Lebenslang Lernen macht gesünder, attraktiver und zufriedener.

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Student treppe xs aufstieg karriere foto krockenmitte photocaset49xyb961Wie sich längerer Schulbesuch- und Studium später auszahlen.

Die gegenwärtige Koalitionsstreit, ob man das Betreuungsgeld bar auszahlt oder besser als Gutschein gewährt, berührt im Hintergrund die alte Frage, ob sich Menschen durch Geld dauerhaft zu etwas motivieren lassen.

Auch bei einem anderen Thema, das manche Eltern bewegt, spielt Geld als Anreiz oder Belohnung eine Rolle: beim Schulbesuch. Denn immer noch haben viele Jugendliche „null Bock“ aufs Lernen und besuchen nicht regelmäßig die Schule oder verlassen sie früh.

In New York gibt es dazu ein interessantes Experiment . Dort zahlt eine Stiftung benachteiligten Familien Geld dafür, dass die Kinder die Schule besuchen und Klassenarbeiten bestehen. 25 Dollar erhält eine Familie pro Monat, wenn ihr Kind die Grundschule regelmäßig besucht. 50 Dollar, wenn es dies auf der High School macht.

Auch hierzulande gibt es seit Jahren Versuche und Ideen, wie man gegen anhaltende Schulverweigerung vorgehen soll. Bußgelder und sogar Freiheitsstrafen gegen Eltern oder der zwangsweise Transport der Lernunwilligen per Streifenwagen in die Schule bis hin zum Jugendarrest wurde schon ausprobiert.

Doch anstatt mit Bestechung oder Bestrafung könnte man es auch mit überzeugenden Argumenten versuchen. Der 2009 erschienene Bericht der OECD zeigt hier einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Länge des Schulbesuchs und dem späteren Einkommen.

Der Leiter im Direktorat für Bildung der OECD spricht hier über die zentralen Ergebnisse der Studie:[youtube width=“325″ height=“244″]http://www.youtube.com/watch?v=aMk8-yGTI1U[/youtube]

In einer anderen Studie untersuchen die Autoren Philip Oreopoulos und Kjell G. Salvanes, welche Langzeiteffekte der längere Besuch von Schule und Universität im späteren Leben haben. Und ihre Ergebnisse sind erstaunlich!

  • Wer länger lernt, verdient später mehr.
    Jedes Jahr, das ein Amerikaner länger auf der High School oder dem College verbringt, bringt ihm im Durchschnitt später 7 bis 12 Prozent mehr Gehalt.
    Interessanterweise hängt das nicht mit der darwinistischen Auslese der Besten zusammen. In Studien wurde gezeigt, dass selbst bei eineiigen Zwillingen der besser Gebildete später mehr verdient (!)
    Wenn es Sie interessiert, in welchen Städten, Branchen und Berufen in Deutschland am besten verdient wird, lesen Sie
    hier …
  • Wer länger lernt, wird nicht nur durch mehr Geld belohnt.
    Er bekommt im Schnitt auch einen Arbeitsplatz, der mehr Prestige und Selbständigkeit bietet. Auch bessere Arbeitsbedingungen und Anerkennung winken. Zudem sind Lernwillige später im Job meist zufriedener und werden seltener arbeitslos.
  • Auch privat zahlt sich längeres Lernen aus.
    Den Studien zufolge sind Gebildete gesünder und seltener in psychiatrischer Behandlung.
    Höhere Schulbildung kann
    Alzheimer verhindern.
    Jedes zusätzliche Schuljahr macht sie für die Partnerwahl attraktiver. Sie lassen sich seltener scheiden, kommen seltener mit dem Gesetz in Konflikt und haben Kinder, denen es in den genannten Bereichen auch besser geht.
  • Bessere Bildung wirkt sich auch auf die Gesellschaft positiv aus. Der Ökonom Enrico Moretti verglich Städte mit unterschiedlichem Bildungsniveau und fand heraus, dass ein hoher Anteil von gut Ausgebildeten in einer Stadt nicht nur deren Durchschnittseinkommen positiv beeinflusst, sondern auch das Einkommen aller schlechter ausgebildeten Menschen dieser Stadt (!)

