Egoismus – Wieviel davon steckt in Ihnen? Ein Test verrät es.

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Bild: Dmitriy Fotolia.com

Im öffentlichen Raum lernt man die egoistische Seite von Menschen schnell kennen:

  • Autofahrer, die auf der Autobahn mit der Lichthupe drängeln.
  • Radfahrer, die sich an keine Verkehrsregeln halten.
  • Bahnreisende, die das ganze Zugabteil an ihrer Handykommunikation teilhaben lassen.
  • Helikoptereltern, die schwungvoll fast über Ihren Fuß ihr Kind bis vor den Schuleingang fahren.
  • Gaffer, die Rettungsarbeiten bei Unfällen behindern und alles filmen wollen.
  • Männer, die im Bus breitbeinig sitzen und andere mit ihrer Lieblingsmusik beschallen.
  • Urlaubsgäste, die um 7 Uhr morgens sich die besten Liegen reservieren.

Gibt es einen gemeinsamen Faktor, der solche antisozialen, rücksichtslosen Verhaltensweisen erklären könnte?

Die dunkle Seite des Menschen hat viele Facetten. Psychologen aus Ulm, Landau und Kopenhagen haben nun gezeigt, dass Egoisten, Machiavellisten, Narzissten, Psychopathen und Sadisten mehr gemeinsam haben, als sie trennt.

Den Forschern gelang es in einer Studie, viele dieser problematischen Persönlichkeitseigenschaften auf wenige grundlegende Prinzipien zurückzuführen: den „dark factor“ (D-Faktor) der Persönlichkeit.

In ihrer Studie mussten 2.500 Teilnehmer einen Fragebogen beantworten und an Verhaltensexperimenten teilnehmen. Dabei waren Fragen wie: „Es ist schwer, ohne Skrupel hier und da voranzukommen“, „Es ist ein gutes Gefühl, wenn ich sehe, dass andere die Strafe erhalten, die sie verdienen“ und „Ich weiß, dass ich etwas Besonderes bin, weil alle es mir ständig sagen“.

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  • Egoismus: Beschäftigung mit der eigenen Leistung auf Kosten anderer.
  • Machiavellismus: „eine manipulative, herzlose Haltung und der Glaube, dass der Zweck die Mittel rechtfertigt“.
    Der Aktienschwindler Bernard Madoff, der sich bis zur Führung der New Yorker Börse hochgearbeitet hat, nur um seine Position zu nutzen, um seine Investoren aus Hunderten von Millionen Dollar zu entlohnen, ist ein bekanntes Beispiel.
  • Moralische Enthemmung: die Fähigkeit, sich unmoralisch zu verhalten, ohne sich schlecht zu fühlen.
  • Narzissmus: übermäßige Überheblichkeit, der Drang, immer und überall im Mittelpunkt zu stehen.
    Während alle Menschen Selbstwertgefühl haben, haben Narzissten ein total übertriebenes. Sie halten sich für unfehlbar, fast gottähnlich.
  • Anspruchsdenken: der Glaube, dass man anderen weit überlegen ist.
  • Psychopathie: Mangel an Empathie und Selbstbeherrschung, Neigung zu unkontrollierter Impulsivität.
    Psychopathen verhalten sich negativ, weil sie fast immer ein Trauma durchlebt haben. Ihr schädliches Verhalten dient als Bewältigungsmechanismus, so dass sie in gewalttätigen oder sexuellen Situationen auffällig reagieren.
  • Sadismus: Wunsch, anderen zu ihrem eigenen Vergnügen oder Nutzen geistigen oder körperlichen Schaden zuzufügen.
    Sadisten fühlen sich manchmal zu Berufen wie Polizei oder Militär hingezogen, wo sie anderen unter einem legitimen Vorwand Gewalt zufügen können.
  • Selbstbezogenheit: Wunsch, den eigenen sozialen oder finanziellen Status ständig zu verbessern und hervorzuheben.
  • Boshaftigkeit: Bereitschaft und Lust, anderen Schaden zuzufügen.

