Vorsicht! Wie die Eltern-Kind-Bindung durch Ihr Handy gestört wird.

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Bild: stevanovicigor istock.com

Zusammenfassung für die Generation Y und Z und andere Leser mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne
Bei Ihrem Kind achten Sie auf gute Ernährung und die richtige Kita? Prima! Lesen Sie, warum Sie jetzt noch Ihr Handy öfter weglegen sollten.

Ich werde regelmäßig wütend, wenn ich eine Mutter (oder einen Vater) sehe, der beim Kinderwagenschieben fast ausschließlich auf sein Handy starrt. Am liebsten würde ich hingehen und sagen: „Ich bin Psychotherapeut und behandle viele Menschen, bei denen die frühe Eltern-Kind-Bindung gestört ist. Was Sie da gerade machen, trägt dazu bei, dass Ihr Kind später auch mal beim Therapeuten landet!“

Natürlich rede ich so nicht mit Eltern. Einmal, weil meine Behauptung eine schwer zu beweisende Drohung wäre. Zum anderen, weil ich annehme, dass ich nicht auf Neugier bei dem Elternteil stoßen würde („Echt jetzt? Wieso? Erklären Sie mir das mal bitte.“) sondern auf geharnischten Widerstand („Was geht Sie das an, was ich mit meinem Kind mache?“ … Gehen Sie mal lieber selbst zum Therapeuten!!“ …) 

Aber ich weiß einfach viel über die Eltern-Kind-Bindung und die Wichtigkeit des Augenkontakts für die kindliche Entwicklung. Ein Kinderpsychiater sieht deshalb auch die zu frühe Verwendung von Buggys kritisch, wo das Kind nach vorne schaut anstatt in Richtung des Elternteils.

Kinderwagenschiebend dauernd auf’s Handy zu starren ist auch gefährlich, denn man kann schlecht sehen, ob aus der aus der Garage nicht gerade ein Auto rausfährt oder ein Radlerrowdy auf dem Bürgersteig fährt.

Warum der Blickkontakt für die Eltern-Kind-Beziehung so wichtig ist.

Von Astrid Friesen stammt diese überzeugende Metapher zum Einfühlen in das Erleben eines Babys:

„Stellen Sie sich als Erwachsener einmal vor, sie würden flach auf einer Liege in Kniehöhe durch belebte Straßen geschoben: Auf der Höhe von hunderten von Beinen, von rasenden Autorädern, von Hundenasen, von bewegten Fahrradketten usw.

Meine Phantasie sagt: Das würde mir extreme Angst machen, mich verwirren, Hilflosigkeit und Einsamkeit provozieren. Zumal ohne ein vertrautes Gesicht zum Festhalten, welches Verlässlichkeit ausstrahlt in diesem Straßen- und Weltgewühl.“

Ein Säugling erlebt sich in den ersten Monaten ungetrennt von der primären Bezugsperson, traditionellerweise der Mutter. Die schrittweise Erkenntnis der Autonomie, also, dass es eigentlich getrennt von ihr existiert, löst erst einmal Angst aus. Wenn das Baby die Mutter nicht mehr sieht, wird es anhänglich und beginnt meist zu weinen.

Hier eine Szene, wie Kleinkinder auf die Trennung von der Mutter und wie sie auf den Kontakt zu einer fremden Person reagieren:

Das Kind hat die Mutter noch nicht als „inneres Objekt“ verinnerlicht und weiß deshalb nicht, ob sie wiederkommen wird. Erst über einen längeren Zeitraum kann das Kind lernen, dass die Trennung („Mama ist nicht da!“) nur vorübergehend ist („Mama ist nicht weg, auch wenn ich sie gerade nicht sehe.“)

Deshalb genügt in den ersten Monaten schon der Verlust des Blickkontaktes, um massive Angst auszulösen. Und wiederholt erlebte Trennungen von der Bezugsperson sind für jedes Kind Stress. Je wichtiger für das Kind eine Person ist, desto stärker ist die Angst. Denn Präsenz, Zugehörigkeit und Orientierung gehören zu den Grundbedürfnissen von Kindern.