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Ausbildungsstand?

In einer immer vernetzteren Welt sind Wissen und Können zentrale Bestandteile des persönlichen Berufserfolgs. Gesellschaftlich betrachtet sind Fachwissen und Kompetenzen der Berufstätigen die entscheidenden Faktoren für Innovation und Erfolg.

Auch eine zu früh beendete Schulbildung kann unabhängig vom Alter später noch nachgeholt werden. Denn meist ist diese die Voraussetzung für ein entsprechendes Studium und späteren Erfolg.

Das kann ich selbst bestätigen. Mit meiner mittleren Reife machte ich eine Banklehre und probierte danach mehrere Beruf aus. Computer-Operator, Werbetexter, Versicherungsvertreter – ich war für vieles geeignet aber die Tätigkeiten befriedigten mich nie sehr lange.

Dann wollte ich Psychologie studieren, hatte aber kein Abitur. Mit 25 Jahren setzte ich mich nochmal 2 1/2 Jahre auf die Schulbank eines Tageskollegs

übersetzte Caesars Gallischen Krieg und mühte mich mit der Infinitesimalrechnung. Obwohl das damals hart war, zumal ich noch wegen meines Abiturschnitts ein Jahr auf den Studienplatz warten musste, bin ich heute in der Rückschau froh, diese Mühe auf mich genommen zu haben.

Jetzt bin ich 61 Jahre alt und lerne täglich dazu. Heute zum Beispiel wie man einen Bannerrotator einbaut, damit verschiedene Werbeanzeigen abwechselnd gezeigt werden.

Was können wichtige Vorteile des lebenslangen Lernens sein?

  1. Sie beschäftigen sich mit etwas, was Sie wirklich interessiert.Oft ist die erste Berufswahl keine sehr bewusste Entscheidung. Wird sie doch zuweilen von Einflüssen aus dem Umfeld beeinflusst. Mitunter spielen ausgesprochene oder indirekte Erwartungen der Eltern eine Rolle, denen man sich schwer entziehen kann oder gegen die man sich auflehnt.Eine wirkliche erwachsene Berufswahl kann ja darin bestehen, dass man als Arztsohn oder -tochter sich frei für das Medizinstudium entschließt, obwohl es der sehnlichste Wunsch der Eltern war.Auch das Umfeld und die Einflüsse des Freundeskreises und der jeweiligen (Sub)-Kultur, in der man sich bewegt, können wirken.Als Erwachsener hat man sich hoffentlich davon frei gemacht, kennt sich und seine Neigungen auch besser, muss vielleicht niemandem mehr etwas beweisen und kann sich beruflich dem zuwenden, was einem sinnhaft erscheint und Freude verspricht.
  2. Sie erleben sich als ein Teil der Welt, in der Sie leben.Vor der Erfindung des Magnetresonanztomographen war die herrschende Meinung ja, dass im Alter die Gehirnzellen jedes Menschen absterben und dies der Grund ist, warum viele ältere Menschen im Denken und Verhalten starrer werden.Die gute Nachricht: es stimmt nicht! Bis ins hohe Alter bildet Ihr Gehirn täglich neue Nervenzellen.Die schlechte Nachricht: wenn Sie die nicht benutzen, sterben sie tatsächlich ab. Es ist wie mit Ihren Muskeln: „If you don’t use it – you loose it.“Sich etwas Neues anzueignen, ist somit der beste Schutz vor Engstirnigkeit und Langeweile.
  3. Sie investieren in sich selbst und vergrößern Ihre Ressourcen.Durch die Entwicklung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien sind ein Teil der einmal erworbenen Kenntnisse und Qualifikationen veraltet. Diese unaufhaltbaren Veränderungen berühren  nicht nur den Beruf sondern alle Lebensbereiche. Sich diesen veränderten Lebensbedingungen nicht zu widersetzen, sondern flexibel anzupassen ist überlebenswichtig. Es erleichtert die Orientierung in einer immer komplexeren Welt und vergrößert Ihre Fähigkeit, sich in neuen Situationen besser zurechtzufinden.

