Über NLP, Konstruktivismus und die Frage: Welches Modell der Welt haben Sie?

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Coaching

wuerfel_small.jpgVorsicht: dieser Artikel ist

  1. erstens nicht ganz leicht zu verstehen und könnte
  2. Ihre gewohnte Weltsicht etwas erschüttern.

Ab hier lesen Sie also auf eigene Gefahr weiter.
Ein grundlegendes menschliches Dilemma (es gibt mehrere davon) besteht darin, dass wir die Wirklichkeit nicht direkt erfassen können. Schon Platon’s Höhlengleichnis beschreibt dies eindrücklich. Deshalb haben sich die Menschen schon immer Modelle der Welt geschaffen, um das, was in der Wirklichkeit geschieht, zu erklären.

Nun gibt es gibt viele Modelle der Welt: naturwissenschaftliche, biologische, geschichtliche, theologische, künstlerische usw. Keines davon kann uns sagen, wie die Wirklichkeit wirklich beschaffen ist, denn es ist ja nur ein Modell. Trotzdem ist zu einer bestimmten Zeit in einer Gesellschaft meist ein bestimmtes Weltmodell vorherrschend. In seinem Buch „Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“ hat Thomas Kuhn dies anschaulich beschrieben. Denn bei einem Paradigmenwechsel, das ist der Übergang von einem Weltbild zum nächsten ist die betreffende Gruppe (also zum Beispiel eine Partei, eine Gesellschaft) zutiefst verunsichert und wehrt sich gegen die neuen Erkenntnisse.

Hierzu drei Beispiele:

  • Jahrhundertelang war man überzeugt, dass die Erde im Mittelpunkt des Universums stehe (geozentrisches Weltbild). Durch Forscher wie Kopernikus und Kepler kam man dann dazu, die Sonne als Mittelpunkt des Universums anzunehmen. Heute, nach Einsteins Relativitätstheorie gibt es gar keinen wirklichen Mittelpunkt des Universums. Wie es jetzt aber ‚wirklich‘ ist, kann uns niemand sagen. Bis dahin ‚gilt‘ Einsteins Modell.
  • Jahrhundertelang war man überzeugt, dass der Mensch die Erde und ihre Schätze ausbeuten könne ohne dass dies gravierende Folgen hätte. So wie im Mittelalter die Messergebnisse von Johannes Kepler anfangs verlacht und bekämpft wurden (v. a. von der katholischen Kirche) wurden, fand zu unserer Zeit der Bericht des „Club of Rome“ mit dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ 1972 (!) zwar etwas Aufmerksamkeit, zeitigte aber wenig Konsequenzen. Heute im Jahr 2007, fünfunddreißig Jahre danach, glaubt eine kritische Masse von Bürgern und Politikern, dass das ursprüngliche Weltbild doch so langsam einem anderen Modell der Welt (mit mehr Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung etc.) weichen müsse.
  • Dass Rauchen für Lungenkrebs mitverantwortlich ist, war seit dem Terry-Report 1964 gut dokumentiert. Doch erst in diesem Sommer gab es einen Sinneswandel in der Politik, der zu einem weitgehenden Rauchverbot in der Gastronomie führte.

Diese Beispiele sollen zeigen, wie eng Veränderungen mit dem jeweiligen „Weltbild“ über ein bestimmtes Thema (Erde, Ökologie, Rauchen) zusammenhängen. Nun geht es in diesem Blog vor allem um persönliche Veränderung. Aber auch hier spielt das jeweilige Modell von der „Wirklichkeit“, das wir mit einem Thema verknüpfen, eine ebenso große Rolle.

