Wie man seinen Traumjob findet.

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Karriere / Zeitmanagement

Ein Video-Interview mit Elita Wiegand, Businessclub innovativ

geschäftsmann, surfbrett_xs_AZP Worldwide - Fotolia

„Mach doch eine Banklehre, das ist was Solides und damit kannst Du hinterher alles Mögliche machen“,  sagte mein Vater zu mir, als ich mit 16 Jahren die mittlere Reife hatte und nicht wusste, was damit anfangen.

Heute studieren viele Jugendliche in einer ähnlichen Lage nach dem Abitur BWL oder machen ein freiwilliges soziales Jahr – weil sie eigentlich nicht wissen, welcher Beruf sie lockt. Dass ich das gut verstehen kann, sieht man an meinem Lebenslauf.

Doch wie findet man einen Beruf, der zu einem passt? Der außer der Sicherung des Lebensunterhalts auch noch für eine lange Befriedigung sorgt, das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun?

Ich habe dazu Elita Wiegand interviewt. Sie war mal Stewardess, wurde dann Journalistin und ist heute Geschäftsführerin des Business-Clubs „innovativ-in“, wo sie Querdenker aus den verschiedensten Branchen einlädt, sich zu vernetzen.

Wie sie – auch durch gesundheitliche Krisen – ihren eigenen beruflichen Weg fand, können Sie im Video sehen und hören.

 Hier meine Fragen:

RKW: Wir beide sind ja Beispiele dafür, dass die Berufswahl kein leichtes Unterfangen ist, dass es konkret ganz schön viele Wege und Umwege geben kann, bis man da landet, wo man hingehört.

Frage: Sie waren doch mal Flugbegleiterin, stimmt’s?

 

RKW: Ich war 27 Jahre als ich mein Abitur endlich hatte und Psychologie studieren konnte und Sie hatten mit dreißig Jahren den Wunsch, als Journalistin zu arbeiten.

Frage: Wie kamen Sie zu diesem Wunsch? Spielten da auch die väterlichen Gene eine Rolle?

 

RKW: Den Job bei der Lufthansa haben Sie aufgegeben, weil Sie schwer krank wurden. Nun erlebe ich oft, dass Menschen nach einer Krankheit ihr Leben umkrempeln.

Frage: Warum, glauben Sie, braucht es oft erst eine ernste Krise, damit jemand etwas ändert. Ohne Krise wäre es doch viel leichter, oder nicht?

 

Es gibt ja viele Menschen, die mit ihrem Beruf unzufrieden sind, wenig Sinn darin sehen, ihn nur als Broterwerb betrachten.

Frage: Was kann man konkret tun, wenn man beruflich unzufrieden ist?

 

RKW: Sie haben mal gesagt, dass es unterschiedliche Zeichen gibt, die einem nahelegen, etwas zu ändern. Also wiederkehrende Träume, anhaltende Krisen oder Konflikte, die immer nach dem gleichen Muster ablaufen?

Frage: Können Sie das erläutern?

 

RKW: Manche Menschen wissen ja sehr genau, was sie nicht wollen, also zum Beispiel ihren derzeitigen Beruf. Wenn man die aber fragt, was sie denn gern lieber tun würden, zucken sie mit den Schultern.

Frage: Wie findet man seinen Wunsch- oder Traumberuf, in dem man zufriedener ist? 

RKW: Sie plädieren ja sehr für das „Querdenken“. Nun sind ja in vielen Bereichen des Lebens, zum Beispiel Politik oder Unternehme Querdenker gar nicht so gefragt. Stromlinienförmige Leute, die sich gut anpassen, haben oft mehr Erfolg.

Frage: Was genau zeichnet einen Querdenker aus und wie kann ein Querdenker sich beruflich verändern, wenn er merkt, dass seine Ideen dort nicht ankommen, wo er gerade ist?

 

RKW: Sie sind ja auch eine leidenschaftliche Netzwerkerin. Viele verstehen darunter ja vor allem ein digitales Vernetzen über die Social-Media-Kanäle wie Facebook, Twitter oder Google+.

