Wofür ist Luxus eigentlich gut?

Kommentare 11
Glück / Karriere / Psychologie

Und gibt's Luxus auch kostenlos?

luxus

(Diesen Blogartikel gibt es jetzt zusammen mit zwanzig anderen auch als eBook bei Amazon.)

Bekanntermaßen weint es sich im Taxi komfortabler als in der U-Bahn.
Weil man besser gepolstert ist. Auch vor den Blicken anderer.

Luxus schafft ein Polster, eine Grenze, die uns trennt vom Gewöhnlichen.

Der SUV von Porsche fühlt sich sicherer an als der Kleinwagen von Fiat.
Außerdem sitzt man höher und kann auf die anderen herabsehen.

Auf dem Campingplatz muss man das Gegröle der Nachbarn ertragen.
Durch die gepanzerte Tür der Hotel-Suite dringt kein Laut.

Als Kassenpatient muss man länger auf einen Termin warten.
Auf der separaten Leitung kommt der Privatpatient bevorzugt behandelt.

Gewöhnliche Armbanduhren zeigen die Zeit und was wir alles noch erledigen müssen. Die diamantbesetzte Rolex zeigt, dass man es endlich geschafft hat.

In Schuhen von Manolo Blahnik kann man höchstens zum Taxi laufen.
In gewöhnlichen Schuhen kann man von der Kita zum Supermarkt hetzen.

Luxus schützt mit eisernem Tor, einem langen Kiesweg und der Alarmanlage. Bei der gewöhnlichen Wohnung steht der Fremde direkt vor der Haustür.

Herrr Middelhoff hasste Staus und ließ sich mit dem Helikopter zum Termin fliegen. Unsereiner kann zwischen dem Stau auf der A3 und dem verspäteten ICE wählen.

Der Leibwächter riskiert sein Leben für den Auftraggeber.
Normalsterbliche müssen selbst auf sich aufpassen oder haben Pech.

Gewöhnliche Menschen sind von Gunst und Laune des Türstehers abhängig. Der Prominente bekommt immer freien Eintritt.

Der Butler legt den Anzug raus und serviert das Essen am Tisch.
Die meisten anderen müssen die Mikrowelle selbst bedienen.

Luxus öffnet auch den Zugang zu den oberen Zehntausend.
Weit weg von den übrigen sieben Milliarden.

In der Vip-Lounge gibt es Champagner, eine Sekretärin und freies W-Lan.
Am normalen Gate kostenlosen Beuteltee und die BILD-Zeitung.

All das hebt die Stimmung. Denn Luxus wirkt auf dieselben Belohnungszentren im Gehirn wie Macht, Kokain und Sex.
Leider ähnlich kurzfristig – bis zur nächsten Dosis.

 Luxus ist der Raumanzug gegen die Zumutungen des Lebens.

Was als Zumutung erlebt wird, ist natürlich ganz individuell.
Stress. Langeweile. Einsamkeit. Warten. Mangelnder Respekt. Kantinenessen. Zu wenig Geld. Kontinentales Frühstück. Dienstwagen von Opel. Nur eine Ehefrau.

Was Luxus ist, zum Glück auch.
Liebe. Sinn. Zeit. Gesundheit. Einen Arbeitsplatz. Sauberes Wasser. Keine Sorgen. Im Moment leben. Eine Krankenversicherung.

Doch manchmal muss jeder den Raumanzug des Luxus ablegen.

Dann nämlich, wenn wir lieben wollen. Ein Kind haben. Oder ein Mensch uns besonders wichtig ist. Also, wenn wir unser Herz öffnen.

Zum Glück ist das jedem Menschen möglich. Außer vielleicht Paris Hilton.

PS: Ich schreibe diesen Beitrag am Swimmingpool in Mauritius.
podcast_symbol4_kebox - FotoliaDiesen Beitrag können Sie sich hier als Podcast anhören oder herunterladen.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

kommentar Worin besteht Ihr Luxus?

PS: Wenn Ihnen dieser Beitrag gefiel, dann sagen Sie es doch bitte weiter: auf Facebook, Twitter oder per Email.

… oder schreiben Sie einen Kommentar.
… oder abonnieren Sie neue Beiträge per Email oder RSS.

Bild: © www.cartoon4you.de

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

11 Kommentare

  1. M. Liebler-Geiger sagt

    Mein Luxus ist, ohne überlegen zu müssen ob das Geld reicht, mich in ein Cafe zu setzen oder mir ein neues Kleidungsstück kaufen zu können, mit Freunden zum Essen auszugehen oder die Freunde zu einem netten Abend einzuladen…

  2. Steffen sagt

    Habe den Artikel beim Blut spenden gelesen. Der Arzt hatte verwundert nachgefragt, ob ich wirklich in den letzten 6 Monaten nicht im Ausland war…

  3. =) Der Raumanzug gegen die Zumutungen *Schmunzel* – Schöner Artikel!!

  4. Hallo Roland,

    Interessanter Artikel.

    Dazu fällt mir ein Zitat von Wilhelm Schwöbel ein:

    “Ein Mensch ist umso reicher je teurer das ist auf das er verzichten kann!”

    Gute Gesundheit und Freunde sind „Luxus“, und der Luxus „es sich herauszunehmen“ das zu tun was man für richtig hält. Luxusgüter sind angenehme Spielzeuge aber nutzlos wenn sie nur dazu da sind sich selbst aufzuwerten.
    Viele Grüsse,
    Mike

  5. Nicole T. sagt

    Danke für den zum Nachdenken anregenden Artikel und die schöne Karrikatur!
    Luxus ist alles, was glücklich macht! Das heißt für mich, wenn ich meine Werte leben kann und mit Menschen zusammen bin, die ich liebe oder gerne mag und mir Zeit nehmen kann, die kleinen Dinge des Lebens zu genießen. Prada, Rolex etc. gehören da für mich nicht dazu. Das ist oberflächlicher Luxus, der nicht glücklich macht.

  6. Lieber Roland,

    gerade lese ich deinen Blogartikel zum Raumanzug Luxus…

    Ich finde diesen Artikel – ja, ich schreibe es mal so wie ich es empfinde – megageil…

    Ein toller Impuls am Abend…

    Herzliche Grüße von München nach Mauritius…
    Markus

  7. Ellen sagt

    Mein Luxus ist, dass ich genau mit dem was ich um mich habe zufrieden bin.
    Dafür musste ich lange an meiner Persönlichkeit und meinem Leben arbeiten.

    Ich bin eine sogennante Aufstockerin.

  8. Oh, bitte schicken Sie ein wenig Luxus in Form von Sonnenschein zu uns ins wetterlich unluxuriöse Deutschland 😉
    Guter Satz, das mit dem Raumanzug gegen die Zumutungen… gefällt mir.
    Ihnen noch weiterhin schöne Ferientage!
    HG
    D.B.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.