Bauanleitung für ein Paradies in 8 Schritten.

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Allgemein

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Viele Menschen träumen von einem Ort, an dem sie gut und sorgenfrei leben können, weil für die wichtigsten Grundbedürfnisse gesorgt ist. Also einem Paradies. Auch etliche Staatengründer, Diktatoren und Parteivorsitzende haben diese Idee.

Aber auf Dauer ist es bisher nirgendwo geglückt. Selbst das letzte ehrgeizige Projekt eines „Arbeiter- und Bauernstaats“ scheiterte u.a. daran, dass alle ein anderes Fernsehprogramm wollten als das staatlich verordnete und weil ihnen Kaffee, Bananen und freies Reisen wichtiger waren als der Sieg über den Klassenfeind.

Seit einigen Monaten versucht ja auch wieder ein Staatenlenker, ein Paradies zu schaffen. Aber sein Paradies ist nur für Privilegierte gedacht, die weiß und reich sind und nicht gerne nachdenken.

Aber der Wunsch nach einem Paradies bleibt. Viele Denker, Autoren und Utopisten haben sich mit der Idee eines menschlichen Paradieses beschäftigt. Hier eine Auswahl.

Aber da ich drei Wochen ein solches Fast-Paradies kennengelernt habe, denke ich, es ist eigentlich gar nicht so schwer, eines zu schaffen. Vorausgesetzt, man hält sich an diese Bauanleitung in 8 Schritten.

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1. Finden Sie eine kleine Insel auf der südlichen Halbkugel.

Das hat schon Daniel Defoe in seinem Roman „Robinson Crusoe“ vorgeschlagen. Es kann auch eine Inselgruppe sein. Aber sie muss weit genug von anderen großen Inseln oder Erdteilen sein, damit Sie sich im Gefahrenfall abschotten können.

  • Abschotten gegen unerwünschte Flüchtlinge aus einem anderen Land.
  • Aber auch gegen Insekten, übertragbare Krankheiten und alles andere, was Menschen beim Landgang einschleppen könnten.
  • So können Sie auch die Einfuhr unbearbeiteter Lebensmittel, von Obst, Gemüse, Blumen, Pflanzen, Pflanzensamen und Ähnlichem verbieten, denn dadurch können alle möglichen Krankheiten übertragen werden.
  • Wenn ein Flugzeug bei Ihnen landen will, egal aus jedem Land, verpflichten Sie die Fluggesellschaft, zweimal während des Flugs Insektenschutzmittel in der Kabine zu sprühen. Bei der Landung muss Ihre Polizei im Flugzeug das Protokoll dafür überprüfen.

Kleine Insel heißt auch, höchstens so 500 km², damit der Staat, den Sie dort errichten wollen, überschaubar bleibt. Australien oder Großbritannien oder sind streng genommen auch Inseln, aber sie sind zu groß, um paradiesgerecht regiert zu werden.

Eine Insel im Süden, also um oder jenseits des Äquators, hat den Vorteil, dass Ihre Einwohner keine Kosten für warme Kleidung, Winterreifen oder Heizung haben. Am besten eine Insel, deren Jahrestemperaturen zwischen 26 und 32 Grad schwanken, nicht kälter, nicht wärmer. Und ein Tag sollte jährlich durchgehend zwölf Sonnenstunden haben.

Die Wassertemperatur sollte auch konstant zwischen 26 und 30 Grad sein, das mögen die Touristen. Und eine leichte Brise durchgehend wäre auch gut. Und vor allem genug Regen, damit alles gut wächst. Aber nicht im „Winter“, also zwischen Mai und Oktober, weil da die meisten Touristen kommen, und die wollen keinen Niederschlag.

2. Suchen Sie eine Insel, die ungefährlich ist.

Also, die nicht in einem Erdbebengebiet liegt oder in der Einflugschneise von Hurrikans. Außerdem sollten dort keine gefährlichen wilden Tiere leben wie Tiger, giftige Schlangen. Und keine Insekten, die gefährliche Krankheiten wie Malaria, Zikavirus, Denguefieber oder anderes übertragen könnten. Und bitte keine giftigen Pflanzen.

