Was es bedeutet, wenn aus Männern aktive Väter werden.

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Partnerschaft / Persönlichkeit

junger vater mit babyAm Ende ihres fast hundertjährigen Lebens wurde Astrid Lindgren gefragt, welche gesellschaftliche Veränderung in diesem Zeitraum wie wichtigste gewesen sei. Ohne Zögern nannte sie die Tatsache, dass die Männer Väter geworden sind.

Und wer mit offenen Augen durch deutsche Städte streift, sieht tatsächlich Erstaunliches. Auf Straßen, Spielplätzen, in Parks – überall kann man sie sehen, die aktiven Väter. Männer tragen ihre Babys auf dem Rücken, vor dem Bauch, auf der Hüfte, Väter schieben ihre Kinder im Kinderwagen oder im Buggy.

Mittlerweile ist ein solcher Anblick für uns gewohnt. Doch wer wie ich in den 50er Jahren aufgewachsen ist oder in alten Fotoalben blättert, dem fällt diese Entwicklung deutlich auf.  Zwar haben auch früher Männer Kinder gezeugt und waren Väter, doch waren es eher passive Väter. Väter deren Rolle überwiegend im Geldverdienen bestand und die man vor allem selten auf der Straße mit ihrem Nachwuchs sah.

In Fernsehberichten aus arabischen Ländern, sei es Iran, Afghanistan oder Irak – also in Ländern mit noch stark patriarchalischen Familienstrukturen – kann man die Unterschiede deutlich sehen. In ihrem FAS-Artikel erinnert sich die Autorin Sibylle Tönnies: „Als meine Mutter Kind war, wurde ein preußischer Offizier noch degradiert, wenn er dabei erwischt wurde, dass er einen Kinderwagen schob.“

Natürlich ist diese „Gleichberechtigung“ eine alte Forderung des Feminismus. Und vielen Frauen geht ja auch das männliche Engagement längst nicht weit genug. Das zeigen nicht nur die Meldungen der Demographen:  Jeder vierte Mann in Deutschland will kinderlos bleiben; fast jeder dritte der unter 39-Jährigen ist kein Vater.

Auf der anderen Seite:

Männer zwischen 25 und 45 Jahren verbringen im Durchschnitt täglich zweieinhalb Stunden mit Haus- und Familienarbeit und verwenden etwa die Hälfte dieser Zeit für die Betreuung von Kindern. Damit engagieren sie sich zwar sehr viel weniger Zeit als ihre Frauen, aber immerhin tun Väter damit mehr als noch zehn Jahre zuvor. Wie diese manchem hoch erscheinenden Zahlen zustandekommen, erklärt der Männerforscher Peter Döge in einem Interview.vater 20er Jahre xs kinderwagen Foto time photocasea xqshrmx1

In einer Allensbach-Umfrage von 2005  erklärten 69 Prozent der Männer mit Kindern unter 14 Jahren, dass Vater und Mutter einem Kind ganz unterschiedliche Dinge vermittelten, dass es also wichtig sei, »dass man sich auch als Vater viel um sein Kind kümmert«. Für 58 Prozent ist es »heutzutage einfach selbstverständlich, dass man sich als Vater genauso um die Kindererziehung kümmert wie die Mutter«. Die klassische Rollenverteilung erscheint dagegen als Auslaufmodell; nur noch 31 Prozent der Befragten beharren darauf, dass ein Vater sich vor allem ums Geldverdienen kümmern muss. (Quelle: ZEIT)

Dieser Paradigmenwechsel ist wohl noch nicht am Ende. Gerade  die noch steigerungsfähigen Zahlen bei Männern, die das Elterngeld in Anspruch nehmen, um mit ihrem Nachwuchs längere Zeit zu Hause zu bleiben, zeigen, dass hier noch viel Informations- und Überzeugungsarbeit zu leisten ist, damit Männer sich nicht als „Weicheier“ oder „Frauenversteher“ rechtfertigen müssen.

Welche Bedrohung der männlichen Identität das neue Väterbild für viele Männer darstellt, zeigte ja die Stellungnahme der CSU zur Einführung des Elterngelds unter dem Stichwort „Wir brauchen kein Wickelvolontariat“.

Warum ist es für viele Männer schwer, diese neue Rolle anzunehmen?

Ich sehe vor allem drei Ursachen bzw. Wege:

  1. Der Mann muss dazu seine aggressive Seite zähmen.
    Ein nostalgisch verklärtes Rollenvorbild des Mannes ist ja der „freie Mann“, wie er idealtypisch in Tausenden von Cowboyfilmen gezeigt wurde. Der Mann als ungebundener freier Mann, der töten darf, wenn er es für richtig findet und in dessen Leben Frauen eine Randrolle spielen – und Kinder fast überhaupt nicht vorkommen.



    www.focus-schule.de/abo

    Wie stark dieses Männerbild in der männlichen Psyche verankert ist, ahnt man, wenn man die Meldungen von den schrecklichen Amokläufen männlicher Jugendlicher in Schulen oder U-Bahnen liest. Einzelfälle sicherlich, aber das Verhalten, eigene Gefühle über Aggressionen zu regulieren, ist noch immer tief in der männlichen Psyche verankert.
    Dazu muss einige Stunden auf deutschen Autobahnen unterwegs sein.

