Wie viel Eltern braucht ein Kind?

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Neurobiologie / Persönlichkeit / Psychologie

Die erstaunlichen Thesen eines japanischen Geigenlehrers.

Diese Woche abends sah ich zum ersten Mal die Sendung „Der Hundeprofi“ mit Martin Rütter. Er besucht darin Prominente, deren Hunde sich katastrophal benehmen.

Er ändert jetzt aber nicht das Verhalten der Hunde, sondern er trainiert die Besitzer!

Das erinnerte mich daran, dass ich vor Jahren mal ein Buch über einen japanischen Geigenlehrer gelesen hatte. Shinichi Suzuki brachte Kindern das Violinspiel bei. Und zwar so gut, dass sie schwierige Stücke in einem Orchester spielen konnten. Nichts Besonderes?

Nun, die Kinder waren drei oder vier Jahre alt.

Und er hatte eine besondere Methode. Suzuki glaubte nicht an Talent. Er glaubte an Übung, Geduld und einige andere Tugenden, die in der heutigen Zeit fast altmodisch klingen. Denn wir wollen ja gern alles ganz schnell, ohne Anstrengung. Schlank werden im Schlaf.

Kann jemand etwas außergewöhnlich gut, sprechen wir gern von angeborenem Talent. Suzuki zeigte, dass das kompletter Blödsinn ist. Sondern dass vor allem ein guter Lehrer mit viel Ausdauer und Geduld entscheidend ist.

Zur derselben Schlußfolgerung kommt auch Malcolm Gladwell in seinem Buch „Überflieger“. Nicht Talent, sondern Glück und vor allem die 10 000-Stunden-Regel entscheiden, ob jemand mit etwas sehr gut wird. Diese Regel besagt, dass man 10 000 Stunden lang üben muss, bevor man eine komplexe Aufgabe bewältigen kann. 10 000 Stunden, das macht etwa zehn Jahre.

Wie bringt man einem Kind Geigenspielen bei?

Der traditionelle Weg ist, das Kind in einer Musikschule anzumelden oder einen Geigenlehrer zu engagieren, wo es jede Woche hingeht. Zuhause haben die Eltern dann den undankbaren Job, das Kind immer wieder zu fragen, ob es heute schon geübt hat. Ich spreche aus eigener Erfahrung.

Aber es geht auch anders.

Suzuki sagt ganz klar, dass kleine Kinder kein Interesse daran haben, Geige zu lernen. Gib ihm eine Geige – nach zwei Minuten wird es raus rennen und im Freien spielen. Das heißt, das Kind müsste einen starken Wunsch verspüren, Geige zu spielen. Aber wie schafft man das bei einem Dreijährigen?

Die Antwort liegt im Vorbild der Eltern.
Wenn die Eltern zu Hause Geige spielen und ihre Übungen absolvieren, sieht das Kind das und lernt etwas. Und es hört zu Hause öfters Geigenspiel. Nicht von der CD, sondern von den Eltern. Das Kind würde in die Schule gehen und dort sehen, dass andere Kinder auch Geige spielen. Und so entsteht die Motivation. Sie sehen ihre Eltern spielen, Sie hören die Musik überall und sehen, dass andere wie Sie dasselbe tun. Was werden Sie tun?

Suzukis Methode:  erst musste der Vater oder die Mutter Violine lernen, sonst würde er das Kind nicht in den Unterricht nehmen.

Ein Erwachsener kann all das, was zum Geigenspielen gehört, viel schneller erfassen: die richtige Körperhaltung, wie man die Geige und den Bogen hält usw. Viele kleine Korrekturen sind notwendig, damit es richtig klingt. All das kann man einem Erwachsenen schnell beibringen.

Und der Elternteil kann dann dem Kind das Gelernte besser beibringen und täglich korrigieren. Besser als der Geigenlehrer, der den Schüler nur einmal die Woche für eine Stunde sieht.