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3. Sorgen Sie dafür, dass es keine Armut gibt.

Sondern nur eine Mittelschicht und ganz Reiche. Das schaffen Sie dadurch, dass Sie die wichtigsten Sozialleistungen kostenlos anbieten. Das erreichen zwar noch nicht mal die meisten reichen Industrieländern mit einem viel höheren Bruttosozialprodukt. Aber in Ihrem Paradies geht das schon.

Also, Armut vermeiden Sie, indem Sie:

  • eine kostenlose Gesundheitsversorgung gewährleisten.
    Außerdem eine allgemeine Altersrente und Arbeitslosenunterstützung.
  • Gut wäre auch, wenn die Mehrheit der Einwohner über ein eigenes kleines Haus auf eigenem Grund verfügen würden. Wer das nicht kann, den unterstützen Sie mit einer vom Staat vorfinanzierten Wohnung oder vom Staat gebautes kleines Haus. Die Rückzahlung dürfte nie ein Viertel des Monatslohns übersteigen. Im Fall der Arbeitslosigkeit setzen Sie die Rückzahlungsverpflichtung aus.
    So vermeiden Sie das Problem vieler reicher Staaten, dass selbst Menschen mit einem guten oder sehr guten Einkommen fast die Hälfte oder mehr für Miete ausgeben müssen!
  • Das durchschnittliche Monatseinkommen sollte bei etwa 500 Euro liegen. Davon können Ihre Bürger gut leben, weil die davon zu begleichenden Kosten wie Steuern, Sozialabgaben, Versicherungen, Miete, Altersvorsorge, Erziehung gering sind.
    Das erreichen Sie dadurch, dass ganz viele Ihrer Einwohner am Tourismus mitverdienen können. Durch kleine Gästehäuser, Take-away-Restaurants, Fruchtsaftstände, Taxiunternehmen usw.
  • Sorgen Sie für ein billiges öffentliches Verkehrsmittel wie den Bus.
    Begrenzen Sie den Autoverkehr durch schmale, löcherige Straßen meist ohne Leitplanken und die Tatsache, dass jedes Fahrzeug per Schiff importiert werden muss.
    Auf Bahn- und Schienenverkehr sollten Sie ganz verzichten, dann ersparen Sie sich das dauernde Genöle über Zugverspätungen und ausgefallene Klimaanlagen.
  • Führen Sie eine neunjährige Schulpflicht für alle Kinder ein, die vom Kindergarten bis zum Abschluss mit 18 Jahren kostenlos ist.
    Danach können die Jugendlichen eine handwerkliche Ausbildung oder ein englisches Fernabitur machen. Besonders schlauen Kindern spendieren Sie ein Stipendium an einer Universität im Ausland, mit der Maßgabe, dass Sie danach für einige Jahre wieder zurückkommen müssen.
    Schon in der Grundschule müssen alle Kinder Englisch lernen, auch der weitere Unterricht erfolgt auf Englisch.

Ist doch alles ganz logisch, oder? Warum da andere Länder nicht schon längst draufgekommen sind.

Wenn Sie auf diesem Weg die Armut abgeschafft haben, vermeiden Sie jahrelange Debatten um ein bedingungsloses Grundeinkommen zu fürchten, das sowieso am Widerstand der verschiedensten Gruppierungen scheitern würde.

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4. Sorgen Sie für ein funktionierendes politisches System.

Am besten gründen Sie also eine präsidiale Republik. An der Spitze des Staates sollte ein Präsident, stehen, der alle fünf Jahre direkt vom Volk gewählt wird. Er ist gleichzeitig Oberbefehlshaber der Streitkräfte und Chef der Regierung.

Die Legislative legen Sie in eine Nationalversammlung, die aber nicht wie in anderen Ländern über 400 Sitze verfügen, da kann man ja nicht vernünftig regieren, weil endlos palavert wird und es dauernd Kämpfe zwischen rivalisierenden Gruppierungen gibt.

