Wie kann man anderen helfen?

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Methoden

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Beim Helfen zählen zwei Dinge: der Auftrag und die Einstellung.

Als Therapeut, Seminarleiter und Coach geht es ja im weitesten darum, anderen Menschen zu helfen. Die gängige Meinung über Psychologen ist ja oft:

„Die haben selber einen an der Waffel. Deswegen ergreifen die den Beruf. ein normaler Mensch hört sich doch nicht den ganzen Tag die Probleme anderer Menschen an.“

Etwas differenzierter sagte es mal vor vielen Jahren einer meiner Lehrer: „You teach what you have to learn.“

Doch wie hilft man nun anderen Menschen?

In der Situation ist ja jeder immer wieder. Als Führungskraft, als Partner, als Vater oder Mutter oder als Freund.

  • Doch was ist die richtige Herangehensweise?
  • Welche Einstellung sollte man dabei haben?
  • Sollte man von seiner eigenen Erfahrung ausgehen oder sich ganz auf das Erleben des anderen eingehen?
  • Helfen Ratschläge und Tipps?

Lesen Sie, was ein kluger Mann dazu sagte:

Wenn wir beabsichtigen einen Menschen
zu einer bestimmten Stelle hinzuführen,
müssen wir uns zunächst bemühen,
ihn dort anzutreffen,
wo er sich befindet und dort anfangen.
Jeder, der dies nicht kann, unterliegt einer Selbsttäuschung,
wenn er meint, anderen helfen zu können.

Wenn ich wirklich einem anderen helfen will,
muss ich mehr verstehen als er,
aber zu allererst muss ich begreifen,
was er verstanden hat.

Falls mir dies nicht gelingt,
wird mein Mehr-Verständnis für ihn keine Hilfe sein.
Würde ich trotzdem mein Mehr-Verständnis durchsetzen,
dürfte dieses wohl in meiner Eitelkeit begründet sein.
Ich möchte meine Unterstützung durch seine Bewunderung ersetzen.

Aber jede wahre Kunst der Hilfe muss mit einer Erniedrigung anfangen.
Der Helfer muss zuerst knien vor dem,
dem er helfen möchte.
Er muss begreifen, dass zu helfen nicht zu herrschen ist,
sondern zu dienen;
dass Helfen nicht eine Macht,
sondern eine Geduldausübung ist.

Der Text stammt von Sören Kierkegaard 1859.
Eine einfache Mitteilung. Die Schriften über sich selbst

Vielen Dank für den Hinweis zu diesem Text an Simone Betka

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Foto: fotolia.com

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

11 Kommentare

  1. Ich schlage immer vor, das man sich freiwillig melden sollen! Es gibt so viele Gelegenheiten bei anderen Menschen zu dienen. Wenn man sich bei einer Wohltätigkeitseinrichtung, es dient als einen guten Anfang.

  2. Donralfo sagt

    Der Artikel gefällt mir auch sehr gut. Gerade wenn jemand in einem „helfenden Beruf“ tätig ist, ist diese Art Weisheit unendlich wichtig. Die „Macht-Falle“ kann sehr viel Schaden anrichten und das Prinzip des geduldigen Dienens viel an Heilung bringen!

  3. Hallo Soheila,
    nach Lesart des Konstruktivismus sehen wir alle die Welt durch unsere „Landkarten“, also Werte, Meinungen, Einstellungen, Gewohnheiten, die wir aber nicht als Landkarte, sondern als Realität erleben. Oft ist das nützlich, aber mitunter sind wir eben durch diese Landkarten blind für das, was auch noch da ist. bzw. was wir „falsch“ machen.
    Wer beim Tennis immer wieder den Aufschlag ins Netz haut, hat nur theoretisch die Ressource, ihn auch drüber zu schlagen. Seine mentale und körperliche Gewohnheits-Landkarte hindert ihn aber daran. Der Helfer von außen (ein Coach, eine Tenniskollege) beobachtet ihn beim Aufschlag und sieht das „falsche“ Verhalten (z.B. schlechte Fußstellung, falsche Schlägerhaltung). Dies ist dem Tennisspieler aber unbewusst. Erst die Information von außen hilft ihm. Da sie ihm aber unbewusst war, konnte er an diese Ressource nicht ran.
    Die Haltung des Coaches darf aber jetzt nicht sein, ihm einfach die „richtige“ Aufschlagtechnik zu zeigen. Sondern – wie in dem Gedicht von Kierkegaard, er muss erst einmal beobachten und verstehen, wie der Spieler seine Bälle ins Netz schlägt. Dann kann er korrigierend helfen. Er ist insofern kein Besserwisser, sondern mehr ein „Außenwisser“. Aber es entsteht dadurch kein Gefälle in der Beziehung.