Hier einige Schüler von Herrn Suzuki bei einem Konzert:

httpv://www.youtube.com/watch?v=u1dzQlCWLvY

Wie haben Sie laufen gelernt?

Haben Sie Ihre Eltern Sie dazu in einen Kurs „Aufrechtes Gehen für Einjährige“ geschickt? Nein, Ihre Eltern haben es Ihnen beigebracht. Mit täglicher Anleitung, Geduld und Unterstützung. Auf dieselbe Weise lernen Kinder sprechen, manchmal sogar zwei Sprachen gleichzeitig.

Wenn Sie als Kind ein Wort falsch aussprachen, haben Ihre Eltern es verbessert. Immer wieder, bis Sie es konnten. Sie schickten Sie nicht in einen Sprachkurs „Deutsch für Zweijährige“ oder glaubten, Sie hätten zu wenig Talent für Sprachen.

Ihre Eltern machten es instinktiv genauso wie Shinichi Suzuki. Ohne je von ihm gehört zu haben. Weil die Eltern Ihrer Eltern es genauso gemacht hatten.

Fast jedes „Wunderkind“, das über außergewöhnliche Fertigkeiten verfügt, hatte in frühen Jahren einen Lehrer. Und Zugang zu dem entsprechenden Material. Denn fast alle Kinder wollen die Aufmerksamkeit und Anerkennung ihrer Eltern, vor allem in den frühen Jahren. Und so lernen sie.

Auch Mozart hatte einen Vater, der Kapellmeister und Pädagoge war und früh seinen Sohn an die Musik heranführte. Was wäre wohl aus dem kleinen Amadeus geworden, wenn er ein Elternhaus ohne Klavier gehabt hätte?

Es ist leicht, auf die Schulen zu schimpfen.

Und ja, vieles dort könnte besser sein. Aber wie sieht es mit unserer Verantwortung als Eltern aus? Viele Lehrer beklagen sich, dass sie manchen Kindern etwas beibringen müssen, was diese eigentlich zu Hause gelernt haben sollten: Höflichkeit, Benehmen, Pünktlichkeit, Hilfsbereitschaft, Leistungsfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit. Eine Studie von 2011 zeigt jedoch, dass viele Eltern das von der Schule erwarten. (!)

Lässt sich Erziehung delegieren oder outsourcen? Suzuki würde darüber wohl lachen. Und sagen: Sie müssen es erst lernen und Ihrem Kind vorleben. Und Ihr Kind inspirieren, das zu tun, was andere Kinder in diesem Alter tun.

Und dann wird Ihr Kind sprechen, laufen – oder Geige spielen.

Wie trifft man den Ton beim Singen nicht?

In der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ ist eine oft gehörte Klage: „Du triffst die Töne nicht!“ Der jeweilige Interpret ist dann oft überrascht oder streitet das ab. Dieter Bohlen fragt manchmal auch genervt: „Hat Dir das denn noch niemand mal gesagt?“

Suzuki begegnete dasselbe Phänomen. Doch fand er Folgendes heraus. Wenn ein Kind falsch singt oder die Töne nicht trifft, sang die Mutter oft genauso. Ist Musikalität oder ihr Fehlen also vererbt? Vermutlich nicht.

Aber schon im Mutterleib hört das Kleinkind die falschen Töne, wenn die Mutter singt. Der Fötus kann jetzt nicht an die Bauchwand klopfen: „Sing gefälligst richtig oder hör wenigstens auf!“ Vielmehr bringt die Mutter ihrem Kind geduldig bei, wie man falsche Töne singt.

Aber es gibt eine gute Nachricht.

Auch ein Kind, das ein Lied fünftausend Mal falsch gesungen hat und das für richtig hält, kann sich verbessern. Denn unser Gehirn ist neuroplastisch und lernt alles, was ihm wiederholt präsentiert wird. Das Kind muss das Lied nur sechstausend Mal richtig hören und richtig singen, dann lernt sein Gehirn und verdrahtet sich neu. Es braucht nur genügend Wiederholungen.

