Finanzkrise, Umweltgifte, Lebensmittelskandal: Lassen Sie sich nicht verrückt machen.

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Psychologie

TitelMomentan überschlagen sich ja die Untergangspropheten und Panikmacher aus der Wirtschaftsforscherecke. Auf die zweite Kommastelle genau wollen sie wissen, wie das Wirtschaftswachstum nächstes Jahr sich entwickeln wird.

Eine andere Zukunftsseherbranche, die Astrologie, muss jedes Jahr einräumen, dass ihre Voraussagen, die sie treffen, nichts taugen, wie dieser Bericht der FAZ zeigt. Das ernüchternde Fazit: „Je exakter eine Prognose, desto unwahrscheinlicher ist ihr Eintreffen.“

Dass das nicht nur für die Sterngucker gilt, sondern genauso für die als seröser geltende Zunft der Wirtschaftsforscher, enthüllt jetzt ein Bericht der dpa. Prognosen für das jeweils nächste Jahr haben sich in der Vergangenheit fast immer als ziemlich abwegig erwiesen. Meist stimmte nicht einmal der Trend, ob es im nächsten Jahr besser oder schlechter wird!

Dies zeigt ein Vergleich zwischen  den Voraussagen und der tatsächlichen Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2001 bis 2007.

  • Für 2001 sagten die fünf Wirtschaftsweisen im November 2000 für das Jahr 2001 ein Wachstum von 2,8 Prozent voraus. Am Ende waren es dann 0,2 Prozent.
  • Für 2002 lag die Vorhersage bei 1,3 Prozent, tatsächlich waren es 0,2 Prozent.
  • Für 2003 sagte kein einziges Institut das Schrumpfen der Wirtschaft voraus. Prognosen 0,7 – 1,4 % Plus.
  • Für 2004 lagen sie ausnahmsweise mit einer 1,5 Prozent Plus-Prognose richtig.
  • Der 2005 erfolgte Absturz auf nur 0,9 Prozent wurde wieder nicht vorausgesagt, stattdessen ein Wachstum von 1,4 bis 2 Prozent.
  • Für 2006 wurden nur Wachstumsraten zwischen 1 und 1,6 % gesehen. Tatsächlich wuchs das BIP um 2,5 Prozent.
  • Die 2007-Prognose lag bei 1,4 – 1,9 Prozent. Erreicht wurden 2,5 Prozent.

Auch Fondsgesellschaften und Analysteenempfehlungen liegen in ihren Diagnosen meistens daneben. Das kann der kundige Privatanleger schon daran erkennen, dass kaum ein Aktienfond über mehrere Jahre es schafft, den zugrundeliegenden Aktienindex zu schlagen. Konkret: kaum ein DAX-Fond hat eine bessere Wertentwicklung als der DAX. Da fragt man sich, wofür man die nicht geringen Managementgebühren zahlt.

Eingedenk dieser Misere also am besten keine Wirtschaftsprognosen mehr! Das ist zumindest ein kluger Rat des Chefs des Deutsches Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann. Er empfiehlt, eine Weile mit den Prognosen auszusetzen, da in den meisten Berechnungsmodellen Entwicklungen wie die gegenwärtige Finanzkrise gar nicht gespeichert sind.

Überhaupt ist es ja so eine Sache mit der Statistik.

Ein interessantes Interview dazu las ich in brandeins.

Sogenannte Lebensmittelskandale und Nachrichten über drohende Gefahren  erreichen uns jeden Tag. Wie vor einigen Wochen die Meldung über Dioxin-verseuchtes Schweinefleisch aus Irland. In der Tagesschau sehen wir dann immer Bilder, wie eifrige Lebensmittelkontrolleure die Kühltruhen in den Supermärkten leerräumen und Tausende von Tieren getötet werden. In einer anderen Sendung hörte ich, dass man über einen längeren Zeitraum wöchentlich sieben Kilogramm von diesem Schweinefleisch essen müsste, bevor eine Gefährdung auftreten könnte.

In dem brandeins-Interview erklärt der Statistiker Walter Krämer, dass wir diese Meldungen oft falsch interpretieren, weil wir zu wenig von Statistik verstehen.