In meinen Persönlichkeitsseminaren stelle ich manchmal die 5-Millionen-Euro-Frage:

„Angenommen, Sie hätten morgen auf Ihrem Konto fünf Millionen Euro?

Mit anderen Worten: Sie müssten für Ihren Lebensunterhalt nicht mehr sorgen und dürften in Ihrem jetzigen Beruf nicht weiter arbeiten – was würden Sie dann mit Ihrer Zeit tun?“

frau aufstieg karriere studium diplom mba doktorhut foto: bilderbox fotolia.comDie Frage bringt Sie in Kontakt mit Ihren vielleicht verdeckten Neigungen oder verdrängten Wünschen. Impulse und Interessen, die unter dem Diktat des „Ich muß ja Geld verdienen“ vielleicht schon lange vergraben wurden.

Ihre Antworten auf dieses Gedankenexperiment können Ihnen zeigen, wofür Sie sich noch im Leben interessieren. Wenn für Ihr finanzielles Auskommen gesorgt wäre, welche andere Aufgabe oder Tätigkeit wäre dann für Sie so lohnend, befriedigend und sinnstiftend, dass die Sie morgens aus dem Bett holt?

Ich kann die Frage auch anders stellen:

„Was würden Sie im Leben gerne noch tun – angenommen, Sie könnten damit nicht scheitern?“

In meinen Persönlichkeitsseminaren sind es vor allem drei Antworten, die häufig auftauchen. Etliche Menschen wollen etwas studieren, vielleicht sogar noch ein zweites Mal. Andere wollen sich selbständig machen auf einem Gebiet, das wirklich ihre Interessen widerspiegelt. Und eine dritte Gruppe will sich ehrenamtlich engagieren.

Man kann die „neue Unübersichtlichkeit“ des modernen Lebens beklagen. Doch die Vielfalt der heutigen Lebensstile birgt auch enorme Möglichkeiten.

  • Ein bunter Berufsweg mit vielen Kurven muss  heute kein Manko mehr sein.
  • Auch eine kurze Zeit der Arbeitslosigkeit ist kein Makel.
  • Man kann sich in jedem Alter neben- oder hauptberuflich selbständig machen.
  • Frauen können nach der Baby- oder Elternpause wieder in den Beruf einsteigen. Väter können bezahlte Elternzeit in Anspruch nehmen.
  • Eine Fülle von Fort- und Weiterbildungsangeboten hilft, den eigenen Horizont zu erweitern.
  • Per Fernkurs oder Heimstudium kann man sich berufsbegleitend weiterbilden.
  • Die Universitäten registrieren einen immer größeren Zulauf von älteren Menschen, die nach der aktiven Berufsphase etwas studieren wollen.
  • Das Internet mit seinen Möglichkeiten (Websites, Blogs, Twitter, Facebook)
  • Gerade lese ich in der ZEIT Nr. 49 über Menschen, die im Gefängnis ihren Schulabschluß nachholen.
  • Pensionierte Manager engagieren sich als „Wirtschaftspaten“ ehrenamtlich für die Fortbildung junger Selbständiger.

„Der Nachteil der Intelligenz besteht darin, dass man ununterbrochen gezwungen ist, dazuzulernen“, wusste George Bernard Shaw.

kommentar In was bilden Sie sich gerade weiter?

Und was würden Sie gerne noch dazulernen? Schreiben Sie mir.

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Auf die Studie wurde ich durch
den Artikel in der FAS vom 15.11.09
„Kind geh doch zur Schule“ aufmerksam.

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

11 Kommentare

  1. Lebenslang lernen: Daran führt kein Weg vorbei!

    Unsere Gesellschaft hat sich zu einer Informationsgesellschaft entwickelt, in der immer mehr Wissen jederzeit abrufbar ist und erworbenes Wissen immer schneller überholt ist.