Es ist nicht das Talent. Es ist die Qualität des Lehrers, der Lehrerin. Vor allem seine Ausdauer und seine Geduld.

Warum Prüfungen Unsinn sind.

Es gibt fast niemanden, der nicht durch Prüfungen traumatisiert wurde. Man sitzt da, hat genügend gelernt oder auch nicht. Schwitzt über den Aufgaben, gibt sie ab und wartet auf das Ergebnis. Suzuki hält diese Prüfungen für Unfug, weil sie nichts über die Fähigkeiten des Schülers oder Studenten aussagen.

Sie verraten etwas über die Fähigkeiten des Lehrers.

Mit dem richtigen Lehrer sei jedes Kind in der Lage, Fähigkeiten zu lernen. Wir haben alle sprechen und laufen gelernt, weil wir dafür geeignete Lehrer und Lehrerinnen hatten.

Diese Lehrer, unsere Eltern, sahen es als ihre Aufgabe an, uns das beizubringen. Egal wie oft wir anfangs hinfielen, sie gaben nie auf mit der Bemerkung „Du bis eben zu dumm zum Laufen, das lernst du nie.“ Auch wenn wir über Jahre (!) ein Wort falsch benutzten oder aussprachen, sie meinten nicht, dass wir dafür nicht genug Begabung mitbrachten. Sie glaubten an die Macht des Übens und der Geduld.

Unsere Eltern wussten, dass die Verantwortung über Erfolg oder Misserfolg beim Lehrenden liegt, nicht beim Schüler.

Suzuki ist kein Idealist. Er weiß, dass es unaufmerksame Schüler gibt. Bockige Kinder. Schüler, die unsicher sind oder sich überschätzen. Aber er weigert sich zu glauben, dass es schlechte Schüler gibt. Seine Einstellung ist: wenn Sie einem Kind etwas beibringen und es erreicht nicht das Ziel, ist  es die Verantwortung des Lehrenden.

Ohne Eile, ohne Pause.

Was wie ein buddhistisches Mantra klingt, ist das beste Rezept, um etwas Neues zu lernen oder eine Aufgabe zu erledigen.

Um eine neue Aufgabe zu lernen oder eine Fähigkeit zu verbessern, braucht unser Gehirn Zeit. Zeit, um alte Verknüpfungen zu prüfen und neue neuronale Verschaltungen anzulegen. Diese Zeit lässt sich nicht abkürzen.

Denken Sie daran, als Sie Autofahren lernten und den Führerschein machten. Es war eine hochkomplexe Sammlung von visuellen, taktilen, auditiven und motorischen Informationen, die Sie dabei lernen und bewältigen mussten.

Das brauchte Zeit. Deswegen hatten Sie ein, zwei Mal pro Woche Unterricht und dazwischen Pausen – für Ihr Gehirn. Es hätte nichts gebracht, einen Führerschein-Crashkurs von dreimal sechzehn Stunden an drei Tagen hintereinander zu absolvieren.

Aus demselben Grund sagt Ihnen Ihr Fitnesslehrer auch: „Besser dreimal die Woche dreißig Minuten laufen als am Wochenende zwei Stunden.“ Ihr Körper und Ihr Gehirn brauchen dazwischen Pausen, um zu regenerieren und sich anzupassen.

Also, ohne Eile – aber auch ohne Pause.

Wenn Sie Französisch lernen und einige Monate in Frankreich leben, können Sie sich danach ziemlich gut und sicher in dieser Sprache verständigen. Wenn Sie dann aber zwei Jahre kein Wort mehr Französisch hören, lesen oder sprechen, wird Ihr Gehirn Ihre mühsam erworbenen Kenntnisse wieder entsorgen.

Wenn Sie also etwas lernen wollen: keine Eile und keine Pause.

Das brachte mich auch zu der Idee mit den eMail-Kursen. Sie können ein noch so tolles Buch mit guten Tipps lesen, wenn Sie es nicht sofort anwenden – und am besten jeden Tag – ein bisschen, wird der Inhalt und das empfohlene Verhaltensmuster wieder versanden.