Also am besten ein Parlament, das nur 34 Sitze besitzt. Da kennt jeder jeden und unsinnige Flügelkämpfe sind sehr unwahrscheinlich. Fünfundzwanzig Sitze lassen Sie durch eine Volkswahl bestimmen, neun werden nach dem Verhältniswahlrecht verteilt. Machen Sie eine 10%-Hürde, damit Sie keine Zustände wie in Italien kriegen (3 %-Hürde) oder Österreich (lumpige 4 %) Die Mitglieder lassen Sie auf 5 Jahre wählen.

Orientieren Sie sich an einem englisch-französischen Rechtssystem. Die haben mit sowas jahrhundertelange Erfahrung. Sie müssen sich nicht alles selbst ausdenken.

Begrenzen Sie die Einwohnerzahl, sagen wir mal bei rund 90.000. Natürlich wollen vermutlich viele Menschen in Ihr Paradies einwandern. Da sollten Sie einige Hürden aufstellen, dass Sie nicht von Faulenzern, Sozialschmarotzern etc. überschwemmt werden. Machen Sie eine Arbeitserlaubnis verpflichtend, bevor jemand in Ihr Paradies will.

Folgende Kriterien für eine Arbeitserlaubnis sind praktikabel:

  • Charakter, Reputation und Gesundheit des Antragstellers/der zu beschäftigenden Person.
  • Die berufliche oder technische Qualifikation.
  • Die finanziellen Mittel, die jemand mitbringt.
  • Ob jemand die gleiche Arbeit tun könnte, der bereits im Land lebt.
  • Der Schutz von Interessen vor Ort. (Was immer das bedeuten mag.)
  • Und vor allem der wirtschaftliche oder soziale Nutzen der Tätigkeit für Ihr Land.
    Heißt konkret: Sie brauchen eher Lehrer, Busfahrer oder Putzfrauen anstatt Journalisten, Soziologen oder Fotomodelle.

Diese Bedingungen geben Ihnen bei Bedarf genug Ablehnungsgründe.
Für vermögende Rentner können Sie eine andere Regelung treffen. Wenn diese eine Immobilie erwerben möchten, ist das in einem der teuren Immobilienresorts möglich. Inbegriffen ist dann bereits auch schon die Aufenthaltsgenehmigung, die zur dauerhaften Residenz in Ihrem Land berechtigt.

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5. Mindern Sie in Ihrem Paradies mögliche Konfliktpotenziale.

Zum Beispiel sollten etwa 90 Prozent Ihrer Einwohner dieselbe Glaubensrichtung haben. Am besten, Sie wählen die katholische Kirche, weil diese Gläubigen schon ganz jung daran gewohnt sind, zu gehorchen und Gebote und Gesetze zu befolgen.
Außerdem ist der sonntägliche Kirchgang dann für alle der soziale Höhepunkt der Woche, anstatt der Frühschoppen. Man trifft sich mit Freunden und Bekannten auch nicht auf Facebook, sondern fein gekleidet in der Kirche. Das ist gut für das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Ein paar andere Glaubensrichtungen wie Protestanten oder Anglikaner oder Hindus stören nicht. Und wenn etliche auch an Aberglauben, Mystik und Zauberei glauben – tolerieren Sie das großzügig.

Um Harmonie sollte es auch in der Nationalhymne gehen. Und nicht um so was Grausames wie geköpfte Ehefrauen  oder schreckliche Dinge wie Raketen oder explodierende Bomben

Hier ein unverbindlicher Textvorschlag für eine konfliktfreie Hymne für Ihr Paradies:

Unser Heimatland.
Wo wir in Harmonie leben,
sowie in Freude, Liebe und Frieden.
Dafür danken wir Gott.
Lasst uns die Schönheit unseres Landes bewahren
Und die des Ozeans
Die beide ein herrliches Erbe
Für die Zukunft unserer Kinder sind.
Lasst uns auf stets in Einigkeit
unter den Farben unserer Fahne zusammen stehen.
Zusammen für alle Ewigkeit
Unser Land in Einigkeit.

Um mögliche Konfliktpotenziale zu vermindern, sollten Sie noch drei Dinge einführen:

Kontrollieren Sie die Presse.
Aber nicht so dilettantisch wie der große Blonde mit dem Schuss das versucht, sondern viel raffinierter.