Frage: Reicht das digitale Vernetzen oder mit welcher Strategie des Vernetzens haben Sie die besten Erfahrungen gemacht?
RKW: Sie haben jetzt schon mehrmals in Ihrem Leben Ihren Beruf gewechselt, jetzt schlage ich Ihnen noch einmal einen Wechsel vor. Angenommen, ich gebe Ihnen fünf Millionen Euro unter der Bedingung, dass Sie all das, was Sie jetzt tun, nicht mehr tun dürften – alle anderen Berufe und Tätigkeiten, die es auf der Welt gibt, stünden Ihnen aber frei.

Frage: Würden Sie die fünf Millionen nehmen und wenn ja, was würden Sie dann tun?

httpv://www.youtube.com/watch?v=IHvd7OItLRs

 

wie findet man nun den Traumberuf?

Das war die Eingangsfrage. Manche wissen das schon als Kind oder Jugendlicher, was sie mal werden wollen. Für viele spielen bei der Berufswahl neben der Neigung auch die Karrieremöglichkeiten eine wichtige Rolle. Und was man verdienen kann.

Das war bei mir nicht anders.

Eine Umkehr ist oft erst dann möglich, wenn man diese Ziele erreicht hat und merkt, dass es einem mit noch mehr Geld oder einer hochtrabend klingenden Berufsbezeichnung wie Vision Clearance Engineer ähnlich geht wie mit dem Kauf des iPhone 5. Man packt es aus und wird vom Endorphinrausch geflutet. Ein paar Wochen später ist es einfach ein Handy.

Dass einen eine berufliche Aufgabe möglichst täglich motiviert und mit Zufriedenheit erfüllt, hat viel mit dem Sinn zu tun, den wir der Aufgabe zumessen. Wie findet man diese Aufgabe?

Aus meiner Erfahrung muss man dazu tief in sich hinein schauen oder horchen. Spüren, was einem wirklich wichtig ist und am Herzen liegt.

Dabei hilft auch die Erinnerung daran, dass man nicht unbegrenzt Zeit hat. Und man das, was einem wirklich wichtig ist, ja irgendwann später noch nachholen könne.

Durch Begrenzung können wir deutlicher spüren, was uns wichtig ist.

Dafür gibt es zwei gute Übungen. In beiden konfrontieren Sie sich mit der Wahrheit, die wir sonst gern verdrängen, dass auch unser eigenes Leben begrenzt ist. Und wir nicht wissen, wie viel Zeit wir noch haben:

  • Sie stellen sich vor, dass Sie noch ein Jahr zu leben hätten.
    Lesen Sie hierzu diesen Artikel…
  • Sie stellen sich vor, dass Ihre letzte Stunde gekommen ist.
    Lesen Sie hier, was eine australische Krankenschwester dazu von Sterbenden erfuhr…

tasse_nicht_scheiternOkay, das sind jetzt nicht so schöne Gedanken, die aber gleichwohl viel mit unserem heutigen Leben, wie wir es führen, zu tun haben. Denn vor lauter Arbeit, Familie, Stress und vielen To-Do-Listen usw. kommen wir manchmal nicht dazu, über uns selbst und unser Leben nachzudenken.

Tun Sie es doch jetzt. Für zwei Minuten.

Damit es Ihnen nicht geht wie vielen Journalisten, so meinte Mark Twain, die ein Leben lang darüber nachdenken, welchen Beruf sie verfehlt haben.

PS: Alle bisherigen Video-Interviews finden Sie hier …

 

kommentar Wie haben Sie Ihren Traumberuf gefunden?

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Foto: © AZP Worldwide Fotolia.com

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

11 Kommentare

  1. Hallo Zusammen,

    also als 16 Jähriger zu wissen, was man einmal werden möchte, ist schwierig. Ich denke, es hilft auf jeden Fall nicht zu viel darüber nachzudenken, sondern in erster Linie zu handeln, denn wer auch bereit ist auszuprobieren, ist auch motiviert.

    Ihr könnt euch auch gern einmal an:
    Recruiting
    wenden. Diese haben mir schon einige Male weiterhelfen können.

    Gruß

  2. Andi Buhle sagt

    Die eigene „innere Stimme“ ist immer der beste Wegweiser. Nur dem folgen, das ist das ganze Geheimnis.

    Viele haben es geschafft Ihr Hobby zum Beruf zu machen. Aber auch hier läuft man Gefahr, dass man die Freude an der Sache verliert, wenn man sie zum Beruf macht.