  1. Generell gilt, dass natürliche Risiken gewaltig unterschätzt werden, künstliche dagegen aufgebauscht. So sind 99,99 Prozent aller Gifte und Rückstände in Nahrungsmitteln von Natur aus drin. Nur 0,001 Prozent werden von Menschen nachträglich hinzugefügt. Doch über die letzte Zahl lesen wir in den Medien.
  2. Was wir zu verstehen glauben, macht uns weniger Angst. Weil wir glauben, dass das Herz wie eine Pumpe funktioniert, machen uns Herz-Kreislauf-Krankheiten weniger Angst als Krebs – obwohl erstere doppelt so viele Todesfälle verursachen.
  3. Überreaktionen, bei denen Nutzen und Schaden schlecht abgewogen wurden, sieht der Statistiker bei dem Verbot des Insektenvernichtungsmittel DDT oder der Rinderseuche BSE.

Gute Frage zum Schluss:
In welchem Land leben Sie am gesündesten?
In einem Land, wo die Krebssterblichkeit hoch ist oder wo sie niedrig ist?
(Erst nachdenken!)

Ich habe auch daneben getippt. Im Land mit der höchsten Krebssterblichkeit. Warum? Die Zahl sagt aus, dass dort die Menschen am längsten leben. Denn in Gebieten mit Cholera ist die Krebsmortalität vergleichsweise gering.  Das gesündeste Land ist demnach Island.

Sie sehen, der gesunde Menschenverstand leitet einen manchmal gefährlich in die Irre. Die hochgelobten Experten (Wirtschaftsweisen, Sachverständigenrat) aber genauso. Ach, die Welt und vor allem das Leben ist einfach eine unsichere Sache. Damit können wir meist schlecht leben. Und deswegen gibt es

  • Filmkritiker, die uns raten, welcher Film sehenswert ist und welcher nicht.
  • Restaurant-Tester, die Sterne verleihen oder wegnehmen.
  • Jährliche Rankings über Ärzte und Rechtsanwälte im FOCUS
  • Partnerschafttests in Online-Partnerschaftsvermittlungen

Die Crux damit ist, dass ein solches Urteil meist enormen Einfluss hat. Wenn jede Woche in der Zeitung steht, dass die Stimmung der Unternehmer sich verschlechtert hat und die Aussichten trübe sind, schwimmen die meisten mit dem Strom. Denn es gehört viel Mut und Selbstbewusstsein dazu, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese dann auch noch zu vertreten.

Wie groß der Druck sein kann, sich gruppenkonform zu verhalten, zeigt das berühmte Experiment von Asch aus dem Jahr 1956. Studenten sollten angeben, welche von vier gezeigten Linien die längste ist. Doch in der Gruppe mit sechs Versuchspersonen wurden fünf instruiert, falsche Angaben zu machen. Herausfinden wollte man, wie ein solches übereinstimmendes Gruppenurteil auf die eine Versuchsperson wirkt.

Sehen Sie selbst:

Erschreckend, oder?

Fazit: Bilden Sie sich ruhig eine eigene Meinung. Auch zur Finanzkrise. Schlimmstenfalls liegen Sie daneben. Aber da sind Sie ja dann in guter Gesellschaft.

PS: Da wir gerade bei Vorhersagen sind: Wussten Sie, dass sogar Ihr PC prophezeien kann, an welche Zahl Sie gerade denken? Okay, Sie sind jetzt durch den Beitrag misstrauisch geworden. Aber überzeugen Sie sich selbst …

Wie halten Sie es mit Vorhersagen und Skandalmeldungen?

Lassen Sie sich davon beeindrucken oder beeinflussen?

Schreiben Sie hier Ihre Erfahrung oder Meinung dazu.

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Foto: © Simone van den Berg – Fotolia.com

PS: Irgendwie sind hier viele Kommentare zu einem anderen Artikel reingerutscht.
Die passenden stehen ganz zum Schluss.
Ich bin dabei, den Fehler zu suchen.

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

15 Kommentare

  1. Heiko sagt

    Herr Kopp-Wichmann, Sie sind ein richtig würdiger Mensch! Ich begeistere mich für Sie! Ich wünsche Ihnen alles Gute im Neuen Jahr! Weiter so!