Diese neun „dunklen Merkmale“ treten aber nicht isoliert auf, sondern sind miteinander verwoben. Wenn also jemand  einer der Eigenschaften besonders zeigt, ist es wahrscheinlich, dass er/sie auch bei den anderen Merkmalen hoch punktet. Moshagen: „Wenn der Chef genüsslich seiner Mitarbeiter herunterputzt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er auch seine Geschäftspartner ausnützt, Steuern hinterzieht oder seine Frau betrügt.“

 


Übersteigerter Egoismus ist die Wurzel des „Bösen“.

Das Gemeinsame aller Merkmale ist das, was die Autoren den D-Faktor nennen, den sie allgemein definieren als die „Tendenz, den eigenen Nutzen auf Kosten anderer zu maximieren, begleitet von Überzeugungen, die als Rechtfertigung dienen“.

Mit anderen Worten, die Grundmotivation hinter praktisch allen negativen Persönlichkeitsmerkmalen ist es, sich vor andere zu stellen und das begleitende Verhalten durch eine Vielzahl von Argumenten zu rechtfertigen.

Wer regelmäßig Nachrichten verfolgt, wird jetzt mit dem Kopf nicken. Denn er kennt genug Beispiele von Fällen extremer Gewalt oder von Regelverstößen, Lügen und Täuschung. Und das im politischen, beruflichen oder öffentlichen Leben.  Die Autoren postulieren: „Hier kann das Wissen über den D-Faktor einer Person ein nützliches Werkzeug sein, um beispielsweise die Wahrscheinlichkeit abzuschätzen, dass die Person wieder straffällig wird oder sich schädlicher verhält.“

Die neue Studie erweitert auch die bisherigen Forschungsergebnisse und zeigt, dass die „dunkle Triade“ – Machiavellismus, Narzissmus und Psychopathie – oft Hand in Hand gehen. Dieser Begriff stammt von einem Team um David Marcus von der Washington State University. Sie hatten 2800 Studenten sowie 850 weitere Probanden, untersucht, inwieweit sie zu kriminellen und aggressiven Verhaltensweisen neigten, also zum Beispiel schon einmal Geld von ihren Eltern gestohlen hatten. Zudem schätzten sie sich selbst in Hinblick auf unsoziale Einstellungen und Eigenschaften ein.

Bisher erklärte man solche Verhaltensweisen damit, dass sie unmittelbare Belohnungen und Befriedigungen nach sich ziehen, die evolutionär mit Fortpflanzungs- und Überlebensvorteilen für den Einzelnen erklärbar sind. Mit dem D-Faktor wird die Sache aber komplizierter, umfassender und hat vielleicht andere Erklärungen.

Einen guten Einblick in die Welt eines Menschen mit hohem D-Faktor gibt die Lebensgeschichte des Börsenmaklers Jordan Belfort, die mit Leonardo DiCaprio verfilmt wurde:

Per Netzwerkanalyse setzten die Psychologen nun die Merkmale in all ihren Facetten zueinander in Beziehung. Um herauszufinden, welche von ihnen die zentralen Knotenpunkte im „Netzwerk des Bösen“ bildeten, zogen sie verschiedene Kennwerte heran. Wie stark hängt ein Merkmal im Schnitt mit den übrigen zusammen? Wie viele andere sind über dieses Merkmal miteinander verbunden? Auf diese Weise entpuppten sich zwei von ihnen als besonders wichtig: die Gefühlskälte oder Gleichgültigkeit gegenüber Mitmenschen und die Bereitschaft, andere zum eigenen Vorteil zu manipulieren.

Fast man diese beiden Faktoren zusammen, ergibt sich laut Moshagen der mit Abstand wichtigste Bestandteil des „Bösen“: der Egoismus.

War der D-Faktor besonders hoch, zeigt sich immer eine ausgeprägte Selbstsucht, begleitet von der Überzeugung, anderen überlegen zu sein und deshalb das Recht zu haben, sich selbst an erste Stelle zu setzen. Begleitet oft von wenig überzeugenden Rechtfertigungen.

Besonders beunruhigend an den Erkenntnissen zum D-Faktor ist, dass solche Menschen oft sozial versiert sind und einen sehr guten ersten Eindruck hinterlassen können. In Bewerbungsgesprächen kommen sie oft besser rüber als „normale“ Menschen. Denn sie haben weniger Angst vor derMeinung anderer und eine größere Bereitschaft, Fremden ihre Stärken zu zeigen und gleichzeitig sympathisch und charismatisch zu wirken.