    Ich empfehle in solchen Situationen, den Rucksack zu packen und durch die Welt zu reisen. Du siehst dann so viel und mit einem erweitertem Horizont löst sich auch diese Frage!

  3. Hallo,
    sehr gut ausgedrückt: „Das schwierigste war für meine innere Stimme, durch die Betonplatten an Sozialisierung durchzukommen.“
    Viel Erfolg!

  4. David Goebel sagt

    Und manchmal dauert es auch ziemlich lange, bis man den eigenen Ruf hört. 4 Jahre lange habe ich jetzt Bücher gelesen und Seminare besucht, mir über vieles klar geworden. Endlich hat es dann jetzt „geschnackelt“.Und nun ist alles sehr viel klarer, wenn auch nicht leichter 😉
    Das schwierigste war für meine innere Stimme, durch die Betonplatten an Sozialisierung durchzukommen.
    Das Interview hat mir sehr gut gefallen.

  5. Autumnofolium sagt

    Ich finde die Fragen wenig zielführend.
    Wenn ich noch ein Jahr zu leben hätte, würde ich nämlich folgendes tun:

    -Weltreise mit Rucksack, Zug, per Rad und zu Fuß
    -Müßiggang, ausschlafen, gut frühstücken
    -soziale Kontakte pflegen.
    -Musikmachen, Jamsessions, kreativ sein, in den Tag hineinleben!

    Meine Wünsche sagen exakt nix über meine berufliche Bestimmung aus, sondern sind Ausdruck des Wunsches nach Ruhe und der Erfüllung von Lebensträumen.
    Die Vorstellungen von meinem Traumberuf bleiben nach wie vor unklar. Wenn ich ehrlich bin, ist das ein easy Job mit genug Kohle um halbtags arbeiten zu können, flexibel genug, um die Halbtagszeit auch mal auf ein halbes Jahr Vollzeit auszudehnen (das andere halbe Jahr wird freigemacht), und dabei noch genug Geld zu haben um einigermaßen Komfortabel leben zu können, d.h.: 2 Riesen monatlich solltens schon netto sein um meine Spaßwünsche zu erfüllen, was ich dann in meiner massigen Freizeit mache :D.
    So einen Job wird es aber schwerlich geben ohne dass man der Top-überflieger in der Branche ist.
    Wem haben diese Fragen denn geholfen, die eigene Bestimmung zu finden?

  6. Hallo Brita,
    danke für Ihr schönes Feedback.
    Stimmt, das Leben bietet viele Möglichkeiten, beruflich wie privat. Und mehr Optionen machen die „richtige“ Wahl mitunter besonders schwierig. Da hilft es einerseits, eine Begrenzung einzuführen und andererseits sich das Träumen zu erlauben.

  7. Brita sagt

    Seit einiger Zeit lese ich regelmäßig Ihre Beiträge bzw. höre sie mir als Podcast an. Auf diesem Wege – vielen, vielen Dank!
    Man findet immer wieder Ideen, kommt ins Grübeln, erhält Mut, lächelt, staunt und hält inne. Sie stellen interessante Fragen und gehen überhaupt sehr respektvoll alle Themen an.
    Die Suche nach dem „Traumjob“ ist gar nicht so einfach. Wie findet man ihn? Welche Begabungen habe ich überhaupt? Was will ich eigentlich? Viele Stimmen und viele Zweifel. Die 5 Mio Euro Frage ist interessant – sie schafft vielleicht ein wenig Klarheit, bevor man sich im Gedankengestrüpp verirrt..

  8. O. M. sagt

    Schönes Interview!

    Mein innerer Kritiker wird ein kleines Bisschen leiser, wenn ich Frau Wiegand zuhöre.

    Bitte mehr davon! 🙂

  9. Gar nicht so einfach rauszufinden, was man will. Hineinhorchen ist gut. Und wenn da viele Stimmen sind?
    Mal ausprobieren von anderen Dingen fand ich für mich ganz gut. Das ergab neue Sichtweise.
    Ebenso auch mal Ideen ruhen lassen.

    Die 5 Mio-Frage gefiel mir besonders. Mir würden dazu noch viele Tätigkeiten einfallen, die auch machen würde. Deshalb würde ich das Geld nehmen und schon mal starten. :-))

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