Gehören Sie nach New York? Machen Sie den Test.

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Allgemein

faceyourfearOder in welcher Stadt würden Sie gerne leben?

Mit obiger Überschrift beginnt ein Blogbeitrag von Penelope Trunk über Vor- und Nachteile der begehrten Metropole. Denn nach „Time Out New York“ wollen 80% der Jugendlichen später in ihrem Leben mal in dieser Stadt leben.

Trunk, die selbst sieben Jahre in New York lebte, verhehlt nicht die große Anziehungskraft des Big Apple. Aber sie stellt auch die Nachteile gegenüber. Um herauszufinden ob Sie auch nach New York passen, können Sie sich drei entscheidende Fragen stellen:

1. Sind Sie ein Optimierer?

Das sind Menschen, die immer noch nach etwas Besserem streben. Haben Sie ein sehr gutes Restaurant gefunden, suchen Sie eines, das noch besser sein könnte. Der coolste Club, die aufregendste Show … als Optimierer sind Sie stets auf einer rastlosen Suche nach dem Besseren des Guten. Und in New York gibt es dazu ständig neue Angebote und Versuchungen.

Nicht-Optimierer dagegen können mit dem zufrieden sein, was sie haben. Es quält sie nicht der Gedanke, dass da draußen noch etwas wartet, was vielleicht noch besser, toller oder aufregender wäre.

Keine Frage, dass die Suche nach dem Besseren Geld kostet. Und Penelope Trunk macht klar, dass jeder weiß, dass NYC teuer ist. Wie fürchterlich kostenfressend es aber tatsächlich ist, merke man erst, wenn man wirklich dort lebt.

Ein Beispiel sind die absurd hohen Mieten für ein Zimmerchen, das man hierzulande kaum einem HartzIV-Empfänger zumuten würde. Eine Folge davon ist, dass viele, die in New York arbeiten außerhalb der Stadt leben. Das kostet natürlich Zeit und New York hat im Durchschnitt die längsten Pendlerzeiten in den USA (ca. 38 Minuten pro Tag im Durchschnitt). Das klingt vielleicht wenig, summiert sich aber auf eine ganze Woche Lebenszeit pro Jahr.

2. Wollen Sie auf Ihrem Gebiet zur Spitze gehören (oder so jemanden heiraten?)

Dann ist NYCmann das richtige Pflaster für Sie, denn dort ist das Klima sehr, sehr konkurrenzorientiert. Ich war in einer Vorstellung der West Side Story mit ausgezeichneten Musikern und Darstellern und stellte mir vor, wie gut man sein muss, um in dieses Team aufgenommen zu werden.

So New York ist ein starker Magnet für alle, die auf Ihrem Gebiet an die Spitze wollen. Das gilt offensichtlich auf für die Partnerwahl in Manhattan. Denn das Optimierungsprinzip lässt sich auch auf die Beziehung anwenden. Aber die Konkurrenz ist dementsprechend groß.

3. Was ist Ihnen wichtiger: ein interessantes Leben oder ein glückliches?

Glückliche Leute zeichnen sich dadurch aus, dass Sie lieber auf das schauen, was Sie haben – und nicht auf das, was sie (noch) nicht haben. Aber zufriedene Leute erfinden auch selten Dinge, um die Welt zu verändern. Sie finden die Welt eben so in Ordnung wie sie ist.

Deshalb – nach Trunks Meinung – wählten 95% der New Yorker bei der letzten Präsidentenwahl demokratisch. Aber Republikaner – also Konservative – sind meistens zufriedener mit ihrem Leben als Demokraten. Aber die meisten New Yorker sind Optimierer und die sind eben nie zufrieden mit dem, was sie haben.

Testauswertung: Wenn Sie zwei der drei Fragen bejahen, könnte NYC eine gute Wahl für Sie sein.

Meine Meinung:
Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich auch davon träumte,  in NYC zu leben. Eine Praxis mitten in Manhattan mit gestressten, gut zahlenden Klienten. Doch nachdem in etlichen Therapien meinen eigenen Narzissmus einigermaßen bearbeitet habe, ist der Wunsch deutlich zurückgegangen.

Two cheeseburger with everthing - Claes Oldenburg

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Aber anfällig bin ich doch noch. (Hätte ich sonst drei Blogs und vier Websites?) Und was flüsterte mir mein innerer Kritiker zu, als der Guide bei der Stadtführung erwähnte, dass dieses Gebäude Donald Trump im Alter von 28 Jahren gebaut hatte? „Was hast du eigentlich mit 28 Jahren gemacht?“ Ich dachte kurz nach und erwiderte: „Mein Abitur nachgeholt.“ Doch mein Kritiker, der gut nach NYC gehören würde, meinte wenig überzeugend: „Wow! Bin schwer beeindruckt.“

Was mir an New York City gut gefiel:

  • Das Taxi-System
    Zu jeder Tages- und Nachtzeit für vergleichweise wenig Geld überall hinzukommen anstatt sich hier mit dem öffentlichen Nahverkehr herumzuärgern.
  • Die Freundlichkeit der Menschen
    Okay, der tiefsinnige Deutsche mäkelt ja gern, dass dieses „Nice to meet you“ nur eine Floskel sei. Aber ob im Aufzug, im Taxi oder im Restaurant, ich fand es einfach nett, wahrgenommen zu werden. Gerade in einer Großstadt verändert es einfach das Klima, freundlich behandelt zu werden. Und lieber ist mir eine oberflächliche Freundlichkeit als die hierzulande häufige authentische Muffeligkeit.
  • Die Delis
    Unkompliziert sich mit schmackhaftem Essen zu jeder Zeit versorgen zu können, fand ich auch als Tourist sehr zeit- und kostensparend.




