Drei Tipps, wie Sie die Folgen einer Scheidung für Ihr Kind abmildern können.

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Partnerschaft

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„Die Ehe ist der Versuch, zu zweit wenigstens halb so glücklich zu werden, wie man allein gewesen ist.“
Das war zumindest die illusionslose Ansicht von Oscar Wilde – und die Statistik gibt ihm Recht. Die Zahl der Eheschließungen sinkt seit Jahrzehnten, die der Scheidungen steigt. Und – es werden immer weniger Kinder geboren:

2004: 54 % – 213.700 Scheidungen zu 396.000 Eheschließungen
2005: 52 %, 201.693 Scheidungen zu 388.451 Eheschließungen
2004: 113.000 mehr Sterbefälle als Geburten, 2005 144.432 mehr Sterbefälle als Geburten.
Welche Folgen das volkswirtschaftlich für uns alle hat (Krankenkassenbeiträge, Rentenversicherung usw.) kann man sich ausmalen.

Wie sich die „Alterspyramide“ Jahr für Jahr verschlechtert, kann man – bis zum Jahr 2050 – hier in einer animierten Grafik des statistischen Bundesamts sehen.

Wenn Eltern sich trennen, mag das für den oder beide Partner die bessere Lösung sein, doch Kinder erleben dies in der Regel ganz anders. Für sie geht ihre ganze Welt in die Brüche. Das unverarbeitete Auseinandergehen der Eltern ist für sie fast immer eine leidvolle bis traumatische Erfahrung. In meiner Arbeit mit Menschen in Coachings oder Persönlichkeitsseminaren erlebe ich das immer wieder.

Meist sind die Eltern bei Trennung und Scheidung sehr mit ihren eigenen Gefühlen und Problemen beschäftigt. Da passiert es allzu leicht, dass man den Blick dafür verliert, wie es die Kinder erleben. Traurigkeit, Wut, Aggressivität, Verstimmtheit, Schulprobleme, Ängste können Signale sein aber auch auch „pflegeleichte“ Kinder, die keine besonderen Reaktionen zeigen, leiden oft schwer. Mittlerweile gibt es ja ein Gesetz für die gewaltfreie Erziehung. Hilfreich wäre aus meiner Sicht auch ein Gesetz, dass eine mehrmonatige Eheberatung zur Voraussetzung für Scheidung vorschreibt. Denn die meisten Paare trennen sich zu früh und machen die aufgetretenen Schwierigkeiten am Partner fest. Doch wie sehr Paarprobleme auch mit dem eigenen Verhalten zusammenhängen, kann man ja in der Ratgebersendung „Supernanny“ beobachten. Durch ein solches mehrmonatiges Beziehungscoaching könnten Paare unter Umständen neu zueinanderf inden, zum anderen ließe sich eine Trennung und Scheidung in ihren Folgen für die Kinder zumindest lindern.

Denn wenn ein Paar sich im Streit trennt, werden die in der Beziehung nicht angegangenen Konflikte oft über die Kinder ausgetragen – und hier fast immer bei den Themen „Geld“ und „Besuchsrecht“.

Hier nun drei Tipps, wie Sie die Folgen einer Trennung für Ihr Kind abmildern können.