Erheben Sie hohe Lizenzgebühren, damit Ihr Staatssender ein weitgehendes Fernseh- und Radiomonopol innehat. Dieser Sender sollte in seiner Berichterstattung klar Ihre Regierung bevorzugen und loben. Dem Informationsminister sollte es per Gesetz erlaubt sein, die Ausstrahlung von Informationen zu verhindern, die dem „Nationalinteresse zuwiderlaufen“. Wenn Sie da Informationsbedarf haben, rufen Sie Herrn Erdogan an.

Sorgen Sie für wenige Zeitungen.
Zu viele Zeitungen mit unterschiedlichen Meinungen sorgen nur für unnötige Verwirrung. Oppositionsblätter lassen Sie zur Abschreckung immer wieder mit ruinösen Klagen von Politikern und Amtsträgern überziehen. Internetzugang ist okay und notwendig. Aber auf regierungskritische Kommentare in sozialen Medien reagieren Sie schnell mit kurzzeitigen Festnahmen.

In der Rangliste der Pressefreiheit reicht das zwar nur für einen mittleren Platz (Rang 87 von 180) aber Ihren Einwohnern ist das egal, weil es ihnen ja sonst gut geht.

Lassen Sie nur eine Einheitsgewerkschaft zu.

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6. Setzen Sie ganz auf  hochpreisigen Tourismus.

Da Ihr Land vermutlich nicht über wertvolle Bodenschätze verfügt und auch sonst wenig in die Welt exportieren kann, wird es spannend, wie Sie an genügend Devisen kommen, um Ihre ehrgeizigen Sozialleistungen zu finanzieren.

Sie könnten aus Ihrer Insel ein Steuerparadies machen, das hat in den letzten fünfzig Jahren gut geklappt.
Aber jetzt wo Steuerparadiese wie Amerikanisch-Samoa, Bahrain, Barbados, Grenada, Guam, Südkorea, Macao, die Marshallinseln, Mongolei, Namibia, Palau, Panama, St. Lucia, Samoa, Trinidad und Tobago, Tunesien und die Vereinigten Arabischen Emirate auf einer schwarzen Liste der EU stehen, ist das ein riskanter Weg, den Sie nicht eingehen sollten.

Dann bleibt Ihnen als Haupteinnahmequelle vor allem der Tourismus.
Dabei hilft Ihnen natürlich Ihre südliche Lage mit den stabilen Temperaturen mit viel Sonne aber nicht zu viel Hitze.
So können Sie es schaffen, dass 30 Prozent der arbeitenden Bevölkerung im Tourismus beschäftigt sind und damit 70 Prozent des Volkseinkommens erwirtschaften. Nicht schlecht, was?

Vermeiden Sie aber unter allen Umständen den Fehler von vielen Tourismushochburgen. Ich sage nur: Mallorca. Dann haben Sie nämlich bald das Problem, dass zwar viele Touristen kommen aber wegen des billigen Biers zu benebelt sind, weiter Geld auszugeben.

Verbieten Sie Rucksacktouristen!
An Ihren wunderschönen Stränden wollen Sie keine Weltumradler mit Plastikzelten, Lagerfeuer und weggeschmissenen Bierbüchsen. Die machen nur Ärger und geben auch viel zu wenig Geld aus.

Halten Sie insgesamt die Zahl der Touristen über hohe Preise möglichst klein.
Unterstützen Sie kleine und gut ausgestattete Hotels, die sich auf hohe Umweltstandards verpflichten. Auch Gästehäuser mit Selbstverpflegung, die vor allem Einheimische betreiben können, sorgen dafür, dass viele Einwohner vom Tourismus profitieren und nicht vor allem internationale Hotelketten.

 

7. Verankern Sie ganz früh den Umweltschutz in der Verfassung.

So ersparen Sie sich blödsinnige Debatten, ob und wann der Klimawandel kommt oder vielleicht schon da ist. Sie wissen als umsichtiger Staatengründer, dass Sie nie gegen die Natur gewinnen können.

Außerdem locken Sie damit wohlhabende und aufgeklärte Gutmenschen und ZEIT-Leser aus Deutschland an. Die verdrängen zwar bei ihren Reisevorbereitungen, wieviel CO2 bei Ihrer Flugreise produziert wird. Aber Sie können nicht die ganze Welt retten und für einen Segeltörn liegt Ihr Land definitiv zu weit weg. Alles hat seinen Preis.

