Leben Sie einen Tag ohne Kontrolle.

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1 / Achtsamkeit

Ein Experiment aus der Reihe "Achtsam leben"

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Mein neuer eMail-Kurs „Achtsamkeit im Alltag“ läuft hervorragend. Kaum drei Wochen auf dem Markt, haben ihn schon über 280 Leser abonniert.

Auch das Forum, das ich extra dafür eingerichtet habe, entwickelt sich erfreulich. Leser berichten darin über ihre Erfahrungen mit den einzelnen Lektionen, stellen Fragen, diskutieren miteinander.

Wenn Sie auch daran interessiert sind, hier können Sie die Probelektion kostenlos herunterladen.

So richtig erklären kann ich mir das enorme Interesse nicht. Ist es der geringere Preis gegenüber meinen anderen eMail-Kursen. Ist es das Thema „Achtsamkeit“, das ja immer mehr an Verbreitung gewinnt? Oder die Kombination aus beidem? Ich weiß es nicht.

Mein eMail-Kurs lehrt ja keine neue Entspannungsmethode, sondern bringt Experimente, wie Sie Achtsamkeit im Alltag ganz praktisch leben können.

Deshalb möchte ich einen Artikel neu auflegen, den ich vor über einem Jahr hier im Blog veröffentlichte.

 

Es ist erstaunlich, wie oft wir daran glauben, dass wir über etwas die Kontrolle haben und wir sie in Wahrheit nicht haben.

Vielleicht können Sie die Temperatur in Ihrer Wohnung kontrollieren. Jedenfalls solange das Thermostat funktioniert und der Strom nicht ausfällt.

Kontrolle ist eine Illusion.

Wir machen dauernd Pläne, die nie so ausgehen, wie wir uns das vorgestellt haben. Egal ob Sie einen Wochenendausflug planen, eine größere Reise buchen oder ein Haus bauen. „Wenn Du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von Deinen Plänen,“ lautet ein bekannter Spruch.

Wir sind dazu erzogen worden, uns Ziele zu setzen, Pläne zu machen, wie wir diese Ziele erreichen … und wie oft verfehlen wir unsere Ziele. Oder wir erreichen sie aber sie geben uns nicht mehr das, was wir uns von ihnen erhofften? Wie oft versuchen wir, etwas in der Zukunft zu kontrollieren und können dennoch nicht voraussagen, wie es kommt?

Hätten Sie vor zwei Jahren auch nur annähernd etwas voraussagen können, was mittlerweile eingetreten ist? Der Sturz von Diktatoren im Nahen Osten, die europäische Schuldenkrise, Fukushima.

Natürlich nicht. Niemand konnte das. Wir wissen nicht, was in der Zukunft geschieht und können es folglich auch nicht kontrollieren. Das gilt auch für unser eigenes Leben. Beruflich wie privat.

Denken Sie einen Moment nach, was in den letzten Jahren sich in Ihrem Leben alles ereignet hat.

Positive Überraschungen wie auch unangenehme Ereignisse. Wir mögen den Gedanken, dass wir etwas kontrollieren können, aber es klappt nicht.

Aber wir glauben trotzdem weiter an die Illusion von Kontrolle. In einer chaotischen und komplexen Welt scheint uns dieser Glaube Sicherheit zu vermitteln. So wie die fünf Wirtschaftsweisen zweimal im Jahr ihre Konjunkturprognose abgeben – und jedes Mal falsch liegen.

Konkret sehen diese Kontrollversuche so aus:

  • Wir versuchen zu beeinflussen, was aus unseren Kindern wird als könnten wir sie wie Tonfiguren formen, als wären menschliche Wesen nicht unendlich komplex und nicht vorhersehbar, was aus ihnen wird. Nehmen Sie Ihr eigenes Leben als anschauliches Beispiel.
  • Wir beobachten jede kleine Sache. Wie schnell wir joggen, was wir essen, wie viele Besucher auf unserer Website landen, wie viel wir wiegen, wo es die neuesten Sparangebote gibt. Als ob diese zahlreichen Kontrollversuche uns helfen würden, gesünder oder länger zu leben, besser mit unserem Geld auszukommen.
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    Wenn Du eine Kuh kontrollieren willst, gib ihr eine große Weide.

