„Tools der Titanen“: Was Sie von Tim Ferriss über Gewohnheiten lernen können.

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Eine kritisch-wohlwollende Rezension seines neuen Buchs.

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TTim Ferriss ist ein Produktivitätsguru, der mit seinem ersten Buch (Die 4-Stunden-Woche) bekannt wurde. Sein neues Buch „Tools der Titanen“ bezeichnet er als sein ultimatives Notizbuch – denn als solches hatte er es ursprünglich auch angelegt. Die Grundlage bilden rund 200 Interviews, die Ferriss in zwei Jahren mit oft prominenten Weltklasse-Performern führte.

Zu seinen Gesprächspartnern zählten Unternehmer, Mediziner, Künstler, Sportler und Hollywoodstars. Er fragte sie zum Beispiel danach:

  • Was machen Sie in der ersten Stunde des Tages?
  • Welches Buch haben Sie am häufigsten weiter empfohlen und warum?
  • Was ist aus Ihrer Sicht die größte Zeitverschwender?
  • Was denkst du, was andere für verrückt halten?
  • Was ist für Sie Gesundheit?
  • Wie halten Sie sich fit?
  • Wie gehen Sie in Krisengespräche?
  • Wie überzeugen Sie Menschen?
  • Wie gehen Sie den Weg, den Sie gehen?

Die Beiträge sind gut zu lesen und überschaubar, weil sie meiste kurz und sehr pragmatisch ausfielen. Keine ellenlangen Theorien, sondern handfeste Anwendungstipps. Deshalb ist es auch kein Buch, das man brav von vorn bis hinten lesen sollte – oder könnte. Der Autor selbst fordert seine Leser auf, hin und her zu springen und und nur da zu nehmen, was Sie im Moment gerade brauchen können.

„Tools der Titanen“ ist in drei großen Themenblöcke geordnet:

  • Gesundheit
  • Reichtum
  • Weisheit

Und die Interviewpartner verrieten ihre besten Insidertipps, sowie Tools und Taktiken, mit denen sie ihre Ernährung, ihre Gesundheit, ihre Motivation und ihre Einstellungen änderten. Hier einige Beispiele:

  • Warum Tony Robbins mit seiner „priming“-Routine den Tagesstart optimiert.
  • Wenn Sie Gegner psychologisch einschüchtern müssen, Arnold Schwarzenegger zeigt Ihnen, wie das geht.
  • Wie du, wie Jamie Foxx lernst, deine Ängste abstoßen und mehr Selbstvertrauen gewinnen wirst.
  • Wie du in deinem Leben „in die Offensive gehst“, genau wie Milliarden-Investor Chris Sacca.
  • Wie der „Zauberer von Hollywood“ Robert Rodriguez Schwächen in Stärken verwandelt.
  • Lernen Sie,Versagen und Rückschläge wegzustecken von dem ehemaligen Navy SEAL Jocke Willink.
  • Wie Sie prüfen können, ob Ihre Idee belastungsfähig ist, zeigt Ihnen der Entrepreneur Marc Andreessen.
  • Fragen stellen, ist eines der wichtigsten Tools im Leben. Malcolm Gladwell kennt die richtigen.
  • Wenn der Erfolgsautor Paulo Coelho (»Der Alchemist«) beim Schreiben steckenbleibt, macht er das hier.
  • Lernen Sie von der Meditationslehrerin Tara Brach, wie man negative Energien von anderen für sich umwandelt.
  • Vier-Sterne General Stanley McChrystal zeigt, Ihnen, wie Sie mentale Belastbarkeit mit nur drei Übungen stärken.
  • Wie du wie der frühere Google-Mitarbeiter Chade-Meng Tan, die Geheimnisse des Glücks findest.
  • Warum die Publizistin Maria Popova rät, zu allem Nein zu sagen, was nicht essenziell oder unverhältnismäßig aufwändig ist.
  • Wie lässt sich der Alterungsprozess laut Krafttrainer Charles Poliquin mit einem einzigen Nahrungsergänzungsmittel verzögern?
  • Wie Dilbert-Cartoon-Zeichner Scott Adams darauf kam, dass es besser sei in zwei oder mehr Disziplinen sehr gut zu sein, als in einer einzigen Bestleistungen anzustreben.