    Wissen muss ständig aufgefrischt werden

    Die Internationalisierung schreitet voran und durchdringt das Alltags- und Berufslebens sowie Wissenschaft und Technik. Der Bedarf nach neuem Wissen und mehr Information wächst stetig. Erworbenes Wissen reicht schon lange nicht mehr für ein ganzes Berufsleben, sondern muss immer wieder aufgefrischt, aktualisiert und erweitert werden. Manchmal muss es sogar komplett über den Haufen geworfen werden.

    Viele Unternehmen haben inzwischen erkannt, wie wichtig es ist, lebenslang zu lernen und ihren Mitarbeitern dies zu ermöglichen (z.B. durch Seminare, Kurse, Weiterbildungen, Sprachtrainings u.v.m.). Das lebenslange bzw. lebensbegleitende Lernen tritt an die Stelle des Vorbereitungs- und Berechtigungslernens.

    Die Maastrichter EU-Verträge sind die Grundlage für das lebenslange Lernen in Europa. Wissen und lebenslanges Lernen werden als Schlüssel zu mehr Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung definiert.

    Herzlich willkommen auf dem Weg in die kognitve Gesellschaft!

    Dies hat auch Auswirkungen auf die Erwachsenenbildung. Als inhaltliche Ziele von Erwachsenenbildung werden heute gefordert: das Wahrnehmen und Verstehen von Dingen erhöhen, Bewusstsein und Kreativität verbessern, Urteils- und Entscheidungsfähigkeit entwickeln, Basiswissen (Lesen, Schreiben, Rechnen, Fremdsprachen und Umgang mit Medien) vertiefen und soziale Fähigkeiten unterstützen.

    Auf europäischer Ebene sind Mobilität, Mehrsprachigkeit, Internationalität und Informationsvielfalt gefordert. Dies führt auch zu einer Wende im Fremdsprachenunterricht. Das reine Eintrichtern von Wissen gehört der Vergangenheit an, da es nicht reicht, um sich auf internationalem Parkett angemessen zu bewegen. Außerdem schafft es keine lebendigen und nachhaltigen Lernkulturen, wie sie für nachhaltigen Lernerfolg erforderlich sind.

    In die Erwachsenenbildung von heute müssen neueste Erkenntnisse der Gehirnforschung einfließen. Die Lernenden müssen zu autonomem Lernen angeregt werden. Beim Fremdsprachenerwerb liegt der Schwerpunkt auf dem berufsorientierten Sprachenlernen – vor allem Englisch – und auch international anerkannte Zertifikate werden immer wichtiger.

    Methodenkoffer erweitern

    Erwachsenenbildung gelingt dann am besten, wenn die Teilnehmer selbstgesteuert und aktiv lernen, Probleme lösen, verschiedene Situationen kennenlernen und in sozialem Austausch lernen. Der Dozent bzw. Trainer wird zum Lernbegleiter, der mit vielfältigen Methoden die Lernenden anregt, selbst aktiv zu werden und eigenverantwortlich Wissen zu erwerben.

    Auf den Kreativ-Treffs bei uns im Regionalforum der Deutschen Gesellschaft für Suggestopädisches Lehren und Lernen e.V. bieten wir eine Plattform zum Austausch für Dozenten, Trainer und Wissensvermittler, stellen neue Methoden vor und möchten dazu auffordern, methodisch vielfältiger zu agieren. Denn auch das ist eine Bedingung für erfolgreiches lebenslanges Lernen!

