Was genau passiert in einem Coaching und wie findet man den richtigen Coach?

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INTELLIGENTER ARBEITEN
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Ich wurde gerade als einer der besten von 250 Top-Coaches Deutschlands ausgewählt.

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„Hilfe, ich brauche einen Coach!“ Diesen Stoßseufzer äußern nicht nur gestresste Eltern, frustrierte Ehepartner und dominierte Hundebesitzer. Nein, auch Vorstandsmitglieder, Fachkräfte und Berufseinsteiger, Existenzgründer und andere Menschen, die sich mit einem für sie unlösbaren Problem konfrontiert sehen, halten Ausschau nach professioneller Unterstützung in Form eines Coachings.

Aber die Auswahl eines passenden Coaches ist nicht einfach, weil gültige Definitionen oder objektive Bewertungskriterien völlig fehlen. Heißt konkret: Jeder kann sich „Coach“ nennen – und viele tun das ja auch.

Abhilfe in diesem Dschungel schafft vielleicht das neue Siegel „Top-Coach 2016“.

Dafür hat das unabhängige Marktforschungsinstitut „Statista“ im Auftrag von FOCUS Network und XING Coaches die 500 Top-Coaches Deutschlands ermittelt. Für die Befragung wurden über 140.000 als Coaches auf der Plattform XING vermerkte Menschen angeschrieben. (Ich sagte ja, jeder kann sich …)
Außerdem wurden ca. 77.000 Personalverantwortliche von  XING eingeladen, an der Online-Befragung teilzunehmen. Empfehlungen konnten für 15 Kategorien bzw. Coaching-Schwerpunkte ausgesprochen werden, u.a. für die Bereiche Führungskräfte-Coaching, Verkaufscoaching-, Konflikt-Coaching und Kommunikations-Coaching.

Die am häufigsten von anderen empfohlenen Coaches wurden dann als Top-Coaches identifiziert und in eine Liste aufgenommen, die Sie hier anschauen können.
Und tada! Unter den 250 besten Coaches wurde ich als ein  Top-Coach für Führungskräfte Coaching ausgezeichnet. Darüber freue ich mich natürlich.

Und blicke gnädig darüber hinweg, dass FOCUS für die Verwendung des entsprechenden Siegels 5.000 Euro haben will. Und das pro Jahr.


 

Wer braucht überhaupt ein Coaching?

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Immer wieder kommen in meine Coachings Menschen, die eigentlich zufrieden sein müssten. Jedenfalls sagen sie sich das selbst („Mir geht’s doch eigentlich gut.“) oder Bekannte und Freunde tun das. Der dumme Spruch vom „Jammern auf hohem Niveau“ fällt dann irgendwann. Tröstet aber denjenigen überhaupt nicht, sondern macht nur Schuldgefühle.

Im Unterschied zu einer Psychotherapie, die ich ja auch anbiete, ist ein Coaching eine zeitlich stark begrenzte Unterstützung. Manche machen Coaching-Sitzungen im Abstand von einem Monat oder einem Vierteljahr. Manche Coaches machen Sitzungen von ein- oder mehreren Stunden. Aber immer geht es um die Fokussierung eines zentralen Themas, bei dem jemand nicht weiterkommt.

Ich arbeite mittlerweile fast nur noch mit 3-h-Coachings. Und zwar in drei Formaten.


 

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1. Business-Coaching

Das wird am häufigsten gebucht.

  • Von Führungskräften, die mit ihrem Chef oder einem Mitarbeiter nicht klarkommen.
  • Von Selbständigen, die befürchten, in einen Burnout zu rutschen, wenn sie so weiter machen wie bisher.
  • Von Fachkräften, die für eine Führungsposition vorgesehen sind und Zweifel haben.
  • Von Angestellten, die neben ihrem „Brotberuf“ noch nach einer Aufgabe suchen, die sie mit mehr Leidenschaft erfüllt. Hierzu ein Beispiel:

Juliane Gassert kam vor zwei Jahren zu mir für ein Business-Coaching. Als rechte Hand für drei Geschäftsführer einer Venture-Capital-Gesellschaft tätig. Gut beschäftigt – aber unzufrieden. „Meine Arbeit hat eigentlich gar nichts mit dem zu tun, was ich am besten kann„, sagte sie mir in der zweiten Sitzung.

