Mit über 1.000 Artikeln und 400 Podcasts aus 18 Jahren. — — Von Roland Kopp-Wichmann. Aber Vorsicht: Lesen kann Ihr Herz berühren, Ihre Augen öffnen und Ihr Leben beeinflussen.
Wie lange braucht es, um sein Verhalten dauerhaft zu ändern?
In diesem Blog geht es ja immer wieder um das Thema „Veränderung“. Und ich vertrete dabei den Standpunkt, dass im Unterschied zu vielen Ratgeberbüchern Veränderung eben nicht so leicht ist.
Unter anderem deswegen, weil sogenannte „schlechte“ Gewohnheiten meist einen „guten“ Nutzen für uns haben. Das schädliche Rauchen beispielsweise hilft vielen Menschen, ihre Gefühle zu regulieren. Und denselben Zweck erfüllt Schokolade oder fettes Essen, wo man doch mit Magerquark oder Steak und Salat auch satt werden würde. Aber emotional satt eben kaum.
Aber wie lange dauert es denn nun wirklich, bis man statt einer schlechten Angewohnheit sich ein neues Verhalten angeeignet hat?
Mal angenommen, Sie wollen sich neues Verhalten erwerben. Zum Beispiel
Jeden Tag einen Apfel essen.
Jede Stunde ein Glas Wasser trinken.
Oder zweimal die Woche joggen.
Ihr Eßverhalten dauerhaft ändern.
Statt des Aufzugs konsequent die Treppe benutzen.
Zweimal die Woche schon um 19 Uhr zu Hause sein.
Mindestens zweimal eine Stunde mit Ihren Kindern spielen.
Unter der Woche auf Alkohol verzichten.
Zu jedem Termin pünktlich erscheinen.
Oder was würden Sie gerne verändern?
Wenn man den Alleswisser Google danach fragt, taucht meist eine Zeitspanne von 21 bis 28 Tagen auf. Doch gibt es keine ernstzunehmende Basis für diese Zahl. Doch mittlerweile gibt es psychologische Studien, die dieser Frage nachgegangen sind.
Phillippa Lally und sein Team vom University College London untersuchten 96 Menschen, die ein neues Verhalten erwerben wollten. Sie wurden täglich gefragt, wie automatisch sich das neue Verhalten anfühlte, also ob das Verhalten „schwer war, nicht zu tun“ oder getan werden konnte „ohne darüber nachzudenken“.
Es zeigte sich, dass bei allen Teilnehmern eine kurvenartige Beziehung zwischen dem Üben und dem automatischen Verhalten. Im Durchschnitt wurde ein stabiles Plateau nach 66 Tagen erreicht.
Doch 66 Tage ist der Durchschnitt, die Zahlen der Teilnehmer variierten zwischen 18 und 254 Tagen. Natürlich kommt es auf die Art des neuen Verhalten an. Wie die obige Grafik zeigt, ist die Gewohnheit, öfter ein Glas Wasser zu trinken leichter zu erreichen als täglich fünfzig Sit-ups zu absolvieren.
Die Psychologen fanden zudem heraus, dass es nichts macht, wenn man das neue Verhalten mal einen Tag nicht ausübt und dass manche Menschen besonders lange brauchen für die gewünschte Verhaltensänderung.
Also, die schlechte Nachricht ist, dass es offenbar keinen schnellen, leichten Weg gibt, sich an ein neues Verhalten anzugewöhnen.
Die gute Nachricht: mit genügend Ausdauer ist es zu schaffen. Sie müssen nur dranbleiben – und vor allem: anfangen.