  2. Karl Hinkel sagt

    Ich bekam den Eintrag geschickt, weil ich das WordPresskästchen angekreuzt hatte…

    Ja Kunar, nie war ich ein Freund von sog. Verschwörungsphantasien. Es ging ja wirklich alles recht gut zu Willi Brands Zeiten, wie ich schon unten berichtete. Und das wirkte tatsächlich noch ein Jahrzehnt nach. Dann war ich oft und lange in den USA. Auch dann war ich noch so naiv. Das Benzin war so billig dort, wusste nicht, dass die ständig Kriege darum führen.
    Bezogen auf die Bildungspolitik kann ich nur bestätigen, dass in den Projekten, die ich an Hochschulen betreute aus IT-Anbieterseite, immer dann problemlos Budgets da waren, wenn es um das Militär ging – einen Fahrsimulator für Soldaten auf dem Motorrad (können sie lernen, fahrend aus der Hüfte zu schießen?, für Minimisiles in Panzerrohren, für militärische Kartographie.
    Aus jüngster Erfahrung weiß ich noch, wie sehr man damit zu tun hat, wenn man das Kindergeld und den rechtlichen Anspruch auf Schülerbafög organisiert. Inzwischen sind da viele bildungswillige so verunsichert, gar eingeschüchtert, dass sie sich in den Chor einreihen, der das Lied vom armen Staat singt mit seinen leeren Töpfen. An eine separate Illuminatengruppe glaube ich auch heute noch nicht so recht.
    Was ich aber glaube, und das ist sehr viel schlimmer: Die negativen Auswirkungen unseres Wirtschaftssystems haben sich so verselbständigt, wie die 200 Milliardendollarumsätze der Tabakkonzerne – so verselbständigt, dass nur noch dort, wo es um gar nichts geht, wie bei einem Blechschaden, das Kausalitätsprinzip noch gilt. Da, wo es in unvorstellbarem Maße um die Mißachtung von Menschlichkeit, Gleichberechtigung und Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit geht, da wird kaum mal einer zur Rechenschaft gezogen.
    Alle maximieren ihren Nutzen, die dazu verhelfen, die werden benutzt, die können das nicht selber so machen. Ah, das soll so bleiben – ich glaube es bald auch, Herr Kunar; und ist es nicht so wie bei einem Schlittenrennen?
    Man hat den Hunden an einer ausreichend langen Stange eine dampfende Bratwurst aufgehängt, nur ein wenig zu hoch, damit sie stetig weiter rennen. Ja, sie kläffen dabei ein wenig. Das nimmt man in Kauf. Mal tropft dem Leithund, der am meisten nach oben schnapte, heißes Fett in die Augen. Die Meute kollabiert. Hals- und Beinbruch.
    Kollabiert das Rudel der Elite, werfen ihnen die (auch noch) gewählten Vertreter gemeinsam die Wurstplatten in Form von Steuermilliarden hinterher, weil ja sonst das gesamte System sich kollektiv die Beine brechen würde, sagt man uns.
    Unfragen ergaben, dass dieser Quatsch von der halben Bevölkerung strikt geglaubt wird.
    Sie haben es also bereits geschafft. Im Internet verändert sich das mächtig und sicher. Und niemand kann das wieder ändern. Der Selbstversorgungszug vieler, auch ganz oben wird entgleisen. Worauf es ankommen wird? Echtheit, Klarheit, Vermeidung von Selbstbetrug und Fremdbestimmung, hin zu autonomem und kompetentem Leben für alle…

    Vielen Dank für die Links J.S.Bach betreffend. Das angesprochene Stück ist so nur in der Hänssler-Edition mit H.Rilling enthalten. Danke auch für den Link zu Text und Partitur. Der Text fehlt tatsächlich gerade bei dieser Scheibe, für alle! anderen Silberlinge steht er in Booklets und auf Doku-CD. Gut kreiert, oder? Beeindruckend, was dort bereits vor einigen Jahrhunderten geboten wurde.

  3. Bessere Bildung wirkt sich auch auf die Gesellschaft positiv aus. Der Ökonom Enrico Moretti verglich Städte mit unterschiedlichem Bildungsniveau und fand heraus, dass ein hoher Anteil von gut Ausgebildeten in einer Stadt nicht nur deren Durchschnittseinkommen positiv beeinflusst, sondern auch das Einkommen aller schlechter ausgebildeten Menschen dieser Stadt (!)