Insofern macht es wohl einen Unterschied, ob ein Baby im Kinderwagen öfter das freundliche Gesicht von Mutter oder Vater sieht – oder einen angebissenen Apfel. 

Das gilt auch für die Zeit des Stillens.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Frauen nach ihrem Handy greifen, während sie stillen. Doch das Checken von Instagram ist für den Aufbau einer sicheren Verbindung zwischen Mutter und Kind vermutlich nicht von Vorteil.

Gerade beim Stillen ist der Augenkontakt mit dem Kind besonders wichtig, denn die Sehdistanz des Kindes reicht nur von der Brust bis zum Gesicht der Mutter. Zudem versucht das Baby oft durch Geräusche oder Lächeln Kontakt mit der Mutter aufzunehmen. Schaut die Mutter dabei mehr auf ihr Handy als auf ihr Kind, bekommt sie vielleicht erst verzögert mit, ob es noch Hunger oder Probleme beim Schlucken hat.

Bildnachweis: LightFieldStudios-iStock

 

Warum die frühen Lebensjahre für die Eltern-Kind-Bindung so entscheidend sind.

„Von Geburt an hat der Mensch ein biologisches Bedürfnis nach Bindung.

Bindung bedeutet ein lang anhaltendes emotionales Band zu ganz bestimmten Personen, die nicht beliebig austauschbar sind. Ihre Nähe und Unterstützung wird immer dann gesucht, wenn zum Beispiel Angst, Trauer oder Krankheit in einem Ausmaß erlebt werden, das nicht mehr selbstständig regulierbar ist.

Geht die primäre Bezugsperson, traditionell die Mutter, feinfühlig und verlässlich mit den Wünschen des Kindes um, so wird es Urvertrauen entwickeln. Die ersten 18 Monate entscheiden, ob das Kind im späteren Leben Beziehungsfähigkeit erlangt und seine Affekte angemessen regulieren kann.

Die Präferenz für das Gesicht der Mutter, das Antwortlächeln im dritten Monat und das Fremdeln im achten Monat sind wichtige Hinweise dafür, dass die Unterscheidungsfähigkeit schon gut entwickelt und das Bild der Mutter verinnerlicht ist. Die Exploration, das heißt das Erkundungsverhalten des Kleinkindes, erfolgt nur bei Anwesenheit der bekannten Bezugsperson, die als sichere Anlaufstation dient. Die ungestörte Entwicklung des Kindes in den ersten Lebensjahren basiert auf feiner Wahrnehmung kindlicher Bedürfnisse, intuitiver elterlicher Empathie und Affektresonanz.“

Zitiert nach Jürgen Wettig im Ärzteblatt

Wie früh Kinder noch ohne Worte mit uns kommunizieren, sehen Sie hier:

Kleine Kinder sind also auf das Interesse und die Aufmerksamkeit ihrer Eltern angewiesen. Einmal, um zu überleben aber auch für ihre soziale und emotionale Entwicklung. Aktuelle Forschungsstudien zeigen, welchen Schaden Eltern anrichten können, wenn sie zwar körperlich anwesend sind, aber geistig abgelenkt durch ihr Smartphone und deshalb auch weniger reaktionsbereit für ihr Kind.

Wie sich zu viel Handynutzung der Eltern negativ auswirken kann.

In einer Studie wurden Säuglinge und Kleinkinder im Alter von sieben Monaten bis zwei Jahren untersucht. Man wollte wissen, wie lebendig sie auf Kontakt reagierten, wie neugierig sie waren, wie sie auf eine Unterbrechung im Kontakt reagierten. Das Ergebnis: Wenn ihre Mütter ihre Handys benutzten, zeigten die Kinder mehr Ängste und erkundeten weniger ihre Umgebung.

Auch wenn die Mütter ihr Handy ausgeschaltet hatten, waren Sie quengliger und brauchten mehr Zeit, um die Unterbrechung zu verdauen. Die Forscher kamen zu dem Schluss:

„Wie auch andere Formen des mütterlichen Rückzugs und oder mangelndes Einfühlungsvermögend kann die Nutzung mobiler Geräte negative Auswirkungen auf die sozial-emotionale Funktionsfähigkeit von Säuglingen und die Interaktion zwischen Eltern und Kindern haben.“

 

Wenn Kinder sich unwichtig fühlen, müssen sie um die Aufmerksamkeit der Eltern kämpfen.

