Was ist Ihr schwierigstes Problem im Beruf?

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Karriere / Methoden

Nachdenklich

Der Chef? Die Kollegen? Ihre Karriere?

Mein erstes Buch „Frauen wollen erwachsene Männer“ verkauft sich für das Erstlingswerk eines unbekannten Autors sehr gut. Da ich neben meiner Tätigkeit als Trainer, Coach und Therapeut immer mehr Lust am Schreiben gewinne, bin ich seit drei Wochen mit meiner Lektorin am Überlegen, was ein neues spannendes  Thema für ein Buch sein könnte.

Und dabei hätte ich gern Ihre Mithilfe.

Fest steht, dass es diesmal nicht um Partnerschaft gehen soll, sondern um berufliche Probleme.

Natürlich gibt es dazu schon jede Menge Bücher. Angefangen von den „Neurosen der Chefs“ zu Ratgebern, wie man mit den Macken der Kollegen besser zurechtkommt. Solche Bücher haben ihre Berechtigung und können entlastend wirken, wenn man dazu neigt, Schwierigkeiten bei der Arbeit immer persönlich zu  nehmen.

Doch in meinem neuen Buch soll es ein anderer Ansatz sein. Wie Sie als gelegentlicher oder regelmäßiger Leser dieses Blogs wissen, favorisiere ich sehr das Modell des Konstruktivismus. Danach nehmen wir die Welt nicht passiv wahr, sondern aktiv. Die meisten Menschen glauben ja, dass es eine objektive Welt gibt, die wir auch so wahrnehmen können und dementsprechend reagieren und handeln.

Doch schon einige einfache Überlegungen zeigen, dass wir eben nicht die Welt passiv wahrnehmen – wie eine Fotokamera eben das abbildet, was vor der Linse ist, sondern dass wir die Welt höchst subjektiv wahrnehmen und gestalten:

  • Ob wir eine Gehaltserhöhung von dreihundert Euro als wunderbare Nachricht, als gerechte Anerkennung unserer Leistungen oder als billigen Versuch, uns abzuspeisen, wahrnehmen, hängt von mehren Faktoren ab.
    Von der Höhe unseres bisherigen Gehalts, von unserer Erwartung (und der unseres Partners) – und vor allem, ob wir als einziger mehr Geld bekommen oder ob unser Kollege, der die gleiche Arbeit macht, das Doppelte bekommt.
    Das Spannende an der Sache ist, dass der Betrag der Gehaltserhöhung immer derselbe ist. Dreihundert Euro. Das ist die objektive Veränderung. Doch wir können dies nicht objektiv wahrnehmen. Wir können es nur subjektiv interpretieren, mit anderen Worten, was die Gehaltserhöhung jetzt „wirklich“ ist, das entscheiden wir selbst.
  • Angenommen, Ihr Chef verkündet Ihnen,  dass Sie ab morgen a) in einem Großraumbüro mit vierundzwanzig anderen Mitarbeitern sitzen werden oder b) dass Sie ein Einzelbüro am Ende eines langen Flurs bekommen werden. Wie ist Ihre Reaktion?
    Auch Ihre jetzt einsetzenden Gedanken und Gefühle zu der neuen Situation werden durch die Nachricht nur ausgelöst – nicht verursacht.
    Denn wenn Sie ein geselliger Mensch sind, der gern Kontakt sucht, dann sind Sie vielleicht froh, aus Ihrem Zwei-Mann-Büro herauszukommen. Wenn Sie andererseits beim Arbeiten ungern gestört werden und auch in der Kantine am liebsten an einem Einzeltisch sitzen, dann löst vermutlich die Aussicht, in ein Großraumbüro versetzt zu werden, in Ihnen blanke Panik aus. Aber Ihr Kollege wäre unter Umständen heilfroh.

Also, es sind nicht die objektiven Dinge und Gegebenheiten, die uns froh machen oder bestürzen, es ist immer unsere Interpretation dessen, was unsere Gedanken und Gefühle beeinflusst. Konstruktivistisch gesagt: es gibt wahrscheinlich eine objektive Welt, aber wir können sie nicht wahrnehmen. Wir schaffen uns stattdessen unsere eigene Welt. Genau genommen, lebt jeder in seiner selbst geschaffenen Welt.

Zurück zum geplanten Buch. Ich möchte darin die häufigsten Probleme, die Menschen im Beruf erleben beschreiben und zeigen, was an möglichen Ursachen dahintersteckt.