Denn nur wenn Sie etwas öfter machen, machen Sie genügend Fehler.

Richtig gelesen: Sie lernen vor allem aus Ihren Fehlern. Wenn Sie täglich Klavier üben, haben Sie täglich die Chance, zehn Fehler zu machen. Und haben im besten Fall jemanden, der Ihren Fehler bemerkt („Du triffst den Ton nicht!“) und Ihnen zeigt, wie Sie es richtig machen.

Wenn Sie nur zweimal die Woche üben, fehlen Ihnen 5 x 10 = 50 Fehler. Also fünfzig Chancen weniger, etwas zu lernen.

Kinder lernen über Bindung.

Im STERN Nr. 16/2012 ist ein Artikel über das unterschiedliche Betreuungsangebot für Kleinkinder in Deutschland. In einem Interview rät die Bindungsforscherin Prof. Lieselotte Ahnert dazu:

Ich kann jeder Mutter nur raten, mindestens im ersten Jahr so viel Zeit wie möglich in die Bindung zu Ihrem Kind zu investieren.

Viele Mütter glauben, dass es nach einer Geburt so weiter gehen kann wie vorher: Kind ablegen und weitermachen. Sie tun das, weil sie denken, immer funktionieren zu müssen. Wir leben in einer Gesellschaft, die Perfektion zum Maß aller Dinge macht.

Wir sollen belastbar, effektiv, flexibel sein. Und möglichst schnell zum Ziel kommen. Kinder aber brauchen Ruhe und Geduld. Ihre Entwicklung ist der komplette Gegenentwurf.

Soziale Fähigkeiten, die wir ein Leben lang brauchen, müssen wir als Kind lernen. Damit kommen wir nicht auf die Welt. Dies gelingt nur im Schutz eines Menschen, der wirklich für das Kind da ist.

Heute müssen sich Kinder eher nach den Bedürfnissen der Eltern richten, als dass die Eltern auf die Bedürfnisse der Kinder achten. Seinem Kind geduldig etwas beizubringen, stärkt diese Bindung enorm. Das muss nicht Geige spielen sein. Vorlesen, Singen, Basteln,  Malen, Backen, Gärtnern und vieles andere eignet sich genauso gut.

Wie viel Eltern braucht ein Kind?

Das war die Eingangsfrage. Damit ist nicht die Anzahl gemeint, sondern die Zeit, die ein Vater oder eine Mutter mit dem Kind verbringt.

Und wenn das Kind nicht so tut wie Sie das wollen – denken Sie an den Hundeprofi.

 

 

kommentar Was haben Ihre Eltern Ihnen früh beigebracht?

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Foto: © istock.com

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

17 Kommentare

  1. Ein wunderbarer Artikel mit vielen Denkanstössen.

    „Heute müssen sich Kinder eher nach den Bedürfnissen der Eltern richten, als dass die Eltern auf die Bedürfnisse der Kinder achten.“

    Mich stört dieses „entweder-oder“, das hier durchschimmert. Tatsächlich aber schliesst das Eine das Andere nicht aus.
    Wer versucht, mit seinem Baby möglichst „artgerecht“ umzugehen (wink zu Nicola Schmidt) wird verblüfft feststellen, wie viel einfacher dadurch die „Babyhaltung“ wird und wie viele Ressourcen und Energien dadurch für die Eltern frei werden, die ansonsten dazu verwendet werden müssen, das Baby in eine Form zu pressen, das nicht seiner Natur entspricht.
    Jeder Tiertrainer wird bestätigen, dass es einfacher ist, mit der Natur des Tieres zu arbeiten, als gegen sie. Bei Menschen gilt dies ebenfalls.