    Das dürfen Sie aber auf keinen Fall denjenigen sagen, die sich vehement für Studiengebühren einsetzen! Studiengebühren haben ja vor allem zwei wichtige Ziele:

    1. Soviel Menschen wie möglich soll die Studienzeit schwerer gemacht werden. Dadurch erforderliche Nebenjobs sollen die Studenten vom Lernen abhalten und ihnen zeigen, was ihr Platz in der Gesellschaft ist (Abschaum für niedere, schlecht bezahlte Arbeiten, die mitunter jedoch Geisteskraft erfordern). Wichtig ist dabei, dass sich ein Studium weniger oder später auszahlt, damit es möglichst wenige versuchen und eine Volksbildung vermieden wird.

    2. Der Schmarotzercharakter eines Studiums soll abgestellt werden. Es ist ja bekannt, dass jeder nur für sich studiert und dadurch auch nur sich selbst Nutzen bringt. Das merkt man an Ärzten, Ingenieuren usw., aber auch an ausgebildeten Musikern, die nach einem langen Studium zahlreiche Konzerte geben und die Hallen füllen. Es wäre fatal, wenn man bei Studenten zulassen würde, dass theoretisch jeder zunächst seinen Nutzen maximieren kann. Wie soll das in einer Gesellschaft funktionieren, deren Wirtschaftssystem die Marktwirtschaft ist – die darauf beruht, dass jeder zunächst seinen Nutzen maximiert?

  4. Liebe Frau Köhler-Gräf,
    herzlichen Dank für die Anerkennung bzgl. meines Blogs.

    Habe mir Ihre Website angeschaut, ist auch sehr schön geworden. Nur den Flash-Film zu Beginn würde ich weglassen. Kostet Zeit und Internetnutzer sind immer ungeduldig, bietet keinen Nutzen und v.a. Suchmaschinen können damit nichts anfangen.

    Danke für Ihren Kommentar.

  5. „Erleichtert flog das Vöglein fort“ sagte meine Mutter immer, wenn etwas erledigt und/oder erfolgreich war.
    An dieser Stelle: Dankeschön.

    Ich war auf der Suche nach
    1. einem Blog, von dem ich lernen kann, wie es richtig geht. Denn ich schreibe gerne und liebe es, so die Gedanken fließen zu lassen.
    2. Wenn ich mir einen Vorbild-Blog suche, dann einen der meine Themen, meine Leidenschaft und meine Einstellung teilt oder konfrontiert. Wo ich mich reiben kann um mich zu entwickeln und der auch meinen Kunden und Lesern hilfreich ist.
    http://karrierepuzzle.wordpress.com/ ist in den Kinderschuhen. Doch Lernen braucht Zeit, und die werde ich zum Teil auch hier verbringen!

  6. Karl Hinkel sagt

    Hervorragend!!! Und vergessen wir nicht, mit was alles die heute Lernwilligen zu tun haben. Da gibt es Studiengebühren, hatten wir in den 1970ern nichts mit zu tun. Da gibt es zu wenig Ausbildungsplätze in Firmen. Hatten wir in den späten 1960ern nichts mit zu tun. Da gibt es Probleme mit der Unterkunft und Kosten für eine „Bude“, die den ganzen Bafög schlucken. Hatten wir so nichts mit zu tun. Da gibt es in der aktuellen Megakrise Probleme für die Studierenden, Motivation zu erlangen und zu erhalten, Zuversicht zu schöpfen. Damit hatten wir in den o.g. Jahrzehnten sehr viel weniger zu tun.

    Wer steht denn da mal auf und bezeugt, dass Bildung tatsächlich die beste Investition in unsere Zukunft ist? Ja, Herr Kopp-Wichmann tut dies. Hervorragend!!! Schön, wirklich schön fand ich diese Woche auch, als sich Herr Schätzing zu den demonstrierenden Studenten in Köln gesellte und Mut zusprach. Ja, wir alle können auch etwas zurückgeben, nicht nur materiell. {Ganz im Vertrauen, wir sind ja wirklich sehr gut davongekommen. Es gab noch keine PCs, kein Internet, kein sog. High Tech. Und wir haben fleißig gelernt. Keine Ahnung habe ich, wie heute ein Ingenieurstudium läuft mit all den CA-Techniken noch zusätzlich: Computer Aided Design, CAE, CAM, Robotics, CA….}