Noch mal das Beispiel Rauchen (ich habe wirklich nichts gegen Raucher).
Aber es macht einen Unterschied, wenn ich überlege, mit dem Rauchen aufzuhören, wie ich mein „Rauchverhalten“ definiere. Ist es für mich:

  • Ausdruck eines Genussverhaltens („Ich rauche gern.“)
  • Anzeichen einer Sucht („Ich würde ja gern aufhören, aber die Sucht ist stärker.“)
  • Folge einer frühen Konditionierung („In meiner Familie und meinem Freundeskreis rauchen alle.“)
  • Symbol meiner Willensschwäche („Ein Laster hat jeder.“)
  • Zeichen meiner guten Gesundheit („Meine Laborwerte sind jedes Jahr in Ordnung.“)
  • Konsequenz einer frühen oralen Frustration („Ich wurde nicht gestillt, deshalb brauche ich das jetzt.“)

Was Rauchen „wirklich“ ist, weiß niemand. Doch natürlich braucht jeder eine Begründung – also ein Modell – für sein Verhalten.

Im Rahmen meiner Ausbildung in Hypnotherapie nach Milton Erickson in den siebziger Jahren hörte ich erstmals von einem „Modell der Welt“, das mich damals total faszinierte. Jahre später formten Richard Bandler und John Grinder daraus die Methode des NLP.

Auch heute noch nach etlichen anderen Ausbildungen und über fünfundzwanzig Jahren in der Arbeit mit Menschen zählt dieses Modell zu meinen Grundannahmen, wenn es um das Verstehen menschlichen Verhaltens und die jeweiligen Veränderungsmöglichkeiten geht. Hier die wichtigsten Elemente dieses Modells.

  • Die Landkarte ist nicht die Landschaft.
    Da wir nicht wissen, wie die Welt ist, jedoch ein funktionierendes Modell brauchen, das uns Ursachen von Geschehnissen erklärt und Handlungsanweisungen gibt, hat jeder Mensch sein eigenes Modell der Welt und lebt nach diesem.
    Dieses Modell wird in einem langen Prozess der Erziehung vermittelt und hängt natürlich von dem Land und Kulturkreis ab, in dem man als Kind aufwächst. In ‚zivilisierten‘ Ländern spielen zum Beispiel der Begriff der ‚Zeit‘, das Messen der Zeit, das Kennen der Uhr, die Begriffe ‚Pünktlichkeit‘ und ‚Zu-Spät-Kommen‘ von klein auf eine große Rolle. In anderen Ländern der Erde ist das nicht so. Dort leben die Menschen auch. Aber aus unserer Warte sind diese Länder ja auch ‚unzivilisiert‘.

    Daraus folgt natürlich auch:
    Es gibt keine objektive Wahrheit. Sondern eben nur viele verschiedene Interpretation von Ereignissen. Und diese Interpretationen folgen dem jeweiligen ‚Weltbild‘, das wir aber nicht als unser ‚Modell der Welt‘ empfinden, sondern als Realität. Dennoch reagieren wir alle nicht auf die Realität (da wir ja nicht erfassen können, wie diese beschaffen ist) sondern auf unser Abbild der Realität!Ob also zum Beispiel jetzt der Streik und die Forderungen der Lokführergewerkschaft gerecht, übertrieben, unverschämt, angemessen etc. ist, weiß niemand. Aber so können wir eben nicht leben. So ziehen wir unser Modell der Welt zu Hilfe, das aber stark davon abhängt, ob wir im Bahnvorstand arbeiten oder eben als Lokführer, ob wir Bahn- oder Autofahrer sind. Doch unsere Interpretation eines Geschehnisses ist immer (immer!) rein subjektiv. Diese Erkenntnis, so man sie an sich heranläßt, ist natürlich erst mal zutiefst verstörend. („Denn woran kann man sich dann noch halten?“) Aber sie bietet auch Hoffnung. Wenn meine Interpretation von der Realität rein subjektiv ist, also nur von mir gemacht ist, dann kann ich sie ja auch verändern.
    Wow!
  • Hinter jedem Verhalten liegt eine positive Absicht.
    Noch so ein Satz, wo sich erst mal alles in einem sträubt. Der Satz setzt  dem sehr verbreiteten Weltmodell von „Gut und Böse“ ein anderes Modell gegenüber. Nicht ein besseres oder schlechteres – aber ein anderes. Und postuliert: Jedes Verhalten ist nützlich. Es gibt jeweils zumindest einen Kontext, in dem dieses Verhalten nützlich ist. Dieser Kontext ist oft nicht auf die gegenwärtige Situation bezogen, sondern auf eine vergangene. Und auch vielleicht nicht auf die konkrete äußere Situation bezogen, sondern auf eine innere Situation. 