In einer großen internationalen Studie mit sechstausend acht- bis dreizehnjährigen Kindern gaben 32% an, sich „unwichtig“ zu fühlen, wenn ihre Eltern ihr Handy während der Mahlzeiten, Gespräche oder anderer Familienzeiten benutzen. Die Kinder berichteten, dass sie mit der Technik um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern konkurrierten. Über die Hälfte der Kinder in der Studie sagte, dass ihre Eltern zu viel Zeit mit ihren Telefonen verbringen.

Eine Kinderärztin und ihre Kollegen waren besorgt, dass Eltern zu oft ihr Mobiltelefon benutzen und dabei ihre Kinder ignorieren. Sie untersuchten in einer Studie, wie oft sich dieses Verhalten in Fast-Food-Restaurants zeigte. Viele Eltern zogen ihr Smartphone sofort raus, wenn Sie sich hinsetzten. Die meisten benutzten es auch während der Mahlzeit.

Diese Forscher fanden heraus: „Immer wieder sahen wir weniger Gespräche während des Smartphonegebrauchs der Eltern. Sie brauchten länger, um auf ihre Kinder zu reagieren, und es gab mehr Konflikte mit den Eltern, weil diese laut wurden und auf das Verhalten ihrer Kinder gereizt und ungeduldig reagierten. Sie schubsten die Kinder weg, wenn diese versuchten, die Aufmerksamkeit der Eltern zu bekommen.“ 

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Bildnachweis: bowie15

 

Was braucht es für eine stabile Eltern-Kind-Bindung?

Kinder entwickeln sich am besten, wenn sie konsistente, zuverlässige, fokussierte und liebevolle Aufmerksamkeit erhalten. Wenn Sie in Anwesenheit eines Kindes zu oft Ihr Smartphone benutzen, entziehen Sie ihm persönlichen Kontakt und Ihre Reaktionen.

Es geht nicht darum, dass Sie sich zu 100% von Ihrem Handy fernhalten, eher zu 90%. Es ist in Ordnung, eine dringende Nachricht zu beantworten oder einen kurzen Anruf zu tätigen, besonders wenn es sich um Ihr Kind handelt.

Es ist eigentlich wie bei allen Tätigkeiten, bei denen man Konzentration und Liebe zur Sache braucht:

  • Bei einem Krisengespräch mit Ihrem Partner schauen Sie vermutlich auch nicht alle paar Minuten auf Ihr Handy.
  • Wenn Sie eine Rede halten wohl auch nicht.
  • Bei Ihrer Yogastunde oder Ihrer Meditation schalten Sie auch mögliche Störquellen aus.
  • Wenn Sie einen wichtigen Text schreiben wollen, hängen Sie ein „Nicht stören“-Schild an die Tür.

Wenn Sie mit Ihrem Kind zusammen sind, seien mit ihm zusammen. Legen Sie das Handy, Tablet oder das Notebook  weg. Genießen Sie immer wieder diese kurzen Momente der Nähe. Ihr Kind braucht es – und Ihnen tut es vermutlich auch gut.

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Warum machen Eltern das überhaupt?

Vermutlich greifen Väter und Mütter so oft zu ihrem Smartphone, um mit dem Stress im Umgang mit ihren Kindern fertig zu werden. Also um Langeweile oder den Frustrationen der Kindererziehung zu entkommen oder ihre eigenen Emotionen zu regulieren.

Wenn ich manchmal an einem Spielplatz vorbeikomme, sehe ich Eltern, die sich miteinander unterhalten. Aber öfter sehe ich Mütter und Väter, die auf ihr Smartphone starren. Oft kriegen Sie dann gar nicht mit, was ihr Kind derweil macht. Oder hören nicht, dass es ruft, weil sie über Kopfhörer telefonieren oder Musik hören.

