Sie wollen Gewicht verlieren, Marathon laufen, mit Rauchen aufhören? Schliessen Sie erst eine Wette ab!

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Methoden / Psychologie

Creative Commons License photo credit: Tim Zim

Die Deutschen sind die dicksten Europäer.

Laut einer jüngsten Studie sind die Hälfte der Frauen und drei Viertel der Männer übergewichtig. Aber auch wenn Sie für die kommende Strandsaison nur etwas schlanker werden wollen oder ganz andere gewichtige Ziele haben, ist der folgende Beitrag für Sie vielleicht hilfreich.

Wie viele gute Erfindungen begann das Ganze mit einem Selbstversuch. Der übergewichtige Student Dean Karlan versprach seinem ebenfalls dicken Kommilitonen, ihm zehntausend Dollar zu zahlen, wenn er nicht in einer bestimmten Zeit siebzehn Kilo weniger wiegen würde. Umgekehrt galt das Gleiche. Sollten beide ihre Gewichtsziele nicht erreichen, würde der, der seinem Ziel am nächsten gekommen war, vom anderen fünftausend Dollar einstreichen.

Das ermutigende Ergebnis: beide Studenten verloren statt der Dollar ihre Pfunde und wandelten die ursprüngliche Wette in einen fortgesetzten Vertrag um: 5000 $ bekommt jeweils der andere, sollte der andere ein bestimmtes Gewicht überschreiten.

Der Vertrag unter Freunden hält seit sechs Jahren. Das Konzept hat Karlan, inzwischen Wirtschaftsprofessor in Yale, nun kommerziell weiterentwickelt. Im Januar dieses Jahres startete er die Webseite stickK.com. Vergessen Sie also gute Vorsätze, denn erfahrungsgemäß helfen die nicht wirklich. Besser funktioniert es, wenn Sie Ihr mögliches Versagen richtig teuer machen.

Welches Ziel wollen Sie denn erreichen?

  • Endlich Ihr Wunschgewicht erreichen?
  • Dreimal die Woche zwanzig Minuten joggen?
  • Im nächsten Monat zur Darmkrebsvorsorge gehen?
  • In zwei Wochen Ihren Schreibtisch/Keller/Hobbyraum aufräumen?
  • Endlich eine Selbstanzeige beim Finanzamt machen oder wenigstens Ihr Autoradio bei der GEZ anmelden?
  • Oder Ihrer langjährigen Freundin endlich einen Heiratsantrag machen?

Auf der Website stickK.com können Sie sich anmelden und Ihr Ziel mit einem bestimmten Termin festlegen. Gleichzeitig verpflichten Sie sich zu einer Strafe, sollten Sie Ihr Ziel verfehlen.

Warum dieses Prinzip funktioniert, erklärt die die Verhaltensökonomie damit, dass in uns zwei Anteile streiten:

  1. Ein Teil lebt ganz im Hier und jetzt und will nur den kurzfristigen Genuss: „Ich will Schokolade/eine Zigarette/meine Ruhe – jetzt“.
  2. Ein anderer Teil denkt langfristiger und weiß: „Ich will schlanker /gesünder sein, also Finger weg von Schokolade/Zigarette.“Für die meisten Menschen ist das kurzfristige Vergnügen belohnender und wird somit stärker gewichtet als langfristige Wünsche. Ergebnis: Wir essen Schokolade, trinken zuviel Alkohol, bewegen uns zu wenig, verpesten die Umwelt – als gäbe es keine Folgen. photo credit: foboatDie freiwillige Vereinbarung mit StickK ist also eine Möglichkeit, den langfristig denkenden Teil in sich zu stärken.Den kurzfristig denkenden Anteil trifft es da, wo es Menschen am empfindlichsten trifft: am Geldbeutel. (Erfahrungsgemäß haben ja die Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen zu keiner Senkung des Verkaufs geführt. Was eine deutlichen Rückgang im Zigarettenumsatz brachte, war die letzte Erhöhung der Tabaksteuer!)

    Die innere Balance, so die Theorie der Verhaltensökonomen, sollte damit zugunsten des langfristigen Ziels kippen.

Spenden Sie das Geld an eine verhasste Organisation!

Wie sich sich selbst bestrafen wollen für Ihr Versagen, können Sie selbst festlegen. (Menschen mit masochistischer Charakterstruktur sind hier also deutlich im Vorteil.) StickK bietet ihnen dazu eine breite Auswahl an:

  • Sie könnten sich öffentlich schämen.
    Ihr Versagen wird dazu – in Form des neuzeitlichen Prangers – im Internet auf der Webseite mit Bild veröffentlicht.
  • Oder Sie zahlen eine bestimmte Geldsumme, die auf einem StickK-Konto hinterlegt wird.
    Schaffen Sie Ihr Ziel, bekommen Sie das Geld zurück. Schaffen Sie es nicht, wird Ihr Geld an eine gemeinnützige Organisation überwiesen.
  • Wollen Sie Ihren Anreiz noch erhöhen, können Sie auch bestimmen, dass von Ihrem Wetteinsatz eine ihnen verhasste Person (Schwiegermutter, Ex-Partner, Paris Hilton oder der Papst etc.) oder Organisation (Weight-watchers, Emma-Redaktion, NPD usw.) profitiert.

