Welche Führungskräfte brauchen ein Persönlichkeitsseminar?

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Karriere / Persönlichkeit

Führungsseminare gibt es viele. Zwei- und dreitägige Veranstaltungen, in denen die Teilnehmer Theorien über Führung, Motivation, Mitarbeitertypen, Werte und  mehr erfahren. Solche Seminare sind wichtig und sinnvoll.

Die meisten meiner Teilnehmer haben solche Programme besucht. Mit welchen Erwartungen und Wünschen kommen sie dann in meine Persönlichkeitsseminare?

Die meisten wissen, dass ihr Problem nicht mit ein paar schnellen Tipps oder Erfahrungen von anderen Teilnehmern zu lösen ist. Sie wollen vielmehr herausfinden, welchen Anteil sie selbst an der Situation haben.

Meine Erfahrung in der Arbeit mit Menschen ist, dass bestimmte Probleme im Beruf dadurch entstehen, weil wir ungelöste Konflikte aus der eigenen Biografie reinszenieren. Das passiert völlig außerhalb unserer bewussten Wahrnehmung.

Auch wenn wir darüber nachdenken, warum wir uns eigentlich so seltsam verhalten, können wir keinen überzeugenden Grund finden.  Den jene unbewussten Konflikte und Strategien kennen wir nicht. Das macht uns in solchen Situationen so hilflos.

Vier Beispiele:

  • Ein junger Bereichsleiter hat in den letzten drei Jahren viermal die Firma gewechselt.
    Seine Erklärung: Die Vorgesetzten hätten seine Fähigkeiten nicht wahrgenommen und anerkannt.
    Hintergrund: starke Rebellion gegen Autoritäten und übersteigerter Wunsch nach Anerkennung;
  • Eine Rechtsanwältin ist unversehens in ihren zweiten Burnout geschliddert.
    Ihre Erklärung: Sie könne wichtige Aufgaben nicht delegieren und
    außerdem würden die Kollegen ihr immer mehr Fälle zuschieben.
    Innerer Konflikt: die Angst „nein“ zu sagen, der Wunsch, von allen gemocht zu werden.
  • Ein Marketingleiter soll für eine preisgekrönte Kampagne eine kleine Dankesrede halten. Die Nacht davor macht er kein Auge zu.
    Seine Erklärung: er stehe eben nicht gern im Mittelpunkt.
    Hintergrund: die Angst, dass andere ihn auslachen könnten, wenn er einen Fehler macht und die Befürchtung, dass man ihn beneiden könnte, wenn er es gut macht.
  • Ein Systemprogrammierer braucht für eine zehnminütige Präsentation mit Powerpoint vor Kollegen über acht Stunden Vorbereitung – und ist trotzdem unzufrieden.
    Seine Erklärung: er wolle seine Sachen eben richtig machen und es sei eine komplizierte Materie.
    Hintergrund: großer Wunsch nach Anerkennung und die Überzeugung, dass dies nur mit absolut fehlerfreier Leistung erreichbar sei.

Solche unangemessenen Verhaltensweisen sind immer ein Hinweis auf einen ungeklärten Konflikt. Zumal die Betroffenen dabei diffuse oder heftige Gefühle, meist sind es Ängste, erleben. Und sich nicht erklären können, woher diese Gefühle kommen.

Gute Tipps oder Ratschläge helfen hier nicht.

Dass die Rechtsanwältin öfter „nein“ sagen müsste, weiß sie selber. Dem Marketingleiter zu sagen, er solle sich nicht so aufregen, ist auch wenig hilfreich. Und der Systemprogrammierer weiß, dass er allzu perfektionistisch ist – aber es „locker nehmen“, das kann er eben gerade nicht.

Für solche Fälle sind meine Persönlichkeitsseminare konzipiert. In einer kleinen Gruppe – max. sechs Teilnehmer/innen – identifizieren und bearbeiten wir jene unbewussten Konflikte, die dahinter stecken.