  2. Danke für den sehr interessanten Beitrag. Ich muss sagen, ich versuche mir meine Meinung auch selbst zu bilden, will ich diese verteidigen stoße ich aber immer wieder auf massive Kritik seitens der anderen, weil meine Meinung eben nicht deckungsgleich mit der allgemeinen Meinung, beispielsweise auch zur Finanzkrise ist. Dennoch denke ich, dass dieses Verteidigen der eigenen Meinung, ohne dabei andere Ansichten nieder zu machen, besonders wichtig ist.

    Interessant fand ich allerdings den Link, dass mein Computer mir sagen kann, an welche Zahl ich denke. Das ist mir doch noch sehr neu und es funktioniert wirklich…

  3. Roland Kopp-Wichmann sagt

    Hallo Herr Diegmann,
    bei manchen ist ja die Ehefrau und das eigene Unbewusste ziemlich deckungsgleich. Aber das nur so nebenbei.
    Sich eine eigene Meinung zu bilden, beinhaltet eben das Scheitern, für das man dann die Verantwortung übernehmen muss. Wenn man aufgrund der Meinung eines Anderen handelt, glauben viele, demjenigen dann die Schuld geben zu können, wenn etwas schief geht.
    Insofern finde ich die einseitige Schuldzuschreibung in Richtung der „gierigen“ Banker lächerlich. Ganz viele Kunden (Kleinsparer, Unternehmen, Pensionsfonds, Versicherer, Landesbanker etc. wollten eben mehr als zwei Prozent Sparbuchzinsen. Und das aber bitte ohne fast jedes Risiko. Im Spielcasino ist jedem klar, dass ohne Risiko kein Gewinn möglich ist, und dass hohes Risiko maximalen Gewinn wie auch Verlust bringen kann. Doch bei der Geldanlage ist es genauso.

    Danke für Ihren Kommentar und Ihre treue Leserschaft.

  4. Roland Kopp-Wichmann sagt

    Hallo S(tef)unny,
    wie seelisch befreiend das Finden eines Sündenbocks ist, wurde ja schon im Alten Testament beschrieben. Dort war die Metapher noch augenfälliger, denn den meisten war wohl klar, dass der geopferte Ziegenbock jetzt nichts mit den zu bereuenden Taten zu tun hatte.
    Bei den Sündenböcken, die heute gefunden werden, sind jedoch die meisten überzeugt, dass sie tatsächlich allein schuld sind.
    Sie haben recht, sich nicht von der allgemeinen Stimmung nicht anstecken zu lassen, ist nicht einfach. Steht man doch schnell als naiver Trottel da, der nur die „Zeichen der Zeit“ sehen will.
    Danke für Ihren Kommentar.

  5. Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    zu Ihrem Artikel: „Lassen Sie sich nicht verrückt machen“:
    Wieder einmal haben Sie Recht. Tatsächlich gibt es nur eine einzige Instanz, der man bedenkenlos Urteilsgewalt für persönliche Entscheidungen einräumen kann. Nein, nicht die Ehefrau ist gemeint, sondern das eigene Un(ter)bewußt-Sein, das sich ja stets mit einem „Bauchgefühl“ meldet, aber fast nie berücksichtigt wird.

    Sie, Herr Kopp-Wichmann, bleiben lesenswert. Ich habe einige Newsletter abonniert, aber nur sehr wenige bringen mich dazu, sie sofort nach Erhalt zu studieren oder gar per Klick zu verfolgen.

    Ich bin kein Freund von „Angryzismen“, aber die Briten bringen es auf den Punkt:
    „Keep on like this – you’re doing good!“

    Beste Grüße
    Björn Diegmann

  6. Ich erlebe, dass ich Dinge, die mir widerfahren, der sogenannten Finanzkrise ‚in die Schuhe schiebe‘, obwohl kein Anlass dazu besteht.
    Es ist auch nicht so, dass sie bei mir angekommen ist, aber frau läßt sich da gerne etwas einreden. Das gefällt mir nicht, deshalb versuche ich immer zu widersprechen, da ich davon überzeugt bin, dass die Energie der Aufmerksamkeit folgt. Ich brauche keine Krise. Ich brauche Veränderung, Weiterentwicklung und diese Zeit jetzt ist für mich ein holpriger Straßenabschnitt.
    Es ist schwierig sich von der von oben ausgegebenen Krisenstimmung nicht anstecken zu lassen, sind es doch die ‚oben‘, die hier in ihr vermeindlich schrumpfendes Portemonaie weinen und immer noch genug zum Völlen haben.