  2. Danke für diesen spannenden Artikel.

    „Ich kann jeder Mutter nur raten, mindestens im ersten Jahr so viel Zeit wie möglich in die Bindung zu Ihrem Kind zu investieren.“

    Wir haben für diesen Gedanken ein Konzept, es heißt: Eltern-Energie-Erhaltungssatz. Es besagt, dass wir besser JETZT Energie in unsere Kinder investieren, denn investieren müssen wir sie sowieso früher oder später:

    http://www.youtube.com/watch?v=jo00Vy77Iac

  3. Wieviel Eltern braucht das Kind? zwei, drei, vier fünf? Je mehr desto besser?
    Oder geht es darum, wie lange das Kind Eltern braucht? Täglich 24 Stunden oder doch nur vier? Bis 6 oder doch bis 60 Jahre?
    Als Ich-kann-Schule-Lehrer finde ich die Frage interessanter: In welcher Qualität braucht ein Kind Eltern? In einer Qualität, die ich im Problemfall nie sehe: in Elternqualität.
    Freundlich grüßt
    Franz Josef Neffe

  4. Könnte man ja jetzt spekulieren, warum in China so viele westliche Produkte und Patente geklaut werden. Weil man dort einen anderen Moralbegriff hat oder weil Auswendiglernen nicht gerade die Kreativität fördert.

    Danke für Ihren Kommentar.

  5. Wirklich sehr guter Artikel. Bin durch Majas Erziehungsblog hier her gekommen und kann nur sagen, dass ich hoffe, dass immer mehr Einsichten in diese Form der Erziehung haben. Dann diskutieren wir nämlich bald nicht mehr sinnlos darüber, ob die Chinesen uns überholen werden, weil stures Auswendiglernen ohnehin nichts taugt.

  6. Hallo Heike,
    herzlichen Dank für Ihren klugen Erfahrungsbericht aus der Welt der Ponys und des Tanzens. Vieles davon lässt isch tatsächlich übertragen auf die Beziehung zum Kind aber auch zum Partner. Denn letztlich geht es dabei weniger um ein Methoden-Training, sondern ein Beziehungstraining.

  7. In dem Interview spricht die Bindungsforscherin ausdrücklich darüber, dass ein Vater dies genauso gut kann, wenn er sich gut auf die Beziehung zu seinem Kind einlässt und nicht nebenher überwiegend den Laptop bedient.
    Danke für Ihren guten Hinweis.

  8. Auch wenn es nur einen Nebenaspekt betrifft:

    „Ich kann jeder Mutter nur raten, mindestens im ersten Jahr so viel Zeit wie möglich in die Bindung zu Ihrem Kind zu investieren.

    Viele Mütter glauben, dass es nach einer Geburt so weiter gehen kann wie vorher: Kind ablegen und weitermachen. Sie tun das, weil sie denken, immer funktionieren zu müssen. Wir leben in einer Gesellschaft, die Perfektion zum Maß aller Dinge macht.“

    Ich bedaure hier die so häufig vorkommende Konzentration auf die Mutter. Was ist mit dem Vater? Muss nur sie ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie bspw. arbeiten gehen will, während er das ohne weiteres darf und soll?

  9. Heike Jackstädt-Fleck sagt

    Guten Abend,

    als Einstieg den Tiertrainer zu nehmen finde ich zu diesem Thema besonders gut. Denn Tiertraining ist vor allen Dingen immer hauptsächlich Menschentraining, daß hat mich mein Pony in jahrelanger harter Kleinarbeit gelehrt. Es hat mich gelehrt, nicht meine negativen Emotionen von woanders mit zu ihm zu nehmen. Es hat mich vor allen Dingen auch gelehrt, zu beobachten und persönlche Räume zu wahren und auch den kleinsten Fortschritt anzuerkennen.

    Wieviel Sicherheit biete ich meinem Schüler?
    Wie bestärke ich ihn in dem, was er tut?
    Wie zeige ich ihm zeitlich präzise, daß er auf dem richtigen Weg ist?
    Wie glaubwürdig bin ich, in dem wie ich selbst mich verhalte für den Schüler?
    Wie zeige ich dem Schüler, daß ich ihn er meine Wertschätzung hat, auch wenn nicht immer alles klappt?
    Wie sehr kann mein Schüler mir vertrauen?