Es ist hilfreich, die verschiedenen Arten von dunklen Persönlichkeiten zu unterscheiden, denn es gibt praktische Konsequenzen . Ein Mitarbeiter, der machiavellistisch ist, wird einen anderen Schaden anrichten als beispielsweise ein Narzisst oder Psychopath. Weil diese Menschen eine Tendenz teilen, im ersten Kontakt freundlich und zugewandt aufzutreten, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Vor allem auch bei der Partnerwahl.

Übrigens: Es gibt eine einzige Frage, mit der Personaler im Bewerbungsgespräch Egoisten enttarnen. Klick um zu Tweeten

Hier ist sie …

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Warum sind Menschen mit einem hohen D-Faktor überhaupt attraktiv?

Man könnte meinen, dass Menschen, die so viele negative antisoziale Eigenschaften und Einstellungen haben, von fast allen Menschen gemieden werden.

Über diese naive Schlussfolgerung kann jeder Heiratsschwindler nur herzhaft lachen.

Ganz im Gegenteil haben solche „dunklen“ eine hohe Anziehungskraft, sowohl im öffentlichen wie im privaten Leben. Solche Menschen sind deshalb so attraktiv, weil sie unkonventionell sind und sich nicht an Regeln und Konventionen halten. Ein rebellischer Mann zum Beispiel kann auf viele Frauen sexuell anziehend wirken erscheinen. Seine reduzierte Impulsivität verspricht Aufregung und Abenteuer.

Doch mit der Zeit kommen immer auch die unangenehmen Seiten zum Vorschein. Zum Beispiel der Mangel an Moral. Egoistische Menschen zeigen keine Reue, nachdem sie jemanden verletzt haben, machen stattdessen noch gedankenlose, herzlose Bemerkungen.

Ein Egoist ist eine Person mit schlechtem Geschmack, mehr an sich selber interessiert ist als an mir. (Ambrose Bierce) Klick um zu Tweeten

 


Wie geht man mit sehr egoistischen Menschen um?

Am besten, gar nicht.

Doch nicht immer kann man diesen Menschen ausweichen. Dann ist es zunächst wichtig, sich bewusst zu machen, wie man sich im oder nach dem Zusammensein fühlt. Typischerweise fühlt man sich nach einem lockeren Mittagessen mit einem Narzissten irgendwie schlechter. Weil man anfängt, die eigene Lebensleistung, den eigenen Körper oder die Partnerschaft zu vergleichen und kritisch zu beleuchten.

Der nächste Punkt, der beim Umgang mit dunklen Charakteren zu beachten ist, ist, dass man sie nicht ändern kann. Sie freuen sich über Ihr Versagen, also werden sie alles tun, um Ihre Versuche, ihr Verhalten zu steuern, sabotieren.

Sie sollten unter diesen Umständen genau prüfen, ob Sie eine Beziehung zu einem solchen Menschen fortsetzen wollen. Wägen Sie das Für und Wider genau ab, wenn Sie mit einem Menschen zu tun haben, der Sie schlecht behandelt. Ziehen Sie nicht zu spät Ihre Grenzen.

Hier ein Artikel von mir über emotionalen Missbrauch in einer Beziehung …

 

Und wie egoistisch sind jetzt Sie?

 

kommentar Wo erleben Sie Egoismus in Ihrem Alltag
Und wie reagieren Sie darauf?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

2 Kommentare

  1. Unsere Gesellschaft zwingt uns ja fast zum Egoismus. Zumindest halte ich es für junge Menschen sehr schwer, sich diesem zu entziehen. Nicht, dass ich das gut finde würde, ganz im Gegenteil, aber zuviel ist in der heutigen Zeit auf Selbstvermarktung ausgerichtet und ein junger Mensch muss das erst einmal verstehen und dann auch noch die Courage aufbringen, etwas nicht zu tun, was eigentlich alle machen.

    Was ich im Artikel nicht verstehe: „Männer, die im Bus breitbeinig sitzen..“ – ist breitbeinig Sitzen jetzt auch schon Egoismus? Also man muss natürlich niemanden damit extra provozieren oder irritieren, aber ich möchte meinen, dass meine natürliche Beinhaltung jetzt auch nicht unbedingt Überkreuz ist?

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