    Wer Zeitung liest, kennt die Strategie von Regierenden einen „Krieg“ außenpolitisch zu beginnen, um von einem Konflikt innenpolitisch abzulenken. Wer eine Partnerin hat, die vor einem vollen Kleiderschrank beklagt, dass sie nichts anzuziehen hat, erkennt, was ich meine. Wer Kollegen hat, die im Meeting nicht den Mund aufkriegen, aber in der anschließenden Kaffeepause lauthals ihre Meinung sagen, auch.

    Daraus folgt: Verhalten ist weder gut noch schlecht. „Gut“ oder „schlecht“ sind moralische Kategorien und Sache der Gerichte oder der Kirche. Für diesen Menschen liegt hinter seinem Verhalten eine positive Absicht. Die kennt er zuweilen bewusst nicht, unbewusst schon. Das merkt man spätestens dann, wenn man ihn auffordert, sich doch anders zu verhalten.

  • Es gibt kein Versagen, es gibt nur Feedback.
    Zur Abwechslung ein Satz, der eher tröstlich klingt.
    Im „Modell des Versagens“gibt es ja nur zwei Alternativen. Gewinnen oder Versagen. Doch natürlich ist das Leben vielfältiger. Zwischen diesen beiden Polen gibt es jede Menge Abstufungen. Wenn etwas nicht klappt, was ich mir vorgenommen habe, ‚muss‘ ich dieses Ergebnis interpretieren. Doch mit dem Modell „Es gibt nur Feedback“ bewerte ich möglicherweise mein suboptimales Verhalten nicht als Urteil über meinen Charakter („Looser!“), sondern weniger streng als eine sachliche Information, dass ich es anders probieren sollte.  

    Nach dem Feedback-Modell arbeitet übrigens auch die Natur seit Jahrmillionen erfolgreich. Die Natur versagt nie, obwohl nicht alles klappt. Aber sie passt sich ständig an.

    Den Satz oben können Sie auch noch etwas abwandeln:
    Es gibt keine Probleme, sondern nur Entwicklungsmöglichkeiten.
    Das ist – Sie erkennen es schon – einfach eine andere Landkarte, ein anderes Modell der Realität. Aber eines, das Ihr Denken und Handeln in eine andere Richtung weist. Denn Probleme sind manchmal unlösbar. Entwicklungsmöglichkeiten (was immer das dann konkret heißt) sind jedoch per Definition unbegrenzt.

  • Mit seinem Verhalten trifft ein Mensch immer die beste ihm mögliche Wahl.
    Es mag bessere Verhaltensmöglichkeiten geben. Jedoch nicht für diesen Menschen zu diesem Zeitpunkt. Denn natürlich hängt die Auswahl an Verhaltensalternativen vom jeweiligen Modell der Welt ab.  

    Wer als Mann beispielsweise das Modell „Männer sind immer stark“ verinnerlicht hat, darf natürlich nicht weinen, wenn er traurig ist oder geht nicht zur Vorsorge, weil er ja keine Angst hat.

    Je mehr Wahlmöglichkeiten ein Modell bietet, umso besser. Das bedeutet, dass von zwei Menschen derjenige „gewinnt“, der eine Wahlmöglichkeit mehr hat. Konkret heißt das: Wenn Sie etwas tun, das nicht funktioniert, machen Sie etwas anderes!
    Handeln Sie immer so, dass mehr Möglichkeiten (nicht weniger) entstehen.
    Und es gibt in jeder Situation immer mehrere Möglichkeiten. Genaugenommen sind es mindestens drei.
    Love it, Change it, or Leave it!
    Oder wie es in dem
    alten Hit von Crosby Stills, Nash & Young heißt: „If you can’t be with the one you love, love the one you’re with!“

Fazit: „Welches Modell der Welt haben Sie?“ Das war meine Eingangsfrage. Wenn Sie also heute durch den Tag gehen, dann fragen Sie sich doch mal:

  • Welche Landkarte der „Welt“ benutze ich gerade?
  • Welche positive Absicht liegt meinem Verhalten gerade zugrunde?
  • Welche anderen Wahlmöglichkeiten habe ich heute ausgelassen?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

10 Kommentare

  1. Soviel ich weiß, sagen die Konstruktivisten, dass man dobjektive Welt nicht wahrnehmen kann und deswegen auch nichts darüber aussagen kann. Aber die meisten glauben wohl dran.
    Es ist wie beim Träumen. Erst nach dem Erwachen stellt man fest, dass man geträumt hat. So wie ja auch die Buddhisten die sichtbare Welt für „Maya“ halten, also einen Traum. Doch das kann man erst wahrnehmen, wenn man erleuchtet ist.

  2. Eine für mich gerade interessante Frage ist, ob Konstruktivismus die Existenz einer objektiven Realität in Abrede stellt oder nur sagt, dass wir die eh nicht wahrnehmen können und sie daher irrelevant ist.

  3. Den Artikel mit „Vorsicht“ zu beginnen, entspricht auch meiner Sicht. Ja, hat man es verstanden, dann verändert es sehr viel. Eine innere Gelassenheit ist nur ein Vorteil davon, aber auch eine Relativierung des eigenen Daseins. Gerade für Menschen, die glauben predigen zu müssen, was Wahrheit ist, ist es besonders schwer, diese Sicht anzunehmen (das gilt für viele Wissenschaftler, die sich ja mit der Suche nach Objektivität beschäftigen). Ich gehe soweit, dass sie sich davor schützen werden, um Ihr Dasein, ihr Handeln und Ihre Weltsicht nicht relativieren zu müssen. Immer wieder hat gezeigt, dass Schmalspurdenken vorherrscht, das eigentliche Problem, dass zu Kriegen und Streit führt. Denn begreift man den Konstruktivismus und akzeptiert man diesen, dann wird man automatisch tolerant. Ich denke da vor allem an die Problematik der verschiedenen Religionen, die nebeneinander existieren und die sich selbst als DIE jeweils wahre betrachten. Sicher gibt es neben dem persönlichen Interesse ein allgemeines. Das greift dann, wenn es um verschiendene Verbrechen geht. Einigt sich die Masse dann auf „Gut“ und „Böse“, dann wird aus Sicht mancher Konstruktivisten eine (Pseudo-)Objektivität erzeugt. Aber, ich überspitze jetzt bewusst: Wenn alle sich darauf einigen würden, dass es ok ist, Menschen zu essen, wäre das dann eben die Meinung der Masse, diese muss aber eben auch nie mit der des Einzelnen deckungsgleich sein. Für Tiere sind dagegen bestimmte, für uns nicht nachvollziehbare Verhaltensmuster ok. Sie leben also auch in ihrer Wahrheit. Vielleicht ist es in ein paar Jahrzehnten ethisch nicht mehr vertretbar, Kinder zu zeugen. Wer weiß.
    Es bleibt: Wir selbst schaffen uns unsere Wahrheiten und leben sie.

  4. rkwichmann sagt

    Hallo liebe Frau Winterscheidt,
    die positive Absicht ist natürlich nur streng auf das Individuum bezogen. Für seine Ziele, die ja im Wesentlichen immer darin bestehen, sich besser zu fühlen, sieht dieser Mensch im Moment nur dieses eine Verhalten. Theoretisch sind natürlich – auch für diesen Menschen – andere Optionen denkbar. Doch praktisch kann dieser Mensch sie in diesem Moment nicht sehen bzw. erscheinen sie ihm deutlich weniger attraktiv.
    Natürlich ist diese Sichtweise streng amoralisch, nicht unmoralisch, sie lässt einfach die Moral erst mal außer acht, um zu verstehen, warum ein Mensch etwas tut.

  5. Marianne Winterscheidt sagt

    Hinter jedem Verhalten liegt eine positive Absicht.
    Hmm – ich stutze + dann: klar stimmt. Es darf aber ergänzt werden: „… positive Absicht zumindest für einen selber “ ! Wenn der Pädophile…, wenn der Massenmörder…. Der Begriff “ positiv “ wird grundsätzlich nur auf das jeweilige Individuum selbst bezogen sein, nicht generell, oder?

