Sie wollen länger leben? Streiten Sie mehr mit Ihrem Partner!

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Gesundheit / Partnerschaft

Was machen Sie, wenn Sie mit Ihrem Partner unterschiedlicher Meinung sind oder Sie etwas
am Verhalten des anderen stört?

Konflikte gehören zum Leben, beruflich wie privat. Konflikte sind der Preis dafür, dass es unterschiedliche Ansichten, Meinungen zu derselben Sache geben kann.

Aus meiner Erfahrung in der Arbeit mit Paaren kann ich vier Konfliktmuster unterscheiden:

  • Paare, die sich selten oder nie streiten. Zwar wird etwas genörgelt oder man geht sich aus einige Zeit aus dem Weg, bis einer vorschlägt, sich wieder zu vertragen, was beide dann tun. Über das Thema wird aber nicht mehr gesprochen.
  • Paare, die sagen, sie würden nie streiten. Einfach weil sie sich meist ganz schnell einig sind.
  • Paare, die viel und heftig streiten und es aber oft zu keiner Einigung kommt.
  • Paare, die streiten und auch nach einiger Zeit zu einer einvernehmlichen Lösung des Konflikts kommen.

Dass es besser ist, wenn Paare ihre Auseinandersetzungen offen austragen, ist nun das Ergebnis einer US-amerikanische Studie. Und zwar nicht nur für die Zufriedenheit innerhalb der Beziehung, sondern sogar für die Gesundheit und das Sterberisiko (!).

In der Studie untersuchte der Psychologe Ernest Harburg von der Universität von Michigan in Ann Arbor die Streitkultur von 192 Paaren über einen Zeitraum von 17 Jahren. Für die Studie wurden die Paare in vier Gruppen unterteilt.

  1. In der ersten Gruppe drücken beide Partner ihre Gefühle, auch negative und aggressive Emotionen, gegenüber dem anderen aus.
  2. In der zweiten Gruppe und dritten Gruppe waren Paare, bei denen ein Partner dies auslebt, während der andere Ärger und Enttäuschung in sich hineinfrisst.
  3. Die vierte Gruppe bestand aus Paaren, in denen beide ihren Groll über als ungerecht erlebtes Verhalten des Partners herunterschlucken.

Das interessante/schockierende Ergebnis: In der Gruppe, in der beide Partner ihren Ärger übereinander hinunterschluckten, war die Sterblichkeit während des Untersuchungszeitraums etwa doppelt so hoch wie in den anderen Gruppen.

In der Studie wurde eine große Zahl von anderen Einflussbedingungen statistisch kontrolliert, darunter das Alter, Rauchen, Körpergewicht, Blutdruck, bronchiale Probleme, Atmungsbeschwerden, Herz-Kreislauf-Risiken.

„Wenn zwei Menschen sich finden, ist die wichtigste Aufgabe, Konflikte schlichten zu lernen“, sagt Harburg. Die wenigsten Paare seien fähig, „einen Streit vernünftig zu schlichten“. und „Diejenigen, die ihrer Wut keinen Raum lassen und alles mit sich selbst ausmachen, haben ein Problem“, so Harburg.

Die Resultate der Studie lassen sich nicht ohne weiteres verallgemeinern. Auch Harburg räumt ein, dass die Zahl der untersuchten Fälle recht gering ist. Die Wissenschaftler sammeln daher gerade Daten für eine größere Folgestudie, für die ein Beobachtungszeitraum von dreißig Jahren vorgesehen ist. Hier die Quelle:

Doch so lange sollten Sie nicht warten. Denn die Hypothese der Untersuchung ist nicht neu. Andere Untersuchungen wie auch die eigene Alltagserfahrung bestätigen, dass unterdrückte Konflikte als Stressoren wirken, und können Faktoren wie den Blutdruck, das Immunsystem und etwa die Entstehung von Magen-Darm-Erkrankungen beeinflussen.

 

Doch wie streitet man nun am besten?

