Eine bewährte Anleitung zum Unglücklichwerden.

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Glück
unglücklich rkwichmann persönlichkeits-blog

In nur 31 Tagen.

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Ratgeber, wie man glücklich lebt, gibt es zuhauf. Sie enthalten viele Tipps. Die meisten sind auch brauchbar, haben aber einen großen Nachteil. Menschen verhalten sich nicht danach.

Das erklärt wohl auch den großen Erfolg des Bestsellers von Paul Watzlawick „Anleitung zum Unglücklichsein“. Das Buch stammt aus dem Jahr 1993 und wird immer noch gern gekauft und geschenkt.

Nach so vielen Jahren ist es an der Zeit für ein Update, fand ich. Denn richtig Unglücklichsein will gelernt sein. So ein bisschen Unzufriedenheit kriegt ja jeder hin. Aber so dauerhaft sein Leben in den Sand setzen, das braucht Methode. Erstaunlich viele Menschen sind darin wahre Könner.

In den dreißig Jahren, in denen ich mit Menschen arbeite, habe ich die wichtigsten Strategien kennengelernt. Aber meine Hoffnung ist natürlich, dass Sie dadurch etwas erkennen. Sich bewusst machen, durch welches Verhalten und welche Einstellungen Sie Ihr Leben unnötig schwerer machen.

Mit den Einstellungen ist es wie mit der Schwerkraft. Das woran man sich lange gewöhnt hat, fällt einem nicht mehr auf. Erst wenn man etwas anderes ausprobiert für ein paar Tage – wie zum Beispiel einen Spaziergang auf dem Mond – fällt einem bei der Rückkehr auf, wie stark doch die Schwerkraft täglich an uns zieht.

Hier kommen 31 Tipps, wie Sie Ihr Leben schwerer machen können. Hier der erste:

 

Bedauern Sie, was nicht zu ändern ist.

Beklagen Sie sich über das, was Ihnen zugestoßen ist. Verwenden Sie viel Zeit und Energie mit der Frage, wie alles gekommen wäre, wenn Sie damals den anderen Mann/die andere Frau gewählt hätten. Oder wenn Sie vor etlichen Jahren etwas anderes studiert hätten. In einer anderen Stadt.

Konzentrieren Sie sich dabei ganz auf die Vergangenheit und blenden Sie die Gegenwart aus. Vor allem, wenn es Ihnen derzeit eigentlich ganz gut geht. Sie müssen einfach nur lange genug grübeln über verpasste Chancen,  getroffene Entscheidungen etc. Schon bald werden Sie sich schlechter fühlen.

Wenn Sie vieles bedauern, was in der Vergangenheit liegt, werden Sie sich auch nicht langweilen. Einfach, weil sinnloses Grübeln enorm zeitaufwendig ist.

Im Fragebogen nach Marcel Proust findet sich die interessante Frage: „Wer oder was hätten Sie gern sein mögen?“ Von gewissenhaften Ärzten kenne ich den Spruch: „Wer sich gesund fühlt, ist nur schlecht untersucht!“

Das sollten Sie sich zu Herzen nehmen und fortan nach der Maxime leben: „Wer sich zufrieden fühlt, hat nur zu wenig bedauert.“

Bedauern schützt Sie vor der Gegenwart und der Zukunft. Es hat auch den Vorteil, das Sie nie raus kriegen, ob es anders gekommen wäre, wenn Sie sich anders entschieden hätten. Generell gilt ja die Alltagsweisheit: „Seltenes ist selten.“ Zum Beispiel ein Lottogewinn. Deshalb meiden Sie ja – hoffentlich – Glücksspiele. Sie sagen sich: Eins zu 140 Millionen, das ist äußerst unwahrscheinlich, dass es mich trifft.“ Klug gedacht. Seltenes ist nicht völlig ausgeschlossen, aber eben selten.

Beim erfolgreichen Bedauern müssen Sie genau andersherum verfahren. Das was selten ist, sollten Sie für ziemlich wahrscheinlich halten. Dass Sie also besser getan hätten, wenn Sie sich damals anders entschieden hätten oder zumindest das Schicksal. Edith Piaf sang zu dem Thema dereinst ganz radikal:

Wir haben keine Kontrolle über die Ergebnisse. Über unser Denken und Handeln haben wir eine gewisse Kontrolle. Nicht über das Resultat. Bedauern füllt diese Lücke der Ohnmacht. Und lässt manche Menschen sich besser fühlen. Doch Bedauern äußert sich nicht nur in Klagen und Selbstmitleid, wie diese Zen-Geschichte zeigt:

Zwei Mönche waren auf der Wanderschaft. Eines Tages kamen sie an einen Fluss. Dort stand eine junge, wunderschöne Frau, die über den Fluss wollte. Ohne zu zögern ging einer der Mönche auf die Frau zu, hob sie auf seine Schultern und watete mit ihr durch das Wasser. Auf der anderen Flussseite setzte er sie trocken ab.