Beim Umweltschutz müssen Sie Nägel mit Köpfen machen. Also nicht einfach nur Strohhalme verbieten, sondern zum Beispiel:

  • Erklären Sie 60 Prozent Ihres Staatsgebiets zum naturgeschützten Gebiet.
    In Deutschland sind es zum Beispiel nur 1,9 %. In Thailand immerhin 22,9%, in den USA 0,00 %. Hah, da können Sie echt punkten und nicht nur Alibimaßnahmen hochjubeln wie viele andere Länder.
  • Legen Sie bei geplanten Bauprojekten in solchen Gebieten ein striktes Veto ein. Allerdings könnten Sie gezwungen sein, zur Sanierung der Staatsfinanzen doch einige attraktive Strände an ausländische Investoren zu verkaufen.
  • Fördern Sie erneuerbare Energien, indem Sie die private Erzeugung von Solarstrom staatlich fördern. Bauen Sie Windstromanlagen.
  • Verbieten Sie den Take-away-Restaurants Essen in Styroporgeschirr zu verkaufen und zwingen Sie sie, ausschließlich Geschirr aus Zuckerrohrfasern zu benutzen. Verbieten Sie Plastiksäcke.

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8. Bekämpfen Sie die menschliche Gier.

Das ist der größte Feind, der Ihr schönes Projekt langfristig doch zum Scheitern bringen könnte.

Alle Paradiese sind bisher daran gescheitert. Daran, dass Menschen oft nicht gut mit dem zufrieden sein können, was sie haben. Sondern mehr wollen. So passierte es ja auch im allerersten Paradies. Alles war da, Adam und Eva waren unschuldige Menschen, aber die Schlange versprach: „Wenn Ihr von diesem Apfel esst, dann werdet Ihr wie Gott und erkennt Gut und Böse.“

Und das ist die Erbsünde, die uns allen heute in der DNA sitzt: „Wir wollen mehr!“

Das unterscheidet uns übrigens von den Tieren. In ihrer natürlichen Umgebung wollen die nie mehr als das was sie gerade brauchen. Oder haben Sie schon mal einen Löwen mit Übergewicht gesehen? Oder eine fette Amsel? Nein, Tiere wissen, wann sie genug haben – und dann hören die einfach auf. Mit Fressen, Saufen oder Sex. Beneidenswert!

Wir dagegen wollen immer mehr.
Mehr Geld, mehr Einfluss, mehr Macht! Das hat uns zweifellos viel Fortschritt gebracht. Wir leben länger, weil wir gesünder sind. Auf dem Mond gibt es einen menschlichen Fußabdruck. Wir haben so viele Atomwaffen, das wir die ganze Erde zerstören könnten.

Das machen wir natürlich nicht. Jedenfalls nicht mit einem großen BUMMMMMM! Wir machen es langsam, schrittweise. Wir verdrecken die Meere, töten Tiere, die wir nicht brauchen, verpesten die Luft … Sie wissen das alles.

Und das ist die große Gefahr, die auch Ihrem Paradies droht. Die menschliche Gier des „Ich will mehr!“

Wir können Sie dagegen angehen?
Das wird schwer. Am besten, indem Sie Lobbyismus, Korruption und Vetternwirtschaft radikal bekämpfen. Das ist natürlich schwierig, vor allem wenn Ihr Paradies eine Demokratie ist. Denn Sie und Ihre Abgeordneten wollen ja wiedergewählt werden. Und auch wenn Sie nicht so gierig sind, einige Ihrer Abgeordneten oder Wähler sind es wahrscheinlich schon.

Dann also doch besser eine Diktatur! Aber dann müssten Sie immer genau wissen, was gut und richtig ist für Ihr Volk. Und genau das können Sie nicht! Denn die Menschen haben vermutlich ganz andere Vorstellungen von einem guten Leben als Sie.