  7. Danke, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, diese Fakten zusammen zu tragen.

    Dazu gehören ja auch noch die Zukunftsaussagen über Produkte. Irgendein Autohersteller hat mal gesagt, dass es wohl nie mehr als 1.000 Automobile geben wird, da es gar nicht so viele Chauffeure gibt.

    Krisen gehören zum Leben und sie haben grundsätzlich viele positive Aspekte: es wird mal wieder aufgeräumt und nachgedacht, Fehlentwicklungen verschwinden und jede Menge Neues kann entstehen. Leider machen Politik und Presse daraus meist nur Panik. Die Wirtschaft nutzt diese Situation gerne für sich aus (momentan durch Forderung von Hilfsfonds bzw. Subventionen) und ist in diesem „Spiel“ die Versuchsperson aus dem Ash-Experiment. Schade, damit werden viele Chancen und Möglichkeiten vergeben.

  8. Elisa sagt

    Hallo,

    mein Freund und ich sind seit 7 Jahren zusammen und stecken in einer ähnlich schwierigen Situation.

    Er hat mit einer guten Freundin eine Affäre angefangen. Nach 2 Monaten wollte er sich von mir trennen, woraufhin ich davon erfahren habe (obwohl ich vorher schon wusste das etwas nicht stimmt, hätte ihm nur keinen Seitensprung zugetraut).
    Ich habe ihn vor die Wahl gestellt – entweder ich oder sie. Das ging dann 2 Wochen hin und her bis er sich für mich entschieden hat, aber heimlich weiter mit ihr Kontakt hatte.
    Den er jetzt angeblich komplett abgebrochen hat, weil er mich und unsere Beziehung nicht verlieren möchte. Aber sie läßt nicht locker und versucht immer wieder Kontakt mit ihm auf zu nehmen.

    Ich weiß jetzt seit 2 1/2 Monten von seiner Affäre.
    Und seitdem geht es eigentlich die ganze Zeit nur hin und her, ich kann ihm nicht vertrauen und bin wahnsinnig misstrauisch, er hat keine Lust mehr darüber zu reden.
    Ich kann das ganze nicht vergessen, muss die ganze Zeit daran denken und glaube ihm eigentlich nicht dass er keinen Kontakt mehr hat.
    Ich würde sagen wir drehen uns nur im Kreis und werden beide immer verzweifelter.
    Dabei sagen wir beide dass wir die Beziehung wirklich wollen.

    Jetzt haben wir uns dazu entschlossen eine Paartherapie zu machen.
    Mein Problem ist wo und wie finde ich einen guten Therapeuten (ich denke es sollte ein Mann sein, damit kommt mein Freund besser klar).
    Was für eine Art von Therapie würden sie uns empfehlen – ich habe im Internet gelesen, dass die systemische Therapie gut sein soll.

    Vielen Dank für die Antwort

    Elisa

  9. Hallo Manfred,
    danke für Deinen einfühlsamen Kommentar. Gar nicht laienhaft, finde ich, sondern geschrieben aus persönlicher Erfahrung.

  10. Hallo Sabine,
    Ihr Kommentar war im Spamfilter gelandet, deshalb meine späte Antwort.
    Ich rate Ihnen zu einer Paarberatung. Der Auslöser für die Affäre Ihres Mannes ist ja offensichtlich. Sie benennen es ja deutlich.
    Solche Konflikte kann man lösen und zwar im Gespräch. Entweder als Paar oder mit professioneller Hilfe. Dass Sie sich nach der Schwangerschaft nicht mehr attraktiv finden, ist Ihr unfreiwilliger „Beitrag“ zu der Krise. Darum sollten Sie sich kümmern. Dass durch die Geburt eines Kindes die Paarbeziehung belastet werden kann, geht vielen Paaren so. Der Ausweg Ihres Mannes ist ebenso klassisch.
    Ich würde an Ihrer beider Stelle eine zwanzigjährige Beziehung nicht einfach so aufkündigen. Es hat sich wohl eine Menge Frust – auf beiden Seiten – angestaut. Diesen angemessen miteinander zu äußern und nach neuen Möglichkeiten zur Belebung Ihres Paarlebens können Sie arbeiten.