„Was können Sie denn am besten?“, fragte ich.
„Gäste mit dem Zusammenspiel von Speisen und Wein glücklich machen“, war ihre Antwort. Heraus kam, dass sie in Berlin und Mallorca mit großem Erfolg Restaurants geführt hatte, aber ihr eines Tages alles über den Kopf gewachsen war. „Und noch mal ein Restaurant führen, will ich auf keinen Fall“ beantwortete sie gleich meine ungestellte Frage. „Aber wieder was mit Wein zu tun zu haben, wäre schon schön“, seufzte sie.

„Warum machen Sie nicht einen Blog zum Thema, welche Weine zu welchem Essen passen?“ dachte ich laut vor mich hin.

Und so fing es an. Frau Gassert besuchte Winzer auf ihrem Weingut, machte bei Weinproben und Weinmessen mit – und schrieb darüber in ihrem Blog www.einfachwein.net. In einem sehr speziellen Stil. Und so kam mit der Zeit eins zum anderen. Sie lernte eine begabte Köchin, Anette Popig, kennen, die als „Mietköchin“ Gäste verwöhnt und jemanden suchte, der zu ihren Menüs die passenden Weine aussuchte und präsentierte.

Am heißen 24. Juni dieses Jahres ging das 3. Weinmenü in Heidelberg über die Bühne. Oben der Bericht  von Birgit Sommer aus der Lokalredaktion der RHEIN-NECKAR-ZEITUNG.


 

2. Life-Coaching

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Alles, was nicht direkt mit einem beruflichen Thema zu tun hat, ist in meinem 3-h-Life-Coaching gut aufgehoben.

Das Wichtigste zuerst: ich gebe fast nie Tipps oder Ratschläge. Denn wenn  Ihr Problem so einfach zu lösen wäre, hätten Sie die Information schon bekommen oder sich selbst gesagt. Life-Coaching ist also mehr ein Betrachten Ihrer Ist-Situation. Verglichen mit Ihren Lebenszielen und Träumen, die bisher erreichten Etappen und auch die Abzweigungen und Brüche. Ziel ist es meist das Entwerfen eines für Sie Sinn-volleren Lebens. Dazu sind manchmal Veränderungen notwendig. Oft geht es aber auch um das Würdigen des Erreichten.

Das ist in etwa der Ablauf der ersten Stunde. Und dann wird’s richtig anstrengend. Denn mit Ihnen gemeinsam will ich herausfinden

  • Was Ihnen an Einstellungen und Glaubenssystemen im Wege steht.
  • Wie und warum Sie sich immer wieder sabotieren.
  • Warum Sie nicht zufriedener oder glücklich sein dürfen.

Da finden wir dann fast immer einen wichtigen unverarbeiteten Konflikt aus Ihrer Biografie, der Sie heute noch behindert.

Ein Beispiel:
„Ich würde gerne klären, warum ich nicht mehr aus meinem Leben mache, beruflich wie privat“,
war der erste Satz von Christian S., als wir uns zum 3-h-Coaching trafen. Der 37-jährige Controller hat eine sichere Position bei der Stadtverwaltung, eine Fernbeziehung mit einer Frau, die schon zwei Kinder hatte. Er würde gern aus seiner lauten 2-Zimmer-Wohnung ausziehen, scheut aber die Kosten, obwohl er gut verdient.

