Wie man sein Ego schützt, das Gesicht verliert und die Abfindung rettet.

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Mehdorn, Zumwinkel & Co. Warum fällt es manchen Managern schwer, Fehler zuzugeben?

Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Das ist nicht schön, zuweilen auch teuer aber es ist menschlich. Eine angemessene Reaktion auf Fehler ist, den Fehler zu bemerken, ihn zuzugeben und sich dafür zu entschuldigen. So einfach ist das.

Dass derlei nicht selbstverständlich ist, zeigt der Vorfall, dass US-Präsident Obama bei der Auswahl seines Personals daneben griff. Das kommt vor. Seine Reaktion war simpel: „Sorry, wir haben Mist gebaut!“

Das war insofern bemerkenswert, als man derlei klare Schuldeingeständnisse von Politikern oder Unternehmensvorständen selten hört. Wir bekommen eher ein  „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort“ oder ein kurzes „Basta!“ vorgesetzt. Oder man serviert uns wortreiche und diplomatisch klingende Erklärungen, die  von einer „menschlichen Enttäuschung“ oder „Abstimmungsproblemen“ faseln.

Was sind die gängigsten Ausreden von Führungskräften?

Aus aktuellem Anlass hier aus meinem unveröffentlichten Manuskript eines Handbuchs für Führungskräfte mit dem Titel „Wie Sie Ihr Ego schützen und die Abfindung retten“ einige Hinweise, wie man sich aus Fehlern herausreden kann:

  • Strategie: „Totalverleugnung“aberraschung
    „Da ist nichts.“
    „Wenn da was wäre, wüsste ich es.“
  • Strategie „Mein Name ist Hase“
    „Davon weiß ich nichts.“
    „Das höre ich zum ersten Mal.“
    „Das kann ich mir nicht vorstellen.“
  • Strategie: „Pontius Pilatus“
    „Dafür war ich nicht zuständig.“
    „Ich kann doch nicht hinter jedem meiner Mitarbeiter Wache stehen.“
    „Alle Berater haben mir zugesichert …“
  • Strategie: „Mildernde Umstände“

    „Also gut, das war nicht in Ordnung,
    … aber dafür habe ich den Gewinn gesteigert.
    … Arbeitsplätze gesichert.

  • Strategie: „Bin kein Hellseher“
    „Das konnte niemand ahnen.“
    „Diese Entwicklung kam völlig überraschend.“
    „Niemand hätte gedacht …“
  • Strategie „Reines Gewissen“
    „Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“
    „Ich würde alles wieder genauso machen.“
    „Ich schlafe gut.“
  • Strategie „Ja, aber“
    „Dafür bin ich verantwortlich, aber das ist strafrechtlich nicht relevant.“
    „Ja, das habe ich getan, aber es ist  längst verjährt.“
  • Strategie „Blicke nicht zurück“
    „Es hilft jetzt nichts, über angebliche Fehler in der Vergangenheit zu sprechen. Wir müssen nach vorne schauen und die anstehenden Probleme lösen.“
  • Strategie „Verschwörungstheorie“
    „Das Ganze ist doch nur eine Kampagne
    – der Medien,
    – der Gewerkschaft,
    – gewisser Kreise“
  • Strategie „Papst“
    „Wenn ich Fehler machen würde, würde ich sie ja zugeben. Aber ich mache keine Fehler.“
  • Strategie „Recht muss Recht bleiben.“
    „Okay, ich habe das Unternehmen ruiniert aber diese Abfindung steht mir vertraglich zu.“
    „Natürlich werde ich um meinen Bonus kämpfen. Wir leben immerhin in einem Rechtsstaat.“
  • Strategie „Nicht mein Tisch“
    „Für einen Rücktritt stehe ich nicht zur Verfügung.“
  • Strategie: „Lebenslanges lernen“
    „“Was geht mich mein Geschwätz von gestern an – es kann mich doch niemand daran hindern, mit jedem Tag klüger zu werden?!“
  • Strategie „Guter Mensch“
    „Ich trete zwar zurück. Das ist aber kein Schuldeingeständnis. Vielmehr will ich das Unternehmen vor weiteren negativen Schlagzeilen schützen.“

Warum greifen Menschen zu solchen Ausreden?

