Wem glauben Sie eher? Dem Tratsch der Leute oder der Wahrheit?

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Karriere

tratschende_frauen_fl.jpgNun, Sie und ich orientieren uns natürlich vor allem an den Fakten und lehnen Klatsch und Tratsch empört ab. Aber was machen die anderen Leute?

Deutsche Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass Klatsch und Tratsch die Meinung von Menschen stärker beeinflusst als die Wahrheit – selbst wenn die Gerüchte durch eindeutige Beweise widerlegt werden.

Sie machten dazu ein interessantes Experiment mit Studenten.

  • Jeder Teilnehmer erhielt zehn Euro und durfte sich entscheiden, ob er einem Partner davon einen Teil abgab oder das ganze Geld für sich behielt. In weiteren Runden erfuhren die Studenten dann vor ihrer Entscheidung durch verteilte Notizen, wie sich ihr Gegenpart zuvor verhalten hatte.

Die Ergebnisse sind einigermaßen verblüffend:

  • Wurde ein Mitspieler von anderen als großzügig bezeichnet, tendierten die anderen dazu, ihm auch eher Geld zu geben – ohne dass sie für die Richtigkeit der Notizen Belege hatten. Sogar als die Spieler Informationen über das konkrete Verhalten ihrer Mitspieler in vorherigen Runden erhielten, vertrauten sie lieber dem Klatsch auf den Notizen, auch wenn dieser der Realität widersprach.
  • Von dem tatsächlichen Verhalten der Probanden ließen sich die Studenten dagegen bei ihren Entscheidungen kaum beeinflussen. „Die Leute haben auf die Gerüchte gehört, obwohl sie alle früheren Entscheidungen der anderen kannten“, erklärte der Leiter der Studie. „Wenn man weiß, wie sich andere verhalten haben, dann sollte man sich – rational betrachtet – eigentlich daran orientieren. Aber die Probanden hörten trotzdem noch stark auf das, was andere behaupteten.“
    Dabei spielte es keine Rolle, ob die Gerüchte negativ oder positiv ausfielen. Klatsch und Tratsch manipulieren demnach gleich stark in beide Richtungen.

Der Forscher erklärt das so: „Menschen sind kulturell daran gewöhnt ihre Entscheidungen aufgrund von Tratsch, Gerüchten oder anderen mündlich überlieferten Informationen zu treffen. Diese Strategie ist vor allem erfolgreich in Umgebungen, wo ein Mensch nicht alles selbst beobachten kann, sondern auf indirekte Informationen aus anderen Quellen angewiesen ist.“

Die schlechte Nachricht: Ob Sie faul oder fleißig ist eigentlich egal. Ausschlaggebend für Ihre Karriere sind nur die Gerüchte über Sie. Wenn Sie als langweiliger Durchschnittstyp gesehen werden, können Sie sich noch so anstrengen, man wird Ihnen wahrscheinlich Ihre besonderen Leistungen nicht abnehmen. Gelten Sie aber als erfolgreicher Stratege, werden auch Ihre mittelmäßigen Ideen freundlich aufgenommen.

Ach, es ist schrecklich mit der Realität. Sie ist zu komplex für uns Menschen. Deshalb spielen Klatsch und Tratsch für die Erlangung und Verbreitung sozialer Informationen ja eine so wesentliche Rolle spielt. Sie helfen uns, die Komplexität der Wirklichkeit (z. B. wie die Leistung eines Kollegen jetzt wirklich zu beurteilen ist, zu reduzieren.

Die gute Nachricht: Wenn das Image wirklich wichtiger ist als Ihr tatsächliches Verhalten, dann können Sie sich das auch zunutze machen.

  • Sorgen Sie dafür, dass man gut über Sie redet.
  • Verschweigen oder vertuschen Sie Fehler.
  • Schreiben Sie mit spätestens mit 29 Jahren die Biografie Ihres beeindruckenden Lebens oder nehmen Sie ein paar Management-Binsenweisheiten und verfassen Sie unter einem zugkräftigen Titel (z.B. „Die Pudel-Strategie“) einen Bestseller.
  • Als Frau könnten Sie einen extremen Standpunkt vertreten („Erst mit sieben Kindern ist man richtig Frau!“) und schreiben Sie ein Buch dazu. Sie werden sich vor Einladungen zu Lesungen und Talkshows kaum retten können.
  • Stellen Sie Ihren Beitrag in einem gemeinsamen Projekt ganz groß raus und übergehen Sie geflissentlich, dass Ihre Kollegin die meiste Arbeit dazu getan hat.
  • Gehen Sie unauffällig um 17 Uhr nach Hause aber kombinieren Sie Ihre Bürobeleuchtung mit einer Zeitschaltuhr, die erst um 23 Uhr das Licht löscht.

Sie sind skeptisch, ob das klappt?

Nun, dann schauen Sie sich mal in der Politik, in der Wirtschaft und in den Medien um. Sie werden viele Beispiele finden, die Sie einfach nachahmen können.

Quelle: Ralf Sommerfeld vom Max Planck Institut für Evolutionsbiologie, Plön in dem US-Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

6 Kommentare

  1. Das sind zuviele Schein-Ratschläge, wenn der Timer auffliegt, dann ist man unten durch.
    Networking, insbesondere mit den weiblichen Kolleginnen würde ich empfehlen und diese an wichtigen Punkten unterstützen.
    Und sich einen passenden Mentor suchen, das scheint mir sinnvoller, als solche Täuschngsmanöver.

  2. Flurfunk oder Gerüchte machen Image, ich glaube jedoch fest daran, daß Image nur ein Faktor für die Karriere ist. Für weit wichtiger halte ich persönliche und fachliche Kompetenz, sowie die Kommunikationsfähigkeit, seine Leistungen angemessen darzustellen.

  3. Welche deutschen Wissenschaftler waren denn das und wo findet man das (Quelle)? Mich erinnert das Experiment sehr an einen Versuch von Mauricio Delgado von der New York Universität…

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