    Also wird “ positiv “ alles auf der Skala umfassen „von selbstlos, gutgemeint, altruistisch bis egoistisch/ichbezogen/eigennützig „. Der Satz passt tatsächlich, aber eine präzisere Formulieren kann diesem Spruch Neutralität geben.

    Oder habe ich mir den positiven Grundton nur eingebildet (auf Grund meiner Landkarte 😉 ) ?

    Viele Grüße

  6. Thomas Klemenz sagt

    Ich habe den Kommentar gelesen.

    Seit Jahren schon interessiere ich mich für Philosphie. Als bekennender christlicher Esoteriker bin ich Anhänger der okkulten Naturphilosophie und kann mit der Methode und Theorie des Konstruktivismus nicht allzu viel anfangen – mir sind da andere Verfahren vertrauter.

    Nichtsdestotrotz ist der Artikel wirklich gut und vor allem plausibel und nachvollziehbar abgefaßt. Dass jeder seine Realität irgendwie schafft, weiß man ja schon seit Plato. Aber dennoch: Wenn mehrere Menschen sich in Platos Höhle befunden hätten, so hätte sicherlich nicht einer von ihnen den Schatten eines Baumes beispielsweise für den eines Pferdes gehalten oder so.
    Die Aussage, es gebe keine objektive Wahrheit, scheint mir etwas zu nihilistisch. Ich möchte das Wort „objektiv“ vielleicht in etwas abgeschwächter Form durch „intersubjektiv“ ersetzen: Es gibt immerhin allgemeine Anschauungen über Größen, Formen, Farben und viele andere Aspekte der Phänomene, die uns tagtäglich umgeben. Wenn ich jemandem ein Bild von einem Haus zeige, wird er kaum sagen, es sei ein Fahrrad. Die Welt ist – da stimme ich zu – „Maya“ (Täuschung, wie die Inder sagen), aber es gibt vorgängige Bewußtseinsstrukturen, die uns allen eigen sind. Die Tatsache, dass wir alle in gleicher Weise getäuscht werden, schafft alleine schon eine gewisse Objektivität (oder Intersubjektivität), von der höchsten, verborgensten Wahrheit (Gott) ganz zu schweigen! Die Ansicht, ausschließlich nur in seiner eigenen subjektiven Welt zu leben, führt zu Polemisierungen und Bagatellisierungen, über denen bisweilen der Dämon des Solipsismus thront. Und das kann und darf nicht sein, unsere Welt ist ohnehin schon genug individualisiert – mehr als sie eigentlich verträgt!

    Daher wäre eine umfassende Ethik wirklich dringend vonnöten – und, davon bin ich überzeugt, allen Unkenrufen zum Trotze auch möglich. Denn eine Täuschung, die man als solche erkennt, ist keine mehr. Und Verhaltensweisen, die nicht auch auf Rücksicht und Mitleid (nicht nur Menschen, sondern allen Lebewesen gegenüber) abstellen, sind nur Perversionen der Intelligenz (wie in Politik und Wirtschaft leider nur allzu häufig) und haben mit Intellekt oder gar echter Weisheit nicht das geringste zu tun.

    Jedoch: „Die Letzten werden die Ersten sein ….“

  7. rkwichmann sagt

    Hallo liebe Frau Bauer,
    danke für Ihren Kommentar.
    Ich bin überzeugt, dass für den betreffenden Menschen immer eine positive Absicht steckt. Denn wenn man mal die moralische Betrachtung beiseite lässt, so ist auch ein Selbstmordattentäter zutiefst überzeugt, mit seinem Verhalten etwas Gutes zu bewirken. So wie natürlich auch George Bush.

  8. Gute Darstellung, die leider viel zu wenig bekannt ist.

    Ob allerdings die Absicht immer eine positive ist, die hinter einem Verhalten liegt, bezweifle ich. Das ist wertend, deshalb sehe ich nur eine dahinterliegende Absicht. Hier sind auch die Gedanken des Konstruktivismus wichtig.

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