Und dazu brauche ich Ihre Hilfe.

Schreiben Sie mir Ihr größtes berufliches Problem.

Natürlich kann ich Ihnen im Rahmen keine Tipps und Lösungen anbieten. Wenn es so einfach wäre, dann hätten Sie auch schon eine Lösung gefunden. Aber vielleicht gibt es aus dem Kreis der Leser dieses Blogs ähnliche Erfahrungen und Empfehlungen. Und ich werde Ihnen auch antworten.

kommentar Also, schreiben Sie hier Ihr größtes berufliches Problem.

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Foto: fotolia.com


Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach.
Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse.
Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

8 Kommentare

  1. Hallo Anette,
    viel verlieren können Sie ja nicht. Deswegen würde ich eine Vorwärtsstrategie erwägen. Meine Vermutung ist, dass man in Ihrer Firma nicht gerne Frauen befördert. Dahinter steckt die Angst bzw. Schwierigkeit vieler Männer zu gleichberechtigen Beziehungen.

    Im Gespräch können Sie ausprobieren, das zu thematisieren. Wichtig: in der Sache glasklar aber im Ton ganz freundlich und unschuldig. Also in etwa: Sie hätten nachgedacht, wie das mit Ihrer Beförderung die letzten Jahre gelaufen sei. An der Qualifikation liege es nicht, wie man Ihnen zusichere. Bei der letzten Stellenbesetzung wäre aber doch lieber ein Externer eingekauft worden. Sie hätten darüber nachgedacht, was die Gründe dafür sein könnten und wären zu dem Schluß gekommen, dass man in dieser Firma Angst vor Frauen in Führungspositionen hätte.

    Nach diesem Satz müssen Sie Ihr Gegenüber ganz genau beobachten und auf seine Mimik, Gestik und vor allem die Stimme achten. Wenn die These nicht stimmt, wird der andere zumindest die Gelassenheit haben, einen Moment nachzudenken ob da was dran sein könnte. Wenn die These nicht stimmt, wird er sofort wortreich erklären, dass das völliger Blödsinn ist und ganz andere Gründe …

    An Ihrem Gefühl können Sie erkennen, was stimmt. Sie werden durch dieses Gesprächsmanöver vermutlich keine Beförderung bekommen, aber Sie verschaffen sich Respekt. Kann sein, dass Ihr Gesprächspartner gekränkt reagiert und Sie das in Zukunft spüren lassen wird. Also wägen Sie Chancen und Risiken ab.

  2. Anette sagt

    Hallo Hr. Kopp-Wichmann,

    gerne möchte ich nochmal auf ihre Fragen zurückkommen:
    Werden denn andere, mit Ihnen vergleichbare; Mitarbeiter befördert? Haben Sie die Gespräche nur eingefordert oder auch bekommen? Mit welchen Zusagen? Und was hindert Sie, Plan B zu ergreifen?

    Ja, – es werden vergleichbare Mitarbeiter befördert, – vorwiegend jedoch in einer anderen Gesellschaft in unserer Holding. Meine Gesellschaft hat nur 1 Frau als Führungkraft bei etwa gleichzeitig 15 Männern in Abteilungsleiterpositionen. Einige davon wurde bereits intern befördert, viele andere wurden von ‚außen‘ eingekauft.
    Gespräche hat es selbstverständlich schon gegeben, – mit immer dem selben Resultat der Vertröstung: Ich halte sie zwar für qualifiziert und kann mir das auch gut vorstellen, – zur Zeit gibts aber keine Möglichkeit……….was nicht zwangläufig stimmt. Statt dessen wurde auf einen Posten, der wirklich zu 100% auf mein Profil gepasst hatte und auf den ich mich auch beworben hatte, lieber ein Externer eingekauft.
    Definitive Zusagen hat es also noch nicht gegeben – die sind schlau! Plan B werde jetzt auch mal in Angriff nehmen und wenn es nur dazu dient den Marktwert mal abzuschätzen.
    Im April habe ich nochmal ein Gespräch mit meinem BL und einem Vertreter aus der GF, – mal sehen, – ob da mal eine definitive Aussage kommt oder auch nur weiter die Vertröstungstaktik gefahren wird. Haben Sie einen Tipp für dieses Treffen?