  • Wir versuchen, unsere Kunden, Kollegen oder Mitarbeiter zu kontrollieren. Komplexe menschliche Wesen mit unterschiedlichsten Wünschen, Motiven und Gewohnheiten, die wir nicht durchschauen.
  • Fast zwanghaft planen wir Projekte, Unternehmungen, Tage, Feste als ob wir den Ausgang dieser Aktivitäten kontrollieren könnten.

Angenommen, wir würden diese Illusion loslassen, was bliebe uns dann? Wie könnten wir mit diesem Chaos leben?

Nehmen wir uns ein Beispiel an einem Fisch. Ein Fisch schwimmt im chaotischen Meer, das er nicht kontrollieren kann – so wie es uns auch geht. Im Unterschied zu uns hat der Fisch nicht die Illusion, dass er das Meer kontrollieren könne – und auch nicht die anderen Fische.

Er versucht es noch nicht einmal. Was zur Folge hat, dass er einfach schwimmt, entweder mit der Welle oder er lässt sich einfach von der Strömung tragen. Er sucht sich seine Nahrung, meidet Gefahren und pflanzt sich fort. Aber er versucht nicht, etwas zu kontrollieren.

Wir sind auch nicht besser als der Fisch, nur unser Denken schafft die Notwendigkeit, dass wir etwas kontrollieren müssten.

Befreien Sie sich immer wieder von dieser Illusion. Probieren Sie aus, wie ein Fisch zu sein. Wenn Sie mal wieder mitten im Chaos sind, lassen Sie Ihren Wunsch nach Kontrolle los – und schwimmen Sie mit der „Strömung“. Fließen Sie mit dem, was sich ergibt.

Wie kann man so ein Leben führen. Es ist vermutlich eine ganz andere Lebensweise, wenn Sie die Illusion des Kontrollierens aufgeben.

Probieren Sie es aus für einen Tag.

  • Setzen Sie sich keine Ziele, sondern gehen Sie dem nach, was Sie anzieht.
  • Planen Sie nichts, tun Sie es einfach.
  • Denken Sie nicht an die Zukunft und leben Sie von Moment zu Moment.
  • Hören Sie auf, andere zu kontrollieren und seien Sie einfach freundlich und liebevoll zu ihnen.
  • Vertrauen Sie Ihren Werten anstatt bestimmte Ergebnisse erzielen zu wollen.
  • Machen Sie bewusst jeden Schritt, von Moment zu Moment anstatt 1000 Schritte im voraus zu planen, um irgendwo anzukommen.
  • Lernen Sie, die Welt zu akzeptieren wie sie ist, anstatt sie zu verurteilen, verärgert, gestresst oder frustriert davon zu sein – oder sie verändern zu wollen, wie Sie glauben, dass sie sein sollte.
  • Erwarten Sie nichts und Sie sind nicht enttäuscht. Akzeptieren Sie einfach, was geschieht.

All das mag Ihnen wie eine faule, passive Lebensweise vorkommen.

Und ja, es ist der vollkommene Gegensatz zu unserer aggressiven, produktiven, zielorientierten Lebensweise, die unsere Kultur prägt.

Es geht mir nicht um die Verbesserung der Welt. Wichtiger ist mir zu zeigen, woher eine Menge Unzufriedenheit und Frustration in Ihrem Leben kommt. Und wie Sie sich davon befreien können.

Mein Fazit:

Natürlich gibt es Dinge, bei denen es sinnvoll ist, sie zu kontrollieren. Ihren Blutdruck. Ihren Kontostand. Die Hausaufgaben Ihres Kindes. Darüber müssen wir nicht diskutieren.

Es geht um Dinge, die Sie nicht kontrollieren können. Ihren Partner. Ihre Gesundheit. Ihren Weg ins Büro. Ihren beruflichen Erfolg. Die Vorlieben Ihrer Kunden. Und viele anderen kleinen und größeren Dinge.

Also, warum lassen Sie es nicht sein? Und tun einfach das, was Sie tun möchten – ohne auf das Ergebnis zu schielen.

 

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Nur für einen Tag?