  1. Wenn die Trennung bevorsteht, reden Sie beide mit Ihrem Kind/Ihren Kindern.
    Der Grund ist einfach. Kinder suchen immer nach einem Grund, wenn etwas Schlimmes (Trennung, Krankheit, Tod) passiert. Spricht man mit Ihnen nicht immer wieder und ausführlich über die Gründe, neigen Kinder dazu, den Grund bei sich selbst zu suchen: „Opa ist gestorben, weil ich ihn nicht so gut leiden konnte.“ „Mama hat Krebs, weil ich sie oft geärgert habe.“ „Die Eltern lassen sich scheiden, weil sie immer wieder über mich streiten.“
    Diesem magischen Denken können Sie vorbeugen, indem sie klar und deutlich sagen, dass Sie sich als Paar nicht mehr verstehen und dass es gar nichts mit Ihrem Kind zu tun hat.
  2. Reden Sie nicht schlecht über den anderen Elternteil.
    Ihr Ärger und Ihre Enttäuschung mag verständlich und berechtigt sein – aber Ihr Kind ist der falsche Adressat dafür. Für Ihr Kind ist der Mann, von dem Sie sich getrennt haben („Dieses Scheusal!“) sein unersetzlicher Vater . Belasten Sie diese Beziehung nicht. Kinder solidarisieren sich oft mit dem als schwächer erlebten Elternteil und zeigen daher zuweilen nach Jahren ähnliche Verhaltensweisen.
    Auch über die neue Beziehung des Partners negativ zu sprechen („Diese Schlampe wird noch sehen, wen sie sich da geangelt hat!“) hilft Ihnen vielleicht, Ihre Wut zu verdauen – Ihr Kind bringen Sie damit in einen schweren Loyalitätskonflikt. (Ich wähle hier mögliche Beschimpfungen aus weiblichem Mund, weil die meisten Scheidungen von Frauen eingereicht werden.)
  3. Trennen Sie sich als Paar und bleiben Sie als Eltern gemeinsam verantwortlich.
    Für ein Kind ist es am Anfang schon schwer genug zu begreifen, dass die Eltern sich trennen. Doch können Sie diesen Verlust ein großes Stück wiedergutmachen, indem Sie Ihrem Kind zeigen, dass sie weiterhin gemeinsam für sein Wohl zuständig sind. Dazu gehören Dinge wie:

    • Besuche beim anderen Elternteil erleichtern statt erschweren.
      Je eher ein Kind spürt, dass die Eltern angemessen mit der Trennngssituation und dem häufigen Kontakt über das Kind umgehen, umso eher entwickelt das Kind keine Schuldgefühle oder unauflösbare Loyalitätskonflikte.
    • Kritisieren Sie nicht den Erziehungsstil des anderen.
      Also keine abfälligen Bemerkungen über das, wie der andere die gemeinsame Zeit mit dem Kind verbringt. (Wenn Sie mit etwas nicht einverstanden sind, sprechen Sie mit dem Expartner und lassen Sie Ihre Gefühle darüber nicht an Ihrem Kind aus.
    • Stimmen Sie sich viel untereinander ab und informieren Sie sich gegenseitig über Ihr Kind.
      Das können Themen wie Probleme in der Schule sein oder auch Freunde, Konflikte usw.

gluckliche-scheidungskinder.jpgIch weiß, all das ist nicht einfach – aber auch nicht unmöglich. Denn natürlich ist auch für die Eltern die Trennung ein Verlust, dem meist lange Zeiten mit Konflikten, Hoffnungen und Enttäuschungen vorausgingen. Deshalb ist vor einer Trennung oft eine Mediation hilfreich. Hier können in einigen Beratungsstunden nicht nur finanzielle Dinge sondern auch der weitere Umgang durch das Sorgerecht mit der professionellen Unterstützung eines Dritten sachlicher besprochen werden. Mediatoren in Ihrer Nähe finden Sie hier.

Ein hilfreiches Buch zum Thema gibt es hier: Glückliche Scheidungskinder. Trennungen und wie Kinder damit fertig werden.

Gute Tipps zum Thema „Scheidung“ (von Alleinerziehung bis Zugewinnausgleich) finden Sie hier.

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

9 Kommentare

  1. Danke für die guten und kompakten Informationen zur Ehescheidung. Bekannte haben sich professionelle Unterstützung geholt, um die Folgen für die Kinder möglich gering zu halten. Ein individuelle Unterstützung hilft in ihrem Fall auch sehr gut, wenn man die Kinder und Ellern im Umgang sieht.

  2. Hallo und vielen Dank für den Beitrag und die Informationen. Eine Scheidung beeinflusst so viele Lebensbereiche. Die Kinder müssen damit konfrontiert werden und auf der anderen Seite muss man sich um die rechtlichen Angelegenheiten kümmern. Diese wiederum reichen auch bis zu den Kindern wenn es z.B. um den Unterhalt geht. Wichtig ist es immer, dass man sich professionell beraten lässt.

