Diese Frage haben Sie Ihrem Partner noch nie gestellt.

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Ihr Ton wurde schärfer: „Nie bist Du da! Ich muss mich neben meinem Job noch um den Haushalt und die Kinder kümmern. Und Du bist immer nur arbeiten!“

„Aber das mache ich doch nur für Dich und die Kinder“, rechtfertigte sich der Mann. „Glaubst Du, es macht mir Spaß, soviel zu arbeiten?“

„Ja, ich glaube, Du bist oft lieber bei der Arbeit als zu Hause“, entgegnete die Frau und kämpfte mit den Tränen.

„Das stimmt nicht. Ich arbeite soviel, weil ich Euch liebe und Euch ein gutes Leben ermöglichen will,“ brach es aus dem Mann heraus, der jetzt auch Tränen in den Augen hatte.

„Hört sich für mich so an, als wollten Sie Ihrer Frau damit beweisen, dass Sie sie lieben“, sagte ich leise zu dem Mann.

„Ja, so ist es,“ antwortete er. „Das ist meine Art, ihr zu zeigen, dass ich sie über alles liebe.“


 

Liebesbeweise braucht am Anfang einer Liebesbeziehung ja keiner. Die hormonell erzeugten Gefühle lassen keinen Zweifel daran, dass wir den anderen wollen – und er oder sie uns.

Doch mit den gelebten Jahren in der Partnerschaft kann diese Gewissheit abnehmen. Nicht umsonst gibt es unter der Google-Frage „Liebt er/sie mich noch?“ zahllose Vor- und Ratschläge, welche Anzeichen die besten Liebesbeweise sind.

  • Er/sie nimmt sich immer Zeit für dich. Auch, wenn er/sie eigentlich zu tun hat.
  • Er/sie überrascht dich indem er/sie dein Lieblingsessen kocht oder dich mit einem Geschenk überrascht.
  • Er/sie hört dir immer zu. Selbst, wenn es um langweilige Themen wie deine Arbeit oder deine nervige Mutter geht.
  • Er/sie sagt eine wichtige Verabredung ab (Champions-League-Endspiel oder Konzert mit Xavier Naidoo), um den Abend mit dir zu verbringen.
  • Er klappt einfach nur den Klodeckel wieder runter, obwohl Sie gar nicht zu Hause sind.

Hmm, sind das Liebesbeweise?

Beweisen muss man ja immer nur dann etwas, wenn man Zweifel hegt, es also auch ganz anders sein könnte. Als regelmäßiger Tatort-Zuschauer (mein Beileid!) wissen Sie, dass eine eine einleuchtende Theorie interessant sein mag – aber ob es wirklich stimmt, dafür braucht es einen Beweis.

So ist es auch in der Partnerschaft. Wer argwöhnt, dass der Partner fremdgeht und den gutklingenden Beteuerungen („Sie ist einfach nur eine nette Kollegin und wir mussten bis drei Uhr nachts die Präsentation fertigstellen.“) nicht glaubt, sucht nach Beweisen. Hier eine Liste von verräterischen Anzeichen für Fremdgehen.


„Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit“

Also Beziehungsarbeit. Das wusste schon Evje van Dampen alias Hape Kerkeling.

Will heißen: Alles Lebendige braucht Zeit, Mühe und Aufmerksamkeit. Viele Paarratgeber geben den Hinweis, dass um eine Partnerschaft lebendig zu erhalten, man immer wieder miteinander sprechen muss. Man also an der Beziehung arbeiten muss.

Doch wie geht diese Beziehungsarbeit?

Schon der Satz „Schatz, wir müssen mal über unsere Beziehung reden!“ löst ja bei den meisten Männern Fluchtdendenzen und einen Sturm von kreativen Ausreden aus. Doch warum reden Männer so ungern über ihre Gefühle und Beziehungsfragen?

Ethnologen erklären dieses Verhalten damit, dass Männer schon seit der frühen Steinzeit gewohnt sind, wortlos stundenlang ins Feuer zu starren. Diese Gewohnheit hat sich bei vielen Männern bis heute erhalten. Doch mangels Feuer starren sie heute meist in den Fernseher oder aufs Handy.

Doch der zweite Satz der Thermodynamik gilt überall im Leben. Er lautet, kurz gefasst: Alles wird von alleine schlechter:

  • Die Fensterrahmen Ihres Hauses verwittern.
  • Ihr sauberes Auto wird von alleine dreckig.
  • Die Schreibtischordnung verschwindet unter Briefen, Akten und Notizen.
  • Ihr Garten verwildert.
  • Ein Projekt droht, gegen die Wand zu laufen.
  • Und dasselbe passiert mit Ihrer Beziehung im Lauf der Zeit.