  • Wollen statt die Natur zu erhalten und mit dem Fahrrad oder Bus zu fahren lieber auch einen Sportwagen oder einen dicken Mutti-Panzer.
  • Wollen statt einheimische Früchte und Gemüse zu essen, lieber Coca Cola, McDonalds oder Steak nur vom Kobe-Rind. Wollen keine Flip-Flops aus Bast oder alten Autoreifen, sondern Nike-Sneakers. Wollen mehr Fernsehprogramme und dann noch Netflix dazu. Wollen ein dickes Auto, oder am besten zwei. Wollen nicht dauernd Kokosnuss-Curry essen, sondern Fleisch, viel Fleisch.

Und wenn Sie das aber jetzt alles verbieten, werden Ihre Landsleute mit der Zeit unzufrieden. Das ist gefährlich. Denn wenn ganz viele Einwohner unzufrieden werden, kommt es vielleicht zum Putsch.

Um das zu verhindern bräuchten Sie viel Polizei und Militär und müssten ganz früh solche regierungsfeindlichen Wünsche im Keim ersticken. Wenn Sie wissen wollen, wie Sie das am besten machen, erkundigen Sie sich bei Politikerkollegen in Russland, Nordkorea oder China. Die versuchen auch, den Traum vom Paradies durchzudrücken.

Aber so geht jedenfalls Paradies.

Was halten Sie von meiner Bauanleitung? Utopisch? Geht nicht!

Sie irren sich. Ich habe es in diesem Sommer erlebt. Auf den Seychellen. Die Vorschläge meiner Bauanleitung sind eins zu eins Maßnahmen, die dort realisiert wurden. Und bis jetzt klappt das dort sehr gut. Schauen Sie es sich vor Ort an.

Oder besser doch nicht. Denn auch die Seychellen sind durch den Klimawandel bedroht. Schon im Jahr 2100 könnten durch den ansteigenden Meeresspiegel einige der Inseln verschwunden sein.

Also besser nach Sylt statt auf die Seychellen, wie es einige Politiker vorschlagen?

Und? An Ihrer Reaktion jetzt merken Sie, wie schwierig es ist, das menschliche Wünschen einzugrenzen. Dass auch Sie wahrscheinlich – wie wir alle – mehr wollen. Und warum das mit dem Paradies immer nur eine gewisse Zeit geht. Aber nicht auf Dauer.

Zyniker sagen außerdem, dass es im Jahr 2100 auch Sylt nicht mehr gibt.

kommentar Wo läge Ihr Paradies?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

9 Kommentare

  1. Hallo und vielen Dank für diesen Tollen Beitrag, ich finde immer noch das Bescheidenheit eine Wichtige Rolle Spielt um überhaupt Glücklich werden zu können.

  2. Klaus Herrig sagt

    Es schaut in der Tat nicht so rosig aus, was unsere Zukunft anbetrifft.
    Vielleicht gehen wir mal einige Schritte zurück, einige viele Schritte, vielleicht bis zum Mond, – das könnte reichen.
    Schauen wir von dort auf die Erde, sehen wir das Paradies, – (beachten wir bitte das UMFELD unseres Planeten, da ist weit und breit nichts Vergleichbares …) –
    wäre da der Mensch nicht, ausgekoppelt aus demselben…

    Kluge Köpfe hatten mal geschrieben, dass der Mensch die Krone der Schöpfung sei, ein Abbild „Gottes“.
    Verglichen mit einer Kuh, könnten wir bei vielen Menschen erkennen, dass es da ein gewisses Potential gibt, welches uns befähigt, zu den Sternen zu fliegen.
    Kühe unter anderem, wurden dazu nicht befähigt…

    So sehe ich in allem, was wir tun, einen Sinn – auch wenn Vieles, aus der Nähe betrachtet, erstmal sehr schwachsinnig erscheint…
    Dazu müssen wir viele Schritte auf Distanz gehen, um es im Gesamtzusammenhang betrachtet, als notwendiges Übel – welches natürlich abzustellen ist – (Beispiel Umweltverschmutzung), zu betrachten, aber auf dem Weg zu dem, wohin wir streben, unaufhaltsam auf immer höher, schneller, weiter und mehr und mehr zu streben, als Nebenprodukt erstmal nicht verhindern können. Die Zeit, um „Kollateralschäden“ zu vermeiden, wird sicherlich noch kommen…