An der Reaktion der Empfänger müssten sie ja merken, dass derlei Ausflüchte selten geglaubt werden, sondern den Unmut oder die Wut in der Öffentlichkeit eher noch vergrößern.ich-will-aufwarts-photocase135581883_small

Ich glaube, dass solche Ausreden vor allem Menschen benutzen, bei denen das Ego größer ist als das Ich, bzw. die vor allem mit ihrem Ego identifiziert sind. Wie ist das zu verstehen?

Das Egokann man sich als die aufgeblasene Form des Ich’s vorstellen. Daran ist nichts Schlechtes. Ein großes Ego zu haben, fühlt sich großartig an. Es macht einem nur dann Probleme, wenn das Ego nicht durch dass Ich nach einer Weile wieder relativiert wird.

Ein Fußballspieler, der das Siegtor in der vorletzten Minute schließt, bekommt dadurch einen enormen Schub für sein Ego. Er läuft siegestrunken in die Fankurve und lässt sich feiern. Völlig in Ordnung. Schwierig wird es nur, wenn dieser Siegestaumel drei Tage dauert und er immer noch von allen Leuten für sein Tor gefeiert werden will.

Dann ist es hilfreich, wenn das Ich des Fußballers ihn nach einer Weile wieder auf den Boden holt: „Nun komm mal wieder runter. Du hast einen Ball zwischen zwei Pfosten geschlossen. Das ist Dein Job. So wie Millionen Menschen auf der Welt ihren Job verrichten. Und gut ist.“

Die heilsame Folge dieser innerpsychischen Selbstregulation durch das eigene Ich besteht darin, dass der betreffende Mensch erkennt, dass er nichts Besonderes ist. Eben ein normaler Mensch. Nicht mehr und nicht weniger.

Wer seine Identität jedoch vor allem aus dem Ego bezieht, verliert diese wichtige Bodenhaftung. Er denkt leicht, dass er tatsächlich ein besonderer Mensch sei und erwartet auch von anderen, dass die ihn so behandeln. Doch oft wissen andere Menschen nicht, dass sie mit einem besonderen Menschen zu tun haben.

Das sind dann Situationen, wo jemand die herumrennende Kellnerin lautstark beschimpft, warum er nach fünf Minuten immer noch nicht bedient wurde. Oder der drängelnde und blinkende Autofahrer auf der Überholspur nicht einsehen kann, dass er mit seiner Kfz-Steuer die Autobahn nicht gekauft hat. Oder der Chef ausrastet, wenn ein Besucher versehentlich seinen Wagen auf dessen markierten Parkplatz abgestellt hat.

Eine beruflich gehobene Position ist verführerisch für das Ego. Doch was leicht übersehen wird: der Respekt oder die Bewunderung gelten meist nur der Rolle, selten der Person, die diese Rolle ausfüllt.

Sind Sie auch narzisstisch?

Psychologisch gesehen sind besonders Menschen mit narzisstischen Anteilen gefährdet für Selbstüberschätzung. Narzissten sind ständig auf der Suche nach Anerkennung und Bewunderung und haben deshalb eine enorme Angst vor Erniedrigung und Kränkung.

Deswegen fällt es ihnen so schwer, Fehler einzugestehen. Fehler, für die andere vielleicht ein gewisses Verständnis hätten. Für den Narzissten und sein makelloses Selbstbild ist ein Fehler aber keine Sache, die eben mal jedem passiert. Da er zum Schwarz-Weiß-Denken tendiert, ist ein Fehler für ihn sogleich ein Beweis für sein totales Versagen. Deshalb müssen so veranlagte Menschen jede Kritik rigoros abwehren.

Wenn Sie wissen wollen, ob Sie auch narzisstische Züge haben – und damit bestens geeignet für eine Karriere in höchste Positionen – machen Sie hier den Test.

Also, haben Sie Verständnis für die Zumwinkels, Mehdorns und Bush’s dieser Welt. Sie können nicht anders. Ihr Ego ist größer als das Ich – und sie wissen es nicht. Und freuen Sie sich, dass es bei Ihnen – hoffentlich – anders ist.

kommentar Wie schwer fällt es Ihnen, Fehler zuzugeben?
Welche anderen Ausreden von Managern kennen Sie?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

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