  3. Hanna sagt

    Das war schön erklärt. Ich denke zwar, dass man durchaus das Recht haben sollte sich auch mit einem Scheidungsanwalt vom Partner zu trennen, allerdings sollte man Rücksicht auf die eigenen Kinder nehmen.

  4. Ich habe beruflich viel mit scheidungskindern und deren eltern zu tun und kann die Tipps die hier genannt werden sehr gut bestätigen und auch weiterempfehlen. Da die auswirkungen einer scheidung aber meist unterschiedlich auf verschiedene kinder sind könnten auch umgekehrte ergebnisse auftreten am besten sich beraten lassen.

  5. Marius sagt

    Hi! Pro Jahr lassen sich ca. 160.000 Paare scheiden, schätzungsweise denken aber mind. 5-mal soviele über eine Trennung nach. Deshalb haben wir mit unserem Blog es uns zur Aufgabe gemacht, dem Nutzer das Thema Scheidung in all seinen Facetten und ohne Juristendeutsch zu erklären: Seien es Unterhalt, Sorgerecht usw.

    Gerne möchten wir mit Euch kooperieren,schaut mal bei uns vorbei: https://www.scheidung.de/

  6. Marikka9 sagt

    Wahnsinn wie viele Scheidungen es gibt! Danke für den interessanten Beitrag. Der Scheidungsanwalt besiegelt die Endgültigkeit der Entscheidung und damit geht es los – der Scheidungsweg. Die grösste Aufmerksamkeit sollte hier den gemeinsamen Kindern gelten. Ich freue mich auf weitere Beiträge.

  7. Thorsten sagt

    Ich finde es immer schrecklich, wenn vor oder während einer Scheidung argumentiert wird, dass „das ja auch für das Kind/ die Kinder besser“ sei, weil diese dadurch nicht mehr unter den Streitigkeiten und den Spannungen zwischen den Ehepartnern zu leiden hätten. Sicher mag dies einerseits stimmen; wie sehr Kinder aber trotzdem unter der Scheidung als solcher zu leiden haben, beschreiben Sie sehr schön in diesem Artikel. Und dabei ist es ja auch egal, ob es sich um eine eigentliche Scheidung oder um eine so genannte „Trennnung ohne Scheidung“ (ja, auch sowas gibt es, wie ich jüngst gelesen habe: http://www.ra-knauf.de/trennung-ohne-scheidung.php) handelt: Das Auseinandergehen der Eltern ist das, was schmerzt. Damit will ich auch nicht sagen, dass eine gescheiterte Ehe auf jeden Fall aufrecht erhalten werden muss, „nur“ weil Kinder im Haus sind, denn unter unglücklichen Eltern müssen diese ebenso leiden. Aber vor alle die von Ihnen suggerierte mehrmonatige Eheberatung wäre, neutral betrachtet, eine gute Sache. Allein fürchte ich, dass sich dies gesetzlich niemals vorschreiben lassen wird. Man überlege auch, wie viele Eheberater es in userem Land allein dann bräuchte. 😉
    Viele Grüße,
    Thorsten

  8. Thomas sagt

    Das mit der Eheberatung vor der Scheidung finde ich eine gute Idee. Ich finde überhaupt, dass sich viele Fehler durch eine professionelle Beratung vermeiden lassen könnten. Vor allem die Schuldzuweisungen vor den Kindern sind relativ einfach zu vermeiden, indem man sich vorher unter vier Augen zusammensetzt und seine Emotionen im Vorfeld entlädt. Leider machen genau das die Wenigsten. Ich denke, wenn sich die Eltern in der Scheidung normal und liebevoll zueinander verhalten würden (auch wenn’s nur gespielt ist), könnte man alleine dadurch fast alle Spätfolgen auf das Kind vermeiden.

  9. Genau in dieser problematischen Situation befinde ich mich gerade. Danke für die hilfreichen Tipps!

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