Die 20 schwierigsten Probleme von Führungskräften – und wie man sie löst.

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Buchbesprechungen / Karriere

Führungskräfte sind heute meist gut ausgebildet. Haben Erfahrungen gesammelt. Und trotzdem wartet der konkrete Führungsalltag dann mit Überraschungen auf. Mitarbeiter, Vorgesetzte und gar der Sprung in die Topetage können einen vor Herausforderungen stellen, die erst einmal überwältigend scheinen.

Kann da ein Buch von 200 Seiten helfen?

Ja, wenn es so präzise und konzentriert geschrieben wurde wie dieses. Und wenn es nicht von einem Manager verfasst wurde, der aus seinem Führungsstil gleich eine neue Philosophie des Führens macht. Sondern von  einem weiblichen Coach, der in den letzten 16 Jahren in über 15.000 Stunden mehr als 800 Führungskräfte erfolgreich beraten hat.

Das Buch heißt: „Ärmel hoch! Die 20 schwierigsten Führungsthemen und wie Top-Führungskräfte sie anpacken“ von Gudrun Happich.

Deshalb ist es auch kein weiterer Ratgeber zum Thema „Führung“, sondern ein Brevier der häufigsten Fälle, mit denen sich Führungskräfte immer wieder konfrontiert sehen. Wie zum Beispiel:

  • Wie übersteht man die ersten 100 Tage?
  • Gestern Mitarbeiter – heute Führungskraft.
  • Der Chef mischt sich ständig ein.
  • Wie hält man ein Team zusammen?
  • Wie führt man seinen Chef?
  • Wie man der Perfektionismusfalle entgeht.
  • Wie man ein strategisches Netzwerk aufbaut.

In meinen Coachings gehe ich ja meist so vor, dass ich den psychologischen Hintergrund des Problems beleuchte. Also welche inneren Einstellungen und Ängste jemanden daran hindern, das Problem anzupacken.

Denn meist handelt es sich meiner Erfahrung nach nicht um ein Informationsdefizit. Sondern um einen Mangel an Selbstkenntnis, wie die Führungskraft sich durch unbewusste „Landkarten“ daran hindert, das oft Naheliegende zu tun.

Gudrun Happich geht einen anderen Weg. Sie ist Diplom-Biologin und mit diesem Hintergrund der Bionik findet sie einprägsame Bilder, wie die Natur ähnliche Probleme angeht und löst.

Am Beispiel, wie Ihr Blutgerinnungssystem darauf reagiert, wenn Sie sich in den Finger schneiden, lassen sich wichtige Prioritäten erkennen:

  1. Ein Ereignis erfordert eine Reaktion.
  2. Das System fragt sofort: Was ist jetzt das höchste Ziel?
  3. Daran ausgerichtet fällt die Entscheidung (beim blutenden Finger zum Beispiel: Überleben).
  4. Ein festgelegter Mechanismus läuft ab, um das Ziel zu erreichen.

Die nachrangigen Ziele der Natur nach dem Überleben sind Wachstum, dann die Vermehrung – immer in dieser Reihenfolge.

Also kein Klären der Schuldfrage. Keine Erklärungen über die Unwahrscheinlichkeit dieses Ereignisses. Kein Verlagern der Verantwortlichkeit.

Als Beispiel wird Helmut Schmidt angeführt, wie dieser 1972 angesichts der Bedrohung Hamburgs durch eine riesige Sturmflut  handelte. Die meisten Entscheider wussten nicht weiter. Einen Einsatzplan für eine derartige Katastrophe gab es nicht. So ordnete Schmidt den Einsatz der Bundeswehr an, weil die als einzige über genügend Motorboote und Hubschrauber verfügte.

Wie Sie mit nicht erfüllbaren Vorgaben umgehen.

Das Kapitel hat mir besonders gut gefallen, auch weil ich diese Problematik in meinen Persönlichkeitsseminaren und Coachings öfters höre.

Die Autorin beschreibt treffend, wie jemand schleichend in eine Überforderung gerät, weil in einer Notsituation sich der Vorgesetzte meist an die Tüchtigsten wendet und ihnen das neue Problem noch draufpackt. Oft mit den Worten: „Das packen Sie schon …“

Oder auch der Fall, dass der Chef ein Ziel vorgibt, bei dem von vornherein klar ist, dass es nicht zu erreichen ist. Vor allem, wenn der Chef Unmögliches verlangt und Hinweise, dass das nicht geht, übergeht, ist es wichtig, die eigene Grenze zu ziehen anstatt zu glauben, dass man es erzwingen könne.

Wer jedoch den Unsinnsspruch „Geht nichts, gibt’s nicht!“ zum Lebensmotto erkoren hat, sitzt jetzt in der Falle.

Und kommt dann oft zum Coach und will wissen, wie es trotzdem geht.

Da bleibt dem Coach dann nur die Rolle des Großvaters oder der Großmutter, die der Führungskraft mitfühlend und geduldig erklärt, dass es tatsächlich Dinge gibt, die nicht machbar sind.

Wer profitiert von dem Buch?

Führungskräfte und solche, die es werden wollen. Aber auch für Mitarbeiter, Freiberufler und Selbständige ist es sehr lohnend. Behandelt es doch etliche Themen wie Selbstmanagement, Networking und Entscheidungsfindung, die auch für diese Zielgruppe relevant sind.

Speziell für Führungskräfte, die ins Topmanagement aufsteigen, ist Kapitel 10 wichtig. Hier können Sie einen Blick hineinwerfen. In die ersten 62 (!) Seiten des Buchs können Sie hier reinschauen.

Gudrun Happich hat auch einen Leistungsträger-Blog, in dem aktuelle Führungsfragen erörtert und besprochen werden.

Mein Fazit: Sehr empfehlenswert! Vor allem für die erste Gruppe von Menschen, die Danny Kaye meinte, als er riet:

„Es gibt zwei Möglichkeiten, Karriere zu machen: Entweder leistet man wirklich etwas, oder man behauptet, etwas zu leisten. Ich rate zur ersten Methode, denn hier ist die Konkurrenz bei weitem nicht so groß.“

kommentar Welches Führungsproblem Drückt Sie am meisten? 

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Foto: © – Marcus Bormann, Fotolia.com

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

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