    Danke für Ihren Kommentar und Ihre Offenheit. Ich wünsche Ihnen alles Gute!

  11. Hallo liebe Frau Fähnle,

    danke für Ihren Kommentar.

    Probleme und Krisen sind in einer Beziehung ja etwas völlig Normales. Es kommt eben sehr darauf an, wie man damit umgeht. Wenn man es als Schande oder eigenes Versagen erlebt, fühlt man sich schuldig und sucht ewig nach irgendwelchen Ursachen. Sieht man die Schwierigkeiten in der Person des Partners begründet, fühlt man sich erst mal besser, aber Schuldzuweisungen verhindern das genaue Verstehen und führen auch nicht zu Lösungen.
    Betrachten beide Partner eine Krise jedoch als eine Chance, etwas Neues über sich selbst zu erfahren, ist erst mal die Spirale von gegenseitigen Vorwürfen und Verteidigungen unterbrochen und man kann – zum Beispiel mit Zwiegesprächen – den wirklichen Gründen besser auf die Spur kommen.

    Viele der Schwierigkeiten in Paarbeziehungen hängen ja mit den jeweils aus der Herkunftsfamilie mitgebrachten „Hypotheken“ zusammen. Diese sind den meisten Partnern aber unbewusst und werden dann am anderen „abgearbeitet“. Da hat eine gewisse Zwangsläufigkeit, ist aber für beide ziemlich anstrengend – und vergeblich.

    Es freut mich sehr, dass Ihnen meine Anregungen geholfen haben und Sie damit für sich einen guten Weg gefunden haben.

    Alles Gute für Sie!

  12. Claudia Fähnle sagt

    Ich wollte mich für die guten Ratschläge bedanken. Ich habe viel von Ihren Tipps befolgt
    uund auch danach gehandelt.Und ich denke wir sind auf den richtigen Weg.

    Vielen Dank

    Claudia Fähnle

  13. Hallo anonym,
    so eine Entdeckung ist immer erst einmal ein Schock – für beide. Und nach einer Weile auch eine Chance. Wenn man nicht in der moralischen Beurteilung hängenbleibt (die Betrogene: „Wie kannst du nur?“ und der Fremdgeher „Alles meine Schuld!“) bietet eine solche Krise die Möglichkeit, über mögliche Ursachen zu sprechen.

    Dazu ist es hilfreich, das Fremdgehen nicht als das eigentliche Problem, so schmerzlich es erlebt werden kann, zu betrachten, sondern als eine „Lösung“ für Konflikte, die in der Paarbeziehung liegen. Ich sage damit nicht, dass es so ist, aber es ist eine nützliche Herangehensweise. Nützlicher als das Zuschieben von Schuld und das Mauern dagegen oder die „Buße“.

    Das erfordert natürlich eine ziemliche Reife als Mensch und gewisse Anforderungen an die Paarkommunikation. Beschuldigen und sich Verteidigen ist leichter.

    Zu Ihren Fragen.
    Es ist ganz wichtig, dass Sie – beide – ihre Gefühle dem anderen mitteilen. Ein zu frühes Verständnis oder gar Verzeihen führt meist nur zum Scheinfrieden. Da Fremdgehen immer auch eine aggressive Komponente hat, ist es wichtig, die Wut und den Schmerz über das Erlebte mitzuteilen. Erfahrungsgemäß ist auch der Fremdgeher schon lange Zeit vorher unzufrieden und wütend, und sah eben wenig Möglichkeit, diese Gefühle, die ihm vielleicht ungerecht vorkamen, angemessen mitzuteilen.

    Wer anfängt, finde ich nicht so wichtig. Da bei einem solchen Thema meist die Emotionen schnell hochkochen, und man dann schnell in Vorwürfe und Gegenvorwürfe gerät, ist eine gewisse Struktur hilfreich. Damit man nicht nur Sein’s los wird, sondern auch den inneren Freiraum hat, dem anderen zuzuhören. Mit das beste Hilfsmittel dafür ist die Methode des „Zwiegesprächs“. (Anleitung dazu auf diesem Blog).