In der anschließenden Coaching-Arbeit kam heraus, dass er starke Schuldgefühle gegenüber seiner von klein auf behinderten Schwester hatte. „Immer wenn bei mir der Wunsch nach einer Veränderung in meinem Leben auftaucht, muss ich an sie denken – und wie wenige Möglichkeiten sie im Leben hat.“
Als dieser unbewusste Loyalitätskonflikt aufgedeckt worden war, traute sich der Klient, sich mit seiner Schwester auszutauschen und erfuhr, dass diese zufriedener lebte als er bisher. Und er begriff gefühlsmäßig, was er all die Jahre heimlich geopfert hatte, um ihr vermeintliches Schicksal zu erleichtern.


 

3. Beziehungs-Coaching

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„Warum verliebe ich mich immer wieder in die falschen Männer?“ ist der erste Satz der Klientin. „Vermutlich, weil die zu Ihrem Glaubenssystem passen“, denke ich sofort, sage es aber nicht, weil es noch unverständlich wäre.

Auf meine Frage, wie sie denn die falschen Männer charakterisieren würde, antwortet sie: „Gut aussehend, erfolgreich – und ungebunden. Die Affären mit ihnen sind immer aufregend, aber kurz. Sobald ich spüre, dass ein Mann ernstere Absichten hat, mache ich Schluss. Obwohl ich mir nichts mehr wünsche als eine feste Beziehung, sogar mit Kindern. Das ist doch meschugge!“

Während des Spaziergangs auf Heidelbergs Philosophenweg in der ersten Stunde frage ich unter anderem nach der Ehe der Eltern. Es war das klassische patriarchalische Modell. Die Mutter kümmerte sich um die drei Söhne und die Klientin. Der Vater brachte das Geld nach Hause, bestimmte, wofür es ausgegeben wurde – und ging notorisch fremd. Die Mutter wusste davon und ertrug es stillschweigend – angeblich wegen der Kinder.

„Kann es sein, dass Sie als Mädchen beschlossen haben, dass Sie nie das Schicksal Ihrer Mutter erleben wollen?“, lautet meine Frage an die Klientin. Die Reaktion ist ein lauter Schrei von ihr, während sie sich ans Herz fasst.

Im Beziehungs-Coaching, das manchmal auch Paare getrennt bei mir buchen, geht es nicht um Fehler oder sogenannte falsche Entscheidungen. Und schon gar nicht um Schuld. All das gibt es nicht wirklich.

Es geht vielmehr um das Aufdecken von Lebensstrategien, die unbewusste Konflikte lösen helfen.

Im Fall der Klientin also um die Angst, sich zu binden in dem unbewussten Glauben, dann dasselbe Schicksal wie ihre Mutter zu erleben. Diese Lebensstrategien kommen uns manchmal auf der bewussten Ebene deplatziert oder unsinnig vor. Erst wenn man den inneren unbewussten Kontext dazu kennt, sind sie plötzlich ziemlich (psycho)-logisch.

 


 

Wie findet man nun den richtigen Coach?

Empfehlungen sind eine erste Möglichkeit. Selber suchen im Netz eine andere. Und dann helfen vor allem zwei Kriterien:

  • Vermutete Kompetenz
    Dazu hilft einem, das was und wie jemand über seine Tätigkeit schreibt. Sein Selbstverständnis. Seine Veränderungsphilosophie.
    Die Liste an Aus- und Fortbildungen ist nicht unbedingt ein verlässlicher Wegweiser. Dann schon eher seine Erfahrung mit Coaching-Prozessen. Und ob er mit Gefühlen arbeiten kann, denn für wirkliche Veränderung muss das Gesprochene immer unter die Haut gehen.
    Und vor allem: Unterscheidet er sich von all den anderen? Oder sschreibt und sagt er das, was Sie überall lesen und hören können (Ressourcen entwickeln, Potenziale entfalten, Kommunikation verbessern, Visionen zulassen … gähn!)
    Dabei hilft Ihnen natürlich auch …
  • Ihr Bauchgefühl
    Ohne das geht es nicht. Er/sie muss Sie positiv ansprechen. Fragen Sie sich:
    – Könnte ich mich ihm/ihr anvertrauen?
    – Würde ich einen Vorschlag von ihm/ihr annehmen, auch wenn dieser mir seltsam vorkommt?
    – Lebt er, was er sagt?