    Beachtliche Lernpensen werden da absolviert. Nicht nur Schichtensprünge, Quantensprünge tagtäglich. Mit meinem Diplomwirtschaftsingenieur und Mastergrad im Industriemarketing lerne ich zur Zeit bei einem engagierten 20-jährigen (Mario Schneider aus Rottweil) in Onlinekursen, wie man die gegebenen modernen Online-Marketing-Möglichkeiten mit Facebook, Twitter, Utube usw. gezielt nutzt. Gut macht das der junge Mann, sehr gut. Und überwiegend ältere Lernbegierige im Kurs.

    Lebenslanges Lernen sehe ich rundum als selbstverständlich gelebt, allerdings auch hier und dort die Zustände, in die Mitbürger geraten, für die das (noch) ein Problem darstellt.

    Alter spielt keine Rolle mehr. Auch fällt immer weniger ins Gewicht, wenn sich jemand mit einer Rolle brüstet, einer Position oder dem Erreichten. Ja, das verunsichert viele. Aber das Rad, dessen Speichen Globalisierung, Vernetzung, Beschleunigung, Multidimensionalität des Alltags und stetig wachsende und wechselnde Herausforderung heißen, das lässt sich nicht zurückdrehen.

    Alle wünsche ich viel Freude beim Lernen. (Selbst durfte ich als Bachliebhaber gerade lernen, dass es nur ganz wenige Organisten gibt, die BWV 725 wirklich richtig spielen, z.B. Gerhard Gnann, weil sie kapiert haben, dass es mit BWV 328 untrennbar zusammengehört, dann aber die intensivste Form der Meditation ist und ein unschätzbares Bach-Erlebnis.
    Schönen Sonntag allerseits
    Karl Hinkel, Köln/28.11.09

  7. Liebe Frau Asser,
    Sie haben Recht, das Internet ist tatsächlich für viele Menschen zu einer täglichen Quelle der Weiterbildung geworden. Einfach weil fast zu jedem Thema in Sekundenschnelle wichtige Informationen und Quellen zur Verfügung stellen.

    Ich erinnere mich, wie umständlich es in meiner Studienzeit war, einen Fachartikel zu bestellen. Das ging per Fernausleihe, kostete ein paar Mark, dauerte im Schnitt zwei Wochen bis man ein paar kopierte Seiten in Empfang nehmen konnte. Und heute dauert es maximal ein paar Minuten, einen wissenschaftlichen Artikel zu finden und dann kostenlos oder gegen Gebühr in Sekunden herunterzuladen.

    Zu Ihrer Theorie der selektiven Wahrnehmung … Vielleicht hat sich aber auch ein morphogenetisches Feld à la Sheldrake gebildet und die Situation wurde von Ihnen kreiert 😉

    Danke für Ihren Kommentar.

  8. Susanne Asser sagt

    Lieber Herr Kopp-Wichmann,
    da bin ich ja am Ende doch noch froh, dass ich in meiner schulischen Laufbahn eine Ehrenrunde gedreht habe (danach habe ich Physik tatsächlich mit einer 6 (!) abgewählt…).
    Vieles von dem, was Sie schreiben, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich denke, eine wesentliche Komponente, die hier ins Spiel kommt, wenn man länger in der Schule oder im Studium ausharrt, stellt die Tatsache dar, dass sich die Menschen in dem sozialen Gefüge der Lernenden „einordnen“ müssen – anders als später im Berufsleben.

    In einem Lernumfeld ist man ja darauf bedacht, ein gutes Miteinander zu kreieren (Lerngruppen oder z.B. sich abwechseln, wer in welcher langweiligen Vorlesung für den anderen mitschreibt… etc.). Man ist daran interessiert sich gegenseitig zu unterstützen, denn da ist der Druck ein anderer (kollektiver?) als in der Arbeitswelt, wo die Konkurrenz gefährlicher zu lauern scheint. Im Lernumfeld fühlt der Lernende eventuell noch eine Art Geborgenheit, die es ihm erlaubt, bestimmte Reifeprozesse in Bezug auf seine Persönlichkeit zu durchlaufen, weil er sich in einem sozialen Netzwerk sicher eingebunden fühlt.