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Dieser Beitrag basiert auf einem Kapitel
aus diesem Buch von Leo Babauta,
das ich ergänzt habe.
Foto:Source: pinterest.com via Plaidpoppy on Pinterest

 

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

11 Kommentare

  1. Klaus sagt

    Hallo
    das Leben läst sich nicht kontrollieren, in keinster Art und Weisse.Jede Art von Kontrolle ist nur ein Sicherheitsaspekt unseres Verstandes um Überleben zu können, meint er ! Auch Achtsamkeit ist eine Kontrolle. Das Leben geschieht im Jetzt. Probiert mal im jetzt was zu kontrollieren. Geht nicht. Der Verstand kann nur in der Zeit existieren, deswegen will er kontrollieren. Alles nur Illusion. Wir können nichts, aber auch gar nichts kontrollieren und haben deswegen auch keinen freien Willen, auch nicht nur ein bischen.
    Faszinierend

  2. Es ist in erster Linie, die Bewusstheit, die einem hilft, das zu unterscheiden. Und Achtsamkeit oder Meditation sind gute Werkzeuge, um diese Bewusstheit zu fördern.

  3. elmaxo sagt

    und die Meditation ist das Werkzeug um herauszufinden was man im Leben kontrollieren muss und was man einfach loslassen muss?

  4. Lieber Kopp-Wichmann,
    ein wunderbarer Beitrag, auf den Punkt. Weil ich doch früher ein Kontrollfreak war, ist das eigentliche Leben mit Überraschungen, und den liebenswerten Momenten auf der Strecke geblieben.
    Ich lasse immer mehr los, bin dankbar und demütig – seitdem ist das Leben so einfach – und schön!

    Danke, dass sich mich mit meiner neuen Stärke und alten Schwäche zum Schmunzeln gebracht haben 🙂

  5. Karl sagt

    Guten Tag allerseits,
    da gibt es die bekannte ARTE/WDR-Doku auf Youtube, – irgendwie muss man da „nur noch“ die Teile alle hintereinander bekommen:

    http://www.youtube.com/watch?v=ijhgaIj81Rs

    Ein ganz zentrales Thema, ganz bestimmt eines der wichtigsten. Einfache Techniken, welche das Unterbewusstsein und/oder noch weiter gehend, die Implizite Ordnung (David Bohm) in den Alltag, in die Persönlichkeitsentwicklung im Besonderen, einbeziehen/aktivieren/nutzen, sind tatsächlich um ein zigfaches effektiver und tatsächlich absolut zuverlässiger, als rein rationale Prozesse. Die Aufmerksamkeit nicht ausschließlich nach außen richten. Darauf achten, womit man sich überhaupt alles beschäftigt. Zu sich selbst kommen. Schweigen. Ganz wirksam sind diese Techniken bei
    – Chronischer Ungeduld
    – Ständigem ermüdenden Aktivismus
    – Widersprechen aus Gewohnheit
    – Durchgängiger Unsicherheit trotz regem Bemühen
    – Problemsucht und Festhalten an Ängsten
    – Kontrollsucht, was meist auch nur Ängste sind
    also, wenn sich immer alles im Kreis dreht und dadurch wiederholt.
    Zu diesem Riesenthema gibt es unendlich viel Literatur, begonnen mit Joseph Murphys „Macht des Unterbewusstseins“ und in der Spitze mit Charles Haniels „Master-Key-System“.
    Auf Langstreckenflügen habe ich immer neue verschlungen. Sie sagen alle das Gleiche: Das Unterbewusstsein ist der Elefant, Dein Bewusstsein ist die Mücke auf seinem Rücken. Rate mal, wer die Richtung bestimmt.
    Tatsächlich stimmt das auch. Um das zu fassen brauchen wir natürlich nicht noch weitere Bücher, die das auch erklärten. Wir brauchen Alltagserfahrungen, was der obige Artikel ja mit bewirken will.
    Tatsächlich brauchen wir Präzisionstechniken. Wir sind insgesamt (auch) ein Resonanzsystem.
    Hier eine Spitzentechnik von uns, die wir Anwendern dann geben, wenn sie bereits zu sich selbst gefunden haben (dadurch echt ansprechbar sind auf diese kontroversen Techniken – das sind sie nämlich, kontrovers und genau entgegengesetzt dem Allgemeinen…
    So geht´s:
    Jeden Tag ein Blatt, eine Seite.
    Vier Felder: Feld 1 heißt „morgens Danke“ und wird immer nach dem Erwachen mit fünf Punkten beschrieben für die ich dankbar bin (z.B. ich bin hier, gut geschlafen, Kaffee, Dusche, das Dach über dem Kopf…- endlose Möglichkeiten, weil ja tatsächlich nichts, gar nichts, absolut nichts selbstverständlich ist.
    Ich beginne also, den Tag mit Dankbarkeit einzurahmen. Negativität hat da keine Chance mehr.
    Feld 2 enthält fünf Punkte, die zu erledigen sind. Weil wir ja das Unterbewusstsein einbeziehen, trägt dieses Feld die Überschrift „Erledige!“ und wird am Vorabend ausgefüllt, – ein Mix aus Arbeit, Bewegung, Ruhe und Freude…- dann ist der Anwender immer inspiriert, niemals deprimiert. (durch die Aktivierung des unbewussten Suchsystems sieht sowieso dann jeder Tag ganz anders aus, als in früheren Zeiten).
    Feld 3 hat auch fünf Punkte und heißt: abends positiver Rückblick.
    Also: was war gut am Tage, was hat geklappt, was ist mir positiv aufgefallen, welche neue Erfahrung, neues gelernt?, wofür danke ich heute besonders… (der Tag wird komplett eingerahmt)
    Mit dem üblichen positiven Denken hat diese Technik deshalb nichts zu tun, weil es nicht um denken geht. Jeder kann bei täglicher Anwendung die Ergebnisse checken.
    Feld 4 hat die Überschrift „Antworte!“ und ich notiere hier eine Frage, die mir helfen soll, ein Problem, eine Aufgabe zu lösen, eine Information zu finden, etwas, was mir auf den Nägeln und auf dem Herzen brennt. Dann achte ich auf Antworten. (kommen meistens durch Inspiration, durch inspierierte Aktionen, die oft rational gar nicht zu finden wären)
    Die Frage kann eine Bedingung enthalten, kann so oft wiederholt werden, bis man die Antwort wahrnimmt, oder bis keine Antworten mehr kommen.
    – jeden Tag eine Seite, auch am Wochenende, auch Feiertags, auch im Urlaub.
    Denn die (oft subtile) Negativität der Außenwelt ist ja auch unbeugsam und selbsterhaltend.
    Wie sagte Tesla: „Wenn du das Universum verstehen willst, denke an Energie, Frequenz und Schwingungen.“
    P.S.: was ich bei der o.a. Technik bemerkt habe, dass man das ganz alleine für sich macht, nicht diskutieren mit anderen, nicht mit dem Partner, nicht anderen einfach sagen: `mach das, dann geht es dir besser´, einfach selbst durchgängig jeden Tag anwenden.
    Meine Erfahrung: die Resonanzwirkung dadurch ist so gut, dass komplexe Prozesse, Projekte, Lösungen auch dann funktionieren, wenn der Verstand zwischendurch Zweifel produziert (Tut der immer, weshalb die meisten Verstände richtige Problemgeneratoren sind.
    (im Heilsuse e.V. bieten wir diese Technik mit DVD, Script und Formularen gegen eine bescheidene Gebühr an. Hier denke ich, haben alle Leser es verdient, diesen Service zu bekommen. Allerdings muss sich jeder das Formular selbst erstellen.
    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Karl Hinkel

  6. Hallo Isa,
    deswegen sagen ja auch manche Meister, dass es leichter sei, auf einem einsamen Berg zu meditieren als auf dem Marktplatz.

  7. Isa sagt

    Ehrlich gesagt finde ich es sehr einfach „zu sein“. Sehr viel schwieriger ist es für mich, das tägliche Hamsterrad (den ständigen Blick auf die Uhr und die Kontrolle) zu ertragen und vor allem dabei glücklich zu sein.

  8. Nicht kontrollieren sondern achtsam sein … hört sich gut an … ich nehme mir das für die nächste Zeit bewusst vor, danke für die Intuition.

  9. Inga Kellner sagt

    Ja, ich kenne keine Menschen, die nicht die Kontrolle ausleben. Ja ist sehr schade, dass wir nicht wie die kleinen Kinder natürlich und spontan (er)leben können. Doch wie die Achtsamkeit in unser Leben bringen, die Entschleunigung…..Das scheint Arbeit mit Kontrolle. Oder wie sonst soll es passieren, dass man keine Planung macht.
    Das Meer ist kein Chaos, daher können die Fische einfach dem Lauf folgen, Aufmerksamkeit, damit man nicht gefressen wird.

  10. Kontrolle ist Illusion, keine Frage. Und der einzige Ausweg ist zweifellos die Achtsamkeit. Mich hat die Achtsamkeit sehr verändert – auch wenn es einiges an Disziplin braucht um Achtsamkeit zu erlernen und zu trainieren, an DER Stelle tut etwas Kontrolle gut!

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