Laut einer österreichischen Studie hat sich seit 2008 hat sich die Zahl der Unfälle auf Kinderspielplätzen verdoppelt, bei Kindern unter fünf Jahren sogar verdreifacht. Dass der Grund dafür auch die ständig präsenten Handys der Eltern sind, liegt nahe. Denn neun von zehn Eltern sind auf dem Spielplatz und haben ihr Kind nicht im Blick.

Für ein Kind kann das fatale Folgen haben.

Es wird vielleicht eine Weile versuchen, die Aufmerksamkeit des Erwachsenen zu gewinnen. Werden die Versuche aber selten belohnt, lernt das Kind, dass es sich nicht lohnt zu reden oder etwas zu wollen. Aber speziell für kleine Kinder sind diese vielfältigen Interaktionen mit einem Erwachsene die wichtigsten Situationen, durch die sie Sprache und Beziehung lernen.

Wenn wir mehr auf unser Handy schauen als auf das Kind, kann das Kind daraus unbewusst negative Schlüsse daraus ziehen:

  • „Du bist nicht sonderlich interessant, was da im Handy steht aber schon.“
  • „Ich muss mich um die wichtigen Dinge im Leben kümmern, und das bist nicht immer Du.“
  • „Was auf Facebook steht, ist viel unterhaltsamer als Du.“
  • „Ich muss auf jedes „“Ping“ sofort reagieren, egal, was wir gerade machen.“

Natürlich können Kinder damit umgehen, wenn Störungen in der Interaktion auftreten. Sie gehen ja auch zur Tür, wenn der Postbote klingelt. Bei einer exzessiven Nutzung des Mobiltelefons sieht das anders aus, da dies zu immer häufigeren und größeren Störungen führt.

Hier 5 Tipps für eine bewusstere Handynutzung mit Ihrem Kind.

  1. Schalten Sie Ihr Telefon immer in den Ruhemodus, wenn Sie sich aktiv mit Ihrem Kind beschäftigen, z.B. während der Mahlzeiten.
  2. Vermeiden Sie die Verwendung von Ohrhörern, wenn Sie mit Ihrem Baby zusammen sind und am Telefon sprechen. Sie machen es dem Kind schwer zu verstehen, dass Sie gerade nicht mit ihm sprechen.
  3. Legen Sie Ihr Telefon in einen anderen Raum und stellen Sie Ihre eigenen Regeln auf, wie oft Sie es „überprüfen dürfen“.
  4. Besprechen Sie das Thema mit Ihrem Partner, damit Sie beide eine gemeinsame Einstellung zur Telefonnutzung haben, während Sie mit Ihrem Kind zusammen sind.
  5. Machen Sie sich bewusst, wie viel Zeit Sie mit Ihrem Handy verbringen.
    Es gibt Apps, die zeigen, wie lange Sie am Handy hägen, und das kann Sie für den Gebrauch sensibilisieren.

 

Mein Fazit:

„Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?“
Mit dieser Aufklärungskampagne will das Familienzentrum in Schleswig-Holstein junge Eltern wachrütteln. In Essener Kitas gibt es jetzt sogar ein Handy-Verbot für die bringenden und abholenden Eltern. Die Kinder sind davon begeistert!

Kritiker der oben zitierten Studien betonen, dass die untersuchten Fallzahlen viel zu gering seien und auch andere familiäre Gegebenheiten für die beobachteten Effekte verantwortlich sind.

Hier ein Experiment, das für den mdr gemacht wurde, wie Kleinkinder reagieren, wenn Mütter am Smartphone hängen:

Wir leben ja in einer Zeit, wo wir sehr studiengläubig sind. Egal, ob es um den Klimawandel, Rauchen, Zuckerkonsum oder Bewegungsmangel geht. Wir wollen erst mal eine Studie sehen, die ‚“beweist“, dass das wirklich gefährlich ist. Und für jede Studie gibt es eine Gegenstudie, meist von der entsprechenden Lobby finanziert, die das Gegenteil „beweisen“ soll.

Oft würde es reichen, einfach den gesunden Menschenverstand oder das Bauchgefühl zu befragen.