Damit Sie bei der Stange bleiben, müssen Sie auch (d.h. Sie verpflichten sich freiwillig) einen wöchentlichen Bericht über Ihre Bemühungen und Fortschritte an StickK schicken. Ein selbst gewählter Schiedsrichter – beispielsweise ein Freund, Verwandter oder Ihr Fitnesstrainer – bestätigt ihre Angaben. Man verlässt sich aber auch auf Ihr Ehrenwort.

StickK ist kostenlos (auch ich bekomme keine Provision für meine Werbung hier). Geld verdienen will man über Werbung. Etwa 1000 Verträge wurden schon unterzeichnet, mit zusammengerechnet 50.000 $ an Strafzahlungen bei Nichteinhaltung.

Auch deutsche Unternehmen nutzen das Prinzip.

Einzelne deutsche Unternehmen nutzen dieses Prinzip der Verhaltensökonomie bereits seit längerem. Die Druckerei Laserline, Berlin, zahlt seit 2001 jedem Mitarbeiter monatlich 100 Euro extra, der zum Monatsende per Unterschrift versichert, nicht geraucht zu haben. Etwa 20 von 150 Mitarbeitern haben seitdem dem Tabak abgeschworen. Und bei der Firma BuS Elektronik aus Sachsen bekommen nichtrauchende Mitarbeiter schon seit zehn Jahren zwei Tage Sonderurlaub. Statt einst 40 Prozent raucht jetzt nur noch etwa 5 Prozent der Belegschaft.

Quelle: FTD

Fazit: Das Prinzip lässt sich natürlich für viele Fälle des öffentlichen und privaten Lebens anwenden:

  • So könnte der SPD-Parteivorsitzende Beck, wenn er das nächste Mal eine verbindliche Koalitionsaussage macht, sich verpflichten, bei Nichteinhaltung einen bestimmten Betrag an eine andere Partei, zum Beispiel die NPD, zu spenden.
  • Sie könnten dreimal in der Woche Ihr Auto stehen lassen und statt dessen mit Bahn, Bus oder Fahrrad fahren. Im negativen Fall bekommt Ihr Strafgeld der Deutsche Allgemeine Fahrradclub.
  • Als Mann verpflichten Sie sich, mindestens zehn Monate Elterngeld in Anspruch zu nehmen und Ihren Nachwuchs zu versorgen. Sollten Sie nicht durchhalten, geht Ihr Wetteinsatz an PrOut@Work, einer Vereinigung für schwule Führungskräfte.

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Foto: © Patrick Pirker – Fotolia.com

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

3 Kommentare

  1. Christa Bollow sagt

    🙂
    Das Prinzip Wetten hab ich seit jeher durchgezogen, wenn ich etwas tun musste, wozu ich keine Lust hatte. Rauchen abgewöhnen gegen Eisbecher, da war ich 14 – war ein Supererfolg….

    Das hier hat ne neue Qualität, wenn ich weiterhin keinen Sport treibe, muss ich also Müller Milch Produkte kaufen und wieder wählen gehen….

  2. Marianne sagt

    Ich finde dieses Prinzip toll – gerade, weil auch eine große Portion Humor dahinter steckt.
    Ab sofort habe ich es in mein “ Repertoire “ aufgenommen 🙂

  3. Eine gut erprobte Fragemethodik im Vertrieb ist auch die sog. SPIN-Methode.

    SPIN steht für: Situationsfragen, Problemfragen, Implikationsfragen und Nützlichkeitsfragen.

    Eine Sitatuationsfrage wäre zum Beispiel: Mit wieviel Personen wollen Sie verreisen?

    Eine Problemfrage: Hat jemand in Ihrer Familie eine Allergie?

    Eine Implikationsfrage vertieft das Ganze: Ist es dann nicht problematisch, wenn die Hotelbettwäsche nicht allergikerfreundlich ist?

    Und schließlich eine Nützlichkeitsfrage: Würde es Ihnen da nicht helfen, wenn das Hotel im letzten Jahr ein Bio-Siegel für seine Allergiker-Freundlichkeit erhalten hat?

    Natürlich ist diese Fragetechnik hier ein wenig simpel dargestellt. Tatsächlich stellt der Verkaufsberater so viele Problemfragen und Implikationsfragen, bis er den genauen Bedarf des Kunden abgefragt hat und baut dann das Lösungsangebot mit den Nützlichkeitsfragen auf.

    Ach so: Ihrem Familienvater sollten Sie mein Buch empfehlen. Wer so entscheidet, kann nur verlieren 🙂

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