Das hat in letzter Zeit Rachel Simmons von der University of Pennsylvania untersucht, indem sie die Konfliktgespräche von 59 Paaren analysierte. Diese hatten die Aufgabe, einen häufigen Streitpunkt in ihrer Partnerschaft zehn Minuten lang zu diskutieren, und dafür eine einvernehmliche Lösung zu finden. (Alle Paare lebten zusammen, die meisten waren verheiratet, und ihr Durchschnittsalter lag bei 37 Jahren.)

Das Ergebnis in Kurzform (für mich nicht überraschend): Ich-Botschaften sind besser als Du-Botschaften.
Das bedeutet:

  • Paare, die überwiegend während eines Streits Du-Botschaften benutzen, führten oft zu einem unbefriedigenden Gesprächsergebnis.
  • Paare, die häufig von „wir“ sprachen, hatten gute Chancen auf eine gütliche Einigung,
  • Paare die häufig „wir“ sagen, begreifen sich laut Studie nicht als Gegner, sondern fassen die Erarbeitung einer Konfliktlösung als ihre gemeinsame Verantwortung auf.

Wie man Ich-Botschaften in einem Gespräch verwendet,
können Sie in diesem Blog-Beitrag nachlesen.

 

Doch warum ist das so schwer umzusetzen?

Ich denke, drei Gründe spielen eine Rolle.

  1. Wenn ein Partner oder beide einen Konflikt nicht als Interessensunterschied wahrnehmen, sondern als Machtkonflikt interpretieren, liegen Du-Botschaften näher.
    Manche Partner wollen lieber Recht behalten als gemeinsam eine Lösung finden.
    Sie erleben die unterschiedliche Meinung des anderen nicht als interessante andere Sichtweise, sondern als Bedrohung („Das siehst du völlig falsch!“) der eigenen Person und muss deshalb bekämpft werden.
  2. Manche Paare streiten auch, um wieder Abstand von zu viel Nähe zu bekommen.
    Natürlich ginge das auch anders. Ein Partner müsste einfach mitteilen, dass er/sie etwas Raum für sich selbst braucht und sich zurückziehen. Doch ist das nach den offiziellen Regeln in der Partnerschaft nicht erlaubt („Warum willst du dich zurückziehen, liebst du mich nicht mehr?“) bleibt nur der Streit, nach dem man dann für eine Weile auseinander geht.
  3. Ich-Botschaften machen angreifbarer.
    Du-Botschaften schaffen Distanz („Du bist einfach ein unsensibler, vergesslicher Holzklotz!“) Mit Ich-Botschaften öffnet man sich dem Partner gegenüber. („Es hat mich gekränkt, dass Du meinen Geburtstag vergessen hast. Ich bin dann in Sorge, wie wichtig ich noch für dich bin.“)
    Ich-Botschaften wirken deeskalierend und laden den Anderen mehr ein, auch persönlicher zu werden.
    Du-Botschaften wirken dagegen eskalierend und veranlassen den anderen eher dazu, zu mauern, sich zu rechtfertigen oder selbst anzugreifen („Jetzt sage ich dir mal, was du schon alles vergessen hast!“)

Ein interessantes Interview mit dem Beziehungsforscher John Gottman über Konflikte in der Beziehung lesen Sie hier …

 

Was kann Ihnen  noch helfen?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

3 Kommentare

  1. Michael Manthey sagt

    Na sowas. Das fressen Menschen Ärger in sich hinein und wundern sich, daß sie an so etwas Unverdaulichem früher zugrunde gehen. Heißt das jetzt womöglich, daß Harmoniebedürfnis eine Todesursache ist? 😉

  2. Hallo, Herr Kopp-Wichmann,

    Herzlichen Glückwunsch zum neuen Blog. Es ist nicht nur optisch sehr schön. Ihre Beiträge sind immer spannend zu lesen und bestätigend. Ich freue mich auf jeden Newsletter von Ihnen.

    Mit freundlichem Gruß,

    Andreas Hennecke
    Product Marketing Manager
    Pepperl+Fuchs GmbH

  3. anita peters sagt

    vielen dank für ihre anregungen, wirklich gut
    der film sollte auch auf deutsch verfügbar sein oder der text in schriftform doppelt, also übereinander englisch und deutsch., da kann man gleich erleben, welche wörter man weiss und welche nicht.
    ich will mich dranmachen an meinen pitch!
    herzlichen gruss
    anita peters

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