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Hier das beste Erfolgsrezept aus „Tools der Titanen“.

Es ist Hermann Hesses Erzählung Siddhartha entliehen:

„Ich kann denken“
Gute Fragen, die man sich selbst und anderen stellen kann tragen zur Entscheidungsfindung bei.

„Ich kann warten“
Die Fähigkeit, seine Kräfte einzuteilen und geduldig durchzuhalten.

„Ich kann fasten“
Gemeint ist die Fähigkeit, Probleme und Krisen bewältigen zu können. Eine hiflreiche Schmerzunempfindlichkeit lässt sich antrainieren.


 

Was unterscheidet Spitzenkönner von anderen Menschen?

Dazu ein Auszug aus dem Buch „Tools der Titanen2 von Tim Ferriss.

Diese Leistungsträger haben keine Superkräfte. Es mag zwar so wirken, weil sie mit ihren selbst erschaffenen Regeln die Wirklichkeit dermaßenstark verbiegen können. Aber sie haben gelernt, das zu tun. Und Sie können das auch.

Die »Regeln« bestehen oft in besonderen Gewohnheiten oder darin, größere Fragen zu stellen.

In erstaunlich vielen Fällen liegt die Kraft im Absurden. Je absurder, je »unmöglicher« die Frage, umso tiefgründiger die Antwort. Beispielhaft ist die Frage, die der mehrfache Milliardär Peter Thiel sich selbst und anderen gerne stellt:

»Wenn Sie bestimmte Ziele innerhalb eines Zehn-Jahres-Plans erreichen wollen,
sollten Sie sich fragen, warum Sie diese nicht in sechs Monaten erreichen können.«

Der Anschaulichkeit halber formuliere ich das so um: »Was könnten Sie tun, um Ihre Zehn-Jahres-Ziele binnen der nächsten sechs Monate zu erreichen, wenn man Ihnen eine Pistole an den Kopf hielte?«

Halten wir inne. Erwarte ich von Ihnen, 10 Sekunden darüber nachzudenken und dann wie von Zauberhand die Träume von zehn Jahren in ein paar Monaten umzusetzen? Nein.

Aber ich erwarte, dass diese Frage Ihr normales Denken durchbricht. Wie ein Schmetterling, der mit neuen Fähigkeiten aus einer Chrysalis hervorbricht. Ihre »normalen« Systeme, die gesellschaftlichen Regeln, die Sie sich auferlegen, und die üblichen Rahmenbedingungen funktionieren nicht, wenn man eine Frage wie diese beantworten will. Stattdessen ist man gezwungen, künstliche Zwänge abzulegen – so als häute man sich. Dann merken Sie, dass Sie schon die ganze Zeit die Fähigkeit hatten, Ihre Wirklichkeit zu verändern. Sie brauchen dazu nur etwas Übung.

Ich schlage vor, Sie nehmen sich für jene Fragen in diesem Buch Zeit, die Ihnen am lächerlichsten erscheinen. Schreiben Sie einfach 30 Minuten lang auf, was Ihnen durch den Kopf geht (Seite 257). Das könnte Ihr Leben verändern.


Sie haben keine Zeit, so ein dickes Buch zu lesen?

Verstehe ich. Dann schauen Sie sich dieses Video von Mario Schneider an. Darin verrät er, welche drei Übungen achtzig Prozent aller Experten aus dem Buch machen:

Mein Fazit: 

Ich empfehle das Buch jedem, der mehr aus seinem Leben machen möchte und dafür ungewöhnliche Anregungen sucht.