    Später im Berufsleben ist er eher auf sich alleine gestellt und muss sich isoliert beweisen. Vielleicht ist das ein Teilaspekt, weshalb die Menschen einen besser dotierten Beruf bekommen – sie haben ihre Entwicklungs- und Reifeprozesse noch eine Weile in einem ‚geschützteren‘ Rahmen durchmachen können. Gar nicht so einfach, meinen Gedankengang in Worte zu packen…

    Tja, und was die Weiterbildung anbelangt, so ist ein Hauptmedium für mich zur Zeit das Internet. Wobei ich hier Weiterbildung nicht im klassischen Sinne meine, sondern es auf mein „Wissensspektrum erweitern“ beziehe. Durch meinen Bruder und meinen Ex-Mann habe ich eine Affinität zum Thema High End entwickelt. Ich war z.B. immer in der Lage, sehr feine Unterschiede in der Klangqualität bei verschiedenen high-end-Lautsprechern herauszufiltern u.ä..

    Allerdings blieben mir viele Begrifflichkeiten ein Rätsel, weil ich immer dachte „Das kapierst Du sowieso nicht mit deinem Anti-Verständnis von Physik!“ – aber das stimmt scheinbar doch nicht. Zur Zeit will ich nämlich bei ebay meine ausgedienten Lautsprecher verkaufen, da mir ein Freund selbst welche baut. Also habe ich bei adäquaten Angeboten geschaut, was die Experten Nennenswertes beschreiben. Damit ich das auch professionell kann, habe ich mir die Mühe gemacht, ganz viel bei Wikipedia in Erfahrung zu bringen. Deshalb weiß ich jetzt endlich, was sich hinter dem Begriff „Chassis“ verbirgt und habe mir die Entstehungsgeschichte von Lautsprechern gleich mit angeeignet. Auch eine Art der Weiterbildung, und ich fühle mich tatsächlich schlauer, was meinem Selbstwertgefühl ebenso dienlich ist 🙂

    Dank Facebook und der vielen Videos oder Links, die meine Freunde dort posten, komme ich ebenfalls mit Themen in Berührung, die ich früher hätte links liegen lassen. Ergo bedeutet selbst Facebook für mich des Öfteren „Weiterbildung“.

    Interessant ist dabei, dass ich meist ein paar Tage später sogar die Möglichkeit bekomme, mein neu erworbenes Wissen in irgendeiner Form in der Interaktion mit anderen Menschen einzubringen. Klar spielt hier die selektive Wahrnehmung eine Rolle, aber vielleicht auch ein Aspekt, den Sie, lieber Herr Kopp-Wichmann, bei mir unter die Rubrik „esoterisch verhunzt“ verbuchen würden 😉
    Ein schönes Adventswochenende wünscht Ihnen
    Susanne Asser

  9. Hallo liebe Frau Kovacs-Koller,
    freut mich, dass Ihnen der Beitrag so gut gefallen hat.
    Ich denke, Neugier bis ins Alter ist keine „Krankheit“, sondern eine Einstellung dem Leben gegenüber.

    PS: Und was würden Sie gerne noch lernen, lernen …?

  10. toller artikel – vielen dank!
    die antwort auf die die frage was ich mit 5 mio. machen würde, ist sehr einfach:
    weiterhin malen, lesen, reisen, lernen und lernen und lernen.

    meine oma sagte immer:
    „wissen ist der einzige schatz, den dir niemand wegnehmen kann!“

    ich bin heute 57 und meine neugierde ist ungebrochen – vielleicht ist das eine „künstlerkrankheit“.
    die welt ist dafür da, dass sie entdeckt wird; eine expedition, die ein ganzes menschenleben lang andauern kann.

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