    Grüsse aus Mannheim
    Anette

  3. Hallo Ralf,
    Ihre Geschichte ist ein schönes Beispiel für häufige Missverständnisse zwischen Männern und Frauen. Nach dem 4-Ohren-Modell von Schultz von Thun kann man das so verstehen:
    Frau teilt ein Gefühl mit (Selbstoffenbarungsebene)
    Mann hört Problem auf dem Appell-Ohr und bietet Hilfe an.
    Frau fühlt sich unverstanden und haut zurück.

    Merke: Hilfe ohne Auftrag geht meistens in die Hose.
    Den Link habe ich mir angesehen. Erinnert mich an den Nike-Slogan: „Just do it!“

    Danke für Ihren Kommentar.

  4. Im Gespräch mit meiner Freundin beklagte Sie Ihren Arbeitsalltag derart das weniger Personal schlicht immer mehr leisten müsse und konkret Sie parallel in einer Reihe von Projekten eingebunden sei die Sie annähernd gleichzeitig „am laufen hält“ und bearbeitet.

    Ich dachte in diesem Zusammenhang an den Sensibilitätskreis der im Ron Kurtz Buch der Hakomi Methode beschrieben ist. Entsprechend entgegnete ich das Sie wohl insgesamt mehr schaffen könnte wenn Sie die Möglichkeit hätte sich auf ein einzelnes Projekt zu konzentrieren, klar und effektiv zu handeln um dann eine gewisse, dienliche Befriedigung aus der erledigten Arbeit zu ziehen mit der Sie das nächste (einzelne) Projekt angeht.

    Sie ist ob meines freundlichen Einwands geplatz wie ne Brötchentüte was wohl deutlichster Ausweis der tatsächlichen Arbeitsbelastungen ist.. “ du hast ja keine Ahnung was abgeht.. so kann man schon längst nicht mehr arbeiten..“

    Ok. Ich kann schon der Ansicht folgen das grundsätzlich weniger Personal mehr Arbeit zu erledigen hat. Auch das die vorliegenden Arbeisstrukturen bedingen parallel mehrere Süppchen zu kochen..

    Gerade in Anerkenntnis der vorbenannten Umstände „reibe“ ich mich gerade etwas an der paradox anmutenden Vorstellung das sich nun „Systembedingt“ schlicht eine ineffizientere Arbeitsweise etabliert hat als möglich und nötig wäre und :

    Prompt bin ich auf eine website mit ner kleinen Software gestossen deren link ich hier mal weiter gebe. Wenngleich die Seite optisch nicht gerade das www Aushängeschild ist lohnt sich der Besuch und das lesen ab „Here’s the System“ Danach evtl. das YouTube Video auf der Seite ansehen.
    Also ich find’s eine so knuffige wie auch durchaus dienliche Idee und weil das schwierigste an persönlicher Veränderung ja der Schritt ist mal was anders zu machen als üblich werd‘ ich die Software für meine Freundin aus sicherer Entfernung evtl. neben das bald anstehende Ostergeschenk stellen (;-))

    http://www.theactionmachine.com/

    Gruss, Ralf.

  5. Hallo Anja,
    auf der sachlichen Ebene scheint es keine gute Lösung zu geben. Zu kompliziertes Gebiet, niemand an den Sie delegieren können etc.
    Bleibt also nur die Persönlichkeitsebene. Und da vermute ich, dass Sie ein Thema mit „Grenzen“ haben. Also „innere Antreiber“ wie „Sei stark!“ und „Streng dich an!“. Diese Antreiber entwickeln sich in Kindheit und Jugend als Reaktionen auf schwierige Situationen.
    Diese Antreiber sind einerseits Stärken, die Ihnen ja auch schon lange ermöglichen, solche Projektphasen erfolgreich durchzustehen. Sie sind andererseits Schwächen, weil sie einem den Blick auf andere Lösungen verstellen.
    Diese Lösungen gibt es fast immer aber sie haben natürlich einen Preis. Im Moment sind ja alle zufrieden. Sie, Ihr Chef, die Mitarbeiter. Den Preis zahlen Sie in Form von körperlicher und psychischer Erschöpfung.
    Wenn man so ein Thema auflösen will, ist es meist nötig zu sehen, wo es ursprünglich herkommt. Menschen neigen dazu, ihre unbewussten Konflikte (bei Ihnen „Ich muss alles alleine machen!“) im Beruf zu reinszenieren. Mit dem Blick auf die gegenwärtige Situation scheinen keine anderen Optionen möglich.
    Es kommt darauf an, ob Sie daran etwas ändern wollen, denn es gilt der Satz: „Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe.“
    Danke für Ihren guten Beitrag.

