Das Modell des Inneren Teams

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Methoden


Warum ist es so schwer, Denkmuster oder Verhaltensweisen zu ändern? Dieses scheinbar so widersprüchliche Verhalten lässt sich mit dem „Modell des inneren Teams“ besser verstehen.

Dabei werden die eigenen Gedanken/Impulse/Bedürfnisse, die wir oft als innere Stimmen hören, als Äußerungen eines inneren Teils unserer Psyche gesehen. Und unsere Psyche besteht aus einer Vielzahl von Teilen (siehe unten). Wir können uns die menschliche Psyche wie ein Symphonieorchester vorstellen. Dort gibt es laute Instrumente (wie Pauke oder Posaune), wichtige Instrumente (wie die 1. Geige) und leise, die man kaum sieht (Triangel).

Damit dieses Orchester ein Stück gut vortragen kann, braucht es einen Dirigenten. Dieser spielt kein eigenes Instrument, und kann deshalb jedes Instrument schätzen und seinen Beitrag für das gesamte Orchester am besten bewerten. Er hört, wann die Posaune zu laut ist, der Posaunist selbst hört das nicht.

Folgende Teile lassen sich in der Psyche unterscheiden:

  1. Der Manager
    Er hat jede Menge „Überlebensstrategien“ entwickelt und ist identisch mit unserem Charakter, also jener Sammlung von typischen Persönlichkeitsmerkmalen, an denen man uns erkennt.
  2. Der Kritiker/Perfektionist
    Er will uns immun machen gegen Kritik von außen und treibt uns deswegen unerbittlich an. Egal, was wir können oder geleistet haben, der Kritiker ist nie zufrieden.
  3. Den Genießer/Faulpelz
    Er ist der Gegenspieler zum Kritiker und ist dafür zuständig, dass wir das Leben genießen und er hat immer gute Ideen, wie wir das am besten tun können.
  4. Das innere Kind
    Dieser Teil ist spielerisch, verletzlich, gefühlvoll und mit dem lebendigen Sein verbunden. Bei vielen Erwachsenen ist er kaum mehr wahrnehmbar und vom „Manager“ verdeckt.
  5. Die Feuerwehrleute
    Sie löschen, wenn es brennt, d.h. wenn unangenehme Gefühle uns zu überwältigen drohen. Feuerwehrleute raten uns dann, uns zu betrinken, Drogen zu nehmen, uns Arbeit aufzuhalsen – alles, was uns hilft, unsere Gefühle zu verdrängen.Im Orchester-Beispiel leitet der Dirigent. In der Psyche ist der Dirigent das **“Selbst“. Das Selbst ist kein Teil, sondern steht eine Stufe höher. Wenn wir mit unserem Selbst verbunden sind, ist unser Leben im Fluss. Die einzelnen Teile fungieren dann als Berater (aus ihrer jeweiligen Sicht) – und mit dem Selbst entscheiden wir, was jeweils die beste Wahl ist.Im negativen Stress kämpfen verschiedene Teile miteinander.
    Ein Beispiel: Am Wochenende nach dem Frühstück.
    „Du wolltest heute die Steuererklärung machen!“ meldet sich ihr Kritiker.
    „Aber heute ist prima Wetter zum Radfahren.“ (Gegenstimme Genießer). „Aber das Finanzamt hat schon gemahnt.“(Kritiker)
    „Morgen soll es regnen, Radfahren geht nur heute.“ (Genießer) 

    Nach einer Weile setzen Sie sich frustriert, um sich azulenken, vor den Fernseher (Feuerwehr), um nach drei Stunden festzustellen, dass es zu regnen begonnen hat. Sie bleiben weiter vor dem Fernseher hängen. „Das ist typisch für dich, einen ganzen Tag so zu verbummeln. Du bist und bleibst ein Versager!“, (Kritiker) ist die letzte Stimme, die Sie vor dem Einschlafen hören.

    So überraschend es klingt – jeder Teil will etwas Gutes für Sie, was immer aus seiner Teil-Sicht für Sie gut ist. Die inneren Teile kämpfen meist gegeneinander, weil jeder Teil aus seiner Sicht das Beste für Sie will. Nur das Selbst hat den Überblick, versteht die positive Absicht jeden Teils und kann Lösungen finden. Zum Beispiel, dass Sie am Wochenende die Steuererklärung machen und Radfahren.

    Untersuchen Sie doch mal an einer für Sie typischen Stress-Situation, welche Teile beteiligt sind – und wie Sie sich verhalten können, wenn Sie in derselben Situation aus dem Selbst heraus handeln.

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

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