Es kommt eben im Leben darauf an, was einem wirklich wichtig ist.
Einmal war mir Heidelberg zu klein und ich überlegte, in eine Großstadt umzuziehen. Doch nach einer Woche Hamburg wurde mir klar, dass ich doch kein Großstadtmensch bin. Die Nachteile (Lärm, Hektik, Kriminialität, lange Wege etc.) wogen für mich nicht die Vorteile (Museen, Theater, Einkaufsmöglichkeiten etc.) auf.

Insofern hat Heidelberg alles, was mir wichtig ist an einer Stadt. Schönes Stadtbild, Berge und Natur in Fußweite, überschaubare Einkaufsmöglichkeiten, meist warmes Wetter, gute Verkehrsanbindung, durch die Universität hohes Niveau der Bevölkerung, kaum Kriminalität.

Hier eine kleine Umfrage:

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Fotos: alle aus NYC, privat

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

5 Kommentare

  1. Die Unterscheidungen in den Fragen sind mir zu extrem. Ich meine außerdem, dass sich „glücklich“ und „interessant“ nicht ausschließen, sondern (allerdings je nach Menschenschlag) sogar bedingen. Wer ein abwechslungsreiches Leben liebt, wird mit Sicherheit nicht in Sicherheit glücklich.

    Gelungener finde ich Ihre Erklärung, warum Sie gerne in Heidelberg leben. Das kann ich gut nachvollziehen und finde auch einige der Kriterien bei mir wieder: Eine Universitätsstadt sollte es sein (wichtig für kulturelle Nachfrage und damit Angebot; regelmäßig Zufluss von „frischem Blut“ in die Stadt, was notwendig für Pluralität ist) – oder ein kleiner Ort in unmittelbarem Einzugsgebiet. Eine mittlere deutsche Großstadt hat einerseits verhältnismäßig wenig Kriminalität und keine Ghettos, andererseits noch genügend Einkaufs- und Vergnügungsmöglichkeiten, wenn es nicht völlig elitär sein muss (teuerste Kleidung, angesagteste Clubs usw.). Kleinere Städte müssen sich außerdem eher um gute Verkehrsanbindung bemühen, um einerseits die umlegenden Gebiete einzubinden (Wohnorte von Werktätigen; Kaufkraft der dort lebenden Bürger) und andererseits die geringere direkte Strahlkraft im Vergleich zu den ganz großen Städten (Berlin, Hamburg, München, Köln, Landeshauptstädte) auszugleichen. Im Zweifelsfall kann man recht schnell noch raus aus der Stadt und die Natur genießen.

  2. Hallo Andrea,
    so ging es mir gestern auch, als ich mit dem Fahrrad durch die Gärten in meine Praxis fuhr. Dagegen kann der Hype von NYC einfach nicht mithalten.

    Danke für Ihren Kommentar.

  3. Andrea Lechner-Jaud sagt

    Immer wenn ich nach Hause fahre und ich sehe die grünen Hügel und die Felder, denke ich: YES! Nirgend wo anders möchte ich leben. Also Stadt, – niemals!

  4. Tim A. Bohlen sagt

    Auch wenn – oder gerade deswegen – mein Kommentar nun eher träumerisch wirkt: Zu Hause ist für mich dort, wo die Menschen sind, die mir wichtig sind. Da aber nicht immer Menschen da sind, schadet es natürlich auch nicht, wenn das restliche Umfeld zu einem passt. 🙂 Wegzugehen, um wieder zu kommen erlebe ich bei mir und vielen Menschen in meinem Umfeld immer häufiger. Je mehr ich auf (Dienst)-Reisen bin, desto mehr fühle ich mich dort wohl, wo meine Wohnung ist. Wenn man sieht, wie man woanders (nicht) schön wohnt, kann das einen wohl dosierten Stoß in Richtung all der Dinge bekommen, die einem vielleicht vorher nicht aufgefallen waren.

  5. Bettina Geyer sagt

    Heute morgen war ich noch der Meinung, NYC … da würde ich in jedem Fall hinziehen. Zum Nachdenken angeregt muss ich sagen, ich bin einfach viel zu glücklich und zufrieden so wie es ist. Ich habe auch mal für 1 Jahr in Hamburg gelebt und wollte Großstadtluft schnuppern … man merkt doch erst wie viel Gutes vor einem liegt, wenn man es nicht mehr ganz so dicht „vor der Nase“ sitzen hat.

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