  6. Anja sagt

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    ich arbeite in einer Firma mit netten Kollegen und habe einen Chef, der mich wertschätzt, mir vertraut und vieles für mich möglich macht. Die Bezahlung ist einwandfrei. Ich könnte rundum zufrieden sein.

    Probleme bereiten mir jedoch Projektphasen. Hier müssen in kürzester Zeit sehr komplexe Aufgaben erledigt werden. Da ich meist einen Abgabetermin habe, von denen dann weitere Abteilungen abhängig sind, ist es nur zu schaffen, wenn ich über meine persönliche Leistungsgrenze gehe, was mich dann sehr erschöpft und mich psychisch und gesundheitlich angreift.

    Viele Aufgaben lassen sich nicht in Teilaufgaben unterteilen, denn ich würde gerne anderen Mitarbeitern Teile abgeben und sie miteinbeziehen. Aber das ist entweder von der Aufgabe her nicht machbar oder aber es gibt –tatsächlich!- keine Mitarbeiter, die schon in der Lage wären, mich so zu unterstützen, so dass es eine wirkliche Hilfe ist und nicht nur noch Mehrbelastung. Vieles wurde bei uns umstrukturiert und einige Mitarbeiter haben gekündigt oder sind im Mutterschutz. Wenn ich aufgrund von Urlaub oder Krankheit nicht im Büro bin, kann ich meist das, was die anderen in der Zeit gemacht haben, wegwerfen und neu machen oder eine Menge Kleinkram korrigieren. In der Hoffnung, dass sie nicht gröberen Unfug angestellt und Projekte kaputt gemacht haben. Viele umfangreiche Aufgaben bleiben direkt liegen, weil ihnen das Wissen fehlt. Ich gehe dann mit ihnen durch die Arbeiten durch, zeige, wie es (besser) gemacht wird, schreibe Dokumentationen fürs nächste Mal. Aber der Stoff ist sehr umfangreich. Das weiß ich selbst.

    Ich bin seit 10 Jahren in der Firma und habe selbst ca. 3 Jahre benötigt, um zielsicher zu arbeiten, den Überblick zu erhalten und Großprojekte aufzubauen.

    So weit mein Bericht. Ich bin gespannt, was Ihnen dazu einfällt.

    Danke und viele Grüße
    Anja

  7. Hallo Anette,
    hört sich tatsächlich an nach der Devise „Weiterqualifizierung statt Aufstieg“. Werden denn andere, mit Ihnen vergleichbare; Mitarbeiter befördert? Haben Sie die Gespräche nur eingefordert oder auch bekommen? Mit welchen Zusagen? Und was hindert Sie, Plan B zu ergreifen?

    Danke für Ihren Kommentar.

  8. Claudia Schnell sagt

    Gut, – ich weiß nicht, ob es wirklich ein Problem ist, – für mich aber schon: Tätig in einer Männerwelt, in der es fast ausschl. männliche Chefs gibt und die Weiterentwicklung in eine Führungspostion stockt, – frage ich mich schon, – liegt es an mir oder was kann ich dazu noch beitragen?
    Vor ca. 2 Jahren habe ich schon ein sog. Assesmentcenter bestanden (Angebot des Arbeitgebers zur Nachwuchsförderung) und wurde dann von meinem Arbeitgeber von Seminar auf Seminar geschickt. Grund dieser Teilnahme von mir war natürlich, mich als Führungsperson zu qualifizieren – auch wenn dies schon zu Beginn dieser ‚Ausbildung‘ so nicht versprochen war.
    Jetzt weiß ich einiges mehr zu BWL, Change-Management und vielen anderen Dingen; leider hat mich dies aber bei meinem Bestreben zu einer echten Führungskraft nicht weiter gebracht. Mein Bereichsleiter bescheinigt mir zwar auch seit Jahren, – dass ich das ‚Zeug‘ dazu habe, – es tut sich aber nichts, trotz vieler Gesprächen, die ich eingefordert habe.
    Jetzt bin ich tatsächlich ratlos, – was noch hilft, – tatsächlich nur Plan B, die Firma zu wechseln?
    Gruß
    Anette

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