Wir unterschätzen auch, wie süchtig uns Smartphones machen.
Doch wir können kein Multitasking. Niemand kann sich auf mehrere Sachen gleichzeitig konzentrieren. Was bedeutet, dass beim häufigen Blick aufs Smartphone etwas wegfällt.

Und das ist dann vielleicht eben auch Ihr Kind.

kommentar   Wie halten Sie es mit dem Handygebrauch in Anwesenheit von Kindern?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

23 Kommentare

  1. Birgit sagt

    Ich denke, das ist ein Problem, das alle Menschen heutzutage betrifft: die Handysucht. Ja es ist eine Sucht denn die Social Media etc. tun ihres dazu, dass man auch schön in der Sucht bleibt. Ich habe erkannt, dass es eine Sucht ist und habe gar kein Smartphone mehr. Ich habe 2 Kinder und sollte diesen tagsüber die nötige Aufmerksamkeit schenken. Abends wenn die Kinder im Bett sind, gönne ich mir eine Pause und werfe das Notepad an und gehe nur dort ins Internet. Es ist auch ein schlechtes Vorbild für die Kinder später, wenn man ständig dieses Ding in der Hand hat und augenscheinlich schon davon süchtig ist und selbst beim Essen bei pling pling die Messages checkt was Gift für das Kommunikationsleben am Tisch ist. Das kriegen selbst Kinder mit. Mein Sohn (11) lehnt das Smartphone bereits ab und findet es total schlecht. Meine beiden Kinder (7,11) haben keine Handys oder so etwas….und ich hoffe, ich kann sie so lange wie irgend möglich von Facebook, Twitter, Instagram und anderen Bullshit fernhalten….

  2. Guten Tag Herr Kopp-Wichmann

    Besten Dank für diesen hervorragenden Artikel.
    Für mich als werdender Vater und Generation Y die mit Unterhaltungselektronik „still“ oder „mundtot“ gemacht wurden, ist das eine sehr herausfordernde Zeit. Ich bin gespannt ob mir der Spagat zwischen wichtigem Kontakt und fluktuativem Kontakt gelingen wird. Es wäre mir auf jeden Fall wichtig keinen Zombie zu erziehen. In diesem Sinne, Dankeschön fürs Aufklären!

  3. Liebe Claudia,
    Verallgemeinerungen sind immer falsch. Und dass Kinder haben öde sein kann, habe ich auch erlebt, obwohl ich noch nie gestillt habe. Aber viele Laternenumzüge nebst vorausgehendem Laternenbasteln mitgemacht (ich hoffe, das zählt auch!)
    Es geht mir auch nicht um Mütter-bashing, sondern ich will nur die Väter und Mütter erreichen, die sich angesprochen fühlen, weil sie selbst spüren, dass ihr Handy-Verhalten nicht so toll ist, das sich aber bisher wegerklärt haben.

    In meiner Kindheit (Jahrgang 1948) durfte/musste der Lehrer noch die Kinder mit dem Stock bestrafen. Warum? Weil man dachte, das macht doch nichts und wie soll das Kind Respekt lernen. Die Kinder ließ man auch stundenlang schreien, weil man dachte, das macht doch nichts, stärkt höchstens die Lungen.

    Was man Unwissenheit macht, dafür kann man schlecht belangt werden. Wenn man aber etwas weiß und es trotzdem macht, braucht man einen höheren psychischen Aufwand, um es trotzdem zu machen.

    Insofern ist mein Artikel hoffentlich aufklärend und nicht moralisch zu verstehen (deshalb ja auch die vielen Studien).

  4. Claudia sagt

    Haha! Gut dass ich ihren Artikel erst jetzt abends gelesen habe und Glück habe dass meine zwei Kinder schlafen, ich lese ihn nämlich auf dem Handy, ich Rabenmutter!

    Ich mag ihre Seite und Ihren Newsletter gerne aber diesen Artikel finde ich schwierig… Sie produzieren selbst online Content, der bei mir zu 90% auf dem Handy gelesen wird …haben in ihrem Leben noch nicht gestillt und wissen nicht wie absolut öde das sein kann, man kann nicht immer sein Kind beobachten …ein Handy ist eben Telefon, Buch, Briefkontakt, Arbeitsmittel, Straßenkarte und so vieles mehr!