    Danke für Ihren Kommentar und Ihre klugen Fragen.

  4. Soheila sagt

    Hallo,
    ich vertrete eine andere Meinung. Jeder, der ein Problem hat, weiß auch die Lösung. Er ist selber Experte der Lösung seines Problems. Ich helfe ihm nur, zurück zu seinen Ressourcen zu finden. Weil die Beschäftigung mit dem Problem engt die Sicht ein. Ich bin als Helfer da, um ihn aus Problemtrace rauszubegleiten, den Rest erledigt er selbst von sich alleine:-)))
    Ich habe schon von Ihnen über Kostruktivismus gelesen. Jeder erschafft seine Welt selbst (seine Landkarte). Wie könnte dann sein, dass der Helfer besser und mehr als der Problemträger wissen und verstehen muss??? Die Wirklichkeit (Landkarte) des Helfers unterscheidet sich von der Wirklichkeit des Helfers. Ich verstehe diesen Artikel so, als ob der Helfer der Besserwisser ist und nach unten schaut.

  5. Hallo Frau Ast,
    wenn man berufsmäßig anderen hilft, hat man natürlich hoffentlich etliches Wissen über Ausbildung und Erfahrung gesammelt. Das kann einen leicht dazu verführen, zu glauben, man wüsste viel über den anderen. Das stimmt ja auch ein Stück, nur darf es einen nicht dazu verleiten, dem anderen seine „Lösung“ aufzudrängen. Diese Balance zwischen dem Wissen und dem Nichtwissen auszuhalten ist wahnsinnig schwer. Ich habe auch erst in den letzten Jahren in meiner Beratungsarbeit damit zu einer entspannten Haltung gefunden.

    Ihr Zitat ist sehr schön. Es illustriert sehr schön das häufige Problem „Hilfe ohne Auftrag“.

    Danke für Ihren Kommentar.

  6. Pingback: Leichtigkeit lernen

  7. Genau meine Haltung! Wunderbar zusammengefasst! Und schön, dass Sie es in Ihrer Eigenschaft als Coach/Psychologe in die Öffentlichkeit geben.

    Grad habe ich mich aus diversen Internet-Austauschportalen verabschiedet, da sich da sogenannte Coaches gegenseitig noch beweihräuchern in einer Haltung, die eher lautet: Ich= Coach bin irgendwie DOCH der Experte für Dein= der Kunden/Kundinnen Leben.
    Da könnte ich, sorry, aus dem Stand Schreikrämpfe kriegen, weil ich mit ’solchen Menschenberatern‘ nicht in einen Topf geworfen werden möchte – auch oder gerade, wenn sie die gleiche Berufsbezeichnung haben.

    ——–
    Ich möchte noch einen Satz aus meiner Ausbildungszeit zur Trauerbegleitein beisteuern, den ich sehr liebe und häufig weitergebe, macht er doch so anschaulich klar, welche Haltung beim Helfen NICHT hilfreich ist. Ist m.E. von Peseschkian:

    „Ich werde dich vor dem Ertrinken retten“, sagte der Vogel – und hob den Fisch sanft in den Baum.

    Einen schönen Sonntag.
    Maria Ast

  8. hallo roland. warscheinlich machen wir alle die selben erfahrungen. ich wurde privat „psychologisch“ erdrückt, erschlagen, erniedrigt von worten, weil ich in eine bestimmte richtung gehen sollte und wurde auch noch in eine andere richtung gestellt. ich war sprachlos und machtlos. ich war nicht mehr ich selber. ungeduld, unverständnis und mehr brachten die katastrophe. zusammenbruch, und dann ausbruch, wie ein vulkan. ich habe das gefühl, alle schmerzen, anschuldigungen, vorwürfe waren nur eine eigene reflexion meines gegenübers.

  9. Ganz phantastisch. Paßt genau zu meinem (ehemaligen) Therapeuten. Und erklärt, warum manche Menschen meinen sie könnten einem helfen, was Gutes tun, und man das gar nicht von ihnen möchte. Weil man sich dabei erdrückt fühlt.

    Wäre es okay, wenn ich diesen Text von Sören Kierkegaard auch auf meinen Blog übernehme???

    LG seelenworte

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