    Es ist für einen wirklichen überzeugten Lehrer meiner Meinung nach auch immer eine stetige Arbeit an sich selbst.

    Und es ist auch ganz besonders wichtig, eben diese 50 Fehler zu machen und als Schüler zu wissen, daß es wichtig und gut ist diese Fehler machen zu dürfen.

    Im Tanztraining war es früher bei uns eine Art ungeschriebenes Gesetz: Jede Korrektur ist eine gute Kritik und kein Rüffel. Solange der Lehrer korrigiert (und nicht nur maßregelt), solange ist es gut, denn dann sieht er in Dir auch immer die Möglichkeiten, die noch in Dir stecken und zu fördern sich lohnen. Wirst Du nie korrigiert, so liegt es wahrscheinlich nicht daran, daß alles richtig war, sondern, daß der Trainer kein Interesse mehr hat, weil er die Hoffnung aufgegeben hat.

    Heike

  10. Hallo Beatrix,
    Sie schreiben „dass die Kinder mit zunehmenden Alter immer weniger Eltern brauchen“. Völlig richtig, in dem Beitrag ging es ja vor allem um die frühe Bindung zum Kind. Wenn da ein gutes Fundament gelegt ist, lässt sich Selbständigkeit gut unterstützen. Wenn nicht, werden Kinder später Erwachsene, die sich schnell verlassen fühlen oder unsicher sind.

    Danke für Ihren Kommentar.

  11. Beatrix sagt

    Hallo,

    ich und mein Mann sind eigentlich seit jeher der Ansicht, dass die Kinder mit zunehmenden Alter immer weniger Eltern brauchen. Allerdings sollte einer der beiden Elternteile vor allem in der Pubertät ein gutes Vertrauensverhältnis zum Kind haben, um ihn in schwierigen Situationen als Vertrauensperson zur Seite stehen zu können. Bei zu viel Eltern führt das meiner Meinung nach dazu, dass sich die Kinder im späteren Leben wesentlich schwerer tun, da es ihnen an Reife und Selbständigkeit fehlt.

  12. Hallo Joachim, das nenne ich: prompt umgesetzt!
    Viel Erfolg und Freude beim Klavierspielen. Von Suzuki gibt es übrigens eine Klavierschule mit CD.

  13. Das war doch früher auch so üblich: Man hat von denen gelernt, mit denen man immer zusammen war. Der Lehrling vom Meister, die Kinder von den Eltern.
    Und das ist ein Grund, warum ich jetzt anfange, Klavier zu lernen: Vorbild sein, zeigen, dass auch der Papa nicht alles kann, aber übt.

  14. Bernd sagt

    Lieber Roland,

    vielen Dank für diesen wunderbaren und beMERKENsWERTen Artikel.

    Ich habe mich sehr gefreut ihn zu lesen!

    Ein wunderschönes WE wünschend,
    Bernd

  15. Guten Abend Herr Kopp-Wichmann,
    danke für diesen schönen Artikel. Ich kann nur zustimmen. Interessant, dass Sie einen japanischen Lehrer ausgewählt haben. Ich selbst habe viele Jahre (als Kind) japanische Teezeremonie gelernt. Man wird immer geduldigst verbessert, dass ist der Kern der Sache. Auch Jahrzehnte später kenne ich noch die Abläufe, die sich tief eingeprägt haben.de

    Mein Beruf den ich nun auch schon sehr lange ausübe bedarf der Übung, der Zeit und Geduld. Wenn ich eile, geht meistens was schief und ich muss von vorne beginnen. Man kann keine Zeit beim Lernen und auch beim Arbeiten sparen… dafür leben wir ja vielleicht auch so lange 😉 damit wir dies lernen.
    Mit herzlichen Grüssen,
    D. Brown

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