„Keine Reiseführer, kein Gepäck, am besten nackt.“

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Persönlichkeit

Unter dieser neugierig machenden Überschrift steht in der FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGZEITUNG von heute ein Interview mit dem bulgarischen Schriftsteller Ilija Trojanow Darin plädiert er für eine ganz andere Form des Reisens, die er seit Jahren praktiziert und so begründet:

  • “Je weniger Gepäck, desto besser. Man kriegt überall auf der Welt alles, was man braucht, zumindest für das jeweilige Land. Mit fremden Bedürfnissen in ein neues Land zu reisen ist immer eine schlechte Idee.”
  • Hat man vorher Reiseführer gelesen ”… besteht der Urlaub darin, dass man das Bild vor Ort erwartet, das man erwartet. Viele Indienreisende gehen zum Taj Mahal, aber die wenigsten kommen euphorisch zurück. Im Gegenteil, sie monieren, dass es voll und schmutzig ist und Bettler gibt. Auf den Fotos haben Sie eine jungfräuliche Version, neben der die Realität enttäuscht. … Es ist meist das Unerwartete, das begeistert.”
  • Trojanow rät, ein Notizbuch einzupacken: “Weil man anders über seine Erfahrungen nachdenkt, wenn man sie niederschreibt. Es geht nicht um das Wie, das kann falsch, ohne Kommata sein. Aber die Tatsache, dass man alles Revue passieren lässt, um es in Wort zu fassen, vertieft die Erfahrung.”
  • “Nackt (zu reisen) bedeutet, sich nicht zu scheuen vor Begegnungen und Erfahrungen, die einem irgendwie zu nahe kommen. Und allein, wobei zu zweit auch noch geht. Gruppenreisen sind das absolut sicherste Mittel, absolut nichts zu erleben. … Die Dienstleistung des Massentourismus besteht darin, das Kennenlernen der Fremde zu verhindern.”

Die Reiseempfehlungen des Autors erinnern mich daran, wie Teilnehmer zumeist meine Persönlichkeitsseminare erleben:

  1. Auch hier gibt es keine detaillierten Vorabinformationen, da es nicht darauf ankommt, sich vorzubereiten, sondern auf das im Seminar Erlebte einzulassen.
  2. In den offenen Seminaren (mit max. sieben Teilnehmern) kennen die Teilnehmer sich nicht. Das fördert die Bereitschaft, ehrlich zu sein und sich zu öffnen. (In einem internen Firmenseminar erreicht man dieses offene Klima nicht, da jeder sofort an die Reaktionen der Kollegen denkt.
  3. Als “Reiseführer” erzähle ich keine altbekannten Methoden und Tipps über Kommunikation, Führung, Konflikt etc., die jeder schon irgendwie kennt. Vielmehr führe ich die Teilnehmer behutsam in unbekanntere Gefilde: auf eine Reise nach innen, in den “inneren Landkartenraum”, wo jene ‘Programme’ aufbewahrt werden, die die individuelle Wahrnehmung, die Gefühle und das jeweilige Verhalten bestimmen. Erst wenn man dieses innere “Lebensdrehbuch” etwas kennt, lässt sich das eigene Verhalten besser verstehen und dann auch ändern.

Bücher von Ilija Trojanow
Wie Teilnehmer meine Seminare erleben, lesen Sie hier

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

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