    Dazu kommt dass Mütter heutzutage eh schon durch alles möglich verunsichert sind und diesen Seitenhieb glaube ich nicht nötig haben… also alle die sich darüber aufregen ohne in der Haut der Mutter zu stecken: statt sich aufzuregen könnte man die Mutter fragen ob sie Hilfe braucht! Das ist nämlich etwas worüber ich mich aufregen könnte!

    PS: wenn sie nur von den vollkommen asozialen wenigen Müttern gesprochen haben die sich wirklich einen Scheiss um ihre Kinder scheren dann haben sie vollkommen recht, aber ich lese in ihrem Text eine Verallgemeinerung raus die ich wie gesagt schwierig und nicht in Ordnung finde.

  5. Margret Sieloff sagt

    Ein echter Aufreger auch für mich! Absolut! Ich mag mir gar nicht vorstellen, was aus diesen Handy-Kindern werden mag. Man kann gar nicht oft genug appellieren! Was davon dann angenommen wird, ist wohl eher fraglich. Wo es für mich aber 0 Toleranz gibt, das ist im Straßenverkehr! Da betrifft es auch mich und andere. Es ist mir schon mehr als einmal passiert, dass mir Handyglotzende Mütter inklusive Kinderwagen samt Nachwuchs fast ins Auto gelaufen wären! Dass es dazu nicht kam, ist meiner Intuition und Vorsicht zu verdanken.
    Einmal ist mir so eine Mutter doch tatsächlich ins STEHENDE Auto gelaufen! Ergebnis: ICH musste mich auch noch beschimpfen lassen.
    Hallelujah!
    Es gibt aber auch noch eine andere Smartphone-Seuche, die ich (fassungslos!) immer häufiger beobachte: Kleinkinder (ab 8-9 Monate!!!) die man in Restaurants mit Babyfilmen auf Smartphone oder Tablet vor sich am Tisch und beim Essen „ruhigstellt“, während die Eltern selbst und jeder für sich aufs Handy starren. Ich frage mich: haben diese Kinder bis zur Einschulung überhaupt sprechen gelernt? Und wenn sich Eltern schon in der Öffentlichkeit so verhalten, wie mag es dann zuhause erst zugehen? Unfassbar.

  6. Natürlich brauchen Sie als Mutter Zeit für sich. Ich sehe kein Problem darin, wenn Ihr Baby schläft, mit Ihren Freundinnen zu chatten.
    Wie immer im Leben macht den Unterschied die Dosis.

  7. Gabi Monath sagt

    Generell bin ich mit dieser Haltung völlig einverstanden. Kinder brauchen Aufmerksamkeit und ich habe mich oft genug über Mittagspausen geärgert, wo alle parallel auf ihr Handy starren, statt sich zu unterhalten.

    Aber seit ich selbst Mutter bin, merke ich auch, wie schwer es ist, dem Baby ständig die ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn mein Kind wach ist, spiele ich mit ihm, stille es, gehe spazieren. Schläft es, bin ich leise und erledige die Hausarbeit. Und manchmal habe ich einfach Lust, meine Freunde zu kontaktieren.

    Ich habe kaum noch Möglichkeiten zu telefonieren, weil ich die Zeiten, wo meine Freunde Feierabend haben, mit meinem Kind verbringe. Also nutze ich eine gerade, unbefahrene Strecke auf unserem täglichen Spaziergang, wenn mein Baby schläft, und chatte mit Freunden, lese ein paar Nachrichten, beantworte Mails. Unfallrisiko natürlich erhöht, es könnte ja immer ein unerwartetes Hindernis auftreten. Aber ich finde es wichtig, mich nicht sozial zu isolieren, in Kontakt zu bleiben.

    Ich brauche ab und zu mal etwas Zeit, in der mein Baby nicht im Mittelpunkt steht. Und dass ich zum Kontakt heute ein Handy nutzen kann und nicht mehr auf einen schmalen Zeitkorridor zum telefonieren angewiesen bin, macht das schon viel leichter. Bin ich jetzt eine schlechte Mutter? Oder eine verantwortungsbewusste, weil ich dafür sorge, dass ich meinem Kind mal etwas über Freundschaften beibringen kann, die ich nicht für seine Erziehung habe einschlafen lassen?