Das ist harte Arbeit über drei Tage. Keine langen Vorträge. Statt dessen für jeden ein intensiver, persönlicher Prozess, in dessen Verlauf wir herausarbeiten, welche Erlebnisse und Überzeugungen aus der Biografie mit dazu beitragen, dass sich der Betreffende so verhält.

In diesem Interview erkläre ich, warum die meisten Führungskräfte so ein Seminar gut brauchen können:

httpv://www.youtube.com/watch?v=OfV4ktZmjN8

Was bewirkt ein Mangel an Selbstkenntnis?

Unbewusste Konflikte können unser Verhalten stark beeinflussen. Will man dies ändern, muss man erst einmal bemerken, dass das eigene Verhalten seltsam, unangemessen oder falsch ist.

Viele Menschen machen hier andere oder „Sachzwänge“ oder die berühmten „Umstände“ verantwortlich. Es gehört eine gewisse Reife dazu:

  • das eigene falsche Verhalten nicht wegzuerklären, zu bagatellisieren oder ganz abzustreiten;
  • in Erwägung zu ziehen, dass das eigene Verhalten auch etwas mit einem selbst zu tun hat;
  • zuzugeben, dass man einen Fehler gemacht hat und sofort das Angemessene zu tun.

Das fällt vielen Führungskräften schwer.

Ein tragisches Beispiel, was passieren kann, wenn man sich selbst und seine empfindlichen Punkte nicht kennt, konnte man an der „Causa Guttenberg“ beobachten. Ein begabter, sympathischer Politiker schafft es innerhalb von zwei Wochen seine Bilderbuchkarriere total in den Sand zu setzen. Der Grund?

Weil er es mit seinem Selbstbild nicht vereinbaren konnte, dass er einen großen Fehler gemacht hat. Statt diesen sofort umfassend einzugestehen und um Entschuldigung zu bitten, nahm von Guttenberg Zuflucht bei der üblichen Salamitaktik, machte hanebüchene Erklärungsversuche und zeigte bis zum „ehrenvollen“ Abgang mit großem Zapfenstreich eine fast schon groteske Uneinsichtigkeit in die Dimension seines Tuns.

Wie gesagt, tragisch.

Wenn Sie wissen wollen, welche unbewussten Antreiber und Programme Ihre Karriere beeinträchtigen können und was Sie dagegen tun können, hier der Link zu meinen Persönlichkeitsseminaren. Wie über 550 Teilnehmer diese erlebt haben, lesen Sie in diesem Bewertungsportal.

kommentar Welche Seminare haben Ihnen in Ihrer Karriere geholfen?

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Foto: © – ig3l photocase.com

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

3 Kommentare

  1. Hallo Herr Roland Kopp-Wichmann,

    wir lesen Ihren Blog regelmäßig – vielen Dank für die Einsichten! Seminare für Führungskräfte sind bei uns oft das berühmte „Seele Ölen“ und natürlich die Herausbildung von Selbsterkenntnis, die im geschützten Umfeld leichter fällt als „draußen“. Man kann Ihnen also nur beipflichten!

    Beste Grüße, Ihr Manager Institut 🙂

  2. Welche Führungskräfte brauchen ein Persönlichkeitsseminar? Am meisten die, die ihren eigenen Bedarf daran weit von sich weisen. Da paart sich wohl oft die unbewußte Inkompetenz als erste Lernstufe und letzte Hierarchiestufe beim Peter-Prinzip.

    Danke, Herr Kopp-Wichmann für den – wieder einmal- interessanten Beitrag und das Video.
    Schmunzelnde Zustimmung zu: die meisten sind eher leidens- als veränderungsbereit. Wie wahr und wahrscheinlich mit zunehmender Tendenz.
    Frohes Schaffen
    Renate Richter

  3. Hallo Roland Kopp-Wichmann,

    wieder ein sehr detaillierter und treffender Blogbeitrag.
    Das mit der Selbsterkenntnis ist ein wichtiger Teil meiner Coachingarbeit.

    Freue mich immer wieder auf Ihre fachlich-kompetenten Beiträge.

    Mit den besten mentalen Erfolgsgrüssen,
    Swen-William Bormann 😉

    If you can dream it, you can do it!

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