Nachdem der andere Mönch auch durch den Fluss gewatet war, setzten die beiden ihre Wanderung fort. Nach etwa einer Stunde fing der eine Mönch an, den anderen zu kritisieren: „Du weißt schon, dass das, was Du getan hast, nicht richtig war, nicht wahr? Du weißt, wir dürfen keinen nahen Kontakt mit Frauen haben. Wie konntest Du nur gegen diese Regel verstoßen?“

Der Mönch, der die Frau durch den Fluss getragen hatte, hörte sich die Vorwürfe des anderen ruhig an. Dann antwortete er: „Ich habe die Frau vor einer Stunde am Fluss abgesetzt – warum trägst Du sie immer noch mit Dir herum?“

Bedauern ist nutzlos. Denn damit weigern wir uns zu akzeptieren, was geschehen ist. Statt dessen leiden wir daran – anstatt daraus zu lernen. Und wir blenden aus, dass unser Urteil, ob etwas besser oder schlechter gewesen wäre, im Nachhinein geschieht.

Doch es wie mit den Lottozahlen oder an der Börse. Hinterher ist jeder schlauer. Ohne dass einem dieses Wissen für die Gegenwart viel nützt. Bedauern bindet uns auch an die Vergangenheit. In unserem Wunsch, dass das Geschehene sich nicht wiederholen möge, wiederholen wir es im Geist immer wieder.

Und was bedauern Sie?

Was müssten Sie tun, wenn Sie damit aufhörten? Was könnten Sie dann stattdessen tun? Was wäre Ihnen dann wichtiger?


Ach so, Sie wollten auch noch die anderen dreißig Tipps zum Unglücklichwerden wissen. Mensch, Sie müssen ja ein Glückspilz sein, dass Sie so masochistische Tendenzen haben.

Wie wär’s, wenn Sie sich morgen in der Videothek schnell noch drei Filme von Ingmar Bergmann holen? Das reicht mindestens für eine Woche Depression.

Okay, Sie wollen es nicht anders. Vielleicht wollen Sie ja auch nicht unglücklich werden, sondern hoffen, indem Sie das Gegenteil tun, etwas zufriedener werden könnten.

Die anderen 31 Punkte der „Anleitung zum Unglücklichwerden“ sind also hier:

  1. Bleiben Sie zu lange am falschen Partner hängen.
  2. Gewöhnen Sie sich eine Sucht an.
  3. Träumen Sie – aber handeln Sie nicht.
  4. Spielen Sie die Opfer-Karte.
  5. Vermeiden Sie Selbstreflektion.
  6. Arbeiten Sie mehr als Ihnen gut tut.
  7. Vergleichen Sie dauernd.
  8. Riskieren Sie nichts.
  9. Bleiben Sie in dem Job, den Sie hassen.
  10. Hören Sie nicht zu.
  11. Fragen Sie nie um Hilfe.
  12. Machen Sie keinen Sport.
  13. Essen Sie Junk-Food.
  14. Schieben Sie alles auf.
  15. Reagieren Sie auf Kritik beleidigt.
  16. Versprechen Sie mehr als Sie halten können.
  17. Sagen Sie immer Ja.
  18. Sagen Sie immer Nein.
  19. Tun Sie alles, um beliebt zu sein.
  20. Vermeiden Sie Fehler.
  21. Hassen Sie.
  22. Werden Sie ein Perfektionist.
  23. Vertrödeln Sie Ihre Zeit mit Sinnlosem.
  24. Seien Sie streng mit sich.
  25. Danken Sie niemals.
  26. Seien Sie pessimistisch.
  27. Bewerten und verurteilen Sie.
  28. Nehmen Sie alles persönlich.
  29. Beneiden Sie andere.
  30. Reden Sie viel aber hören Sie nicht zu.

 

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Foto: ©  istock.com, Nalla Padam – photocase

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.