    Es bleibt die Frage, WARUM rasen wir entwicklungsmäßig so voran?
    Weil wir es können …

    Wieso bekommen wir ein Terrabyte an Daten auf Fingernagelgröße? …. Und das ist erst der Anfang.
    Wozu befinden sich etwa 2000 gesteuerte Satelliten in der Erdumlaufbahn? …
    Wieso bewegen sich täglich über eine Milliarde Fahr- und Flugzeuge, wohin zielt das eigentlich?
    Wieso muß ein gebildeter Mensch 20 Stunden lang in einer geflügelten Aluminiumwurst um den halben Planeten fliegen? ……
    Welcher Sinn steckt hinter all diesen Bewegungsmustern?
    Dass wir es können, dass wir noch viel mehr können, unvorstellbar viel mehr? …

    Egal, wo wir auf diesem Planeten nach „unserem Paradies“ suchen und wie auch immer das gestaltet sein sollte, was nutzt uns das, wenn wir den Sinn des GANZEN nicht verstehen? …

    Der Sinn ist in meinen Augen so banal, dass wir getrost zur Tagesordnung übergehen können, denn ich bin mir sicher, der Sinn all unseres Tuns und Nichttuns, wird sich automatisch erfüllen.
    JedeR trägt seinen Teil dazu bei.
    Eine Insel käme für mich als „Paradies“ nicht in Frage.
    Da bleibt nur das Festland, auf dem ich zur Not zu Fuß hingelangen kann. Sicher muss auch Wasser da sein und Wellen…
    Das Paradies erscheint mir auch nur eine Illusion zu sein, betrachten wir die Evolution aller Lebewesen auf dieser Welt, die immer nur vom Fressen- und Gefressenwerden bestimmt war und ist.
    In den Weiten des Weltraumes herrschen da ganz ähnliche Zustände, was sich Gegenstände mit Masse gegenseitig antun, – vieles von dem da draussen, spiegelt sich auf der Erde wieder … Sterne werden geboren und sterben, ganze Galaxien ebenso, – ähnlich schaut es im Mikrokosmos aus, so viele frappierende Ähnlichkeiten in diesen 3 „Welten“…
    Die „leicht“ ironischen Bauanleitungen von Dir, Roland, wie sich ein Paradies schaffen ließe, birgt soviel Diskussionspotential und läßt uns oftmals schmunzeln…
    … aber ganz ehrlich, nicht nur ich, sondern viele die ich kenne, leben zwar in unserem sozialpolitischen System, sind aber eigentlich absolut fertig damit.
    In Englisch ließen sich die meisten selbstgebastelten „Paradiese“ mit dem Satz beschreiben: My home is my castle… or better – paradise …
    Du Roland, inspirierst uns mit Deinen Gedanken hier zur Selbstmotivation, wobei das „Fliegenlassen“ der Gedanken uns die Möglichkeit gibt, ganz aus den Zwängen unseres selbstgebauten Paradieskäfigs hinauszuschweben, was einem paradiesischen Zustand recht nahe kommt, Spärenklänge aus Youtube wie: https://www.youtube.com/watch?v=2bFo65szAP0
    lassen mich hier gerade beim Tippen in Dein Kommentarfeld in die Körperlosigkeit eintauchen …