Aber beachten Sie eines: Die Tipps sind nicht zwangsläufig zeitlos und beziehen sich in der Regel auf die Vergangenheit. Sie haben auch viel mit der Persönlichkeit und speziellen Situation des Interviewten zu tun und seiner Art, die Welt und sich selbst zu betrachten.

Diese skeptische Warnung fängt bei mir schon bei der Person Tim Ferriss. Wenn er als Klient zu einem Intensiv-Coaching zu mir käme, würde ich wissen wollen, wovor er davon läuft und was ihn so antreibt. Einen Großteil seiner Zeit damit zu verbringen, alles besser, schneller und effizienter zu machen, hat für mich Anzeichen einer manischen Abwehr. Hier sehr gut erklärt von dem Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer.

Seltsam finde ich auch, dass es keine direkten Artikel über Beziehungen, Kindererziehung etc. gibt. Dazu passt auch, dass unter den 112 Interviewpartnern es nur 13 Frauen gibt.

Das Buch bedient also voll den Selbstoptimierungswahn, der hier in einer Dokumentation kritisch beleuchtet wird.

Ich empfehle das Buch trotzdem, weil es ungemein saftiger, wuchtiger und frecher rüberkommt als 90 Prozent der Ratgeber deutscher Autoren. Natürlich sollen die Tools und Taktiken Ihren eigenen Überzeugungen, Möglichkeiten und Bedürfnissen entsprechen.

Oder anders gesagt: Nehmen Sie, was zu Ihnen gerade passt – und ignorieren Sie den Rest!

Neugierig geworden: Hier eine Leseprobe …  und sein erfolgreicher Podcast.


 

Übrigens: Wenn Sie Ihre Gewohnheiten positiv verändern wollen klappt das vermutlich viel leichter mit meinem neuen Mail-Kurs.

Mehr erfahren Sie hier …

 

 


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Bild: © https://toolsoftitans.com

 

 

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

3 Kommentare

  1. Meine Meinung zu Tim Ferriss ist, dass dieser Autor gerne Banalitäten und realitätsferne Ideen zu fundamentalen Errungenschaften aufbläst und einer Community, die ohnehin bereits im Selbstoptimierungswahn ist, die nötige Kost anbietet, um deren Sucht (jede Woche ein neues Selbstoptimierungsbuch) voll abzugreifen.

    „Die 4-Stunden-Woche“ war ja ein unglaublicher Knaller. Aufgrund der praxisnahen Ratschläge, sitze ich jetzt nur noch rum, gehe den ganzen Tag fischen und mein Webdesign habe ich nach Indien ausgelagert, dort sind Programmierer billiger als in Berlin, Dienstag am Nachmittag arbeite ich. 😉

    Hoffentlich ist das neue Buch besser. Aber egal. Ein Mann wie Ferriss findet sein Publikum ohnhin. Leider.

  2. Da sind Sie klüger als ich. 😉
    Ich bestelle Bücher und Software meist auf den ersten Impuls hin – um manchmal dann festzustellen, dass es doch nicht für mich taugt.
    PS: Freut mich sehr, dass Ihnen mein Blog so gut gefällt.

  3. Lieber Roland Kopp-Wichmann,

    danke für diesen wunderbaren Blog, der das Buch und auch das Thema „höher, schneller, weiter“ von verschiedenen Seiten beleuchtet. Ich stelle für mich fest, dann immer mal wieder weniger mehr sein kann.

    Das Buch ist auf meiner Liste gelandet. Wenn es mich in einigen Monaten weiterhin „zieht“, dann kaufe ich es mir.

    Ich habe gelernt, zu warten und gerade bei Büchern nicht sofort meinem Impuls nachzugeben, zu kaufen. Und manchmal habe ich auf meiner Liste einen Buchtitel öfters. Spätestens dann weiß ich, dass es „dran“ ist. 🙂

    Herzliche Eifelgrüße,

    Karen Seelmann-Eggebert

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