    Sehen Sie es als Chance und bleiben Sie nicht bei der Symptombekämpfung stecken. Das Symptom zeigt meist den Weg zur Lösung. Banales Beispiel: Es hilft nichts, Zahnweh mit Schmerztabletten zu bekämpfen, damit der Schmerz weggeht. Das Zahnweh treibt einen hoffentlich zum Zahnarzt, der dann die Ursache findet und behandeln kann.

    In diesem Sinne ist das Fremdgehen das Symptom, das Sie dazu bringen kann, sich mehr Zeit für sich als Paar zu nehmen und darüber zu sprechen, wie jeder von Ihnen die Beziehung über die letzten Jahre (vor allem seit die Kinder da sind) erlebt hat.

    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

  14. anonym sagt

    Guten Morgen,
    ich stecke gerade in der Lage , dass ich meinen Mann dabei ertappt habe , das er fremdgeht.Wir stecken also gerade am Anfang.Wir sind seit 15 Jahren verheiratet und seit 19 Jahren zusammen, haben zwei kleine Kinder. Wir halten es von den Kindern fern, so gut es geht . Aber Kinder haben ein untrügerisches Gespür für so etwas.

    Ihr Artikel hat mir etwas geholfen, mit der Situation fertig zu werden, sofern man das jetzt schon sagen kann. Wir haben uns das Wochenende genommen und die Kinder zu meinen Eltern geschickt, um uns auszusprechen.

    An dem Tag, als es raus kam, hab ich ihm klar gemacht , dass ich ihn nicht verlieren möchte und dass er sich entscheiden muß. Etweder 19 Jahre oder zwei Monate. Sollte er sich für mich entscheiden, dann ab mit allen Konsequenzen. Sprich absolut keinen Kontakt mehr zu ihr. Gleichzeitig hab ich ihm auch gesagt , dass ich keine Angst vor der Trennung habe, da mir meine Familie zur Seite steht.

    Nun hab ich eine Frage: „Wie geht man so ein Gespräch an?“
    Fängt mein Mann an oder ich?
    Darf ich ihm meine Wut beschreiben oder soll er nur darüber reden, warum er das gemacht hat?

  15. Anonym sagt

    Guten Tag!
    Ich danke Ihnen für Ihren Artikel!

    Seit dem Bekanntwerden der Nebenbeziehung meines Freundes suche ich im Internet ist immer wieder nach Anregungen.

    Wir sind uns beide einig, die Beziehung weiterführen zu wollen. Auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin hat mein Partner den Kontakt zur Geliebten = Exfreundin abgebrochen, und nun suche ich nach Wegen erneut Vertrauen aufzubauen.
    Gerne wollen wir beide uns Hilfe holen.

    Kann ich als Betrogene auch auf die Geliebte einwirken? Diese scheint bereit, alles zu akzeptieren, denn wahre Liebe sei nur, den anderen komplett frei zu lassen, und sitzt dadurch wie eine Spinne in ihrem Bau und wartet… das bedroht mich ungemein.
    Können hier Gespräche zwischen ihr und mir helfen?
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    Hallo,
    danke für Ihren Kommentar und Ihr Vertrauen.

    Am sinnvollsten ist sicher eine Paartherapie, wenn Sie beide die Beziehung fortführen wollen. Denn eine Affäre kann man auch immer auch als ein Signal an den anderen Partner und an sich selbst verstehen, was einem in der Beziehung fehlt.

    Ein gutes Buch in diesem Zusammenhang ist von Jellouschek „Warum hast du mir das angetan?“

    Dass Sie sich mit der Geliebten treffen, halte ich für völlig schief. Sie und Ihr Partner müssen etwas klären, nicht Sie und die Dritte. Aus Ihrer Idee entnehme ich aber, dass Sie bereit wären, fast alles für die Beziehung zu tun. Das ist erfahrungsgemäß für die meisten Männer das falsche Signal.

    Mein Rat geht eher in die andere Richtung: lassen Sie Ihre Gefühle zu (Wut, Enttäuschung, etc.) und grenzen Sie sich deutlich ab bzw. ziehen Sie sich zurück. So erfahren Sie am ehesten, wie es um Ihre Beziehung steht.

    Alles Gute für Sie.
    Roland Kopp-Wichmann

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