Falls Sie mit mir arbeiten möchten,
hier mehr Informationen über meine Coaching-Angebote.

 

Hören Sie dazu den Podcast.

 

kommentar Welche Erfahrungen haben Sie mit Coaching?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

7 Kommentare

  1. Glückwunsch!
    Davon abgesehen danke ich bei dieser Gelegenheit für die wunderbaren Artikel, die Sie mir regelmäßig zum Lesen anbieten. Selbst wenn mich das Thema nicht interessiert, lese ich die Artikel quer, weil immer was Wertvolles drin steckt.
    Umso gründlicher lese ich natürlich diejenigen, die mich speziell interessieren.

    Sonnige Grüße aus der Toskana Deutschlands,

    Angela Braun

  2. Petra Burow sagt

    Sehr geehrter Herr Kopp-Wichmann,

    ja, ich kann nachvollziehen, dass Sie es geschafft haben, zu den besten TOP-Coaches zu zählen! Es gibt nur wenige Coaches, die den Eindruck machen, dass sie entspannt sind. Wenn dann noch Kompetenz dazu kommt, ist es die perfekte Mischung!
    Ich hoffe, Sie sehen mir nach, dass ich Ihren Newsletter „verschlinge“, doch noch nie etwas gebucht habe. Vielleicht habe ich einfach die Einstellung, dass mir die Lösung meiner Probleme Spaß macht *grien*.
    Verblüffenderweise gibt Ihr Newsletter oft genau zum richtigen Zeitpunkt die entscheidende Inspiration. So ein Paradigmenwechsel bewirkt echte Wunder!
    Deshalb möchte ich einfach einmal meine Wertschätzung für Ihre Arbeit
    ausdrücken: Herzlichen Dank für alles.

    Petra Burow

  3. Coaching läuft anders. Kein wirklicher Coach wird sich in den Vordergrund drängen, sondern versuchen im Klienten Erkenntnis- und Veränderungsprozesse einzuleiten. Ganz unbewusst. Was dann passiert, weiß keiner vorher .. Er wird keinesfalls als Guru auftreten noch als derjenige, der die Wahrheit gepachtet hat. Denn diese liegt im Klienten verborgen. Sie zu heben und zu würdigen, ist die eigentliche Aufgabe des Coaching. Andere Wahrheiten auch aushalten können. Achtsam, behutsam, wertschätzend, auch fordernd, in Kenntnis seiner eigenen Verrenkungen. Das ist wirksames Coaching, und kein Beweihräuchern.

  4. Liebe Frau Gassert,
    so wie Ihnen empfehle ich manchmal meinen Coaching-Klienten, die gerne schreiben aber noch nicht genau wissen, was sie daraus mal machen wollen, einen Blog zu starten.
    Zum einen gewöhnt man sich da ans regelmäßige Schreiben. Und vor allem sieht man, ob man wirklich etwas zu sagen hat, was Leute interessiert.
    Sie haben das sehr gut umgesetzt, waren sehr fleißig – und der Erfolg wird ja langsam sichtbar.
    Meinen Glückwunsch!

  5. Danke, Sie haben das sehr gut auf den Punkt gebracht.
    Ich habe immer gerne geschrieben, wäre aber niemals auf die Idee gekommen, das öffentlich und über Wein zu tun und dann auch noch in einem Blog.
    In der Arbeit mir Ihnen entstanden Zusammenhänge, die in meiner Welt bislang nicht denkbar waren.
    Es braucht den Mut zur Veränderung und dabei einen unkonventionellen erfahrenen Coach.
    Juliane Gassert

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