gruß
    Gundula Bäter

  14. Ich finde es immer wichtig, auch die Hirnforschung zu solchen Themen zu befragen, und die Hirnforschung sagt eindeutig: Ja, das hilft.

  15. Hallo Birgit,
    sehr schöne Beispiele aus Ihrer Arbeit, die zeigt, wie man „Affirmationen“ nutzen kann, die zugrunde liegenden Konflikte herauszuarbeiten und dann zu verankern.

    Das Motivations-Guru-Beispiel zeigt, warum positives Denken bei vielen Menschen in Verruf geraten ist.

    Danke für Ihren Kommentar.

  16. Ich arbeite in Coachings auch manchmal mit Affirmationen. Allerdings nur im Zusammenhang mit der Veränderung von Glaubenssätzen. Diese Glaubenssätze werden dann meistens in hypnotherapeutischen Sitzungen identifiziert und dann individuell verändert.

    Ein Beispiel dafür: Eine Klientin hatte den Glaubenssatz: „Das Leben ist eine Prüfung“, was dazu führte, dass sie immer das Gefühl hatte etwas falsch machen zu können und entsprechend mit – wenn auch subtilen – Ängsten durchs Leben ging. In einer Sitzung veränderte sie selbst den Satz in: „Das Leben ist Liebe, die mir beständig entgegenströmt und die ich auch selbst verströme.“
    Ein anderer Klient hatte den alten Satz: „Egal, was du machst, es reicht nie“, den er in „Was auch immer ich tue, ich tue mein Bestes und liebe mich dabei“ veränderte.

    Diese neuen Sätze wurden dann in der Sitzung kinesiologisch getestet und weiter aufgeladen. Vor allem dadurch, dass wir geschaut haben, wie sich einzelne Lebenssituationen in der Vergangenheit durch diesen neuen Satz veränderten. Man konnte sehen, wie sich die Gesichtszüge und der ganze Körper durch die Veränderung des Glaubenssatzes entspannten.
    Gefestigt wurden die neuen Affirmationen dadurch, dass sie den Satz in einer vorgestellten Zukunftssituation einübten.

    Wenn Affirmationen also individuell erarbeitet werden und damit eine gründliche Veränderung ungesunder „Glaubenssätze“ darstellen, sind sie aus meiner Sicht sinnvoll.

    Pauschale Affirmationen wie: „Ich bin jeden Tag erfolgreicher“ oder auch versöhnlichere wie „Ich bin gut genug“ halte für nicht so sinnvoll, wenn sie völlig isoliert von der individuellen Geschichte verwendet und einfach nur „heruntergenudelt“ werden.

    Ein weiterer Aspekt kommt noch hinzu. Die von einigen Motivationstrainern propagierten Tschakka-Power-Beglückungs-Sätze blasen das Ego unnötig auf. Natürlich sorgt das Leben dann für die entsprechenden Stecknadeln, die dann in diese Ballons hineinstechen. Das Erwachen kann dann allerdings mitunter von einem großen Knall begleitet sein oder auf andere Weise recht ernüchternd.

    Ich weiß von einem bekannten Motivationstrainer, der wegen Veruntreuung im Knast gelandet ist. Richtig dramatisch ist der Fall der Selbstüberschätzung bei James Arthur Ray, einem Motivationstrainer, der sehr prominent in dem Buch und Film „The Secret“ platziert ist. Gegen eine Seminargebühr von 9000 Euro konnte man im letzten Sommer an einem mehrtägigen Seminar mit anschließender Schwitzhütte teilnehmen. Die Teilnehmer bekamen die Instruktion: Über die Grenzen ihres Körpers zu gehen. Offenkundig war der Seminarleiter in der alten, indianischen Schwitzhüttentradition nicht ausgebildet und die Hütte unprofessionell begleitet. In der Summe eine tödliche Selbstüberschätzung: Drei Menschen starben!

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