  8. Angelika Becker sagt

    Nach einem etwas stressigeren Tag frage ich mich abends:
    „Was war gut heute? Was hat mir gut getan?“ – Ja und dazu gehört auch die Freude darüber, mal eine Mutter (oder einen Vater) den Kinderwagen nicht handyhaltend durch die Gegend schieben zu sehen.

  9. Joachim Wehner sagt

    Wieder ein interessanter Artikel von Ihnen. Die Online-Sucht ist wahrscheinlich eine der größten Geisseln der Menschheit in der heutigen Zeit. Die meisten Menschen wissen gar nicht, was sie sich und ihrer sozialen Umwelt antun, indem das Smartphone wichtiger als der Partner oder die Familie wird. Die Menschen mit Online-Sucht gefährden nicht nur sich, sondern stets auch ihre Umwelt, angefangen von der eigenen Familie bis hin zu Verkehrsteilnehmern im Straßenverkehr.

    Deshalb verabschiede ich mich jetzt von Ihnen und gehe offline für die nächsten Stunden und denke gerade an Nietzsches Frage:

    Warum ist der Mensch so gerne in der freien Natur?

    und seine Antwort darauf:

    – Weil sie keine Meinung über ihn hat!

    Und freue mich bei einer Tasse darauf, demnächst etwas spazieren zu gehen und zwar ohne Smartphone.

    Mit besten Grüßen und noch einen schönen Sonntag

  10. Dr.Angelika Feistl sagt

    Habe ich auch schon umgekehrt gesehen. Kleinstkind im Kinderwagen mit Handy in der Hand. Wurde dann gemaßregelt, als es das Teufelszeug fallen ließ.

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  11. Lieber Roland,
    vielen Dank für diesen ganz wunderbaren und sehr wertvollen Artikel. Mich spricht dein Artikel sehr an, denn es geht meiner Meinung nach um bewusstes Denken und Handeln und vor allen Dingen um die Verantwortung, die wir unseren Kindern gegenüber tragen.

    Vielleicht ist sich nicht jeder und jede über die Auswirkungen bewusst. Dann ist es gut, auf eine gute Art und Weise darauf aufmerksam zu machen. So wie du das hier gerade machst.

    Nochmals – herzlichen Dank dafür. Auch ich will gerne in meinem eigenen Wirkungskreis darauf aufmerksam machen.

  12. Sandra Kloss-Selim sagt

    Bin absolut bei Ihnen.
    Absolut grausam finde ich die Eltern, die Zigarette rauchend auf das Handy starren und den Kinderwagen schieben…da bekomm ich Puls:-)

    Ich für meinen Teil lege das Handy, wenn ich meine Tochter abhole, in die Tasche. Und da bleibt es bis zum nächsten Morgen, da wir meist zusammen ins Bett gehen und ich dann immer mit ihr einschlafe:-)…und es geht. Meine Kunden wissen das und haben Verständnis.

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  13. Gerhild Giesert sagt

    Wie recht Sie haben – macht mich ebenfalls fassungslos und wütend!

  14. Kai Ziesmann sagt

    Ich bin nur ein kleiner Erlebnisbuchbinder der sich freut, wenn Eltern sich bewusst werden, dass digital keine Liebe geben kann. Das „Wütend werden“ überlasse ich lieber anderen, die mehr Zeit dafür haben.

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  15. Kirsten B. Brennemann sagt

    Viele Kleinkinder quietschen und kreischen heutzutage ganz extrem, das fällt mir immer häufiger auf. Ich vermute mittlerweile, dass sie es nur noch so schaffen, bei ihren Eltern genügend Aufmerksamkeit zu bekommen (auch da gibt es natürlich Ausnahmen).

  16. Louise Fiegel sagt

    Ooooohhhh JA! Das kenn ich auch!

  17. Michaela Albrecht sagt

    Du sprichst mir so sehr aus der Seele!

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