Will man das verhindern, muss man etwas dafür tun. Aufräumen, pflegen, instandhalten.

Bei Haus, Auto, Schreibtisch, Garten und Projekt akzeptieren wir das. Und tun auch meist das Notwendige. Dass auch eine Beziehung Zeit, Aufmerksamkeit und Pflege braucht, glauben viele erst dann, wenn man „sich auseinander gelebt hat“.

Da hilft dann auch nicht das Liebesschloss, das man dereinst an einer Brücke mit den entsprechenden Schwüren befestigt hat.liebesbeweise, partnerschaft, ehekrise, kopp-wichmann, persoenlichkeits-blog.de,

Diese Liebesschlösser sind ja sowieso eine Marketingidee von Mister Minit und Schloss-Herstellern, die neidisch waren auf den Umsatz der Floristikbranche am Valentins- und Muttertag. Mittlerweile profitieren auch die Hersteller von Bolzenschneidern von diesem Trend.

Aber hier kommt die gute Nachricht. Sie brauchen diese ehernen Liebesbeweise nicht. Sie brauchen eigentlich nur eins.


 

Sie brauchen nur eine einzige Frage.

Das Problem bei der Unsicherheit in Partnerschaften ist ja Folgendes: Wir können die Realität nicht direkt erkennen. Deswegen machen wir uns Bilder von der Wirklichkeit, sogenannte Landkarten. Hier lesen Sie mehr darüber.

Doch die Bilder in Ihrem Kopf sind nicht die Realität, es sind halt die Vorstellungen (Landkarten), die Sie über etwas haben.

Und das gilt auch für die Partnerschaft. Also Ihre Vorstellungen darüber, was Liebe eigentlich ist. Oder ob Sie überhaupt  liebesfähig sind. Oder ob Ihr Partner sich geliebt fühlt.

Wichtige Fragen, aber woher kommen die Antworten?
Ganz einfach, von Ihrem Partner. Und das geht so:

  • Warten Sie einen passenden Moment ab.
    Sie und Ihr Partner sind nicht gestresst. Kinder im Bett. Nichts Spannendes im Fernsehen. Smartphones auf lautlos gestellt.
  • Und jetzt stellen Sie Ihrem Partner einfach diese Frage:
    „Woran merkst Du, dass ich Dich liebe?“

Sie werden wahrscheinlich überrascht sein.

Denn wenn Sie sich selber fragen, wie Sie ihm oder ihr ihre Liebe zeigen, kommen Ihnen vielleicht Antworten wie:

  • Weil ich viel arbeite, Geld nach Hause bringe und uns ein gutes Leben ermögliche.
  • Weil ich mich neben dem Job um den Haushalt und die Kinder kümmere.
  • Weil ich ihm manchmal einen Orgasmus vortäusche, weil er dann stolz ist.
  • Weil ich supernett zu ihrem Vater bin obwohl ich ihn total nervig finde.

Doch wahrscheinlich bekommen Sie von Ihrem Partner auf diese Frage ganz andere Antworten als Sie erwarten.

Lassen Sie sich überraschen. Und stellen Sie heute oder morgen Ihrem Partner diese Frage:

„Woran merkst Du, dass ich Dich liebe?“

PS: Wenn es in Ihrer Partnerschaft gerade ein paar Probleme haben, dann ist vielleicht das hier ganz gut …

 

 

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach.
Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse.
Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

5 Kommentare

  1. Ganz einfach: Die Frau fragt: „Wann kommst du endlich ins Bett? – Und das nach zwölf Jahren wilder Ehe ohne Kinder und Hochzeit. Es geht auch nur mit einem Menschen. Fokus auf das Wichtige. 🙂

  2. Jana Lindberg sagt

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    da haben Sie uns aber einen schönen Sonntag beschert! Die Frage „Woran merkst du, dass ich dich liebe“, haben wir uns als Paar gleich beim Sonntagsfrühstück gestellt und sehr berührende Antworten bekommen. Eine warme Bestärkung.

    Der Artikel ist zugleich unterhaltsam und tiefgehend. Hat mir sehr gefallen. Einen schönen Sonntag wünsche ich,
    Jana Lindberg

  3. Hallo,

    danke für diesen inspirierenden Artikel.Oft braucht es eben nur die richtige Frage, die man aber selten parat hat. Ich bin immer froh um Anregungen dieser Art.
    Das wird getestet und ich bin gespannt auf die Antworten.

    Liebe Grüße Evelyn

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