  2. Der Mann darf seine weibliche Seite annehmen.
    Wie Norbert Elias in seinem Buch „Über den Prozess der Zivilisation“ darlegte, hat sich durch die Herausbildung von Staaten die Aufgabenteilung der Männer grundlegend geändert. Der freie Mann kann und muss nicht mehr sich selbst und seine Familie schützen, sondern der Staat „entwaffnet“ ihn praktisch und sorgt durch die staatlichen Organe von Justiz und Polizei für seinen Schutz.

    Das forderte jedoch vom Mann den Tribut, das Töten – auch für die gerechte Sache der Verteidigung – aufzugeben. Wie schwer das für manche Männer ist, kann man an der Waffengesetzgebung in den USA beobachten, wo es als allgemein verbrieftes Recht des Menschen (dito: Mannes) gilt, eine Waffe im Hause zu haben.Um das Töten aufzugeben und demzufolge in Frieden miteinander zu leben, muss der Mann lernen, seine Konflikte mit anderen auf friedlichem Weg zu lösen – mit anderen Worten: mit den „Waffen“ der Frauen – dem Wort, also durch Kommunikation. Doch dazu ist es notwendig, sich als Mann seiner weiblichen Seite – C. G. Jung nannte sie die „Anima“ – zuzuwenden. Und das eben ohne sich dabei entmännlicht vorzukommen.

    Für die Frauen gibt es ja den umgekehrten Prozess. Sie haben sich im Rahmen der Emanzipation den Männern angepasst. Sie arbeiten zunehmend außerhalb des Heims, erzielen ganz langsam vergleichbare Einkommen, kontrollieren ihre Fruchtbarkeit oder können sich scheiden lassen. Und all diese Veränderungen haben die Frauen geschafft, ohne allzu sehr an ihrer weiblichen Identität zu zweifeln.

  3. Die Rolle des Mannes ist im Übergang.
    http://www.redbox.de/news/_data/Hornbach_39L_Helden_Tisch_430x289.jpg„Bis heute sind Mütter vor allem eine biologische Größe, Väter waren dagegen stets ein gesellschaftliches Konstrukt. Nicht die Geburt eines Kindes machte den Mann zum Vater, sondern die Abenteuer, die er außerhalb von Familie und Kreißsaal erlebte…“ (Matthias Krupka)
    Doch der Mann oder Vater von heute bringt eben abends keinen erlegten Bären nach Hause, sondern eine Aktentasche mit einem Laptop darin. Seine Aufgaben und Taten sind – wenn es nicht gerade ein Handwerker oder ein Freiberufler ist – in vielen Fällen abstrakt und schwer vermittelbar. Nicht nur zuweilen der eigenen Partnerin, sondern auch gegenüber den Kindern.Diesen von vielen Männern erlebten Identitätsverlust macht sich das obenstehende Anzeigenmotiv des Heimwerkermarktes Hornbach sehr schön zunutze. Dabei soll klar werden, dass etwa der „Kauf von Kinderspielzeug“ wenig bis keine Anerkennung verdiene, sondern man sich Bewunderung und Stolz des eigenen Kindes durch ein Projekt erarbeiten müsse.

    Wie sich männliche Kraft, die sich eben im alten Männerbild überwiegend durch gewaltsame Aggression zeigte, heute konstruktiv gelebt werden kann, vermittelt genial dieser niederländische Werbe-Spot für dieselbe Baumarktkette: youtube]

kommentar Doch wie sonst noch zeigt sich Mannsein heute?
Was ist für Sie als Mann „männlich“?
Und was ist für Sie als Frau „männlich“?

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Fotos: © time photocase.com
redbox, Hannes Eichinger- Fotolia.com
Zu diesem Beitrag wurde ich angeregt durch den
Artikel „Männer zu Vätern“ in der FAS vom30.9.09

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

6 Kommentare

  1. Alexander Mantchev sagt

    das ist ein sehr sehr schwaches und eines Mannes unwürdiges Pseudo-Argument.

    Die Frage lautet NICHT: wie modern und opportunistisch-verbogen oder altertümlich ggf archaisch Definitionen sind, sondern

    WIE WAHR und aktuell sind Aussagen und obige sind wahr und ewig-aktuell. Gegenbehauptungen argumentativ untermauern bitte. Das risikoscheue Frauen- und Weibchenverhalten (was übrigens biologisch sinnvol und angeboren und daher geboten ist!) kann jeder beobachten, wenn am Berliner Hbf. eine Klasse in eine S-Bahn einsteigt (100-e Mal tgl beobachtet) – Mädchen versuchen sich alle durch eine Tür zu quetschen um zusammenzubleiben, einige Jungs springen zu den anderen Türen …

  2. Alexander Mantchev sagt

    MÄNNlich bedeutet:

    1 – Ent-Scheidungs-fähig (kommt von Etwas aus der Scheide ziehen, Schwert!)
    2 – durchsetzungs- & konkurrenzfähig;
    3 – grenzüberschreitend
    4 – erobernd
    5 – risikofreudig
    6 – Loyal

    WEIBlich bedeutet:

    1 – gebärfreudig;
    2 – entscheidungsschwach
    3 – egozentriert, egomoan (nebenprodukt der gebärfreudigkeit
    4 – sicherheitsorientiert, risikoscheu
    5 – anpassungsfähig
    6 – schutzbedürftig

  3. Julia sagt

    wirklich ein sehr guter artikel.
    muss gerade eine seminararbeit über das thema „männer im wandel der zeit“ schreiben und benötige noch informationen wie sich die männer bis heute geändert haben, sei es ihn ihrem verhalten oder in ihrem aussehen.
    vielen dank

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