    Einfach mal ein großes Dankeschön für Deine Sonntagsperlen, Roland … und Lesen kann süchtig machen !!
    Vor fast 40 Jahren verlor ich diese Fähigkeit, tanzten pro Schicht in Rechenzentren weit über 1000 Seiten zu lesende Meldungen über die Bildschirme, da schaltete mein Gehirn beim Lesen jedes Buches schon nach der einem Viertel der ersten Seite ab.
    Klingt traurig, aber die Realität war so viel spannender als jedes Buch.
    Ein Buch erscheint mir auch heute noch tot und unvollständig – wo kann ich den Autor fragen?, warum tauchen immer wieder in Büchern Meinungen und Aussagen auf, die nach meiner Lebenserfahrung so nicht stimmen … und deswegen ist Deine unerschöpfliche Mühe um die Welt Deines Blogs hier lebendig zu halten so viel lebendiger als jedes Buch, obwohl ich nicht in allen Dingen Deine Meinungen teile, aber die Lebendigkeit und die Möglichkeit, hier zu schreiben, auch wenn es schwer ist, präzise auf Deine Ausführungen einzugehen, toppt einfach jedes tote Buch. Das ginge selbst in ausführlichen persönlichen Gesprächen nur mühsam ….
    So verbleibt jedeR in seinem eigenen selbstgeschaffenen Denkgebäude, weil sich das so richtig paradiesisch anfühlt.
    Lassen wir fremde Gedanken dort hinein, was Du mit deinen Motivationskursen versuchst, aber nur dann gelingt, wenn wir das zulassen und Wege, die verschüttet sind wieder gangbar machen, was oft fast übermenschliche Anstrengung erfordert…
    Auf jeden Fall ermutigen Deine Hilfestellungen, an Aufgaben die wir nicht in Angriff zu nehmen gewagt hätten, näher heranzutreten und uns darauf zu konzentrieren. – Übung macht den Meister, und was ich jetzt immer wieder angegangen bin, weil es mir schmerzhaft unter den Nägeln brennt, nimmt langsam Gestalt an. Dank Deiner unermüdlichen Aufmunterungen.

    Was ich mache ist nicht von Belang, dass ich es mache ist das Wichtige. Es bring nicht nur mir das Paradies näher, beziehungsweise weiter weg, kommt auf den Standpunkt an…..

    Herzliche Grüße, Klaus

  3. Hallo Roland, du hast den Kern gut getroffen, und mit Humor. Scheint alles nicht so schwierig, wenn da nicht die Menschen waeren… die Lust auf die Seychellen hast du jedenfalls geweckt!

  4. Klar, kann das Paradies auch vor Ort sein, zum Beispiel auf Ihrem Balkon. Es gibt ja zum Glück nicht nur ein Paradies.
    Aber angenommen, Sie würden jetzt eine Reise auf die Seychellen gewinnen. Würden Sie wirklich nicht fahren wollen?

  5. Conny Stark sagt

    Obwohl ich die Aufnahmen sehr schön finde, wären die Seychellen sicherlich nicht mein Reiseziel. Tourismus ist nicht nur Segen sondern oft auch Fluch. Wobei ich auch der Meinung bin, dass man nur etwas schützt, wenn man es lieben- und kennengelernt hat.

    Das Paradies kann auch direkt vor Ort sein. Mein kleines Paradies ist mein Balkon. Ich habe ihn so bepflanzt, dass Bienen und andere Insekten Nahrung finden. Ich habe die Vögel im heissen Sommer mit Nahrung und Wasser versorgt. Zum Dank, brüteten Meisen und Spatzen des öfteren und zogen vor meinen Augen ihre Jungen auf. Ich glaube, das Paradies ist dort, wo man im Positiven wirksam sein kann, etwas Gutes tut. Freude erschafft im Herzen das eigentliche Paradies.

  6. Silva Keberle sagt

    Eigentlich geht es ja um die Frage, ob wir Menschen uns als Gruppe auf etwas einigen können, das nicht das Individuum, sondern das Grosse Ganze fördert.
    Da der Mensch intrinsisch gierig ist und Geld/Macht den Menschen sehr verändert, wird das mit dem Grossen Ganzen nicht klappen. Wir stehen uns selbst immer am Nächsten, und die fernere Zukunft betrifft uns ja nicht mehr…

    Da können wir nur hoffen, dass wir uns als chaotisches Ganzes doch immer wieder erfolgreich organisieren. Mein Vertauen schwindet allerdings zunehmend, wenn ich die Weltpolitik anschaue. Wobei ich gut verstehen kann, warum es so weit gekommen ist.

  7. Elfriede Meißl sagt

    Hm, ich weiß gar nicht, wie „mein“ Paradies ausschauen könnte. Ich lebe in Österreich und fühle mich hier ohnehin bei allen Schwächen privilegiert, weil ich hier leben kann. Würde es nicht als Paradies ansehen, aber es ist nah dran.

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